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Full text of "Centralblatt Für Bakteriologie, Parasitenkunde Und Infektionskrankheiten. 1. Abt. REFERATE. Band 42.1909"

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CENTRALBLATT 


fiir 

Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten. 


Erste Abteilung. XLII. Band. 


Referate. 


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CENTRALBLATT 

fur 


Bakteriologie, Parasitenkunde 

and Infektionskrankheiten. 


In Verbindung mit 

Oeh. MecL-Rat Prof. Dr. Loeffler 

in Greifswald, 

Geh. Med.-Rat Prof. Dr. R. Pfeiffer 

in Konigaberg 
und 

Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. M. Braun 

in Konigsberg 
herausgegeben yon 

Prof. Dr. 0. Uhlworm und Reg.-Rat Dr. A. Weber 

in Berlin in Gr.-Lichterfelde. 

Erste Abteilung. XLU. Band. 

leiizmiicti-hyneiiiscbe Mteriolone md tterisclie Parasltentmte. 

Referate. 

Hit 1 Abbildnn? im Texte. 



Jena, 

Verlag von Gustav Fischer. 
1909. 


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Ceatralbl.f.Baktetc. LML tolerate. Bd.XI.ll. Nil3. 


Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen 
Instituten, Laboratorien etc. 

- Nachdruck verboten. 

Royal Commission on tuberculosis, London. 

Royal Commission on tuberculosis (human and animal). 
Second interim report of the Royal Commission appoin¬ 
ted to inquire into the relations of human and animal 
tuberculosis. 1 ) Part. II. Appendix. Volume III. 261 pages. Ad¬ 
ditional investigations of bovine and human viruses by L. Cobbett, 
A. Stanley Griffith and F. Griffith. London (Wyman & Sons) 1907. 

Band III des Appendix enthalt eine Sammlung von erganzenden 
Berichten und Angaben, die sich auf die Priifung menschlicher und 
boviner Tuberkulosestamme beziehen. 


Kulturmerkmale der Bazillen. 

Die zu den Versuchen benutzten bovinen Stamm e wurden von A. S. 
und F. Griffith isoliert und geziichtet; sie empfehlen Einahrboden 
zur Zuchtung der Ausgangskulturen. Dieser Nahrboden ist auch zur 
„Auffrischung“ sehr alter Kulturen gut zu verwenden — so wurde auf 
ihm zum Beispiel eine 579 Tage alte Kultur weitergeziichtet, die nacbher 
im Tierexperiment eine unverminderte Virulenz ftir Kaninchen zeigte. 
Zum Vergleich fur die Wachstumsmerkmale der Bazillen wurden noch 
folgende Nahrboden benutzt: Serum Oder Glyzerinserum, Glyzerinagar, 
Glyzerinkartoffel und Glyzerinbouillon. Bei Verwendung von Glyzerin- 
^ serum zeigte es sich, dafi die bovinen Stamme sich in dreierlei ver- 
r ~'~ schiedenen Wachstumstypen weiter entwickeln. 

Beim ersten Typus bemerkt man bis zur 2. Oder 3. Woche iiber- 
~ haupt kein Wachstum, dann treten verstreut Kolonien auf. In einigen 
K Fallen bleiben sie klein und vereinzelt, in anderen wachsen sie weiter 
und es kann vorkommen, dafi die Wachstumsiippigkeit nach Verlauf 
^ von 6 Wochen der auf reinem Serumnahrboden gleichkommt Oder sogar 
ubertrifft. Bei dieser ersten Serie bilden die Unterscheidungsmerkmale 
t die anfangliche Verzogerung des Wachstums auf Glyzerinserum im Ver- 
gleich zu dem stetigen gleichmafiig zunehmenden Wachstum auf reinem 
"5 Serum und das Fehlen jeder bemerkenswerten Variation zwischen den 
-> einzelnen Kulturen, die diesen Wachstumsmodus zeigen. 

Beim zweiten Typus beginnt das Wachstum mit der Aussaat und 
zeigt bis zum Ende der 2. Woche ahnliches Aussehen wie auf reinem 
Serum. Am Ende der 3. Oder 4. Woche dagegen ist die Wachstums- 
.' iippigkeit bei den einzelnen Kulturen verschieden. 

Beim dritten Typus ist das Wachstum wahrend der 1. Woche 
uppiger als auf reinem Serum und steigt noch allmahlich, so dafi es 


*) Vgl. dieses Centralblatt Eef. Bd. 39 p. 735; Bd. 40 p. 273; Bd. 41 p. 21 nnd 

p. 808. 

Erste Abt Refer. Bd. XLII. No. 1/3. 1 


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2 Original-Referate aii3 bakteriologischen und parasitologischen Institute!! etc. 


am Ende der 4. Woche 2- bis 4mal so stark ist wie auf Serum. Audi 
die Wachstumsmerkmale auf beiden Nahrboden weichen sehr voneinauder 
ab; auf Serum sehen die Kulturen grau und gleichmatiig aus, hautig 
mit einzelnen verstreuten etwas erhabenen Kolonien an der Obertiache, 
wahrend sie auf Glyzerinserum weiiler und feuchter sind, mit unregel- 
mafiigerer und oft runzeliger Obertiache. 

Das Wachstum auf Glyzerinagar verba It sicli ebenso wie auf 
Glyzerinserum, und die Stiimme konnen in gleicher Weise differenziert 
werden. 

Das Wachstum auf Glyzerinkartoftel ist sehr variabel, stimmt aber 
in der Hauptsache mit dem auf Glyzerinagar uberein. 

Stamme, die auf Glyzerinnabrboden besser wachsen, entwickeln 
sich auch gewbhnlich scbneller auf Bouillon nnd bilden ein dickes 
durchsichtiges Hautchen mit undurchsichtigen Flecken. 

Eine Betrachtung der Resultate auf den verschiedenen Nahrboden 
zeigt, daB man die bovinen Bazillen nach einem melir Oder weniger 
vollkommenen System einreihen kann, indem man mit einem Bazillus 
beginnt, der auf samtlichen verschiedenen Medien schlecht wachst, und 
mit demjenigen endet, der sich uberall relativ gut entwickelt. 

L. Cobbett, der die Kulturmerkmale der von menschlicher Tuber- 
kulose stammenden Bazillen untersucht hat. findet, daB man dieselben 
in zwei kulturell verschiedene Gruppen einteilen kann, und zwar: 

1. Alle diejenigen Stamme, deren Wachstum in jungen Kulturen 
durch Glyzerin wenig Oder gar nicht unterstiitzt wird. 

2. Diejenigen, die auf Glj'zerinnahrboden iippiger wachsen. 

Er schliigt als eine „rohe, aber niitzliche“ Methode zu dem Zwecke, 
sich von vornherein schnell ein Bild von den kulturellen Merkmalen 
eines gegebenen Stammes zu maclien, folgendes Verfahren vor: man 
mache eine Aussaat auf Serum und Glyzerinserum und vergleiche die 
beiden Kulturen nach 3 Wochen. 1st die Gyzerinseruinkultur ent- 
schieden uppiger als die arnlere, so geliort der Stamm zur 2. Gruppe; 
ist die Kultur auf reinem Serum besser oder wenigstens nicht aus- 
gesprochen schlechter, so geliort der Stamm der 1. Gruppe an. Aber 
diese Proben sind nicht anwendbar bei alten Kulturen und bei solchen, 
die sich an Glyzerinnabrboden gewohnt haben. Bis zu einer gewissen 
Grenze und mit gewissen Einschrankungen, die Cobbett noch im ein¬ 
zelnen bespricht, scheint sogar eine Bezieliung zwischen Kulturmerk- 
malen und Virulenz zu bestehen. 

H. J. Hutchens, Assistant von Cobbett, gibt einen langeren 
Bericht iiber die Kulturmerkmale von menschliehcn Tuberkelbazillen 
und kommt zu folgendem SchluB: 

„Die Kulturmerkmale vieler der Stamme (141 von 47 Original- 
stammen), die ich in diesem Bericht besprochen babe, korrespondieren 
in jeder Hinsicht mit dem deutschen Typus humanus, andere dagegen 
zeigten sich in jeder Einzelheit identisch mit dem sogenannten Typus 
bovinus. Die Kluft zwischen dem typischen Typus humanus und dem 
typischen Typus bovinus wird ausgefullt durch eine grolie Anzahl von 
Bazillenstammen, die ich beobachten konnte und deren Kulturmerkmale 
Zwischenstufen (intermediate) zwischen den beiden Typen darstellen.“ 


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Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen Institute!! etc. 3 


Die Bouillonreaktion. 

Im Jahre 1903 beschrieb Theobald Smith eine einfache Methode 
zur Unterscheidung von menschlichen und bovinen Tuberkelbazillen, 
die darin bestand, daB die Reaktion der Bouillon gepruft wurde, auf 
der die Kulturen gewachsen waren. Um sich iiber den Wert dieser 
Methode eine unabhangige Meinung zu bilden, hat A. S. Griffith eine 
groBe Anzahl menschlicher und boviner Stamme gepruft. Die Bouillon- 
proben wurden entweder mit einer Pipette vom Boden des Kultur- 
glases entnommen, Oder aus der oberen Schicht mittels eines in den 
Hals eingepaBten Hebers. Die Untersuchung erwies folgendes: 

Wenn virulente Tuberkelbazillen menschlicher Oder boviner Her- 
kunft auf der Oberflache von Glyzerinbouillon wachsen, geht die Azi¬ 
ditat des Nahrbodens allmahlich zuriick, so dafi sie am Ende geringer 
ist als am Anfang; der Grad der Yerringerung variiert und war im 
allgemeinen am groBten bei sparlichstem Wachstum. Zuchtet man da- 
gegen schwach virulente Tuberkelbazillen auf der Oberflache von 
Glyzerinbouillon, so geht die Aziditat der Bouillon zuerst zuriick, aber 
in dem MaBe wie das Oberflachenhautchen an Dicke zunimmt, steigt 
die Aziditat allmahlich wieder an, so daB sie zum SchluB hoher ist als 
am Anfang. 

Griffith ist also in der Lage, im groBen ganzen die Ansicht von 
Smith zu bestatigen, daB schwach virulente menschliche Bazillen zuerst 
eine Yerringerung und dann eine Steigerung der Aziditat des Nahr¬ 
bodens bewirken, und daB es Stamme von bovinen Tuberkelbazillen 
gibt, welche die Aziditat der Bouillon stetig vermindern. Aber seine 
Resultate stiitzen nicht die SchluBfolgerung von Smith, daB die beob- 
achteten Unterschiede einer Yerschiedenheit in physiologischer Hinsicht 
entsprechen. Wir diirfen, sagt Griffith, nicht die Variationen in der 
Reaktion ubersehen, die einzig und allein Differenzen in der Wachs- 
tumsiippigkeit zuzuschreiben sind; und obgleich er nicht in jedem Fall 
vollige Uebereinstimmung zwischen dem Schwanken der Reaktion und 
dem Grade der Wachstumsiippigkeit nachweisen konnte, vermochte er 
doch eine gewisse Beziehung zwischen beiden zu finden. Die Diffe- 
renzen sind seiner Ansicht nach „gradueller und nicht wesentlicher 
Natur, und sind den Variationen an saprophytischer Kraft (saprophytic 
power) zuzuschreiben, deren Existenz in anderen Medien nachgewiesen 
werden konnte.“ 

Von Wichtigkeit ist auch die Dauer des Wachstums. 

Das Wachstum des bovinen Tuberkelbazillus hbrt viel schneller 
auf als das des menschlichen; doch reagieren beide zuerst in derselben 
Weise, und wenn, wie es in drei Fallen geschah, der menschliche Bazillus 
aufhbrt zu wachsen, wahrend das Hautchen noch diinn und durchsichtig 
ist, so unterscheidet sich die Verandernng der Reaktion nicht im ge- 
ringsten von der, die ein virulenter Bazillus bei gleichem W’achstum 
erzeugt. Wenn virulente Stamme gut wachsen und maflig dicke Hautchen 
bilden, ist die Verminderung der Aziditat nicht so groB, als wenn 
diinne Hautchen entstehen.... In vielen Fallen war die Verminderung 
der Aziditat nur sehr gering, und in einem Fall, wo das Wachstum 
sehr uppig war, war der Sauregehalt am Ende um 4°/ 0 o hoher als am 

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4 Original-Referate aus baktcriologischen und parasitologischen In>tituten etc. 


Anfang. Diese Experimente scheinen jedenfalls den SehluB zuzulassen, 
daB es hockvirulente Tuberkelbazillenstiimme gibt, die in gleicher 
Weise wie schwach vinilente Bazillen imstande sind, ira Glyzerin Siiure 
zu bilden. 

Griffith hat auch vergleichende Studien fiber die Veranderiingen 
der Keaktion angestellt, die humane und bovine Tuberkelbazillen in 
Glyzerin-Lackmusmilch hervorbringen. Auf diesem Nahrboden wachsen 
Tuberkelbazillen sehr gut und bilden einen Rasen, der sich in keiner 
Weise von dem unterscheidet, den sie auf Glyzerinbouillon erzeugen. 

Die Reihenfolge der Veranderung in der Farbung des Nahrbodens 
wahrend des Wachstums der Kulturen ist sehr charakteristisch. An- 
fangs, sobald das ausgesate Material langsain zu wachsen beginnt, 
nimmt die Milch eine tiefblaue Tonung an; in demselben Mafle wie der 
Rasen sich ausdehnt und an Dicke zunimmt, kehrt dann die urspriing- 
liche Farbe des Nahrbodens zuriick und gelit alliniihlich in ein leuch- 
tendes Rot liber; schlieBlich gerinnt die Milch. Diese Reaktion zeigen 
alle schwachvirulenten Keime, wenn sie zu iippigem Waehstuin ge- 
langen; gelegentlich, bei weniger iippigem Waclistum oder diinnerem 
Rasen, wurde die Milch zwar rot, kam aber niclit zur Gerinnung. Bis 
zu einer gewissen Grenze bringen virulente Tuberkelbazillen genau 
dieselben Veriinderungen in der Farbung des Nahrbodens liervor: die 
Farbe geht zuerst in ein intensiveres Blau iiber. und dann alliniihlich 
in rosa Oder rot; jedoch brachte keiner der virulenten Stiimme die 
Milch zur Gerinnung.... Nocli weitere Experimente wurden mit diesem 
Nahrboden angestellt; z. B. wurde der EinHuB auf die Reaktion bei 
wechselndem Glyzeringehalt und verschiedenen Zuckerarten untersucht. 
Die bisher erzielten Resultate zeigen jedoch. dafi die Tuberkelbazillen 
durch den Nahrboden nicht in zw'ei Klassen difterenziert werden kdnnen, 
sie stimmen in dieser Hinsicht mit den bei Glyzerinbouillon gemachten 
Beobachtungen iiberein. 

Die Modiflkation boviner Tuberkelbazillen. 

A. S. und F. Griffith fanden, daB durch Weiterimpfung auf 
Glyzerinnahrbiiden ein vermehrtes Wachstum aller Stiimme erzielt wird. 
Es resultiert schlieBlich ein Wachstumstypus, der praktisch fur alle 
gleich ist, namlich eine undurchsichtige, hokerige Oder etwas runzlige 
Schicht, die aber entschieden besser ist als bei den am leichtesten 
waclisenden Stammen von Klasse III. 

Die vermehrte Wachstumskapazitat auf Glyzerinnahrboden behalten 
die Bazillen auch*nach der Tierpassage (z. B. durch Kalb und Kanin- 
chen) bei, aber der EinfluB des Glj'zerins bringt keine Abschwachung 
der Yirulenz fiir diese Tiere mit sich. 

Yersuche iiber Modiflkation durch Tierpassage wurden mit ver¬ 
schiedenen Tierspezies angestellt. Schimpansen, Paviane und kleine 
Affen wurden, obgleich hoch empfanglicli fur den Bazillus der Rinder- 
tuberkulose, auf Grund ihrer nahen Blutsverwandtschaft mit dem 
Menschen zu Passageversuchen gewiihlt. Um dem natiirliehen Infektions- 
modus so nalie wie mdglich zu kommen, wurden die Bazillen durch 
Futterung mit Reinkultur oder mit infizierter Milch den Tieren ein- 
verleibt. Die Tierpassage wurde fortgesetzt, indem die vom vorlier- 


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Original-Referate aus bakteriologischen und parasitologischen Instituten etc. 5 


gehenden Tier isolierten Kulturen weiter verimpft wurden, um die 
mehr saprophytisch wachsenden Keime zur Vermehrung anzuregen; 
zum selben Zweck wurden in verschiedenen Fallen die Kulturen auf 
Glyzerinnahrbhden fortgeziichtet. Mit einer einzigen Ausnalime zeigten 
die vom letzten Tier in jeder Serie gewonnenen Kulturen keine Ver- 
anderung der kulturellen Merkmale, und in jedem Falle blieb die Viru- 
lenz fiir Kaninchen unverandert. Bei Hunden, den am meisten wider- 
standsfahigen Tieren, wurden in einigen Fallen Modifikationen der 
Kulturmerkmale und der Virulenz erreicht. Die Deutung dieser Resul- 
tate wird ausfiihrlicli besprochen. Passageexperimente mit Schweinen, 
Rindem, Meerschweinchen brachten keine Yeriinderung der kulturellen 
Eigenschaften Oder der Virulenz hervor. 

Bei Zusammenfassung dieser Experimente sagen die Autoren: 

Die Passageexperimente zeigen, soweit sie fortgefuhrt werden 
konnten, dad der Bazillus der Rindertuberkulose seine speziellen Kultur¬ 
merkmale und seine hohe Virulenz zah bewahrt. Eigentiimlich sind 
die an Hunden gewonnenen Resultate. Diese Yersuche sollen fort- 
gesetzt werden, um zu zeigen, ob der Hund den Bazillus der Rinder¬ 
tuberkulose zu modifizieren imstande ist. 

Schnelle Dissemination der Bazillen. 

Cobbett lied Kalber kurze Zeit nach der subkutanen Impfung 
toten, verimpfte Gewebsemulsion und Blut dieser Tiere auf Meer¬ 
schweinchen und wies dadurch nach, dad die fiir Rinder scliwacli 
virulenten Bazillen menschlicher Tuberkulose den Korper des Rindes 
sehr schnell iiberschwemmen. A. S. und F. Griffith fiihrten ahnliche 
Experimente durch, um zu erkennen, ob eine ebenso schnelle Ver- 
breitung nach Subkutaninjektion hochvirulenter Tuberkelbazillen nicht 
nur beim Kalb, sondern auch bei anderen Tierspezies stattfindet; in 
5 Fallen benutzten sie Bazillen you schwacher Virulenz fur Rinder. 
Diese Beobachtungen wurden an 8 verschiedenen Tierspezies angestellt, 
namlich am Affen, Kalb, Schwein, Katze, Kaninchen, Meerschwein, Ratte 
und Huhn. Dabei wurden folgende Resultate erzielt: 

Innerhalb 24 Stunden nach der Subkutaninjektion iiberschwemmen 
die Tuberkelbazillen den Korper des Tieres, und zwar wurde die Dis¬ 
semination bei jeder der geimpften Spezies beobachtet, ganz gleich, ob 
die Bazillen virulent oder nur schwachvirulent fiir die betrelfende 
Spezies waren.... Da bei alien Tierspezies der Blutstrom eine so wich- 
tige Rolle in der augenblicklichen Verbreitung der Bazillen iiber den 
ganzen Korper spielt, konnen die Verschiedenheiten in der anatomischen 
Ausbreitung der Krankheit, die bei den verschiedenen Spezies nach 
Subkutaninjektionen beobachtet wurden, am besten durch die Annahme 
erklart werden, daB die verschiedenen Organe und Gewebe sich betreffs 
ihrer Empfanglichkeit fiir Tuberkulose ganz verschieden verhalten. 

Da die Bazillen mit dem Blutstrom schnell in alle Kiirperteile ge- 
fuhrt werden, muB man naturlich annehmen, daB sie sich auch in den 
Muskeln finden, und in der Tat berichten A. S. und F. Griffith iiber 
verschiedene Versuche, bei denen es ihnen gelang, Tuberkelbazillen im 
Muskelgewebe nachzuweisen. 


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6 Origmal-Referate aus bakteriologiscken unci parasitolugischen Institute!! etc. 


ErgUnzende Berichte von Dr. Cobbett. 

Cobbett veriiffentlicbt uocli verschiedene wissenschaftliche Mit- 
teilungen fiber Fragen, die zwar an sicli aufierst interessant si ml. sick 
aber auf Grund ihrer kompli/ierten and vorwiegend teohnisclmn Beweis- 
ffikrung nicht zur Wiedergabe in einem kurzen Ans/.ug eignen. Es 
wild unter anderem fiber die stabile Virulenz beriditet. die kiinstliche 
Kulturen humaner Tuberkelbazillen besitzen, and tin selir griindlidier 
Absdinitt handelt day on, daB menschlidie Tuberkelbazillen, die er- 
wiesenermaBen beim Bind keine progressive Erkrankung erzeugen 
konnten, bei Kiilbern iiuBerst kleine niditprogressive Tuberkel liervor- 
brachten. Andere Thenmta sind: Sdiwankungen in der Widerstands- 
fakigkeit gegen Tuberkulose bei Individuen derselben Gattnng. EinlluB 
der Laktation. EinlluB der Quantitiit der verimpften Bazillen. Zur 
Frage der kongenitalen Tuberkulose werden wertvolle Erbrterungen 
gegeben. Im Verlauf yon Cobbetts Experimenten warden von K liken, 
die mit hochvirulenten Bazillen mensclilicher Abkunft inliziert worden 
waren, 6 Kiilber geboren, und bei 3 von ilinen land man kongenitale 
Tuberkulose. L y d i a K a b i n o w i t s c h (Berlin). 


Referate. 


Kossel, H., Die T u b e r k u 1 o s e f r a g e und die A r b e i t e n der 
englischen Tuberkulosekommission. (Deutsche med. W'ochen- 
schrift. 1908. S. 177.) 

Kritische Besprechung des 2. vorlaufigen Berichts der englischen 
Tuberkulosekommission von dem Gesichtspunkte, inwiefern er die An- 
schauungen fiber die Saugetiertuberkelbazillen und fiber die Bezieh- 
ungen zwischen tierischer und mensclilicher Tuberkulose zu beeinHussen 
geeignet ist (Tierversuche mit Stammen aus Binder- und aus menscli- 
licher Tuberkulose, Untersuckungen durch das Ziichtungsverl'ahren, 
Frage der Veriinderlichkeit der Tuberkelbazillen, SchluBlblgerungen der 
Kommission fiber die Beziehungen zwischen mensclilicher und tierischer 
Tuberkulose). Die Ergebnisse der englischen Versuche bereichern unsere 
Kenntnisse fiber die Tuberkelbazillen; einen Beweis ffir die Einheit der 
Saugetiertuberkelbazillen liefern sie jedoch nicht. M as an einwandfreien 
Versuchen gebracht wird, spricht ffir die Bichtigkeit der A ul't'assung, 
daB es 2 Typen im Sinne der Anhanger Kochs gibt. Die Moglichkeit 
der Umwandlung des einen Typus in den anderen ist nacli wie vor 
unbewiesen. Die Befunde der Englander konnen die Annahnie nicht 
erschfittern, sondern liefern im Gegenteil nock neue Beweise dafiir, daB 
die groBe Verbreitung der Schwindsucht in der weit tiberwiegenden 
Mehrzahl auf Ansteckung aus mensclilicher Quelle zurfickzufiihren ist. 

Georg Schmidt (Berlin). 


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Menschen- und Tiertaberkulose. 


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Shaw, The present st atus of the transmissibility of bovine 
tuberculosis. (Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. 
Nr. 15.) 

Verf. versandte 79 Zirkulare an verschiedene Padiater, betreffend 
die Uebertragbarkeit der Rindertuberkulose auf Menschen. 67 Ant- 
worten: 5 negativ, 37 positiv, 25 wollten sich nicht auBern. 9 Aerzte 
berichteten iiber eigene Beobachtungen; die Falle von 6 Aerzten sind 
zweifelhaft, da der Typus nicht festgestellt wurde. 3 Berichte iiber 
7 Falle von Infektion durch Milch, bei denen der Rindertypus nach- 
gewiesen wurde. — Nicht uninteressant ist die Antwort eines beriihmten 
Klinikers: „Ich war bemiiht, solche Falle zu finden, aber zu meiner 
Ueberraschung konnte ich keine finden." — Ruhrah schrieb, daB in 
Baltimore zwei Kinderinstitute existieren, von denen in einem Tuber- 
kulose herrscht, im anderen nicht, und doch wird die Milch fiir beide 
von derselben Milchwirtschaft geliefert. — Einen sehr erwahnenswerten 
Fall, der dokumentiert, wie vorsiclitig man bei Beurteilung solcher 
Falle sein mufi, teilt Verf. aus eigener Praxis mit: 14monatliches Kind, 
klinisch tuberkulose Meningitis, anatomisch miliare Tuberkulose. Here- 
ditare Belastung ausgeschlossen; niemand von den Dienern hatte 
Tuberkulose Oder tuberkulose Freunde Oder Verwandte; Wohnung 
*4 Meile von der Stadt entfernt; 12monatliche Ernahrung an der 
Brust; allm&hliche Entwdhnung; Milch von 2 Kiihen eines Nachbars. 
Beide Eiihe wurden sofort von dem zustandigen Tierarzte tuberkulini- 
siert, eine reagierte mit 39,4. Aber der Befund bei der Sektion der 
geschlachteten Kuh war negativ. Organteile des Kindes wurden an 
Theobald Smith gesandt, Bazillenbefund des Typus bovinus negativ. 
— Verf. schlieBt: Rindertuberkulose bedroht wohl die menschliche Ge- 
sundheit, in seltenen Fallen wurde ihre Uebertragung auf Menschen 
festgestellt, sie muB deshalb bekampft werden, aber es darf dadurch 
die Aufmerksamkeit von der wesentlichsten Gefahr der Menschentuber- 
kulose nicht abgelenkt werden. BouCek (Prag). 

Regner, Gustaf, Contribution k la connaissance des rapports 
existant entre la tuberculose humaine et la tubercu- 
lose bovine. (Bulletin de la ligue nationale suedoise contre la 
tuberculose. Numero special pour la VI. conference internat. de la 
tuberculose, r6unie & Vienne en Septembre 1907. p. 101.) 

In dem Bezirk Neder-Lule&, im nbrdlichsten Teil Schwedens, herrscht 
unter den Menschen die Tuberkulose seit langem in erschreckender 
Weise. In dem Dorfe Antnaes fanden sich z. B. unter 210 Erwachsenen 
41 Phthisiker, 23 der Phthise Verdachtige und 24 Personen mit Driisen- 
tuberkulose, unter 126 Kindern 8 mit Lungenphthise und 76 mit Driisen- 
tuberkulose. Der Departementtierarzt hat dagegen bei Rindern die 
aus denselben Dorfern stammten (alte eingeborene unvermischte Rasse), 
bei der Schlachtung noch niemals Tuberkulose gesehen. Dies gab Ver- 
anlassung, durch einen staatlichen Delegierten, den Veterinar Sten- 
stroem eine Tuberkulinpriifung unter den Rindern vornehmen zu 
lassen. Im ganzen wurden 263 Rinder in 42 Gehoften gepriift mit dem 
Ergebnis, daB nicht ein einziges reagierte. In 33 von den 42 Gehoften 
waren tuberkulose Menschen vorhanden und zwar in 21 von diesen 


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Menschen- und Tiertuberkulose. 


Phthisiker ill der Anzalil von 1—3 Personen. Trotzdem in diesen 
Gegenden die Menschen in innigste Beriihrung mit dem Vieh kommen. 
ist es niclit zur Uebertragung der Mensehentuberkulose auf das Kind 
gekommen. Darin sielit Vert’, eine Bestiitigung der experimentell ge- 
wonnenen Tatsacbe, dafi die Mensehentuberkulose auf das Kind niclit 
ubertragbar ist. Zu diesera Resultat kam aueh die selnvedische Tuber- 
kulosekommission (Henschen, J und ell, Sven sson. Sur l’identite 
de la tuberculose humaine et bovine. La lutte centre la tubereulose en 
Suede. Ouvrage dedie au congres international de la tubereulose a 
Paris. 1905. S. 80). Weber iGroll-Liehterfelde). 

Arloing, S., Variations morphologiques du bacille de la 
tuberculose de l’liomme et des M a mm i f e r e s ob tenues 
artificiellement. *) (Compt. rend, de I'Academie des Sciences de 
Paris. 20 janvier 1908. p. 100.) 

Es herrscht unter den Hygienikern und Bakteriologen Ueberein- 
stimmung iiber die Gefalir der Uebertragung der Kindertuberkulo.se auf 
den Menschen mittels der Nahrungsmittel. 

Aber Einverstiindnis ist noch niclit dariiber erzielt, ob die Tuberkel- 
bazillen des Menschen, der Kinder, der Vogel und der iibrigen Wirbel- 
tiere streng getrennten Gruppen angehoren oder nur einfache Varietaten 
derselben Spezies sind. 

Verf., welcher schon mehrere Jahre daran arbeitet, Beweise zu- 
gunsten der letzteren Ansicht beizubringen, stellt lest, dali die Form 
des Tuberkelbazillus in jeder einzelnen Gruppe niclit unveriinderlich ist. 

Es gelang ihm, im Experiment die Form des Menschen- und Kinder- 
bazillus und in ebenso weiten Grenzen vie diejenige des Vogel- und 
des Fischbazillus zu venindern, und er schlofi daraus, dali die Kiesen- 
formen, die verzweigten und angesclnvollenen Formen des Kochschen 
Bazillus niclit dem Bazillus der Vogel eigentiimlich sind. Sie kdnnen 
sich sogar in jungen Kulturen der Saugetiertuberkelbazillen linden 
unter der Bedingung, daB man diese Kulturen einer hdheren Temperatur 
Oder einem Druck von 2*/ 2 Atmospharen unterwirft. 

Unter diesen Bedingungen nehmen die Saugetierbazillen einige 
morphologische Eigenschaften der Tuberkelbazillen der Viigel und der 
Fisclie an. 

Diese Tatsachen tragen also dazu bei, die Schranke niederzulegen, 
welche einige Bakteriologen zwischen den Bazillen der drei Haupt- 
gruppen der Wirbeltiere, namlich der Saugetiere, der Viigel und der 
Kaltblliter aufgerichtet haben. Autoreferat. 

Goggia, C. P., Alcune nuove osservazioni sull’agglutina- 
mento del bacillo di Koch in relazione colla teoria del 
l’unicismo. (Gazzetta degli Ospedali e delle Cliniche. 1907. No. 81.) 

Im Hinblick auf eine Reihe von Untersuchungen hebt Verf. hervor. 
dali der Tuberkelbazillus von demselben Serum verschieden agglutinierbar 
ist, je nach den Tierarten, bei deneu er eingefiihrt wild. 

*) Vgl. hierzu aucli Arloing, S.. Variability du bacille de la tuberculose. Revue 
de la tubereulose T. o. 1908. j). 1 uud Bull, de la Sue. des sciences veter. 1908. p. 9. 


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Kaltbliitertuberkulose. Saurefeste Mikroorganismen. 


9 


Yerf. glaubt, es konne dieses Vorkommnis ein neues Argument 
liefern zugnnsten der Verfinderlichkeit des Bazillus, je nach dem orga- 
nischen Medium, worm derselbe lebt. Nach Ansicht des Verf. ware 
dies somit eine neue Bestatigung der Einheitlichkeit des Tuberkelbazillus. 

Negri (Pavia). 

Lombardo Pellegrino, P., Sulla pseudotubercolosi negli ani- 
mali a sangue freddo. (Herausgegeben vom Istituto d’lgiene 
della R. University di Messina. 1906.) 

1. Die Streptothricheen nnd die saurefesten Bazillen sind pathogen 
fur die kaltblfitigen Tiere. Aber das Krankheitserzeugungsvermogen ist 
nicht gleich fur die Streptothrix und die untersuchten saurefesten 
Bazillen, obschon es in Beziehung steht zu der krankheitserregenden 
Kraft, die diese Keime nattirlicherweise in der Kultur haben. Die 
Streptothrix totet die Kroten in 20—40 Tagen und nur bei Ver- 
impfung ganz geringer Mengen bleiben die Tiere am Leben, wenigstens 
bis zum 80. Tag. 

Die saurefesten Bazillen haben ein unvergleichlich geringeres 
Krankheiterregungsvermogen; mit Ausnahme der mit Lombardo II, 
Lombardo VII und dem Timotheusbazillus behandelten Kroten, die 
spontan verendeten, blieben alle anderen Kroten am Leben. Der Autor 
totete die Kroten, die keine Krankheitserscheinungen zeigten, bis 100 
Tage nach der Inokulierung, die Untersuchung der Kadaver ergab 
nichts aufler einigen perlgrauen Knfitchen. Die saurefesten Bazillen 
bewirken demnach nur selten eine Yerbreitung der Krankheit, sondern 
der Keim bleibt in den Organen lokalisiert. 

2. Die Streptothricheen scheinen bei dem Durchgang durch ein kalt- 
bliitiges Tier nichts von ihrer Wirksamkeit in bezug auf ein warm- 
blfitiges Tier einzubiifien, wahrend sie beim Durchgang durch eine 
Reihe von Kaltbliitern schnell und bedeutend abgeschwacht werden. 

Die Saurefesten hingegen scheinen nur schlecht in Kaltbliitern 
fortzukommen und erleiden eine nachweisbare Abschwachung. 

3. Die histopathologischen Yeranderungen, die bei der Pseudo- 
tuberkulose der Kaltbliiter vorgefunden werden, weichen nicht von dem 
Typus der Granulome ab und sind den bei Saugetieren von den 
gleichen Keimen hervorgerufenen Granulomen analog. 

Bertarelli (Parma). 

Eritzsche, Ernst, Experimentelle Untersuchungen fiber bio- 
logische Beziehungen des Tuberkelbazillus zu einigen 
anderen saurefesten Mikroorganismen und Aktino- 
myzeten. Entwicklungshemmung, Agglutination, Kom- 
plementbindung, gegenseitige Immunisierung. (Archiv 
f Hyg. Bd. 65. 1908. p. 181—220.) 

Die Untersachungen des Verf. ergeben folgendes: 

1. Die untersuchten saurefesten Mikroorganismen (Tuberkelbazillen, 
Bac. Tobler I—IV, Smegmabac, Aktinomyces-Arten, Pseudotb. Petri, 
Bac. Moeller I und II, Bac. Korn I) vermogen auf festen und fltissigen 
Nahrboden nicht, sich gegenseitig im Wachstum zu hemmen. Die unter- 


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Morphologie des Tuberkelbaziilus. 


suchten Stamme der „Saurefesten“ uiul Aktinomyzeten konnten auf 
Nahrboden, auf denen schon einmal ein Bazillus derselben Gruppe ge- 
wachseu war. weiter geziichtet werden. 

2. Gleiche Sera agglutiuierten im allgemeinen Aktinomyzeten und 
siiurefeste Bazillen gleicli gut, so daB auf diesem Vege eine Unter- 
scheidung nicht moglich war. Die Verwandtschaft der untersuehten 
Mikroorganismen konnte durch die Agglutination nicht bewiesen werden. 

3. Beim Verniengen der Sera von vorbeliamlelten Tieren mit Ex- 
trakten der honiologen, zur Immunisierung verwandten Stamine konnte 
meistens eine Komplementbindung im Sinne von Wassermann, 
Bordet u. a. nachgewiesen werden. Mit heterologen Stannnen trat die 
Bindung viel seltener ein; meistens waren die Besultate deutlich negativ. 
Jedoch ergaben auch verscliiedene Versuclie mit normalen Seris und 
verschiedenen Extrakten positive Hesultate, so dad man bei der Be- 
urteilung der Komplementbindungsversuche selir vursichtig sein muB. 
Fiir die Frage, ob eine Verwandtschaft zwischen den untersuehten 
Mikroorganismen besteht, lassen sich die Versuclie nicht verwerten. 

4. Die Frage, ob durch Vorbehandlung mit saurefesten Mikro¬ 

organismen und mit Aktinomyzeten Meerschweinchen gegen virnlente 
Tuberkelbazillen immunisiert werden kbnnen, Hi tit sich aus den Yer- 
suchen nicht beantworten. Zwei mit Aktinomyzeten immunisierte Tiere 
starben auffallend rasch. Ebenso auffallend ist aber die verliingerte 
Lebensdauer der Meerschweinchen, die mit Blindschleichentuberkel- 
bazillen vorbehandelt waren. Durch diese Beobachtung glaubt F. be¬ 
wiesen zu haben, dad das Problem der Immunisierung gegen Tuberkel¬ 
bazillen mit anderen, avirulenten Stammen nicht von vornherein als 
aussichtslos betrachtet werden darf. S r buster (Posen). 

Pane, D., La morfologia e la posizione sistematica del ba- 
cillo tub ercolare. (Morphologie und systematische Stellung des 
Tuberkelbazillus). Pavia, Tipogratia cooperativa. 1907. 

In der kritischen Uebersicht iiber die einschlagige Literatur be- 
merkt Yerf., es sei bis jetzt die Zugehbrigkeit des Tuberkelbazillus zu 
hoheren Pilzen nocli nicht sichergestellt. 

Versuclie, zuniichst das Schicksal des Tuberkelbazillus in der Aufien- 
welt zu verfolgen, blieben resultatlos, da der Tuberkelbazillus wegen 
Mangels an passenden Bedingungen relativ schnell sein vegetatives 
Vermiigen einbiiUt. Dabei sind die Verzweigungen des Tuberkelbazillus 
nicht zu sehen, wohl aber jene glilnzenden runden Gebilde, die schon 
oft als Dauerformen beschrieben worden sind. 

Verf. geht dann zur Morphologie des auf kiinstlichen Nahrbbden 
wachsenden Tuberkelbazillus iiber. Das Vorhandensein einer Hiille des 
Tuberkelbazillus ist nicht streng bewiesen. Es ist vielleicht richtiger, 
anzunehmen, dafi das Protoplasma sowohl des Tuberkelbazillus als 
aller Bakterien in Endo- Ektoplasma zerfallt. Dauerformen in weiterem 
Sinne sind nach Verf. die runden scharf konturierten Gebilde, welche 
zuerst Nocard und Roux beschrieben. Verzweigungen zeigen die 
Tuberkelbazillen hier und da in den kiinstlichen Kulturen, man er- 
halt sie zahlreicher, wenn man fliissige Nahrboden mit Zusatz von 
milden Antisepticis, nach den Angaben Fischels, anwendet. Auch 


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Morphologie des Tnberkelbazillus. 


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das Hundeserum ist empfehlenswert. Was eigentlich die Yerzweigungen 
sind, dariiber kann sich P. nicht mit Sicherheit aussprechen; er glaubt, 
dab sie keine Degenerationsformen sind, weil sie ihre Saurefestigkeit 
behalten, und weil einige verzweigte Formen den Eindruck erwecken, 
als ob sie in Bazillen zerfallen. 

Metachromatische Kornchen und Kerne des Tuberkelbazillus werden 
in einem anderen Abschnitt behandelt. Auf Grand zahlreicher nach 
Nakanishi und Meyer hergestellter Praparate kommt der Yerf. zu 
dem Schlusse, dab die Gegenwart eines Kerns des Tnberkelbazillus nicht 
bewiesen ist. 

Die Strahlenpilzherde, die verschiedene namhafte Forscher bei Tier- 
versucben mit Tuberkelbazillen beschrieben haben, sind, wie bekannt, 
von Bostrom in Zweifel gezogen worden. 

Auch die meisten Versuche des Yerf., in denen er intravenbse, 
intraarterielle und subdurale Einspritzungen ausfiihrte, fielen negativ 
aus, einige wenige aber doch unzweifelhaft positiv. Diese Strahlen¬ 
pilzherde verlieren allmahlich die Saurefestigkeit, was nichtsBefremdendes 
hat, da in den kiinstlichen Kulturen des Tuberkelbazillus das gleiche 
geschieht. Oefter kommen Verzweigungen und Strahlenpilzherde bei 
Yersuchen an Kaninchen mit den Pseudotuberkelbazillen (Mistbazillus) vor. 

Was die systematische Stellung anbetrifft, so kann man sagen, dab 
alles in allem die verschiedenen Typen des Tuberkelbazillus und die 
Pseudotuberkelbazillen eine Gruppe bilden, die nicht unter die eigent- 
lichen Bakterien eingereiht werden kann. Sie haben viele morpho- 
logische, kulturelle und biologische Eigenschaften mit den Aktinomyzeten 
gemein. Die Verwandtschaft mit diesen erscheint, noch inniger, wenn 
man denkt, dab es eine ganze Reihe von Aktinomyzeten gibt, die Saure¬ 
festigkeit besitzen. Negri (Pavia). 

Pejn et Rajat, Morphologie du bacille de la tuberculose 
humaine dans les milieux salins. (Compt. rend, de la soc. de 
la Biol. Tome 63. 1907. S. 427 u. 681.) 

In einer Bouillon, die 4 Proz. KJ enthalt, wachsen Tuberkelbazillen 
bei 38° in einer mit Wasserdampf gesattigten Atmosphare in der 5. 
oder 6. Generation zu langen Faden aus, die auf den ersten Anblick 
wie Streptobazillen aussehen. Die Faden haben eine Lange von 50 bis 
70 n, oft sind sie 3—4mal so dick als normal. Sie zeigen manchmal 
seitliche Yerzweigungen und Ausbauchungen und bekommen Aehnlichkeit 
mit Aktinomyzeten. 

Sie farben sich gut nach der Ziehlschen Methode, doch entfarben 
die Sauren rasch, und zwar um so mehr, je mehr die Bazillen von der 
urspriinglichen Form abweichen und je langer sie auf einem salzhaltigen 
Nfihrboden gewachsen sind. In den einzelnen Individuen sieht man 
verschiedene helle Stellen, Vakuolen, fiber deren Bedeutung die Verff. 
sich noch nicht klar sind. Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 

Goggia, G. P., Osservazione clinica e microscopica intorno 
alle modificazioni morfologiche del bacillo tubercolare 
nell’espettorato. (Annali dell’Istituto Maragliano. Anno I. 1906. 
No. 6.) 

Auf Grand eigener Beobachtung berichtet Yerf. fiber das Auftreten 


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Entstehung der Tuberkulose. 


und die Entwicklung der Nekrobiose von Bazillen des Sputums bei 
einer mit destruktiver spezilischer Bronchopneumonie beliafteten Frau; 
bei letzterer waren Injektionen von antitoxischem und antibazillarem 
Serum vorgenommen worden. 

Mit der Nekrobiose der Bazillen erschienen auch die Symptome 
einer starken lokalen bzw. allgemeinen Beaktion; die Ersclieinungen 
traten kurz vor Beginn einer deutlichen allmahlichen Besserung des 
Zustandes der Kranken auf. Negri (Pavia). 

Bongert, Beitrage zur Lelire von der Entstehung der 
Tuberkulose. (Deutsche Tierarztl. Wochenschr. li>06. No. 20.) 

Der Autor berichtet zunachst iiber die in letzter Zeit geiiufierten 
Ansichten beziiglich der Tuberkulose des Menschen und der Tiere. Er 
selbst steht auf dem Standpunkt, daB Menschen-, Kinder- und Gefliigel- 
tuberkulose nicht artverschieden seien, sondern nur Modilikationen ein 
und derselben Art, zwischen denen aber I'ebergange vorkomnien. 

Im iibrigen gibt Verf. zu, daB im allgemeinen die bovine Tuber¬ 
kulose flir verschiedene Tierarten eine hbhere Virulenz besitze wie die 
Tuberkulose humanen Ursprungs. Andererseits seien aber bei Mensch 
und Tier verschieden virulente Tuberkelbazillenstiimme nachgewiesen 
worden, und wenn Kossel, Weber und HeuB damals nicht bloB 
8 Stamme von Rindertuberkulose zur Priifung ihrer Virulenz herange- 
zogen batten, sondern 44 Stamme wie zu den entsprechenden Experi- 
menten mit menschlicher Tuberkulose, so ware fiir das Rind zweifellos 
ein viel grbBerer Prozentsatz wenig virulenter Kulturen festgestellt 
worden. 

Im AnschluB daran teilt Verf. mit, daB nach einer von ihrn ge- 
gemachten Beobachtung die Abschwachung des Tuberkelbazillus fast in 
voile Avirulenz ubergehen kann. Die vom Autor festgestellten diesbe- 
zugliclien Falle bestanden in einer eigentiimlichen tuberkulosen Darm- 
erkrankung, die schon friilier von Johne und Frottingham beob- 
achtet wurde, und unter dem Bilde einer dilfusen Infiltration der Darm- 
schleimhaut verlauft. Die zugehorigen Bazillen sind kleiner und kiirzer 
wie die gewohnlichen Tuberkelerreger. 

Mit derartigem Material an Hiilmern und Tauben vorgenommene 
Impfversuche fielen vollstiindig negativ aus, woraus geschlossen werden 
kann, daB eine Infektion mit Vogeltuberkulose nicht vorlag. Kaninchen 
wurden nach der Impfung nicht wesentlich krank, sondern akquirierten 
nur abgekapselte Abszesse ohne Generalisation. Von den Meer- 
schweinchen erkrankte zwar der groBte Teil, jedoch nicht alle. Bei 
ersteren verlief die Impfkrankheit auBerordentlich langsam (Dauer 
4—5 Monate) unter besonders hervortretender Schwellung und Ver- 
kasung der Lymphdriisen. Es muB daher eine wesentliche Abschwachung 
des Krankheitserregers in seiner Virulenz angenommen werden. 

In zwei Fallen wurden beim Rinde neben den beschriebenen Ver- 
anderungen im Darme noch Tuberkulose anderer Organe vorgefunden. 
Die damit infizierten Meerschweinchen verendeten an hochgradiger 
generalisierter Tuberkulose schon nach 4—5 Wochen. Es bestand also 
bei diesen Tieren zu gleicher Zeit eine Doppelinfektion mit demselben 
Mikroorganismus jedoch von sehr verschiedener Virulenz. Der Autor 
sieht darin eine Bestatigung der oben schon ausgesprochenen Ansicht, 


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Tuberkulose; Infektionswege. 


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daB die beim Rinde vorkommenden Tuberkelbazillen in ihren morpho- 
logischen, kulturellen und vor allem pathogenen Eigenschaften keines- 
wegs Konstanz zeigen. 

Es wird sodann weiter darauf hingewiesen, daB die Tuberkulose 
unter alien Infektionskrankheiten durch Mannigfaltigkeit und Wandel- 
barkeit des pathologisch-anatomischen Befundes ausgezeichnet sei. Be- 
ziiglich der diesen Satz begriindenden Angaben sei auf das Original 
verwiesen. Erwahnt sei an dieser Stelle nur die Behauptung des Autors, 
wonach entgegen der bis jetzt herrschenden Annahme, die sogenannten 
tuberkulosen Erweichungsherde lediglich durch allmahlich absterbende 
und deshalb abgeschwachte Tuberkelbazillen hervorgerufen werden, und 
daB dabei in den meisten Fallen pyogene Bakterien nicht in Betracht 
kommen. Carl (Karlsruhe). 


t. Behring, Beitrag zur Lehre von den Infektionswegen 
der Tuberkulose. (Tuberculosis. Bd. 6. 1907. S. 423.) 

v. B. vertritt seine bekannte Ansicht, daB die pulmonale Infektion 
beim Menschen viel weniger in Betracht kommt, als die intestinale. 
DaB im Tierexperiment eine gewaltsame unmittelbare Lungeninfektion 
moglich sei, konne nicht bestritten werden, jedoch diirfe man aus diesen 
Experimenten nicht auf die Verhaltnisse beim Menschen schliefien. 

Ferner weist v. B. auf die in seinem Institut von Dr. Much nach- 
gewiesene Existenz einer granularen Form des Tuberkulosevirus hin. 
In tuberkulosen Organen von Tieren konnen oft mit der gewbhnlichen 
Z i e h 1 schen Farbemethode keine Tuberkelbazillen nachgewiesen werden, 
trotzdem daB diese Organe das Tuberkulosevirus beherbergen, wie durch 
Meerschweinchenversuch nachgewiesen werden kann. Much hat nun 
in diesen Organen sog. Tuberkulosegranula durch eine modifizierte Gram- 
methode nachweisen konnen (vgl. diese Zeitschr. p. 73). 

Dieterlen (Berlin). 

Gaffky, Zur Frage der Infektionswege der Tuberkulose. 
(Tuberculosis. Bd. 6. 1907. S. 437.) 

Unter Gaffkys Leitung wurden im Institut fur Infektionskrank¬ 
heiten zu Berlin von 300 im Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder- 
krankenhaus zur Obduktion gelangten Kinderleichen die Mesenterial- 
und Bronchialdriisen durch den Meerschweinchenversuch auf das Vor- 
handensein von Tuberkelbazillen gepriift. Auf Grund ihrer Virulenz 
fur Kaninchen wurden die durch den Meerschweinchenversuch in den 
Drusen nachgewiesenen und in Reinkultur gewonnenen Tuberkelbazillen 
dem Typus humanus oder bovinus zugerechnet. 

Tuberkulose konnte bereits auf Grund des Obduktionsbefundes bei 
den bis zu 13 Jahre alten Kinderleichen in 33 Fallen, d. h. in 11 Proz. 
gefunden werden. 3 Falle waren tuberkuloseverdachtig. 

Durch Verimpfung der Mesenterial- und Bronchialdriisen aufMeer- 
schweinchen konnte von den 36 Fallen in 27 die Diagnose Tuberkulose 
bestatigt werden, und zwar erwiesen sich 17mal die Mesenterial- und 
Bronchialdriisen, 5mal nur die Mesenterialdriisen und 5mal nur die 
Bronchialdriisen infektios. 

Doch konnten auch in den Driisen der 264 nach dem Obduktions- 
befund tuberkulosefreien Leichen in 30 Fallen Tuberkelbazillen nach- 


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Tuberkuloae; Infektionswege. 


gewiesen werden, und zwar 12mal in beiden Driisengruppen. 6mal nur 
in den Mesenterialdrusen und 12mal nur in den Bronchialdrusen. 

Von den 300 Kinderleichen waren also 57 (d. i. 19 Proz.) tuber- 
kulos infiziert; 29mal erwiesen sich beide Driisengruppen, llmal nur 
die Mesenterialdrusen und 17mal nur die Bronchialdrusen infektios. 

Dali die intestinale Infektion bei Kindern die vorlierrschende ist, 
dafur hat sich aus den Untersuchnngen ein Anhaltspunkt niclit ergeben. 
Das Resultat der Untersuchungen spricht eher t'iir die gegenteilige An- 
sicht, dafi namlich auch ini Kindesalter die Kespirationsorgane die hiiufigere 
Eintrittspforte fiir die Tuberkelbazillen bilden. 

Als Nahrbiiden fiir die Tuberkelbazillen kanien 2 Proz. Glyzerin- 
rinderserum und 2 Proz. Glyzerinbuuillon zur Verwendung. Zum Zweck 
der Prufung am Kaninchen wurde von der Bouillonkultur 1 eg sub- 
kutan verimpft. Von einer Virulenzpriifung an Kindern wurde ab- 
gesehen. 

Die Prufung der verschiedenen aus den Kinderleichen gewonnenen 
Tuberkelbazillenstamme am Kaninchen ergab in 53 Fallen den sog. 
Typus humanus, in 2 Fallen sind die Reinkulturen am Kaninchen noch 
nicht gepriift, in 2 weiteren Fallen ist bis jetzt die Ziichtung aus 
dem Meerschweinchenkorper noch nicht gelungen. Allem Anschein nach 
handelt es sich hierbei um Bazillen des Typus bovinus, doth ist dabei 
auffallend, daB in diesen beiden Fallen nur die Meerschweinchen er- 
krankten, die mit den Bronchialdrusen geimpft waren, wahrend die 
Tiere, die mit den Mesenterialdrusen geimpft warden, gesund blieben. 

Die Untersuchungen ergaben, daB auch fiir die Kinder die Haupt- 
gefahr die vom Menschen stainmenden Tuberkelbazillen und nicht die 
Rindertuberkelbazillen sind. 

Ferner wurden unter der Leitung des Geli. Med.-Rats Dr. Frosch 
Versuche ausgefiihrt iiber die Frage, ob das Eindringen feiuster Freni d- 
korper in die Lunge nur auf dem Umweg durch den Verdauungskanal 
und dessen Lymphgefafisystem Oder auch, wie allgemein angeuommen 
wird. direkt auf dem Inhalationsweg erfolgen kann. 

Es wurden znerst orientierende V T orversuche teils mit anorganischen 
Partikelchen, teils mit verschiedenen saprophytischen und pathogenen 
Bakterien angestellt. Die anorganischen Korperchen wurden durch 
das Schnittverfahren, die Bakterien durch Schuitt und kulturell nach- 
gewiesen. Das inhalierte und verfiitterte Material wurde im Tierkbrper 
auf seinem weiteren Weg in die A timings- und Verdauungsorgane ver- 
folgt. Zu diesem Zweck wurden die Tiere teils sofort, teils V 2 —2 
Stunden nach Beginn des Versuchs getbtet und die Organe verarbeitet. 

Das Resultat der Inhalationsversuche ist, dad sowolil bakterielles 
wie nicht bakterielles Material durch Inhalation direkt in die Lungen 
eingefiihrt werden kann. Bei den Bakterien miissen allerdings sehr 
grofie Massen inhaliert werden, wenn man sie in den einzelnen Lungen- 
absclmitten nachweisen will. 

Parallel zu den Inhalationsversuchen wurden Fiitterungsversuche 
ausgefiihrt. Dabei wurde eine zufiillige Aspiration so gut wie moglich 
vermieden. Die verfiitterten Korperchen bzw. Bakterien konuten nie 
in den Lungen, auch nie in den Mesenterialdrusen nachgewiesen werden. 

Das Gesamtergebnis der Vorversuche ist folgendes: Es gelingt, sicher, 
lediglich auf dem Wege der Inhalation geeignetes, feinkorniges Material 


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Tuberkulo.se; Infektionswege. 15 

und auch pathogene Bakterien in die Trachea and in die Lungen- 
alveolen iiberzufuhren. Dieterlen (Berlin). 

Ghedini, G., Infezione tubercolare primitiva delle ton- 
sille (A), dei veli palatini (B), dei testicoli (C), delle 
articolazioni (D). — Sna evoluzione ed esiti. (Annali dell’ 
Istituti Maragliano. II. No. 1.) 

Die Versuche von Ghedini beweisen, dafi der primaren tuber- 
kulosen Infektion der Mandeln Oder anderer Teile der Mundhohle eine 
tuberkulose Infektion der oberflachlichen und tiefen Lymphgefafie und 
-knoten des Halses, der mediastinalen und bronchialen Lymphgefafie 
und -knoten, der oberen Teile der parietalen und visceralen Pleura- 
blatter, der Lungenspitze und der ganzen Lunge folgt. In den meisten 
Fallen beschrankt sich die Infektion auf dieseOrgane; zuweilen befallt sie 
jedoch dieselben sehr rasch und bricht dann in akuter und diffuser Weise 
mit dem anatomischen Bilde einer allgemeinen Miliartuberkulose aus. 

Zu diesen Schlufifolgerungen kam Verf. durch Versuche, die er mit 
Affen anstellte. 

Aus seinen weiteren Forschungen schliefit er wie folgt: 

Wenn der Tuberkelbazillus direkt in die Gelenkhohlen injiziert 
wird, bedingt er sehr bald die typischen Neubildungen und die gewohn- 
lichen gleichzeitigen entziindlichen Eeaktionsprozesse, und befallt mit 
Vorliebe die Synovialschleimhaute, die Gelenkbander, das periartikulare 
Bindegewebe und Muskelgewebe, die naheliegenden Lymphgefafie und 
-knoten, zeigt aber keine Neigung dazu sich von hier weiter auszu- 
breiten und die abdominalen oder thorakalen Organe (Lunge) zu befallen. 

Diese Tatsachen, welche auch von Pawlowsky beobachtet 
worden waren, kann man wahrscheinlich mit der geringen Zahl der Lymph- 
bahnen, welche die innere Flache der Gelenkhohlen mit den weichen 
unterliegenden Geweben in Verbindung setzen, und mit der geringen 
Zahl der Lymphbahnen, welche diese letzteren mit den Lymphknoten 
der Leisten- und Lendengegend verbinden, erkl&ren. 

Diese Tatsachen beweisen andererseits, dafi, wenn man eine primare 
oder eine von einem umschriebenen und latenten tuberkulosen Herde 
ausgegangene Gelenktuberkulose als moglich annehmen will — und 
diese Moglichkeit kann man jedenfalls nicht in Abrede stellen —, eine 
Fortpflanzung der Infektion auf verschiedene Organe und besonders auf 
die Lungen nicht iibermafiig gefiirchtet zu werden braucht, und infolge- 
dessen nicht stets ein radikaler chirurgischer Eingriff erforderlich ist. 

Bertarelli (Parma). 

Noetzel, W., Ueber die Bedeutung der Lymphdriisen fur die 
Bakterienresorption. (Med. Klinik. No. 13. Marz 1907.) 

1. Eine Filtration, eine Zuruckhaltung der Bakterien in den Lymph- 
driisen findet nicht statt. Injiziert man Kaninchen ins Kniegelenk 
toxinfreie Aufschwemmungen von B. pyocyanem ohne ein Blutgefafi zu 
verletzen, so findet man nach 5—10 Minuten nicht nur die zunachst 
gelegenen Lymphdriisen, sondern auch die beiden nachsten zentralwarts 
gelegenen Etappen, die Iliakal- und Lumbaldriisen mit reichlichen 
Keimen gefiillt, und auch im Blut lassen sich bereits zur selben Zeit 
Pyocyaneusbazillen nachweisen. 


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Tuberkulose; Infektionswege. 


2. Bei Infektionen an Stellen, deren regioniire Lvmphdriisen radikal 
exstirpiert sind, konimt es nicht leichter zur Allgemeinerkrankung als 
bei anderen. Verf. impfte Kaninchen mit virulenten Stapliylokokken 
und Streptokokken an der vorderen Extremitat verschieden lanire Zeit 
nach vollkommen radikaler fjxstirpation der gleiehseitigen Axillar- und 
Claviculardriisen. In alien diesen Versuchen verlief die Infektion genau 
wie bei den Kontrolltieren. 

3. Eine Rolle als Schiitzer vor der Allgemeininfektion kann Verf. 
den Lymplidriisen dalier niclit zuerkennen. Sie reagieren auf eine In¬ 
fektion ebenso wie andere Gewebe, namlich mit Entzundung. 

Meinicke (Saarbriicken). 

Kitamura, S., Die Stellung der Bronchi ally mphdriisen im 
lymphatischen System und ilire Beziehung zum (yang 
der tuberkulosen Infektion. (Zeitschr. f. Hygiene und Iu- 
fektionskrankheiten. Bd. 58. 1907. p. 194.) 

Die Versuche von Kitamura ergeben, dafi die Behauptung von 
Weleminsky (1905), welche er auf Grund seiner auf mehr als 1000 
Meerschweinchenimpfungen sich stiitzenden Untersuchungen iiber die 
lymphogene Ausbreitung der Tuberkulose aufstellte, die Bronchialdriisen 
stellten ein Sammelreservoir fiir die gesamte Korperlymphe, gewissermalien 
eine Art Lymphherz dar, in keiner Weise bewiesen ist. Im Gegenteil 
war festzustellen, dafi die Bronchialdriisen lediglich den lokalen regionaren 
Driisenapparat fiir die Lungen darstellen, von denen und liber welche 
ihnen allein korpuskulares blandes Oder infektioses Material zugefiihrt 
wird. Zufuhrende Lymplibahnen zu den Bronchiallymphdriisen scheinen 
weder in dem Lymphbezirke des Halses noch denen der nnteren Korper- 
halfte zu bestehen, doch ist die Moglichkeit nicht auszuschlieCen, dafi 
von gewissen Grenzbezirken des Lymphabflusses aus (wie bei einer 
Wasserscheide) kleine praformierte Bahnen einen schwachen kollateralen 
Lymphstrom zufiihren konnen. 

Unter Uebertragung dieses Untersuchungsergebnisses auf die Tuber¬ 
kulose ist es nicht statthaft, eine Bronchialdriisentuberkulose nur durch 
eine Infektion auf dem Wege der Lymphbahn eutweder von den Hals- 
driisen Oder den Driisenrezeptoren der unteren Korperhiilfte aus zu er- 
klaren. Fiir die meisten Bronchialdriisentuberkulosen kann man eine 
lymphogene (oder hamatogene, Ribbert) Entstehung vom regionaren 
Driisenapparat der Lungen aus anuehmen (Inhalationstuberkulose) oder 
eine hamatogene, wobei das infektiose Virus iiber die grofien Lymph- 
stamme hin dem Blute zugefiihrt wird. Schi 11 (Dresden). 

Bartel, J., Der normale und abnormale Bau des lymphati¬ 
schen Systems und seine Bezieliungen zur Tuberkulose. 
(Wiener klin. Wochenschr. 1907. No. 38.) 

B. weist darauf hin, dafi zwischen der tuberkulosen Infektion bei 
Mensch und Tier und dem Lymphsystem innige Wechselbeziehungen 
bestehen. Die Untersuchungen des Autors und seiner Mitarbeiter iiber 
die Latenz von Tuberkelbazillen im nicht spezifiscli veriinderten lympha¬ 
tischen Gewebe (sog. „lymphoides“ Stadium der Tuberkulose) sind 
bekannt. B. hat nun die Konstruktion des Lymphsystems unter den 
verscliiedenen Verhaltnissen beim Menschen untersucht, urn Aielleicht 


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Tuberkulose; Infektionswege. 


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so eine Erklarung ffir manche Fragen der Disposition zur tuberkulosen 
Erkrankung zu finden. Da beim Kinde die Lymphdrfise ein weit 
weniger dichtes Filter bildet, ist die Moglichkeit rascherer Verbreitung 
eingedrungener Bazillen auf grofiere Gebiete des Lymphsystems beim 
kindlichen Organismus erkl&rlich. Die mangelhafte, wahrscheinlich mit 
dem Gange der fotalen Entwicklung begriindete Entwicklung des 
lymphatischen Apparates der Lunge bewirkt, daB dieses im Vergleich 
zu den iibrigen lymphatischen Gewebsgruppen des Korpers sclion beim 
gesunden Menschen beziiglich der Moglichkeit eines erfolgreiehen Wider- 
standes gegen die Infektion minderwertig ist. Bei Menschen mit sog. 
„lymphatischer Konstitution" ergab die Untersuchung des lymphatischen 
Gewebes Bilder von stark destruiertem Aufbau des Sttitzgertistes mit 
in den hochsten Graden fast volligem Schwund des spezifischen Paren- 
chyms, der Lymphocyten. B. sieht in dieser Konstitutionsanomalie das 
Moment einer speziellen Disposition zur Tuberkulose wie zur Skrofu- 
lose. Die „lymphatische Konstitution“ ist nur ein Glied in der Kette 
eines anormalen allgemeinen Entwicklungsganges, einer mehr Oder minder 
allgemeinen „hypoplastischen Konstitution“. Aber nicht allein der rein 
morpliologische Aufbau des lymphatischen Gewebes ist geeignet eine 
spezielle Tuberkulosedisposition zu erklaren, auch Fragen geanderter 
Sekretionsverhaltnisse sind in Betracht zu ziehen. Es entspricht dies 
auch den Anschauungen Orths, daB die Disposition in Beziehung zur 
Konstitution der Gesamtheit der morphologischen und biologischen 
Eigenschaften des Korpers steht, wodurch der Eintritt der Bakterien 
erleichtert, das Gewebe hinfallig, die Abwehrmittel geringer werden. 

Hetsch (Metz). 

v. Klecki, K., Experimentelle Untersuchungen fiber den 
Durchtritt von Bakterien durch die intakte Darm- 
schleimhaut. (Wiener klin. Wochenschr. 1907. No. 37.) 

Aus den mitgeteilten Untersuchungen gelit hervor, daB Darm- 
bakterien, welche die intakte Darmschleimhaut durchwandern, am 
haufigsten in den Mesenterialdrfisen nachgewiesen werden konnen. Sie 
konnen aber auch auf dem Wege der Chylusgefafie in den Ductus thora- 
cicus und von da aus durch den Blutkreislauf in die verschiedenen Ge¬ 
webe gelangen. Hetsch (Metz). 

Bartel u. Spieler, Experimentaluntersuchungen fiber natfir- 
liche Infektionsgelegenheit mit Tuberkulose. (Wiener 
klin. Wochenschr. 1907. No. 38.) 

Die Autoren besprechen zunachst ihre schon frtiher (Wiener klin. 
Wochenschr. 1906. No. 2) veroffentlichten Untersuchungsergebnisse fiber 
die natfirliche Tuberkuloseinfektion junger Meerschweinchen in von 
Phthisikern bewohnten Raumen und die von Cornet, sowie von 
Flfigge und Fin del gegen dieselben erhobenen Einwande. Sie kommen 
dabei zu dem SchluB, daB nur eine ganz besonders reichliche Infektions- 
gelegenheit, wenn sie zudem lange Zeit hindurch obwaltet, geeignet ist, 
auch per inhalationem, auf dem Wege durch die Trachea, in die Lungen 
genfigend Keime zur Entwicklung einer Tuberkulose gelangen zu lassen. 
Bei kurzdauernder, gleich reichlicher Infektionsgelegenheit hat es aller- 
dings, wenigstens fur das jugendliche Alter („Schmutz- und Schmier- 

Erste AbU Refer. Bd. XLII. No. 1/3. 2 

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Tuberkulose; Infektionsgelegenheit. 


infektion*) den Anschein, als ob dann die ausschlaggebendere Zalil von 
Keimen den Weg in den Digestionstraktus, von da sekundiir in die 
iibrigen Organe und namentlich in die Lungen findet. Mag dabei auch 
bei dem ja widerstandsfahigeren Menschen zunachst keine manifeste 
Tuberknlose im Bereiche des Darmtraktus entstehen, so kann dock ein 
solches Vorkommnis keineswegs als eine harmlose. oline schadigende 
Folgen fur den (jesamtorganismus nebenhergehende Infektion betraehtet 
werden. — Weiterhin werden neue Versuche mitgeteilt, in denen Meer- 
schweinchen einer Spontaninfektion in einer Phthisikerwohnung ausge- 
setzt wurden. Obwohl die Tiere 23 Tage in jener Wohnung weilten, 
trat nur bei einem von 8 Meersehweinohen eine manifeste Tuber- 
kulose ein, die erst nach sehr langer Zeit (6'/., Monate) zum Tode fiihrte. 
Form und Ausdehnung der Tuberkulose spraehen bier fur eine verhalt- 
nismaBig wenig virulente Infektion. Kin weiteres Tier zeigte bei der 
nach 11 Monaten erfolgten Totung eine adhiisive Pleuritis oline naeli- 
weisbare tuberkulose Veranderungen, zwei andere Tiere Marasmus. Die 
zu diesem Versuche gewahlte Wohnung entsprach den Anforderungen 
der Hygiene wesentlich mehr, als die friiher benutzte, der Patient be- 
nutzte die Spuckdasche. 

Die vorliegenden Versuche zeigen, daB eine rein antibazilliire Pro- 
phylaxe auch dort, wo Intelligenz und verstii minis voiles Kntgegenkommen 
von seiten eines Patienten vorhanden sind, gewifi nicht immer — wenn 
iiberhaupt moglich — in idealer ^'eise durchfuhrbar ist. Die Zalil der 
in das Zimmer gelangenden Keime mag in diesen Fallen eine starke 
Verminderung erfahren, aber mit der Zeit wird sie dock groB genug 
werden, urn einen kindlichen Organismus oder einen speziell disponierten 
Erwachsenen mit Erfolg zu intizieren. Neben der antibazillaren Pro- 
phylaxe muB daher die Bekampfung der Disposition mit alien Mitteln 
angestrebt werden. H e t s c h (Metz.). 

Sehlbach, Paul, Ueber die Haufigkeit der Tuberkulose und 
die beiden Hauptzeitpunkte der Ansteckung mit der- 
selben im Sauglingsalter. (Miinch. med. Wochenschr. 1908. 
S. 322.) 

Im Breslauer pat.hologischen Institut wurden im Laufe von 10 Jaliren 
unter 1423 Sektionen von Kindern bis zum 9. Jahre (davon 1157 des 
1. Lebensjahres) 180mal (12,6 v. H.) tuberkulose Veranderungen (dar- 
unter 90 mal im 1. Lebensjahre = 7,8 v. H. aller Sektionen dieses 
Jahres) festgestellt. Die Ergebnisse anderer Forscher fur das 1. Lebens- 
jahr sind zusammengetragen; es findet sich unter 2598 Sektionen 
217 mal (8,4 v. H.) Tuberkulose. Von den 90 tuberkulosen Situg- 
lingen standen im 1. Lebensvierteljahre 13 (= 14,4 v. H.), im 2. 34 
(= 37,8 v. H.), im 3. und 4. 43 (= 47,8); unter 620 Sektionen von bis 
3 Monate alten Kindern war 13 mal (= 2,1 v. H.), unter 315 Sektionen 
von 4—6 Monate alten 34 mal (= 10,8 v. H.), unter 222 Sektionen von 
7—12 Monate alten 43 mal (19,4 v. H.) Tuberkulose vorhanden. Auch 
diese Zahlen werden mit denen anderer Bearbeiter verglichen. Die 
Tuberkulosehaufigkeit steigt fast gleichmafiig vom 1.—8. Monat (auf 
24 v. H.) und sinkt dann wieder etwas (unter 20 v. H.). Im 1. Viertel 
des 2. Jahres erneuter steiler Anstieg; dann Ruhepause; weitere Er- 


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Tuberkulose; Infektionsgelegenheit. 19 

hebung im 3. Jahre (auf 50 y. H.); Stillstand auf dieser Hohe in den 
folgenden Jahren. 

Dem jiingeren Kindesalter ist die Neigung zur Yerallgemeinerung. 
znr miliaren Anssaat der Tuberkulose eigen. Der Sauglingskorper be- 
sitzt femer eine geringe Fahigkeit zum Unschadlichmachen eines einraal 
vorhandenen Tuberkuloseherdes. Bei den Sauglingen der ersten Monate 
ist die Zeit yom Augenblicke der Ansteckung bis zum Tode auf etwa 
6 Monate zu veransclilagen. Das Ansteigen der Tuberkulosesterblichkeit 
in den ersten 9 Monaten und im 1. Viertel des 2. Jahres entspricht 
den yorausgegangenen Infektionsmoglichkeiten in den ersten Lebens- 
monaten und in der'ersten Zeit freierer selbstandiger Bewegung (Kriecli-, 
Schmutz- Oder Schmierinfektion). Dem Aufsteigen und der Hohe der 
Tuberkulosekurve entspricht die starkere Beteiligung der kunstlich ge- 
nahrten Sauglinge, dem Absinken die der Brustkinder. Die ersteren 
verfallen der Tuberkulose am schnellsten; es folgen die Teilbrustkinder, 
dann die eigentlichen Brustkinder. Hieraus erhellt die grofle Schutz- 
kraft der Frauenmilch gegenuber der Tuberkulose. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Hess, Car conductors as disseminators of tuberculosis. 
(Journ. of the Americ. med. Ass. Yol. L. 1908. No. 2.) 

Verf. protestiert gegen die gesundheitsgefdhrliche Unsitte der 
StraBenbahnschaffner die Pakete der Billetts in den Mund zu nelimen. 
die Finger mit Speichel zu benetzen usw. — Yerf. ist es gelungen, auf 
einem Billett, das ihm ein notorisch tuberkuloser Kondukteur ausgefolgt 
hatte, Tuberkelbazillen mikroskopisch nachzuweisen. — Zur Verlmtung 
der Gefahr empfiehlt Verf. 1. arztliche Ueberwachung, 2. entsprechendes 
Verbot, 3. Ketten zum Aufhangen der Fahrkartenpakete. 

BouCek (Prag). 

Haertl, Paul, Bakteriologische Untersuchungen iiber Staub 
aus Eisenbahnwagen. Rosenheim 1907. 8°. 48 S. Diss. v. Bern. 

Die Arbeit ist im Institut zur Erforschung der Infektionskrankheiten 
der Berner Universitat angefertigt. Das zur Untersuchung benutzte 
Staubmaterial stammte aus Personenwagen der schweizerischen Bundes- 
bahnen, die zum Zwecke der Reinigung und Reparaturvornahme jeweilig 
im Depot der Zentralwerkstatte zu Biel eingelaufen waren. Die Staub- 
entnahme geschah mit einem Staubsaugapparat, welcher mittels Vakuum- 
pumpe den Staub aufsog. Es wurden Proben aus Polstern von Kopf- 
hohe, Sitz und Armlehne, Teppichen und dem Holzboden direkt in aus- 
wechselbare sterile Einlagen abgesaugt, welche in das Saugmundstuck 
des Vakuumreinigers eingeschaltet waren. 

Das Keimzahlenminimum pro 1,0 Staub belief sich auf 3970000, 
wahrend das Keimzahlenmaximum die Ziffer 45830000 erreichte. 

An nicht pathogenen Bakterien konnten 28 nachgewiesen werden, 
von pathogenen wurden gefunden Diplococcus lanceolatus Fried!ander, 
Bacterium vulgare proteus Hauser, Staphxjlococcus aurms Rosenbach, St. 
citreus Passel, St. albus Rosenbach, Sarcina pulmonum Virchow, S. tetra- 
gena Koch, Streptococcus pyogenes Rosenbach, Micrococcus crassus Kolle- 
Wassermann, Bacterium coli Escherich, B. pyocyaneum Gessard, Bacillus 

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Tuberkulose und Schwaugersehuft bzw. Trauma. 


anthracis Pollender-Koch, B. ocdcmaiis malipni Koch, B. septkaemiae 
hacmorrhagicae Gaftky, B. tetani Nicolaier-Kitasato. B. pseud ottf anus Tavel. 

Der Nachweis der Tuberkelbazillen durch Verimpfung dcs za unter- 
suclienden Materials auf den Tierkorper hat sich da. wo es sich urn 
Sputum, Urin usw. handelt, bewiihrt, aber bei Staub kann es nicht mit 
Erfolg angewendet werden. Es besteht ein grofier Unterschied zwischen 
beiden erwahnten Materialarten: Wiihrend im tuberkuloseu Sputum, 
Urin usw. einerseits gewohnlich die Tuberkelbazillen in groBerer Menge 
vorkommen, dagegen andere, tierpathogene Bakterienformen meistens 
fehlen, ist dies beim Stanb umgekehrt der Fall, flier diirften einerseits 
die etwaig vorhandenen Tuberkelbazillen nicht so zahlreich vorliegen, 
andererseits ist aber auflerdem stets ein groBer Reichtum an anderen 
virulenten, tierpathogenen Bakterienarten zu konstatieren, welche den 
Tod des Tieres sclion geraume Zeit friiher herbeifiihren. als es dem 
Erreger der Tuberkulose moglich ist, seine pathogene Wirkung zu ent- 
falten. 

Die groBe Menge der sporenhaltigen Bakterien ist die Ursache fvir 
die hohe Keimzahl des Staubes und die Widerstaudslahigkeit der Bak¬ 
terien gegen auBere Schadigungen. Nur zu oft linden sich unter den 
Staubmikroorganismen reichlich geliihrliche Krankhcitskeime, fiir deren 
Verbreitung im weitesten Sinne der Staub selbst sorgt. 

E. Roth (Halle a. S.). 

Bollenhagen, SchwangerschaftundTuberkulose. (Wiirzburger 
Abhandl. a. d. Gesamtgebiet d. prakt. Med. Bd. VIII. 1908. H. 1.) 

Nach einer Uebersicht iiber die vielbesprochene Frage der Be- 
ziehungen zwischen Schwangerschaft und Tuberkulose und iiber die fur 
das arztliche Handeln sich ergebenden Konsequenzen berichtet Verf. 
fiber 124 Falle aus der deutschen Universitiits-Frauenklinik zu Prag. 
In 41 Proz. kam es zur vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft, 
und zwar bei den leichten Fallen in 25 Proz., bei den schweren in 
61 Proz. Verf. nimmt folgenden Standpunkt ein: 

Die Lungentuberkulose an sich ist keine Iiulikation zur Einleitung 
des Aborts; es muB vielmehr stark individualisiert werden. Berechtigt 
und eventuell geboten ist die Unterbrechung in den friiheren Monaten 
der Schwangerschaft bei floriden, wenn auch beginnenden Prozessen, bei 
Vorhandensein von Fieber, Hamoptoe, bei Komplikation mit Larynx- 
tuberkulose und sonstigen Erkrankungen. Nicht zu unterbrechen ist 
Graviditat im allgemeinen in ihrer zweiten Halfte, auBer aus vitaler 
Indikation. Falle, die dem Befunde und der Zeit nach an der Grenze 
stehen, konnen je nach den Erfahrungen des einzelnen verschieden be- 
urteilt werden; es empliehlt sich daher grundsiitzlich die Abhaltung 
eines Konsiliums. Miihlschlegel (Stuttgart). 

Kohler, Schadeltrauma und Lungentuberkulose. (Aerztl. 
Sachverstandigen-Ztg. 1908. No. 2.) 

Bei einem Arbeiter, der am 31. Aug. 1906 eine Verletzung am 
Kopf (Zerschmetterung des Oberkiefers) durch eine Kurbel erlitten liatte, 
hatte sich ein zerebrospinales Leiden und ferner eine Lungentuber¬ 
kulose entwickelt, die im Sept. 1907 bereits als ziemlich weit ausge- 


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Haut- und Nierentuberkulose. 


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breitet bezeichnet werden muflte. Verf. lehnte einen Zusammenhang 
zwischen Unfall und Lungentuberkulose in diesem Falle ab. 

Wolf (Marburg.) 

Feilchenfeld,Leopold, Ueber die Verschlimmerung der Tuber- 
kulose durch Unfalle. (Deutsche med. Wochenschr. 1908. S.493.) 
Krankengeschichten als Beispiele fur die verschiedenen Moglich- 
keiten, unter denen das Auftreten der Tuberkulose nach Unfallen als 
Verschlimmerung anzuerkennen Oder abzulehnen ist (plotzliches Auf¬ 
treten des bisher verborgenen Leidens nach dem Unfall; Hinzutreten 
von anderen Krankheiten zur bestehenden Tuberkulose; neues Auf- 
flackem der Tuberkulose usw.). Georg Schmidt (Berlin). 

Courmont, Jules et Chalier, J., Un cas de bacillemie tuber- 
culeuse congenitale. (Journ. de Physiol, et de Path. gen. IX. 
1908. p. 815.) 

Verff. haben in dem Blut eines funfmonatlichen Fotus Tuberkel- 
bazillen nachgewiesen. Die schwer phthisische Mutter starb kurz darauf; 
ihr Genitalapparat war frei von histologischer Tuberkulose, ebenso die 
Organe des Fotus. Verff. glauben, dad es sich um eine agonale Infek- 
tion des Fdtus handelt. Schrumpf (StraBburg). 

Gougerot et Laroche, Beproduction experimental des tuber¬ 
culides humaines, tuberculoses cutaneesatypiques (non 
folliculaires). (Compt. rend, de la soc. biol. T. 63. 1907. S. 637.) 
Den Verff. ist es gelungen, durch Einreiben von virulenten Bazillen 
vom Typus humanus auf die rasierte Haut von Meerschweinchen typische 
Hauttuberkulosen, wie sie beim Menschen vorkommen, zu erzeugen. 
Die erzeugten Papeln zeigten alle Symptome der Papeln des mensch- 
lichen Lupus: Knotchen, nabelartige Einziehung der Knotchen, Schuppen- 
bildung, geschwiiriger Zerfall und schtiefllich Vernarbung. 

Dieterlen (GroBlichterfelde). 

Hamburger, Franz, Ueber Hauttuberkulide im Sauglings- 
alter. (Munch. med. Wochenschr. 1908. S. 107.) 

Die papulosquamosen Hauttuberkulide, Hautveranderungen, die aus- 
schlieBlich bei Tuberkulosen gefunden werden, werden durch den 
Tuberkelbazillus selbst verursacht. Sie treten — u. U. in unscheinbarer, 
leicht zu iibersehender Form und geringer Ausdehnung — bei der an 
sich nicht haufigen und schwer festzustellenden Sauglingstuberkulose 
verhaltnismaUig oft auf und konnen daher zu ihrer Erkennung dienen. 
Ihre klinische Erscheinung wird dargelegt. Selbstbeobachtete Falle, in 
denen die Anwesenheit der Tuberkulide ftir die Sicherung der Krankheit 
tatsachlich von besonderer Bedeutung war, sind mitgeteilt. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Wildbolz, H., Experimentellerzeugte aszendierendeNieren- 
tuberkulose. (Zeitschr. f. Urologie. Bd. 2. 1908. S. 39.) 

Wahrend bisher eine tuberkulose Infektion der Niere von den Harn- 
wegen aus nur bei gleichzeitiger Urinstauung moglich war, gelang es 
Verf. bei Kaninchen durch Injektion von Perlsuchtbazillen in die Ureteren 


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Xieren- und Genitaltuberkulose. 


eine ausgedehnte Tuberkulose desXierenbeckensund dor Niere zuerzeugen. 
Wenn audi eine hamatogene Infektion nicht auszuschliefien war. da sich 
auch in der Xiere der amleren Seite und in verseliiedenen Organen 
tuberkulose Herde fanden, so spricht dock das Ueberwiegen der tuber- 
kulosen Prozesse in den dem Xierenbecken zugewandten Teilen der 
Xiere fur ein direktes Anfsteigen der Infektion. Es gelang Verf. ferner, 
eine von der Blase aszendierende Tuberkulose hervorzurufen, wenn er 
nach Injektion der Tuberkelbazillen die Blase 10 Minuten unter er- 
hdlitem Druck hielt, der aber nicht liber den unter physiologischen Ver- 
kiiltnissen bisweilen vorkommenden hinausging. 

Kurt Meyer (Berlin). 

Ekehorn, Beitrage zur Kenntnis der Wachstumstopo- 
graphie der Tuberke 1 bakterien in der Xiere bei tuber- 
kuliiser Xephritis. (Arcliiv f. kliniscbe ('hirurgie. Bd. LXXXIV. 
Heft 4.) 

Die Untersuchungen des Verf.s beziehen sich auf Urinbefunde in 
Fallen von Xierentuberkulose und auf das Ergebnis der I ntersuchung 
der frisch exstirpierten Xieren. 

In frischen Fallen mit geringer Eiterung findet man die Bazillen 
oft in groBer Menge im Harn: dagegen sind sie meist selten in alten 
Fallen mit starker Eitersekretion. 

Die Herde mit vielen Bakterien befinden sich vor allem in den 
ulzerierten Papilleuspitzen; durch Xekrose und AbstoBung dieser Partien 
werden die Bakterien in Menge dem Urin beigemengt; solche Mengen 
werden von Ulcera der Blase Oder Harnwege niemals auf einmal abge- 
sto Ben, kbnnen also nur aus der Xiere stannnen. 

\V. v. Brnnn (Rostock). 

Kroemer, Ueber einige seltenere Formen der Genital- 
Tuberkulose des Weibes. (Monatschr.f. Geb. n. Gyn. Bd. 20. H.5.) 

Die vom Verf. in vorliegender Arbeit mitgeteilten 6 Falle von 
Genitaltuberkulose des Weibes sind recht geeignet die Mannigfaltigkeit 
des pathologisch-anatomischen Bildes der weiblichen Genitaltuberkulose 
zu demonstieren. 

So handelte es sich im 1. Fall bei einer 29jahrigen Frau um ein 
ziemlich tiefes Ulcus, welches die vordere Mutternmndslippe in grofierer 
Ausdelmung, die hintere nur wenig ergritfen liatte. Da auf der linken 
GesiiBbacke sich ein mit Sicherheit als Lupus vulgaris diagnostiziertes 
Exanthem fand, wurde die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf Tuberkulose 
gestellt, was auch durch eine Probeexzision aus dem Uterus und spiitere 
Totalexstirpation des Uterus und beider Tuben bestittigt wurde. Die 
tuberkulose Erkrankung des Uterus besckriinkte sich auf die Mucosa 
und das Myometrium im unteren Abschuitt. Tuben und Peritoneum 
waren frei von Tuberkulose. Beziiglich des Infektionsweges nimmt Verf. 
an, daB es von einem versteckten inneren Herde einerseits zur Infektion 
der Haut, andererseits zur Infektion der Genitalien, oder aber nach 
Infektion der Haut, von hier aus, sei es auf dem Wege der Blut- Oder 
Lymphbahnen, sei es durch mechanische Inokulation, zur Infektion der 
Genitalien gekoramen sei. 

Auch im 2. Fall war die Portio die Hauptlokalisation der tuber- 


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Genitaltuberkulose. 


23 


kulosen Erkrankung, die hier auf einem zehnpfennigstuckgroBen Bezirk 
unter dem Bilde fungoser, grauroter Papillen auftrat, welche mikro- 
skopisch zahlreiche Tuberkel mit Riesenzellen and Tuberkelbazillen 
ergaben. AuBerdem waren die Tuben in ihren abdominalen Hali'ten 
verdickt und mit kasigem Inbalt gefiillt, die Serosa der Tuben und 
des Uterus mit kleinen Tuberkeln iibersat, und auch in der Tuben- und 
Uterus-Wan dung, angelagert an Blut- und Lymphbahnen, Tuberkel 
enthalten. Da vor Jahren eine exsudative Peritonealtuberkulose voraus- 
gegangen, nimmt Verf. in diesem Falle eine sekundare Genitaltuber¬ 
kulose an, die auf zwei Wegen deszendierend 1. auf dem Wege der 
Tubenlumina vom Fimbrienende aus, 2. in den subserosen Lymph¬ 
bahnen sich ausbreitete. 

Als 3. Praparat demonstriert K. dann einen Uterus, der bei ge- 
ringer tuberkuloser Yeranderung der Fundusgegend im Bereich der 
urspriinglichen Douglastasche einen machtigen Defekt der Uteruswand 
zeigte durch den anscheinend subseros zerstorend ein- und vorge- 
drungenen tuberkulosen ProzeU, ein weiterer Beweis fur die Bedeutung 
dieser Tasche als Ansammlungort des Infektionsvirus im Baucliraum. 

Im 4. Fall bestand bei der 29jahrigen Nullipara eine 5monatliche 
Amennorhoe, die im Verein mit einem retrouterinen, kindskopfgrofien 
Tumor zu der Wahrscheinlichkeitsdiagnose Extrauteringraviditat oder 
Adnextumor fiihrte, zumal in der Anamnese und auch nach der klinischen 
Untersuchung, abgesehen von Abmagerung, krankhafte Erscheinungen 
fehlten. 

Erst die Laparotomie ergab, daB es sich um einen durch Ver- 
wachsung der rechten Adnexe mit Netz, Coecum, Processus vermiformis 
gebildeten tuberkulosen Pseudotumor handelte, und dafi auch die Serosa 
des Uterus und seine aufiere Muskelschicht wie auch die linke Tube 
in maBiger Ausdehnung von Tuberkeln durchsetzt war. 

Als Ausgangspunkt bezeichnet K. nach dem pathologisch-anato- 
mischen Befund das Coecum und den Processus vermiformis, der mit 
seiner Spitze in eine Abszefihdhle hineinragte, die vielleicht einer ge- 
platzten Corpus luteum-Cyste entspricht. 

Im 5. Fall (55jahrige Frau) handelte es sich um eine ulzerose 
miliare Tuberkulose der Haut und Sclileimhaut der Vulva, wahrend die 
iibrigen Genitalien abgesehen von seniler Schrumpfung normale Be- 
schaffenheit zeigten. Eine Ano-Rektaltuberkulose bestand nicht; da ein 
Primarherd nicht nachweisbar war, halt K eine wahre Impfinfektion 
durch Fingermanipulationen oder durch den Beischlaf nicht fur ausge- 
schlossen. 

Im 6. Fall schlieBlich (15jahriges Madchen) handelte es sich um 
eine lupose Erkrankung der Haut des GesaBes und der Vulva mit sekun- 
darer Elephantiasis vulvae bei negativem Befund der inneren Organe. 

Mit Ausnahme des 5. Falles, welcher die Operation verweigerte, 
wurde in jedem Falle operativ eingegriffen. VaBmer (Hannover). 

Meriel, Deux cas de tuberculose de lavulve. (Annales de Gyn. 
et d’obst. Decembre 1907.) 

Im ersten der von M. beschriebenen Falle handelt es sich um die 

seltene (nach Verf. der 4. derartige beschriebene Fall) Form der hyper- 

trophischen, nicht ulzerierten Vulva-Tuberkulose bei einem 20jahrigen 
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24 


Geuitaltuberkulose. 


Miidchen, welches angab. vor 3 .Tahren an einer Rippenfellentziindung 
gelitten zu haben, z. Z. abgesehen von einem verdiichtigen rechts- 
seitigen Spitzenkatarrh frei von Krankheitserscheinungon war. 

Die Vulvaveriinderungen bestanden in einer das Dreifache der Norm 
erreichenden elephantiasisiihnlichen dunkelroten Schwellung der ganzen 
Vulva, die schiirzenartig bedeckt war von den stark indurierten und mit 
linsengroden, verrukosen Erhabenheiten ubersiiten kleinen Schanilippen. 
Die gleichen verrukosen Bildungen ohne eine Spur Ulzeration zeigten die 
iibrigen Schamlii)pen und die hintere Commissur und zwar nur soweit sie 
von der Cutis bedeckt sind, wiihrend die Schleinihaut iiberall glatt und 
von normaler Farbe ist. Antiluetisclie Behandlung negativ. F.xzision der 
ganzen hypertrophischen Partien — mit Ausnahme einer kleinen, rasch 
zugranulierenden Stelle, iiberall Heilung per primam. Xachuntersuchuug 
nach 7 Jahren ergibt: Vulva normal, Lungenerscheinungen haben sich 
etwas verschlimmert. 

Mikroskopisch zeigte das Epithel, abgesehen von leichter Prolifera- 
tionstendenz normales Verhalten. 

Dagegen lieden sich in den darunterliegenden Bindegewebsschichten. 
die stark bdematos verbreitert waren. zahlreiche erweiterte Lymphspalten 
und Kapillaren und herdweise Anhiiut'ungen junger Bindegewebszellen 
zeigen, typische, wenn auch iiuderst spariiche epitheloide Tuberkel mit 
Riesenzellen nachweisen. Verf. glaubt. dad diese Form nicht so sehr 
selten sei, sondern dad manche der hypertrophischen Formen der sog. 
Esthiomene der Vulva hierher zu ziihlen seien. 

lm zweiten Falle handelte es sich um eine 2Hjahrige Phthisica 
2. Grades, welche ein kleinnudgrodes ulzeriertes ..Tuberculome* 4 in der 
Alitte des freieu Randes der linken kleinen Schamlippe zeigte. Exzision 
des Tumor und Naht. Heilung p. s. 

Mikroskopisch lieden sich in dem auderst gefiidreichen Tumor, dessen 
Oberflachenepithel z. T. infolge der Ulzerationeu zerstiirt ist, z. T. leichte 
Verdickung und zahlreiche fingerformige, zarte Einsenkungen in die 
unterliegende Granulationsschicht zeigt, typische tuberkulbse Granula- 
tionen mit Riesenzellen nachweisen. 

In diesem Falle fadt Verf. die Genitalerkrankung als eine sekundiire 
auf, vermittelt eutweder auf hiimatogenem Wege von den Lungen oder 
direkt iibertragen durch mit Sputum iniizierte Wasche oder diarrhoische 
Stiihle. 

Wiihrend Verf. die Differenzialdiagno.se dieser Form der Genital- 
tuberkulose gegeniiber dem weichen Sclianker nicht fiir schwierig halt, 
glaubt er, dad die Unterscheidung von ulzerosen seknndiiren Syphiliden 
oft nicht durch die klinische Betrachtung allein sicher zu treffen sei, 
sondern dad hier oft nur die mikroskopische Untersuchung entsclieiden 
konne. V a d m e r (Hannover). 

Del^trez, Tuberculose du col de Futerus. (Annales de Gyn. et 
d’obst. 1908. Janvier, p. 26.) 

Den seltenen Fallen der primaren Cervixtuberkulose fiigt Verf. 
in vorliegender Arbeit einen weiteren an, der noch besonders dadurch 
interessant ist, dad es sich um ein 21 jiihriges bisher noch nie menstruiertes 
Madchen handelt, die keinerlei sonstige tuberkulose Veriinderungen dar- 


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Genital tuberkulose. 


25 


bot und nur seit 2 Monaten iiber Abmagerung, Appetitlosigkeit und 
Zunahme eines seit 7 Jahren bestehenden, nie blutigen Fluors klagte. 

Wie in einigen frfiher veroffentlichten Fallen wurde auch hier aus 
dem Aussehen der Portio, die einem „schwammigen Pilze“ glich, die 
Diagnose auf eine epitheliale maligne Neubildung gestellt, und erst die 
Probeexzision ergab die tuberkulose Natur der Erkrankung. Nach der 
yaginalen Totalexstirpation erholte Patientin sich rasch und zeigte 
6 Monate spater das frtihere bliihende Aussehen. 

An dem herausgenommenen Uterus zeigte sich die Cervix von 
papillaren Wucherungen erffillt, die sich dann blumenkohlartig an und 
urn den aufleren Muttermund ausbreiten. 

Da auch die Mucosa der Corpushohle entztindliche tuberkulose 
Infiltration mit Tuberkelbildung und Riesenzellen ergab, diirl'te die An- 
nahme einer primaren Cervixtuberkulose fur vorliegenden Fall noch 
diskutabel sein. Tuberkelbazillen wurden nicht gefunden. 

Y a fi m e r (Hannover). 

Gallatia, Ein Fall lokaler Tuberkulose des Uterus, der 
Adnexe und des Peritoneum mit tfidlichem Ausgange 
im Wochenbett. (Gynak. Rundschau. 1907. N. 4. p. 150.) 

Das Bemerkenswerte des vorliegenden Falles beruht darin, daB trotz 
schwerer tuberkuloser Veranderungen am ganzen Genitalapparat (die 
Innenflache des Uterus war bis auf die Placentarstelle, deren Unter- 
suchung wegen zu weit vorgeschrittener Faulnis leider nicht moglich 
war, mit dicht aneinander sitzenden, tief in die Muskularis reichenden 
Tuberkelknbtchen besetzt) und Peritoneum, die Graviditat im allge- 
meinen ohne besondere Beschwerden verlief und Patientin erst nach 
der Geburt an einer exsudativen Peritonitis erkrankte, welcher sie am 
17. Wochenbettstage erlag. Im Uterussekret waren 10 Tage post partum 
Staphylokokken und saurefeste Bazillen nachgewiesen. 

Das Kind soli beim Tode der Mutter „ganz kraftig" gewesen sein. 

Die Placenta konnte nicht untersucht werden. 

Y a B m e r (Hannover). 

Schfitze, A., Eine seltene Beobachtung der Kombination 
von Karzinom, diffusem Adenom und Tuberkulose 
nebst Bildung von Psammomkorpern im Uterus einer 
40jahrigen Nullipara. (Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. Bd. 60. H. 3.) 

Aus der in seinen wesentlichsten Punkten durch die Ueberschrift 
bereits wiedergegebenen Arbeit mochte ich noch anfuhren, daB das im 
Cervix sitzende fiber kirschgroBe Adenokarzinom von dem diffusen 
Adenom des Ueruskorpers durch eine breite Zone gesunden Gewebes 
getrennt ist; dafl das letztere in ausgedehnter Weise stellenweise im 
Fundus bis nahe an das Perimetrium heran die Uterusmuskulatur durch- 
setzt hat und ebenso wie das Endometrium ausgedehnte tuberkulose 
Veranderungen mit Epithelmetaplasien zeigt. Tuberkelbazillen lieBen 
sich nicht nachweisen. Die Serosa des Uterus war frei von tuber- 
kulosen Veranderungen. Die Psammomkorper lagen in der Nahe ver- 
kasender Tuberkuloseherde inmitten lymphoider Herde in der Uterus¬ 
muskulatur des Fundus und bestanden ihrem chemischen Verhalten 
nach aus phosphorsaurem Kalk und Eisen. 


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Genitaltuberkulose. 


Beziiglich eines eventuellen Zusammenhangs der versehiedenen patho- 
logischen Prozesse nimmt Verf. an, dali es infolge des C’crvixkarzinoms 
zu einer Auflockerung des Myometriums kam. wodurch die Vorbe- 
dingungen zur Tiefenwucherung der Mucosa, d. h. zur Bildung des 
ditfusen Adenoms gegeben waren, in dessen saftreicliem. zartem, cytogenem 
Bindegewebe daim die Tuberkelbazillen einen auBerordeutlich gunstigen 
Nahrboden zu ilirer Entwicklung fanden. 

Ob es sich um eine primare Oder sekundare Genitaltuberkulose ge- 
liandelt hat, moclite Verf. uiclit entscheiden, nur glaubt er als erwiesen 
annehmen zu konnen, daB die Tuberkulose im ditfusen Adenom alter ist, 
als ira Endometrium, daB also die Infektiou niclit vom Endometrium 
ausgegangen ist. 

[M. E. lafit sich die Ent.stehung des ditfusen Adenoms elier als Reiz- 
wirkung der tuberkulosen Infektiou erkliiren. da sonst bei der Hiiutig- 
keit der Cervixkarzinome doch auch die Falle derartiger Ademmie sehr 
yiel zahlreicher sein wiirden, andererseits die Entstehung derartiger 
Adenome und Adenomyome entziindlich tuberkulosen Ursprungs in der 
Tube nicht so selten sind. Ref.) VaBmer (Hannover). 

Logothetopulos, Ueber Genitaltuberkulose bei doppel- 
seitigem Dermoidcystom. (Zeitschr.f. Geb. u. Gyn. Bd. 61. H. 1.) 

Den bisher beobachteten 21 Fallen tuberkulds inlizierter Ovarial- 
tumoren fiigt Verf. in vorliegender Arbeit einen weiteren, soweit es 
Dermoidcysten betrifft, 4. Fall an. Es handelt sich hier um eine 
27jahrige Nullipara, die im 9. Lebensjahr einen Lungenspitzenkatarrh 
akquiriert hatte. Die Diagnose wurde zunachst auf exsudative Pelveo- 
peritonitis gestellt und durch Inzision vom hinteren Vaginalgewolbe 
aus Eiter entleert. Da bei Hochbleiben der Leukocytenzahl die Eite- 
rung aus dieser Inzision anhielt und tluktuierende Tumoren sich von 
hier aus feststellen lieBen: Probeexzision aus der Wand des einen 
Tumors, welche kasigen Zerfall der Tubenwand und tuberkuloses Granu- 
lationsgewebe ergab. Obgleich systematische Tuberkulininjektionen nach 
Birnbaum ein zweifelhaftes Resultat ergaben, wurde doch auf die 
mikroskopische Diagnose hin die vaginale Totalexstirpation des Uterus 
und der stark verdickten und mit der Beckenwand verwachsenen Adnexe 
vorgenommen. Sowohl der Uterus wie die stark veriinderten Tuben, wie 
auch die beiden in kleinapfelgroBe Dermoidcysten verwandelten Ovarien 
zeigten zahlreiche frische Tuberkelknotchen auf der Serosa, die Tuben 
gleichfalls eine weit vorgeschrittene Tuberkulose der Mucosa und iibrigen 
Wandschichten; wahrend der Uterus und das Lumen der Dermoidcysten 
frei von tuberkulosen Verauderungen waren. VaBmer (Hannover). 

Fricke, A., Ein Fall von Karzinom und Tuberkulose der 
Mamma. (Beitrag zur Klinik der Tuberkulose. Bd. 8. 1907. H. 4. 
p. 309—316. 1 Taf.) 

Zahllos sind die Erkranknngen der Mamma an Karzinom, sparlich 
diejenigen an Tuberkulose. Eine Kombination beider Erkrankungen 
gehort nocli viel rnehr zu den Zufallsbefunden. Den 6 in der Literatur 
bekannt gegebenen Fallen fiigt Verf. einen neuen hinzu. Klinisch lieB 
sich in diesem Falle nur ein Karzinom und keine Tuberkulose nach- 
weisen. Mikroskopiscli fanden sich, mitten in dem karzinomatosen Ge- 


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Tuberkulose des Auges und der Sehnenscheideu. 


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webe liegend, meist isoliert, stellenweise aber auch zu Gruppen ver- 
einigt, kleine Knotchen, typische miliare Tuberkel mit GraDulationszone, 
epitheloiden Zellen und relativ wenig Langhansschen Riesenzellen. 
Die Tuberkel sind, mit Ausnahme eines einzigen verkasten, jung; 
Tuberkelbazillen sind nicht nachweisbar. 

Nach der kliniscben Anamnese und dem mikroskopischen Befande 
neigt Verf. zu der Ansicht, dad zunachst ein typisches Karzinom zur 
Entwicklung kam, und daB die Tuberkulose sekundar in das Stroma des 
Karzinoms implantiert wurde. Sicheres iiber die Quelle der Implantation 
liefi sich nicht feststellen. Kersten (Berlin). 

Scholer, Fritz, Zur primaren Tuberkulose der Sehnerven- 
papille. (Klin. Monatsblatter f. Augenheilkunde. Jg.45. Bd.II. 1907.) 

Mit Recht hebt Yerf. eingangs hervor, daB die Bezeichnung „primare 
Tuberkulose des Auges" nur unter der Voraussetzung zulassig ist, daB 
von Lymphdriisenherden abgeseken wird. Aber auch in diesem Sinne 
gehort die Tuberkelerkrankung primar auf der Sehnervenpapille zu den 
groflten Seltenheiten, wahrend im AnschluB an tuberkulose Basilar- 
meningitis Oder an tuberkulose Aderhautentziindungen und an Erkran- 
kung anderer Organe Tuberkulose des Sehnerven haufiger gefunden wird. 

Vert teilt nun zwei Falle von Tuberkulose der Sehnerven¬ 
papille mit. Die Diagnose wurde durch Injektion von Alttuberkulin 
in kleinster Dosis gesichert; angeschlossen wurde ohne jeden Schaden 
eine Injektionskur mit Alttuberkulin. Wahrend dieser Kur ging beim 
zweiten. Falle die Neuritis zuriick, an ihre Stelle trat beginnende 
Atrophie, die beim ersten Falle zur Zeit der Injektionskur schon weiter 
vorgeschritten war. Gilbert (Mtinchen). 

Mfihsam, R., Impftuberkulose der Sehnenscheiden beim 
Pflegepersonal. (Therapie der Gegenwart. Jg. 24. 1908. H. 3.) 

Verf. berichtet fiber 3 von ihm beobachtete Falle von tuberkulosen 
Sehnenscheidenphlegmonen und geht auf die Aetiologie naher ein. 

In Fall 1 und 2 handelte es sich um zwei sonst vollkommen ge- 
sunde Krankenwarter, die sich Schnittwunden beim Reinigen von ge- 
brauchten Speiglasern von Phthisikern zugegen hatten, in Fall 3 um 
eine Krankenschwester, die sich mit der Kantile einer Pravazspritze, 
die sie gerade vorher zur Morphiuminjektion bei einer hochgradig 
Phthisischen benutzt hatte, verletzte. Bei alien 3 Fallen wurde mikro- 
skopisch die Diagnose auf Tuberkulose der Sehnenscheiden gestellt, die 
mit dem Granulationsgewebe geimpften Heerschweinchen gingen an 
hochgradiger Tuberkulose zugrunde. 

Verf. ist der Ansicht, daB es sich in Fall 1 und 2 um eine reine 
Impftuberkulose gehandelt hat, in Fall 3 laBt er, da die Patientin schon 
frtiher einmal an einem Spitzenkatarrh gelitten hatte, die Frage often, 
ob vielleicht der Boden ffir die Ansiedlung von Tuberkelbazillen durch 
die Verletzung geschaften worden ist, Oder ob die vielleicht mit Tuberkel¬ 
bazillen infizierte Nadel die tuberkulose Infektion hervorgerufen habe. 

Kersten (Berlin). 


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Verschiedene Formen tier Tuberkulose. 


Hemmeter, Intestinal tuberculosis: tuberculous intestinal 
neoplasms and tuberculous ileocecal tumour. (Journ. of 
the Americ. med. Ass. Yol. L. 1908. No. 9.) 

Klinische Abhandlung. Boucek (Prag). 

Bunzl, Victor, U e b e r e i n e n d u r c h Operation g e h e i 11 e n Fall 
von grofiknotiger Lebertuberkulose. (Munch. med. Wocheu- 
schrift. 1908. S. 451.) 

Einera jungen Manne, der an tuberkuloser Knie-, Halsdriisen-, 
Mittelohr- und Huftgelenksentzimdung gel it ten liatte, wurde ein manns- 
faustgrofier Knoten aus der Leber lierausgeschnitten. Tuberkelbazillen 
fanden sich zwar darin nicht, docli spricht das Gewebsbild fiir Tuber¬ 
kulose (Abbildung). Heilung. Georg Schmidt (Berlin). 

Esau, P., Rheum at ism us tuberculosus — Poncet. (Miinch. 
med. Wochenschr. 1908. S. 890.) 

Krankengescliichte eines kindlichen Rheumatismus. den E. aus 
klinischen Griinden auf Tuberkulose zuruckfiihrt. Fine Tuberkulinprobe 
oder eine Verimpfung von Punktionstiiissigkeit aufs Tier wurde nicht 
ausgefiihrt. Saughyperamiebehandlung wirkte giinstig. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Brandts, C. E., Ueber die "NYechselbeziehungen vonLymplio- 
s a r k o m a t o s e u n d T u b e r k u 1 o s e; g 1 e i c h z e i t i g e i n B e i t r a g 
zur experimentellen Leberzirrliose. (Munch, med. Wochen- 
schrift. 1908. S. 735.) 

Bei einer 38jiihrigen Frau, die an Lymphosarkomatose starb, warden 
als Hauptleiden Geschwulstbildungen im Darme. 1'erner hochgradige 
Leberzirrhose undLungentuberkulose gefunden. Teile der festen primaren 
Darmgeschwulst, die mikroskopisch keinen Anhaltsimnkt fiir Tuberkulose 
gab, und der zugehbrigen Driisen warden auf Meerschweinchen iiber- 
tragen. Bei diesen entstanden ahnliche Blinddarmknoten, in denen 
Tuberkelbazillen fehlten. Bei Fortimpfungen auf weitere Tiere indessen 
bildete sich Granulationsgewebe, in dem durcli Farbung Tuberkelbazillen 
nachgewiesen warden, anscheinend von sehr geringer Yirulenz. Bei 
samtiichen Tieren fand sich auCerdem Leberzirrhose aller moglichen 
Stadien, selbst hochgradig granulierter Form. Die Uebereinstimmung 
mit den Befunden bei der Leberzirrhose des Menschen war grofi. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Behr, Ein interessanter Fall von Tuberkulose beim Pferde. 
(Mitt. d. Vereins Badischer Tieriirzte. 1908. No. 3. p. 35.) 

Sektionsbefund bei einem 15 Jahre alten, stark abgemagerten 
Pferde. 

Es fand sich Tuberkulose der Gekrosdriisen (erweicht), der Portal- 
driisen (verkalkt), der Milz (15 groBe und viele kleine Knoten), der 
Lungen (dicht zusammengelagerte hirse- bis erbsengroBe kasige Tu- 
berkel), der zugeliorigen Lj’mphdriisen (armsdicke, derbe, verkalkte 
Strange). 

Im Myokard hirsekorn- bis kastaniengroBe, kasig erweiclite Tuberkel 
in grofler Zahl. Unter dem Endokard der linken Yorkammer schuppen- 


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Tuberkulose des Pferdes und des Rindes. 


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ahnlich verkalkte tuberkulose Einlagerungen (Endocarditis tuberculosa 
petrosa scutellata). Auf der Schleimhaut der Nasenmuschel 10 hirse- 
korn- bis linsengrofie Tuberkel mit gerotetem Hofe. 

Die Bazillen konnten in samtUchen krankhaften Verfinderungen 
nachgewiesen werden. Carl (Karlsruhe). 

Regnolds, M. H. and Beebe, W. C., Dissemination of tuber¬ 
culosis by the manure of infected cattle. (Bull. 103. Uni¬ 
versity of Minnesota. Agricultural Experiment. Station.) 

Die Autoren priiften den Diinger von 45 tuberkulosen Kiihen auf 
Tuberkelbazillen. Sie machten im ganzen 96 Untersuchungen. Es 
zeigte aber nur eine Kuh Oder ein Prozentsatz von 2,22 virulenten 
Diinger. 

Die mikroskopische Untersuchung auf die Gegenwart von Tuberkel¬ 
bazillen im Diinger scheint nicht zuverlassig zu sein, da die Autoren 
auch in dem Falle, wo eine Kuh virulente Exkremente abschied, nicht 
imstande waren, die Krankheitserreger nachzuweisen. 

Als die beste Methode zum Nachweis von Tuberkelbazillen im 
tierischen Diinger erwies sich die subkutane Impfung von Meer- 
schweinchen mit einer Losung von 2 g Diinger, zerrieben in 10 ccm 
sterilem Wasser und filtriert durch hygroskopische Watte. 

Harrison (Canada). 

Svensson, Josef, Sur les voies de penetration de l’infection 
tuberculeux dans l’esp^ce bovine. Bulletin de la ligue 
nationale suedoise contre la tuberculose. Numero special 
pour la VI. conference internat. de la tuberculose, reunie k Vienne 
en septembre 1907. Stockholm (Centraldryckeriet). 1907. p. 90. 

— Essais d’infecter des bovid£s avec de la poussiere con- 
tenant des bacilles tuberculeux sous des conditions 
naturelles. La lutte contre la tuberculose en Suede. 
(Ouvrage dedie au congr^s internationale de la tuberculose & Paris. 
1905. p. 139.) 

15 Saugkalber im Alter von 10—27 Tagen, die aus einem voll- 
stiindig tuberkulosefreien Bestand stammten, warden in einem ver- 
seuchten Stall so aufgestellt und unter solchen VorsichtsmaBregeln ge- 
halten, daB jede Ansteckungsmoglichkeit mit Ausnahme derjenigen durch 
trockenen Staub ausgeschlossen war. In dem Stalle standen etwas 
fiber 80 Ktihe und einige Stiere. 60 Proz. der Tiere reagierten auf 
Tuberkulin; die Kalber wurden in dem Teil des Stalles aufgestellt, in 
dem sich die hustenden Tiere befanden, jedoch so, daB der Zwischen- 
raum zwischen dem Kopfe der hustenden Kiihe und dem Standort der 
Kfilber 6 Meter betrug, nach Ansicht von Svensson eine genugende 
Entfemung, urn Tropfcheninfektion auszuschlieBen. Die Kalber erhielten 
in den ersten Monaten gekochte Milch, dann trockenes Futter in kleinen 
Portionen, wobei ebenfalls peinlich vermieden wurde, daB das Futter 
mit Infektionsstoff in Bertihrung kam. 

Von den 15 Kalbern wurden 7 am 14., 4 am 21. November, 3 am 
5. und 1 am 10. Dezember 1903 eingestellt. 1 Kalb starb am 5. Febr., 
ein zweites am 7. Marz 1904 an einer Darmerkrankung, beide waren 


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Tuberkulose des Kindes. 


frei von Tuberkulose. Am 12. und 13. April 1904. also ca. 6 Monate nach 
Beginn des Versuchs. wurden die 13 iibrisren Kalber mit Tuberkulin 
gepriift, 5 da von reagierten. Sie wurden am IK. April 1904 geschlachtet 
und zeigten einige kleine beinahe miliare tuberkulose Herde in den 
Mediastinaldrusen, 2 auBerdem in der Bronohialdriise, 1 von diesen 
letzteren hatte auch 2 kleine Herde in den Lungen. 

Die 8 Kalber, die nicht reagiert hatten. wurden am 6. und 7. No¬ 
vember einer erneuten Tuberkulinprobe unterworfen tind reagierten 
dieses Mai alle. Am 17. November 1904. also etwa 1 Jahr nach ihrer 
Einstellung in den verseuchten Stall wurden sie geschlachtet. Sie 
hatten samtlich Tuberkulose der Mediastinal- und Bronchialdriisen, ein 
Tier wies auch einen erbsengroBen Herd in der rechten Lunge auf. 
Dadurch ist — und dies ist nach Svensson das wichtigste Ergebnis 
dieses Versuches — festgestellt, daB auch trockener tuberkelbazillen- 
haltiger Staub Tuberkulose erzeugen kann, was in letzter Zeit von 
verschiedenen Seiten bezweifelt worden ist. 

Weber ((-Jr. Lichterfelde). 

Monssn et Monvoisin, S u r 1 e s variations d e composition c h i - 
mique du lait cliez les vac lies tuberc ule uses avec ou 
sans lesions mamma ires. (Compt. rend, liebd. de la Soc. de 
Biol. T. 62. 1907. Nr. 26.) 

Man weifl seit den rntersuchungen vonStorch, daB in der Milch 
tuberkuloser Kiilie das Kasein abnimmt, wahrend das Chlor zunimmt. 
Diese Untersuchungen liaben die Autoren auBerordentlich erweitert. 
Sie bestiitigen zuniichst den erwiihnten Bet'und: sie tanden des weiteren, 
daB die Satire abnimmt im MaBe, wie die Erkrankung zunimmt, wah- 
rend die normale Aziditiit 1.4—2 g N1 ilclisaure auf das Liter ausmacht. 
ging sie auf 0,80 bei Kiihen olme deutlicbe klinische Erscbeinung, auf 
0,24, ja selbst auf 0,12 bei einer lvuh mit fortgeschrittenen tuber- 
kulosen Brust.driisenveranderungen berab. Bei den gewbbnlichen Driisen- 
entziindungen findet man umgekehrt eine Steigerung der Aziditiit in- 
folge der bakteriellen Zersetzung der Laktose. 

Der Stickstoffgehalt steigt. an auf 0.7 —1.1 Proz. im Gegensatz zum 
normalen von 0,58 Proz. und riihrt her von einer groBeren Menge Ei- 
weifl und Harnstoff der erkrankten Druse gegeniibor der normalen Milch. 

Der Fettgehalt nimmt stark ab und kann auf 1.5 pro Mille sinken 
an Stelle der normalen 3 1 2 — 4 1 2 Proz. 

Auch der Milchzucker kann oft fast vollkommen verschwinden, und 
zwar nicht wie bei der gewbhnlichen Brustdrusentzundung infolge bak- 
terieller Zersetzung. da die hierbei entstehende Milchsaure, wie oben 
erwahnt, ebenfalls vermindert ist. A. Wolff-Eisner (Berlin). 

Moore, "V. A., Bovine tuberculosis. (Bull. 250 Cornell University 
Agricultural Experiment. Station. Jan. 1908. Ithaca. N. Y.) 

Eine volkstumlich gebaltene Verolfentlichung zur Belehrung von 
Landwirten und Yiehzlichtern. Die Darstellungen beziehen sich auf 
die Zahl der im Staate New Y'ork auf Tuberkulose geprtiften Rinder. 
Yon 683 gepriiften Herden entbielten deren 423 auf Tuberkulin 
reagierende Tiere. Die Gesamtzalil der geimpften Tiere betrug 12 721 
Stuck, von welclien 4105 reagierten. 


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Paeudotuberkulose der Schafe. 


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Diese Zahlen lassen auf eine ziemlich ausgedehnte Infektion unter 
den untersuchten Herden schliefien, doch ist zu bedenken, daB die ge- 
pruften Tiere nur J /a Proz. der in dera Staate New York gelialtenen 
Kinder darstellen. Harrison (Canada). 

Noack, Beobachtungen iiber Pseudotuberknlose der Schafe 
und deren Beziehung znr Echinokokkeninvasion. (Deutsche 
Tierarztl. Wochenschr. 1906. No. 29.) 

Verf. hatte Gelegenheit, am Schlachthof zu Dresden die vorliegende 
Krankheit genauer zu studieren. Man versteht darunter pathologische 
Prozesse, die unter dem Bilde kasiger Knoten mit gleichzeitigem Er- 
griffensein der zugehorigen Lymphdriisen verlaufen, ohne dad der 
Kochsche Bazillus dabei beteiligt ist. 

Die in Rede stehende pathologische Veranderung wurde haupt- 
sachlich bei Schafen beobachtet. In Lungen und Leber fanden sich 
mit mehr Oder weniger dicker Kapsel umgebene Knotchen und Knoten, 
die eine graugrunliche, eiterige Oder weichkasige, manchmal auch feste 
Masse enthielten. Die zugehorigen Lymphdriisen, manchmal auch ein- 
zelne Korper-Lymphknoten zeigen annahernd dieselbe Beschaffenheit, 
nur findet sich hier eine eigentiimliche zwiebelschalenartige Schichtung 
des pathologischen Produkts. 

Durch die bakteriologische Untersuchung konnte der Autor einen 
Mikroorganismus feststellen, der auf Blutserum in Form eines matt- 
glanzenden, weifien, kleinperligen Belags von leicht schmieriger Kon- 
sistenz wuchs. Auf Schweine- und Hammelblutserum war dieser Belag 
rein weiB, auf Rinderblutserum leicht gelblich. In Bouillon entstand 
anfangs Triibung, spater ein flockiger Niederschlag, endlich Hautchen- 
bildung an der Oberflache. Auf Agar wurde nur sehr sparliches, auf 
Glyzerinagar und Gelatine gar kein Wachstum beobachtet. 

Die mikroskopische Untersuchung ergab einen mit den gewohn- 
lichen FarbstofFen tingierbaren, grampositiven, sehr kleinen kurzen und 
plumpen Mikroorganismus, der im allgemeinen seinem biologischen Ver- 
lialten nach den entsprechenden, von Preisz und Guinard fest- 
gestellten Pseudotuberkuloseerregern glich, seiner Form nach aber 
abwich. 

Bei Meerschweinchen konnte durch Verimpfung von infektiosem 
Material aus den verkasten Herden und aus Kulturen umfangreiclie 
AbszeBbildung an der Impfstelle und Umgebung sowie Metastasen an 
den inneren Organen hervorgerufen werden. In einem Falle war die 
Muskulatur stark mit stecknadelkopfgroBen weiBlichen Knotchen durch- 
setzt. Der Krankheitserreger konnte auch bei den Impftieren in Rein- 
kultur herausgeziichtet werden. Bei Kaninchen trat nur lokale Abszefi- 
bildung an der Impfstelle ein. Nach intravendser Injektion einer 
10 Tage alten Reinkultur in die Schenkelvene trat bei dem gleichen 
Tier umfangreiche AbszeBbildung in den Muskeln und in der Leber auf. 

Endlich konnte der Autor bei einem 3 Tage hintereinander mit je 
einer Oese Reinkultur gefiitterten Meerschweinchen nach ca. 8 Tagen 
Vereiterung einer Korperlymphdruse sowie AbszeBbildung in der Leber 
feststellen. 

Beziiglich der Pathogenese neigt der Verf. zu der Annahme, daB 
die Einschleppung des Mikroorganismus vom Darm her passiv durch 


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Piagnostik der Tuberkulose; Tierversueh. 


einwandernde Echinokokkenembryonen erfolge. Er kam zu dieser An- 
sicht durch die Beobachtung, dafi bei Pseudotuberkulose fast regelmaBig 
eine Starke Echinokokkeninvasion in dem betrelfenden Organ vorhanden 
war. Walirscheinlich wandeln sieh diese Parasiten unter dem Einflofi 
des Spaltpilzes in die eingangs beschriebenen mit kiisiger Oder eiteriger 
Masse angefiillten Blasen ura. Ueber diesen noch nicht ganz auf- 
geklarten Yorgang stellt der Alitor weitere Untersuchungen in Aussicht. 

C a r 1 (Karlsruhe). 


Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


Weber, Arthur, Der Tierversnch bei der Diagnose tuber- 
kuliiser Erkrankung. (Munch, med. Woehenschr. 1908. S. 321.) 

Man kann im geimpften Versuchstiere die Tuberkelbazillen leicht 
und mit aller Sicherheit nachweisen, lange bevor es der Infektion er- 
liegt. Wenn man tuberkuldse Massen unter die Unterbauchhaut spritzt, 
so werden meist nach 10—16 Tagen die zugehorigen Lymplidriisen fiilil- 
bar. Man nimmt sie heraus, sobald sie LinsengroBe iiaben und findet 
in feinen Mikrotomschnitten leicht die Bazillen. noch ehe Verkasung 
eingetreten ist. Das Verfahren sowie stdrende Zntiilligkeiten sind im 
einzelnen genau beschrieben. Die Infektion wird uin so friiher nach- 
weisbar, je melir Tuberkelbazillen eingebracht sind. Man impft stets 
mehrere Tiere. Sie rniissen gut gepflegt werden. 

In nach Bloch gequetschten Lymplidriisen lassen sich die Tuberkel¬ 
bazillen stets eher nachweisen wie in nicht gequetschten. Storend ist 
dabei die fast ausnahmslos auftretende entziindliche Verdichtung und 
Vereitening der gequetschten Gegend. Audi gestaltet sich die mikro- 
skopische Untersuchung der nicht gequetschten Driise einfacher und 
klarer. Nach der Quetschung gibt es ein verworrenes, scliwer mit 
Sicherheit zu durclimusterndes Gewebsbild, das sein Geprage durch die 
fast regelmiiBig eintretende Mischinfektion erha.lt. 

Man hat 6 Stunden nach der Herausnahme die nach Ziehl ge- 
fiirbten Schnitte zur Yerfiigung, wenn man die Driise je 8 / 4 Stunde 
der Beihe nach in Formalin 10 v. H.. Alkohol 30, 60, 96 y. H., absoluten 
Alkohol, Xylol bei Zimmerwarme, Paraffin vom Sclimelzpunkt 55° be- 
liiBt. Georg Schmidt (Berlin). 

Joannoyics und Kapsammer, Untersuchungen iiber die Ver- 
wertbarkeit neuerer Methoden zurDiagnose derTuber- 
kulose im Tierversuch. (Berliner klinische Wochenschrift. 1907. 
No. 45.) 

Blochs Verfahren, durch subkutane Injektion beim Meerschwein- 
chen und nachfolgende traumatisclie Liision der Inguinaldrusen die 
sclinellere Diagnose der Tuberkulose zu ermoglichen, hat sich dem 
Verf. stets selir gut bewahrt; schon binnen 14 Tagen war auf diesem 
Wege die Diagnose bestimmt gesichert. 


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Diagnostik der Tuberkulose; Tierversuch, Cytodiagnose. 


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Dagegen ergaben ihm seine Versuche mit dem v. Pirqnetschen 
Verfahren sowie mit der Ophthalmoreaktion nach Wolff-Eisner und 
die Methode yon Calmette mit alkoholischen Tuberkulinfallungen keine 
yerwertbaren Merkmale fur die Diagnose tuberkuloser Erkrankung des 
Meerschweinchens. W. v. Brunn (Rostock). 

Jousset, Andr<$ et Cartier, P., Les variations de virulence da 
liqnide de la pleurGsie s6ro-fibrineuse an cours des 
ponctions successives; ses 616ments d’appreciation. 
(Compt. rend. hebd. de la Soc. de Biol. T. 60. 1906. No. 21.) 

Bei Untersnchungen seroser Exsndate tuberkuloser Aetiologie 
spritzten Verff. je 8 Meerschweinchen Dosen von 1—50 ccm ein, um die 
geringste krankmachende Dosis, die Form der Erkrankung und die Ueber- 
lebensdauer der injizierten Tiere festzustellen. Die Yirulenz des Exsudats 
fur Meerschweinchen steht nicht mit der Prognose fur den Trager des 
Exsudates in Beziehung. Dagegen bestehen Beziehungen der Yirulenz 
zur Zahl und Form der Bakterien, Zahl und Art der Formelemente und 
der Fibrinmenge. Man kann sagen, dafl im allgemeinen ein Exsudat 
virulenter ist, das wenig Lymphocyten und wenig Fibrin enthalt (unter 
0,5 g ein Liter). Die Erythrocyten schwanken zwischen 150 und 8500, 
betragen im Mittel 600 im cmm. Die Leukocyten im cmm schwanken 
zwischen 140 und 6000, betragen im Mittel 300. Das getrocknete 
Fibrin im Liter schwankt zwischen 0,04—2 g, betragt im Mittel 0,45 g. 

Die tuberkulosen Exsndate behalten bei verschiedenen Punktionen 
ihre Virulenz fast unverandert bei und steigern sie nur ganz allmah- 
lich. Zwischen der bei der Inoskopie gefundenen Zahl der Tuberkel- 
bazillen und der Virulenz der Exsudate lassen sich keine Beziehungen 
auffinden. Die mikroskopische Untersuchung gewahrt also keinen An¬ 
halt, welche Menge man den Tieren zur Tuberkulisierung injizieren muB. 

Dagegen gewahren die morphologischen Verhaltnisse Anhaltspunkte. 
Die Exsudate, die kbrnige, moniliforme Bakterien enthalten, sind viru¬ 
lent, diejenigen mit homogenen Bazillen avirulent. 

A. Wolff-Eisner (Berlin). 

Oermanl, A., Intorno ai metodi pih comuni per lo studio 
eziologico della pleurite. (II Morgagni. 1907. No. 10.) 

Verf. hat an Pleuritiskranken Nachforschungen angestellt iiber den 
Wert der Cytodiagnose, iiber das Aufsaugungsvermogen der Pleura und 
iiber die Mayersche Reaktion. Er kommt zu folgenden Schliissen: 

Die Cytodiagnose der Pleuraexsudate hat eine grofie Bedeutung, da 
die Lymphoeytose die tuberkulosen Formen charakterisiert, die Poly- 
nukleose dagegen die von anderen Mikroorganismen erzeugten Formen. 

Die chemische Reaktion Mayers verdient eine besondere Be- 
achtung. 

Die Probe des Aufsaugungsvermogens vermittels Injektion von 
Methylenblau in die Pleurahohle kann nicht allein der Diagnose den 
Weg weisen, sondern auch der Therapie, besonders in bezug auf die 
Frage nach der Notwendigkeit der Thorakozentese. 

Ceradini (Mailand). 

Erste Abt. Refer. Bd. XLII. No. 1/3. 3 


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Diagnostik der Tuberkulose; Serumreaktinn, opsnnischer Index. 


Harchetti, G. e Stefanelli, P. , Sulla s i e r o - r e a z i o n e tuber- 
colare. (Rivista critica di Cliuica Medica. 1905. No. 39.) 

Aus deu Resultaten ilirer eigenen Beobachtungen uud Yersuclie 
ziehen die Verff. folgende Schliisse: 

1. Das Blutseruin von Tuberkulosen agglutiniert die homogenen 
Tuberkelbazillen in einera ziemlich bohen Pruzentsatze (50—00 Proz.). 

2. Die Agglutinationsprobe fallt mit grbderer Hautigkeit und bei 
stiirkeren Verdiinnungen in leichten und ini Anfangsstadium befind- 
lichen Fallen positiv aus, iu welchen der Organismus eine Starke Re- 
aktion gegen den infektiosen Prozed zeigt, obne dad es jedooh moglich 
ist, einen inneren und konstanten Zusammenhang zwischen Seroreaktion 
und Prognose aufzustellen. 

3. Die tuberkulbse Serumreaktiou kann deutlich und wiederholt 
positiv bei sicher nicht tuberkuliisen Individuen nacbgewiesen werden, 
und zwar vor allem bei Leuten, die an Infektionskrankheiten und be- 
sonders an Typhus leiden. 

4. Das Blutserum von Tuberkulosen, welches auf die horaogeuen 
Tuberkelbazillenkulturen agirlutinierend wirkt, kann diese Eigenschaft , 
lange (1—l 1 /* Jahre) bewaliren, wenn man es gegen das Liclit und zu 
hohe Temperaturen scliutzt. 

Aus alledem ergibt sicli, dad die Serumreaktion von Arloing 1 
und Courmont, wenn sie auch als biologische Eisebeinung ilire tbeo- [ 
retische Bedeutung bewaliren kann, dock einen grodeu Teil ihres Wertes : 
bei der praktischen Verwendung verliert. Negri (Pavia). i 

Rotch-Floyd, The opsonic index and the tuberculin test. 
(Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. Nr. 8.) 

In geiibten Handen ist Tuberkulin ein wertvolles Diagnostikuin J 
auch fiir Kindertuberkulose. Doch gibt es Fiille, wo man es nicht an- j 
wenden darf. In solcken liefert der opsonische Index ein wichtiges j 
diagnostisches Hilfsmittel. Und zwar tirnlet man bei Lungentuber- 
kulosen dreierlei Verhalten. — Der o. I. ist konstant vennindert: 
Lungentuberkulose, aber auch nur verminderte Resistenz gegen die 
Tuberkulose. — Der o. I. ist konstant holier: daraus kann man auf 
einen tuberkulosen Herd schlieden, von dern konstant kleine Mengen 
tuberkuloser Produkte in den Korper eindringen. - A\'ichtiger ist der 
„schwankende“ Index; die Schwankungen bedeuten nichts anderes, als 
eine Reilie von negativen und positiven Phasen. folglicli Aufnaiiine von 
groderen Mengen tuberkuloser Produkte. — Noch wichtiger ist die 
Hitzebestandigkeit der Opsonine im pathologischen Serum. 

Boudek (Prag). 

Bine, Ren6 und Lifiner, Henry, Die Technik der Opsonin- 
bestimmung undihre A nwendung bei Lungentuberkulose. 
(Miinch. med. Wochenschr. 1907. S. 2513.) 

Die Technik der Bestimmung des opsonischen Index im Kranken- 
serum ist eingeliend beschrieben (Abbildungen von Instrumenten). Die 
geringste Abweichung von der Vorschrift beeintriichtigt die Zuverlassig- 
keit der Ergebnisse. Um die Bakterienemulsion immer gleichdick 
machen zu konnen, soli man jede Emulsion durch Bestimmung der 
phagocytischen Zahl seines eigenen, normalen Serums prufen. Aus einer [ 


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.Tuberkulin als Diagnostikum. 


35 


beigegebenen Tabelle (Bestimmung der phagocytiscben Zahl bei An- 
wendung verschiedener Kombinationen yon Leukocyten und Serum ver- 
schiedener normaler Personen nnd verschiedener Vorbehandlung der 
Sera bei Anwendung verschiedener Emulsionen und verschiedener Tem- 
peratnren sowie verschiedener Mischungszeit) folgt: 1. Das Serum ent- 
halt Stoffe, welche die Bakterien so beeinflussen (schmackhaft machen), 
dafi sie von den Phagocyten leichter aufgenommen werden; diese Stoffe 
werden dnrch 10 Minuten langes Erhitzen anf 60° C zerstort. 2. Der 
phagocytische Index hangt von dem angewandten Serum ab, nicht von 
den Leukocyten und ihrer Herknnft. 3. Die Phagocytose tritt bei 37° 
am schnellsten und heftigsten ein, ist bei 0° C auf weniger als 1 j 6 
herabgedriickt. 4. 0,85 proz. Kochsalzlosung befordert ebensowenig die 
Phagocytose als inaktiviertes Normalserum. 5. In den wenigen Sekunden, 
welche man znm Mischen von Blutkorperchen, Serum und Emulsion 
braucht, tritt sicher keine nennenswerte Phagocytose ein. 6. Die Gleich- 
mafiigkeit der Dicke der Emulsionen ist zum Vergleichen der Unter- 
suchungsergebnisse Yorbedingung. — Da sich der opsonische Index der 
eigenen, vollig steril erhaltenen Normalsera dnrch langeres Stehen stark 
verandert, sind immer frische Sera zu verwenden. — Durch Rontgen- 
bestrahlung von Serum, Bazillenemulsion, Leukocyten Oder durch Zu- 
sammenbringen bestrahlter und nichtbestrahlter Mischungsteile wurde 
der phagocytische Index nicht verandert. 

Yerff. haben sich von der Wirksamkeit der Wrightschen Yaccine- 
behandlung in London iiberzeugt. Das Verfahren ist im einzelnen be- 
schrieben. 

Bei der Priifung des Yerlaufes des opsonischen Index bei dia- 
gnostischer und therapeutischer Tuberkulinimpfung (Kurven) fand sich 
der opsonische Index von 6 Gesunden bei mehr als 100 Beobachtungen 
wahrend der Dauer von 30 Tagen immer nahezu'von gleicher Grofle, 
von 20 Schwindsiichtigen und von 2 Kranken mit Bauchfelltuberkulose 
dagegen von erheblicher abweichender GroBe. Bei schweren Fallen 
schwankt der opsonische Index stark infolge von Autoinokulationen; 
besser geeignet fur die Tuberkulinbehandlung unter Kontrolle durch 
die Opsoninbestimmung sind die leichteren Falle. Auch bei der dia- 
gnostischen Tuberkulinprobe kann man aus der Opsoninbestimmung 
Schlusse ziehen. Doch scheitert die allgemeine Yerwendung des Ver- 
fahrens bei Tuberkulinisierungen noch an seiner Kompliziertheit. 

Zwei Falle von Staphylokokkusinfektion wurden nach Wright 
mit Erfolg behandelt. Georg Schmidt (Berlin). 

Pankow, Das Alttuberkulin Koch als Diagnostikum in der 
Gyn&kologie. (Centralbl. f. Gyn. 1907. No. 42.) 

Vorliegende, aus der Freiburger Frauenklinik stammende Arbeit 
bildet eine Nachprufung der das gleiche Thema behandelnden Birn- 
b a n m schen Arbeiten der Gottinger Frauenklinik und beansprucht eine 
weitgehendere Beachtung, da in samtlichen Fallen die Diagnose auch 
durch die histologische Untersuchung operativ entfernter Gewebsteile 
kontrolliert worden ist. 

Im Gegensatz zu Birnbaums Angaben lauten die Resultate 
Pankows nicht so gunstig. Unter 32 Fallen ergab sich 20mal Ueber- 
einstimmnng, indem weder die histologische Untersuchung Tuberkulose 

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Tuberkulin als Diajyuostikum. 


ergab, noch auch nach der Reaktion eine solche diagnostiziert wordeu 
war. 3mal wnrde auf Grund der sehr starken lokalen und allgemeinen 
Reaktion nach der Tuberkulininjektion die klinisch richtig gestellte 
Diagnose zugunsten einer Tuberkulose geiindert, ohne daB aber die 
histologische Untersuchung irgendwelche tuberkulose Veranderungen 
ergab. Umgekehrt liefien sich in 9 weiteren Fallen ausgedelmte ort- 
liche tuberkulose Veranderungen histologisch nachweisen, ohne daB in 
5 dieser Falle eine brtliche Reaktion, worauf Birnbaum soviel 
Wert legt, nachweisbar war, wahrend alle 9 eine starke allgem eine 
Reaktion ergaben. 

Wenn Pankow nach diesen Resultaten den Tuberkulininjektionen 
auch nicht jeden diagnostischen Wert absprechen mochte, so glaubt er 
ihn doch nur nach der negativen Seite hin anerkennen zu konnen, d. h. 
bei Fehlen jeder lokalen und allgemeinen Reaktion ist mit grofiter 
Wahrscheinlichkeit eine Tuberkulose des Urogenitalapparates der Frau 
auszuschliefien. VaBraer (Hannover). 

Masenti e Biey, Le iniezioni di tubercolina secca Belfanti 
nella diagnosi della Tubercolosi umana. (Rassegna di 
Bacterio-, Opo- e Sieroterapia. Anno III. Dicembre 1907. Fasc. 12. 

p. 1.) 

Die Verff. berichten iiber die im Ospedale di S. Luigi in Turin in 
bezug auf den diagnostischen Wert des trockenen Tuberkulins (Bel¬ 
fanti) gemachten Erfahrungen. Diese Forschungen wurden als vor- 
bereitend zur Prufung des therapeutischen Wertes des genannten 
Tuberkulins gemacht; vom diagnostischen Gesichtspunkte aus unter- 
sucht, hatte es schon in der medizinischen Universitatsklinik zu Turin 
gute Resultate gegeben. 

Belfantis trockenes Tuberkulin, welches ein gelblich-weiBes, 
leichtes, bedeutend hygroskopisches Pulver darstellt, wurde von Verff. 
in isotonischem Serum gelost, mit Zusatz von 0,5 Proz. (in Gewicht) 
kristallinischen Phenols (Merck) angewendet. 

Die auf diese Weise bereiteten und bei 100° C sterilisierten 
Losungen sind vollstandig klar; nur stiirkere Lbsungen (iiber 1 °/o«) 
nehmen eine leicht opaleszierende Farbung an. Sie erhalten sich ziemlicli 
lange unverandert, ohne ihre Klarheit und ihre Wirksamkeit zu ver- 
lieren, so daB Verff. drei Monate nach der Bereitung der Losungen 
die voile Wirksamkeit derselben, mit frisch bereiteten Losungen kon- 
trolliert, beobachten konnten. 

Was die Intensitat der Reaktion anbetrifft, so haben auch Verff. 
die bekannte Beobachtung gemacht, dafi bei den verschiedenen Formen 
tuberkuloser Erkrankung die Reaktion gegen das Tuberkulin desto 
schwacher ist, je vorgeschrittener der tuberkulose ProzeB ist. 

Die Konstanz der bei den verschiedenen tuberkulbsen Krankheits- 
formen erzielten Resultate, die charakteristische lokale dem Krankheits- 
herd entsprechende Reaktion, welche in zweifelhaften Fallen die Dia¬ 
gnose sichern kann, die Unschiidlichkeit dieses Tuberkulins, welches nur 
in einem einzigen Falle eine Verschlimmerung des tuberkulosen Pro- 
zesses bedingte, wahrend in alien iibrigen Fallen die Reaktionserschei- 
nungen mit dem Aufhoren der termischen Reaktion verschwanden, und 
endlich die Tatsache, daB man auch mit kleinen und zwischen sehr 


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Tuberkulin als Diagnostikam. 


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engen Grenzen schwankenden (0,1—0,5 mg) Mengen dieses Tuberkulins 
deutliche Reaktionen erzielen kann, was fur die Reinheit des Praparates 
und sein konstantes toxisches Vermogen spricht, geniigen nach Ansicht 
der Verff., urn die Anwendung des Belfantischen Tuberkulins in der 
diagnostischen Technik warm zu empfehlen. Bertarelli (Parma). 

Detre, L., Differentielle Tuberkulinreaktionen. (Wiener 
klin. Wochenschr. 1908. No. 6.) 

D. stellte Untersuchungen an iiber die Wirkung subkutan und 
kutan einverleibter Filtrate von Tuberkelbazillen-Bouillonkulturen, die 
sich dem Tuberkulin gegenuber ja in verschiedener Hinsicht anders 
verhalten. Die Filtrate wirken kraftiger als das entsprechende Tuber¬ 
kulin. Durch halbstiindige Erhitzung auf 95 0 C erleidet ihre spezifische 
Wirkung noch keine nennenswerte Einbufie, eine namhafte Abschwachung 
kommt vielmehr erst nach 4—6 stiindiger Erhitzung zustande. Zunachst 
wurden 20 Tuberkulosen geringe Mengen derartiger Filtrate subkutan 
injiziert, und zwar in gleichen Dosen am rechten Unterarm „Human- 
filtrat“ (Filtrat von Bouillonkulturen des Tuberkelbazillus, Typus hu- 
manus) und am linken Unterarm „Bovinfiltrat“ (vom Typus bovinus 
herriihrend). In der Mehrzahl der Falle konnten mittels des beschrie- 
benen Yorganges Unterschiede zwischen beiden Stoffen nachgewiesen 
werden: gewohnlich war es das Humanfiltrat, das an den Kranken 
intensivere Lokalreaktionen verursachte ? nur 2 Kranke erwiesen sich 
als fur das Bovingift empfindlicher, in einigen Fallen war die Empfind- 
lichkeit des Organismus fur beide Stoffe ungefahr die gleiche. — Die- 
selben Kranken wurden dann nach dem v. Pirquetschen Verfahren 
mit verschiedenen Tuberkulinen (Tub. vetus, konzentriert und in 10 proz. 
Verdiinnung, und Denyssches Originaltuberkulin) und Filtraten (Speng- 
lersches Original-Humanfiltrat und Origin al-Bovinfiltr at) kutan ge- 
impft. Es zeigte sich, daB das Denyssche Tuberkulin genau so wirkte 
wie eine Mischung von Alttuberkulin mit dem Spenglerschen Human¬ 
filtrat. Das konzentrierte Tuberkulin brachte stets eine groBere Papel 
hervor, als das lOfach verdunnte, so daB also die GroBe der Papel als 
MaBstab der R.eaktion betrachtet werden konnte. Bei denjenigen Indi- 
viduen, die bei der vor etlichen Wochen vorgenommenen gleichzeitigen 
subkutanen Injektion der beiden Filtrate eine starke Humanempfind- 
lichkeit dargeboten hatten, verursachte das Humanfiltrat, bei den beiden 
Bovinempfindlichen das Bovinfiltrat eine groBere Papel. Die Filtrate 
wirkten intensiver als das Tuberkulin. Die bei wiederholten Prufungen 
stets in dem gleichen Sinne hervortretenden Reaktionseigentumlichkeiten 
begriinden die Moglichkeit einer Scheidung der Tuberkulosen in Human- 
und Bovinempfindliche. Es ist anzunehmen, daB die Reaktionen nicht 
nur von etwaigen, den beiden Filtraten eigentiimlichen, quantitativen 
Unterschieden rein akzidenteller Natur abhangig sind, sondern von 
spezifisch qualitativen Differenzen der beiden Filtrate, sowie adaquaten 
Momenten der Versuchspersonen. Die Verschiedenheit der Kutan- 
empfindlichkeit laBt (eine einwandfreie Technik vorausgesetzt) den 
SchluB auf eine Verschiedenheit des Infektionsagens zu: Bei den starker 
humanempfindlichen Fallen liegt eine Infektion mit dem Typus humanus, 
bei den bovinempfindlichen eine Infektion mit dem Typus bovinus des 
Tuberkelbazillus vor. In den Fallen, wo beide Filtrate annaliernd 


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Tuberkulin als Diagnostikum. 


gleich wirken, diirfte der Organismus mit beiden Typen der Tuberkel- 
bazillus in Beriihrung gekommen sein. — Von 110 Kranken, die nach 
diesem Verfakren gepriift wurden, lieB sich bei 9 Fallen eine Ent- 
scheidung uber die Art der vorliegenden Tnberkulose nicht erbringen. 
Die verbleibenden 101 Falle verhielten sich folgendermaBen: 



Humane 

Reaktion 

Bovine 

Reaktion 

Mise.h- 

reaktion 

Von 63 Fallen Tuberkulose der Brustorgane 

: 

5 (9%) 

10 (19%) 

gaben 

38 (72%) 

28% 


1 

1 (9%) 

1 1(9%) 

Von 11 Fallen Lymphdriisentuberkulose gaben 

9 (81%) 

QO 

Von 27 Fallen ckirnrgiseher (Gelenk-, Knochen-, 


2 (8%) l 

9 (33%) 


L/AA M • X V-Uil 111 ^ Dn uk/l \ VII ivmx « A.1 JUL ^ . I V. s _ 

iS'ieren- etc.) uud Hauttuberkulose gaben 16 (59 %) 41 % 


Von 10 nicht manifest Tuberkulosen (Lepra 
usw.) gaben 


7 (70 %) 


1 ( 10 %) ; 2 ( 20 % ) 
30% 


Sum ma 


70 (64 %) 


9 (9%) i 22 (22%) 
31% 


Bei den Fallen cliirurgischer Tuberkulose waren demnach die 
Bovinereaktionen auffallend liaufig. 

Frisclie Tuberkulosefalle zeigten im Gegensatz zu den relativ zu 
Stillstand gekommenen Prozessen eine auffallend grofie Filtratempfind* 
lichkeit. Der klinische Charakter der Tuberkulose auBert sich in vielen 
Fallen in konstanten Kutanreaktionstypen: 

1. In den auck klinisch als giftempfindlich zu bezeichnenden re- 
zenten Oder, wenn auch alteren, so dock offers rezidivierenden Fallen 
ist die dominante Filtratpapel meist ebenso groB Oder groBer als die 
Papel des konzentrierten Tuberkulins (,,akuter Reaktionstypus“). 

2. Bei den chronischen, zura Stillstand gekommenen, sowie bei den 
rezenten, aber sclion selir ausgebreiteten Prozessen ist die dominante 
Filtratpapel weitaus kleiner als die Papel des konzentrierten Tuber¬ 
kulins („chronisclier Reaktionstypus 44 ). 

3. Bei ganz veralteten Fallen Oder bei Felilen klinisch nachweis- 
barer Tuberkulose ist die Filtratreaktion auflerst gering, nur das 
Tuberkulin gibt eine schwacke Papel („rudiment;irer Reaktionstypus 44 ). 

4. Negative Reaktion beweist bei klinisch Gesunden Freisein von 
Tuberkulose, kommt aber auch bei generalisierter Tuberkulose vor, 
wenn der Organismus seine Giftempfindlichkeit bzw. seine Reaktions- 
fahigkeit eingebiifit hat. — Der negative Umschlag einer bis dahin 
positiven Reaktion beweist, daB inzwischen eine Uebersckwemmung des 
Organismus mit dem Erreger resp. dessen Giften stattgefundeu hat, 
und ist als ein prognostisch infaustes Symptom fiir die Therapie von 
Bedeutung. 

Die Verfolgung etwaiger Aenderungen in dem Reaktionstypus er- 
mbgliclit uns ein Urteil iiber den jeweiligen Grad der Giftempfindlichkeit 


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Tuberknlin; Ophthalmoreaktion. 


39 


des infizierten Organismus and den Stand der Autoimmunitatsvorgange. 
Bei letzteren erlischt die spezifische Filtratempfindlichkeit (Toxine) viel 
schneller als die durch die Tuberkulinempfindlichkeit dokumentierte 
Sensibilitiit gegenuber den Proteinen. 

Die Feststellung der r differentiellen Kutanreaktion" ist also fur 
die Friihdiagnose sehr wichtig nnd liefert auch fur die Bestimmung der 
Inlektionsquelle wichtige Anhaltspunkte. Auch fur die Auswahl der 
therapeutisch zu verwendenden spezifischen Praparate, die Toleranz des 
Kranken usw. gibt sie unter Umstanden Aufschlufi. Hetsch (Metz). 

Biey e M&sentl, L’oftalmoreazione nella tubercolosi umana. 
iRiforma medica. 1907. No. 46.) 

Auf Grund ihrer an einer grofien Anzahl Tuberkuloser und anderer 
Kranker vorgenommenen Untersuchungen schlieBen die Yerff., dafi die 
Ophtbalmoreaktion, sobald sie mit der entsprechenden Technik zur Aus- 
tiihrnng gelangt, und man das Auge gut untersucht und die notigen 
YorsichtsmaBregeln beobachtet werden, ein sicheres und rasches dia- 
gnostisehes Hilfsmittel ist, das besonders in beginnenden Fallen wert- 
voll ist, bei denen die Prufnng des Auswurfs und die subkutane Tuber- 
kuiineinspritzung nicht immer moglich ist. Ceradini (Mailand). 

Salvolini, U., L’oftalmoreazione alia tubercolina. (Riforma 
Medica. 1907. No. 42.) 

Yerf. hat die Calmettesche Reaktion an 15 an Lungentuberkulose 
rerschiedenen Stadiums leidenden Individuen, sowie an 8 von ganz 
verschiedenen Krankheiten befallenen Kranken erprobt. 

Bei den 15 Tuberkulosen war die Ophthalmoreaktion nur einmal 
negativ nnd zwar bei einem Kranken, der ziemlich stark hervortretende 
obiekrive Erscheinungen und zahlreiche Tuberkelbazillen im Sputum 
ani'wies. Auch bei einem keinerlei Anzeichen von Tuberkulose auf- 
weisenden Syphilitiker fiel die Ophthalmoreaktion positiv aus. 

Verf. kommt zu dem Schlufi, daB die Ophthalmoreaktion Calmettes 
zwar ein ziemlich sicheres Hilfsmittel zur Diagnose der Tuberkulose 
i>t. daB jedoch weder der negative Ausfall Tuberkulose sicher aus- 
s^hliefien liiBt, noch der positive Ausfall immer das sichere Bestehen 
eines tuberkulosen Prozesses garantiert. Ceradini (Mailand). 

Klieneberger, Karl, Kritische Bemerkungen zur klinischen 
Bedeutung der Ophthalmoreaktion auf Tuberkulose. 
(Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 2588.) 

Von 17 Kranken, bei denen Tuberkelbazillen gefunden waren, 
rcaderten 7 gar nicht und 2 mit einer zweifelhaften leichten Karunkel- 
reiznnt r . Und zwar fallen nicht nur vorgeschrittene, sondern auch leichtere 
nnd beginnende Erkrankungen positiv aus. Auf eine 2. Eintraufelung 
reasrierton samtliche 9 Tuberkulose, 2 von 6 der Tuberkulose Ver- 
duchtitron, 36 von 46 klinisch sicher nicht Tuberkulosen. Wahrschein- 
lich stollt diese 2. Reaktion eine UeberempfindlichkeitsauBerung dar. 
Fiir die I(itferentialdiagnose in der Praxis ist die wiederholte Eintraufe- 
lung also nicht zu gebrauchen. Aufierdem konnen daraufhin hochst 
unangenehme Folgeerscheinungen auftreten. 

Georg Schmidt (Berlin). 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


Seraflni, 0., A1 cune osservazioni sul valore diagnostico 
della oftalmoreazione alia tubercolina nella tuber- 
colosi ossea ed articolare. (Giorn. d. R. Accad. Med. di 
Torino. 1907. No. 9—11.) 

Die vom Verf. angestellten Beobachtungeu fubren ihn zu der An- 
sicht, dafl die bei Anwendung dieser Methode bei der Knochen- und 
Gelenktuberkulose auftretenden Fehlerquellen so zahlreich sind, daB der 
praktische Arzt aus derselben in der Praxis keinen diagnostischen Vor- 
teil ziehen kann. 

Wenngleich. Verf. die Seriositat und Genialitat des wissenscliaftlichen 
Prinzips, auf das sich die Methode stiitzt, niclit in Frage stellt, so rat 
er doch von der Ophtlialmodiagnose ab, weil die Einfiihrung des Tuber- 
kulins die Gefahr ernster Augenveranderungen heraufbeschworen kann. 

Ceradini (Mailand). 

Baldwin, The ophthalmo-tuberculin diagnostic test. (Journ. 
of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 24.) 

Verf. komrat zu dem Schlusse, daB man iiber den Wert der Reaktion 
bis heute hochstens sagen kann: wenn bei Vorhandensein von Sym- 
ptomen der Tuberkulose prompte Reaktion auf kleine Dosen eintritt, 
so wird der Verdacht groBer. Boucek (Prag). 

Franke, E., Ueber Ophthalmoreaktion bei Tuberkulose. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1907. S. 1983.) 

F. wandte ein nach Calmette hergestelltes Praparat bei 
24 Augenkranken an. Es reagierten siimtliche 6 ausgesprochen 
Tuberkulose, sowie 4 von den 18 iibrigen. R a t j e n erzielte positiven 
Ausschlag bei 9 von 12 an den Atmungswegen Leidenden sowie bei 
1 von 2 anderen Kranken. Die Reaktion begann einige Male schon 

3 Stunden nach der Eintraufelung. Um die Losung haltbarer zu 

machen, empfiehlt F. Th} r mol Oder Borsaure zuzusetzen, wobei die 
Wirkung erhalten bleibt und keine Reizung eintritt. — Das Verfahren 
kann von holiem diagnostischem Werte sein. ist leicht anwendbar und 
ohne Gefahren. Georg Schmidt (Berlin). 

Kohler, F., Ueber Ophthalmoreaktion. (Deutsche med. Wochen- 
schrift. 1907. S. 2082.) 

Von 169 klinisch sicheren Tuberkulosefallen reagierten auf lproz. 
Alttuberkulin 51 v. H., auf die folgende Eintraufelung von 2- und 

4 proz. Alttuberkulin 41 und 8 v. H. Bei Lungentuberkulose bleibt die 

Wirkung demnach nur selten aus. — Von 5 zweifelhaften Fallen rea¬ 
gierten 2 bei 1 proz., 3 bei 2 proz. Losung. — Bei einem Kranken, der 
frei von Tuberkulose war, blieb die Eintraufelung des 4 proz. Alttuber- 
kulins ohne Ergebnis. — Die Technik des Verfahrens ist einfach. — Bei 
fortgeschrittener Lungenschwundsucht bleibt die Probe am ehesten er- 
folglos. Georg Schmidt (Berlin). 

Micheli, J. u. Quarelli, G., Ipersensibilita locale provocata 
dalla tubercolina. (Giornale della R. Accademia di Medicina di 
Torino. Vol. XIII. 1907. Anno LXX. Fasc. 9-11.) 

Die Forschungen und Betraclitungen der VerlF. zielen darauf hin, 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


41 


einisre noch wenig bekannte Erscheinungen zu illustrieren, welche sie 
in der klinischen Praxis bei der zu diagnostischen Zwecken gemachten 
Anwendung des Tuberkulins und besonders bei der Wolff-Eisner- 
Calmetteschen Ophthalmoreaktion beobachtet haben. 

Das bei diesen Versuchen angewendete Tuberkulin war ein trockenes 
Tuberkulin (bereitet im serotherapeutischen Institut zu Mailand), welches 
hauptsachlich aus Nukleinen besteht. Die Dosis dieses Tuberkulins, 
welch e die zweckmafligste erschien und welche gewohnlich auch gefahi- 
los ist, bestand in einer wasserigen Losung 1:200 — 1:250 (rasch im 
Wasserbad sterilisiert), yon welcher, nacli Calmettes Angaben, ein 
Tropfen rasch in den Bindehautsack instilliert wird. 

Verff. erhielten folgende Resultate: 

1. Eine zweite Instillation — in solchen Fallen, welche auf die erste 
nicht reagiert haben — ist mit einer gewissen Haufigkeit von dem Ein- 
tritt einer mehr Oder weniger intensiven Ophthalmoreaktion gefolgt, auch 
in Fallen, wo kein Verdacht auf eine tuberkulose Affektion besteht, 
inimer jedoch ist dies der Fall, wenn zwischen der ersten und der 
zweiteu Probe eine gewisse Zeit, gewohnlich von wenigstens 6—8 Tagen 
vergangen ist. Dabei ist die charakteristische und fast konstante Er- 
scheinung zu beobachten, dafl, wenn die erste Instillation in einem 
Auge und die zweite in beiden Augen gemacht wird, die Reaktions- 
hornhautentzundung auf das bereits einmal inokulierte Auge bescbrankt 
bleibt. 

2. Von dieser Beobachtung ausgehend, welche einigen in Beziehung 
auf die Hautreaktion beobachteten Erscheinungen entspricht, haben 
Verff. zahlreiche Versuche an Kranken gemacht. Dabei haben sie be¬ 
obachtet, dafi die positive Reaktion in ihren klinischen Besonderheiten 
derjenigen entspricht, welche man bei tuberkulosen Individuen nach 
Anwendung von gewohnlichen Dosen von Tuberkulin beobachtet; sie 
zeigt in den einzelnen Fallen sehr verschiedene Intensitatsgrade, ohne 
dad man einen genauen und konstanten Zusammenhang zwischen der 
Int ensitat der Reaktion und dem Krankheitszustand des Patienten fest- 
stellen kann; sie beginnt nach einer sehr verschiedenen, zwischen 1V 2 
bis 10 Stunden schwankenden, und gewohnlich 3 Stunden betragenden 
Zeitperiode nach der zweiten Instillation, und ist gewohnlich auf das 
zum zweiten Male instillierte Auge beschrankt. 

3. Eine vorausgegangene subkutane Einspritzung von kleinen 
Tuberkulindosen bei tuberkulosen Individuen betordert den Eintritt der 
Ophthalmoreaktion, auch wenn die Instillation zum ersten Male und bei 
Anwendung einer auBerst verdunnten Tuberkulinlosung ausgefiihrt wird, 
wie iibrigens schon Calmette auf experimentellem Wege am Ka- 
ninchen bewiesen hatte. Dagegen wird durch eine langere Zeit fort- 
gesetzte Behandlung mit kleinen Tuberkulindosen oft die Reaktions- 
fahigheit gegen die Ophthalmoinstillation auch bei sicher tuberkulosen 
Subjekten aufgehoben. Die Ophthalmoreaktion mit gewohnlichen Dosen 
ist namlich bei Patienten negativ ausgefallen, welche spezifische um- 
schriebene Lungenaffektionen hatten, aber seit dem vorigen Fruhjahr 
in dem Ambulatorium der Klinik der Tuberkulinbehandlung unterzogen 
worden waren. 

4. Die endopleurale Einspritzung einer kleinen Tuberkulindosis 
(0.25—0,5 mg) in Fallen von sogenannter primarer Pleuritis, welche 


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42 


Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


auf subkutane Einspritzung von gewohnliclien Tuberkulindosen nicht 
reagieren, bedingt gewbhnlich eine intensive allgemeine (hohes Fieber usw.) 
und lokale (Schmerzen in der Brust, Vermehrung der Fliissigkeit) Reak¬ 
tion, welche 8—10 Stunden nach der endopleuralen Injektion beginnt, 
gewohnlich ira Laufe von 24 Stunden erloscht, und oft von einer raschen 
Besserung der lokalen Erscheinungen (Resorption der Fliissigkeit) ge- 
folgt ist. Bertarelli (Parma). 

Schenck, Ed. u. Seiffert, G., Die dlagnostische Bedeutung der 
Ophthalmoreaktion bei Tuberkulose. (Deutsche mediz. 
Wochenschr. 1907. S. 2269.) 

In die Augen von 100 Erwachsenen wurde Alttuberkulin (Hochst) 
eingetraufelt, zunachst in Losung von 1 v. H., beim Ausbleiben der 
Wirkung von 2 und 4 v. H. Es reagierten von 28 sicheren Tuber- 
kulosefallen auf 1 proz. Tuberkulin 78,57 v. H., auf 1- und 2 proz. 92,87 v. H., 
von 20 auf Tuberkulose verdachtigen Fallen auf lproz. Tuberkulin 
30 v. H., auf 1- und 2 proz. 60 v. H., von 52 klinisch nicht Tuberkulosen 
auf lproz. 5,77 v. H., auf 1- und 2proz. 26,92 v. H. (Tabellen). Die 
Untersuchungen werden mit 0,5 proz. Tuberkulin fortgesetzt. Zweimal 
erzielte 4 proz. Tuberkulin betrachtliche Schwellung und Rotung der 
Lider, die tagelang anhielten. In einigen Fallen traten leichte Kom- 
plikationen (leichte phlyktanulose Eruptionen am Hornhautrande mit 
ziliarer Injektion, leichter Herpes des Gesichtes, leichte Follikulitis), 
niemals wirklich unangenehme Nebenerscheinungen ein. Die Ophthalmo¬ 
reaktion wird als einfach auszufuhren und gefahrlos der moglichst all- 
gemeinen arztlichen Anwendung und Nachpriifung empfohlen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Blfimel u. Clarus, Die KonjunktivalreaktionalsDiagnostikum 
bei Lungentuberkulose. (Med. Klinik. 1907. No. 50. S. 1518.) 

289 Falle. Die Verff. kommen zu dem Schlusse: „1. Wer die Kon- 
junktivalreaktion aufweist, ist tuberkulos (umgekehrt spricht das Fehlen 
der Reaktion nicht mit absoluter Sicherheit gegen Tuberkulose); 2. die 
konjunktivale Reaktion kann an Stelle der probatorischen Injektion nach 
Koch treten." Haendel (Gr.-Lichterfelde). 

Cohn, S., Ueber die Ophthalmoreaktion auf Tuberkulin. 
(BerL klin. Wochenschr. 1907. No. 47.) 

C. hat das Material der Fraenkelschen Abteilung des Kranken- 
hauses am Urban verwertet und kommt zu folgenden Schliissen: 

1. Bei Anwendung einer 1 proz. Tuberkulinlosung spricht positiver 
Ausfall der Ophthalmoreaktion mit sehr grofier Wahrscheinlichkeit fur 
Tuberkulose. 

2. Negativer Ausfall der Reaktion spricht nicht absolut gegen 
Tuberkulose, da 50 Proz. der schweren Phthisiker nicht reagieren. Leichte 
und mittelschwere Phthisen reagieren mu* ausnahmsweise negativ. 

3. Typhuskranke zeigen auffallend haufig positive Ophthalmo¬ 
reaktion auf Tuberkulin, besonders in der Rekonvaleszenz. 

4. Eine langere Zeit nach der Eintraufelung gemachte subkutane 
Tuberkulininjektion ist imstande, die lokale Reaktion am Auge wieder 
hervorzurufen Oder, falls sie vorher nicht erfolgt war, zu erzeugen. 


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Taberkolin; Ophthalmo- and Kutanreaktion. 


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5. Die einmalige EintrSufelung erzeugt bei nichttuberkulosen Er- 
wachsenen — nicht bei Skuglingen — nach geniigend langer Zeit im 
allgemeinen eine Ueberempfmdlichkeit des eingetraufelten Auges; bei 
Tuberkulosen erstreckt sich die Wirkung meist auch auf das andere 
Auge. W. y. Brunn (Rostock). 

McLennan, William, Observations on the ophthalmo-reaction 
to tuberculin. (Brit. med. Journ. 1907. Nr. 2449. p. 1642.) 

Den wesentlichen Inhalt der kurzen Arbeit (ca. 100 Beobachtungs- 
falle) gibt der Verf. in folgenden Satzen wieder. 

1. In den meisten Fallen sind die weitgehenden Folgerungen, die 
Calmette aus der Reaktion zieht, vollig gerechtfertigt. 

2. Die Reaktion beweist das Vorhandensein von tuberkulosen Yer- 
fiuderungen, und zwar sowolil solcher, die vom klinischen Standpunkt 
ans als vollig gutartig und unverdachtig erscheinen, als auch weiter 
vorgeschrittener. 

3. In den Fallen, in denen die subkutane Injektion von Alttuber- 
kulin ein positives Oder negatives Ergebnis hat, gibt das gleiche 
Resultat auch die Ophthalmoreaktion. 

4. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Alttuberkulin in gleicher 
Weise auch fur die Anstellung der Ophthalmoreaktion zu verwenden. 

Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Xoblcourt, P. et Hantoux, Ch., Ophtalmo-etcuti -reaction dans 
la tuberculose experimental du lapin. (Compt. rend. heb. 
de la Soc. de Biol. T. 63. 1907. No. 30.) 

Bei der Unsicherheit, die iiber die Ergebnisse der Ophthalmo- und 
Kutanreaktion bei den kleinen Laboratoriumstieren noch besteht, sind 
die folgenden Mitteilungen von grofler Bedeutung. Die Autoren haben 
zwei Tuberkelbazillenstamme vom Menschen auf 15 Kaninchen verimpft, 
davon 3 subkutan, 3 peritoneal, 6 intravenos und 3 intrastomachal. Als 
Keaktionsstelle fiir die kutane Probe w&hlten sie nach Vall6e die 
iimere I'liiche des Ohres. Die Kutanreaktion war in 31 Fallen, d. h. 
bei alien Untersuchungen negativ, wahrend die Ophthalmoreaktion wenig- 
stens bisweilen positiv ausfiel. 

1. Die Konjunktivalreaktion bei subkutaner Infektion war bei einem 
der 3 Kaninchen immer negativ, bei den beiden anderen am 28. und 
39. Tage nach der Infektion je einmal positiv. Das Kaninchen, das 
niemals Reaktion zeigte, starb am 36. Tage, nachdem es ein Drittel 
s.'-ines Gewichts verloren hatte. Die beiden anderen Kaninchen blieben 
ges uml und zeigten keinen Gewichtsverlust. Sie warden 42 und 50 Tage 
nach der Infektion getbtet und wiesen nur einen k&sigen AbszeB an 
d*-r Impfstelle auf. Das Tier, das nicht reagiert hatte, zeigte auUerdem 
noch einige subpleurale KnOtchen. 

2. Bei der peritonealen Infektion war die Ophthalmoreaktion bei 
einem Kaninchen immer negativ, bei den beiden anderen nur je einmal 
pnsiriv am 19. und 44. Tage. Die Kaninchen warden am 31. und am 

5. Tage getbtet, ohne sichtbar abgemagert zu sein. Sie zeigten nur 
subperitoneale verk&ste Knotchen an der Inokulationsstelle. Das zuerst 
gesrhlachtete Tier, das am 20. Tage reagiert hatte, zeigte einen khsigen 
Tuberkel subperitoneal in der Magengegend. 


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Tuberkulin; Ophthalmo- und Kutanreaktion. 


3. Bei intravenoser Infektion war die Ophthalmoreaktion von 
6 Tieren nur bei einem positiv und nur an einem Tage, am 29. Dieses 
Tier hatte, als es am 40. Tage getotet wurde, 200 g an Gewicht verloren 
und zeigte zahlreiche graue Knotchen in der Lunge. Die anderen nicht- 
reagierenden Tiere starben 16, 23, 33 und 47 Tage nach der Infektion, 
eins wurde am 53 Tage getotet. Sie zeigten samtlich ausgedehnte 
Lungentuberkulose. 

4. Bei Einverleibung der Tuberkelbazillen in den Magen fiel die 
Konjunktivalreaktion immer negatiy aus. Die Tiere starben unter 
starkem Gewichtsverlust nach 11, 13 und 28 Tagen. Sie wiesen keine 
deutlichen tuberkulosen Veranderungen auf. 

Bei den schweren Krankheitserscheinungen, die der Injektion der 
Tuberkelbazillen in den Magen und die Venen folgten, wurde die 
Ophthalmoreaktion nicht beobachtet, aufier bei einem Tier, dafi ein- 
mal an einem Tage Reaktion zeigte. Die Benignitat der Infektion 
scheint also das Auftreten der Reaktion zu befordern. Die Reaktion 
erscheint noch nicht am 19. Tage nach der Infektion, ist also (NB. beim 
Kaninchen) keine Friihreaktion. Die Ophthalmoreaktion tritt bei Kanin- 
chen) nur in leichter Form auf und dauert nur kurze Zeit hochstens 
24 Stunden an. A. Wolff-Eisner (Berlin). 

Lesieur, Ch., Charlier J., Gardbre et Bonnet, Oculo-reaction 
tuberculense: 200 cas (enfants, vieillards, convales¬ 
cents etc.). (Lyon medical. Annee 69. 1907. No. 49. p. 967—976.) 

Bei einem groflen klinischen Material haben die Verff. die Oph¬ 
thalmoreaktion nachgepriift. Sie kamen zu folgendem Ergebnis: Bei 
80 Proz. aller klinisch Tuberkulosen war die Reaktion positiv, negativ 
bei 20 Proz. Diese letzteren Kranken befanden sich im letzten Stadium 
der Tuberkulose oder litten an einer alten, schon ziemlich weit vor- 
geschrittenen Tuberkulose. Bei den klinisch Nicht-Tuberkulosen war 
die Reaktion fast immer negativ. In den klinisch zweifelhaften Fallen 
erwies sich die Reaktion als ein ziemlich sicheres diagnostisches Hilfs- 
mittel. Neugeborene, selbst solche von tuberkulosen Muttern reagierten 
nicht. Die Reaktion war leicht auszufiihren, trat in der Regel nach 
6—9 Stunden ein, sie war mehr oder weniger heftig und von einer 
Dauer von 1—2 Tagen. Kersten (Berlin). 

Massalongo, E., Della cutireazione e della oftalmoreazione 
nella diagnostica della tubercolosi. (Riforma Med. 1907. 
No. 47.) 

Verf. hat die Kutireaktion und Ophthalmoreaktion auf Tuberkulose 
an 200 Kranken erprobt, darunter zahlreichen Tuberkulosen oder 
Tuberkuloseverdachtigen. 

Dabei konnte Verf. feststellen, daB diese neueren Methoden einen 
viel geringeren Wert haben als die alte Methode der subkutanen Tuber- 
kulininjektion, besonders bei Diagnose der beginnenden oder latenten 
Tuberkulose. Die beiden neueren Verfahren empfehlen sich trotzdem 
in der Kinderpraxis, wo oft die Reaktionserscheinungen auf subkutane 
Tuberkulininjektion zu stark hervortreten. 

Yon den beiden neuen Verfahren ist nach Verf. das der Ophthalmo¬ 
reaktion das empfindlichste. Ceradini (Mailand). 


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Tuberculin; Ophthalmo- und Kutanreaktion. 


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lainini, Carlos, Haut- und Ophthalmoreaktion auf Tuber- 
kulin. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 2585.) 

M. hat 280 mal Alttuberkulin (1:80) in kleine Hautschnitte ver- 
iiupft. Von 23 Kranken, bei denen Bazillen gefunden waren, reagierten 
aulier 4 sehr vorgeschrittenen Fallen alle anderen, von 74 mit Tuber- 
kuloseverdacht 67, von 111 Unverdachtigen 89. Durch Hereditat lassen 
sich die positiven Ergebnisse der letzten Gruppe nicht erklaren. Ob 
die niclitreagierenden 22 Unverdachtigen wirklich frei von Tuberkulose 
waren. kdnnte erst die Leichenbffnung ergeben. Als Diagnostikum in 
der Praxis ist die Probe wertlos. 

Der groBte Teil der geimpften Kranken, im ganzen 100, erhielt 
numnehr eine Alttuberkulineintraufelung (5 v. H.) ins Auge. Von 
12 T ubei kulosen mit Bazillenbefund reagierten 11, von 32 Verdachtigen 
26. von 56 Unverdachtigen 8. Vielleicht werden spezifische tuberkulose 
Stotfe. die vom Herde aus den ganzen Korper durchseuchen, in der 
Haut besonders zahe festgehalten, so daB hier ein Ausschlag erzielt 
wird. der am Auge ausbleibt. — Von 19 Fallen, an denen die erste 
Eiutraufelung spurlos voriibergegangen war, reagierten 15 auf die 
zweite Gabe, z. T. sehr stark. 

Die Spezifitat der Probe ist zwar aus manchen Griinden wahr- 
seheinlich, aber noch nicht bewiesen. Ware dieses der Fall, so zeigt 
vielleicht die Ophthalmoreaktion vorwiegend die aktiven, die v. Pir- 
quetsche Keaktion auch latente Herde an. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Beusehel, Fritz, Vergleichende Bewertung der Tuberkulin- 
reaktion im Kindesalter. (Munch, med. Wochenschr. 1908. 
S. 326 u. 397.) 

Die Tuberkulinproben zeigen jede Form der Tuberkulose, die aktive, 
inaktive und geheilte an, da es Reaktionen auf Antikorper sind, die 
nur nach Erwerben der Tuberkulose erzeugt werden. 

Fiir die Kochsche Tuberkulinprobe stellt R. die im Laufe der 
Jahie von den Nachpriifenden gewahlten Anfangsgaben zusammen. 
Gesunde Kinder vertragen 8 mg ohne Schaden und ohne Ruckwirkung. 
Die moisten tuberkulosen Kinder werden durch Gaben bis zu 3 mg be- 
einflulk. doch ist es in zweifelhaften Fallen zum Erzielen typischer 
Reaktionen notig, 8—10 mg zu verarbeiten. Fehlerquellen und Gegen- 
anzeigen sind erwahnt. 

Bemessung, Attsfiihrung, Verlauf und Fehlerquellen der Escherich- 
schoii Einspritzung behufs Erzielung einer Stichreaktion. Die Reaktion 
tritt. wie eine Tabelle zeigt, in der uberwiegenden Mehrzahl ein, aber 
ni‘ Jit bei Kindern, W'elche auf grofie Gaben das Kochsche Fieber ver- 
niis>en lassen. Die Probe ist auch bei Fiebernden anwendbar. Die Tuber- 
knlinpr.iparate verschiedener Herkunft erweisen sich hierbei nicht als 
gleichwertig. Empfohlen wird das Alttuberkulin der Hcichster Farb- 
werke. Zu gleicher Zeit ruft das Verfahren eine erwiinschte Sensi- 
bilisierung bei inaktiver Tuberkulose hervor. Zweifelhafte Ergebnisse 
kunnen mit v. Pirquets Impfung uberpruft werden. 

Fiir diese Probe, deren Ausfuhrung und Verlauf erl&utert ist, wird 
konzentriertes Tuberkulin empfohlen. Sie ist besonders handlich und 
fur die Praxis geeignet. Aus der Heftigkeit der Impffolgen kann auf 


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Tuberkulin: Ophthalmoreaktion. 


latente Oder manifesto, inaktive Oder aktive Infektion nicht geschlossen 
werden. Unangenehme Begleiterscheinnngen wurden bei 320 Irapfungen 
nicht beobachtet. Die positive Pirquet-Reaktion bei Kindern und 
insbesondere bei Sauglingen lafit einen siclieren Schlufi auf Tuberkulose 
zu. Nur nach der Seite hin, ob alle Tuberkulosefalle auf Pirquet 
immer deutlich genug reagieren, ist die Frage zu losen. 

Eine hubsche Abanderung der Pirquet -Probe istNagelschmids 
Yerfahren. Dagegen wird die Ophthalmoreaktion weniger empfolilen. 

Hinsichtlich der Theorie der Tuberkulinerscheinungen begriindet R. 
ausfiihrlich die Annahme, dafl die Reaktion auf Tuberkulin eine Funktion 
eines bei Infizierten vorhandenen Antikdrpers sei. Es ist noch zu 
untersuchen, ob die Sensibilisierung vielleicht Antikorper auf Eiweifi- 
stoffe der Bouillon nachweist, was sehr unwahrscheinlich ist. 

In der Praxis sollen sich die Kochsche, Escherichsche und 
Pirquetsche Probe ergiinzen. Zunachst wird die Impfung nach 
v. Pirquet empfolilen. Nichtreagierende werden weiterhin mit 1 mg 
Tuberkulin gespritzt. Positive Reaktion nach Pirquet mahnt zur 
Yorsicht bei Steigerung der Tuberkulingaben. Mit zunehmendem Alter 
nehmen auch die latenten Tuberkulosen zu, so daB vom 2. Lebensjahre 
an nur das Ausbleiben der Reaktion bei vorliegender Erkrankung sichere 
Antwort gibt. Georg Schmidt (Berlin). 

Schroter, G. und Kanftnann, K., Ueber den Wert der Oph¬ 
thalmoreaktion bei Tuberkulosen als diagnostisches 
Hilfsmittel. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 62.) 

Benutzt wurde lproz. Losung des alten Kochschen Tuberkulins. 
Es reagierten von 48 Fallen aktiver Tuberkulose 43, von 9 kliniscli 
Geheilten Oder auf Tuberkulose Verdachtigen 4, von 20 Nichttuber- 
kulosen 12. Dafi die prognostisch ungiinstigeren, schwereren Falle 
weniger haufig reagieren als leichtere und giinstigere Erkrankungen, 
dem wird widersprochen. 

Bei einer Reihe von Kranken und Gesunden, die z. T. auf Tuber¬ 
kulose verdachtig waren und bei denen z. T. die Tuberkulose abgelaufen 
war, wurde in den Bindehautsack desselben Auges von 3 zu 3 Tagen 
viermal je 1 Tropfen einer lproz. Tuberkulinlosung eingetraufelt. Bei 
den hierbei erlangten Ausschlagen glauben die Verlf. eine kiinstlich 
erzeugte Ueberemplindlichkeit ausschliefien zu konnen. Die Ergebnisse 
(Tabellel lassen sich noch nicht endgiiltig verwerten. 

Nach einer Zusammenstellung der bisher verolfentlichten Unter- 
suchungen wurden positive Befunde erzielt unter 971 Tuberkulosen in 
88,5 v. H., unter 284 Verdachtigen in 51,4 v. H., unter 627 Nichttuber- 
kulosen in 12,7 v. H. 

Die Tuberkulineinspritzung unter die Haut scheint sicherer zu 
wirken, insbesondere bei latenter Tuberkulose, bei kleineren in Drusen 
und Lungenspitzen abgekapselten Herden. 

Gerade bei den Verdachtigen versagt die Angenprobe sehr oft. 
Dire Harmlosigkeit und bequeme und leichte Anwendbarkeit werden 
anerkannt. 

Bei negativem Ausfall der Probe ist die Eintraufelung eines 
Tropfens einer 1 /2 —lproz. Losung von Kochs Alttuberkulin in 3- bis 
4tagigen Zwisclienraumen, gegebenenfalls unter Mitbenutzung des 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 47 

anderen Auges zweimal zu wiederholen; negative Ergebnisse schlieflen 
aktive Tuberkulose aus. Georg Schmidt (Berlin). 

Brons, TJeber Ophthalmoreaktion. (Klin. Monatsbl. f. Augenheil- 
kunde. Jahrg. 46. Bd. I. 1908.) 

Die Ophthalmoreaktion wurde bisher fast ausschliefilich von seiten 
der intern en Medizin in den meisten Fallen an gesunden Augen ange- 
waudt. Fur den Ophthalmologen, der fiber die Natur einer ihm ver- 
dachtig erscheinenden Augenerkrankung Klarheit haben will, fragt es 
sidi, ob. im Falle die betreffende Augenerkrankung wirklich tuberkuloser 
Natur ist, nicht durch die Haufung der Gifte eine Verschlimmerung des 
bestehenden Leidens herbeigeffihrt werden kann. 

Brons’ Yersuche ergeben nun zunachst in Uebereinstimmung mit 
den schon zalilreich vorliegenden Mitteilungen, dad der positive Ausfall 
der Ophthalmoreaktion den Schlufi gestattet, dad irgendwo im KSrper 
des Untersuchten eine Tuberkulose aktiv ist. Fallt nun aber an einem 
der Tuberkulose verdachtigen Auge die Ophthalmoreaktion positiv aus, 
so kann hieraus noch nicht mit Sicherheit auf die tuberkulose Natur 
des Augenleidens geschlossen werden. Denn die Moglichkeit des Vor- 
handenseins eines anderen, die Ophthalmoreaktion auslosenden Tuber- 
kuloseherdes kann ja nie ausgeschlossen werden. 

Auch der Grad der Reaktion gestattet nicht den Ruckschlufi auf 
die tuberkulose Natur des Augenleidens, weil auch an vollig gesunden 
Augen Ophthalmoreaktionen allerschwersten Grades sich abspielen konnen. 

Auch ist es noch nicht entschieden, ob am tuberkulosen Auge sicher 
eine lokale Reaktion, im Sinne der bei der subkutanen Impfung auf- 
tretenden, zustande kommt. 

Ist die Ophthalmoreaktion schwer Oder beteiligen sich die er- 
krankten Teile mit, so ist Tuberkulose wahrscheinlich, fallt sie dagegen 
milde aus, so ist das kein Gegenbeweis. 

An der Freiburger Augenklinik wird daher der subkutanen In- 
jektion von Alttuberkulin der Vorzug gegeben, weil man bei positiver 
allgemeiner und lokaler Reaktion mit Sicherheit sagen kann, dafi ein 
Augenleiden tuberkulfis ist. 

Ferner ruft die Ophthalmoreaktion in manchen Ffillen an kranken 
Amren einen tagelangen aufierordentlich heftigen Reizzustand hervor; 
es ist daher auch nach anderen Erfahrungen der Literatur 
davor zu warnen, in kranke Augen kritiklos Tuberkulin 
einzutropfen, auch nicht in schwachen Konzentrationen. An ge- 
snnden Augen, vorsichtig angewandt, ist die Reaktion allerdings ein 
wertvolles diagnostisches Mittel. Gilbert (Mfinchen). 

Ferreira, Clemente, L’ophtalmoreaction i la tuberculine 
dansle diagnostic precoce de la tuberculose humaine. 
(Tuberculosis. Bd. 7. 1908. S. 17.) 

Ferreira hat bei seinen Yersuchen mit der Wolff-Eisner- 
Calmette schen Ophthalmoreaktion an 42 Patienten des Dispensaires 
in Sao Paulo (Brasilien) feststellen konnen, dafi diese Methode ein 
ebenso zuverlassiges, wie unschadliches diagnostisches Hilfsmittel zur 
Krkennnng der Tuberkulose darstellt. Die Reaktion erscheint stets 
innerhalb 24 Stunden, in den meisten Fallen beginnt sie schon 3—5 


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Tuberkuliu; Ophthalmoreaktion. 


Stunden nach der Eintraufelung. Sie aufiert sich fiir gewohnlich nur 
in Rote und Schwellung der Bindehaut, Tranen und leichtera Brennen 
des Auges. Die Starke des Ausfalls der Reaktion richtet sich nickt 
nack der Ausdehnung des Krankheitslierdes. Die mittlere Dauer der 
Reaktionsersckeinungen betriigt 24—36 Stunden, selten 3—5 Tage, nur 
in einem Falle hielt sie 2 Wochen an. Die Ophthalmoreaktion hat vor 
der Kochschen Tuberkulininjektion den Vorzug der groBeren Milde, 
vor der v. Pirquetschen Kutanreaktion den der groBeren Schnelligkeit. 

Dieterlen (Berlin). 

Trousseau, A., Les dangers de l’ophtalmoreaction. (Journ. de 
Med. et de Chirurg. 10. Jan. 1908. S. 8.) 

Verf. warnt vor der planlosen Anwendung der Ophthalmoreaktion, 
die er im Gegensatz zu den meisten anderen franzosischen Autoren, die 
deren Gefahrlosigkeit versichern, in manchen Fallen fur nicht unschad- 
lich halt. Er mochte sie nur auf solche Falle beschrankt wissen, bei 
denen eine klare Diagnosestellung von wirklicher Wichtigkeit ist und bei 
denen aller Yoraussicht nach Augenschadigungen nicht zu erwarten sind. 
Die Reaktion sei inkonstant, konne bei Tuberkulosen fehlen und wiederum 
bei Nichttuberkulosen auftreten und sei auch besonders in ihrer Heftig- 
keit und Dauer verschieden. Gewohnlich erscheine sie nach 5 Stunden 
bei einer Dauer von 12—20 Stunden, konne jedoch auch einige Tage 
persistieren. Urn eine nicht zu heftige und langdauernde Reaktion zu 
erhalten, hat C o m b y zuerst eine '/a P roz - Losung in Yorschlag ge- 
bracht und angewendet. 

Zum Beweis seiner Behauptung, daB die Ophthalmoreaktion im 
stande sei, Scliadigungen der Augen liervorzurufen, fiihrt Verf. dann 
einige Falle an, bei denen seiner Ansicht nach durch die Eintraufelung 
von schwachen Tuberkulinlosungen in das Auge langere und schwerere 
Augenstorungen 'eingetreten seien. 

So beriehten Sydney Stephenson, Terrien, Barbier und Eenou iiber 
Falle von heftigen Konjunktivitiden von 20—60 Tagen Dauer, die infolge der Ophthalmo¬ 
reaktion eingetreten seien. 

Verf. selbst hatte ein 7jahriges Kind mit einer phlyktiinularen Konjunktivitis im 
AnschluB an Masern in Behandlung, die nach 6 Tagen wich. Nach einem halben Jahr 
stellte sich eine leichte Bronchitis ein, derentwegen die Eltern bei dem Kinde die 
Ophthalmoreaktion ausfiihren lieBen. Es entstand im AnschluB an diese wiederum eine 
phlyktanulare Konjunktivitis. Nach Ansicht des Verf. hat das Tuberkulin diese Er- 
krankung hervorgerufen auf der schon vorher fur Entziindungen priidisponierten Kon- 
junktiva des Kindes, auch halt er diese Reaktion nicht fiir eine auf Tuberkulose hin- 
weisende, besonders da absolut keine klinischen Anhaltspunkte fiir eine Tuberkulose 
jemals bestanden haben oder bestehen. Im Gegensatz dazu sind die Eltern des Kindes 
jetzt nicht von der Ansicht abzubringen, daB ihr Kind tuberkulbs sei auf Grund der 
ihrer Meinung nach positiven Ophthalmoreaktion. 

Weiter berichtet Verf. iiber einen Fall von Kalt, der bei dem rechten Auge eines 
Mannes das friiher einmal an* Iridochoroiditis gelitten hatte, die Reaktion vornahm, 
wiihrend er das linke, an Sklerokeratitis, erkrankte verschonte. Auf dem rechten Auge 
trat nach der Eintraufelung die alt-e Erkrankung in verstarktem MaBe wieder auf, der 
eine Herabsetzung der Sehschiirfe auf Null folgte; das linke Auge heilte. Ebenso ver- 
schlimmerte sich nach Eintraufelung von Tuberkulin in das Auge eines Kindes dessen 
tuberkulose Iritis heftig, eine Beobachtung, die Verf. bei einem Patienten selbst gemacht 
hatte. So bekam er auch einen Fall von zirkumskripter tnberkuloser Konjunktivitis in 
Behandlung, die nach Eintraufelung von */* proz. Tuberkulin in eine diffuse mit an- 
schlieBender Iritis ubergegangen war. 

Bei einer 41jahrigen Patientin, die eine doppelseitige Iridochoroiditis tiberstanden 
hatte, wurde vom behandelnden Arzt nur wegen Hastens die Ophthalmoreaktion vorge- 


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Tuberkulin; Ophthalmo- und Kutanreaktion. 49 

q< mmen mit dem Resultat, daB die alte Augenerkrankung wieder in verst&rktem MaBe 
au^g^KfSt wnrde. 

Aehnlich erging es dem Yerf. mit einem Fall von doppelsei tiger phlyktanularer 
Keratitis, wahrseheinlich luetischen Ursprungs, die er mit geringer Leucombildung zur 
H«iluncr gebraeht hatte. Eine nach einem Jahre bei diesem Patienten auitretende 
Geleiikschwellung hielt der behandelnde Arzt fiir einen Tumor albus und ftihrte infolge- 
de>sen die Ophthalmoreaktion mit einer 1 proz. TuberkulinlSsung aus. Es trat eme 
Kraktion von 48 Stunden Dauer auf. Nach 6 Tagen konnte eine heftige Keratitis 
be»baehtet werden, die zum Yerf. in Behandlung kam und jetzt noch nicht zur Heilung 
gekuminen ist. 

Auf Grund dieser Beobachtungen mahnt Verf. zur Vorsicht, beson- 
ders bei solchen Fallen, die bereits friiher Augenerkrankungen iiber- 
standen haben und halt seine Warming vor den Gefahren der Ophthalmo¬ 
reaktion bei planlosem Vorgehen fur durchaus berechtigt. 

Kersten (Berlin). 

Arloing, Fernand et Debombourg, Etude sur 1’ophtalmo- 
reaction a la tuberculine et la sero-reaction aggluti- 
naute bacillaire. (Joum. de Physiol, et de Path. g6ner. X. 1908. 

p. 99.) 

Aus zahlreichen Versuchen ziehen Verff. folgende Schlusse: Der 
diagnostische Wert der Ophthalmoreaktion ist kein absolut sicherer; sie 
ist auch bei anderen Infektionskrankheiten, wie Typhus, Syphilis usw. 
posit iv und in sicheren Fallen yon Tuberkulose negativ. Sie ist nicht 
ungelahrlich und kann hochst unangenehme Angenlasionen hervorrufen. 
Sie gibt keine besseren Resultate als die Agglutinationsprobe, welch 
letztere wenigstens unbedingt unschadlich ist. 

Schrumpf (StraBburg). 

Comby, J., Oculo-reaction et cuti-r6action&la tuberculine 
chez les enfants. (Bull, et Mem. d. 1. Soc. m6d. d. Hop. d. Paris. 
No. 3. 30. Jan. 1908. p. 108.) 

Verf. halt den positiven Ausfall der Ophthalmoreaktion bei Kindern 
fur unbedingt ausschlaggebend; bei kachektischen Phthisikern kann er 
ausbleiben. Die Cutireaktion ergibt dieselben Resultate wie die 
Ophthalmoreaktion; es muB jedoch die lproz. Tuberkulinlosung (aus dem 
Institiit Pasteur stammend) mittels feiner Nadel in die Haut gespritzt 
uinl nicht auf Skarifikationen appliziert werden. — Zur Ausfiihrung der 
Oeuloreaktion geniigt eine Vs P roz - Losung. — Verf. hat nie iible Folgen 
der Oeuloreaktion beobachtet. Schrumpf (StraBburg). 

Wolff-Ei8ner, Alfred, Die Ophthalmo- und Kutan-Diagnose 
der Tuberkulose nebst Besprechung der klinischen 
Methoden zur Fruhdiagnose der Lungentuberkulose. 
(198 S. gr.8°. Mit 2 farb. lith. Tafeln, 11 Kurventafeln, 15 Abbildungen 
und zahlreichen Kurven im Text. Wurzburg, Curt Kabitzsch (A. Stubers 
Verlag), 1908. Preis brosch. 6 Mk., geb. 7 Mk. 

Die reifsten Friichte der neuesten bakteriologischen Immunitats- 
forsohung sind unzweifelhaft die Kutanreaktion nach v. Pirquet und 
die Ophthalmodiagnose nach Wolff-Eisner. Ans der wissenschaft- 
lichon Studien dienenden Arbeit sind hier Methoden hervorgegangen, die 
praktischen Zwecken — der Diagnose der Tuberkulose — dienen. In 

Krste Abt. Refer. Bd. XLIt. No. 1/3. 4 


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TuberkuJin; Opkthalmoreaktion. 


der kurzen, nur nach Monaten zahlenden, Frist seit dem Bekanntwerden 
der Methoden hat sich eine wahre Sturmflut von Literatur tiber den 
Gegenstand gebildet. Es ist nicht zu verwundern, dafi neue Verfahren, 
deren techniscke Anwendungsform, wissenschaftliche Beurteilung und 
diagnostisch-prognostische Bedeutung in ihren Einzelheiten noch regstem 
Stadium zwecks weiteren Ausbaues der Lehre unterliegen, den ver- 
schiedenen Untersuchern auch teilweise verschiedene Resultate geben. 
Der wissenschaftliche Wert der einzelnen Arbeiten ist deshalb auch 
grundverschieden und dem Leser, der doch nicht den Versuchsgang 
jeder einzelnen Arbeit nachprtifen kann, wird es unmbglich, Wertvolles 
von dem Minderen gebiihrend zu trennen, wenn nicht etwa offenbare 
Fehler in der Fragestellung zu Fehlschliissen gefiihrt liaben. Bei diesem 
Fur und Wider, bei dem sich die tiberwiegende Mehrheit der Unter- 
sucher fur die wertvolle Bedeutung der Reaktionen ausgesprochen hat, 
hat Wolff-Eisner jetzt in seinem Buche die berufenste Fiihrung 
tibernommen. Auch derjenige, welcher der Entwicklung der Lehre auf- 
merksam gefolgt ist. staunt beim Studium des Buches tiber die Ftille 
von Erfahrungseinzelheiten ftir die Diagnose und die Menge wertvoller 
Angaben ftir die Prognose. Die Darstellung ist allgemein und speziell, 
theoretisch und praktisch gleich eingehend und klar. Das Studium des 
Bucks (Sonderabdruck aus Brauers „Beitrage zur Klinik der Tuber- 
kulose") wird zur Notwendigkeit. Hirschbruch (Metz). 

Adam, UeberSchadigungendesAugesdurchdieOphthalmo- 
reaktion und die hierdurch bedingten Kontraindika- 
tionen. (Medizinische Klinik. 1908. No. 6. S. 193.) 

Zusammenstellung der bekannt gewordenen Falle, bei denen bei 
der Ophthalmoreaktion unangenehme Erfahrungen gemacht wurden. Die 
Ophthalmoreaktion kann in der heutigen Form nicht als gefahrlos an- 
gesehen werden. Kontraindikationen sind: (absolut) Augenerkrankungen 
in jeder Form und jedem Stadium, selbst vollig abgelaufene, auch wenn 
ein Auge gesund ist; (relativ) jugendliches Alter, bereits einmal ange- 
stellte Ophthalmoreaktion, die Absicht nach der Reaktion spater Tuber- 
kulin zu injizieren. Ha end el (Grofi-Licliterfelde). 

Arloing, Fernand, Sur le m6canisme de l’oculo-reaction k la 
tuberculine. L’oculo - reaction est-elle specifique? 
(Compt. rend, de la Soci6t6 de biologie, Seance du 25 janvier 1908. 

p. 128.) 

Klinische Beobacktungen positiver Ophthalmoreaktionen auf Tuber- 
kulin im Verlaufe niclittuberkuloser Aff'ektionen, z. B. des Typhus, und 
gewisse Arten der genannten Reaktion bei Tuberkulosen, haben den 
Verf. auf den Gedanken gebracht, dafi die Augenreaktion auf Tuber- 
kulin sich besonders bei Individuen. zeige, welche sich in einem Zu- 
stande der Intoxikation befinden, d. h. deren Organismus durch irgend 
ein Toxin impragniert und sensibilisiert ist, vorausgesetzt, dafi es ge- 
fafierweiternde Eigenschaften besitzt. 

Diese Bedingung ist fast absolut, da die Ophthalmoreaktion, her- 
vorgerufen durch das Tuberkulin, ein gefafierweiterndes Gift, ein Beweis 
ist ftir die ausgepragte Sensibilitat des Nervensystems, diese vaskulare 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


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Erscheinung auszulosen, eine Sensibilitat, die von der vorherigen Im¬ 
pregnation durch ein Gift mit gleicher Wirkung herruhrt. 

Aus den Yom Verf. angestellten Untersuchungen geht hervor, daB 
nichttuberkulose Xaninchen, die progressiv mit Tuberkulin, mit Typhus-, 
Staphylokokken- und Diphtherietoxin geimpft worden sind, positive 
Oculoreaktionen auf Tuberkulin im Verlaufe der Impragnationen mit 
den genannten gefSBerweiternden Toxinen gezeigt haben. 

Das Typhustoxin hat sogar das Xaninchen starker als das Tuber- 
kulin oder mindestens in gleicher Weise sensibilisiert. 

Das Diphtherietoxin erzeugt dieselbe Reaktionsl&higkeit, welche 
auch, aber langsamer durch die loslichen Produkte des Staphylokokkus 
hervorgerufen wird. 

Dernnach haben zu einem bestimmten Zeitpunkte toxischer Imprfigna- 
tion nichttuberkulose Individuen eine positive Augenreaktion gezeigt, 
welche mit Unrecht auf das Vorhandensein einer in Entwicklung be- 
griffenen Tuberkulose hatte schlieBen lassen konnen. Das Auftreten des 
Bindehautphanomens zeigt, daB die Oculoreaktion auf das Tuberkulin 
nicht spezifisch ist und keinen absoluten diagnostischen Wert besitzt. 

(Autoreferat.) 

Collin, Ueber Nachteile und Gefahren der konjunktivalen 
Tnberkulinreaktion. (Med. Xlinik. 1908. No. 5. S. 149.) 

(’. hat unter 30 Ophthalmoreaktionen 5 sehr schwere Bindeliaut- 
katarrhe auftreten sehen. Er wamt vom Standpunkte des Ophthalmo- 
logen und des praktischen Arztes die Methode als ungefahrlich anzu- 
sehen und kommt zu dem Urteil, „dafi die konjunktivale Tuberkulin- 
reaktion in der Form und Dosierung, in der sie zurzeit Anwendung 
findet. keine Methode ist, die sich zur allgemeinen Einfiihrung in die 
arztliche Praxis eignet.“ Haendel (Gr.-Lichterfelde). 

Krause u. Hertel, Xritische Bemerkungen und Erfahrungen 
fiber dieBewertung der Ophthalmoreaktion. (Med. Xlinik. 
1908. No. 4. S. 117.) 

Kurze kritische Besprechung der bisher fiir die Ophthalmoreaktion 
zur Verwendung gekommenen Pr&parate. Verff. empfehlen das gewohn- 
lic-lie Alttuberkulin Koch zu benutzen. Bei Anwendung des glyzerin- 
und phenolfreien Praparates der Hdchster Werke trat in 5 Fallen die 
Reaktion ganz aufierordentlich heftig auf. Vertt'. warnen vor Anwendung 
dieses Praparates namentlich an Personen, bei denen Residuen friilierer 
Krankheitsprozesse (phlyktanulare Erkrankungen) nachweisbar sind. 

Haendel (Gr.-Lichterfelde). 

Smithies and Walker, Calmettes ophthalmic reaction to 
tuberculin. (Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. L. 1908. No. 4.) 

100 Untersuchungen an Kranken, 38 positive, 3 zweifelhafte (nach 
dem Texte 39.5, in Tabelle 2 findet man aber nur 38,3 verzeichnet. Ref.). 
Nadi der Tabelle 2 waren von den 38 positiven sichere Tuberkulosen 25, 
zweifelhafte 5; von den 8 sicher positiven, aber nicht tuberkulosen 
waren: 1 Malaria, 1 Arteriosklerose (Syphilis?), 1 tertiare Syphilis, 
3 0>teomyelitiden, 2 Rhachitiden. Die 3 zweifelhaften Reaktionen waren 
je 1 Hernie, 1 Hypospadie, 1 Unterarmtumor. — Von 76 Gesunden 

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Tuberkulin; Opkthalmoreaktion. 


reagierten 2. — 2 alte Lungentuberkulosen, 1 seit 3 Jahren ruliende 
Hiiftgelenkstuberkulose reagierten nicht. BouCek (Prag). 

Blum, L. und Schlippe, Ueber den Wert der Ophthalmoreak- 
tion fur die Diagnose der Tuberkulose. (Miinch. med. 
Wochenschr. 1908. S. 60.) 

Besprechung der Technik, klinischen Erscheinungen und einiger 
beachtenswerter Gesichtspnnkte bei der Anstellung und Beurteilung 
der W o 1 f f- E i s n e r schen Probe und ilirer Beziehungen zur Tuberkulin- 
einspritzung unter die Haut. Es wurde eine 2proz. Verdiinnung des 
kaufliclien Alttuberkulins (Hochst) verwandt. Zur Linderung der oft 
lastigen Beizerscheinungen wurde mehrmals taglich 1 Tropfen 1 prom. 
Adrenalinlbsung ins Auge getraufelt. — Es reagierten von 219 Unver- 
dachtigen oder Zweifelhaften 31. von 5 sehr Yerdachtigen 3, von 26 
sicher Tuberkulosen 21. Das Ausbleiben des Ausschlages der Probe 
spricht nicht gegen das Vorbandensein von Tuberkulose. Zwischen 
Scliwere der Erkrankung und Starke der Reaktion besteht keine Ueber- 
einstimmung. Endgiiltige Entscheidung iiber die Zuverlassigkeit des 
Ausfalles der Probe kbnnen nur Leichenoffnungen bringen. Deshalb 
wird jeder Schwerkranke dem Verfahren unterzogen. Ein negativ 
reagierender Fall erwies sich bei der Sektion als tuberkulos. — 26 
Kranken wurde zur Ueberpriifung auch noch Tuberkulin eingespritzt; 
dabei tritt selbst dann noch ein Ausschlag ein, wenn die Augenprobe 
versagt. Immerhin besteht auffallig hauiig Uebereinstimmung zwischen 
deren Ansfall und dem Bestehen oder Fehlen einer tuberkulosen Er¬ 
krankung. Es ist moglich, daft sich die Reaktion unter gewissen Um- 
standen und ansnahmsweise auch bei Nichttuberkulosen findet. Positive 
Reaktion beweist zwar die Anwesenheit von Tuberkulose, aber noch 
nicht die tuberkulose Art der jeweilig in Frage kommenden offensicht- 
lichen Erkrankung. Georg Schmidt (Berlin). 

Citron, Julius, Die wissenschaftliche und praktische Be- 
deutung der Ophtlialmodiagnostik der Tuberkulose. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 316.) 

Da die meisten Nichttuberkulosen die v. Pirquetsche Reaktion 
ausgesprochen geben, konnen aus ihrem positiven Ausfalle nur Schlusse 
bei Kindern bis zu 5 Jahren gezogen werden. Vielleicht ist es aber 
prognostisch zu verwerten, wenn eine positive Reaktion im Verlaufe 
der Erkrankung verschwindet. Moglicherweise bringt eine feinere Ab- 
messung der Hautreaktion sicherere Ergebnisse. 

Fur die Ophthalmodiagnostik, deren Technik im einzelnen ge- 
schildert ist, wird vor dem 1- und 0,1 proz. Hochster Praparat gewarnt. 
C. selbst hat ein einfaches Besteck fiir das Verfahren zusammengestellt 
(Altmann-Berlin). Die Alttuberkulinldsungen sind stets herzustellen. 
Richtiges Eintraufeln, rechtzeitiges Naclisehen ist von grofier Bedeutung. 

In einer weiteren Versuchsreihe fand C. positiven Ausschlag bei 
75 v. H. von 115 Tuberkulosen, 55,5 v. H. von 18 Verdachtigen, 6 v. H. 
von 100 Gesunden. Das Verfahren ist spezitisch fiir die aktive Tuber¬ 
kulose und spricht bei der Verwendung von 1 proz. Koch schen Alt- 
tuberkulin bei positivem Ausfalle nahezu sicher, von 2 proz. mit 80 v. H. 
Wahrscheinlichkeit fiir Tuberkulose. Der negative Ausfall bei 4 proz. 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktiou. 


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LGsung ist beim Fehlen sicherer klinischer Erscheinungen gegen Tuber- 
kulose zu verwerten; aus einem positiven Ausfalle wird weder ira posi- 
tiven noch im negativen Sinne gefolgert. Die prognostische Bedeutung 
der Probe wird anerkannt. 

Das Verfahren ist niemals anzuwenden bei Augenkranken oder 
snlehen. die es fruher waren, ferner wenn die Diagnose bereits dnrch 
den Bazillennachweis Oder durch andere Hilfsmittel gesichert ist. 
Skrofnlbse sind oft iiberempfindlich, daher nur mit ganz schwachen 
Losungen (*/ 4 v. H.) zu untersuchen. 

V<>r wiederholten Eintraufelungen in dasselbe Auge wird gewarnt. 

Subkutane und konjunktivale Tuberkulinreaktionen konnen ein- 
ander so beeinflnssen, dafi die eine die andere verstarkt. 

Es haudelt sich bei der Ophthalmoreaktion um eine Ueberempfind- 
lichkeitserscheinung; die Beaktion tritt auf einen kleineren Reiz des 
Antigens ein und verlauft schneller als beim Gesunden. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Damask, I., Ueber Bedeutung der Ophthalmoreaktion auf 
Tuberkulin. (Wien. klin. Wochenschr. 1908. No. 4.) 

Die Ergebnisse der Arbeit werden folgendermafien zusammengefaflt: 

1. Der positive Ausfall der Ophthalmoreaktion lafit mit Sicherheit 
darauf schliefien, dafi der Korper eine rezente tuberkulose Erkrankung 
beherbergt; mit Reseiwe sind nur die Befunde bei Typhuskranken zu 
denten. weil dieselben vielleicht eine allgemeine Ueberempfindliclikeit 
aufweisen. 

2. Der negative Ausfall der Ophthalmoreaktion gestattet eine 
Lasion tuberkuloser Natur im Organismus auszuschliefien, ausgenommen 

a) Tuberkulose, die langere Zeit unter einer spezifischen Behand- 
lung stehen; 

b» erheblich Kachektische Oder kavernose Phthisen, bei denen aber 
die klinische Diagnose in der Regel auf keinerlei Schwierigkeiten stofit. 

Man beobachtet: I. negative Reaktion bei Individuen mit normaler 
<7ifrfestigkeit, also bei Gesunden und solchen, bei denen die Tuberkulose 
vOllig ausgeheilt ist und welche die normale Giftfestigkeit wieder er- 
langt ha ben; 

II. negative Reaktion bei Tuberkulosen, die zwar Giftempfindlich- 
keit und einen gewissen Antikorpervorrat besitzen, bei denen aber die 
vitale Energie bereits vSllig damiederliegt — also bei schwer kachek- 
ti^clien Plithisikern: 

III. schwiichere Grade der Reaktion bei floriden Phthisikern mit 
spezitischer Giftempfindlichkeit und spontan hohem oder durch kunst- 
liche Immunisierung erhohtem Antikbrpergehalt, welcher das Gift abzu- 
lenken vermag; 

IV. stiirkere Grade der Reaktion bei latenten und manchen floriden 
Phthisen. die eine geringe Menge von Antikorpern und eine starke 
Giftempfindlichkeit besitzen. 

Die Ophthalmoreaktion ist nur dann verlafilich, wenn folgende 
Kautelen beobachtet werden: 

1. darf das Auge keiner mechanischen Reizwirkung ausgesetzt 
werden; 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion, Salbenreaktion. 


2. diirfen nur solche Praparate angewendet werden, die keine Reiz- 
komponenten nichtspezifischer Natur enthalten; 

3. diirfen hiichstens 2 Tropfen T.T.P. (Tuberkulintest Pasteur) in- 
stilliert werden ; 

4. miissen die einzelnen Eintraufelungen abwechselnd in beide Augen 
und in kurzen Intervallen erfolgen; 

5. diirfen isolierte Kongestionsphanomene der Plica diagnostisch 

nicht verwertet werden. Hetsch (Metz). 

Delorme, H., A propos de l’emploi de l’ophtalmoreaction 
dans l’armee. (Bull. Acad. d. Med. 1908. No. 6. p. 181.) 

D. ist entschiedener Gegner der Ophthalmoreaktion; sie ist nicht 
immer spezifisch und gibt zu oft Anlafi zu Fehldiagnosen und ist oft 
gefahrlich. Sie darf in der franzosischen Armee nicht angewandt werden. 

Schrumpf (Strafiburg). 

Ganpp, 0 ., Ueber die Ophthalmoreaktion auf Tuberkulose. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 275.) 

Unter 100 mit 1—4proz. Alttuberkulinlosung, z. T. wiederholt vor- 
genommenenOphthalmoreaktionen wurden nie allgemeine, zweimal ernstere 
brtliche Nachwirkungen, sowie 54 positive Ausschliige beobachtet, nam- 
lich 44 bei 61 sicheren Tuberkulosen, 10 bei 23 verdachtigen und keiner 
bei den unverdachtigen Fallen. Die Probe hat Erfolg besonders bei 
frischen Tuberkulosen, versagt aber sehr oft bei fortgeschrittenen Fallen. 
Sie ist nicht ganz ungefahrlich; es ist dringend zu raten, vorher die 
Augen des Kranken genau auf bestehende Leiden zu untersuchen; be- 
sondere Yorsicht ist bei skrofuliisen Kindern geboten. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Heinemann, H., Vergleichende Untersuchungen mit der 
Konjunktivalreaktion nach Wolff-Eisner und der 
Salbenreaktion nach Moro. (Munch, med. Wochenschr. 1908. 
S. 556.) 

H. traufelte 144 Kranken 0,1 proz. Losung des Hochster Tuberkulin- 
diagnostikums ein und sah ein Ergebnis bei 40 von 48 Tuberkulosen, 
22 von 33 Verdachtigen und 10 von 63 Unverdachtigen. Es traten 
Bindehautentziindungen auf, die oft 14 Tage hindurch die Kranken be- 
lastigten. Auch wird vor Ueberschatzung der prognostischen Bedeutung 
der Probe gewarnt. 

An 66 von den so Gepriiften wurde 3 Wochen spater die Morosche 
Salbenprobe vorgenommen. Sie erwies sich hierbei, sowie bei 108 nur 
damit Behandelten (20 Tuberkulose mit 14, 17 Verdachtige mit 15, 
71 Unverdachtige mit 12 Ausschlagen) als empfindlicher, vor allem aber 
stets als harmlos und darin der Konjunktivalprobe fur die Praxis er- 
heblich iiberlegen. Georg Schmidt (Berlin). 

Plehn, A., Die Ophthalmoreaktion auf Tuberkulin als 
diagnostisches Hilfsmittel. (Deutsche med. Wochenschr. 1908. 
S. 315.) 

Yon klinisch Tuberkulosefreien reagierten auf 1 proz. Alttuberkulin- 
lbsung 1,5 v. H., auf 2 proz. 5,2, auf 10 proz. 21 v. H. Bei 18,4 v. H. 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


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rater 38 sicheren Lungenschwindstichtigen im 1. nnd 2. Stadium erzielte 
$e\b$t lOproz. Losung keinen Ausschlag. Mehrmals wurden Neben- 
erseheinungen (Keratitis, Blenorrhoe) beobachtet. 

Die Ophthalmoreaktion ist hochst wahrscheinlich nicht spezifiseh 
im strengen Sinne, unzuverl&ssiger als die zweckmafiig ausgefuhrte 
Tuberkulineinspritzung unter die Haut und kann bei Verwendung 
stiirkerer Losungen recht unangenehme Formen annehmen. Sie ist fur 
den allgemeinen Gebrauch nicht zu empfehlen. Am meisten eignet sich 
noch fiir die Praxis die 2proz. Losung. Gerade die Leiden Nicht- 
tnberkuloser geben am ehesten die Reaktion, welche differential- 
diagnostisch am meisten in Betracht kommen: Erkrankungen der Luft- 
rbhren. der Gelenke, des Magendarmgebietes. Andererseits schliefit nega¬ 
tive Reaktion selbst bei Verabreichung der lOproz. Calmetteschen 
Losung Tuberkulose doch niemals aus. Georg Schmidt (Berlin). 

Schenck, Ed., Ueber die diagnostische Bedeutung der Kon- 
j unktivalreaktion bei Tuberkulose (Ophthalmoreak¬ 
tion). (Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 52.) 

Die probatorische Tuberkulineintraufelung soli mit 1—2 Tropfen 
einer frisch bereiteten 200fachen Verdiinnung des Alttuberkulins 
Koch und unter Beachtung einiger VorsichtsmaBregeln ausgeftthrt werden. 
I >as Verfahren ist bis ins einzelne beschrieben. 8 so behandelte Tuber- 
kulbse reagierten samtlich, von 29 Verdachtigen 48,3 v. H., von 63 Un- 
verdachtigen 14,28 v. H., von 12 unverdachtigen Fallen von Gelenk- 
rheuraatismus 7 (Tabellen). Bei 30 zur Gegenprobe mit 1 mg Tuber¬ 
kulin gespritzten Fallen stimmte in 25 das Ergebnis mit dem der Ein- 
traufelung uberein. Bei AUgemeinreaktion nach Tuberkulineinspritzung 
tritt die abgelaufene Bindehautreaktion wieder auf. In jedem irgendwie 
auf Tuberkulose verdachtigen Falle erscheint zunachst die Vornahme 
der einfaclien, harmlosen und auch bei Fiebernden anwendbaren Probe- 
tuberkulineintraufelnng gerechtfertigt. Der Eintritt der Konjunktival- 
rcaktion bei dem geschilderten Verfahren spricht mit sehr grofier Wahr- 
xheinlichkeit fiir aktive Tuberkulose. Bei fehlender Reaktion ist 
Tuberkulose nicht sicher ausgeschlossen; hier ist die Gegenprobe der 
Kinspritzung zu machen. Da6 bei vorgeschrittenen Tuberkulosen und 
.x-leben, die eine Tuberkulinkur durchgemacht haben, eine schwache 
oder {rar keine Reaktion auf Eintrkufelung eintritt, schmalert die dia- 
sniostische Bedeutung des Verfahrens nicht, da in solchen Fallen die 
Diagnose schon gestellt oder ohne Schwierigkeiten auf andere Weise 
zu stellen ist. Georg Schmidt (Berlin). 

Schmidt, Untersuchungen fiber die Opthalmoreaktion der 
Tuberkulose. (Mttnch. med. Wochenschr. 1908. S. 66.) 

Bei der Verwendung des von den Hochster Farbwerken herge- 
stellten Trockentuberkulins in lproz. Losung ergaben sich sehr stttrmische 
Reaktionen, auch bei sicher Nichttuberkuldsen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Treupel, G., Kurze Bemerkung zur Ophthalmoreaktion bei 
Tuberkulosen. (Mttnch. med. Wochenschr. 1908. S. 66.) 

Bei der Prttfung an weiteren 100 Kranken ergab sich, dafi in Fallen 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


von klinisch ausgeschlossener Tuberkulose, in denen die Ophthalmo¬ 
reaktion positiv ausgefallen war, auch die nachtragliche Tuberkulin- 
probeeinspritzung einen positiven Ausfall zeigte. Dem sehr toxischen 
Hochster lproz. Tuberkulosediagnostikum ist eine selbst hergestellte 
lproz. Verdiinnung aus dem Alttuberknlin vorzuziehen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

WolfF-Eisner, A., Ueber Ophthalmoreaktion (richtiger Kon- 
junktivalreaktion). (Munch. med. Wochenschr. 1908. S. 65.) 

Unter kritischer Besprechung der Arbeiten von Mainini,Kliene- 
berger und Wiens und Gunther (Miinch. med. Wochenschr. 1907. 
p. 2586) hebt Verf. folgendes hervor: Die kutane Reaktion zeigt latente 
Herde an, die erst bei Wiederholung der Konjunktivalprobe erkennbar 
werden. Letztere ist kein Verfahren, urn offensichtliche, klinisch leicht 
feststellbare Tuberkulosen zu diagnostizieren; sie feiert vielmehr in 
Verbinduug mit klinischer Diagnostik ihre Triumphe. Sie zeigt das Be- 
stehen von klinisch verborgenen Tuberkulosen an und erlaubt bei 
manifesten Tuberkulosen eine Beurteilung des voraussichtlichen Ver- 
laufes, was sich mit klinischen Hilfsmitteln so schwer erreichen lafit. 
— Statt des Hochster Tuberkulintestes ist eine 1 proz. Losung von Alt- 
tuberkulin Koch in physiologischem keimfreien Kochsalzwasser zu ver- 
wenden. Georg Schmidt (Berlin). 

Wiens u. Gtinther, Ueber Ophthalmoreaktion. (Miinch. med. 
Wochenschr. 1908. S. 180.) 

Die von Wolff-Eisner an den Mitteilungen der Verff. geiibte 
Kritik wird abgelelint. Georg Schmidt (Berlin). 

Calmette, A., l’ophtalmo-diagnostic de la tuberculose et 
son role dans la defense sociale antituberculeuse. 
(Tuberculosis. Vol. 7. 1908. No. 4. S. 115.) 

Calmette schildert die Art der Anwendung und die Bedeutung 
seiner Ophthalmoreaktion, Er werwendet ein Tuberkulin, welches durch 
dreimalige Fallung mit 95proz. Alkohol gereinigt, im Vakuum getrocknet 
und mit physiologischer Kochsalzlosung im Verhaltnis 1:100 wieder 
gelost wird. Wenn man derartig gereinigtes Tuberkulin verwendet, 
treten am Auge nie schwere Reizerscheinungen auf. Yon der Losung 
1:100 wird 1 Tropfen in den inneren Augenwinkel eingetraufelt; bei 
Kindern verwendet Calmette statt der lproz. nur 1 / 2 proz. Losung. 
Kontraindiziert ist die Anwendung der Ophthalmoreaktion nur bei alten 
Leuten und bei Verdackt auf Tuberkulose des Auges selbst. An der 
Zuverlassigkeit der Reaktion besteht, wenn sie positiv ist, kein Zweifel 
mehr. Wie durch Sektionen festgestellt ist, geht die positive Reaktion 
in den meisten Fallen von verkasten Driisenherden aus, die virulente 
Bazillen enthalten. Der negative Ausfall der Reaktion hat im Gegen- 
satz zu dem positiven nur geringe Beweiskraft. Schwerkranke Tuber¬ 
kulose mit ausgedehnten Krankheitsherden reagieren nicht. In sozialer 
Beziehung verspricht sich Calmette von der Anwendung seiner 
Ophthalmoreaktion viel VorteiL Dieterlen (Grofi-Lichterfelde). 


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Tuberkulin; Ophthalmoreaktion. 


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t. Qebhardt, Fr., Die Diagnose der Tuberkulose durch die 
konjunktivaleReaktion. (Pestermedizinisch-chirurgischePresse. 
1908. No. 11.) 

Der Yerf. schlieBt: 

1. In sicher tuberkulfisen, schweren Fallen gelingt die Reaktion 
nicht. weil nach der Theorie der tuberkulose Organismus mit Toxinen 
impragniert, immun ist. 

2. Die positive Reaktion kann auch durch andere Toxine, als das 

der Tuberkulose. hervorgerufen werden, weshalb sie kaum als spezifisch 
zu betrachten ist. Bartel (Wien). 

Fertl, Der Wert und die Bedeutung der Ophthalmoreak¬ 
tion mit besonderer Riicksichtnahme auf die militari- 
schen Verhfiltnisse. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 11.) 
Die Untersuchungen erstreckten sich auf 150 Mann. Von 32 klinisch 
Tuberkulusen reagierten 27 (= 84,3 Proz.) positiv, 5 negativ (darunter 
2 Kachektische). Von 48 Tuberkuloseverdachtigen reagierten 30 
(= 62.5 Proz.) positiv, 18 negativ. Bei der Untersuchung von 70 klinisch 
Tuberkulosefreien fiel die Reaktion 5mal, d. h. in 7,1 Proz. der Falle) 
positiv, sonst stets negativ aus. Die Verwendung des von Calmette 
empfohlenen Pariser Praparates (Tuberkulintest) gab wesentlich bessere 
Resultate als eine selbstbereitetete 1 proz. Alttuberkulin (Hochst)-Losung 
in 3 proz. Borwasser. F. empfiehlt die Konjunktivalreaktion besonders 
fiir den Militararzt zur Fruhdiagnose der Tuberkulose in suspekten 
Fallen. H e t s c h (Metz). 

Neeker und Paschkis, Die diagnostische Verwertbarkeit der 
Konjunktivalreaktion in der Urologie. (Wiener klin. 
Wochenschr. 1908. No. 10.) 

Die Autoren pruften zunachst 40 chirurgische Falle mit der Kon¬ 
junktivalreaktion. Von diesen gehorten in die Gruppe der aktiven 
Tuberkulosen und streng Tuberkuloseverdachtigen 17. Darunter re- 
airierten 15 positiv (8 Falle von Knochentuberkulose, 2 tuberkulose 
Ma>tdarmfisteln, 1 Lupus faciei, 2 Lymphomata colli, 2 kalte Abszesse), 
2 neerativ. In dem einen dieser negativen Falle bestatigte die Ob- 
duktion den Tuberkuloseverdacht nicht, der andere Fall betraf eine 
durch Laparotomie nachher sichergestellte Tuberkulose des Peritoneuras. 
Von 23 klinisch Tuberkulosefreien reagierten 3 (= 13 Proz.) positiv, 
bei 2 Fallen ergab die Nachuntersuchung das Bestehen suspekter Ver- 
dichtungen der Lungenspitzen. — Von 15 auf Urogenitaltuberkulose 
suspekten Fallen reagierten 6 positiv, 9 negativ. Letztere erwiesen 
>ich auch im Tierversuch als tuberkulosefrei. Bei 4 friiher wegen 
Tuberkulose nephrektomierten Patienten fiel die Reaktion uberall positiv 
aus. unter 23 klinisch Tuberkulosefreien reagierten nur 3 positiv. Auf 
Grund ihrer Erfahrungen, die durch die Mitteilung einiger besonders 
jniiguanter Falle illustriert werden, kommen N. und P. zu folgendem 
I'rteil: Ein absolut sicheres diagnostisches Mittel bietet die Konjunktival¬ 
reaktion bei der Tuberkulose des Urogenitalapparates nicht. Jedoch 
wird sie imstande sein, dort, wo der Bazillennachweis im Sedimente 
Oder in seltenen Fallen selbst im Tierversuch mifilingt, der klinischen 
Diagnose eine wichtige Stiitze zu verleihen. Wir sind vor allem aber 


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Tuberkulin; Ophthalmo- und Kutanreaktion. 


durch die Einfachheit der Konjunktivalreaktion in die Lage versetzt, 
aus der groBen Menge suspekter Falle rasch jene auswahlen za konnen, 
bei denen der Bazillennachweis mit alien Methoden erstrebt werden 
muB. Aus diesem Grunde empfielilt sich die Konjunktivalreaktion bei 
samtlichen atiologisch unklaren, niit Hamaturie oder Pyurie einher- 
gehenden Erkrankungen der Hamwege, bei alien therapeutisch resi- 
stenten Zystitiden, welche so luiufig das Bild der Nierentuberkulose 
verdecken. Ihr positiver Ausfall wird eine ernste Mahnung sein, den 
spezifischen Charakter der Erkrankung durch den Tierversuch auf- 
zuklaren. H e t s c h (Metz). 

Rosenan and Anderson, The ocular reaction to tuberculin: 
A warning. (Journ. of the Araeric. med. Ass. Vol. L. 1908. No. 12.) 

VerfF. machten die Ophthalmoreaktion bei 12 Laboratoriumspersonen. 
Bei alien negativ. — Nach 51 Tagen neue Eintraufelnng, diesmal bei 
10 positiv. — VerfF. meinen, daB es sich um lokale Anaphylaxie handle 
und ziehen daraus die entsprechenden Schliisse. Naheres iiber Anfang, 
Dauer etc. des anaphylaktischen Stadiums ist den VerfF. bisher noch 
nicht bekannt. BouCek (Prag). 

Engel und Baner, Erfahrungen mit der v. Pirquetschen 
Tnberkulinreaktion. (Berliner klin. Wochenschr. 1907. No. 37.) 

Die VerfF. haben 48 Sauglinge und 280 altere Kinder der v. Pir¬ 
quetschen Impfung unterworfen und sind auf Grund ihrer Resultate 
und auBerdem auf Grund ihrer klinischen Untersuchungen und einer 
Obduktion eines erfolgreich geimpften und als absolut tuberkulosefrei 
befundenen Sauglings zu folgenden Ergebnissen gelangt: 

Es besteht ira allgemeinen ein enger Zusammenhang zwischen 
Pirquetscher Reaktion und Tuberkulose, doch ist — wenigstens bei 
Sauglingen — der positive Ausfall der Reaktion keineswegs sicher fur 
Tuberkulose beweisend. Die probatorische Tuberkulininjektion ist fiir 
die Sicherheit der Beurteilung von groBerem Werte als die Pirquetsche 
Reaktion. Gerade beim Saugling, wo auf die Sicherheit der Diagnose 
besonders viel ankommt, laBt die Pirquetsche Impfung im Stich. 

W. v. Brunn (Rostock). 

Aronade, Otto, Die kutane Tuberkulinreaktion v. Pirquets 
als Mittel zur Erkennung der Tuberkulose im Kindes- 
alter. (Med. Klinik. 1907. 51.) 

Das Material des Verf. erstreckt sich auf 147 Kinder, dereu Mutter 
er gleichzeitig auf der Tuberkulosestation beobachten und von ihnen 
auch eine genauere Anamnese erhalten konnte. Die Befunde bei Er- 
wachsenen waren nicht zu verwerten, besonders weil auch Gesunde 
haufig friihzeitig positiv reagierten. Von den geimpften Sauglingen 
reagierten 46 negativ, ein einziger positiv, der wegen tuberkuloser 
Knochenfisteln in Behandlung war. 17 kamen zur Sektion und erwiesen 
sich als frei von tuberkuliisen Veranderungen. Ein Saugling, der 
klinisch den Verdacht auf Tuberkulose erweckte, reagierte negativ und 
zeigte auch bei der Sektion makroskopisch keine Tuberkulose. Daher 
liegt der Wert der v. Pirquetschen Methode fur das Sauglingsalter 
darin, daB klinisch nicht tuberkulose Sauglinge keine Reaktion geben, 


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Tuberkulin; Kutanreaktion. 


59 


and daB bei positiver Reaktion die tnberkulose Erkrankung auch bald 
manifest wird, um so mehr als die subkutane Injektion nicht fiir ganz 
einwandfrei gehalten werden kann. Unter den 100 alteren Kindern, 
die der Impfung nnterzogen wurden, befanden sich 22, die eine deut- 
liche Reaktion anfwiesen und auch klinisch und anamnestisch den Ver- 
dacht bestatigten: Nimmt man an, daB die exsudative Diathese mit der 
Tnberkulose nichts zn tun hat, so ermbglicht das Verhalten der kntanen 
Reaktion bei dieser Diathese und der Skrofulose eine Abgrenznng der 
beiden Krankheitsbilder. Ferner ist sie fur die Diagnose der Bronchial- 
drusentuberkulose von groBem Werte, da die klinischen Symptome im 
friihen Kindesalter sehr unsicher sind. Im spateren Kindesalter fand Verf. 
die Reaktion relativ hSufig, er erwahnt besonders 2 Falle, die bei der 
ersten Impfung eine torpide Spatreaktion gaben, bei der zweiten jedoch 
fruhzeitig reagierten. Das Resultat der Untersuchungen ist, daB die 
kutane Reaktion als spezifische angesehen werden muB. Die mit dem 
Alter der Kinder zunehmende Haufigkeit der positiven Reaktion schwacht 
ihre praktische Bedeutung etwas ab, aber vielleicht gelingt es, feinere 
Reaktionsunterschiede auch hier diagnostisch zu verwerten. Der Vorteil 
einer fruhzeitigen Erkennung der Tuberkulose liegt besonders auch auf 
dem therapeutischen und hygienischen Gebiet. 

Meyer (Saarbriicken). 

t. Pirquet, C., Der diagnostische Wert der kntanen Tuber- 
kulinreaktion bei der Tuberkulose des Kindesalters auf 
Grnnd von 100 Sektionen. (Wiener klin. Wochenschrift 1907. 
No. 38.) 

v. P. berichtet iiber 100 Obduktionsbefunde von Kindern, die der 
Allergieprobe nnterzogen worden waren. Unter diesen waren zunachst 
23 Falle. bei denen Tuberkulose mit miliarer Ausbreitung die Todes- 
ursaclie gewesen war. Unter diesen hatten 9 keine kutane Reaktion 
gezeijrt. Der negative Ausfall betraf aber nur solche Untersuchungen, 
weli he erst in den letzten 10 Tagen vor dem Tode ausgefuhrt wurden. 
In mehreren dieser Falle konnte direkt die Abnahme der Reaktions- 
fahigkeit verfolgt und daraus der -SchluB gezogen werden, daB auch in 
den negativen Fallen bei einer fruheren Untersuchung ein positives 
Resultat gefunden worden ware. Weiter handelte es sich um 11 Falle 
mit tbdlicher, aber nicht miliarer Tuberkulose. Hier lagen die Ver- 
haltnisse ganz ahnlich: 7 Allergieproben, die 35—11 Tage ante mortem 
anssrefuhrt wurden, ergaben positives Resultat, von 5 Proben zwischen 
9 nnd 6 Tagen verlief nur eine positiv, und diese war abgeschwacht. 
— Unter 13 Fallen, in denen bei der Sektion Tuberkulose als Neben- 
befund erhoben wurde, war in 6 die Reaktion bei der ersten, in 3 erst 
bei einer spateren Impfung positiv. Negativ war sie in 4 Fallen, von 
denen 3 erst in der letzten Lebensdekade der Untersuchung nnterzogen 
wurden. Nur in 1 Fall war die Reaktion positiv, oline daB bei der 
Obduktion makroskopisch sichere Tuberkulose auffindbar war. 

Diesen Befunden gegeniiber stehen 52 Sektionen von Kindern, die 
an anderweitigen Erkrankungen (Pneumonie und Bronchitis, Meningitis 
cerebrospinalis epidemica, Gastroenteritis, Diphtherie, Sepsis, Encepha¬ 
litis. Seiiarlach, Fruhgeburt, Leberzirrhose) gestorben waren und keine 
tnberkulosen Veranderungen boten: in alien diesen Fallen fiel die 


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Tuberkulin; Kutau- und Ophthalmoreaktion. 


Allergieprobe negativ aus. — Mehr als ein Drittel aller F&lle und mehr 
als die Halfte der Tuberkulosefreien fiel in das erste Lebensjahr: von 
33 Fallen, die iiber 3 Jahre alt waren, fanden sich nur noch 6 frei von 
tuberkulosen Veranderungen. 

v. P. schliefit aus diesen Ergebnissen, dafl eine positive Reaktion 
mit Sicherheit das Yorhandensein tuberkuloser Veranderungen anzeigt. 
Negativer Ausfall bedeutet im allgemeinen ein Freisein von tuberkulosen 
Veranderungen; die Probe versagt aber auch fast regelmafiig in den 
letzten Lebenstagen todlicher Tuberkulose, seltener bei Tuberkulose als 
Nebenbefund. Bei kleinen tuberkulosen Herden gibt manchmal erst die 
Wiederholung der Probe positiven Ausfall. Hetsch (Metz). 

Yanderheyden, M., La cutireaction et l’ophthalmoreaction a 
la tuberculine chez la bete bovine. (Annales de med. vete- 
rinaire. 1907. No. 11. p. 611—616.) 

Angeregt durcli die sich widersprechenden Resultate Arloings 
und V a 11 e e s, in bezug auf die Kutireaktion bei tuberkulosen Tieren 
stellte Verf. bei einer grofieren Anzahl von Milchkiihen Versuche an, 
indem er die Versuchstiere in 3 Gruppen teilte. 

Gruppe I, 4 Kiilie wurden skarifiziert, ohne Verwendung von Tuber¬ 
kulin. Hier hatten sich nach 24 Stunden die Wundrander etwas von- 
einander entfernt, nach 48 Stunden waren sie deutlich erhaben, bedeckt 
von einer graugelben Kruste. Oedeme Oder Schmerzempfindlichkeit be- 
standen nicht. Nach 3—4 Tagen waren die Wunden vollig verheilt. 

Als zweite Kontrolle diente die II. Gruppe von 16 gesunden 
Kiihen. Er verwandte Tuberkuline, die nach Angabe von Heymans- 
Gent und P o e 1 s - Rotterdam hergestellt waren, in verschiedener Kon- 
zentration, mit und ohne 5 °/ on igem Karbolwasserzusatz. — Die Reaktions- 
erscheinungen waren dieselben wie bei Gruppe I, nur zeigten die mit 
dem Tuberkulin Poels behandelten Tiere eine starkere Erhebung der 
Wundrander als die iibrigen. 

Von den in Gruppe III gepriiften Milchkiihen hatten 20 erst kiirz- 
lich bei subkutaner Injektion auf Tuberkulin reagiert, zwei von ihnen 
waren klinisch tuberkulos. Auch hier verwandte Verf. die verschiedenen 
Tuberkuline wie bei Gruppe II zur Ausfuhrung der Kutireaktion. Nie- 
mals beobachtete Verf. eine Papel, Rotung, odematose Schwellung Oder 
Schmerzempfindlichkeit. Geringe Reizerscheinungen bemerkte er nur 
bei Anwendung des Tuberkulins Poels, wie sie bei den Kontrolltieren 
unter gleichen Voraussetzungen auch aufgetreten waren. 

Bei Nachpriifung der Ophthalmoreaktion nach den Angaben von 
Calmette dienten dem Verf. als Kontrolltiere 49 Milchkiihe. Als 
Tuberkulin verwandte er 10- und 20proz. Losungen, ferner solche. die 
durch Stehen an der Luft durch Mikroorganismen verunreinigt wai’en. 
Nachschau hielt er nach 6, 9 und 24 Stunden. Bei einem der Kontroll¬ 
tiere sail er nach 9 Stunden eine Entziindung und abnorme Sekretion 
des nicht behandelten Auges, bei einem anderen zeigte sich Tranenflufi 
und Schmerzempfindlichkeit des behandelten Auges. Bei wenigen 
Kontrolltieren traten auch sonst noch ganz fliichtige Reizerscheinungen 
auf, jedoch war bei alien Tieren nach 24 Stunden der Befund ein 
normaler. 

Von 11 tuberkulosen Tieren — bei 2 Tieren wurde die Erkrankung 


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Tuberkulin; Kutanreaktion. 


61 


klinisch festgestellt, bei den ubrigen 9 durch subkutane Tuberkulin- 
injektion —, die ebenso mit den verschiedenen Tuberkulinlosungen be- 
handelt warden, zeigte keines eine positive Ophthalmoreaktion Oder 
irgendwelche Reizerscheinungen. 

Verf. ist deshalb der Ansicht, daB die Kuti- und Ophthalmoreaktion, 
falls sie im positiven Sinne existiert, keine praktische Bedeutung als 
Hilfsmittel znr Diagnosestellung der Tuberkulose bei Rindern hat. 

Kersten (Berlin). 

h'agelschmidt, Franz, Znr Diagnose and Therapie tuberku¬ 
lose r Hantaffektionen. (Deutschemed. Wochenschr. 1907. S. 1631.) 

Um tuberkulose Hautherde sicher zu erkennen, hat sich N. haufig 
der Einspritzung von Alttuberkulin unter die Haut bedient. Oft wurden 
indessen eindeutige Ergebnisse in solchen Fallen erzielt, wo schon 
klinisch die Krankheitsart nicht zweifelhaft war, wahrend vielfach die 
ortliche Reaktion trotz Auftretens von Allgemeinerscheinungen und 
auch ohne diese versagt. Mitunter verhindert das Bestehen einer Lungen- 
oder Knochentuberkulose die Anwendung so groBer Gaben, wie sie zum 
Hervorrufen der Reaktion in tuberkulosen Hautgebieten erforderlich 
waren. Nimmt man eine spezifische Einspritzungskur vor, so setzt man 
wesren des immerhin nur kleinen Hautherdes den ganzen Korper der 
Tuberkulinwirkung aus. 

X. ging deshalb zu Pirquets Ortlichen diagnostischen Alttuber- 
kulinimpfungen iiber. Ein Tropfen der lOOOfachen Tuberkulinver- 
dunnung stellt schon ein Yielfaches der erforderlichen Impfmenge dar. 
Neben dero tuberkulosen Herde wurde stets auch eine normale Haut- 
stelle geimpft. Die zur Feststellung innerer Tuberkulose vorgenommene 
Imp fang gesunder Haut geht fast bei jedem Erwachsenen an, in Form 
einer harmlosen Papel. In tuberkulosen Hautherden dagegen kommt es 
fast regelmaBig zu mehr Oder weniger umfangreicher Geschwiirsbildung; 
hierbei spielt die Virulenz der Krankheit sowie die Ortliche Reaktions- 
tahigkeit des Korpers eine Rolle (Krankheitsgeschichten). Bei erneuten 
Imptungen drSngt sich der Reaktionsverlauf zeitlich zusammen. Bei 
nichttuberkulosen Hautleiden bildeten sich nach der Impfung niemals 
Geschwiire. — Eine Anzahl umschriebener Lupusknotchen und Lupus- 
infiltrate wurde durch die Ortliche Impfung zur Heilung gebracht 
• Krankengeschichte). Nachteile des Impfverfahrens sind der geringe 
Wirkungsbereich der Behandlung, die hhufige Narbenbildung, die nicht 
eben seltenen AUgemeinfolgen. Doch ist das Verfahren in gewissen 
Fallen an Stelle der Lichtbehandlung zu empfehlen. 

Der mikroskopische Befund eines geimpften Lupusherdes ist bei- 
gefiigt. Georg Schmidt (Berlin). 

Reiche, A., Diagnostische Tuberkulininjektionen und Imp- 
fungen bei Siiuglingen. (Archiv f. Kinderheilkde. Bd. 47. 1908. 
H. 4—6. p. 308—343.) 

An 39 Sauglingen hat Autor die subkutane und bei einigen auch 
die kutane diagnostische Tuberkulin anwendung gepriift; bei 105 nur 
die letztere; 4 Falle kamen zur Sektion. Reiche kommt zu folgenden 
SchluBsatzen: Die probatorische Tuberkulininj ektion ist beim Saugling 
ktin sicheres Diagnostikum; sie ist fur ihn nicht immer ungefahrlich. 


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Tuberkulin; Kutanreaktion. 


Das schlechte Vorwartskommen von Sauglingen berulit selten auf Tuber- 
kulose. Kein Fall sprach gegen die Richtigkeit der v. Pirquetschen 
Reaktion. 

Da die v. Pirquetsche Reaktion fast ausnahmslos nach oft recht 
luiufigen subkutanen Injektionen angestellt wurde, scheint Ref. diese 
Arbeit fur die Bewertung der Reaktion nur mit groBer Einschrankung 
verwertbar. Noeggerath (Berlin). 

Heim, P. und John, K., Allergie und Tuberkulinfiltratproben 
nach v. Pirquet-Detre. 145 Fa lie. (Wiener klin. Wochenschr. 
1908. No. 8.) 

Die Autoren priiften die D e t r e sche Methode der „differenzierenden 
Kutanreaktion" an 140 Kindern und 5 Erwachsenen nach. Unter 77 
klinisch Tuberkulosen (72 Kinder, 5 Erwachsene) gaben 75 positive 
Reaktion, negative Reaktion gaben nur 2 schwer Kackektische. Von 
68 niclit tuberkulosen Kindern reagierten 52 in negativem, 16 in posi- 
tivem Sinne. Die relative Zahl der positiven Reaktionen stieg deutlich 
mit dem zunehmenden Alter, unter 12 Sauglingen wurde kein einziger 
positiver Befund erhoben. Die bovine Reaktion war bei 35 der 91 posi¬ 
tiven Falle (= 38,5 Proz.) starker als die Humanreaktion, offenbar des- 
halb, weil viele Kinder mit Knochentuberkulose zur Untersuchung 
kamen. Gemischten Typus (Human- und Bovinreaktion anniihernd gleich) 
zeigten 14 (= 15,55 Proz.) der positiven Falle. Die Humanpapel war 
groBer als die Bovinpapel bei 12 Fallen (= 13 Proz.), nur auf Tuber¬ 
kulin, nicht aber auf die Filtrate reagierten 20 Falle (= 22 Proz.), nur 
auf Tuberkulin und Humanfiltrat 10 Falle (= 11 Proz.). 

Yon den 35 Fallen der Knochentuberkulose gaben 25 (= 72 Proz.) 
bovine Reaktion, 2 reagierten nur auf Tuberkulin, 1 auf Tuberkulin 
und Humanfiltrat, 5 auf Humanfiltrat starker als auf Bovinfiltrat, 2 auf 
beide Filtrate gleichmafiig. Von 18 Kranken mit Lungentuberkulose 
war bei 11 (= 61 Proz.) die Humanreaktion die starkere, 3mal war 
nur die Tuberkulinreaktion positiv, 4mal Human- und Bovinreaktion 
annahernd gleich. Eine reine oder vorwiegende Bovinreaktion kam hier 
nicht vor. Bei 18 Driisenfallen war 8mal die bovine, 4mal die humane 
Reaktion starker, 5mal waren beide gleich, lmal war nur die Tuber¬ 
kulinreaktion positiv. Von 4 Pleuritiden reagierten 2 mit bovinem und 
2 mit vermischtem Typus. Von 16 klinisch als gesund geltenden 
Kindern reagierten 14 nur auf Tuberkulin (da hier irgendwelche Toxin- 
empfindlichkeit nicht bestand, ist anzunehmen, daB es sich um alte in- 
aktive, klinisch symptomlose Prozesse handelte), je 1 Kind gab humanen 
und gemischten Typus. Hetsch (Metz). 

Daels, ZurKenntnis der kutanen Impfpapel bei derTuber- 
kulosediagnose nach v. Pirquet. (Med. Klinik. 1908. No. 2.) 

Im Krankenhaus Friedrichshain in Berlin wurden viele Impfungen 
nach dem v. Pirquetschen Verfahren vorgenommen. Dabei wurde 
von Stadelmann neben der v. Pirquetschen Papel eine spater auf- 
tretende und oft mehrere Wochen anhaltende Papel beobachtet, die 
vorzugsweise bei Gesunden, selten auch bei Tuberkuloseverdachtigen 
oder selbst bei Schwertuberkulosen auftrat und nach allem nicht den 
Ausdruck der Allergiereaktion darstellte. 


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Tuberkulin; Kutan- und Ophthalmoreaktion. 


63 


Verf. hat nun 5 solcher Spatreaktionspapeln histologisch untersucht 
und gelunden, daB sie in bestimmten Abschnitten den spezifischen Ban 
des tuberkulosen Gewebes, bzw. des Tuberkels besitzen. Diese spezifisch 
srebauten Partien finden sich auf kleine und umschriebene Abschnitte 
der Papel begrenzt und sind lediglich durch genaue Untersuchungen 
in Schnittserien aufzudecken. Die Papel selbst entsteht als eine Wir- 
kung inokulierter abgetoteter Tuberkelbazillen und ihrer Trimmer, die 
ini Tuberkulin enthalten sind. Diese Struktur als solche und deren 
Genese decken sich mit den Befunden Klingmtillers bei der kutanen 
_Stiehreaktion“ nach Tuberkulininjektion. Die Papel demonstriert am 
mensclilichen Korper diejenige Affektion, die durch Inokulation ab- 
getoteter Tuberkelbazillen schon von mehreren Forschern am Tier er- 
zeugt wurde. Werden durch Tuberkulin Veranderungen von spezifischem 
tuberkulosen Bau erzeugt und eine lokale spezifische Reaktionsfahigkeit 
geschaft'en, so kommen nach Verf. abgetotete Bazillen Oder Fragmente 
solcher atiologisch in Frage; dafi die blofie Fliissigkeit als solche die 
namlichen geweblichen Veranderungen zu setzen vermag, halt er bisher 
uiclit fur erwiesen. Miihlschlegel (Stuttgart). 

Morelli, G., Ueber kutane und konjunktivale Tuberkulin- 
reaktionen. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 3.) 

M. prtifte vergleichend die kutane (v. Pirquet) und konjunktivale 
(Calmette) Tuberkulinreaktion an demselben Krankenmateriale. Es 
handelte sich um 114 Falle, die klinisch als Lungentuberkulose, 22 Falle, 
die als anderweitige Tuberkulose diagnostiziert waren, 68 Falle, die 
tuliHrkuloseverdachtig und 96 Falle, die nicht verd&chtig waren (Summa: 
m Falle). Die konjunktivale Reaktion zeigte im Vergleich zur kutanen 
eine geringere Empfindlichkeit: von 164 nach letzterer positiven Fallen 
waren ersterer gegenuber 22 Falle (= 13 Proz.) negativ. Sie war auch 
wenisrer verlaGlich, da sie mehrfach positiv ausfiel, wo die kutane und 
ebenso die spater zur Kontrolle herangezogene subkutane Einverleibung 
vim Tuberkulin negativ verlief. M. halt zudem die kutane Impfung fur 
unschadlicher, da er 3mal nach der Konjunktivaleintraufelung heftige 
KataiTlie der Bindehaute auftreten sah, die erst nach 14 Tagen vollig 
zuruckgingen. H e t s c h (Metz). 

Schleiftaer, D. F., Die allergische Reaktion als Hilfsmittel 
zur Diagnose der Tuberkulose im Kindesalter. (Prager 
ined. Wochenschr. Jahrg. XXXIII. 1908. p. 41.) 

Sch. kommt auf Grund eigener Untersuchungen iiber den Wert 
der von v. Pirquet angegebenen Tuberkulinprobezufolgendem Schlusse: 
Ira Vergleich zur probatorischen Tuberkulininjektion stellte die Methode 
nach v. Pirquet einen weit einfacheren Modus der Tuberkulinprobe 
dar. Dabei sei der grbBte Vorteil jener, daG niemals irgendwelche 
Sehiidigungen beobachtet werden konnten. Allerdings besitzt das Ver- 
fahren nach v. Pirquet den gleichen groGen Nachteil wie die proba- 
torische Tuberkulininjektion, indem sie gleichfalls keine toxische Dia¬ 
gnose gestattet, wie auch Grad und Ait der Erkrankung nicht zu er- 
schlieGen ist. „Es sagt uns nur, daB irgendwo im Organismus eine 
tuberkulose Infektion stattgefunden hat. Und darum leistet es zu viel, da 
es, wie es scheint, auch alle alten latenten inaktiven Herde angibt und 


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Tuberkulin; Kutanreaktion. 


Personen als krank erscheinen liifit, die gesund Oder wenigstens nicht 
tuberkulos sind.“ Bartel (Wien). 

Kentzler, J., Ueber differenzierende Kutan-Tuberkulin- 
Reaktionen bei Erwachsenen. (Wiener klin. Wochenschr. 
1908. No 1.) 

K. priifte bei 201 Erwachsenen die „ differenzierende Tuberkulin- 
reaktion" nach Detre (kutane Einverleibung von Kulturfiltraten beider 
Tuberkelbazillentypen) neben der kutanen Einimpfung von Kochschem 
Tnberkulin. Es reagierten positiv: 




bei Impfung mit 



Tuberkulin 

1 Human- 
Filtrat 

Bovin-Filtrat 

von 69 Fallen, 

die nicht tuberkuloseverdiichtig 

20 

5 

i 

*34 „ , 

die tuberkuloseverdiichtig 

13 

2 

2 

r> 98 „ , 

sicherer Tuberkulose 

75 

21 

14 


Auf Grund dieser Befunde spricht K. der Methode einen nur sehr 
geringen Wert zu. Speziell die Impfungen mit den verschiedenen 
Kulturfiltraten vermogen eine differentialdiagnostische Entscheidung fiber 
die Natur des infizierenden Tuberkelbazillus (ob Typus humanus Oder 
Typus bovinus) nicht zu geben. Hetsch (Metz.) 

Wolff-Eisner, A., Die differenzierenden Kutantuberkulin- 
reaktionen. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 5.) 

Der Autor wendet sich zunachst gegen die Versuchsanordnung, die 
Kentzler (Wiener klin. Wochenschr. 1908 No. 1) bei der Prfifung des 
Wertes differenzierender Kutan-Tuberkulinreaktionen (Anwendung von 
Human- und Bovinfiltrat) anwendete. Er ist der Ansicht, daB K. mit 
zu schwachem Tuberkulin gearbeitet hat. Wenn man Tuberkulin durch 
Berkefeld-Kerzen filtriert, dann wild es durch Zurfickhaltung der 
Bakteriensplitter in seiner Wirksamkeit wesentlich geschwacht. Es 
treten dann die Reaktionen sparlicher auf, entweder quantitativ geringer 
Oder sie versagen ganz bei Individuen, die auf dasselbe, aber nicht 
filtrierte Tuberkulin reagiert haben. Diese Befunde zeigen, daB die 
Tuberkulinreaktion keine fermentative, sondern eine absolut quantitative 
ist. Man raufi sich sowohl ffir die Kutan- als auch ffir die Konjunktival- 
reaktion die Konzentration empirisch so einstellen, daB man aus der 
Reaktion die grofiten diagnostischen und prognostischen Yorteile ziehen 
kann. Bei genauer Beobachtung quantitativer Reaktionsverhaltnisse 
wird man nach W.-E. bei Verwendung von Tuberkulin sowohl aus 
Rinder- als auch aus Menschentuberkelbazillen sehr wohl differential¬ 
diagnostische Schltisse fiber die Art der Infektion ziehen konnen. 

Auch Differenzierungen in anderer Richtung sind moglich durch 
gleichzeitige Anwendung der Kutan- und der Konjunktivalreaktion. 
„Die Konjunktivalreaktion entspricht in ihren Ergebnissen im wesent- 
lichen der subkutanen Tuberkulininjektion. Sie ist ein Ersatz dieser 
Methode, die olme jede Gefahrdung des Patienten dieselben Resultate 


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Tuberkalin; Kutan- und Ophthalmoreaktion. 


65 


aibt. Sie zeigt aktive tuberkulose Prozesse im Korper an. Die Kutan- 
reaktion fiillt nicht nur bei aktiven, sondern auch bei latenten Herden 
positiv aus; die Spatreaktion ist eine Reaktion der positiv Gesunden.“ 

Es lassen sich 3 Verlaufsformen der Kutanreaktion differenzieren, 
denen eine verschiedene prognostische Bedeutung zukommt: die spezi- 
ri>che Normalreaktion, die Schnellreaktion und die Dauerreaktion. 
Krstere ist prognostisch giinstig, die zweite ungiinstig, die dritte sogar 
seiir giinstig. Hetsch (Metz). 

Curschmanii, Znr Kritik der v. Pirquetschen Kutanreaktion 
nnd der Wolff-Eisnerschen Ophthalmoreaktion fur das 
erwachsene Alter. (Med. Klinik. 1908. No. 3. S. 90.) 

Mit der Ophthalmoreaktion warden 60 Falle sicherer Tuberkulose, 
9 Pleuritiden und 28 klinisch Nichttuberkulose gepriift. Von den 
leieht Lungenkranken und den dringend Suspekten reagierten fast 80 Proz. 
po>itiv, im mittleren Stadium der Phthise 70 Proz. nnd im dritten 
Stadium und von den Pleuritiden 50 Proz. Da aber auch unter den 
nicht Tuberkulosen 20 Proz. positiv reagierten, kommt C. beziiglich der 
Oihthalmoreaktion zu dem Schlusse, dafl sie, wenn auch bequemer, doch 
viol weniger exakte Resultate liefert wie die Fieberreaktion bei sub- 
kutaner Tuberkulinprobe. Die v. Pirquetsche Kutanimpfung wurde bei 
53 I’atienten mit klinisch sicherer Oder hochstwahrsclieinlicher Tuber- 
kub.se und bei 22 nicht Tuberkuloseverdachtigen ausgefuhrt. Verf. halt 
sie ebenfalls fiir die Fruhdiagnose der aktiven Tuberkulose der Er- 
waehsenen wegen ihrer zu grofien Empfindlichkeit fur ungeeignet. Be- 
Kinderen Wert besitzt sie eigentlich nur im negativen Ausfall. Beide 
Keaktionen sind fiir die Auswahl des Heilstattenmaterials zurzeit noch 
nnbrauchbar. Haendel (Gr.-Lichterfelde). 

Feer, E., Die kutane Tuberkulinprobe (v. Pirquet) im 
Kindesalter. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 6.) 

F. hat die v. Pirquetsche Probe, deren einfache Technik ge- 
H-hildert wird, planmadig bei alien in die Heidelberger Kinderklinik 
.Aufgeuommenen (344), auderdem bei 50 ambulanten Kranken angewandt. 
Es reagierten von 344 19 v. H., von 25 klinisch sicher Tuberkulosen 24, 
veil 28 Verdachtigen 14, von 291 Unverdachtigen 27, von 112 Saug- 
linj'mi nur 3, in deren Leichen Tuberkulose gefunden wurde. — Der 
psiiive Ausfall der Hautimpfung beweist Tuberkulose, der negative 
lath Tuberkulose nicht ausschliefien, da Kachektische und an Miliar- 
tuherkulose und tuberkuloser Hirnhautentzundung Krankende oft in der 
letzten Zeit nicht mehr reagieren. Die Starke des Ausschlages gibt 
k^ine Auskunft iiber die Ausdehnung de3 Leidens. Die Hautimpfung 
lei'tet fiir die Krankheitserkennung das Namliche wie die Tuberkulin- 
tiii'pritzung, bietet aber manche Vorziige (Ausbleiben der Allgemein- 
und Herdreaktion, jeder sonstigen Nachwirkung, Ausfiihrbarkeit bei 
Nichtbettliigerigen und bei Fieberhaften, Unnotigkeit von Messungen 
dtr Kbrperwarme). Es ist zweckmafiig, eine der Stellen mit reinem, 
die arnlere mit 25 proz. Tuberkulin zu impfen. Der praktische Arzt 
wird nor die erstere Impfung anwenden. Auf Besonderheiten der Impf- 
reaktion wird hingewiesen. Auf Grand von 50 Erprobungen gibt F. 
bei Kindern der Hautimpfung vor der konjunktivalen Probe entschieden 

Em* Abt. Refer. Bd. XL1I. No. 1/S. 5 


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Tnborkulin; Kutan- und Ophthalmoreaktion. 


den Vorzug. Nach letzterer treten insbesondere bei Skrofulosen ofter 
Phlyktanen und sehr unangenehme Reizungen auf. 

Die Hautimpfung verspricht viel fiir die Aufklhrung iiber den Ur- 
sprung und den Werdegang der kindlichen Tuberkulose. Viele gesunde 
altere Kinder und Erwachsene reagieren allerdings; bei jttngeren Kin- 
dern indessen wird der positive Ausfall um so seltener, differential- 
diagnostisch zuverlassiger und prognostisch ernster, je naher man dem 
Siiuglingsalter kommt. Georg Schmidt (Berlin). 

Goebel, W., Erfahrungen mit der v. Pirquetschen kutanen 
Tuberkulinreaktion. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 166.) 

Es ist gleichgultig, ob man reines Oder bis 1:100 verdiinntes 
Tuberkulin verwendet. Auf Grund einiger Erfalirung kann die ein- 
fache entziindliche Wundreaktion vom spezifischen Impfergebnis unter- 
schieden werden. Ueble Nebenerscheinungen wurden nie beobachtet. 
Unter 170 erwachsenen und 50 kindlichen wahllos Geimpften, die sich 
aus Tuberkulosen, Tuberkuloseverdachtigen und -freien zusammensetzten, 
reagierten 127 positiv, von 17 Knochen- und Driisentuberkulosen 16, von 
54 Gelenk-, Knochen- und Driisentuberkulosen 53. Der schwache Punkt 
des Verfahrens liegt darin, dafi klinisch tuberkulosefreie Erwachsene 
reagieren, wenn aucli nicht alle von ihnen. Die zuverlassigsten Aus- 
schliige gibt das Verfahren bei klinisch tuberkulosefreien Kindern, be- 
sonders Siiuglingen. Hier ist der positive Ausfall nahezu beweisend; 
bei Erwachsenen erlaubt er nur einen vorsichtigen Schlufl. Wieder- 
holte negative Impfungen beim Erwachsenen sprechen fiir Tuberkulose- 
freiheit. 

Die Kochsche Probe ist vielleiclit anspruchsloser, die v. Pirquetsche 
anspruchs- und harmloser und darin der Augenprobe iiberlegen, mit der 
sie sonst in den Ergebnissen iibereinstimmte. Der hauiigere positive 
Ausfall der Kutanreaktion bei klinisch Tuberkulosefreien spricht fiir 
eine grofiere Empflndlichkeit dieser Probe gegeniiber der Ophthalmo¬ 
reaktion. Georg Schmidt (Berlin). 

Junker, Fritz, Untersuchungen iiber die v. Pirquetsche 
Tuberkulinreaktion bei Erwachsenen. (Munch. med.Wochen- 
schrift. 1908. S. 218.) 

Eine behandlungsbediirftige Tuberkulose darf nicht allein auf Grund 
des Ausschlages einer Tuberkulinprobe, sondern nur unter Beriick- 
sichtigung auch der sonstigen allgemeinen und Srtlichen Anzeichen an- 
genommen werden. v. Pirquets Verfahren wurde bei 180 Erwachsenen 
verwandt und z. T. durch die Ophthalmoreaktion, z. T. durch die Ein- 
spritzung von Tuberkulin unter die Haut gepriift. J. impfte mit 1- bis 
lOproz. Ldsungen und empfiehlt die letzte als die praktischste. Es 
reagierten von 121 klinisch Tuberkulosen 116, von 16 Verdachtigen 15, 
von 8 Unverdachtigen keiner. Mit Ausnahme der mit Tuberkulin vor- 
behandelten und von 3 vorgeschrittenen Fallen reagierten alle klinisch 
und bakteriologisch gesicherten Tuberkulosefalle positiv, alle sicher 
tuberkulosefreien und die klinisch tuberkulosefreien mit Ausnahme eines 
Falles negativ. Bei Anwendung 5—lOproz. Losungen und Bewertung 
des Ausfalles nach den von J. angegebenen Gesichtspunkten ist das 
v. Pirquetsche Verfahren der Ophthalmoreaktion und der Tuberkulin- 


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Tuberknlin; Kutanreaktion. 67 

prubeeinspritzung gleichwertig und gleich diesen ein Hilfsmittel zum 
F.rkennen tuberkuloser Erkrankungen auch beim Erwachsenen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

lendel, Die von Pirqnetsche Hantreaktion und die intra- 
venose Tnberknlinbehandlung. (Med. Klinik. 1908. No. 12. 
S. 402.) 

M. erinnert daran, dafi er bereits 1903, als er die kombinierte 
Arsentuberkulinbehandlung empfahl, daranf aufmerksam gemacht hat, 
dafi intrakutane Oder subkutane Tuberkulinapplikation eine entziindliche 
Hautreaktion hervorruft, und dad die alteriert gewesene Hautpartie 
auf eine spat ere anch an anderer Stelle erfolgte Tuberkulininjektion 
erneut reagiert. Handelt es sich nur nm vorausgegangene Veranderungen 
im Unterhantzellgewebe, so bleiben die spateren Reaktionen fur das 
Ange unsichtbar, sie treten aber durch Schmerzhaftigkeit und Druck- 
empfindlichkeit der Stellen in Erscheinung. Verf. empfiehlt an Stelle 
der Ton P i r q u e t vorgeschlagenen Skarifikation die intrakutane Impfung 
durch Stich. Die Tatsache, dad die Applikation von Tuberkulin in 
Haut oder Unterhantzellgewebe lokale Gewebsveranderangen hervorruft, 
i>t ein zwingender Grand an Stelle der subkutanen Tuberkulininjektion 
zu therapeutischen und diagnostischen Zwecken die intravendse Infusion 
treten zu lassen. Beziiglich der Methodik, der Indikationen und Erfolge 
der kombinierten (intravenosen) Arsentnberkulinbehandlung verweist M. 
auf seine fruheren Publikationen. H a e n d e 1 (Gr.-Lichterfelde). 

Moro, Ernst, Ueber eine diagnostisch verwertbare Reak- 
tion der Haut auf Einreibung mit Tuberkulinsalbe. 
(Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 216.) 

M. rieb ein erbsengrofies Stuck einer zu gleichen Teilen aus Alt- 
tuberkulin und wasserfreiem Lanolin bestehenden Salbe 1 / 2 —1 Minute 
lang in ein Stuck von 5 cm Durchmesser der unversehrten Bauchhaut 
knapp unterhalb des Schwertfortsatzes von Kindern im 1.—13. Lebens- 
jahre ein. Die Stelle blieb hierauf 10 Minuten entblodt und erhielt 
keinen Schutzverband. Bei skrofulosen Kindern treten 1—2 Tage spater 
an der Einreibungsstelle papulose Knotchen, aber niemals Allgemein- 
ersclieinungen auf. Nach Zahl und Grode der Hautveranderangen unter- 
scheidet M. drei Grade der positiven Reaktion, deren starkster nnter 
37 Aasschlagen 3mal, deren mittelstarker 9mal, deren schwachster 25mal 
l.eobachtet wurde. Am deutlichsten veranderte sich die Haut bei 
Skrofulose und Knochentuberkulose, sowie bei saftreicher Haut, am un- 
deutlichsten bei weit vorgeschrittener Lungenschwindsucht und bei 
walker Haut. Die Salbenprobe ist streng spezifisch. 68mal wurde 
anch v. Pirquets Impfung vorgenommen. Letztere erzielte manchmal 
einen Ausschlag, wo die Einreibung keinen Erfolg hatte. Im iibrigen 
stimmten die Ergebnisse iiberein. 

Gegeniiber der Ophthalmoreaktion hat die Morosche Probe den 
Vorzug der Harmlosigkeit. 

30 mal warden anderweitige arzneiliche Salben verrieben; es traten 
nur ganz vereinzelt Reizerscheinungen auf. 

Georg Schmidt (Berlin). 

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08 Tuberkulin; Kutan- und Ophthalmoreaktion. 

v. Pirquet, Zur Diskussion fiber die kntane und konjunk- 
tivale Tuberkulinreaktion. (Berliner klinische Wochenschr. 
1908. No. 9.) 

Wolff-Eisner, Entgegnung auf vorstehende Bemerkungen. 
(Ebenda.) 

Prioritatsdiskussionen. W. v. Brunn (Rostock). 

Stadelmann u. Wolff-Eisner, A., Ueber kutane und konjunkti- 
vale Tuberkulinreaktion. (Deutsche med. Wochenschr. 1908. 
S. 180, 227 u. 271.) 

W.-E. spricht der Konjunktivalprobe eine diagnostische, prognostische 
und theoretische Bedeutung zu. Gegeniiber der v. Pirquetschen Haut- 
impfung hat sie die groBere klinische Bedeutung. Ihr klinischer 
Verlauf ist geschildert. Die Hautreaktion tritt bei Gesnnden verhaltnis- 
maBig haufig als Spatreaktion auf, was darauf schliefien lafit. daB ein 
aktiver tuberkuloser Herd im Korper niclit vorhanden ist. Bleibt bei 
einem Tuberkulosen die konjunktivale Reaktion aus, so sind dessen Aus- 
sichten auf Heilung ungiinstig; auf die Ausbreitung der Tuberkulose 
ist indessen kein SchluB miiglich. In jedem Falle sind nacli Moglichkeit 
beide Proben nebeneinander auszuffihren. Die Tuberkulinunempfindlich- 
keit schiitzt nicht gegen tuberkulose Infektion: das Ausbleiben Oder 
Aufhoren der Ueberempfindlickheit nach erfolgter Infektion laBt die 
Infektion weitergehen und bis zum Tode fiihren. Bei fortgeschrittener 
Krankheit und bei Miliartuberkulose fehlt die Ueberempfindlichkeit; 
diese Kranken verhalten sich in bezug auf Tuberkuliuempfindlichkeit 
ahnlich wie die Meerschweinchen. Die Tuberkulinreaktion kommt nicht 
im Krankheitsherde zustande, sondern der ganze Korper befindet sich 
unter dem Einflusse der Tuberkelbazillengifte im Zustande der Reaktions- 
fahigkeit mit und gegen Tuberkulin. S. berichtet iiber die klinischen 
Ergebnisse bei der gleichzeitigen Tuberkulineintraufelung und Haut- 
impfung. Es reagierten von 192 anscheinend Tuberkulosefreien kutan 96, 
konjunktival 35, von 20 Verdachtigen kutan 16, konjunktival 12, von 
64 sicher Tuberkulosen kutan 37, konjunktival 34. 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Erfolgen beider Proben 
bei der letzten Gruppe besteht nicht. Die Augenreaktion ist starker, 
setzt innerhalb der ersten 24 Stunden ein, erreicht ihren Hdhepunkt 
am 2. Tage, klingt am 3. und 4. ab. Es findet sich haufig Augenbinde- 
hautentzfindung mit Eiterabsonderung, Chemosis, Lichtscheu, Follikel- 
schwellung, Brennen. Der Ausschlag der Proben wird immer schwficher 
und seltener, je weiter die Krankheit vorgeschritten ist. Auffallige 
Abweichungen erklaren sich oft durch den Krankheitsverlauf und den 
Leichenbefund (Beispiele). Doch stimmt nicht immer die Reaktion mit 
dem klinischen Verlaufe uberein. 

Auch bei den Verdachtigen stimmen die Ergebnisse im ganzen gut 
uberein. Bestatigung gelang durch Tuberkulinprobeeinspritzung. 

Bei den anscheinend Tuberkulosefreien zeigt die seltenere positive 
Augenreaktion wahrscheinlich nur die verborgene, aktive Tuberkulose 
an. Spatreaktionen haben mit der eigentlichen Impfreaktion nichts zu 
tun und sind ohne klinische Bedeutung. 

Es kommt bei Eintraufelungen gelegentlich zu einer konkomitierenden 


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Tuberkulin; Kutan- and Ophth&lmore&ktion. 


69 


Reaktion auf dem anderen Auge, bei Tuberkulinprobeeinspritzungen 
otters zu einem Aufflammen der selbst wochenlang zuriickliegenden 
Kutan- und Konjunktivalreaktion. 

Melirmalige Eintraufelungen ins Auge sind zu widerraten. 

Zuweilen treten nach den Impfungen leichte Allgemeinerscheinungen 
lUnbehagen. Fieber) auf. Bei 8 Typhosen schlug sowohl die Augen- 
wie die Hauptprobe fehl. Georg Schmidt (Berlin). 

Warfield, The cutaneous tuberculin reaction. (Journ. of the 
Americ. med. Ass. Vol. L. 1908. No. 9.) 

Verf. uutersuchte 55 Kinder im Alter yon 3 Monaten bis 4 Jahren, 
51 Kinder im Alter von 5—14 Jahren, 32 Personen im Alter von 9—15 
Jahren; er spricht sich sehr giinstig fiber die erzielten Resultate aus. 

BouCek (Prag). 

Hamburger, F., Ueber den Wert der Stichreaktion nach 
Tuberkulininjektion. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 12.) 

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden folgendermafien zu- 
sammengefafit: 

1. Die Injektion von 1 mg und weniger Tuberknlin (altes K o c h sches) 
ruft bei Tuberkulosen eine Reaktion an der Einstichstelle hervor 
(Epstein, Escherich), die spezifisch und daher diagnostisch ver- 
wertbar ist (Schick, Reuschel). 

2. Die Stichreaktion ist dann positiv, wenn die Reaktion durch 
mindestens 4—5 Tage deutlich erkennbar ist. 

3. Die Stichreaktion ist die empfindlichste aller bisher bekannten 
T uberkulinreaktionen. 

4. Die Kutanreaktion ist in vielen Fallen inaktiver, in allerdings 
wenigen Fallen aktiver Tuberkulose negativ, wahrend die Stichreaktion 
in eben diesen Fallen positiv ausfallt. 

5. In solchen Fallen wird die Kutanreaktion spater ausnahmslos 
I»ositiv. 

6. Solche kutan ursprunglich negative, subkutan positive (Stich¬ 
reaktion) Reaktionen entsprechen nach den bisherigen Erfahrungen einer 
aktiven oder inaktiven) Tuberkulose. 

7. Subkutan negative Falle geben trotz wiederholter Injektion 
srofier Tuberkulinmengen keine Kutanreaktion und sind als tuberkulose- 
frei zu betrachten. 

8. Sowohl Punkt 6 als auch Punkt 7 sind noch durch ein moglichst 
grofies, sorgfaltig durchgearbeitetes Sektionsmaterial sicherzustellen. 

Hetsch (Metz). 

Wolff-Eisner, Die vitale Antikbrperreaktion imVergleich 
zur Komplementbindungsmethode bei Tuberkulose und 
Syphilis. (Vorlaufige Mitteilung.) (Med. Klinik. 1908. No. 11. S. 370.) 

Bei Tuberkulose hat die biologische Methode der Diagnose durch 
Vornahme der Priifung am Lebenden, durch eine „vitale“ Reaktion, wie 
Verf. die Kutan- und Ophthalmoreaktion bezeichnet, zu einwandfreien 
und giinstigen Resultaten gefuhrt. Die zur Syphilisdiagnose angewandte 
Methode der Komplementablenkung „eine Reagensglastechnik“ ist in 
ihren Grundlagen noch ungeklart. Nach Ansicht des Verf. handelt es 


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70 


Diagnostik der Tuberkulose, verschiedene Verfahren. 


sich bei den komplementablenkenden Stoffen um spezifische Reaktions- 
produkte, um lytische gegen den Lueserreger gericlitete Antikorper. 
Er hat nun in der Hoffnung dadurch eventuell auch eine Klarung der 
theoretischen Grundlagen der Komplementablenkungsmethode herbeizn- 
fiihren auch bei Syphilis analog dem Vorgehen bei Tuberkulose Prufungen 
am Lebenden (Reinfektionsversuche) angestellt. 

Bereits am Tage nach der Reinfektion (Tnokulation aus Primar- 
affekten mit dem Pirquetschen Schaber) bildeten sich kleine Papeln. 
Bei Syphilitikern in spateren Stadien waren groCere Mengen des infi- 
zierenden Materials zum Zustandekommen der Reaktion erforderlich. 
Die Reaktion, bei der sich die Papel haufig durch einen umwallten 
Rand um die Impfschabung von den Tuberkulinpapeln unterschied, war 
im allgemeinen nach 8 Tagen voriiber. Verf. bezeichnet selbst seine 
Versuche als noch nicht abgeschlossen, hofft sie weiter ausbauen und 
eventuell eine „Kutandiagnose“ der Syphilis begriinden zu konnen. 

H a e n d e 1 (GroB-Lichterfelde). 

Moscati, II glicogeno negli espettorati; suo valore dia¬ 
gnostic© e prognostico. (Rif. Medica. 1907. No. 12.) 

Verf. hat das Verhalten des Glykogens im Auswurf bei den ver- 
schiedenen Krankheiten des Respirationsapparates studiert. 

Aus der Summe seiner Untersuchungen leitet Verf. ab, daB bei der 
Tuberkulose und der Lungeuschwindsucht das Glykogen im Auswurf 
immer in bedeutenden Mengen vorhanden ist (0,5—1,0 Proz.), und 
in den letzten Perioden der Krankheit und bei der galoppierenden 
Schwindsucht bedeutend zunimmt. Bei den anderen Erkrankungen des 
Respirationsapparats findet Verf. das Glykogen — nicht immer und in 
kleinen Proportionen — bei Abszessen und bei Bronchiektasie, dagegen 
nicht in dem katarrhalischen und dem einfachen Bronchialauswurf und 
ebenso wenig bei einigen Fallen krouposer Pneumonie, oder hochstens 
nur spurenweise gegen Ausgang der Krankheit. 

Verf. schlieBt daraus, dafi der Auswurf bei Verletzungen, die das 
Lungenparenchym in Mitleidenschaft ziehen, Veich an walirem Glykogen 
ist, im -Vergleich zu den Bronchien, wo zwar auch Glykogen vorhanden 
ist, doch nur in geringer Quantitat, und auBerdem eine chemische Ab- 
art des typischen Glykogens darstellt. Ceradini (Mailand). 

Sorgo, Josef, Zum Auswurfsedimentierungsverfahren mit 
Wasserstoffsuperoxyd. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 622.) 

S. hat bereits vor 3 Jahren das Wasserstoffsuperoxyd empfohlen, 
um den Auswurf zu verfliissigen, der sedimentiert werden soli. 

Georg Schmidt (Berlin). 

McFarland u. Landram, W., Vergleichende Untersuchungen 
iiber die Sedimentierungsmethoden von Biedert-Miihl- 
hauser-Czaplewski und Sachs-Muke. (Hygienische Rund¬ 
schau. 1908. No. 1. p. 1—3.) 

Vergleichende Untersuchungen liber die Leistungsfahigkeit der 
beiden Sedimentierungsverfahren beim Tuberkelbazillennachweis im 
Sputum ergaben, daB die Biedert-Muhlhauser-Czaplewskische 
Methode (Homogenisierung durch Natronlauge) schwieriger auszufuhren 


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Diagnostik der Toberkulose, verschiedene Verfahren. 


71 


m 4 weniger sicher ist als das Verfahren von Sachs-Miike, bei dem 
die Homogenisierung sehr leicht durch Wasserstoffsuperoxyd erreicht 
vrird. V erf. hat sogar in nnbehandelten Spntis mehr Bazillen gefunden 
als in den nach B.-M.-Cz. sedimentierten. Die ans den vergleichenden 
Yersuchen hervorgehenden Bazillenzahlen sind allerdings nur mit groftter 
Yorsicht zu verwerten; Verf. weist selbst daranf hin, daft sich bei der 
l ntersuclmng von Praparaten aus demselben Material bei Anwendung 
der gleichen Methode grofie Verschiedenheiten ergeben konnen. 

W o i t h e (Grofi-Lichterfelde). 

Francke, Karl, Gefafistreifen — ein Erkennnngsmittel der 
beginnenden Schwindsucht. (Munch, med. Wochenschr. 1907. 
S. 2272.) 

Bei 75.5 v. H. in die Sprechstunde kommenden Fallen von Spitzen- 
tuberkulo.se (200) fanden sich in der oberen Brust- und Riickenhaut 
Gefafistreifen. Von 150 anscheinend nicht Lungenkranken wiesen 
27 v. H. derartige Streifen auf; das erklart sich daraus, daft fast jeder 
Erwachsene schon einmal in seinem Korper Lungentuberkulose und da- 
mit die Moglichkeit zur Bildung dieser Gefafistreifen gehabt hat. 
Andererseits fehlen diese Streifen bei der Lungentuberkulose, die sich 
in den tieferen Teilen abspielt. An dem oberflachlichen Lungenherde 
sohlieftt sich an die umschriebene Lungenfell-, dann die Rippenfellent- 
zuudung, dann die Entziindung des sub- Oder peripleuralen Gewebes, 
die Weiterleitung der Bakterienproteine und -toxine auf den Lymph- 
balm en auch in die auftere Haut des Brustkorbes. Die entziindeten 
BluUMaflwande erschlaffen und erweitern sich. Aus der Masse und 
Yerteilnng der Gefafistreifen schbefit man auf die Ausdehnung des 
tuberknloseu Herdes, aus der Farbe nnd Form der Streifen auf das 
Alter der Entziindung, aus der Farbe, Form und Haufung der Streifen 
auf die Starke der Entziindung, aus der Mischung von Streifen ver- 
s<*hiedener Art auf das Nebeneinanderbestehen von neuen und alten 
Entziindungen. Die Streifen finden sich meist hinten, weil die vordere 
Brust wand beweglicher ist. Georg Schmidt (Berlin). 

Xicheli, F., La colorazione a fresco del sangue con Sudan III 
per la diagnosi differenziale fra meningite purulenta 
e meningite tubercolare. (Atti della R. Accademia di Torino, 
seduta 3 maggio 1907.) 

Verf. hat beobachtet, daft die Cerebrospinalmeningitis unter den 
Eiterungsprozessen einer von jenen ist, bei denen der Prozentsatz an 
sudanophilen Leukocyten des Blutes ein hoherer ist. 

Dalier liefert nach Ansicht des Verf. die Untersuchung von sudano- 
pliilen Leukocyten im Blute ein vortreffliches Kriterium fur Differential- 
diacrnose zwischen Cerebrospinalmeningitis und tuberkuloser Meningitis. 
In der Tat betragt bei letzterer die Zahl der sudanophilen Leukocyten 
10—15 Proz., bei Cerebrospinalmeningitis hingegen 50—80 Proz. 

Negri (Pavia). 

Stoerk, E., Bemerkungen zur Prazipitation bei Tuber- 
kulose. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 9 u. 11.) 

St. stellte fest, daft Aetherextrakte von Filtraten der in physiolo- 


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72 


Farbemethoden (ler Tuberkiiloseerreger. 


gischer Kochsalzlosung aufgeschwemmten Tuberkelbazillen nach Ab- 
dampfen des Aethers einen K tick stand ergaben. der in 1 2 proz. karboli- 
sierter physiologischer Kochsalzlosung aufgenommen, mit dem Serum 
Tuberkuloser einen deutlich flockigen Niederschlag ergab, wahrend 
das Serum Nichttuberkuloser, in derselben Weise behandelt, klar blieb. 
Die Gegenprobe: das Unwirksamwerden des ausgeatherten Restes bei 
Zusatz tuberkuliisen Serums, fiel ebenfalls positiv aus. St. nimmt an, 
daB ein fettahnlicher Bestandteil der Tuberkelbazillen bei der Pra- 
zipitation jene Stelle einnimmt, die das Lezithin bei der Priizipitation 
luetischer Sera vertritt. Einige Sera von Tuberkulosen zeigten auch 
obne Antigenzusatz, nur mit 1 / 2 proz. karbolisierter Kochsalzldsung ver- 
setzt, Ausflockung. Hetsch (Metz). 

Kiirthi, A., Die Differentialfarbemethoden der Tuber- 
kuloseerreger. (Wiener klin. Wochenschr. 1907. No. 49.) 

Beschreibung der ira C. S p e n g 1 e r schen Laboratorium angewendeten 
Tuberkelbazillen-Fiirbemethoden: 1. der Pikrinmethode (Deutsche med. 
Wochenschr. 1907. No. 9), 2. der Hlillenmethoden (D. m W. 1905. No. 31 u. 1907. 
No. 9), 3. der nach Spengler modilizierten Ziehi schen Methode und 
4. der Spenglerschen Phagocytenfarbung - — Aus diesen Farbungen 
wird ersehen: 1. ob in einem Sekret iiberhaupt TuberkuloseeiTeger 
(Tuberkelbazillen, Perlsuchtbazillen) vorhanden sind Oder niclit, also ob 
eine offene Tuberkulose Oder eine geschlossene Form vorliegt (Pikrin¬ 
methode), — 2. die Quantitat der Bazillen. Hier ist die Pikrinmethode 
das souveriine Verfahren. — 3. Die iibrigen Methoden dagegen dienen 
mehr zur Unterscheidung der beiden Bakterienarten (Typus bovinus und 
Typus humanus), und die Phagocytenfarbung gibt AufschluB liber die 
biologischen Vorgauge des Chemotropismus und der Phagocytose. 

Prognostisch giinstig erscheinen a) ausgesprochene symbiontische 
Infektion mit pravalierenden Perlsuchtbazillen, b) Falle, in denen die 
Bazillen schattenhaft gefarbt, sporuliert und nicht lniufchenweisegruppiert 
gefunden werden, c) Hiillenschadigung, auf welche aus der relativen 
Bakterienabnahme im Hiillen- und Z i e h 1 - Praparat, im Vergleich zum 
Pikrinpraparat geschlossen wird, d) positiver Chemotropismus mit starker 
Phagocytose. Prognostisch ungiinstiger liegen die Falle mit pravalierender 
Tuberkelbazilleninfektion mit dem kleinen humanen Typus. — Unter 
den 1200 Sputum- und Facesuntersuchungen, die in der Zeit vom 1. Jan. 
bis 25. Okt. 1907 im Laboratorium C. Spenglers ausgefuhrt wurden, 
warden gefunden 1131 symbiontische Infektionen, und zwar 736, wo 
Perlsuchtbazillen ) Tuberkelbazillen, 328, wo Perlsuchtbazillen und 
Tuberkelbazillen gleich verteilt, und 67 Falle, wo Tuberkelbazillen > Perl¬ 
suchtbazillen waren. In 47 Fallen schien eine reine Perlsuchtbazillen- 
infektion vorzuliegen, 22 Falle prasentierten sich mikroskopisch als reine 
Tuberkelbazilleninfektionen. Hetsch (Metz). 

Le Baron, Improved carbolic fuchsin stain for tubercle 
bacillus. (Journ. of the Americ. med. Ass. Yol. XLIX. 1907. No. 25.) 

Gesattigte Liisung von Fuchsin in Methylalkohol, versetzt mit 5% 
Phenol, farbt Tuberkelbazillen in 4—5 Minuten ohne Erhitzung. — Vor- 
herige Fixierung der Priiparate iiber der Flamme ist unnotig (Alkohol in 
der Farbe), gibt aber doch bei manchen Sputis bessere Priiparate. — 


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I'arbemethoden der Tuberkaloseerreger. 


73 


Grnndliche Auswaschung in Wasser, Entffirbung in verdfinnter Salpeter- 
saure and 60proz. Alkohol, gewohnliche Kontrastfarbung. 

, Boueek (Prag). 

liehaelides, Ueber eine durch die Ziehlf&rbung nicht dar- 
stellbare Form des Tuberkelbazillus. (Beitrage zur Klinik 
der Tuberknlose. Bd. 8. 1907. p. 79—84.) 

In der sehr allgemein gehaltenen Arbeit bringt Verf. nichts neues 
von Bedeutung. Es ist ihm gelungen mit Hilfe der Loffler- 
Giemsaschen Methode die nach Ziehl nicht farbbare Form des 
Tuberkelbazillus meistens sichtbar zu machen. Man vermifit eine genaue 
Angabe der Yersuchsanordnnng, sowie die Mitteilung, ob es sich bei 
den Yersuchen um den menschlichen Oder Rindertnberkelbazillus handelt. 

Ziegler (Heidehaus-Hannover). 

Inch, Ueber die granulare nach Ziehl nicht farbbare 
Form des Tnberkulosevirns. (Beitrage zur Klinik der Tuber- 
kulose. Bd. 8. 1907. Heft 1. S. 85—99.) 

Es ist eine auffallende Tatsache, dad in Perlknoten tuberkuloser 
Kinder oft trotz sorgfaltiger Untersuchung mittels der Ziehlschen 
Farbemethode keine Tuberkelbazillen gefunden werden, ebenso wie bei 
den sugeuannten kalten Abszessen des Menschen. Aehnlich auffallend 
i>t eine hauhg im Behringschen Institut gemackte Beobachtung, daB 
bei tuberkulusen Meerschweinchen trotz gleicher Vorbehandlung und trotz 
abnlicher pathologischer Befunde bei der Sektion in den tuberkulosen 
Yeranderungen bald nach Ziehl farbbare Tuberkelbazillen, bald keine 
gefunden werden. Besonders die zuletzt erwahnten Beobachtungen 
waren die Yeranlassung zu vergleichenden Farbeversuchen mit den 
Methoden nach Ehrlich, Gram und Ziehl-Neelsen. Zwischen der 
Ehrlichschen und Ziehlschen Methode konnten keine Unterschiede* 
gefunden werden. Dagegen fiel es auf, daB mit Hilfe der Gramschen 
Methode verschiedentlich eine grofle Menge Tuberkelbazillen sichtbar ge- 
macht wurden, wenn die Ziehlsche Methode nur yerschwindend wenig 
Bazillen farbte. In diesen nach Gram gefarbten Praparaten fiel auf, 
daii neben Stabchen auch kleine, bald einzeln, bald zu mehreren ge- 
lairerte Komchen lagen, oft in Stabchenform angeordnet, oft auch staub- 
arti^r. aber immer in demselben Farbenton wie die Bazillen. 

Diese nicht nach Ziehl farbbare Form des Tuberkelbazillus hat 
Yerf. zum Gegenstand seiner Beobachtung gemacht. 

Zur Yerwendung kamen 3 modifizierte Gram methoden. 

1. Anilinwassergentianariolett, Lugolsche Losung, Entfarben in 
Alkohol abs. und Nelkenbl = Gram methode I. 

2. Methylviolett B.N. 10 ccm gesattigte alkoholische Losung in 
100 ccm 2proz. Karbolwasser (Aufkochen fiber der Flamme oder 
24—4H Stunden bei 37°), Jodjodkaliumlosung 1—5 Minuten, 5proz. 
.Salpetersaure 1 Minute, 3proz. Salzsfiure 10 Sekunden, Azeton-Alkohol aa 
= Krammethode H. 

3. Methylviolett B.N. Lfisung wie oben (Aufkochen oder lfingere 
Zeit bei 37°), Jodkaliumwasserstoffsuperoxydlosung (5 g Jodkalium, 
100 ccm 2proz. H,0,) bis 2 Minuten Alkohol abs. = Grammethode HI. 

Ein Kalb mit 1 j w mg rindvirulenter Tuberkelbazillen infiziert ge- 


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74 


Farbemethoden der Tuberkuloseerreger. 


langte zur Sektion. Die Lungen waren mit grauen Miliartuberkeln 
iibersat. In mehr als 50 Ausstriehpraparaten aus diesen tuberkulosen 
Veranderungen wurden nacb Ziehl keine # Tuberkelbazillen gefunden, 
auch mit der Grammethode 2 wurden keine Bazillen sichtbar gemacht. 

Histologiscber Befund: Massenhafte Tuberkel mit vorwiegend epi- 
theloiden Zellen; wenig Riesenzellen, wenig Verkasung, geringes fibri- 
noses Gewebe. 50 Paraffinschnitte wurden nach Ziehl gefarbt, ohne 
dafi Tuberkelbazillen gefunden wurden. Ebenso blieb einstundige Ein- 
wirkung von Anilinwassergentianaviolett (Methode I) ohne Erfolg. 
Mehrere Schnitte wurden 24 Stunden in Anilinwassergentianaviolett 
gefarbt und 5—10 Minuten mit Jodjodkali behandelt. Sie boten 
folgendes Bild: 

Im Inhalt -der Bronchiallumina, die in der Mitte eines Tuberkels 
Oder einer infiltrierten Umgebung liegen, finden sich vereinzelt feine 
Stabchen, auch mehrere Kornchen in Stabcheuform angeordnet; im Ge- 
sichtsfeld ca. 5—7 Stabchen. In den subpleuralen Tuberkeln nur selten 
1 Stabchen. 

Eine dritte Serie wird 2 X 24 Stunden in der Farblosung gelassen, 
5—10 Minuten mit Jodjodkali behandelt. Die subpleuralen Tuberkel 
sind jetzt iibersat mit feinen Stabchen bis 200 in einem Gesichtsfeld, 
haufig in Zellen. In den mehr ira Lungeninnern gelagerten Tnberkeln 
ebenfalls reichlich feine Stabchen. neben ihnen auch feinste Granula, 
die teilweise in Stabchenform, teilweise zu zweien, teilweise unregel- 
mafiig zusammenliegen. Im Inhalt der Bronchiolenlumina ebenfalls 
reichlich Stabchen und Kornchen. Eine Vorliebe fiir interzellulare 
Lagerung ist deutlich. Ganz feinste staubartige Granula wurden nicht 
gefunden. Die beiden anderen Methoden lieferten dieselben Bilder, 
zeichneten sich nur durch die schnellere Entfarbung aus. Kontrast- 
.f&rbung wurde vermieden. 

Diese Beobachtungen wurden ergiinzt durch folgenden Yersuch: 

Stiicke der kranken Lunge wurden auf Serumrohrchen gebracht 
und bei 37° aufgehoben. An jedem Tag wurde ein Rohrchen genommen 
und das darin enthaltene Lungenstiickchen in Ausstriehpraparaten 
nach Ziehl und Gram gefarbt. 


Die Resultate waren folgende: 


Nach 1 Tag bei 37 0 
» 2 Tagen „ „ 

9 

n u h n n 

4 

n * ?> n n 

» ® >? n r> 

n ® n n n 


nach Ziehl 0, nach Gram 0; 

0 0 - 
» n w n ^ i 

„ „ 0, „ „ feine Granula und 

feine Stabchen (je 3 und 4 im Gesichtsfeld); 
nach Ziehl 0, nach Gram feine Granula (50 bis 

100 im Gesichtsfeld); 
nach Ziehl 0, nach Gram Gesichtsfeld iibersat 

mit feinen Stabchen; 
nach Ziehl sehr viel saurefeste Stabchen, nach 
Gram sehr viele Stabchen im Gesichtsfeld. 


Meerschweinchen mit linsengrofien Stucken dieser tuberkulosen 
Lunge inflziert starben nach 8 Wochen an ausgedelmter Tuberkulose. 
Ferner wurden aus den tuberkulosen Partien der Lunge Tuberkel¬ 
bazillen in Reinkulturen geziichtet. 


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FSrbeDiethoden der Tnberkuloseerreger. 75 

V erf. kontrollierte diese Versuche an 3 tuberkulos gemachten Schafen 
und erhielt dieselben Resultate. 

Ferner gelangte Eiter aus einem kalten Abszefi eines tuberkulosen 
Madchens zur Untersnchung. Nach Ziehl keine Tnberkelbazillen. 
Fin Meerschweinchen, mit 0,5 g Eiter infiziert, starb nach 10 Wochen an 
Tuberkulose. In den tuberkulosen Organen warden nach Ziehl farb- 
bare Tnberkelbazillen gefunden. 

Nach 24 stiindiger Farbung mit Methylviolettlosung usw. warden in 
dem Eiter feinste Granola sichtbar, die hanfig in den Eesten zerfallenden 
Zellprotoplasmas lagen. 

Die Untersnchung eines zweiten kalten Abszesses ergab sehr schone 
Bilder. Nach Ziehl keine Tnberkelbazillen. Schon nach der einfachen 
Grammethode (Erhitzen iiber der Flamme) fanden sich eine Unmenge 
feinster Granola. 

In Kontrollpraparaten von Eiter, der durch Einbringen von Fremd- 
kurpern in das Unterhantbindegewebe von Meerschweinchen gewonnen 
wurde, fand Yerf. nie Granula. 

Ein weiterer sehr interessanter Yersnch wnrde vom Verf. angestellt. 
In je 5 ccm Perhydrasemilch wnrde von einer 14tagigen Agarkultnr 
eines RindertuberkelbaziUenstammes je 0,005 g Tnberkelbazillen gesat 
und bei 37 0 stehen gelassen. 

Ausstrichpraparate sofort nach Einsaat ergaben: 
nach Ziehl viele sanrefeste Stabchen, nach Gram viele Stabchen. 
Nach 24stiindiger Bebriitung: 

nach Ziehl wenig Stabchen, sie zerfallen in einzelne KSmchen, die 
noch in Stabchenform angeordnet bleiben; nach Gram mafiig viel 
Stabchen, viel Kornchen, teils in Stabchenform, teils einzeln. Sehr 
deutliche Annahemng an leukocytare Elemente. 

Nach 2 X 24 Stnnden: 

nach Ziehl 0, nach Gram nnr feinste Granula. Die Granula viel 
geringer und in feinerer Form. 

Zusatz von Glyzerin. Nach weiteren 2X24 Stnnden: 
nach Ziehl 0, nach Gram keine Granola mehr, aber ganz feine in 
Haufchen zusammenliegende Stabchen. — 

Die Milch erwies sich nbrigens trotz Fehlens von nach Ziehl fgrb- 
baren Tuberkelbazillen als infektios fur ein Meerschweinchen. In den 
tuberkulosen Yerandernngen des letzteren wurden wiederum nach 
Ziehl Hirbbare Tnberkelbazillen gefunden. — 

Verf. glaubt aus diesen Versuchen entnehmen zn konnen: 

1. Es gibt eine nach Ziehl nicht darstellbare granolare Form des 
Tnberknlosevirus. 

2. Diese grannlSre Form ist virulent. 

3. Sie kann in tuberkulosen Organen vorkommen als einzig f&rbe- 
risch nachweisbare Manifestation des Tuberkel verursachenden Agens. 

4. Sie kann auch vergesellschaftet sein mit einer feinen Stabchen¬ 
form, die ebenfalls nicht nach Ziehl darstellbar ist. 

5. Es gibt Uebergange von der nor nach Gram farbbaren Granula- 
form zu der feinen, auch nor nach Gram farbbaren Stabchenform und 
weiter zu den auch nach Ziehl farbbaren Stabchen (ond Kornchen). 


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FSrbemethoden der Tuberkuloseerreger. 


Zum SchluB maclit Verf. darauf aufmerksara, dafi es sich, abgesehen 
von den Versuchen mit Abszessen, bei alien erwahnten Experimenten 
um rindsvirulente Tuberkeln handelt. 

Es scheint wahrscheinlich, daB nach Ziehl andere Substanzen des 
Tuberkels gefarbt werden, als nach Gram. Daher erhalt man nach 
Gram noch ein positives Resultat, wo die nach Ziehl farbbare Substanz 
dem Yirns fehlt. Ziegler (Heidehaus-Hannover). 

Much, Ueber die nicht saurefesten Formen des Kochschen 
Tuberkelbazillus. (Beitrage zur Klinik der Tuberkulose. Bd. 8. 
1907. H. 4. S. 357—368.) 

Nachdem Verf. noch einmal auf die SchluBsatze aus seiner ersten 
Arbeit iiber die nach Ziehl nicht farbbare Form des Tuberkelbazillus 
hingewiesen hat, kommt er zur Besprechung dreier Falle menschlicher 
Tuberkulose, die zur Untersuchung gelangten. 

Fall I. Kniegelenkseiter. Nach Ziehl wurden keine Tb. ge- 
funden. Danach wurde mit Grammethode I 24 Stunden bei Zimmer- 
temperatur gefarbt. 

Man sieht in den Praparaten einzelne Kornchen, die hintereinander 
gelagert sind, derart, daB die Stabchenform schattenhaft angedeutet ist, 
und nie mehr als 5 Kornchen zu einem Stabchen gehoren. Aus diesem 
Befund wurde auf Tuberkulose gesclilossen. Zur Probe wurde ein 
Meerschweinchen intraperitoneal mit etwas Eiter infiziert. Nach 2X24 
Stunden zeigte das Peritonealexsudat viele nach Gram, vereinzelte nach 
Ziehl farbbare Tb. Das Tier wurde nach 6 Wochen getotet, es zeigte 
sich ausgebreitete Tuberkulose. 

Fall II. Halsdrusentuberkulose. 

Eine verkaste Halslymphdriise gelangte zur Untersuchung. Nach 
Ziehl keine Tb. Nach Gram Methode I fand man in den nicht ver- 
kasten Partien in Stabchenform angeordnete Ganulareihen, daneben 
feine Stabchen. In den Kaseherden waren nur feine Granula sichtbar. 
Ein mit dem Eiter intraperitoneal infiziertes Meerschweinchen ergab 
denselben Befund wie oben. Nach 3 X 24 Stunden enthielt das Peri¬ 
tonealexsudat nach Ziehl farbbare Stabchen. 

Ein 3. Fall (Milztuberkulose bei bestehender Lungentuberkulose) 
wurde ebenfalls nach Gram Methode I gefarbt. Es wurden wenig 
gramfeste Kbrnerreihen und einzeln liegende Granula sichtbar. Nach 
Ziehl = 0. 

Verf. stellt sich den Entwicklungsgang des Tuberkelbazillus folgen- 
dermaBen vor: Im verkasten tuberkulosen Gewebe Oder im tuberkulosen 
Eiter wird die Saurefestigkeit des Tb. infolge der mehr oder weniger 
abgeschnittenen Ernahrung beeintrachtigt. Er zerfallt in die nur nach 
Gram farbbaren Kornerreihen und Korner. Gelangen diese in die 
Zirkulation oder in gesundes Gewebe, so entwickeln sich aus ihnen 
die feinen nur nach Gram farbbaren Stabchen. Letztere impragnieren 
sich alsdann mit einer Fettsauresubstanz und werden dadurch saurefest, 
um dann als solche weiter zu bestehen oder wieder in die granulare 
Form zu zerfallen. 

Mit den Spenglerschen „Splittem“ haben die von Much be- 
schriebenen Formen nichts zu tun, schon deshalb nicht, weil jene nach 
Ziehl darstellbar sind. 


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F&rbemethoden der Tuberkuloseerreger. 


77 


Verf. fuhrt noch einen Versuch an, den er mit Marcks am 
Behringschen Institnt zusammen gemacht hat. 

In Perhvdrasemilch zweier Kiihe wurde 0,001 g verschiedener 
Tuberkelbazillenkulturen pro 5 ccm einges&t. Und zwar hatte man 
1 Stamm Menschentuberkelbazillus, 

1 „ Arloingschen Bazillns, 

2 Stamme Rindertuberkelbazillen 
gewahlt. 

Untersucht wurde nach 2 X 24 Stnnden und nach 4 X 24 Stunden 
mit folgendem Resultat: 

Nach 2 X 24 Stunden 
Menschenbazillus: 

Kuh 138 nach Ziehl reichliche Stabchen, 

„ Gram ebenso; 

Kuh 92 „ Ziehl ebenso, 

„ Gram auflerdem viel Granula. 

Arloingscher Bazillus: 

Kuh 138 nach Ziehl reichliche Stabchen, 

„ Gram reichliche Stabchen, einzelne Kornchen; 
Kuh 92 „ Ziehl reichliche Stabchen, 

„ Gram auBerdem noch viel Kornerreihen. 
Rindertnberkelbazillus: 

Kuh 138 nach Ziehl m&Big viel Stabchen, 

„ Gram m&flig viel Stabchen und Kornchen; 
Kuh 92 „ Ziehl ganz wenig atypisch gefarbte Stabchen, 

„ Gram viele Kornchen, daneben Haufen 
destruierter Bazillen. 

Rindertnberkelbazillus: 

Kuh 138 nach Ziehl wenig Stabchen, 

„ Gram viel Kornchen in Haufen liegend 
(Schatten Oder Stabchen erkennbar); 
Kuh 92 „ Ziehl 0, 

„ Gram viel Kornchen, wenig Stabchen. 
Erganzt wird diese Tabelle noch durch Praparate nach 4 X 24- 
stundigem Warten. Die Resultate sind ahnlich. Es besteht also ein 
auBerordentlich verschiedenes Verhalten der Tb.-Stamme nach ihrer 
Abkunft und der Art der Milch, in die sie geimpft waren. 

Zum SchluJB prazisiert Verf. seine Ansicht uber die Resultate seiner 
Beobachtung: 

„So kann der Kochsche Tuberkelbazillus unter Umstanden drei 
verschiedene Entwicklungsstadien haben und auftreten als 

1. saurefester Bazillus, 

2. nicht saurefester Bazillus, 

3. granulare Form. 

Die beiden letzten Formen sind einstweilen nur nach Gram dar- 
stellbar. Ziegler (Heidehaus-Hannover). 

Treuholtz, C. A., Forms of Tubercle bacilli which cannot be 
colored by Ziehl-Neelsen stain. (MedicalRecord. Vol.73.1908. 
No. 2. p. 60—61.) 


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Tuberkulose, Bekaudlung und Bekampfung. 


Verf. bestatigt im groBen und ganzen die von Much und Michae- 
lides gemachten Erfalirungen iiber die nach Ziehl nicht farbbaren 
Formen des Tuberkulosevirus. Er hat in der Milz von Meerschwein- 
chen, die mit Bazillen des Typus humanus geimpft waren, die granulare 
Form des Tuberkelbazillus und ebenso nach Ziehl nicht farbbare Stab- 
chen durch die von Much angegebene modifizierte Gram sche Farbung 
darstellen konnen. Brachte er Milzstiickchen, in denen keine Oder nur 
ganz vereinzelt nach Ziehl farbbare Tuberkelbazillen nachweisbar 
waren, 4 Tage lang in den Brutschrank, so konnten jetzt zahlreiche 
nach Ziehl farbbare Stiibchen gefunden werden. Auch in tuberkulosen 
menschlichen Organen und in Reinkulturen von Tuberkelbazillen fand 
Verf. die nach Ziehl nicht farbbaren Formen des Tuberkelbazillus. 

Kersten (Berlin). 

Herman, Martin, Sur la coloration du bacille tuberculeux. 

(Annal. de l’inst. Pasteur. T. XXH. 1908. p. 92.) 

Verf. bestatigt die Angaben von Much. Noch geeigneter als die 
von Much angegebene modifizierte Gramfarbung ist jedoch zur Dar- 
stellung der nach Ziehl nicht farbbaren Stadien des Tuberkelbazillus 
nach seinen Erfahrungen ein Fiirbeverfahren mit Ammonium-Karbonat- 
Kristallviolettlosung, das Verf. schon frulier (vgl. Annal. de l’inst. Pasteur. 
T. III. 1889. p. 160) empfohlen hat. Weber (Gr.-Lichterfelde). 


Schutzimpfung, kunstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 


Weigert, Ueber den EinfluB der Ernahrung auf die Tuber¬ 
kulose. (Berl. klin. W T ochenschr. 1907. No. 38.) 

Verf. impfte Ferkel von 6—10 Wochen mit Rindertuberkulose unter 
die Haut des Riickens. 

Die Resultate von 10 Tieren sind zu verwerten gewesen, von denen 
die eine Halfte mit Fett und die andere Halfte mit Kohlehydraten ge- 
mastet wurde. 

Die Resultate waren die, daB die Mastung beiderlei Art den Ver- 
lauf der Tuberkulose nicht aufzuhalten vermochte. Doch war die Mast 
mit Kohlehydraten der mit Fett gegeniiber zweifellos minderwertig. 

W. v. Brunn (Rostock). 

Stiles, The three-class (Freibank) meat system as an aid 
in eradicating tuberculosis. (Journ. of the Americ. med. Ass. 
Vol. XLIX. 1907. No. 18.) 

Empfehlung der in den U. S. bisher nicht existierenden Freibanke 
nach dem System Deutschlands, insbesondere als Kampfmittel gegen 
Rindertuberkulose. — In gewissen Staaten der U. S. existieren Gesetze, 
nach denen alle tuberkulosen Rinder unschadlich beseitigt werden 
miissen. Boucek (Prag). 


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Tuberkulose, Behandlung und Bekampfung. 


79 


Widtmann, Paul, Die Organisation einer systematischen 
Bekampfung des Lupus — eine soziale Notwendigkeit. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 467.) 

W. verlangt im AnschluB an die eingehend geschilderte planmaBige 
Bekampfung des Lupus in Danemark und Oesterreich auch fur Deutsch¬ 
land einmal die Beschaffung der notigen Geldmittel, die Einweisung der 
Kranken an Lupusheilanstalten, endlich eine wirksame Propaganda, die 
insbesondere aut die fruhzeitige Erkennung und Behandlung hinweisen 
soil. Abbildungen und Krankengeschichten bestrahlter Falle. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Jessen, F., Zur Bekampfung der Tuberkulose. (Miinch. med. 
Wochenschr. 1908. S. 236.) 

An alien Universitaten sollen fiir die Studierenden der Heilkunde, 
in alien Grofistadten fiir die praktischen Aerzte, in alien Kreisstadten 
fiir die zum Bezirk gehorenden Aerzte Sonderkurse fiber die frfihzeitige 
Erkennung und die feineren Verhaltnisse im Verlaufe der Lungen- 
schwindsucht, fiber die AeuBerungen der latenten Tuberkulose von Sach- 
verstandigen gehalten werden. 

Die Tuberkulose ist unter die anzeigepflichtigen Krankheiten ein- 
zureihen. Jeder Fall von offener Tuberkulose irgendwelcher Art, auch 
ohne Bazillenbefund, ist zu melden. Vollige Offenheit gegenfiber der 
Tuberkulose ist erforderlich. Bei jedem Wohnungswechsel eines Tuber- 
kuldsen muB desinfiziert werden. Georg Schmidt (Berlin). 

Xltalnikoff, S. J., Contribution k l’6tude de l’immunite 
contre l’infection tuberculeuse. (Deuxi&ne m§moire.) (Arch, 
des sciences biol. de St. Petersbourg. T. 13. 1907. p. 169.) 

Der Verf. hat seine Studien fiber die Immunitat der Bienenmotte 
gegenuber der tuberkulosen Infektion, die z. T. in demselben Archiv T. 12, 
z. T. im Centralbl. f. Bakt. 1906 publiziert sind, fortgesetzt und kommt 
zu dem ScbluB, daB die Raupe der Bienenmotte sowohl gegen die 
Warmblfitertuberkulose als auch gegen die Fischtuber- 
kulose eine nattirliche Resistenz besitzt. Die betr. Bakterien 
werden bei subkutaner Einverleibung mittels Phagocytose von der Raupe 
verdaut. Emulsionen der Wachssubstanz dieser Bakterien (Aether-, 
Alkohol-. Benzolextrakte) werden ebenfalls mit Hilfe von Phagocyten im 
Kdrper der Raupe assimiliert. Im Darm der Raupe findet eine 
Verdanung verftitterter Tuberkelbazillen nicht statt. 

Es handelt sich also nach Ansicht des Yerf. urn eine Immunitat, 
die auf der Wirkung eines im Blut der Raupe vorhandenen 
wachsspaltenden Fermentes beruht. Dadurch werden die 
Tuberkelbazillen so vorbereitet, daB sie von den Phagocyten verdaut 
werden kiinnen. 

Die verdauende „bakteriolytische“ Fahigkeit des Raupenblutes laBt 
sich auch im Reagenzglas deraonstrieren, indem die Tuberkelbazillen zu 
licktbrechenden glanzenden Kfigelchen umgewandelt werden. Bei der 
Erwarmung auf 79° (V 2 Stunde) verschwindet diese Eigenschaft des 
Raupenblutes. 

Auf Grand dieser Feststellungen wurde dann der Versuch gemacht, 
tuberkulds infizierte Meerschweinchen durch Einspritzung von Raupen- 


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80 


Tuberkulinbehandlung der Tuberkulose. 


blut zu heilen, bzw. passiv zu inmmnisieren. Ferner wurde versucht, 
Heerscliweinchen durcli VorbehandJung mit Tuberkelbazillenfetten aktiv 
gegen Tuberkulose zu iramunisieren. Die Erfolge waren zwar nicht 
ganz befriedigend, indes ermutigen sie zur Fortsetzung der Versuche, 
uber deren weiteren Verlauf bericlitet werden wird. 

Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Ruppel, W. G., Die iHerstellung des ,.Neuen Tuberkulins** 
(Tuberkulin T. R.). (Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 185.) 

Ueber das T. R., seine Herstellung und Bemessung, namentlich aber 
daruber, welche Mengen fester Substanz in 1 ccm dieses Erzeugnisses 
enthalten sind, bestehen Irrtiimer. R. schildert deshalb die Entstehung 
des Alttnberkulins, des T. 0. und T. R., dessen Herstelluugsverfahren, 
Abmessung, Zuricbtung der Verdunnungen fur die Einspritzung. Kochs 
Angabe, dafi die Fliissigkeit (T. R.) im ccm 10 mg fester Substanz ent- 
halte, ist nur so zu verstehen, dafi 1 ccm die wirksame, d. h. immuni- 
sierende Substanz yon 10 mg getrockneten Tuberkelbazillen enthalt. 
Das Erzeugnis ist von den Hochster Farbwerken von Anbeginn bis 
jetzt in stets gleichbleibender Starke und somit von gleichbleibender 
Wirkung abgegeben worden. Georg Schmidt (Berlin). 

Citron, Ueber Tuberkuloseantikorper und das Wesen der 
Tuberkulinreaktion. (Berl. klin.Wochenschr. 1907. No. 36.) 

Die Yersuche des Yerf.s sind im Institut fur Infektionskrankheiten 
angestellt worden und hatten folgende Ergebnisse: 

Im Organismus von Meerscbweinchen entstehen unter dem Einflusse 
der tuberkulosen Infektion Antikorper, die eine Affinitat zum gelosten 
Tuberkelbazillenantigen besitzen. Doch ist das Yorkommen dieser Anti¬ 
korper kein regelmafiiges. 

Auch beim tuberkulosen Menschen kommen gelegentlich im Serum 
Tuberkuloseambozeptoren vor, wie an 2 Fallen erwiesen werden konnte. 

Ferner gelang es an 21 tuberkulosen Patienten, die mit Tuberkulin 
behandelt wurden und nach anfanglichen Reaktionen reaktionslos wurden, 
den Beweis zu fiihren, dafi sie im Serum Antituberkulin hatten. 

Die Griinde, weshalb bei einigen tuberkulosen Patienten — bei 
fehlender Tuberkulinbehandlung — sich Antituberkulin findet, bei 
anderen nicht, sind noch unbekannt. 

Grofiere Antituberkulinmengen im Serum heben die Tuberkulin- 
reaktionsfahigkeit des Individuums auf. Das Tuberkulin muB, wenn es 
zur Wirkung kommen soil, aus dem Blut in das tuberkulose Gewebe 
aufgenommen werden. 

Unter dem Einflusse von Tuberkelbazillenpraparaten tritt eine Neu- 
bildung von Agglutininen, Ambozeptoren und Opsoninen ein. 

Bei der therapeutischen Anwendung des Tuberkulins ist die All- 
gemeinreaktion etwas Ueberflussiges, die lokale Reaktion notwendig; 
die Dosierung mufi so geschehen, dafi lokale Reaktion erreicht, allge- 
meine Reaktion vermieden wird. W\ v. B r u n n (Rostock). 

Hilbert, P., Ueber neuere Heilmittel gegen Lungentuber- 
k u 1 o s e. (Deutsche med. Wochenschr. 1907. S. 2076.) 

In eine Uebersicht uber die spezifischen und nichtspezifischen 


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Tuberkulinbehandhmg der Tuberkulose. 


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neueren Heilmittel bei Lungentuberkulose flicht H. eigene Ratschlage 
nnd Erfahrungen ein. Bei der Bemessung der Gaben an Tuberkulin, 
fines auBerordentlich differenten Mittels, ist groJJte Vorsicht geboten. 
Von 200 in den letzten 3 Jahren zu diagnostischen Zwecken mit Alt- 
tuberkulin-Koch gespritzten sicheren Fallen reagierten alle bis auf 
einen: es wird mit 0,0005 begonnen nnd rasch gestiegen. Bei mit 
Tuberkulin behandelten Kranken war das Ergebnis von 24 v. H. besser 
als bei den Nichtbehandelten. Schadliche Nebenwirkungen lassen sich 
(lurch vorsichtige Gaben und geeignete Auswahl der Falle auf ein so 
geringes MaB herabsetzen, daB daraus eine Gegenanzeige gegen die 
Anwendung des Tuberkulins nicht abgeleitet werden kann. — Bei 
einigen wenigen Versuchen erwies sich Tuberkuloalbumin (Tuberal) 
nicht als wirksam. Bei ziemlich zahlreichen Nachpiiifungen der 
Landererschen Zimtsaurebehandlung, deren Technik leicht zu erlernen 
ist. wurde niemals eine Schadigung, aber auch kein ausgesprochen 
giinstiger Erfolg beobachtet. — Das Fieber der Schwindsuchtigen wurde 
mit 0,25 Maretin sicher und ohne unangenehme Nebenwirkung herab- 
gedruckt. Georg Schmidt (Berlin). 

firaemer, Zur Tuberkulinnachbehandlung der chirurgi- 
schen Tuberkulose. (Med. Klinik. 1908. N. 4. S. 128.) 

Personen, welche an chirurgischer Tuberkulose gelitten haben, sind 
auch nach erfolgreicher Operation mit Tuberkulin zu prufen und er- 
lurderlichenfalls bis zur volligen Heilung weiter zu behandeln. Bei 
diesen Kranken sitzt der Ursprungsherd zumeist in den Bronchialdriisen, 
bleibt auch nach der Operation im Korper zuriick und veranlaBt spatere 
Kezidive. Die Aussichten auf Dauerheilung derartig latenter Tuber- 
kulosen mit Hilfe des Tuberkulins sind gunstig. 

H a e n d e 1 (Gr.-Lichterfelde). 

Raw, Nathan, The treatment of tuberculosis by different 
kinds of tuberculin. (Tuberculosis. Vol. 7. 1908. No. 4. S. 130.) 

Raw ist Anhhnger der Typentrennung. Ueber die Wirkung der 
2 Bazillentypen auf den menschlichen Korper stellt er folgende Theorie 
auf. fur die er jedoch „vorlaufig“ (provisionally) noch keinen Beweis 
erbringen kann: Die Tuberkelbazillen vom Typus humanus sind die 
Erreger der Lungenphthise, der Darmgeschwiire und der tuberkulosen 
Laryngitis. Die Tuberkelbazillen vom Typus bovinus erzeugen die tuber- 
kuliise Peritonitis, Tuberkulose der Lymphdrtisen, der Gelenke, die 
tuberkulose Meningitis und den Lupus. Nach seiner Meinung ist auch 
die akute Miliartuberkulose bovinen Ursprungs. Yon dieser kuhnen 
Hypothese ausgehend glaubt Raw, daB beide Bazillentypen im mensch¬ 
lichen Korper anwesend sein konnen, und daB sie einander entgegen- 
wirken. Er behandelt deshalb die Erkrankungen, die nach seiner An¬ 
si r-ht auf einer Infektion mit dem Typus humanus beruhen, mit Perl- 
such ttuberkulin, die „Bovinus“-Infektionen mit humanem Tuberkulin. 
So hat er 18 Falle von beginnender Lungentuberkulose mit Perlsucht- 
tuberkulin behandelt und dabei angeblich sehr zufriedenstellende Erfolge 
evzielt. Andererseits waren unter 104 Fallen von chirurgischer Tuber¬ 
kulose, tuberkuloser Meningitis und von Lupus, die mit menschlichem 

Erste Abt. Refer. Bd. XLII. No. 1/8. 6 


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Tuberkuliubehandlung der Tuberkulose. 


Tuberkulin (Kochs Tuberkulin R) beliandelt wurden, nur vereinzelte, 
bei denen der Erfolg nicht eintrat oder die Heilung nicht standhielt. 

(Die Rawsche Theorie, dafi die Lymphdriisen-, die Gelenktuber- 
kulosen, und der Lupus auf einer Infektion mit Bazillen des Typus 
bovinus beruhen, hat sich, soweit bis jetzt aus der Literatur bekannt 
ist, in einwandfreier Weise nur in einem kleinen Bruchteil der unter- 
suchten Falle bestatigen lassen. Die Mehrzahl dieser Erkrankungen 
waren durch humane Bazillen hervorgerufen. Ref.) 

Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 

Hollos und Eisenstein, Die tuberkuldse Aetiologie der Dys¬ 
menorrhoe und ihre Behandlung mit Spenglers Tuber- 
kulinpraparaten. (Gynakol. Rundschau. 1907. No. 23. p. 901.) 

Die giinstige Beeinflussung der Dysmenorrhoe eines 17jahrigen. 
hereditar belasteten, zurzeit aber keine tuberkulosen Symptorae dar- 
bietenden Madchen durch die Spenglerschen Tuberkulininjektionen, 
welche aber eine ausgesprochene lokale Reaktion hervorriefen, und die 
gleich giinstigen Erfolge bei Dysmenorrhoen von 10 tuberkulosen Frauen 
la lit die Verf. den m. E. sehr voreiligen Schlufl ziehen, dafi diese Dys¬ 
menorrhoen. wie auch „ein Teil der nicht spezifischen chronischen Endo- 
metritiden“ toxisch-tuberkuloser Natur seien, ,,unter Umstanden auch 
durch Vermittlung nervoser Apparate" verursacht seien, und dall „eine 
derartige Behandlung der Dysmenorrhoe moglicherweise eine nicht 
geringe praktische Bedeutung" hatte. Vallmer (Hannover). 

Mac Gowan , The therapeutics of tuberculosis of the skin. 
(Jonrn. of the Americ. medic. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 9.) 

Kritische Besprechung der Behandlungsmethoden der Hauttuber- 
kulose. B o u C e k (Prag). 

Bartel u. Neumann, Experimentaluntersuchungen uber den 
Einflufi von organischen Substanzen auf den Gang der 
Tuberkuloseinfektion beim Meerscliweiuchen. (Wiener 
klin. "Wochenschr. 1907. No. 43—44.) 

Die Autoren priiften die Wirkung verschiedener Organsafte auf mit 
grollen Dosen menschlicher Tuberkelbazillen infizierte Meerschweinchen 
in therapeutischer Hinsicht. Es ergab sich, daB der Organzelle resp. 
ihren Produkten eine hohe Bedeutung fiir den Entwicklungsgang einer 
Tuberkuloseinfektion zukommt, und zwar in einem denselben giinstig 
beeinflussenden Sinne. Speziell konnte eine solche giinstige Wirkung 
bei Anwendung nativer Organstoffe erzielt werden. Ob diese Eigen- 
schaft den Organen gegen Tuberkulose „vaccinierter“ Tiere in hoherem 
Made eigen ist, konnte mit Sicherheit bisher nicht entschieden 
werden. Eine besonders giinstige Wirkung auf den Infektionsgang 
entfalteten Filtrate von Organstolfdekokten, die langere Zeit bei 37 0 C 
mit virulenten Tuberkelbazillen vermischt gehalten wurden. Fiir den 
Erfolg einer solchen Beeinflussung des tuberkulosen Prozesses sind an- 
scheinend mehrere Momente von Bedeutung. Einmal ist es die Art der 
Infektion (Kulturinfektion einerseits, Infektion mit Tuberkelbazillen, die 
langere Zeit dem Einflusse organischer Stoffe bei 37 0 C ausgesetzt 


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Serumbehandlung der Tuberkulose. 


83 


waren. andererseits), ferner anscheinend auch das Alter der Filtratstoffe 
nnd auch die Zeitdauer der Einwjrkung der Organdekokte auf die 
Tuberkelbazillen, vor Herstellung der Filtratstoffe. Nicht unwesentlich 
sc’neint ferner ein Wechsel der Filtratstoffe aus Organen verschiedener 
Tierspezies zu sein. Der seinerzeit yon Bartel auf Grand von Tier- 
experimenten ausgesprochene Gedanke einer Organtherapie der Tuber- 
knlo.se scheint nach diesen Ergebnissen nicht unberechtigt. Weitere 
Versuche nach dieser Richtung sind geplant. Hetsch (Metz). 

Wohlberg, Ueber Versuche mit dem Antituberkuloseserum 
Marmorek. (Berl. klin. Wochenschr. 1907. No. 46.) 

Yerf. hat im Seehospiz Kaiserin Friedrich 16 Patienten mit Skrofu- 
lose. Drlisen-, Knochen-, Gelenktuberkulose, Lupus und einen mit Lungen- 
und Kehlkopftuberkulose der Serumbehandlung unterzogen. 

Wahrend bei den anderen Patienten eine deutliche Wirkung nicht 
zn verzeichnen war, war der Erfolg bei der Skrofulose und Driisen- 
tuberkulose ein guter. W. y. Brunn (Rostock). 

Elsaesser, Max, Ueber die Behandlung der Tuberkulose mit 
Marmorekserum und Neutuberkulin (Bazillenemulsion) 
nebst einigen Ausblicken in die Zukunft der Tuber- 
kulosebekampfung. (Deutsche med. Wochenschr. 1907. S. 2125.) 

E. behandelte 25 Lungenschwindsiichtige mit Marmorekserum, 13 
von ilmen entweder vorher Oder nachher auch mit Neutuberkulin, unter 
genauer Beachtung des Krankheitsverlaufes, mit regelmaBiger Prufung 
des Korpergewichtes und vierstiindlichen W&rmemessungen (Kranken- 
geschichten). 353 Kranke wurden mit Neutuberkulin gespritzt. 

Nur in einem Falle konnte mit einiger Wahrscheinlichkeit dem 
Marmorekserum ein Erfolg zugeschrieben werden. 

Der Tuberkulinkur wird der Vorzug gegeben. Manche der bisher 
bekannt gegebenen Erfolge des Marmorekserums, besonders bei eitern- 
den Fisteln, sind dem Gehalte des „Serum double" an Streptokokken- 
antitoxinen zuzuschreiben, nicht aber dem Gehalte an Heilstoffen gegen 
die Tuberkulose. Die besten Erfolge erreicht man mit der Tuberkulin- 
kar im ersten Stadium. Die Tuberkulinbehandlung der Lungentuber- 
knlose, sowie der Drusen- und Knochentuberkulose im Kindesalter er- 
otfnet giinstige Ausblicke durch a) hausliche Behandlung mit Ausgang 
in Heilung yieler Kranker im latenten und ersten Stadium unter Zu- 
hilfenahme von guter Pflege, Liegekuren im Freien und Landaufenthalt; 
hi Spitalbehandlung der noch besserangsfahigen zweiten und dritten 
St adieu in guten Tuberkulosekrankenhausern der Stadte; c) Entlastung 
der Volksheilstatten, welche durch obige MaBnahmen in den Stand ge- 
setzt werden, eine groBere Anzahl von Leichtkranken aufzunehmen und 
die bisher so ungunstige Wartezeit zu verkiirzen; eine weitere Platz- 
verm<Tirung in den Heilstatten wird dadurch entstehen, daB dann in 
Znkunft eine kiirzere Behandlungsdauer von etwa 8—10 Wochen geniigen 
wird. wenn die Kranken schon wahrend der Wartezeit zu Hause Oder 
im Krankenhanse mit Tuberkulin vorbehandelt sind; endlich wird eine 
in alien Heilstatten eingefiihrte Tuberkulinbehandlung die Riickfalle 
vennindern und damit durch Wegfall vieler Wiederholungskuren wieder 
nen*-n Kranken leichter und rascher eine erste Kur ermoglichen; d) An- 

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Behandluug der Tuberkulo.se. Verschiedene Verfahreu. 

gliederung von Kinderstationen an die bestehenden Volksheilstatten, 
wo durch die kombinierte Behandlung in vielen Fallen dem Ausbruch 
der spateren Lnngentuberkulose vorgebeugt werden kann. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Hymans nnd Daniels, Ueber die Behandlung der Tnberkulose 
mit Marmorekschem Serum. (Berl. klin. Wochenschr. 1907. 
No. 48 u. 49.) 

Die Yerff. sind mit ihren Erfolgen in der Behandlung der Tuber- 
kulose mit Marmorekschem Serum sehr zufrieden, seit sie es rektal 
anwenden. Im Anfang bei subkutaner Applikationsweise waren die 
Resultate fast durclnveg so schlecht, dafi die Verff. von der Anwendung 
des Serums wieder ganz Abstand genommen hatten. Die iiblen Folgen 
waren nicht auf die Wirkung des Spezifikums an sich zn beziehen, 
solid era auf die oftere subkutane Injektion des Pferdeserums. 

Die Erfolge mit rektaler Applikation waren bei chirurgischer Tuber- 
kulose gute, bei Lnngentuberkulose oft nicht befriedigend. 

W. v. Brunn (Rostock). 

Romanelli, G., II potere opsonico del siero di sangue di sog- 
getti tubercolosi. (Gazzetta degli Ospedali e delle Clinidie. 1907. 
No. 108.) 

Auf Grand einer Reihe von eigenen Untersuchungen kommt Yerf. 
zu dem SchluB. dafi das opsonische Vermogen des Blutserums von 
Tuberkulosekranken von den bekannten Antikorpern des Serums ver- 
schieden ist. 

Die Korpertemperatur iibt entweder keinen Oder nur einen sehr 
geringen Einflufl aus auf das Schwanken des opsonischen Vermogens. 

In der Regel ist letzteres holier und nahert sich rnehr jenem des 
normalen Blutes bei Kranken mit wenig vorgeschrittenen Lasiouen und 
in gutem Ernahrungszustande. Niedriger ist es hingegen bei Individuen 
mit vorgeschrittenen tuberkuliisen Lasionen und schlechtem Ernahrungs¬ 
zustande. Negri (Pavia). 

Mauro, C. G., Ricerca del cloruro di sodio nelle urine 
deibambini affetti da peritonite tubercolare sottoposti 
all’uso delle iniezioni di siero fisiologico jodato. (La 
Pediatria. 1907. No. 5.) 

Verf. hat an 4 der gleichen Diat unterworfenen Kind era ungefahr 
desselben Alters bei tuberkuliiser Peritonitis Kochsalz-Jod-Seruminjek- 
tionen 2 Monate lang ohne Unterbrechung vorgenommen. 

Der Nachweis des Chlornatriums im Urin wurde vor, wahrend und 
nach der Kur vorgenommen. Dabei konnte Verf. feststellen, dall bei 
den mit Jodseruminjektionen behandelten Kindern sich reichliche 
Diurese, stark hervortretende Chlorurie, rasche Besserung des Allgemein- 
befindens und rasches Verschwinden der Ascitesfliissigkeit bemerkbar 
machte. 

Verf. kommt zum Schlusse, daU die Wirksamkeit der Jodkur bei 
tuberkuliiser Peritonitis der Kinder durch Zusatz von Kochsalz erhoht 


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Behandlung der Tuberkulose. Verschiedene Verfahren. 85 

wird. und daB bei dieser Behandlung der Organismus der kleinen 
Krankeu rasch und bestandig der Heilnng zugefuhrt wird. 

Ceradini (Mailand). 

Calabrese, A*, Osservazioni cliniche e ricerche sperimen- 
tali circa l’azione del jodo nella cura degli essudati 
tubercolari. (Rif. Med. 1907. No. 40.) 

Verf. hat das lnfektionsvermogen und das eventuelle antitoxische 
Vermogen der tuberkulosen Exsudate der einer Jodinjektionskur unter- 
worfenen Kranken eingehend studiert und hat dabei festgestellt, daB 
unter dem EinfluB des Jods das lnfektionsvermogen der Exsudate sich 
vermindert, in denselben dagegen die antitoxischen Substanzen ge- 
kraftigt werden, die nach Annahme von Prof. Maragliano von einer 
Art Autoimmunisation des Organismus selbst herriihren. 

Ceradini (Mailand). 

Stern, Jodo-formic acid in the treatment of chronic ul¬ 
cerative phthisis. (Joum. of the Americ. med. Ass. Vol. L. 1908. 
No. 5.) 

Vert berichtet uber gunstige Erfolge, die er mit folgender Be¬ 
handlung erzielte. Stammlosung: Jod im UeberschuB, 40 proz. Ameisen- 
sanre 25, Glyzerin ad 100. — Stammlosung 10, Aq. destill. 90. Davon 
10 bis 30 gtt. intramuskular injizieren. — Stammlosung 10, Glyzerin 90, 
Aq. destill. 1400. EBlotfelweise zu nehmen. BouCek (Prag). 

Kausch, Yf ., Die Resektion des ersten Rippenknorpels 
wegen beginnender Lungentuberkulose. (Deutsche med. 
Wochenschr. 1907. S. 2080.) 

Bei einer 50jahrigen, kraftigen, gut gen&hrten Frau schritt wahrend 
des Krankenhausaufenthaltes eine znnachst leichte Lungenspitzen- 
erkrankuug schnell fort. Im sp&rlichen Auswurf wurden Tuberkel- 
bazillen nicht gefunden. Die Eintraufelung von 1-, 2- und 4 proz. 
Tuberkulin ins Auge blieb zuntlchst wirkungslos. Eine Augenrotung 
irat erst zugleich mit Fieber auf Einspritzung von 0,003 Tuberkulin ein. 

Es wurde ein Stiick des verknocherten ersten Rippenknorpels auf 
der Seite der erkrankten Lungenspitze reseziert. 

3 Wochen nachher wird eine merkbare Besserung des allgemeinen 
and brtlichen Befindens festgestellt, ohne daB uber den Nutzen der 
Operation ein abschlieBendes Urteil abgegeben werden kann. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Hart, Karl, Zur Frage der chirurgischen Behandlung der 
beginnenden tuberkuldsen Lungenspitzentuberkulose. 
dliinch. med. Wochenschr. 1907. S. 2176.) 

Die Freundsche Forderung, den ersten Rippenknorpel zu re- 
sezieren, 1st unbedingt berechtigt, wenn die Tuberkulose der Lungen- 
fqdtzen bedingt ist durch Funktionshemmung auf Grund von Alters- 
veranderungen der Rippenknorpel. Hier sind nur Diabetiker von der 
Operation auszuschlieBen. Auch noch weitere Rippenknorpel sind zu 
entfernen, falls dadurch erst freie Ausatmung gewfthrleistet wird. 


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Behandlung der Tuberkulose. Yerschiedene Verfahren. 


Die Operation ist aber auch angezeigt bei beginnender Lungen- 
spitzenschwindsucht, falls diese auf einer angeborenen Formveranderung 
des oberen Einganges des Brustkorbes berulit. 

Der Kranke ist unmittelbar nach Feststellung des Lungenleidens 
dem Chirurgen zuzufiihren. Die Heilstattenbehaudlung soli erst nach 
,der Operation, nnd zwar unmittelbar nachher einsetzen. 

Vielleickt wird eine vorbeugende Operation angebraclit sein, sobald 
die Verbildung der oberen Brustkorboffnung erkeunbar geworden sein 
wird. Georg Schmidt (Berlin). 

Schmidt, Adolf, Erfahrungen mit dem kiinstlichen Pneumo¬ 
thorax bei Tuberkulose, Bronchiektasen und Aspira- 
tionskrankheiteu. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 2411.) 

Nach Forlanini soli die Seite der tuberkulos erkrankten Lunge 
langere Zeit yon der Atmung ausgesclilossen werden dadurch, daB ein 
steriler Pneumothorax kiinstlich erzeugt und unterlialten wird. S. hat 
u. a. 13 Lungenschwindslichtige in dieser Art behandelt. Wirklicher 
Erfolg wurde bei zweien erzielt. — Eine strenge Gegenanzeige ist Mit- 
erkrankung der anderen Lunge, es sei denn, daB sie so geringfiigig und 
so langsam entstanden ist, daB sie voraussichtlich yon selbst ausheilen 
wird. Ist das Leiden ausgesprochen einseitig, so macht es niclits aus, 
ob es mehr Oder weniger vorgeschritten ist. Yorausgegangener Blut- 
husten ist eher als Anzeige denn als Gegenanzeige aufzufassen. Im 
Anfang sind ofter, aber stets nur geringe Mengen Gas einzuleiten; der 
kunstliche Pneumothorax muB lange genug unterhalten werden. Das 
Verfahren paBt nur fiir eine beschrankte Zahl yon Fallen, bringt aber 
bei diesen bemerkenswerte Erfolge. Georg Schmidt (Berlin). 

Bircher, Eugen, Die Behandlung der Nierentuberkulose mit 
Rontgenstrahlen. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 2525.) 

Zwei Kranke, die an begrenzter Nierentuberkulose litten, wurden 
auf der Seite der erkrankten Niere mit Rbntgenlicht wiederholt be- 
strahlt. Das Fieber fiel ab, das Allgemeinbeftnden besserte sich, im 
Urin fanden sich keine Tuberkelbazillen mehr, seine Triibung, sein 
Gehalt an Zellen und EiweiB nahm ab. Vorsicht in der Bestrahlung 
ist geboten, um die Epithelien des Nierengewebes nicht zu stark zu 
schadigen. Die nach der Bestrahlung einsetzende Bindegewebswucherung 
bringt die typisclien Tuberkelelemente zum Zerfall. Krankengeschichten. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Tileston, Passive hyperemia of the lungs and tubercolosis. 
(Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. L. 1908. No. 15.) 

Die relative Immunitat der hyperamischen Lungen bei Herzfehlern 
gegen Tuberkulose ist ein Beweis dafiir, daB die Hyperamie auf Lungen- 
tuberkulose wirken kann. — Die Position mit dem Kopf nach unten 
hat zweifelhaften Wert, empfehlenswert ist dagegen die Kuhnsche 
Maske. BouCek (Prag). 

Tobiesen, Fr., Ein Sterilisator fur tuberkulose Sputa. (Tuber¬ 
culosis. Bd. 6. 1907. S. 566.) 

T. beschreibt einen Sterilisator fiir tuberkulose Sputa, der nach. 


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Neue Literatur. 


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>eiuen Angaben konstruiert wnrde. Die Sputumbecher aus Email werden 
in ein Gestell gebracht, das durch einen kleinen Laufkran in den 
dippelwandigen Sterilisator hinabgelassen wird. Durch einen Dampf- 
druck von 1 / a Atmosphare wird eine Temperatur von 108° erzeugt, die 
nacli 10 Minnten das infektiose Material vollstandig sterilisiert hat, 
wie durch mehrere Meerschweinchenversuche nachgewiesen wurde. 

Dieterlen (Berlin). 

Xonssu et Gonpil, Action du chlore sur le bacille tuber- 
culeux. (Compt. rend, de l’Acad. des sciences. T. CXLV. 1907. 
S. 1231.) 

Verff. haben im Chlor eine Substanz gefunden, welche die Saure- 
festigkeit der Tuberkelbazillen rasch zum Yerschwinden bringt. Wenn 
man frisch geziiehtete Tuberkelbazillen der Wirkung von Chlor aus- 
setzt, so verbindet sich das Chlor mit den Substanzen der Bazillen- 
leiber, es bildet sich eine pastose Masse und die Bazillen verlieren 
ilire Saurefestigkeit vollkommen. Je langer und konzentrierter das 
Chlor auf die Bazillenmasse einwirkt, desto mehr wird die Saurefestig¬ 
keit aufgehoben. Schliefilich verlieren die Bazillen ihre Form; im 
mikroskopischen Praparat sieht man dann nur Granula Oder kleine 
Kiigelchen, die sich nach Ziehl nicht mehr f&rben. 

(Kef. kann diesen Befund auf Grand eigener Versuche bestatigen. 
Schuttelt man eine Tuberkelbazillenemulsion einige Stunden mit Chlor- 
wasser. so entsteht eine homogene Masse, die sich, wie man im Praparat 
sehen kann, gleichmaflig blau fhrbt und keine Struktur mehr erkennen 
la fit. Ab und zu sieht man in dieser Masse noch einige schwach nach 
Ziehl gefarbte violette Stabchen, die ihre Form bewahrt haben.) 

Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 


Neue Literatur, 

zusammengestellt yon 

Prof. Dr. Otto Hamann, 

Bibliothek&r der Kdnigl. Bibliothek in Berlin. 


Allgemeiiies fiber Bakterien und Parasites. 

Bontrert, J.. Bakteriologische Diagnostik mit besonderer Berttcksichtigung der Immnai- 
titikhre. aer Serodiagnostik und der Schutzimpfungen filr Tierarzte und Studierende. 
2. stark Term. u. Terb. Aufl. 8°. Leipzig, Nemaich, 1908. X, 403 S. 21 Taf. u. 16 Fig. 

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Cant lie, James, Some tropical diseases and the remedies required for their treatment 
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Kermorgant, Maladies endgmiques, gpidemiques et contagieuses qui ont regne dans les 
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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 

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Neue Literatur. 


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Wochenschr. Jg. 34. 1908. N. 20. p. 869.) 

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1 Taf. u. 128 Fig. 8°. 17 M. 

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in der Mandschurei wahrend des japanisch-russisehen Krieges. ^Bacillus febris exan- 
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Bakt. Abt. 1. Orig. Bd. 46. 1908. H. 7. p. 632-639.) 

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-. Berieht iiber die Ergebnisse der 3. biol. Untersuchung des Oberrheins auf der 

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Bd. 28. 1908. H. 1. p. 62-91.) 

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Hospitalbrand, Puerperalkrankheiten, Wundfaulnis ) 

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1908. 20 p. 8°. * -.30 M. 


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Neue Literatur. 


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Inhalt. 


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Foucaud, Quatre cas de meningite cer£bro-spinale. Traites par les abces artificiels. 
(Arch, de med. navale. T. 89. 1908. N. 4. p. 267—289.) 

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& Sillem, 1908. 20 S. 4°. = Archiv und Atlas d. normalen u. pathol. Anatomie in 
typischen Bdntgenbildern. = Fortschritte auf d. Gebiete d. Bdntgenstrahlen. Erg.-Bd. 19. 

Mathis, C., Eecherches experimentales sur la fievre recurrente du Tonkin. (Compt 
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Matthes, M., Ueber epidemische Meningitis. (Med. Klinik. Jg. 4. 1908. X. 20. p.733—737.) 

Peacock, G. H., Hyperpyrexia in pneumonia. (British med. Journ. 1908. X. 2473. 
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Piffi, Otto, Meningitis serosa nach chronischer Stirnhohleneiterung. (Festscbr. Chiari 
gew. Wien 1908. 8. 334—341.) 

Rabinowitsch, Marcus, Zur pathologist-hen Anatomie der Febris recurrent Vorl. Mitt 
(Munch, med. Wochenschr. Jg. 55. 1908. X. 20. p. 1067—1069.) 

Schlesinger. Hermann, Ueber Meningitis cerebrospinalis epidemica im hbheren Lebens- 
alter. (Wiener med. Wochenschr. Jg. 58. 1908. X. 14. p. 726—730.) 

Trautmann, H.. Beitriige zur Epideiniologie und Bakteriologie der epidemischen Genick- 
starre. (Mlinen, med. Wochenschr. Jg. 55. 1908. X. 15. p. 791—794.) 

Tschernoff, W. E., Zur Diagnose und Behaudlung der sporadisehen und epidemischen 
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Weise, Friedrich, Ueber die Osteomyelitis des Oberkiefers besonders im frfihen Kindes- 
alter. Diss. med. Rostock. 1908. 8°\ 


Inhalt. 


Original-Referate ans bakteriologi- 
schen und parasitologischen Institnten, 
Laboratorien etc. 

RoyalCommissionontuberculosis, 

London. 

Royal Commission on tuberculosis (human 
and animal). Second interim report of 
the Royal Commission appointed to in¬ 
quire into the relations of human and 
animal tuberculosis. Part. II. Appendix. 
Volume III. 231 pages. Additional in¬ 
vestigations of bovine and human viruses 
by L. Cobbett, A. Stanley Griffith 
and F. Griffith, p. 1. 


Referate. 

Arloing, S., Variations morphologiques du 
baeille de la tnberculose de Fhomme et 
des Mammiferes obtenues artificiellement, 

p. 8. 

Bartel, J., Der normale und abnormale 
Bau des lympbatischen Systems und seine 
Beziehungen zur Tuberkulose, p. 16. 

Bartel u. Spieler, Experimentalunter- 
suchungen fiber natfirliche Infektions- 
gelegeuheit mit Tuberkulose, p. 17. 

Behr, Ein interessanter Fall von Tuber¬ 
kulose beim Pferde, p. 28. 

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Infektionswegen der Tuberkulose, p. 13. 

Bolienhagen, 8chwangerschaft und Tuber¬ 
kulose, p. 20. 


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Inhalt. 


93 


BoiifferU R»Mtrage zur Lehre von der Ent- 
sP-hung dor Tuberkulose, p. 12. 

Brandts, C. E., Ueber die Weehselbe- 
zirhungen von Lymphosarkomatose und 
Tuht rkalose: gleiehzeitig ein Beitrag zur 
exj^rimenteilon Leberzirrhose, p. 28. 

Bunzl, Victor, Ueber einen durch Opera¬ 
tion g^heilten Fall von groBknotiger 
Ltbcrtuberkulose, p. 28. 

Coarmont, Jules et Chalier, J., Un cas 
de bacillemie tuberculeuse congSnitale, 

p. 21. 

Deletrez, Tuberculose du col de I’utSrus, p.24. 

Ekehorn, Beitriige zur Kenntnis der 
WachstumsTnpogniphie der Tuberkelbak- 
teri n in der Niere bei tuberkulbser 
Nephritis, p. 22. 

Esin, P., Kheumatismus tuberculosus — 

Poncet. p. 28. 

Feilchenfeld, Leopold, Ueber die Ver- 
>chlimmerang der Tuberkulose durch 
Untalle. p. 21. 

Fricke, A., Ein Fall von Karzinom und 
Tuberkulose dt*r Mamma, p. 26. 

Fritzsche, Ernst, Experimentelle Unter- 
suchnmrm iiber biologische Beziehungen 
d^< Tuborkelbazillus zu einigen anderen 
sauretVsten Mikroorganismen und Aktino- 
myzrt* n. Entwicklungshemmung, Agglu- 
tinaiion. Komplemeutbindung, gegen- 
sritige Immunisierung, p. 9. 

GaiTky, Zur Frage der Infektionswege der 
Tuberkulose. p. 18. 

Gallatia, Ein Fall Inkaler Tuberkulose des 
Uterus der Adnexe und des Peritoneum 
nut todliehem Ausgange im Wochenbett, 

p -O 

Ghediui, fi., Infezione tubercolare primitiva 
d^iir tonsille iA), dei veli palatini (B), 
Te'itienli 'Cl. delle articolazioni (D). 

— "ua evuluzione ed esiti, p. 15. 

Gosrsria* ('. P,, Alcune nuove osservazioni 
*--11 agglutinamento del bacillo di Koch 
in rrl.iziuiie colla teoria dell unicismo, p. 8. 

-. U-servaziuue cliuica e microscopica 

ii:N*rno alle modilieazioni morfologiche 
d-1 barillo tubercolare nell’espettorato, 

P 11. 

trouzerot et Laroche, Reproduction ex- 
p-nriifiitale des tuberculides humaines, 
tnt> rculost-s entanees atypiques (non 
fdiiruiairesi. p. 21. 

Haertl, Paul, Bakteriologische Unter- 
smfmngen tiber Staub ans Eisenbahn- 
wag-n. p. 19. j 

Mamba rice r, F ra nz, Ue ber H ant tube rknlide 
im Wangling*.! Iter, p. 21. 

Hemmeter, Intestinal tuberculosis: tuber- | 
cnimis intestinal neoplasms and tuber- 
cub.us ileocecal tumour, p. 28. 

Hess, r*r conductors as disseminators of 
tuberculosis, p. 19. 

Kitamnra, S., Die Stellung der Bronchial- 
lymph driisen im lyraphatischen System 


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und ihre Beziehung zum Gang der tuber- 
kuldsen Infektion, p. 16. 

v. Klecki, K«, Experimentelle Untersuch- 
ungen liber den Durchtritt von Bak- 
terien durch die intakte Darmschleim- 
haut, p. 17. 

Kohler, Schadeltrauma und Lungentuber- 
kulose, p. 20. 

Kossel, H., Die Tuberkulosefrage und die 
Arbeiten der englischen Tuberkulose- 
kommission, p. 6. 

Kroemer, Ueber einige seltenere Formen 
der Genital-Tuberkulose des Weibes, p. 22. 

Logothetopulos, Ueber Genitaituberkulose 
bei doppelseitigem Deriuoidcystom, p. 26. 

Lombardo, Pellegrino P., Sulla pseudo- 
tubercolosi negli animali a sangue freddo, 
p. 9. 

Meriel, Deux cas de tuberculose de la 
valve, p. 23. 

Moore, V. A., Bovine tuberculosis, p. 30. 

Moussu et Monvoisin, Sur les variations 
de composition chimique du lait chez les 
vaches tuberculeuses avec ou sans lesions 
mammaires, p. 30. 

Mtthsam, R., Impftuberkulose der Sehnen- 
scheiden beim Pflegepersonal, p. 27. 

Noack, Beobachtungen liber Pseudotuber- 
kulose der Schafe und deren Beziehung 
zur Echinokokkeninvasion, p. 31. 

Noetzel. W., Ueber die Bedeutung der 
Lympndrlisen fur die Bakterienresorption, 
p. 15. 

Pane, ©•, La morfologia e la posizione 
sistematica del bacillo tuberculare, p. 10. 

Peju et Rajat, Morphologie du bacille de 
la tuberculose humaiue dans les milieux 
salins, p. 11. 

Begner, Gustaf, Contribution & la con- 
naissance des rapports existant entre la 
tuberculose humaine et la tuberculose 
bovine, p. 7. 

Regnolds, M. H. and Beebe, Vf. C., Disse¬ 
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of infected cattle, p. 29. 

Schbler, Fritz, Zur primiiren Tuberkulose 
der Sehnervenpapille, p. 27. 

Schiitze, A., Eine seltene Beobachtung 
der Kombination von Karzinom, diffusem 
Adenom und Tuberkulose nebst Bildnng 
von Psammomkdrpern im Uterus einer 
40iiihrigen Nullipara, p. 25. 

Sehlbach, Paul, Ueber die Haufigkeit der 
Tuberkulose und die beiden Hauptzeit- 
punkte der Ansteckung mit derselben im 
Sauglingsalter, p. 18. 

Shaw, The present status of the trans- 
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tion de l’infection tuberculeux dans i’es- 
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nale suedoise contre la tuberculose, p. 29. 

-, Essais d’infecter des bovides avec 

de la poussiere contenant des bacilles 


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94 


Inhalt 


tuberculeux sous des conditions naturelles. 
La lutte colitre la tuberculose en JSuede, 
p. 29. 

Wildbolz, H., Experimentell erzeugte 
aszendierende Xierentuberkulose, p. 21. 


Untersuchungsmethoden, Instru¬ 
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durch die Ophthahnoreaktion und die 
hierdurch bedingten Kontraindikatiuiieu, 
p. 50. 

Arloing, Fernand. Sur le mecanisme de 
l’oculo-reaction a la tuberculiue. L’oculo- 
reaction est-elle specitique? p. 50. 

Arloing, Fernand et Debombourg, Etude ! 
sur l’ophtalmoreaction a la tuberculiue et j 
la sero-reaction agglutinante bacillaire, 
p. 49. 

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reaktion v. Pirquets als Mittel zur Er- 
kennuug der Tuberkulose im Kindesalter, 
p. 58. 

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la tuberculose et son role dans la defense 
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auf Tuberkulin, p. 42. 

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Francke, Karl, GefiiCstreifen — ein Er- 
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p. 57. 

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Heim, P. und John, K., Allergie und 
Tuberkulintiltratproben nach v. Pirquet- 
Detre. 145 Fiille, p. 62. 

Ueincmann, H., Vergleichende Unter- 
suchungen mit der Koujunktivalreaktion 
nach Wolff-Eisner und der 8albeureak- 
tion nach Moro, p. 54. 

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Joannovics und Kapsammer, Untersuch- 
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im Tierversuch, p. 32. 

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resie sero-tibrineuse an cours des ponc- 
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Kentzler, J., Ueber differenzierende Kntan- 
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tSrbung nicht darstellbare Form des 
Tubt-rkclbazillus, p. 73. 

Mirheli, F., La colorazione a fresco del 
>ATiirue cun Sudan III per la diagnosi 
dinVrenziule fra meningite purulenta e 
zuruiugit© tubercolare, p. 71. 

Mirheli, J. u. Quarelli, G., Ipersensibilita 
locale provocata dalla tubercolina, p. 40. 
Morelli, (4., Ueber kutane und konjunk- 
tivale Tuberkulinreaktionen, p. 63. 
Jloro, Ernst, Ueber eine diagnostisch ver- 
w-nbare Reaktion der Haut auf Ein- 
reibnng mit Tuberkulinsalbe, p. 67. 
Mosrati, II glicoireno negli espettorati; sul 
vaDre diagnostico e prognostico, p. 70. 
Much, Ueber die granuliire nachZieiil nicht 
fariibare Form des Tuberkulosevirus, p. 73. 

— —. Ueber die nicht siiurefesten Formen 
des Kochsehen Tuberkelbazillus, p. 76. 

>airel*rhmidt, Franz, Zur Diagnose nnd 
T h-rapie tnberkuloser Hautaffektionen, 

p. 61. 

Necker n. Paschkis. Die diagnostische 
V» rwrrtbarkeit der Konjunktivalreaktion 
in <Ur Urologie. p. 57. 

>©beconrt,P. et Mantoux, Ch., Ophtalmo- 
et cuti-rcaotion dans la tnberculose ex- 
j^rmientale dn lapin, p. 43. 

Pankow, Das Alttuberkulin Koch als Dia- 
gri ^tikum in der Gyniikologie, p. 35. 
t. Pirqnet, Cm Der diagnostische Wert 
'Dr kutanen Tuberkulinreaktion bei der 
Tuberkiib-se des Kindesalters auf Grund 
V"ii ](xj Sektionen, p. 53. 

— —, Zur Diskussiun iiber die kntane nnd 
kunjunktivale Tuberkulinreaktion, p. 68. 

Plehn, A., Die Ophthalmoreaktion anf 
Tub/rk ill in als diagnostisches Hilfsmittel, 
p. 54. 


R©iche, A,, Diagnostische Tuberkulininjek- 
tionen und Impfungen bei Sauglingen, 

p. 61. 

Reuschel. Fritz, Vergleichende Bewertung 
der TuDerknlinreaktion im Kindesalter, 
p. 45. 

Rosenan and Anderson, The ocular reak- 
tion to tuberculin: A warning, p. 58. 

Rotch-Floyd, The opsonic index and the 
tuberculin test, p. 34. 

Salvolinl, U., L’oftalmoreazione alia Tuber¬ 
colina, p. 39. 

Schenck, Ed., Ueber die diagnostische 
Bedeutung der Konjunktivalreaktion bei 
Tuberkulose (Ophthalmoreaktion), p. 55. 

Schenck, Ed. u. Seiffert. G« Die dia¬ 
gnostische Bedeutung aer Ophthalmo¬ 
reaktion bei Tuberkulose, p. 42. 

Schleifiner, D, F., Die allergische Reak- 
tion als Hilfsmittel znr Diagnose der 
Tuberkulose im Kindesalter, p. 64. 

Schmidt, Untersuchungen iiber die Oph¬ 
thalmoreaktion der Tuberkulose, p. 55. 

Schrtiter, G. und Kanfmann, K. ? Ueber 
den Wert der Ophthalmoreaktion bei 
Tuberkulbsen als diagnostisches Hilfs¬ 
mittel, p. 46. 

Seraflni, G., Alcune osservazioni sul valore 
diagnostico della oftalmoreazione alia 
tubercolina nella tubercolosi ossea ed 
articolare, p. 40. 

Smithies and Walker, Calmettes ophthal¬ 
mic reaction to tuberculin, p. 51. 

Sorgo, Josef, Zum Auswurfsedimentie- 
rungsverfahren mit Wasserstoffsuperoxyd, 
p. 70. 

Stadelmann u. Wolff-Eisner, A,, Ueber 

kutane und konjunktivale Tuberkulin¬ 
reaktion, p. 68. 

Stoerk, E., Bemerkungen zur Prazipitation 
bei Tuberkulose, p. 71. 

Treuholtz, C. A,, Forms of Tubercle bacilli 
which cannot be colored by Ziel-Neelseu 
stain, p. 77. 

Treupel, G., Kurze Bemerkung zur Oph¬ 
thalmoreaktion bei Tuberkulosen, p. 55. 

Trousseau, A.. Les dangers de l’ophtalmo- 
reaction, p. 48. 

Yanderheyden, M., La cutireaction et 
Tophthalmoreaction a la tuberculine chez 
la bete bovine, p. 60. 

Warfield, The cutaneous tuberculin reac¬ 
tion, p. 69. 

Weber, Arthur, Der Tierversuch bei der 
Diagnose tnberkuloser Erkrankung, p. 32. 

Wiens u. Gttnther, Ueber Ophthalmoreak¬ 
tion, p. 56. 

Wolff-Eisner, Alfred, Die Ophthalmo- und 
Kutan-Diagnose der Tuberkulose nebst 
Besprechung der klinischen Methoden 
zur Friihdiagnose der Lungentuberkulose, 
p. 49. 


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96 


Inhalt. 


Wolff-Eisner, A., Ueber Ophthalmoreak- 
tiun (richtigerKonjunktivalreaktion), p.56. 

— —. Die differeuzierenden Kutantuber- 
kulinreaktionen, p. 64. 

-, Eutgegnung auf vorstehende Be- 

merklinden, p. 68. 

— —. Die vitale Antikbrperreaktion im Ver- 
gleich zur Komplementbindungsmetkode 
bei Tuberkuluse und Syphilis, p. 69. 

Schutzimpfung, kflnstliche lnfektions- 
krankheiten, Entwicklungshemmnng 
and Vernichtung der B&kterien. 

Bartel u. Neumann, Experimentalunter- 
suchungen iiber den EinliuB yon organi- 
schen Substanzen auf den Gang der 
Tuberkuloseinfektion beim Meersehwein- 
chen, p. 82. 

Bircher, Eugcn, Die Behandlung der 
Nierentuberkulose mit Kdntgenstrahlen, 

Calabrese, A., Osservazioni cliniehe e 
ricerehe sperimentali circa l’azioue del 
jodo nella cura degli essudati tuberculari, 
p. 85. 

Citron, Ueber Tnberkuloseantikbrper und 
das Wesen der Tuberkuliureaktion, p. 80. 

Elsaesser, Max, Ueber die Behandlung der 
Tuberkulose mit Marmorekserum und 
Neutuberkulin (Buzillenemulsion) nebst 
einigen Ausblieken in die Zuknnft der 
Tuberkulosebekiinipfung. p. 88. 

Hart, Karl, Zur Frage der chirurgischen 
Behandlung der beginnenden tuberkulosen 
Lungenspitzentuberkuiose, p. 85. 

Hilbert, P., Ueber neuere Heilmittel gegen 
Lungentuberkulose, p. 80. 

Hollos und Eisenstein, Die tuberkulose 
Aetiologie der Dysmenorrhbe und ihre 
Behandlung mit Spenglers Tuberkulin- 
praparaten, p. 82. 

Hymans und Daniels, Ueber die Behand¬ 
lung der Tuberkulose mit Marmorekschem 
Serum, p. 84. 

Jessen, F., Zur Bekiimpfung der Tuber¬ 
kulose, p. 79. 


Kausch, W., Die Resektion des ersten 
Rippenknorpels wegen beginnender 
Lungentuberkulose, p. 85. 

Kraemer, Zur Tuberkulinnachbehandlung 
der chirurgischen Tuberkulose, p. 81. 

Mac Go wan, The ' ..rapeutics of tuber¬ 
culosis of the skin, p. 82. 

Matiro, C. G., Ricerca del Cloruro di Sodio 
nelle urine dei bambini affetti da peritonite 
tubercolare sottoposti alluso delle iniezioni 
di siero hsiologico jodato, p. 84. 

M^talnikoff, S* L«, Contribution a 1 etude 
de Timmunite contre l’infection tuber- 
culeuse, p. 79. 

Monssn et Goupil, Action du chlore sur 
le bacille tuberculeux, p. 87. 

Raw, Nathan, The treatment of tuber¬ 
culosis by different kinds of tuberculin, 
p. 81. 

Romanelli, G., II potere opsonico del siero. 
di sangue di soggetti tubercolosi, p. 84. 

Ruppel, W. G., Die Herstellung des „Neuen 
Tuberkulins a (Tuberkulin T. R.), p. 80. 

Schmidt, Adolf, Erfahrungen mit dem 
kiinstlichen Pneumothorax bei Tuber¬ 
kulose, Bronchiektasen und Aspirations- 
krankheiten, p. 86. 

Stern, Jodo-formic acid in the treatment 
of chronic ulcerative phthisis, p. 85. 

Stiles, The three-class (Freibank) meat 
system as an aid in eradicating tuber¬ 
culosis, p. 78. 

Tileston, Passive hyperemia of the lungs 
and tubercolosis, p. 86. 

Tobiesen, Fr., Ein Sterilisator fur tuber¬ 
kulose Sputa, p. 86. 

Wichmann, Paul, Die Organisation einer 
systematischeu Bekiimpfung des Lupus 
— eiue soziale Notwendigkeit. p. 79. 

Weigert, Ueber den Einduh der Ernahrung 
auf die Tuberkulse, p. 78. 

Wohlberg, Ueber Yersuche mit dem Auti- 
tuberkuloseserura Marmorek, p. 83. 

Neue Literatur, p. 87. 


Die Redaktion des „Ccntralblatts fiir Bakteriologie und Parasitenkundf 
richtet an die Herren Mitarbeiter die ergebene Bitte, etwaige Wiinsche um 
Lieferung vo?i besonderen Abdriickcn Hirer Aufsatze entweder bei der Ein - 
sendung der Abhandlungen an die Redaktion auf das Ma?iuskript schreiben 
zu wollen oder spdtestens nach Empfang der ersten Korrekturabzuge direkt 
an den Verleger , Herrn Gustav Fischer in Jena, gelangen zu lassen . 


Lippert Co. (G. Patz'schc Buchdruckerei), Naumburg a. S. 


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tortnlbl. f. Bakt etc. L Refei^te^ Bd. ^PU No. 4|6. 

Berichte iiber 


~ 

NacMriick 


verboten. 


TI. Intern. Tuberkulose-Konferenz Wien 19./21. September 1907. 


Yg..: Centralbl. f Bakt. Abt. I. Ref. Bd. 41. S. 1. Nachtrag nach dem 
inzwischen erschienenen yon Prof. Dr. Pannwitz herausgegebenen 
Bericht fiber diese Konferenz. Berlin-Charlottenburg. (Internationale 
Vereinigung gegen die Tnberknlose. — Kommissionsverlag von Rudolf 
Mosse.) 1907. 

Von Referaten sind noch zu erw&hnen: 

Spronck (Utrecht) steht immer noch auf dem Standpunkt, den er 
im Haag eingenommen hat, daB der Respirationstrakt als der 
qnantitativ wichtigste Infektionsweg zu betrachten ist. 

Er macht auf verschiedene Fehlerquellen bei Ftttterungsversuchen 
aufmerksam. Auch bei Sondenfutterung ist eine Aspiration der ver- 
lutterten Substanzen nicht ausgeschlossen. 

Differenzierende Untersuchungen von tuberkulosen Leichen haben 
ersreben, daB bei 11 Kindern von 0—7 Jahren der Typus bovinus zwei- 
raal. bei 9 Individuen von 8—17 Jahren keinmal, bei 12 Personen von 
IS—79 Jahren einmal vertreten war. 


Flick (Philadelphia). Sowohl durch klinische Beobachtung wie 
dnrch den Tierversuch ist festgestellt, daB sich die Tnberknlose auf 
Jem Lymphweg im Korper verbreitet. Fttr die Bekampfung der 
Tubt-rkulo.se ist es gleichgtiltig, ob die Infektion haufiger auf dem 
Krspirationsweg Oder durch den Verdauungskanal erfolgt. 

Frinkel, B. (Berlin) spricht fiber die Tuberkulose der oberen 
L a ft w e g e. Es gibt eine primare Tuberkulose des Mundes, des 
S hlumles und des Kehlkopfs. Namentlich bei Kindern ist eine primare 
Tuberkulose der Luftwege haufig und oft mit Schwellungen der Hals- 
dni>en verbunden. Dies ist das Bild der Skrofulose. Im Reichsgesund- 
heitMinit wurden in 15 Fallen von Halsdrfisentuberkulose 5mal Bazillen 
des Typus bovinus gefunden. Diese letzteren Falle sind auf alimentare 
InrVktion zuruckzufiihren. Die allgemeine Prophylaxe gegen Tuberkulose 
dan auch die Uebertragung der Tuberkulose durch die Produkte der 
Perlsucht der Rinder nicht auBer acht lassen. Doch ist nach wie vor 
der an oll'ener Tuberkulose leidende Mensch die Hauptquelle der An- 
steckung. 


Malm (Kristiania). Malm steht auf Grand von eigenen, an 49 Rindern, 
o Schweinen, 4 Ziegen und 3 Schafen mit Tuberkelbazillen verschiedener 
Herkunft angestellten Untersuchungen auf dem Standpunkt, daB eine 
Kinteilung in einen bovinen und humanen Typus von Sauge- 
tiertuberkelbazillen als Bezeichnung ffir eine, dem betreffenden 
Bazillus eigene, sichere und unver&nderliche Virulenz nicht berechtigt 

Erate Abt. KefeT. Bd. XLII. Ho. 4/6. 7 


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98 


Berichte liber Kougresse. 


sein kann. Wenn alle stark rindervirulenten Bazillen des Menschen 
urspriinglich vom Kind stammen, so miifite alle Wahrscheinlichkeit 
dafiir sprechen, dafi alle aus Rindertuberkulose reingeziichteten Bazillen, 
die fur Rinder schwach virulent sind, urspriinglich vom Menschen 
stammen. Dieser Schlufi ist aber nach Malm unzulassig. Ref. spricht 
sich fiir das Vorkommen beider Infektionsmodi, der Inhalations- und der 
Fiitterungstuberkulose aus. Oft ist die Eintrittsstelle der Bakterien in 
den Organismus nicht mehr zu eruieren. Eine langere Latenz der Tuber- 
kulose im Korper halt Malm fiir ausgeschlossen, sofem man darunter 
das Lagern der Tuberkelbazillen in einem Organ, ohne makroskopische 
Krankheitszeichen hervorzurufen. versteht. Ein makroskopisch tuber- 
kuloser Herd kann jahrelang in einem Organ abgegrenzt und infektions- 
fahig ruhen. 

Malm schlieCt sich in seiner Auffassung der Infektionswege der 
Tuberkulose den Ausfuhrungen Weichselbaums an. 

Landouzy (Paris) spricht liber hereditare Tuberkulose und 
Predisposition und verlangt, dafi diese beiden Punkte bei der nachsten 
Tuberkulosekonferenz auf die Tagesordnung gesetzt werden. 

Bavenel (Philadelphia) hat mit Reich el die Versuche von SchloB- 
mann und Engel (siehe Referat iiber die Arbeit von Straflner, dieses 
Centralbl. Bd. 41. S. 46) an 65 Meerschweinchen nachgepriift, die ein 
Alter von 16 Stunden bis 2 Wochen hatten. Die Lnngen warden nach 
4—6 Stunden auf andere Meerschweinchen verimpft. Bei 56 Proz. der 
Meerschweinchen wurde ein positives, bei 44 Proz. ein negatives 
Resultat erzielt. Die intakte Magendarmschleimhaut ist nach Raven el 
fiir Tuberkelbazillen durchgangig. Raven el glaubt, dafi eine Futte- 
rungstuberkulose viel haufiger vorkommt, als bis jetzt angenommen wird. 

Dewez (Mons) berichtet iiber eine Arbeit von Dr. Herman, Direktor 
des bakteriologischen Institute des Hennegaus iiber „Die Durchwande- 
rung des Tuberkelbazillus dnrch die Darmwand“. Her¬ 
man kommt zn folgenden Resultaten: 1. Der TnberkelbaziUns, der in 
feiner Emulsion verfiittert wird, durchwandert die Darmwand nnd ruft 
spezifische Veranderungen in den Mesenterialdriisen nnd in den tibrigen 
Organen hervor. 2. Um eine Infektion zu erzielen, kommt es mehr auf 
eine richtige Verteilung des Impfmaterials als auf die absolute Menge 
desselben an. 3. Eine gleichzeitig erfolgende subkutane Impfung mit 
einem pathogenen Bakterium scheint den Durchtritt der Tuberkelbazillen 
durch die Darmschleimhaut zu begiinstigen. 

Raw (Liverpool). Der Typns hum anus ruft die Tuberkulose der 
Respirationsorgane hervor und kann eine Sekundarinfektion des In- 
testinaltraktus bedingen. 

Der Typus bovinus ist haufiger bei Kindern als bei Er- 
wachsenen zn finden und gelangt mit der Milch in den menschlichen 
Kbrper. Er bedingt die Tuberkulose der Darmorgane und kann von 
hier aus auch auf die anderen Organe ubergehen. 


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Berichte liber Kongresse. 


99 


Cfaab&s (Valencia)geht auf den Saprophytismus derTuberkel- 
b a z i 11 e n ein. F e r r a n (Barcelona) war der erste, der gezeigt hat, daB 
neben der rein parasitaren auch eine saprophytische Art yon Tuberkel- 
bazillen vorkommt, die durch homogene Zfichtung der echten Tuberkel- 
bazillen erreicht wird. Ferner entsteht nach Ferran bei Meerschwein- 
chen. die anders als gewdhnlich gefuttert werden, eine mit Kachexie ver- 
bundene Erkrankung, die 2 nim Tode ffihrt. Aus den Organen dieser so 
Terendeten Tiere lafit sich ein nicht s&urefestes Stfibchen in Reinkultur 
isolieren, das auf Bouillon weitergezfichtet eine regelrechte Tuberkulose 
hervorzurufen imstande ist. 

Sorgo (Alland). Nicht der Infektionsweg besitzt fur die Ent- 
stehung der chronischen Lungenphthise des Menschen die aus- 
schlaggebende Bedeutung, sondern die Organdisposition die relativ geringe 
Virulenz des Infektionsstoffes und die verschiedenen die Infektion ab- 
schwachenden Momente spielen die hauptsachlichste Rolle. 

Rampf (Ebersteinburg). Die Eintrittspforte der Tuberkel- 
bazillen sind haufig die Tonsillen und die Rachenmandel. Von hier 
konnen die Tuberkelbazillen auf dem Lymphweg in die Lungen gelangen. 
Dadurch daB man an Stelle der Rachenmandel eine glatte und gesunde 
Schleimhaut setzt, fSJlt eine Haupteintrittspforte der Tuberkelbazillen 
fort. Damit ist ffir die Prophylaxe der Tuberkulose schon sehr viel getan. 

Sehlofimann (Dusseldorf) macht auf die unkompliziert liegenden 
Verhaltnisse beim menschlichen Saugling beziiglich der Entstehung 
der Tuberkulose aufmerksam. Er glaubt, daB yon hier aus eine 
Aufklarung der so wichtigen Frage der Entstehung der Tuberkulose zu 
gewinnen ist. 

Courmont (Lyon). Transkutane Impfung mit Tuberkulose 
(s. diese Zeitschr. Bd. 41 S. 60 und 61, sowie Journal de Physiologie et 
de Pathologie generale, November 1907 u. Lyon medical. 1907. p. 965). 

Bnjvrid (Krakau) berichtet fiber Ftttterungsversuche mit 
menschlichem Sputum an Rindern. Im ganzen wurden 6 Farsen 
und 3 junge Kalber gefuttert. Die Rinder blieben vollstfindig gesund. 
Er kommt zu dem SchluB, daB die menschliche Tuberkulose durch 
Vertuttemng des Sputums auf Rindvieh nicht tibertragbar ist. 

Dieterlen (GroB-Lichterfelde). 


Referate. 


Sanititsbericht fiber die KgL Preufiische Armee, die Kgl. 
Sachsischen und das Kgl. Wfirttembergische Armee- 
korps ffir 1904/05. (Bearb. v. Kriegsministerium.) Stuttgart. 

Was diesen zuletzt erschienenen Sanitfitsbericht besonders aus- 
zeichnet, ist ein Rfickblick auf die Gestaltung des Gesundheits- 
zustandes der Armee im Laufe der letzten drei Jahrzehnte. Er gibt 

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100 


Allgemeines uber Infektions-Krankheiten. 


die zahlenmafiig nachweisbaren und in mehreren Tafeln dargestellten 
Ergebnisse wieder, zu denen die Fortschritte der medizinischen Wissen- 
schaft auch auf dem Gebiete des Militarsanitatswesens gefiihrt haben. 
Ganz besonders treten diese Erfolge hervor bei denjenigen Krankheiten, 
deren Bekampfung uns die Bakteriologie und Hygiene gelehrt haben, 
in erster Linie also bei den iibertragbaren Krankheiten. Und diese 
sollen uns hier allein interessieren. 

Der Zugang an Infektionskrankheiten uberhaupt betmg 
1873/74 noch 62,7 °/ 00 der Iststarke; seitdem sank er fast ununterbrochen 
und betrug 1904/05 nur noch 4,2°/oo; das bedeutet eine Abnahme um 
93,3 Proz.! An der Abnahme nehmen alle einzelnen Krankheiten teil mit 
Ausnahme der Pyamie bzw. Septikamie und der epidemischen Genick- 
s tar re, deren nicht gerade erhebliche Zunahme aber wahrscheinlich 
nur eine scheinbare und durch die verbesserte bakteriologische Diagnose 
bedingt ist. Bestimmend fur den Ruckgang der Infektionskrankheiten 
waren Malaria, gastrisches Fieber, Typhus und Ruhr. Malaria, welche 
im ersten Jahrfunft die hochste Zugangszifter aller Infektionskrankheiten 
aufwies (26,0 °/no d. J.) nahm um 99,6 Proz. ab. Wenn auch nicht alle 
Malarialalle aus der fruheren Zeit der heutigen Diagnostik standhalten 
wtirden, blieben noch genug echte iibrig, um die Verminderung als eine 
besonders grofie ansehen zu konnen. Der Ruckgang des Typhus und 
des gastrischenFiebers ist schon oft als das bedeutendste Zeichen 
fur die Wirksamkeit hygienischer Mafinahmen im Heere besprochen und 
gewiirdigt worden. Dafi die Hiiufigkeit der Typhuserkrankungen in der 
Armee hauptsachlich von aufieren Einfliissen aus der Zivilbevolkerung 
bestimmt wurde, beweist die monatliche Verteilung der Zugange, die, 
auch heute noch, zur Zeit der griifieren Uebungen und in den Wochen 
nach diesen am hochsten, in den ubrigen Monaten verschwindend gering 
sind. Auch die Ruhr hat sich bedeutend vermindert, wenn schon ein- 
zelne Jahre eine grofiere Zugangszifter aufweisen, wie 1900/01 infolge 
der Epidemie auf dem Truppenubungsplatz Doberitz. Die Pocken 
haben in den 32 Jahren nur 19 Erkrankungen gebracht, von denen 13 
auf die ersten 10 Jahre fallen. 1903/05 kam keine mehr vor. Schar- 
la ch und Masern nehmen im Heer ebenfalls keinen bedeutenden 
Platz ein; beide Krankheiten zeigen einen geringen, doch unverkenn- 
baren Ruckgang. Aufiallig ist das Verhalten der Diphtherie; der 
Abfall Ende der achtziger Jahre ist wohl zum Teil durch die bessere, 
auf den bakteriologischen Nachweis des Krankheitserregers begriindete 
Diagnosenstellung veranlaBt worden. Eine deutliche und recht bedeut- 
same, vor allem ganz stetige Abnahme zeigen die Karbunkel (Milz- 
brand). Flecktyphus und Riickfallfieber sind nur in den sieb- 
ziger und achtziger Jahren aufgetreten. Die asiatische Cholera hat 
nur 1873/74 eine groftere Ausbreitung gefunden. Im Choierajahr 1892/93 
sind im Heere nur 18 Erkrankungen vorgekommen, im Berichtsjahr 
1904/05 nur 4. Der Verlauf, den die Tuberkulose genommen hat, 
ist mehrfach in selbstandiger Weise ausfiihrlich behandelt worden 
(Heft 14 u. 34 der Veroff. a. d. Militarsanitatswesen, Schjerning, 
Schultzen). Der Verlauf der Grippe war iiberaus wechselvoll; die 
grofie Epidemie 1889/90 ergriff fast 11 Proz. des gesamten Heeres. Dali 
die venerischen Krankheiten erheblich abgenommen haben, ist 
durch Heft 36 der Veroff. ausfiihrlich bekannt geworden. Einige andere 


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Aligemeines ttber Infektions-Krankheiten. 


101 


Krankheiten, deren Entstehen mehr Oder minder auf bakterieller Ur- 
sadie beruht, wie aknter Gelenkrheumatismus, akute Lungenentziindung, 
Brnstfellentzundung, Mandelentzundung, Furunkel, Panaritien xmd Zell- 
gewebsentzundung weisen ebenfalls einen merkbaren Riickgang anf, 
teilweise nach vortibergehendem Anstieg. Dagegen ist es noch nicht 
srelungen, die einfachen Katarrhe der Luftwege zn vermindern. In 
starker, dauernder Zunahme begriffen sind die entzundlichen nnd 
eitrigen Prozesse der Knochen nnd der Knochenhaut; eine 
Erkiarung hierfur zu finden, ist schwer. Ein erfreuliches Bild liefert 
demgegeniiber die zielbewuBte Bekampfung desTrachorns, das inner- 
halb 30 Jahren von einer sehr verbreiteten zu einer fast bedeutungs- 
losen Heereskrankheit herabgesunken ist. 

Mfihlschlegel (Stuttgart). 

Fliigge, Karl, GrundriB der Hygiene. Sechste umgearbeitete und 
yermehrte Auflage. 8°. 788 Seiten, mit 193 Figuren im Text. Leipzig 
(Veit & Comp.) 1908. Preis: geh. 15 M. 

Das Buch hat in dieser neuen Auflage zahlreiche Aenderungen er- 
fahren, die besonders das Kapitel betreffen, welches von den para- 
sitaren Krankheiten handelt; die Bestimmungen des preuflischen 
Senehengesetzes und die dazu erlassenen Ausfuhrungsbestimmungen 
sind eingehend berucksichtigt. Das Buch enthalt alles Wichtige und 
ist so klar und flieBend geschrieben, daB sein Studium zum Vergniigen 
wird. 

Es ist fur Aerzte und Studierende, Medizinal- und Verwaltungs- 
beamte bestimmt. Die Bakteriologen sind ja so haufig berufen, auf 
Grund von Lokalbesichtigungen und physikalisch-chemischen Unter- 
sudmngen sowie bakteriologischen Feststellungen ein Urteil iiber 
hygienische Verhaltnisse abzugeben. Sie werden aus dem Buch zur 
Schulung des hygienischen Denkens und zur Benutzung beim praktischen 
Arbeiten hervorragend Nutzen ziehen konnen. 

Hirschbruch (Metz). 

Bongert, J., Bakteriologische Diagnostik mit besonderer 
Berucksichtigung der Immunitatslehre, der Serodia- 
gnostik und der Schutzimpfungen fur Tier&rzte und 
Studierende. Zweite stark vermehrte und verbesserte Auflage. 
Mit 16 Abbildungen und 1 Farbendrucktafel im Text sowie 20 Licht- 
druektafeln, enthaltend 111 vom Verf. hergestellte Photogramme. 
Leipzig (Otto Nemnich) 1908. 

Das vor 4 Jahren in erster Auflage erschienene und im 34. Bande 
dieser Zeitschrift (S. 660) ausfuhrlich besprochene und gewiirdigte Werk 
von Bongert hat sich zahlreiche Freunde unter den Tierarzten und 
Studierenden erworben. Dazu trug aufier dem Umstande, daB ein Be- 
diirfnis nach einer kurzgefafiten Diagnostik vorlag, die gediegene Be- 
arbeitung, wie auch die Knappheit und Uebersichtlichkeit der Dar- 
stellung bei. Zur Herausgabe einer Neuauflage nach verhaitnismSBig 
kurzer Zeit sah der Autor sich veranlaBt durch die atiologischen und 
serologischen Forschungsergebnisse der letzten 4 Jahre, denen er durch 
eine Umarbeitung und Erg&nzung einzelner Abschnitte seines Buches 
Kedmung tragen muBte. 


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102 


Allgeineiues iiber Infektions-Krankheiten. 


In Uebereinstimmung mit der der ersten Auflage zugrundeliegenden 
Stoffeinteilung, zerfallt der allgemeine Teil des vorliegenden Werkes in 
3 Abschnitte. Der erste, von der mikroskopischen Technik handelnd, 
ist ausfuhrlicher gehalten and durch scheraatische Darstellnng des 
Strahlenganges im Mikroskop bedeutend erweitert worden. Die „Me- 
thodik“ umfaBt den mikroskopischen Nachweis der Bakterien, das 
Kulturverfahren und das Tierexperiment. Bei der Besprechung der 
Kulturmethoden wurden auch das Verfahren der Schiittelkultur in Agar- 
serum nach Bang und S trie bolt, die Kultur im G&rungsk5lbchen 
und die „Kultur in vivo“ aufgenommen. Der dritte Abschnitt (All¬ 
gemeine Morphologie und Biologie der Bakterien) ist durch eine durch- 
sichtig klare Darstellnng der Immunitatslehre und ihrer praktischen 
Verwertung, der Ehrlichschen Seitenkettentheorie, der Serodiagnostik 
und der Schutzimpfungen nicht bloB raumlich erweitert worden, er be- 
deutet fraglos auch einen Fortschritt gegeniiber der ersten Auflage. 

Eine noch starkere Vermelirung und Erganzung als der allgemeine 
hat der spezielle Teil erfahren. Samtliche Abschnitte desselben sind 
sorgfaltig durchgesehen, soweit erforderlich, erganzt, teilweise sogar 
vollstandig umgearbeitet. Dies gilt namentlich von den Kapiteln iiber 
die Schweineseuche und Schweinepest, die Brustseuche der Pferde, den 
Rotz und die Tuberkulose. Diese Kapitel kennzeichnen auch die zu- 
meist auf eigenen Erfahrungen und Untersuchnngen beruhende, frei- 
miitige, kritisch-niichterne und phantasielose Anschauungsweise des Verf. 
Es ist in dieser Hinsicht sehr anzuerkennen und durchaus zutreifend, 
wenn er z. B. am SchluB seiner Abhandlung iiber das Schweineseuche- 
problem (S. 211) offen sagt, r daB trotz der neuesten Untersuchungs- 
ergebnisse und Beobachtungen eher eine Verwirrung wie eine Einigung 
der Ansichten iiber die bakteriologischen und epidemiologischen Ver- 
haltnisse der genannten Seuchen eingetreten ist.“ Beziiglich des In- 
fektionsmodus beim Rotz vertritt Bongert den Standpunkt, daB das 
Vorkommen des primaren Lungenrotzes beim Pferde nicht lSmger in 
Abrede zu stellen sei, wenn auch der Regel nach die rotzigen Ver- 
anderungen in den Lungen sekundar zur Ausbildung gelangen. Ihrer 
diagnostischen Bedeutung fiir die Rotzkrankheit der Pferde entsprechend, 
ist auch die Agglutinationsprobe eingehend erortert. Im AnschluB an 
den Rotz werden, wegen ihrer Aehnlichkeit mit dem Hautrotz, noch die 
ulzerose und die epizootische LymphgefaBentziindung skizziert. Bei dem 
Kapitel iiber die Tuberkulose finden besonders auch die Tuberkulinprobe, 
das Wesen der Tuberkulinreaktion und vor allem der Wert der Schutz¬ 
impfungen eine den neuesten Ergebnissen entsprechende Beriicksichtigung. 

Auch die beigefiigten Abbildungen und die zura Teil recht an- 
schaulichen Photogramme sind vermehrt, einzelne Photogramme der 
ersten Auflage sind durch bessere ersetzt worden. 

Trotz der Zunahme des Umfanges hat das Werk an Handlichkeit 
und Uebersichtlichkeit nichts eingebiifit. Die auf griindlichen Studien 
des Verf. beruhende Zuverlassigkeit der Darstellnng, deren Klarheit 
und Frische werden dem vorziiglich ausgestatteten Buche in erster 
Linie bei den praktischen Tierarzten und Studierenden einen noch 
weit groBeren Erfolg verschaffen, als die erste Auflage hatte. Aber 
auch in Spezialistenkreisen wird das Werk als eine wertvolle Bereiche- 
rung der Fachliteratur angesehen werden. J. Goldstein (Berlin). 


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Allgemeines ttber Infektions-Krmnkheiten. 


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Fetotmantel, Zur Frage des sanit&ren Schutzes des Per- 
sischen Golfes. Auf Grand der letzten Cholera- and 
Pestepidemien. (Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 655.) 

Eingangspforten, firtliche Ausbreitung der Pest, beziigliche Ver- 
handlungen der internationalen Sanit&tskonferenzen, ausgeftthrte and 
noch erforderliche Vorbeugungsmaflregeln. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Bose, Eine Reise nach Sumatra und Britisch-Indien. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1906. S. 1420, 1462, 1501, 1590.) 

B. besuchte in Sumatra sowie in Kalkutta, Benares, Bombay usw. 
in Vorderindien tropische Krankenhauser, Sanatorien, Gefangnisse, 
Truppenunterkttnfte usw. und schildert die dort gewonnenen Eindrticke 
alls'eraein arztlicher, insbesondere aber hygienischer und tropenmedi- 
zinischer Art. Georg Schmidt (Berlin). 

Ashburn and Craig, Study of tropical diseases in the Phi¬ 
lippine Islands. (Joum. of the Americ. med. Ass. Vol. XLVIII. 
1907. No. 8.) 

Yerff. berichten fiber die Schicksale und die Entwicklungsphasen 
der Filaria philippinensis in Culex fatigans ; fiber einige Schwierigkeiten 
bei der bakteriologischen Choleradiagnose; ttber ihre Beobachtungen 
bei der Dengue-Krankheit: Die Krankheit ist nicht kontagios, wird 
durch wenigstens eine Moskitospezies (Culex fatigans) fibertragen, hat 
eine Inkubation von 4 Tagen, das Virus mufi im Blute enthalten sein 
nnd ist filtrierbar. BouCek (Prag). 

Ffilleborn und Mayer, Aus den Berichten fiber eine tropen- 
medizinische Studienreise nach Aegypten, Ceylon, Vorder¬ 
indien und Ostafrika. (Archiv fur Schiffs- u. Trop.-Hyg. 1907. 
H. 13. 15 u. 16.) 

Die Reise wurde im Jahre 1906 im Auftrage des Hamburger In- 
stituts fur Schiffs- und Tropenkrankheiten unternommen mit Unter- 
stutzung- der Kolonialabteilung des Auswartigen Amtes und des Nord- 
deut>chen Lloyd sowie der D.-O.-A.-Linie. Verff. geben uns inter- 
*>>ante Mitteilungen fiber viele an Ort und Stelle studierte tropische 
Kinnkheiten, fiber das Wirken vieler Tropenfirzte verschiedener Nationen, 
nber die Einrichtung tropischer Hospitaler usw. Auf Einzelheiten kann 
bier nicht eingegangen werden. Es mufi jedoch noch hervorgehoben 
nerden, dafi als Ergebnis dieser Studienreise u. a. die Sammlung des 
Hamburger Tropeninstituts ganz aufierordentliche Bereicherungen mit 
wertvollem Material erhalten hat Die Hamburger Sammlung ist eine 
CTi'iJe Sehenswfirdigkeit (wie Ref. sich kfirzlich selbst ttberzeugen konnte). 

Mtthlens (Berlin). 

Scbnee, Die europfiischen Infektionskrankheiten auf den 
Marshallinseln. (Arch. f. Schiffs- u. Tropen-Hyg. 1907. No. 18.) 

Wichtigste Seuche ffir Jaluit ist Syphilis; auch Tripper mit 
Poteen ist haufig; durch beides Ruckgang der Geburtsziffern. — Tuber- 
bulose bisher vereinzelt, eingeschleppt. Varizellen seit 1897 endemisch. 
Dysenterie, Typhus, Parotitis epidemica mitunter beobachtet, auch 


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ALlgemeines ttber Infektions-Krankheiten. 


Masernepidemien. — Auch Influenza ist epidemieartig aufgetreten, zeit* 
weise mit Todesfallen unter den Eingeborenen. Mlihlens (Berlin). 

Georgy, John A., Report of the medical officer of health for 
the colony on the public health for the calandar year 
1906. Presented to both houses of parliament by command of His 
Excellency the governor. Cape Town 1907. 

Der vorliegende Bericht des obersten Medizinalbeamten der Kap- 
kolonie enthalt neben allgemeinen sanitaren Angaben auch fiber ver- 
schiedene Infektionskrankheiten einige wertvolle Bemerkungen, denen 
Berichte der zahlreichen Distriktsarzte zugrunde liegen. 

Die Sterblichkeit der farbigen Rasse ist im Berichtsjahr gegenuber 
der unter den Europaern der Kolonie eine ganz auflallig hohe gewesen. 
Sie erreichte in einzelnen Bezirken die erschreckende Ziffer von 71,7 0 00 
bis 85,6 °/ 00 , wahrend unter der weiBen Rasse die hochste Ziffer als 
36,4 °/ 00 angegeben wird. Bemerkenswerterweise geht die Mortalitat 
unter den Farbigen und Weiflen in den einzelnen Bezirken nicht 
parallel, d. h. die beiden Rassen sind verschiedenen, Oder wenigstens 
verschieden stark einwirkenden Sterblichkeitsursachen ausgesetzt. 

Die Tuberkulose ist nach Ansicht des Berichterstatters ungeachtet 
der Tatsache, dafl die klimatischen Verhaltnisse fur die Heilung dieser 
Krankheit giinstig sind, sowolil unter der weiBen als ganz besonders 
unter der farbigen Bevolkerung seit Jahren im Wachsen begriffen. 
Namentlich die letztere ist infolge allgemein ungunstiger hygienischer 
Lebensbedingungen, schlechter Ernahrung und fibler Gewohnheiten der 
Infektionsgefahr, die nach der Uebereinstimmung aller Distriktsarzte 
hauptsachlich von den Industriezentren, besonders den Bergwerken, aus- 
geht, in ganz erheblichem Grade ausgesetzt. Auch die Schulen haben 
sich in dieser Beziehung als beachtenswerte Ansteckungsquellen er- 
wiesen. 

Die Verbreitung der Lepra muB nach den berichteten Zahlen eine 
erhebliche sein. In den Jahren 1892—1908 sind insgesamt 223 frische 
Leprafalle unter Europaern und 2417 unter den Farbigen zur Kenntnis 
der Medizinalbehorde gelangt, so daB mindestens etwa 2660 Leprose 
vorhanden sein mfissen. Davon konnten nur 1756 in Asylen unter- 
gebracht werden. 

Bezuglich der Syphilis dfirften besonders einige Beobachtungen von 
Interesse sein, die beweisen, daB die Krankheit in der Kolonie sehr 
haufig bei Ausschlufi des Geschlechtsverkehrs tibertragen wird, und 
zwar besonders von seiten des farbigen Dienstpersonals auf Europaer, 
hauptsachlich durch Kinderfrauen auf deren Pfleglinge. 

Von 1047 bekannt gewordenen Pockenfallen waren 646 nicht vac- 
ciniert und 360 vorher geimpft; die 32 Todesfalle an Pocken betrafen 
4 geimpfte und 26 ungeimpfte Personen, wahrend in 2 Fallen keine 
Feststellung daruber moglich war. 

Die Pest ist im Berichtsjahr nicht aufgetreten, indessen wurden in 
verschiedenen Stadten und zu verschiedenen Zeiten pestkranke Ratten 
und Mause nachgewiesen. 

Die seit langer Zeit in der Kolonie unter dem Namen „Typho- 
malarial-fever" Oder „Camp fever" bekannte Krankheit ist seit dem 
sttdafrikanischen Kriege als Mittelmeerfieber identifiziert und von ver- 


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Allgemeines ttber Infektions-Krankheiten. 


105 


schiedenen Seiten beschrieben worden. Auch im Berichtsjahr sind 
wieder mehrere Falle bekannt geworden, und zwar gaben unter 45 ver- 
dachtigen and klinisch als Maltafieber angesprochenen Fallen 9 eine 
positive Agglutinationsreaktion. Die Infektionsquelle dieser Krankbeit 
ist noch nicht klargestellt, insonderheit ist die yon der englischen 
Maltaiieberkommission festgestellte Beziehung zu der Milch inflzierter 
Ziegen noch nicht mit Sicherheit gefanden worden. 

Schliefilich ist noch das Yorkommen von Bilharziakrankheit zn er- 
wahnen. Die Krankheit ist im Miindungsgebiet yerschiedener Fliisse, 
namentlich des Bnffaloflusses sehr verbreitet, auffallenderweise fast 
ausschlieBlich nnter dem mannlichen Geschlecht. Die Eingeborenen 
nennen die Krankheit „Water sickness “ und meinen, daB sie durch 
das Trinken von FlnBwasser oder das Baden im Flufi erworben wird. 

Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Wellmann, F. Creighton, Notes from Angola. (The Journ. of Trop. 
Med. and Hyg. 1908. No. 8.) 

Note 25. An advanced case of Ainhum, with some remarks on 
Sarcopsyfla penetrans as a cause of the disease. 

W. nimmt an, daB andauernde Keizung durch Sandflohe an den 
Zehen zu fibrCsen Kontraktionen fiihrt, deren Folge dann Selbst- 
amputation ist Die geographische Verbreitung von Ainhum and Sand- 
floiien ist fast die gleiche. 

Note 26. The Tabanidae of Angola. 

Aufzahlung von 21 in Angola gesammelten Tabaniden, von denen 
14 bisher nicht bekannt waren. 

Note 28. The sting of the common Angolan scorpion (Uroplectes 
occidental is Simon) and some other venomous Angolan Arthropods. 

Die Stiche sind sehr schmerzhaft, heiBes Wasser wirkt lindemd. 

Note 29. On the aetiology of Elephantiasis arabum. 

W. fand bei iiber 50 Fallen von Elephantiasis keinmal Filaria 
Bnnerofti and nimmt an, daB nicht immer diese, sondern haufig auch 
Mikrokokken, die er aus Geschwttren der Eranken ztichten konnte, die 
Erreger seien. 

Note 30. Fatal bite of the Puff Adder (Chotho arietans Gray). 

Ein Fall verlief todlich, ein Fall konnte mit Kali permang. geheilt 
^rden. W. Bensen (Berlin). 

Apelt, F., Ueber Hospitaler der Westkttste Sud-, Mittel- 
nnd Nordamerikas. (Miinch. med. Wochenschr. 1907. S. 272.) 

A besuchte 1906 13 Krankenh&user an der amerikanischen West- 
ku»te and schildert die dabei gemachten allgemeinen gesundheitlichen 
Beobachtungen und insbesondere die auf die Bekampfung des Gelbfiebers, 
des tropischen Wechselfiebers, des Typhus und der Buhr gerichteten 
Bestrebungen. Auch Tuberknlose, Pocken und Pest finden Beachtung. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Dutton, Todd and Tobey, Concerning certain parasitic Pro< 
tozoa observed in Africa. (Annals of Tropical Medicine and 
Parasitology. Vol. 1. 1907. No. 3. pp. 287—345. 13 plates.) 

Diese Publikation ist der achte Teilreport der Expedition der 


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AUgemeines iiber Infektions-Krankheiten. 


Liverpooler Tropenschule zum Congo und enth&lt die Mitteilung fiber 
Parasiten, die wahrend der Studien bei verschiedenen Tieren gefunden 
warden. 

Bei Hunden wurde ein Leukocytozoon nnd zwar sowohl die 
freien gregarinenilhnlichen Stadien als auch die intrakorpuskulfiren 
Formen gefunden. Bei VOgeln wurde Proteosoma niemals beobachtet; 
hingegen wurde Halteridium sehr hfiufig gefunden. In Asturinnkt 
Monogrammiea warden Trypanosomen und Parasiten Ton dem Typus 
des Leukocytozoon Danieletcski gefunden. Ein sorgffiltiges Stadium einiger 
mit Romanowsky gefarbter Praparate zeigte das Vorkommen von 
mftnnlichen und weiblichen Gametocyten, wie sie von Schaudinn 
beschrieben warden. 

Besonders bemerken9wert war, daC der Kern der Wirtszelle nur sehr wenig abge- 
plattet war und eigentlich niemals die Sanduhrform zeigte, wie friiher beschrieben. Der 
Parasit selbst zeigte deutlich eine Zusammensetzung ans Ekto- und Endoplasma und 
einen deutlichen Periplast, welcher in der Form einer nicht granulierten, deutlich rbt- 
lich farbbaren Scheide den ganzen Parasiten umgab. Sowohl in den jungen Parasiten, 
als auch in den Gaineten, konnte das Ektoplasma deutlich vom Endoplasma geschieden 
werden. Das Endoplasma farbte sich in einem tiefblauen Farbenton und enthielt eine 
groCe Anzahl von groben oder feinen, lebhaft f&rbbaren chromatophilen Kbrnchen. Das 
„Kernmaterial u ist bedeutender in erwachsenen als in jungen Individuen. Der Blepha- 
roplast in den jungen Parasiten besteht aus 2—4 Kbrnchen, welche paarweise ange- 
ordnet sind; ringsum den Blepharoplast befindet sich gewbhnlich eine Vakuole. In 
alteren Parasiten besteht er aus einem Zentralkornchen, nm welches 6—8 kleine Kbrnchen 
herumgelagert und durch feine Linien miteinander verbunden sind. 

Viele Parasiten zeigten eine sehr bemerkenswerte Erscheinung in der Form einer 
mit Romanowsky rotgefarbten Linie, welche meistens im Endoplasma gelegen war. 
Jene Parasiten, welche diese Linie zeigten, besalien gewbhnlich keinen Blepharoplasten. 
Diese „Linie u war in alien Stadien des Parasiten vorhanden und war am breitesten in 
der Mitte, gewbhnlich gebogen, und auf beiden Seiten in die Lange ausgezogen. Ueber 
die Entstehung dieser Linie und liber deren Bedeutung sind die Autoren nicht imstande 
etwas Bestimmtes auszusagen. Jedenfalls schien es ihnen am wahrscheinlichsten, dati 
diese Linie vom Kerne ihren Ursprung niramt, indem in den allerjungsten Parasiten 
auf beiden Seiten der dichtgefiirbten Kernmasse ein feiner Fortsatz herauswachst. Diese 
Linie besteht, wie an beschiidigten Parasiten gesehen werden konnte, aus einigen (bis 
zu 4) Filamenten. Manchmal teilt sie sich langsweise und dann tindet gewbhulich m 
gleicher Zeit Kernteilung stntt. Auch Querteilung dieser Linie wnrde beobachtet, indem 
der mittlere Teil derselben sich verdiinnte, wobei zu gleicher Zeit sich ein dunklee 
Kbrnchen zn beiden Seiten der Verdiinnung entwickelte. Die Autoren vergleichen diesen 
Vorgang mit dem ersten Stadium der Formation des Bewegungsapparates nach 
Schaudinn. Es ist vielleicht dies die dritte Teilung des Kerns nach Schaudinn 
und die Bildung der GeiUel. Interessant ist die Beobachtung, dati die jungen Parasiten, 
nachdem sie auch frei im Blutplasma gesehen warden, auch ohne Hilfe einer GeiCel von 
Wirtszelle zu Wirtszelie wanciern kbnnen. 

In den Praparaten, in welchen das Leukocytozoon vorhanden war, wurden auch 
6 Trypanosomen gesehen, welche jedoch mit keinen Formen des Leukocytozoons in 
direkte Verbindung gebracht werden konnten. Die Trypanosomen waren 49 u lang 
nnd 3,7 u breit. Der Blepharoplast ist dunkel gefarbt and liiiiglieh im Parasiten ge- 
lagert, gewbhnlich hinter einer wenig hervortretenden Vakuole. Der Kern war hinter der 
Mitte gelagert, umgeben von einer hellrotlich gef&rbten Zone. Das Cytoplasma dea 
Parasiten zeigte deutliche Langsstreifung. 

Trypanosomen wurden beschrieben bei Bycanistes Buccinator. 
Ferner Trypanosomen nnd Drepanidien bei Scklangen, und 
Trypanosomen bei Krokodilen. Letztere 35 g lang (ohne Geifiel 
gemessen) nnd 2 g breit. Eine eingehendere 8tudie ist den Frosch*- 
trypanosomen gewidmet. T. loricatum wurde beinahe in aUen 
Froschen gefunden, die mit Trypanosomen infiziert waren, und sehr oft 
warden auch: die anderen Formen, wie T. sanguinis , inopinatum, mega , 


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Malaria. 


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haryeeukton gleichzeitig gefnnden. Trypanosomenhaltiges Blut wurde 
mit physiologischer KochsalzlOsung gemischt and far einige Tage auf- 
bewahrt and untersucht. Die Entwicklung von T. loricatum geht so vor 
rich, daB der Parasit zuerst seine L&ngsstreifung verliert und an beiden 
Enden anschwillt. In spateren Stadien wird der Parasit ganz sph&risch 
nnd verliert seine GeiBel. Hieranf zeigt er eine Einschn&rnng und 
bevor die Teilnng in zwei Individnen vollendet ist, zeigen sich schon 
Andeutungen einer weiteren Teilnng der beiden Tochterzellen. Bevor 
die erste Teilnng vor sich geht, konnte im Kerne ein zungenformiger 
beweglicher Fortsatz beobachtet werden. Die Teilnng in Tochter- 
individuen schreitet so fort nnd es warden einmal 41 Individnen ge- 
zahlt. Jeder dieser Parasiten wird dann birnformig nnd beginnt von 
dem breiteren Ende eine GeiBel zu entwickeln. Einige bemerkenswerte 
Formen warden nach 24 Stunden gesehen, z. B. in Form von sehr 
groBen runden Parasiten, welche zwei GeiBeln zeigten. 

Diese Entwicklung wurde dann anch in gef&rbten Prdparaten ver- 
folgt und im wesentlichen bestatigt gefnnden. Die Antoren kommen zn 
dem SchluB, daB die Froschtrypanosomen, die bis jetzt beschrieben worden 
rind, wie T. rotatorium eine lanzettformige von Laver an nnd Me s nil 
beschriebene Form, T. mega nnd T. karyzeukton nur Entwicklungsstadien 
des T. loricatum sind. In 99 Proz. der nntersnchten Frosche waren 
anch Drepanidia gefnnden, die einer sorgfaltigen Beschreibnng gewiirdigt 
werden. Anch Cytamoeba wurde bei einigen Froschen vorgefnnden. 

Bei Fischen wurden Trypanosomen gefnnden. Ein Fisch 
enthielt spirochatendhnliche Organismen; dieselben waren fadenformig, 
18 u lang nnd hdchstens 0,6 p breit. Anch Anschwellungen konnten 
beobachtet werden. Fur diese Spirochaten wird der Name Spirochaeta 
jonesii vorgeschlagen. 

Bei Arthropoden nnd zwar bei Myzorhynchus paludis warden in dem 
Brostgewebe keulenformige Parasiten gefnnden, welche nach ihrem Frei- 
werden eine GeiBel entwickelten. 

In dem Verdauungskanal von Pyretophorus costalis wurde ein Coccidium 
gefnnden. 

In Glossina palpaUs wurde eine Myxosporidie gefunden, fur welche 
der Name Myxosporidium heibergi vorgeschlagen wird. 

Breinl (Liverpool). 

Kftlz, Malaria ohne Parasitenbefnnd und Parasitenbefund 
ohne Malaria. (Arch. f. Schiffs- n. Tropen-Hyg. 1908. No. 8.) 

Das Fehlen der Malariaparasiten im peripheren Blut schliefit bei 
son>t zutreffendem klinischen Befund die Diagnose „Malaria“ keineswegs 
a ns. Es gibt eine ganze Anzahl von Erkrankungen an Malaria tropica, 
bei denen namentlich in den ersten Pr&paraten keine Parasiten gefunden 
werden (in Kamernn nach Verf. 20 Proz.), insbesondere bei erwachsenen 
Eingeborenen. Die relative Malariaimmunitat des erwachsenen Negers ist 
eine brtlich ziemlich eng begrenzte. Kommt ein Neger in andere 
Gegenden, go erkrankt er daselbst hftuflg an heftiger aknter Malaria. 
— Aber anch bei Europ&ern gibt es Malaria ohne Parasitenbefund, so 
namentlich bei den einer mangelhaften Chininprophylaxe huldigenden 
und bei H&moglobinurie. — Umgekehrt kdnnen anch Parasiten vor- 
handen sein, ohne daB Malariaanf&lle bestehen. Solche Falle kOnne 


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108 


Malaria. 


man nicht als Malaria bezeichnen, da man auch Typhusbazillentrager 
nicht als Kranke bezeichne. — Auf Grand eines Versuches glanbt Verf. 
annehmen zu konnen, daB sich Jugendformen von Malariaparasiten 
14 Stunden lang aufierhalb des menschlichen Blutes lebensfahig er- 
halten. Infektion mit Serum gelang. Miihlens (Wilhelmshaven). 

Ziemann, H., Z u r FragederArteinheit der Malariaparasiten. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1907. S. 1912.) 

Gegeniiber A. Plehn bestreitet Z., daB er die einheitliche Ent- 
stehung des Wechselfiebers vertrete. Er habe mehrfach das Vorkommen 
der Tertiana-, der Quartana- und der Perniciosaparasiten in ganz West- 
afrika hervorgehoben. In Togo ist die Quartana ziemlich hfiufig, in 
Kamerun die gewohnliche Tertiana gegeniiber Ostafrika seltener. Die 
westafrikanischen Perniciosaparasiten sind verschieden von den Perniciosa¬ 
parasiten anderer Tropenlfinder und Italiens. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Wood, A mixed infection with tertian and quartan ma¬ 
laria occurring in a patient with symmetrical gangrene. 
(Journ. of the Americ. med. Ass. Yol. XLIX. 1907. No. 23.) 

46jfihriger, sehr robuster Kramer; Syphilis und Malaria anamnestisch 
negativ. — Eine Woche nach einem fieberhaften Anfall leichte psycho- 
patische Erscheinungen: bizarre Einfalle, Unfahigkeit den Geschaften 
nachzugehen, Apathie. Nach 9 Monaten: Incontinentia urinae et alvi, 
Muskelschwache, Tremor, Abschwachung der Reflexe und Taktilit&t, 
Yerlust des Temperatursinnes, Sprachstorungen; wahrend des letzten 
Monates Schiittelfroste; beginnende Gangran an den Handen, spfiter 
symmetrische Hautgangran an Handen und FuBen. Keine Malaria- 
symptome, trotzdem positiver Tertianabefund. Spater Fieber mit Er- 
scheinung der Quartana im Blute, bei jedem neuen Fieberanfall Auf- 
treten der Quartana: Tertiana latent, Quartana eigentliche Ursache der 
Malariasymptome. Chinin, Besserung; Rezidive, Exitus. — Weitere 
7 Falle von symmetrischer Hautgangran offenbar desselben Ursprunges: 
Malariagegend, 4 Falle in demselben Hause, andere Ursachen (Ergotismus) 
ausgeschlossen. — Malaria kann symmetrische Hautgangran, die von der 
klassischen Beschreibung Raynauds etwas differiert, verursachen Oder 
veranlassen. Mischformen von Tertiana und Quartana sind auSerst 
selten, gewohnlich pradominiert der eine Oder der andere Typus. Bei 
Malaria konnen sich gewisse besondere Psychosen entwickelu, wahr- 
csheinlich toxischen Ursprungs. BouCek (Prag). 

Freudenthal, 6 ., Eine Malariaepidemie in Peine (bei Han¬ 
nover) hauptsachlich bei Kindern beobachtet. (Archiv f. 
Kinderheilkunde. Bd. 47. 1907. Heft I—IIL p. 95—115.) 

Die auf Moorgrund teilweise auf Pfahlroste gebaute von Mooren 
und haufig uberschwemmten Wiesen umgebene Stadt Peine ist ein 
bisher unbekannter Malariaort. Die Erkrankung befallt auch hier vor- 
zugsweise die jugendlichen Kinder und zwar als klinisch mehr oder 
weniger klare Tertiana. In der Mehrzahl der Falle lieBen sich Lues, 
Skrofulose oder Potatorium der Eltern als vielleicht begunstigende 


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Malaria. — Rekurrens. 109 

Afomente nachweisen. Besonders hfiufig traten Bronchopneumonien, ge- 
legentlich anch Dyspepsien als Komplikationen anf. 

Noeggerath (Berlin). 

Orme, Bryce, Cases of blackwater fever in the Malay-Pen- 
insula. (Journal ot tropical medicin and hygiene. 1. Febr. 1908. No. 3.) 
0. halt Chinin fur eine ganz besonders geffihrliche Ursache des 
.Schwarzwasserfiebers. Ben sen (Berlin). 

Sofer, L, Ueber dasWesennnddieBehandlnngdes Schwarz¬ 
wasserfiebers. (Medizinische Blatter. 1908. No. 18. p. 206 und 
No. 19. p. 217.) 

Far den Praktiker bestimmte kurze Znsammenfassnng der Ansichten 
fiber das Wesen des Schwarzwasserfiebers nnd seine Behandlung. 

A. Ghon (Wien). 

liefer, C. F., Malignant disease and malaria. (Med. Record. 
Vol. 71. 1907. p. 678-680.) 

Anf Grand von Statistiken nnd eigenen Beobachtungen fiber das 
Vorkommen von malignen Krebsgeschwfilsten nnd Malaria nnter der 
Stadt- and Landbevfilkerang von Cuba nnd Nen-England gibt Verf. einen 
Beitrag zu der vielfach behandelten Frage, ob die genannten beiden 
Krankheiten in einem Antagonismns zueinander stehen. 

Nach einer Znsammenfassnng der wichtigsten Literatnr werden 
vergleichende Uebersichtsbilder gegeben: 1. fiber die Sterblichkeit an 
Krebs nnd Malaria in den Stfidten Cnbas mit mehr als 20000 Einwohnern 
(1904—1905), 2. in den Provinzen Cubas (1904), 3. fiber die Sterblich¬ 
keit an Krebs in Cuba (1904) verglichen mit der in Neu-England (1900); 
dann wird dieselbe Frage speziell fur Santiago de Cuba behandelt. Verf. 
glanbt sich zu folgenden Schlfissen berechtigt: 

1. Es besteht kein Antagonismns zwischen Malaria nnd malignem 
Krebs. 

2. Eine Malariainfektion znm Krebs hinzu kommend beeinflnfit 
ietzteren nicht. 

3. Tropenbewohner zeigen eine gewisse, jedoch in weiten Grenzen 
tchwankende Immunitfit malignem Krebs gegenfiber. 

4. Fortschritte der Zivilisation mit Annahme der Lebensgewohnheiten 
der Weiflen verringem diese Immnnitfit. Schellack (Rovigno). 

Fraenkel, Untersuchnngen fiber die Spirillen des euro- 
pfiischen Rekurrensfiebers. (Berl. klin. Wochenschr. 1907. 
No. 22.) 

Verf der in einer frftheren Mitteilung (No. 6 dieser Wochenschr.) 
ffir eine Uebereinstimmnng der Spirillen des europftischen nnd des 
amerikanischen Rekurrensfiebers eingetreten war, hat neuerdings doch 
erhebliche Unterschiede zwischen diesen zwei Spirillenarten nachweisen 
kOnnen. 

Das Material stammte von Herm Dr. Blnmenthal in Moskau; 
im letzten Winter sind in nnd um Moskan etwa 1500 Erkrankungsffille 
bekannt geworden, wfihrend vom amerikanischen Reknrrensfieber nur 
2 Erkrankungsffille bis jetzt publiziert worden sind. Wir sind also 


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no 


Rekurrens. 


allein auf die Unterscbiede znr Differenzierung angewiesen, die sich an 
den Spirillen selbst und im Tierversuch herausstellen. 

Die Spirillen des enropaischen Rekurrensfiebers (Sp. Obermeieri ) 
haben eine feinere Gestalt und einen zarteren Leib als die anderen. 
Bewegungsvorgange kann man in verschiedener Weise feststellen, schnelle 
Drehbewegungen um die Langsachse, Auf- und Zuklappen der Schraube, 
sowie Vor- und Ruckschnellen des ganzen Korpers ohne eigentliche Loko- 
motion; auBerdem aber kommt bei der Sp. Obermeieri noch ein oft recht 
schnelles Vorwartsschwimmen des ganzen Individuums vor. Besonders 
zarte seitenst&ndige GeiBelfaden sind vorhanden, ahnlich wie bei den 
anderen zwei genannten Spirillenarten. 

Die Farbung ist oft nicht leicht, selbst bei Verwendung der neuer- 
dings modifizierten G i e m s a - Methode ist es bisweilen schwer, gute Bilder 
zu erhalten. 

Von Yersuchstieren sind Manse, Ratten, Hamster und Affen empfang- 
lich fur die Infektion, nicht aber Kaninchen, Meerschweinchen u. a. 
Doch ist die Virulenz der Spirillen des enropaischen Rekurrensfiebere 
fur die Tiere lange nicht so grofl, wie die der anderen zwei Arten. 

Aktive Immunisierung tritt ein, ist allerdings oft nach der ersten 
Infektion noch nicht absolut, wenn auch deutlich nachzuweisen. Tiere, 
die gegen eine dieser drei Spirillenkrankheiten immun gemacht worden 
sind, sind es nicht gegen Infektion mit einer der zwei anderen, wenn 
auch der Rrankheitsverlauf ein wesentlich leichterer zu sein pflegt. 

Die Verschiedenheit der drei Spirillenarten lieB sich auch dm-ch 
den Pfeifferschen Versuch (Injektion von x / 10 00111 Serum eines 
immunisierten Tieres zugleich mit x / a ccm spirillenhaltigen Blutes in 
die Bauchhdhle von Ratten und MSlusen) und durch die Wirksamkeit 
des Blutes immuner Tiere auf Spirillen im h&ngenden Tropfen zweifels- 
frei feststellen, ebenso durch den EinfluB des gleichartigen Serums auf 
die Spirillen desselben Ursprungs (Agglutination). 

Erhitzt man das zur Infektion dienende Blut auch nur bis 45 0 fur 
eine halbe Stunde, so erkranken die geimpften Tiere nicht und zeigen 
keinerlei Immunisationserscheinungen. 

Ebenso verliert das durch Berkefeld- und Chamberland- 
Filter fitrierte spirillenhaltige Blut seine Infektionsfahigkeit. 

Irgendwelche Anzeichen, dafi das europaische Rekurrensfieber durch 
Zecken iibertragen wird, sind nicht vorhanden, es scheint das im Gegen- 
teil sehr unwahrscheinlich zu sein. Mehr fur sich hat die Annahme, 
daB Wanzen als Uebertrager in Frage kommen. 

W. v. Brunn (Rostock). 

Schellack, C., Morphologische Beitrage zur Kenntnis der 
europaischen, amerikanischen und afrikanischen Re- 
kurrensspirochaten. (Arb. a. d. Kaiserl. Gesundheitsamt. Bd. 27. 
1908. Heft 2.) 

Verf. untersuchte das Blut von Rekurrenskranken und von infizierten 
Affen, Ratten und Mausen. Zur Farbung wurden die Giemsaschen 
und Lbfflerschen Methoden, sowie das Delafieldsche und Heiden- 
hainsehe Hamatoxylin verwandt. Um die Spirochaten moglichst in 
ihrer Form zu erhalten, wurde 1 Tropfen Blut mit 1 Tropfen 3proz. 
Osmiumsaure gemischt und vorsichtig angetrocknet. 


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Recurrena. 


Ill 


Die Bewegung der afrikanischen Spirochete ist sehr lebhaft, 
namentlich nach den Seiten. Die einzelnen Wellen sind ziemlich weit. 
Die Yorwartsbewegung erfolgt im Zickzack. Beim Einsatz der Serum- 
wirkong sieht man oft Einrollungsformen. Im Gegensatz dazu besitzt 
die amerikanische ein gewisse Starrheit der Form, ffihrt nnr schwache 
seitliche Bewegungen aus nnd bewegt sich fast gradlinig und sehr lang- 
sam v or warts. Die europfiische Form steht in der Mitte zwischen beiden. 

Lange der afrikaniscben Spirochaten 24—30 p, der amerikani- 
schen 17—20 p und der europ&ischen 19—20 p. Dicke entsprechend 
0,45 p, 0^1 p und 0,39 p. 

Die Fortpflanzung der Spiroch&ten erfolgt nach Vert auschliefilich 
durch Querteilung. Als Sttitzen fiir seine Auffassung fiihrt er an: 
1. Y-Formen werden sehr seiten gesehen, 2. die Dicke der einzelnen 
Spirochaten ist auBerst konstant, 3. an den Enden zusammenhangende 
Spirochaten zeigen nur 4—6 Wellen, wahrend sie, wenn aus Langs- 
teilung hervorgegangen, ungefahr 10 haben mttBten, 4. das Verbindungs- 
stfick als Teilungspunkt ist deutlich zu sehen. Als Rest dieses Ver- 
bindungsstiickes bleibt oft ein sog. Endfaden bestehen, der sich mit zu- 
nehmendem Alter des Parasiten nur allmahlich zuriickbildet. Dieser 
Endfaden ist kein Bewegungsorgan. 

Eine undulierende Membran konnte am lebenden Objekt nicht nach- 
gewiesen werden. In Mazerationsprodukten sah Yerf. hie und da Y T er- 
dachtiges, glaubt aber, dad es sich nur um auseinander geflossenes 
Ektoplasma gehandelt hat. Ebenso hS.lt er die mehrfach gesehenen 
seitenstandigen Geideln fur Mazerationsprodukte. 

An feineren Strnkturverhaltnissen konnte Verf. die Existenz eines 
Ektoplasmas und eines Kemstabes bestS,tigen. Die als Ruhestadien be- 
schriebenen eigentumlichen Gebilde halt er fiir Plasmoptysen. 

In Schnittpraparaten konnte keine Differenz zwischen den einzelnen 
Spin,chatenformen festgestellt werden. Man sieht in den Gefafien meist 
starke Agglomeration und Zopfbildung, die wahrscheinlich kiinstlich 
dutch die Konservierungsfliissigkeit erzeugt sind. AuBerhalb des Blut- 
strtmies kommen die Parasiten nur in der Umgebung entziindeter Ge- 
faBe vor (in geringen Mengen), sonst niemals im Gewebe. Die Rekurrens- 
spirochaten sind ausgesprochene Blutparasiten. Sie linden sich in den 
Kapillaren gleichmaBig verteilt fiber alle Organe. 

Yerf. schlfigt die Bezeichnungen Spirochaeta Obermeieri , Spirochaeta 
A'oryi and Spirochaeta Duttoni vor. Meinicke (Saarbrticken). 

Moffat, R. M., Spirillum fever in Uganda. (Lancet. 1907.1. p. 19.) 

Das Spirillenfieber ist nicht neu in Uganda und wurde friiher haufig 
mit Malaria verw'echselt. Die Inkubationszeit dauert 7—10 Tage, kann 
sich aber bei partieller Immunitfit auch noch langer ausdehnen. Eine 
durchgemachte Attacke verleiht teilweise, mehrere vollige Immunitat. 
Gewiihnlich folgen auf die Initialattacke 3—5 Rfickffille. Zwischen den 
Rezidiven liegen 5—30 Tage Zwischenraum. Dauer eines Anfalls be- 
triigt 3—5 Tage. Die Zahl der Parasiten im Blut ist in den ersten 
Aulallen grofier als in den letzten. Allgemeines Uebelbefinden, Kopf- 
wth, Appetitlosigkeit gehen dem schnellen Fieberanstieg vorher. Die 
Zange ist dick, weiB belegt, Erbrechen haufig, Obstipation. Milz und 
Leber sind haufig vergrfiBert. Es besteht Kurzatmigkeit, Husten manch- 


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Rekurrens. 


mal mit dickem, blutig tingiertem Sputum. Wahrend des Fiebers be- 
wegt sich der Puls um 156. Die Spirillen konnen in frischen und ge- 
farbten Blutpraparaten nicht gefunden werden. Die Prognose ist nur bei ;' ■ 
Kindern schlecht Gravidae abortieren gewohnlich. Ein spezifisches 
Mittel gibt es nicht. Arsen scheint die Rezidive zu beschranken. 

H. ZieschG (Breslau). 

Rabinowitsch, Marcus, Ueber die Riickfalltyphus-Epidemie 
in Kiew. (Berl. klin. Wochenschr. 1907. No. 44 u. 45.) 

Wie das gleiche fur eine ganze Reihe grofier russischer Stfidte be- 
reits bearbeitet und publiziert worden ist, gibt Verf. hier einen Ueber- 
blick iiber die Rekurrensstatistik in Kiew. 

Kiew hat ca. 300000 Einwohner. Vom Januar 1906 bis 1. Juni 1907 
sind allein in 7 Krankenhausern der Stadt (von den iibrigen waren 
Zahlen nicht zu bekommen) 4232 Kranke mit Riickfalltyphus aufge- 
nommen worden. 

Manner erkranken S^mal haufiger als Frauen. Dem Lebensalter 
nach standen die meisten Patienten zwischen dem 15.' und 50. Jahre, 
doch kamen auch 21 Falle unter 5 Jahren und 1 iiber 80 Jahren zur 
Beobachtung. 

Die Hauptschuld an der Entstehung und Verbreitung der Seuche 
tragen die fast unglaublichen hygienischen Zustande in der Stadt, die 
vom Yerf. naher beleuchtet werden. 

Gestorben sind im ganzen 103 Kranke. Die Wanzen scheinen dem 
Verf. nach 20 eigenen Yersuchen keine Rolle bei der Uebertragung 
dieser Krankheit zu spielen. W. v. Brunn (Rostock). 

Mollers, B., ExperimentelleStudien uber die Uebertragung 
des Ruckfallfiebers durch Zecken. (Zeitschr. f. Hygiene u. 
Infektionskrankheiten. Bd. 58. 1907. p. 277.) 

Auf Veranlassung von R. Koch unternahm Mollers an Zecken, 
welche aus Ostafrika stammten, Fiitterungsversuche. Es sollte festge- 
stellt werden, wie oft die Zecken das ostafrikanische Ruckfallfleber 
auf gesunde Versuchstiere zu iibertragen vermbgen, ohne von neuem 
an infizierten Tieren gesogen zu haben, ferner ob die Nachkommen von 
Zecken, welche zwar selbst noch infiziert haben, aber niemals an kranken 
Tieren gefuttert waren, die Infektion weiter iibertragen konnten. 

50 Proz. der von R. Koch mitgebrachten Zecken erwiesen sich als 
infiziert. Sie wurden in Glasern, welche zur Halfte mit trockener Erde 
gefullt waren, bei 20—25 0 aufbewahrt und an der rasierten Bauchhaut 
von Affen, Kaninchen, Ratten und Mausen gefuttert, wobei sie bis zur 
Sfittigung 1 / 2 —4 Stunden brauchten. Die vollgesogenen Zecken ver- 
kriechen sich, in das mit Sand gefullte Glas zuriickgebracht, schnell; 
bringt man sie in leere Glaser, so begatten sie sich bald. Die Mutter- 
zecke legt bis zu 80 hirsekorngrofie, dunkelgraue Eier in Haufen, aus 
denen nach einigen Wochen die Larve, nachdem sie sich in der Eihttlle 
gehautet hat, hervorkommt. 4 Wochen nach dem Auskriechen konnen 
die jungen Zecken zum ersten Mal am Versuchstier gefuttert werden. 
Etwa 2 Wochen nach jeder Futterung wiederholt sich die Hautung bis 
zur Geschlechtsreife, welche nach der 6. Oder 7. Futterung anftritt. . 
Im Alter von 2 Jahren sterben die Zecken allmahlich ab. Ein vollge- 


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An&mie. — Ulc. trop. — Rocky Mountain fever. 


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serenes erwachsenes Tier kann eine Grbfie von 12 X 10 X 7 mm er- 
reichen. Ausgewachsene Zecken kbnnen bis zn 1 Jahr am Leben bleiben, 
ohne an einem Wirtstier Bint gesogen zn haben. 2 Laboratoriums- 
diener, welche wahrscbeinlich nnbemerkt gebissen worden waren, er- 
krankten; der eine hatte 7 schwere Anfalle, welche mehrmonatliche 
Erankenhausbehandlung erforderten. 

Die Versuche ergaben, dafi sich die Spirillen des ostafrikanischen 
Zeckenfiebers bis in die 3. Zeckengeneration vererbten, ohne dafi die 
2. Generation an einem reknrrenskranken Tier gefttttert wurde. Zecken, 
deren Eltern ihre Infektiositat lediglich dnrch Vererbung erhalten haben, 
ohne dafi beide Generationen je mit einem reknrrenskranken Tier in 
Berfihrung kamen, sind also noch imstande, gesunde Tiere mit Riickfall- 
fieber zn infizieren. 

Diese Tatsache ist fur die Epidemiologie des afrikanischen Riick- 
fallfiebers sehr wichtig. Vielleicht herrschen anch bei anderen durch 
Zecken nbertragenen Senchen fihnliche Verhaltnisse. 

S chi 11 (Dresden). 

Cicaterri, B., Contribnto clinico alio studio delle anemie 
gravi di origine infettiva. (II Policlinico Sez. med. 1907. No. 10.) 

Verf. beschreibt den klinischen Fall eines 11 jahrigen, an schwerer, 
von Staphylokokken und Streptokokken erzeugten Anamie verstorbenen 
Knaben, bei dessen Autopsie abgesehen von den eigentlichen Verande- 
rangen einer Anaemia perniciosa das Eindringen von Keimen in die 
Organe festgestellt werden konnte, die die Kennzeichen der Staphylo¬ 
kokken und Streptokokken aufwiesen. Nach Yergleich seiner Faile mit 
den von anderen Autoren vorgebrachten unterwirft Verf. die verschie- 
denen, fiber die Aetiologie dieser Formen herrschenden Meinungen einer 
genaueren Prhfung und kommt zu dem Schlusse, dafi es schwere Faile 
von Anamie gibt, die wie Septikamien verlaufen und eben diesen zuzu- 
schreiben sind. Viererlei sind, so fahrt er fort, die gewQhnlichen 
atiologischen Erreger: Streptococcus, Staphylococcus, B. coli , Typhusbazillus, 
Tetragenus, Kochscher Bazillus, Vereinigungen mehrerer derselben, die 
alle hauptsachlich durch ihre hamolytischen Eigenschaften einwirken. 
Solche Anamien verlaufen akut und mit Fieber, ihre Diagnose stiitzt 
sich auf die histologische und bakteriologische Priifung. 

Ceradini (Mailand). 

Bruit, Note sur l’ulcfere phag6d6nique, dit des pays 
chauds, en Alg6rie. (Arch. f. Schiffs- u. Trop.-Hyg. 1907. No. 19.) 

Beschreibung von drei in Algier beobachteten Fallen von phage- 
danischen Tropengeschwfiren an den Extremitaten. Die Aetiologie ist 
trotz des symbiotischen Yorkommens von Spirochaten und fusiformen 
Bazillen noch nicht gekiart. Mtthlens (Berlin). 

Rieketts, Further experiments with the wood tick in rela¬ 
tion to Rocky Mountain spotted fever. (Journ. of the Americ. 
med. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 15.) 

Neben erwachsenen HolzbOcken kbnnen anch Larven und Nymphen 
das Virus aufnehmen, behalten es wahrend der Verwandlung, so dafi sie 
nach vollendeter Metamorphose infektios sind. Das infizierte Weibchen 

Em« Abt. Refer. B4. XUT. No. 4/6. 8 


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Xadani. — Drilsenfieber, 


kann das Virus auf die junge Brut durch Eier iibertragen; es ist aber 
sicher, daB sich zwischen den Larven auch viele nicht infizierte befinden 
konnen. Das Virus ist enthalten in Speicheldriisen, Darm und germina- 
tiven Organen des Weibchens; dieser Zustand ist wahrscheinlich eine 
generalisierte Infektion. BouCek (Prag). 

Ogata, M., Vorl&ufige Mitteilung uber die Aetiologie der 
Tsutsugamushi-(Kedani-)Krankheit (Ueberschwemmuugs- 
fieber nach Baelz). (Deutsche med. Wochenschr. 1906. S. 1828 
u. 1868.) 

Die von 0. und I s h i w a r a mit dem Material von 9 Kranken sowie 
von 5 menschlichen Leichen durchgefiihrten mikroskopischen, kulturellen 
und tierexperimentellen Untersuchungen ergaben folgendes: In patho- 
logisch veranderten Stellen und Organen so vie im Blute der Tsutsu- 
gamushikranken findet man eine Art amfiboider Protozoen Oder Sporozoen 
von verschiedener Form und Grofie, sowie deren Sporozoiten und Cysten. 
Diese Protozoen (Sporozoen) vermehren sich im Blute, in Geschwuren, 
Lymphdriisen und anderen Organen und zeigen verschiedene Entwick- 
lungsformen. 0. hat den Entwicklungskreis mikroskopisch verfolgt 
Durch die Geschwiirsmasse und das Blut der Kranken wurde das Leiden 
auf Versuchstiere iibertragen. In diesen warden die gleichen Protozoen 
gefunden und gezuchtet. Die Tiere gewannen eine gewisse Immunitat; 
ihr Blutserum wirkte heilend. Die Reinkultur der Protozoen, sowie die 
durch Reinzuchtung entstandenen kasigen Massen sind hochst pathogen 
fur Kaninchen, femer ubertragbar auf Affen und Mause, schwer dagegen 
auf Meerschweinchen, wobei sich eine mit der Tsutsugamushikrankheit 
gleichbedeutende Erkrankung entwickelt. 0. nennt diese Protozoen Tsu- 
tsugamushisporozoa (Kedanisporozoa). Die Sporozoen sind bei Tsutsu- 
gamushi- und Kedanikrankheit die gleichen. Die Uebertragung der 
Sporozoen auf Menschen vermitteln junge Milben, welche auf Pflanzen 
des Infektionsortes vorkommen. Im Korpersafte der achtbeinigen Milbe, 
die 0. auf Artemisia in der Nahe des Seuchenherdes entdeckte, fanden 
sich keulenformige, bewegliche, sporozoitenahnliche Gebilde, sowie amb- 
boide Zellen und Cysten. Die bei Tsutsugamushikranken von 0. fest- 
gestellten Bakterien scheinen keine ursachliche Bedeutung zu haben. 

Zeichnungen der im Bint und in den Geweben beobachteteu Ent- 
wicklungsformen sind beigefiigt und genauer eriautert. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Terflinger, Epidemic of glandular fever. (Journ. of the Americ. 
med. Ass. Vol. L. 1908. No. 10.) 

150 Falle des „Driisenfiebers“ nnter den Kranken und Bediensteten 
des Northern Indiana Hospital-Logansport Die Endemie herrschte im 
November bis Mftrz 1904—1905 und war nur auf Erwachsene (18—80 J.) 
beschrankt. Keine Komplikationen. Verf. erkennt oifenbar das Leiden 
fur eine selbstandige Krankheit an. Inwieweit dies zutrifft, laBt sich 
auch auf Grund dieser Arbeit nicht beurteilen. Boufiek (Prag). 

Woolley, P. G., Climatic bubos. (Archiv f, Schiffs- u. Tropen-Hyg-. 
1907. H. 2.) 

Bei der bakteriologischen und mikroskopischen Untersuchung von 


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Qrieatbeole. 


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2 Fallen von klimatischem Bubo waren keine Mikroorganismen nachweis- 
bar. Vert spricht sich gegen mikrobischen Ursprung der Erankheit 
io&. Pathologisch-anatomisch war bei Schnittuntersuchung eine endo- 
theliale Hyperplasie mit Zonen von flbrinds-purulenter Exsudation und 
Koagulationsnekrosen festzustellen. In den letzteren waren u. a. Makro- 
phagen, darunter einige mit aufgenommenem Zellmaterial, in dem zum 
Teil 0,5—1,5 i* groBe, intensiy gefarbte, rnnde Eorperchen eingelagert 
waren (wahrseheinlich degeneriertes Zellmaterial). 

Mtihlens (Berlin). 

■antaowsky, Die Orientbenlen nnd ihre Aetiologie. (Zeitscbr. 

£ Hyg. u. Infektionskrankh. Bd. 68. 1907. p. 327.) 

Vor 2 Jahren fand Marzinowsky im Sekret von Orientbeulen 
ein Protozoon, nnd zwar intrazellnlkr. Er hat seine Stndien im Eau- 
kasus, wo 2 endemische Herde der Erankheit vorhanden sind, fort- 
gesetzt. Die Krankheit, welche akut wie chronisch auftritt, hat einen 
zyklischen Verlanf, stellt eine gntartige lokale Erkrankung dar und ist 
an bestimmte Gegenden gebnnden. Sie verl&uft in 4 Perioden: 1. Pro¬ 
drome; 2. Wochen bis mehrere Monate Jncken nnd Kitzeln an Stelle 
der khnfligen Beule; 3. Entstehnng einer Papel in der Hant, welche 
in einen Tuberkel, dessen Oberflache nekrotisiert nnd sich mit einer 
braunen Eiterkrnste bedeckt, dann in eine Beule iibergeht. Diese 1—4 
Wochen dauernde Periode ist zuweilen von hoher Temperatnr begleitet. 
Das 4. Stadium bildet die floride Beule, deren Geschwtirsflache die 
GrOBe eines Rubels erreichen kann, nnd das 5. die Bildung einer tiefen 
nnd stark pigmentierten Narbe. Die Dauer der Beulen betr&gt von 
2 Wochen bis zu 2 Jahren; die Zahl der Beulen betragt 1—30. Sie 
entwickeln sich auf den nicht bekleideten Kbrperteilen, vorzugsweise 
im Gesicht auf dem Arcus zygomaticus, aber auch auf der Nasenspitze, 
den Augenbranen, den Ohren, Einn nnd Lippen; an den Extremitaten 
meist auf der Riickenflache der Gelenke. Der Ausgang der Erankheit, 
welche auch die Benennungen Bouton de Biskra, Bouton d’Alepp, 
Saccharaschankre, Cocanka, Sardenbeule, Pendinsche 
Beule oder Godowik ffthrt, ist stets giinstig. 

Ihrer Struktur nach gehdrt die Beule zu den Infektionsgranulomen. 

Die Orientbeule ist vorzugsweise eine Erankheit des Eindesalters, 
aber auch Erwachsene erkranken daran, besonders unter schlechten 
bysnenischen Bedingungen. So erkrankten auf der Militarexpedition 
nach Mittelasien 1885, welche mit der Schlacht bei Euschka endete, 
im Murgabschen Korps 88, in einzelnen Eompagnien 100 Proz. der 
Sold at en. 

Yielfache bakteriologische Untersuchungen einer Reihe von For- 
schern ibrderten Eokken oder St&bchen zutage, von denen einige patho- 
gene Eigenschaften besafien, aber es gelang weder bei Menschen noch 
Tieren, mit ihnen eine typische Beule hervorzurufen. Andere Autoren 
fanden Protozoen, unter ihnen auch der Verf., welcher 16 Falle genau 
untersuchte. Er bemerkte bei Durchforschung des Beulensekrets im 
bangenden Tropfen ovale, glanzende Eorperchen, welche sich amoboid 
bewegen. In Ausstrichpraparaten aus den Granulationen am Grund 
der Beule sah er bei Giemsa-Farbung im Protoplasma einiger Mono- 
nuklearen eine grofie Zahl (bis 20) voller, etwa 1 n groBer Eorperchen, 

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Kala-azar. 


welche ira ganzen fein blaulich gefarbt sind, aber ein lilarotes Chro¬ 
matin besitzen, welches als Makro- nnd Mikronukleolus in 2 Anh&ufungen, 
davon eine stabchen- Oder kugelfdrmig ist, auftritt. Aehnliche Korper 
fanden sich auch frei zwischen den Zellen des Exsudats. Die Teilung 
des Parasiten erfolgt in dieser Weise: der Kbrper vergroflert sich etwas, 
das Protoplasma wird schwerer farbbar, das Chromatin dagegen farbt 
sich intensiver, aber ungleich. Die stabchenformige Chromatinanhaufung, 
in einer hellen Zone liegend, teilt sich. Die durch diese Teilung ent- 
standenen Stabchen stellen sich zunachst winkelformig, dann parallel 
zueinander und perpendikular zn der grofien Chromatinanhaufung, dem 
Makronukleus. Hiemach teilt sich auch das Protoplasma des Parasiten. 
Nach Ansicht von Mesnil, den Verf. als Sachkundigen befragte, gehort 
der Parasit zu der Klasse der Pirosomen. 

Nach Ansicht von Marzinowsky haben auch fnihere Autoren 
den Parasiten gesehen, aber falsch gedeutet. 

Da Tierversuche keinen Erfolg hatten, verimpfte Marzinowsky 
Sekret einer Beule auf die abgekratzte Oberflache seiner linken Hand, 
dann ein Stiickchen einer Granulation subkutan: ohne Erfolg. Dann 
brachte er Granulationsstiickchen in eine infolge Verbrennung ent- 
standene Blase an der Hand: 70 Tage sp&ter Kopfschmerz, Hitze, Fieber- 
schauer, allgemeine Schwache und Erscheinen einer Papel an der Impf- 
stelle. Das Knotchen erreichte wahrend eines 2wochentlichen Fieber- 
zustandes HanfkorngroBe. Verf. exzidierte es und impfte 1 / 8 desselben 
einem Kamel und 1 / # sich selbst subkutan ein. 10 Tage sp&ter trat in 
der per primam geheilten Exzisionsnarbe ein neues Knotchen auf, 
welches in 3 Monaten ErbsengroBe erreichte. Verf. exzidierte es nach 
6 Monaten und fand in dem Granulationsgewebe unter dem Knotchen 
die Parasiten in grofier Zahl frei wie auch in Bindegewebs- und Riesen- 
zellen. Verf. benennt den Parasiten: Ovoplasma orientale. 

Ob der Parasit durch den Stich eines lnsekts Oder nach Waschen 
mit infiziertem Wasser in die Haut dringt, laflt Verf. dahingestellt. 

Die beste Therapie der Beule besteht in der Exstirpation derselben. 

S chi 11 (Dresden). 

Martini, Kala-azar (fieberhafte tropische Splenomegalie) 
bei einem Schantung-Chinesen. (Berl. klin. Wochenschr. 
1907. No. 33.) 

Bei zwei 26 Jahre alten Schantung-Chinesen — der zweite Fall ist 
in einem Nachtrag angefuhrt — hat der Verf. Kala-azar diagnostiziert 
und seine Diagnose durch mikroskopische Untersuchung des vermittelst 
Punktion gewonnenen Milzblutes gesichert. 

In den auffallend haufig vorkommenden Makrophagen fanden sich 
die Kala-azar-Parasiten, die Leishman-Donovanschen Korperchen. 

Der Krankheitsverlauf ist ein chronischer, uber Jahre sich hin- 
ziehender, Anamie, Leukopenie und Oedeme bei starker Milzschwellung 
sind die charakteristischen Kennzeichen. Dem Verf. schien sich Arsen 
zu bew&hren. Europaern ist Klimawechsel zu empfehlen^ 

W. v. Brunn (Rostock). 

Rogers, Kala-Azar, its differentiation and its epidemio¬ 
logy. (Lancet. 1907. I. 486.) 


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K&Ia-azar. — Schlafkrankheit. 


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Ausfuhrliche Uebersicht fiber die Verbreitung der Kala-Azar in 
Mien, die Wege ihres Fortscbreitens sowie fiber die Horbiditats- nnd 
Mortalitatsverhaltnisse dieser Krankheit. H. Ziesche (Breslau). 

Xieolle, Charles, Sur trois cas d’infection infantile k corps 
de Leishman observes en Tunis. (Arch, de l’inst. Pasteur de 
Tunis. 1908. p. 1—26.) 

Nicolle hat in Tunis bei Kindern von 6—20 Monaten 3 Ffille 
einer chronischen mit unregelmfifiigem Fieber einhergehenden Infektion 
beobacbtet, die einerseits an Kala-Azar, andererseits aber an die von 
mehreren Seiten beschriebene und z. B. hfiufig in Sfiditalien beobachtete 
Anaemia splenica infantum erinnerten. In dem durch Milzpunktion 
gewonnenen Gewebssaft und bei der Obduktion konnten regelmafiig 
Parasiten beobacbtet werden, die in mononuklearen Leukocyten bzw. in 
den Endothelzellen der Blutkapillaren lagen und alle morphologischen 
Eigentiimlichkeiten der bei Kala-Azar und bei der Orientbeule. be- 
schriebenen Korperchen zeigten. Nicolle hat diese Korperchen auch 
einmal im Blut gefunden, ebenfalls in einem einkernigen weifien Blut- 
korperchen, aber niemals in Erythrocyten. Er glaubt, dafi es sich um 
einen ausschliefilichen Parasiten der Milz- und Endothelzellen* handelt, 
dafi die vielfach beschriebene amorphe Eiweifimasse, die gelegentlich 
Haufen von solchen Korperchen einschliefit, nicht von roten Blut- 
kOrperchen herruhrt (Laveran und Mesnil), sondern den Rest eines 
zerstorten Leukocyten darstellt, und dafi die auf Ausstrichpraparaten 
freiliegend beobachteten Parasiten erst bei der Anfertigung des Prfi- 
parates aus solchen Trfimmern von weifien Blutkfirperchen frei ge- 
worden sind. 

Im Kondenswasser des McNeal-Novyschen Blutagars entwickelten 
sich die Korperchen zu echten Flagellaten mit lebhafter Bewegung und 
Vermehrung durch Langsteilung, ganz genau so, wie es bei den Leish- 
man-Donovanschen Korperchen beschrieben ist. 

Trotzdem halt der Verf. eine Identifizierung des Erregers der von 
ilmi beobachteten Infektion mit dem Parasiten der Orientbeule bzw. 
des Kala-Azars noch ffir nicht bewiesen und schlfigt vor, bis dahin zu 
unterscheiden: 

Leishmania Wrighti — Erreger der Orientbeule, 
Leishmania-Donovani = Erreger des Kala-Azar, 

Leishmania infantum == Erreger der fleberhaften Anamia splenica 
infantum, wie sie aus Tunis und aus Italien beschrieben 
worden ist. Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Koch, Robert, Schlufibericht fiber die T&tigkeit der deutschen 
Expedition zur Erforschung der Schlafkrankheit. (Deutsche 
med. Wochenschr. 1907. S. 1889.) 

Die Berichte stammen ausSese bei Entebbe in Uganda (25.4. u. 5.9.07). 
— Nachdem eine grofie Zahl von Kranken 2—3 Monate behandelt worden 
waren, warden die Atoxyleinspritzungen langere Zeit ausgesetzt. Nach 
11 Tagen fanden sich nun wieder Trypanosomen in den Drttsen einiger 
von diesen Kranken; um den 20. Tag waren sie bei 25 v. H. wieder 
nachweisbar; indessen vom 60. Tage ab warden sie bei keinem einzigen 
m*dir gefunden. — Manche Folgeerscheinungen der Atoxylkur lassen 


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Kola-war. — Schlafkrankheit. 


sich nur durch Annahme einer Immunitat infolge von Aufsaugung der 
abgetoteten Trypanosomen erklaren. — Nach dem Abschwellen der 
Driisen wnrde das Blut selbst auf etwa noch vorhandene Trypanosome* 
gepriift. Hierzu mu6 das Blut in moglichst dicker Schicht aufgetragen 
und nach einem geeigneten Verfahren gefarbt werden. Die Behandlungs- 
art wnrde nun an der Hand der Blutpriifung passend ausgeprobt. Zu 
starke Gaben fuhrten zur Erblindung. Doppeleinspritzungen von 0,5 g 
in lOtagigen Pausen waren am zweckmafiigsten. Innerliche Verab- 
reichung bewahrte sich nicht. Eine Atoxylfestigkeit entwickelte sich 
niemals. 

Arsenige Saure, Nukleogen, Arsenferratin, Trypanrot, Afridolblaa, 
Afiridolviolett, blsaures Pararosanilin, Parafuchsin-Acetat batten keine 
bessere Wirkung. — Filaria perstans wurde hauflg im Blute gefunden, 
ohne dad dabei Krankheitsanzeichen bestanden; sie wird vielleicht dort 
auch anders als durch Stechmucken ubertragen. Auch die Parasiten 
der Malaria, meist der tropischen Form, waren weit verbreitet; Atoxyl- 
kuren verringern ihre Zahl, bringen sie aber nicht zum Verschwinden. 
Weniger haufig kamen Rekurrensspirochaten zur Beobachtung; mit ihnen 
inflzierte Ornithodoruszecken wurden in Hiitten nachgewiesen. — Die 
Schlafkrankheit hat auch im deutschen Schirati- und Bukobabezirke sowie 
in Kisiba festen FuB gefaflt. — Der Versuch, aus einem Inselteile durch 
Abholzen die Glossinen zu vertreiben, gelang vollkommen. — AuBer 
unmittelbar durch die Glossinen wird die Seuche vielleicht auch durch 
den geschlechtlichen Verkehr ubertragen. Dagegen konnte niemals eine 
Uebertragung durch andere blutsaugende Insekten festgestellt werden. 

Es gelingt mit dem oben bezeichneten Verfahren, das Blut von 
Menschen, welche an Trypanosomiasis leiden, mindestens 10 Monate 
lang frei von Trypanosomen zu halten, so daft sie fur die Infektion 
von Glossinen ungeeignet und somit fur die Ausbreitung der Erankheit 
nngefahrlich werden. Nach dem Aussetzen der Behandlung treten zwar 
nach langerer Oder kurzerer Zeit wieder Trypanosomen im Blute einer 
gewissen Anzahl von Kranken auf. Aber je linger und je regel- 
mafiiger die Behandlung durchgefiihrt und in je friiherem Abschnitte der 
Xrankheit sie begonnen wird, um so geringer wird die Zahl der Ruck- 
falligen. 

Die weit iiberwiegende Mehrzahl der 4—6 Monate behandelten 
Leichtkranken wurde vollkommen geheilt. Die Sterblichkeit der Schwer- 
kranken betrug nicht ganz den 10., vielleicht nur den 20. Teil von der- 
jenigen der nicht mit Atoxyl behandelten Schwerkranken. 

Das zukiinftige Bek&mpfungsverfahren (Errichtung von Lagern, 
regelmaBige Untersuchungen des Blutes der Genesenden, Grenzsperren, 
Abholzungen, Krokodilabtotung usw.) ist eingehend geschildert 

Anfang Oktober wurde die Arbeit der Expedition abgeschlossen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Kudicke, R., Zur Aetiologie der Schlafkrankheit. Vorl. Mit- 
teilung. (Arch. f. Schiffs- u. Tropenliyg. 1908. H. 2.) 

Bei der Uebertragung der Schlafkrankheit spielt neben der Stech- 
fliege Glossina palpalis noch der direkte intime Verkehr eine, wenn auch 
vielleicht unbedeutende Rolle. Wiederholt sind Frauen durch den eh^- 
lichen Verkehr in schlafkrankheitsfreien Gegenden von ihren ander- 


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Schlafkrankheffr. — Dengue. — Gelbfieber. 


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wirts infizierten M&nnem angesteckt warden (auch schon Ton R. Koch 
berichtet). Miihlens (Berlin). 

Fehbnami. Die Schlafkrankheit im Bezirk Schirati. (Deutsche 
med. Wochenschr. 1908. 8. 684.) 

F. erforschte am Stidostnfer des Viktoria-Nyansa-Sees das Vor- 
kommen der Olossina palpcUis, ihre Lebensbedingungen im Fluflgebiete 
des Mori nnd untersuchte 2785 Bewohner der Seekusten und der Ufer- 
landschaften des MorifluBgebietes anf Ansteckung mit Trypanosomen. 
Die Ergebnisse sind in einer Kartenskizze dargestellt. Die Glossina ist 
an den Seekllsten nnd anf den Inseln weit verbreitet. DemgemaB 
kommt bier in groBer Ausbreitnng die Schlafkrankheit als Volkssenche 
ror; 20 t. H. der BeTblkernng einzelner befallener Gebiete sind mit 
Trypanosomen behaftet. Andere Kustenteile sind noch frei. Dagegen 
bildet wieder einen Hanptherd der Senche das MorifluBgebiet. In 
diesem scheint den Fliegen eine Rieseneidechse (Kenge) das Krokodil 
zu ersetzen. AuBerdem zeigt hier die Glossma palpalis im Gegensatze 
zu den Glossinen der Seekusten ein zeitlich wechselndes Auftreten, indem 
sie sich in der Regenzeit stark Termehrt nnd in der Zwischenzeit an 
den ausgetrockneten FluBiaufen nicht Torkommt. -Die Torgeschlagenen 
AbwehrmaBregeln betreffen die Verhinderung der weiteren Einwanderung 
infizierter Menschen, die Feststellung und Unschadlichmachung bereits 
angesteckter Einwohner, Verschlechterung der Lebensbedingungen der 
Fliegen nnd regelm&Bige PrQfung ihrer Verbreitung. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Goldberger and McCoy, Dengue feTer. (Journ. of the Americ. med. 
Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 23.) 

Beschreibung einer Dengueepidemie in BrownsTille-Texas. Die 
Krankheit, Ton Mexiko eingeschleppt, Terbreitete sich so rasch, daB in 
2 Monaten etwa 1000 Erkrankungen beobachtet warden. 

BouCek (Prag). 

Otto, M., Ueber Gelbfieber in Afrika. (Arch. f. Schiffs- u. Trop.- 
Hyg. 1907. H. 6.) 

Zusammenstellung der gelegentlich einer Studienreise in unseren 
westafrikanischen Kolonien gesammelten Erfahrungen iiber Gelbfieber. 
The Krankheit ist wahrscheinlich Ton Amerika ausgegangen. Kam erun 
i>t nach Berichten Ton A. und F. Plehn sowie Ziemann frei Ton 
Gelbfieber. In Togo erste Erkrankungen anscheinend im Jahre 1896. 
Alsdann erst wieder GelbfleberfSlle im Jahre 1906 in An echo. Offiziell 
krank gemeldet 5 Falle, daTon 4 Tote. Die in der franzosischen Kolonie 
Dahomey in Agoue und Grandpopo bald nachher aufgetretenen Falle 
sind wahrscheinlich anf Anecho zuriickzufiihren. Anfangs 1906 in Togo 
5 tr»dlich Terlaufene Falle. — Stegomyia-Miicke war allenthalben nach- 
zuweisen. — Die Infektionsquellen bei den einzelnen Epidemien blieben 
unaufgeklart. — „KonserTierung des Krankheitsgiftes durch die Ein- 
geborenen erscheint wohl annehmbar", 

VerhutungsmaBregeln: Mttckensichere Isolierung der Kranken, Aus- 
rauchern der Hauser mit Schwefel, Vernichtung der Stegomyien, 13* 
tagige Beobachtung der Verdhchtigen; Kontrolle des See- und Land- 
verkehrs. Miihlens (Berlin). 


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Beri-Beri. — Sommerfieber. — Pest. 


Dansauer, Ueber den Nachweis von Beri-Beri in Deutsch- 
Siidwestafrika. (Arch. f. Schiffs- u. Tropenhyg. 1907. H. 10.) 

Klinisches nnd pathologisch-anatomisches Material tiber eine Anzahl 
in Siidwestafrika an Hereros beobachteter Beri-Berifalle, „hydropisch- 
kardiale Form w . Schwere und ausgedehnte Degenerationen am peri- 
pheren Nervensystem, namlich am N. vagus nnd den Muskelnerven der 
nnteren Extremitaten; ferner Verfettung, immer am Herzen nnd meist 
auch an Wadenmuskulatur. 

Ueber Aetiologie konnte nicbts Sicheres in Erfahrung gebracht 
werden. Hauptbestandteil der Nahrnng war minderwertiger Reis. 

Eine friihere Vermutung von Scheube, daB die Beri-Beri anf dem 
afrikanischen Festlande weiter verbreitet sei, als man annekme, ist 
durch die Beobachtungen unserer Schutztruppenarzte (Mayer, Hall- 
wachs und Fischer) bestatigt. Miihlens (Berlin). 

Visentini, A., Febbre estiva a carattere epidemico. (Gazz. 
med. ital. 1907. No. 42.) 

Im August dieses Jahres konnte Verf. mehrere Male in Porto 
Mantovano das wiederholte Auftreten einer Epidemie beobachten, deren 
Krankheitsformen meist in gastroenteritischen Erscheinungen bestehen, 
wenig bekannt sind und gewohnlich nnter dem Namen „ Sommerfieber" 
gehen. 

Diese Epidemie konnte nun atiologisch dem Hanfblfitenstaub nicht 
zugeschrieben werden, wie das Mendini fur die Bolognaer Epidemie 
behauptet, weil auf viele Kilometer rund um diese betroffene Gegend 
herum iiberhaupt kein Hanf gebaut wird. 

Konnte nun da der Gedanke an eine Vergiftung aufkommen, wie 
solche bei Favismus eintritt, so miifite die Ursache auf den Blutenstaub 
des Welschkorns zuriickgefiihrt werden, da diese Epidemie besonders 
in der Erntezeit dieses Getreides um sich greift, und viele an der Emte 
beteiligte Bauern ergreift. 

Von der allgemeinen Symptomatologie dieser Epidemie ausgehend, 
die viele Aehnlichkeit hat mit der bei den Winterformen der Influenza 
mit gastrischer Lokalisation beobachteten, glaubt Verf., daB es sich da 
viel eher um eine Form von Influenza mit iiberwiegend gastrischer 
Lokalisation handelt. Ceradini (Mailand). 

Kodama, Ueber die Morphologie des Pestbazillus. (Mitt. d. 
Japan, hyg. Gesellsch. B<L H. H. 4.) 

Wird der Pestbazillus auf geronnenem Hiihnereiweifi gezflchtet, so 
bildet er stets schone Verastelungen, wie Verf. bei 10 verschiedenen 
Stammen von Pestbazillen, welche er daraufhin untersuchte, bestatigen 
konnte. Diese Veranderung sieht Verf. als eine fur den Pestbazillus 
spezifische Kultureigenschaft an. Os hi da (Tokio). 

Lamb, George, The etiology and epidemiology of plague. 
A summary of the work of the plague commission. 
Calcutta (Superintendent of government printing, India) 1908. 

Der von dem rangaltesten Mitglied der englischen Pest-Kommission 
in Indien verfaBte vorliegende Bericht gibt auf 93 Seiten eine ausge- 
zeichnete Zusammenfassung der in 2 Heften des Journal of Hygiene 


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Pest. 


121 


1907 bereits veroffentlichten ausfuhrlichen Mitteilungen. Die wichtigsten 
Ereebnisse der im April 1905 begonnenen und nunmehr abgeschlossenen 
Tatigkeit dieser Kommission faflt der Berichterstatter in folgenden 
SchluBsatzen znsammen. 

1. Lungenpest ist auBerordentlich ansteckend. Sie ist indes selten 
ikaum 3 Proz. aller Falle) und spielt beziiglich der Epidemiologie dieser 
Krankheit eine geringe Rolle. 

2. Die Bubonenpest beim Menschen ist ausschlieBlich abh&ngig von 
der Pest der Ratten. 

3. Die Infektion wird von Ratte zu Ratte und von der Ratte auf 
den Menschen nur durch Rattenfldhe ttbertragen. 

4. An und fur sich ist die Bubonenpest beim Menschen nicht 
infektios. 

5. Die uberwiegende Mehrheit der Pestffille tritt in ein und dem- 
selben Hause vereinzelt auf. Wenn mehr als ein Fall in einem Hause 
vorkommt, dann flndet der Ausbruch im allgemeinen fast gleichzeitig 
statt. 

6. Yon Ort zu Ort wird die Pest gewfihnlich durch RattenflShe ver- 
breitet, die von einzelnen Personen am Korper oder an Kleidungsstticken 
verschleppt werden. Nicht selten entgeht der menschliche Uebertrager 
selbst der Infektion. 

7. Ungesunde Lebensbedingungen haben zu der Yerbreitung der 
Pest nur insofern Beziehung, als sie die Existenz der Ratten begiinstigen. 

8. Die Verbindung zwischen den einzelnen Epidemien wird durch 

akute Pestfalle bei den Ratten und durch gelegentliche vereinzelte Falle 
beim Menschen hergestellt. Manteufel (Gr.-Lichterfelde.) 

D aland, Observations on plague in India. (Journ. of the Americ. 
medic. Ass. Yol. XLIX. 1907. No. 9.) 

Erfahrungen fiber die Pest, die Verf. wahrend einer Studienreise 
in Bombay gesammelt hatte. BouCek (Prag). 

Burnett, Ham. B., Report on plague in Queensland, 1900— 
1907. Brisbane (George Arthur Vaughan) 1907. 

In den Jahren 1900—1907 wurde Queensland von kleineren Pest- 
epidemien heimgesucht, die wahrscheinlich von Sydney aus durch pest- 
kranke Schiftsratten eingeschleppt worden sind. Der erste und zweite 
Teil des Berichtes enthalt statistische Daten, der dritte klinische und 
therapeutische Beobachtungen. An einigen tabellarischen Znsammen- 
stellongen werden hier gute Erfolge mit dem Yersinschen Pestserum 
demonstrieit. Der vierte Teil des Berichtes beschfiftigt sich mit der 
Frage des Zusammenhangs der menschlichen Pest mit der Rattenpest 
und enthalt im wesentlichen eine Zusammenfassung und Bestfitigung 
der in Indien erhobenen Befunde fiber die Rolle des Ptdez cheopis als 
Vermittler der Pestfibertragung von Ratte zu Ratte und auf den 
Menschen (vgl. Centralbl. f. Bakt. Ref. Bd. 40. H. 19/21). Genaue Unter- 
such ungen der Ratten und ihrer Flfihe haben auch hier ergeben, daB 
der Pulex cheopis eigentlich und ursprfinglich ein Parasit der Mus rattus 
ist. d. h. jener Rattenart, die in Europa jetzt fast vollstfindig von der 
Wanderratte, Mus dectimanus, vertrieben worden ist, wfihrend sie in 
Indien noch 99 Proz. des gesamten Rattenbestandes ausmacht. In Queens- 


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Pest. 


land ist die Gattnng Mus rattus zwar noch ziemlich zahlreich vertreten, 
doch ist die Wanderratte hier in der Ueberzahl. Zwei weitere Ratten- 
arten und Mause kommen als Verbreiter der Pest nicht wesentlich in 
Betracht. 

Von Flohen sind anf den verschiedenen Ratten yier Arten, oft 
gleichzeitig auf demselben Wirtstier angetroifen worden, nnd zw&rPulex 
irritans, der Menschenfloh, Pulex chcopis, der Rattenfloh der warmen 
Lander, Ctenocephalus cams, der gewbhnlich auf Hunden und Katzen 
parasitierende Floli, und Ctcnopsyllus mnsculi , ein Floh, der ausschliefilich 
auf Ratten und Mausen lebt. 

Nur die beiden ersten Floharten konnen uberhaupt fur die Ver- 
breitung der Rattenpest wesentlich in Betracht kommen. 

Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Thompson, J. Ashburton, Report of the board of health on 
plague in New South Wales, 1906. On the sixth outbreak 
of plague at Sydney, 1906. Sydney (William Applegate Gullick) 
1907. 

Ira Berichtsjahr sind 20 Pestfalle vorgekommen, von denen 8 tod- 
lich endeten. Es wurden in der Zeit 51151 Ratten und 29085 Mause 
vernichtet und untersucht, davon waren 135 Ratten und 39 Mause pest- 
krank, und zwar Mus rattus 29.52 Proz. aller untersuchten, Mus clecu- 
manus 31,49 Proz. und Mus masculus 38,97 Proz. 

Hervorzulieben ware aus dem Bericht noch, daB die Rattenver- 
tilgung mit dem Virus Danysz praktisch und experimentell nicht be- 
friedigt hat. Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Pearse, T. Frederick, Report on plague in Calcutta for the 
year ending 30. June 1907. With appendices by W. C. 
Uossack and M. M. Crake. Calcutta 1907. 

Der erste Teil dieser ausfiihrlichen Arbeit enthalt viele statistische 
Tabellen iiber das Auftreten der Pest in Calcutta vom 1. Juli 1906 bis 
30. Juni 1907. Den zweiten Teil bilden zwei Berichte iiber diverse 
Forschungungsarbeiten und die daraus zu ziehenden Schliisse. Zusammen- 
fassend kann man sagen: Die Uebertragung der Pest von Ratte auf 
Ratte scheint unwahrscheinlich, wenn nur eine kleine Anzahl Flohe 
vorhanden ist. — Es ist bis jetzt nicht mit geniigender Sicherheit be- 
wiesen, dad die Menschen oft genug von Rattenflohen gestochen werden, 
um dadurch die Zahl der Pestopfer erklkren zu konnen. — Der Mecha- 
nismus der Uebertragung der Pest, schon ungenugend erklart fur Ratte 
zu Ratte, ist total ungenugend, wenn es sich um Uebertragung von 
Ratte auf Mensch handelt. — Es scheint viele Infektionswege zu geben, 
und bis jetzt ist es nicht ang&ngig, den Stich von P. cheopis als einzigen 
Infektionsmodus anzusehen; die Infektionswege variieren wahrscheinlich 
nach Jahreszeit und Ortschaft. — Die Prozentzahl der mit Flohen be- 
hafteten Calcuttaratten in der nicht epidemischen Jahreszeit betragfc 
ungefilhr 2,65. Es ist noch unentschieden, ob diese Zahl fiir die Ueber¬ 
tragung der Pest geniigt. — In Calcutta findet man wenig FlOhe; auf 
dem Menschen sind sie sehr selten zu linden; P. cheopis zeigt, wenn- 
gleich hungrig, wenig Tendenz, den Menschen anzugreifen. — Die 
Wichtigkeit von Mus rattus als Pestverbreiter mit derjenigen anderer* 


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Pest. 


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Eauenarten verglichen, ist sehr tibertrieben worden. Die Ratten haben 
in Calcutta keine bestimmte Wurfzeit, die mit einem Pestepidemieaus- 
bruch ubereinstimmt. — Das beste Floh- nnd Desinfektionsmittel ist 
noch zu finden; nnterdessen empfiehlt sich eine Mischung von Cyllin 
uml Pbenyle. — Die Vernichtung der Ratten (Rattengifte, Schwefel- 
•iampfe usw.) ergab nur unbefriedigende und nnentscheidende Resultate. 

Rochaz (Orbe). 

Toyama, Jahreszeit der Pestepidemie. (Mitteilung d. Japan, 
hyg. Gesellschaft. Bd. II. Heft 4.) 

Auf Grand von statistischen Untersnchnngen, welche sich auf 602 
Pestkranke and 1654 Pestratten and auf einen Zeitraum von 7 Jahren 
erstrecken. bemerkt Yerf. folgendes: Auf dieMonate November, Dezember, 
Januar, Mai and Juni entfallen die meisten Kranken und Pestratten, auf 
die ubrigen Monate dagegen nur wenige. Diese Tatsache ffihrt Verf. auf 
das Klima Japans zuriick. Os hi da (Tokio). 

Traatmann a. Lorey, Ueber einen ins Hamburger Staats- 
gebieteingeschlepptenFallmenschlicherBubonenpest. 
CZeitschr. f. Hyg. u. Infektionskrankh. Bd. 60. 1908. p. 1.) 

Im Hamburger Hafen warden 1900—1907 23 pestverseuchte See- 
dampfer angehalten (1907 allein 10); bei 21 der 23 wurden pestinflzierte 
Katten nachgewiesen, bei 2 bestand Pesterkrankung beim Menschen. 
Der 1. dieser Falle kam 1900 zur Beobachtung, der 2. war ein im 
Mai 1907 durch den Dampfer Wharfedale eingeschleppter Fall von 
Bubonenpest. Der mit Leinsaat und Weizen beladenene Dampfer hatte 
am 12. April 1907 mit 42 Mann Besatzung und zwar 7 Europaern und 
Ho Farbigen Buenos Ayres verlassen. Das Schiff lief am 1. Mai St. Vincent, 
am 7. Las Palmas an und traf am 17. Mai auf der Elbe mit gelber Flagge 
ein. Es ergab sich, dafi unterwegs am 9. Mai 2 Farbige erkrankt 
waren. Der eine (Deckreiniger) hatte Schtittelfroste, Schmerzen im 
eanzen KOrper, hohes Fieber, blutigen Auswurf und Delirien und starb 
bereits nach 3 Tagen. Der zweite Farbige (Schiffskoch), welcher dieselben 
Erscheinungen zeigte, wurde am 14. Mai tot in seinem Bett aufgefunden. 
Bei.ie Leichen wurden alsbald nach dem Tode iiber Bord gesetzt, ebenso 
ihre Kleider und Bettzeug; die Gebrauchsgegenstande und Raume wurden 
de>infiziert. Nach Aussage des Kapit&ns waren einige Tage nach der 
Abreise von Buenos Ayres tote Ratten an Deck gefunden und iiber 
Bord geworfen worden. Es wurde deshalb vom Hafenarzt in Cuxhaven 
alsbald Behandlung des Schiffs mit Generatorgas (Kohlenoxydgemisch) 
nach Nocht-Giemsa vorgenommen und die Besatzung nach der 
^narantaneanstalt gefuhrt. Dort meldete sich am 18. Mai ein Farbiger 
mit Klagen fiber Schfittelfrost, Fieber, Kopfweh und Schmerzen in der 
linken Leiste. Der Pestverdacht wurde best&tigt und der Kranke bis zur 
«4enesung nnter arztlicher Pflege abgeschlossen. Die Ladung wurde unter 
arztlicher Kontrolle ausgeladen, beschadigte Matten u. a. m. mit Kalkmilch 
de>intiziert nnd am 10. Juni der Mannschaft der freie Verkehr gestattet. 

I>ie klinische Beobachtung und die bakteriologischen Ergebnisse 
sind eingehend dargestellt, erstere durch Lorey, letztere durch 
H. Trautmann. 

Der Erkrankte genaB. Es handelte sich um einen relativ leichten 


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Pest. 


Fall, entweder infolge Abschwachung der Virulenz der Krankheits- 
erreger Oder infolge besonderer Widerstandsfahigkeit gegenuber der 
Pestinfektion. Fur letzteres spricht das Ueberstehen der schweren 
Bakteriamie. Das klinische Bild stimmte in vielen Punkten mit den 
Beobachtungen von Reiche wahrend der Pestepidemie in Oporto fiber- 
ein, welche anch vielfach den klassischen schweren Symptomenkomplex 
vermissen liefien. Man mufi daher bei nicht erklarbarer Drusen- 
schwellung, falls anamnestisch Pest in Frage koramen kann, an Pest 
denken mid schleunigst bakteriologisch nntersuchen. 

Aus der Inguinaldruse aspirierter Drusensaft ergab kein klares 
Resultat. Infolge Mischinfektion fanden sich darin Kokken, Hanteln, 
schmale nnd gradlinige Stabchen, Semmelkokken, tonnenformige Bakterien 
ohne und mit Polstabchen, Scheiben nnd Ringe; die Mikroorganismen 
zeigten alle schlechte Farbbarkeit. Zu Kulturen wurden yerarbeitet 
Stuhl, aspirierter Bubosaft, Yenenblnt, und Bubonenstucke mit positivem 
und Ham mit negativem Untersuchungsergebnis. Als eine seltene Tat- 
sache von hohem wissenschaftlichen Interesse ist zu verzeichnen, daft 
die Pestkeime in sehr reicher Zahl im Stuhl vorkamen, so daB ihr 
mikroskopischer und kultureller Nachweis fast spielend gelang, im 
Gegensatz dazu im Ham aber Pestbazillen vbllig fehlten. Die Schwellung 
der linken Leistendriise fassen die Verff. als Primarbubo der Pest- 
erkrankung auf. Mit der Annahme des primaren Inguinalbubos wird 
die Uebertragung des Pestvirus auf die untere Korperhalfte hochst 
wahrscheinlich. Gelegenheit zur Infektion hatte der Kranke beim 
Ueberbordwerfen toter, voraussichtlich pestkranker Ratten. Auch hat 
er einige Tage vor seiner Erkrankung die auf dem Schiff vor seiner 
Ankunft in der Elbe gestorbenen Yolksgenossen (bei einem besteht 
dringender Verdacht von Lungenpest) gepflegt. Die Untersuchung samt- 
licher auf den Dampfer nach der Nocht-Giemsa - Gasung aufgefundenen 
Rattenkadaver ergab keine Zeichen abgelaufener Pestinfektion; die 
Seuche war jedenfalls vor Einfahrt des Schiffes in die Elbe bereits 
erloschen. — Die mit den Pestkulturen angestellten Tierversuche an 
42 Ratten, 27 Mausen und 40 Meerschweinen zeigten eine relativ ge- 
ringe Virulenz des Krankheitserregers. — Am 11. Krankheitstag be- 
stand eine spezifische Agglutination des Serums von 1:40. 

Sc hi 11 (Dresden). 


Wherry, Walker and Howell, Plague among rats in San Fran¬ 
cisco. (Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. L. 1908. No. 15.) 

Vom September 1907 bis Januar 1908 wurden 14184 Tiere unter- 
sucht: 


Mas decumanus 

13982 

Infiziert 

139 

Proz. 

0,99 

M. ratios 

105 

1 

0,95 

M. r. alexandrinus 

51 

2 

3,84 

M. musculus 

16 

0 

0 


14184? 142 


Vollkommener Sektionsbefund von 88 „positiven“ Tieren: 
Hyperamie der Subkutis 52 

Hyperamie und VergroBerung der Lymphknoten 74 


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Pest. 


125 


Typische Bubonen 

13 

Milztumor 

60 

Hydro-Hamothorax 

63 

Lebernekrosen 

13 


Die Pestbazillen warden ebenso stark virulent gefnnden, wie die 
Bombayer Stamme. Anch fanden Verff. die „kokkoiden w Formen. 

BouCek (Prag). 

Ohwada, Ueber die Pestempf&nglichkeit der Fledermans. 
iSaikingaku-Zassi. 1907. No. 134.) 

Im Gegensatz zn Co si os Versnchen an Vesperugo noctula Schreb., 
•lie er bei subkutaner Impfnng als fiir Pestbazillen sehr empfanglich 
fand und deshalb fur einen gefahrlichen Pestiibertrager hielt, hat Yerf. 
richer nachgewiesen, dad japaniscbe Fledermause, Vesperugo abrarmus 
Temm., welche in Japan an Sommerabenden iiberall gefnnden werden, 
gt?en die Pest unempfanglich sind. Bei der kutanen und subkutanen 
Jmpfung von Pestbazillen blieben die Tiere ganz gesund. Bei der 
Sektion von Tieren, welche nach 4—5 Tagen getotet wurden, fanden 
sich samtliche Organe ganz frei mit Pestbazillen. Nur durch die intra- 
peritoneale Impfung von grSBeren Mengen Pestbazillen (1—Vio Oese) starb 
Vtiyerugo abrarmus in 1—2 Tagen; im Herzblut waren Pestbazillen 
vcrlianden. Bei der Futterung mit Pestbazillen erwies sich das Tier 
ganz refraktar; aber in den Stuhlen wurden die virulenten Pestbazillen 
nachgewiesen. Eine natiirliche Pestinfektion bei Fledermausen kann 
nie vorkommen. da sie sich blofl von Insekten ernahren. Deshalb sind 
die japanischen Fledermause bei der Pestinfektion ganz ohne Bedeutung. 

K. Shiga (Tokio). 

kawamura, K. u. Murata, M., Die Pesterkrankung der Eatze. 
iSaikingaku-Zassi. 1907. No. 139.) 

Bei der Pestepidemie in Ohsaka, Ende des Jahres 1906, hatten 
Yertf. zuiallig zwei Pestkatzen gefnnden, welche sie sorgfaltig sowohl 
Utkteriologisch als anch histologisch studiert haben. Sie sind dabei zu 
fvlgt-nden SchluBsatzen gelangt. 

1. Die Empfindlichkeit der Eatze fiir die Pestbazillen ist bei der 
Lalniratoriumsinfektion nur von relativer Natur. Die Fiitterungsver- 
>nche fallen meist negativ aus. Nur selten hat man beobachtet, daB 
nic Tiere bei der Futterung mit Pestkulturen oder Pestorganen An- 
nTjavllangen der Submaxillar- oder Halsdriisen bekamen und schlieB- 
Bcb durch Septikamie starben. Es kommt haufig vor, daB der Yer- 
daunngstraktns ganzlich nnbeschadigt ist, und die Pestbazillen in den 
Stuhlen wiedergefunden werden. 

2. Pie natiirliche Pestinfektion der Eatze ist sehr selten; in der 
Literatur sind nur 4 Falle angegeben. 

3. Bei der Pestepidemie in Ohsaka, im Jahre 1906, sind 2 Pest¬ 
katzen in Pesthausem gefnnden worden und zwar eine tote und eine 

i^bende. 

4. Im Pesthause, wo sich die erstere tote Pestkatze gefunden hatte, 
warden 3 Pestkranke und 19 Pestratten gefunden. Die Pestkranken 
*aren vermutlich von der Pestkatze infiziert. 

5. Bei dieser Eatze wurden bei der Sektion angeschwollene Hals- 


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126 


Pest. 


driisen und Pestpneumonie nachgewiesen, woraus wohl zu schliefien 
sei, dafl die primare Lungenpest bei Katzen auch vorkommen kann. 

6. Die zweite Pestkatze erkrankte an Pestkarbunkel am Vorder- 
stern und an Augenlidpest. Bei der Sektion wurden Halsdrfisenpest. 
Pestpneumonie und Metastasenbildung in der Lunge, Leber und Milz 
gefunden. 

7. In beiden Fallen war irgendwelche Veranderung des Yerdauungs- 
traktus nicht zu finden, was mit den Versuchen von mehreren Autoren 
fibereinstimmt, nicht jedoch mit der Erfahrung von Hunter. 

8. Deshalb scheint die Driisenpest bei Katzen, wie bei Menschen 
und Ratten, ein selir haufiges Vorkoramnis zu sein, wahrend die Magen- 
und Darmpest fast nie vorzukoramen scheint. Die gefahrliche Haut- 
und Augenpest und die primare Lungenpest kommen bei der Katze 
auch vor. 

9. Bei der Pesthekampfung mufi man auch den Katzen Beachtung 

schenken. K. Shiga (Tokio). 

Fnkuhara, Experimentelle Untersuchungen uber die Emp- 
fanglichkeit und Immunisierung der Kaltblfiter gegen 
Pest. (Arch. f. Hygiene. Bd. 63. 1907. Heft 2.) 

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden folgendermafien zu- 
sammengefailt: 

1. Die Frosclie (Bana esculenta), Karpfen ( Cyprinus Carpio L.), Gold- 
fische ( Carassius sp.) und Tritonen ( Triton pyrrhogaster Boie.) sind fur 
Pest sicher empfanglich. Tritonen sind aber weniger empfanglich als 
die Frfische. 

2. Die Infektion laBt sicli durch Einfuhrung von virulenten Kulturen 
sowohl intraperitoneal als auch durch Ffitterung bewerkstelligen (bei 
dem Frosche in den Lymph sack). 

3. Schildkrote {Celcmmys Japonica, Gray., Emys Tosaensis und Trionix 
Japonicus Schleg.) und Schlangen ( Elaptus virgatus Schleg.) scheinei: 
immun gegen Pest zu sein. 

4. Impfversuche an einer Krote (Bufo vulgaris ) und einer Gekkt 
(Platidadylus jamori Schleg.) waren erfolglos. Es mfissen weitere Ver 
suche ausgefuhrt werden, um zu sicheren Resultaten zu gelangen. 

5. Regenwfirmer charakterisieren sich fast immun, obwohl ein Tei 
derselben wahrend des Versuches hinfallig zugrunde gingen. 

6. Die im Regenwfirmerkorper 70 Tage lang gehaltenen Bazillei 
zeigen keine Abschw&chung ihrer Yirulenz. 

7. Die Regenwfirmer konnen fur die Verbreitung der Pest eine g-e 
wisse Rolle spiel en. 

8. Bei den wiederholten Passagen von Pestbazillen durch die Froscb 
kann man eine Abschwachung der Virulenz nachweisen. 

9. Das pathologisch-anatomische Bild der Pest bei den Kaltbluter 
ist als eine lokale Erkrankung mit allgemeiner Intoxikation und 
legentlicher Yerschleppung des Mikroorganismus in den Kreislanf 2 
betrachten, 

10. Die durch abgetotete Bazillen oder durch Bouillonkulturfiltra*- 
verursachten Yeranderungen sind sowohl qualitativ als auch quantity, t.; 
den durch die Injektion lebender Bazillen hervorgerufenen analog. 


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Pest. — Cholera. 


127 


11. Das Serum immunisierter Schildkroten, welches Frosche und 
Tritonen vor der Pestinfektion durch todliche Dosis gut zu schutzen 
vermag, entfaltete bei Mausen keine Schutzwirkungen gegeniiber der 
Pestinfektion. Im Sinne Ehrlichs scheinen also die Ambozeptoren 
des Schildkrotenserums nur bei Frbschen und Tritonen, nicht aber bei 
Mausen das passende Komplement zu finden. 

12. Das Serum einer mit lebenden Bazillen vorbehandelten Schild- 

krote agglutinierte etwas starker, als das der mit abgetoteten Bazillen 
immunisierten. Hetsch (Metz). 

Reschetnikoff, A. P., K woprosu o tarbaganje tschume (Tar- 
bag an-Pest). (Wratschebnaja Gaseta. 1908. No. 7.) 

Wahrend seines 20jahrigen Aufenthalts in Transbaikalien hat 
Reschetnikow (Tschita) vier Eruptionen der ortlichen Tarbagan- 
Pest erlebt, die vom sibirischen Murmeltier (Arctomys Bobac) yon Zeit 
zu Zeit auf den Menschen ubertragen wird. Epizootische Ausbriiche 
sind in den transbaikalischen Steppen, namentlich in heiflen und trockenen 
Jahren, sehr haufig, die Sterblichikeit der Tierchen an der Pest steigt 
immer gegen Ende der Sommerzeit, namentlich im August, kurz vor 
Beginn der Winterschlafperiode. Die Nomaden der Mongolei und des 
Baikalgebiets sind sich der Gefahr bewufit und werden beim ersten be- 
kannt gewordenen Ansteckungsfall an Menschen Oder Tarbagantierchen 
von ihren Stammesaltesten in Eenntnis gesetzt, dafi die iibliche Tarbagan- 
jagd einzustellen sei. Der erkrankte Tarbagan verliert seine natiir- 
liche Behendigkeit und Menschenscheu und verfallt in wenigen Tagen. 
Beim Menschen dauert das Inkubationsstadium 3—4 Tage. Die Infek- 
tion setzt mit Kopfschmerz, Kongestionen, Rbtung des Gesichts und der 
Konjunktiven ein, wobei die Temperatur bis 40° ansteigt, mit geringen 
Remissionen. Der Puls wird immer schw&cher und schlieBlich kaum 
noch palpabel. Psychische Depression, zuweilen Erbrechen, Durchfall, 
in den Lungen kleinblasige Rasselgerftusche, diirftiges, meist seroses 
Sputum. Alle Erkrankte starben nach Yerlauf von 3—4 Tagen unter 
allgemeinem Krafteverfall. 

Die Infektion wird nur durch Kontakt mit Menschen- Oder Tier- 
leichen ubertragen, und niemals auf grofie Strecken; deshalb sind die 
Eruptionen immer streng lokalisiert. Alles dieses, sowie auch der Um- 
stand. dafi die Epidemieen immer im September, wo die Tiere sich in 
ilire Locher zum Winterschlaf verkriechen, plbtzlich erloschen, weist 
nach Verf. darauf hin, dafi es sich bei der Tarbaganpest um einen 
infektionserreger sui generis handelt, der von den Bakterien der indi- 
schen Bubonenpest (pestis inguinaria) streng geschieden werden miisse. 
Die noch fehlenden bakteriologischen Untersuchungen werden in die 
Frage helleres Licht bringen. E. Thai (Petersburg). 

Heiser, The outbreak of cholera in the Philippines in 1905. 
tJourn. of the Americ. med Ass. VoL XLVUI. 1907. No. 10.) 

Die letzte Choleraepidemie herrschte auf den Philippineninseln vom 
20. Marz 1902 bis zum 8. Mftrz 1904. Zahl der KrankheitsfUlle: 166252, 
davon gestorben 109461. Seit dieser. Zeit wurden nur zeitweise ver- 
dachtige Fille beobachtet, die sich aber 2 Wochen vor dem neuen Aus- 
bruche — 23. August 1906 — vermehrten. Der erste Cholerafall kam 


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Cholera. 


vor im Bilibid-Gefangnisse, das vollkommen abgeschlossen ist und wo 
wegen bestehender Dysenterie das Trinkwasser und die Nahrungsmittel 
streng iiberwacht werden. Auch der Ausbruch weiterer Falle in Manila 
wahrend der nachsten Wochen zeigte einige Besonderheiten. Es konnten 
namlich keine Beziehungen zwischen diesen Fallen gefunden werden. 
In einem Hause und auch in einer Hausergruppe kamen nie zwei Falle 
vor. Der niichste Fall brach imrner in einem weit entlegenen Stadt- 
teile aus. In demselben Stadtteile wurde ein neuer Fall erst dann 
beobachtet, als die Inkubationsperiode verstrichen war. Verf. analysiert 
nun weiter die Moglichkeit der Einschleppung der Seuche von ausw&rts 
und kommt zu dem Schlusse, dafi dies nielit wahrscheinlich ist, ein Um- 
stand, der die 1905-Epidemie noch interessanter macht. Zahl der Krank- 
heitsfalle in Manila bis zum 1. Januar 1906 255, davon gestorben 226. 
Vom 10. Lebensjahre abwarts und vom 45. aufwarts Mortalitat = 100 Proz. 
In den iibrigen Stadten kamen vor in derselben Zeit: 1567 Krankheits- 
falle, mit 1149 Sterbefallen. BouCek (Prag). 

Jordan sky, W. J., Pereshiwanie cliolernych vibrionow pri 
niskichtemperaturach. [KonnenClioleravibrioneniiber- 
winternPJ (Wratschebnaja Gaseta. 1908. No. 12.) 

Die Choleraepidemie des vorigen Jahres im Wolgarayon begann 
nicht an der Wolgamiindung (Astrachan), soudern in Samara, und zwar 
erkrankte zuerst ein Bewolmer, der die Stadt nicht verlassen und keine 
nachweisbare Ansteckungsgelegenheit gehabt hatte. Die somit wieder 
in den Vordergrund geriickte Frage, ob nicht doch die Cholera- 
vibrionenuberwintern konnen, glaubt Jordanskv (Astrachan) 
verneinen zu diirfen. Das FluBwasser in Astrachan, von dem 89 Proben 
untersucht wurden, ergab an 18 Stellen positiven Vibrionenbefund, und 
zwar war die Zahl derselben an den Orten am groBten, wo auch die 
meisten Erkrankungen beobachtet wurden. Im Herbst sank die Zahl der 
positiven Befunde und am 6.—11. November waren bereits nirgends mehr 
Oholeraerreger im Wasser nachweisbar. Experimentell zeigten fliissige 
Kulturen der Choleravibrionen bedeutende Resistenz gegen Frostwirkung: 
bei mittlerer T. von —22,4° C blieben sie 5 Tage lang entwicklungs- 
fahig; durch mittlere T. von — 13 0 C wurden sie erst in 18 Tagen sicher 
abgetbtet, bei — 5,3 0 C in 46 Tagen. Somit ist der Untergang der 
Vibrionen durch die dauernde Kaltewirkung des Mediums bedingt. 
Ein Ueberwintern erscheint also bei dem Klima des Wolgagebiets hochst 
unwahrscheinlich. Weitere Untersuchungen von 42 Eisproben und 
21 Wasserproben aus den im Sommer am starksten infizierten Stellen 
ergaben ausnahmslos negative Resultate. Deshalb halt Verf. auch 
die Benutzung von Eis zu hauswirtschaftlichen Zwecken bei Cholera- 
epidemien fiir unbedingt zulassig. E. Thai (Petersburg). 

Neufeld u. Haendel, Beitrag zur Beurteilung der El-Tor- 
Vibrionen. (Arb. a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte. Bd. 26. 1907. H .3.) 

Die Frage nach der Natur der El-Tor-Vibrionen war durch neue 
Untersuchungen von R. Kraus und Ruffer wieder angeschnitten 
worden, die auf Grund von Komplementbindungsversuchen die Cholera- 
natur der El-Tor-Vibrionen verneinten. Vertf. kommen im Gegensatz 
dazu zu dem SchluB, daB die El-Tor-Vibrionen als echte Choleravibrioaen 


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Cholera. — Dysenterie. 


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aatzufassen sind. Denn sie wirken ebenso wie auch gewisse Cholera- 
stamme h&molytisch. Die H&molysinbildung ist aber wie bei diesen 
schwankend und wird nicht regelmaflig beobachtet. Mit dieser Unregel- 
maliigkeit der Erscheinung erklaren sich wohl die verschiedenen Ver- 
suchsergebnisse anderer Autoren. 

Beim Komplementbindungsversuch reagieren die El-Tor-Yibrionen 
anf spezifische Cholerasera ebenso wie echte Choierabazillen. Zuweilen 
findet eine vollkommene quantitative Uebereinstimmung statt, in anderen 
Fallen ist die Reaktion etwas geringer, mitunter aber auch starker als 
bei den einzelnen Cholerastammen. Zur Differenzierung von Cholera 
nnd choleraahnlichen Vibrionen scheint die Komplementbindungsmethode 
nicht besonders verwertbar zu sein, da sie nicht so deutliche Ausschlage 
gibt, wie die bewahrten biologischen Reaktionen. Die Beobachtungen 
fiber die El-Tor-Vibrionen geben keinen Anlafi, die bewahrten Vor- 
schriften fiber die bakteriologische Diagnose der Cholera abznfindern 
Oder zu erganzen. Meinicke (Hagen i. W.) 

Hothberger, C. J., Ueber die Wirkung des Giftes der ElTor- 
Yibrionen. (Zeitschr. f. experim. Pathol, u. Therap. Bd. 4. 1907. 

S. 627.) 

Der Tod bei Vergiftung mit dem Toxin des El Tor-Vibrio erfolgt 
durch HerzstiUstand, der dnrch eine direkte Schfidigung des Herzens, 
nicht durch Gef&dlahmung verursacht wird. Die hfimotoxische Kom- 
ponente des Giftes ist hierbei nicht beteiligt, wie sich aus der identischen 
Wirkung des Toxins anf das blutfreie Herz ergibt. 

Kurt Meyer (Berlin). 

Saebs-M&ke, Konnen lebende Dysenteriebazillen die Eiwand 
des frischen Hfihnereies durchwachsen? (Archiv f. Hyg. 
Bd. 62. 1907. S. 229—238.) 

Verf. hat durch seine Untersuchungen folgendes festgestellt: 

1. In kfinstlich infizierten Eiem konnen sich die Ruhrbazillen bis 
zu mindestens 17 Tagen lebensfahig halten. 

2. Von einer Impfstelle aus verbreiten sich die Bazillen innerhalb 
von 24 Stunden in dem ganzen Ei. 

3. Legt man Eier in Nahrbouillon mit Rnhrbazillen, so kdnnen 
diese nicht in das unverletzte Ei einwandern, auch nicht, wenn es faul, 
d. h. durch andere Keime vorher infiziert war. 

4. Die Ruhrbazillen dringen aber sofort ein, wenn die Eischale 
kleine kaum sichtbare Sprfinge aufweist. 

5. Im Eiinnern vorhandene Ruhrbazillen werden durch Kochen 
samtlich abgetdtet. 

6. Ruhrbazillen, welche an der finfieren Eischale angetrocknet sind, 
vermogen nicht in das Innere des Eies einzudringen und sterben in 
spatestens 8 Tagen ab. 

7. Schimmelpilze vermdgen die unverletzte Wand eines frischen 

Hfihnereies nicht zu durchdringen. Schuster (Posen). 

Jftrgens, Die Amdben-Enteritis und ihre Beziehungen zur 
Dysenterie. (Zeitschr. f. experim. Pathologie m Therapie. Bd. 4. 
1907. S. 769.) 

Enu Abt. Kofer. Bd. XLII. No. 4 / 8 . 9 


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Dysenteric. 


Bei der Beurteilung der Dysenterie ist neben der Aetiologie mehr 
als bisher das anatomische und das klinische Bild zu ber&cksichtigen. 
Die eigentliche Dysenterie ist wahrscheinlich stets bazillaren Urspmngs 
(Shiga-Krusesche, Flexnersche, vielleicht auch andere Bazillen), 
sowohl die heimische, wie die in den Tropen und China vorkommeude. 
Anatomisch ist sie charakterisiert durch die diphtherischen Verande- 
rungen der Darmschleimhaut, klinisch durch lhren verhaltnismafiig 
schnellen Verlauf und die Abheilung der eigentlichen Erkranknng. Die 
spateren Erscheinungen sind durch die irreparablen Verknderungen 
der Darmschleimhaut, Stenosen usw. bedingt. Zu unterscheiden davon 
ist die auch experimentell bei Katzen hervorzurufende Amobenenteritis, 
verursacht durch Amoeba histolytica , die mikroskopisch sicher von Amoeba 
coli zu unterscheiden ist. Sie kann sich zu allerlei Darmerkrankungen, 
uramischen, tuberknlosen und wohl besonders haufig zu bazillar-dys- 
enteritischen hinzugesellen und ist anatomisch eine einfache ulzerose 
Enteritis mit zahlreichen Amoben im erkrankten Gewebe. Klinisch ist 
sie durch ihren chronischen, zu Rezidiven neigeuden Charakter aus- 
gezeichnet. Im Stuhl finden sich stets zahlreiche Amoben. Die chro- 
nische Tropenruhr ist wohl meist zunachst eine echte bazillkre Dysenterie, 
an die sich eine Amobenenteritis anschliefit. Kurt Meyer (Berlin). 

Abe, Nakao, Ueber die Aetiologie der Dysenterie. (Archiv f. 

Hyg. BcL 65. 1908. H. 2. S. 107—148.) 

Verf. hat aus dem Stuhl von 42 Dysenteriekranken, die in Spitalem 
in Sudjapan im Jahre 1906 lagen, durch Agarplattenkulturen Bakterien 
isoliert und mittels Blutserums, das durch Aderlafi Oder Blasenpflaster 
gewonnen wurde, Agglutinationsversuche mit diesen gemacht und glaubt 
den Erreger dieser damals in Sudjapan herschenden Dysenterieepidemie 
gefunden zu haben, der weder eine Amobe ist, noch ein den bisher be- 
kannten Ruhrbakterien gleichender Bazillus, sondern ein dem Bacterium, 
coli commune sehr nahe verwandtes Stabchen. Die isolierten Bazillen 
wurden durch Krankenserum verschiedener Ruhrkranker bis zur Ver- 
diinnung 1:10000 starker oder schwacher agglutiniert, wahrend Bad. 
coli meist gar nicht oder nur ganz schwach von diesem Serum beein- 
flufit wurde. Die morphologischen und biologischen Eigenschaften des 
Abeschen Dysenteriebazillus gleichen denen des Bacterium coli , ins- 
besondere sind sie lebhaft eigenbeweglich, bilden in Traubenzucker- 
nahrboden reichlich Gas und bringen Milch zur Gerinnung. Die Gas- 
produktion hat Verf. mit der bei Bacterium coli eintretenden verglichen 
und gefunden, dafi dieses sogar weniger Gas bildet. Die Arbeit enthalt 
weiter die Priifungen auf Widerstandsfahigkeit gegen Austrocknen, 
Licht und chemiscke Desinfizientien und eine Anzahl Tierversuche; hier- 
nach ist das Bakterium schwach pathogen fur Kaninchen, mehr fur 
Meerschweinchen, weifie Mause und Sperlinge bei subkutaner und intra- 
peritonealer Einverleibung, nicht pathogen bei Darreichung per os. 

Abe kommt zu dem SchluB, dafi die ip gem&fiigten Gegenden epi- 
demisch vorkommende Dysenterie zahlreiche Ursachen hat, ahnlich wie 
die Pneumonie durch verschiedene Bakterien; verursacht wird, der 
daher ein symptomatischer, kein atiologischer ist. .. 

v. Leliwa.(Posen). 


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Dysenterie. 


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Shiga, IL, Typen der Dysenteriebazillen, ihr epidemio- 
logisches Verhalten and seroth'erapeatische Studien. 
(Zeitschr. £ Hyg. a. Infektionskrankh. Bd. 60. 1908. p. 75.) 

Bald nach Entdeekung der Dysenteriebazillen (1898) worde ihre 
atiologische Bedeatung 1890 von Flexner and Strong in Manila 
and Kruse in Deutschland bestatigt. Letzterer machte aber darauf 
aufmerksam, dafi ein von ihm gefundener Dysenteriebazillus, welcher 
morphologisch und knlturell von seinem eigentlichen Dysenteriebazillus 
nicht. zu unterscheiden war, in bezug auf die Serumreaktion abwich. 
Eine 1901 unter Koch zusammengetretene Eommission untersuchte 
vergleichend den Shiga-, Kruse-, Manila-, Flexner- und 
Dober itz-Stamm und bestatigte, dafi der Manilastamm sich in bezug 
auf die Agglutination von den iibrigen unterschied. Hifi untersuchte 
bei Dysenterie und Kinderdiarrhoen isolierte Dysenteriebazillen und 
teilte sie in 3 Gruppen auf Grand von Ziichtung auf Mannit, Dextrose, 
Maltose, Saccharose und Dextrin. Gay unterschied auf Grand der 
Bakteriolyse und Schutzwirkung des Kaninchenimmunserams 2 Gruppen. 
Schliefilich gelang Hifi eine zuverl&filiche Klassifikation nach den 
fermentativen Eigenschaften auf Mannit, Dextrose, Saccharose, Maltose, 
Dextrin und Laktose. Diese Eigenschaften stimmen auch mit der 
Agelutination und Absorptionsfahigkeit des Agglutinins iiberein. Es 
ergibt sich folgende Einteilung: Grappe 1 fermentiert blofi Dextrose 
• Shiga, Kruse, Flexners New Heaven-Baz.), 2 fermentiert Dex¬ 
trose und Mannit (Y-, Farran-, Seal Harbour-Baz.), 3 fermentiert 
Dextrose, Mannit und Saccharose (Flexner - Strong - Manila- 
Stamm) nnd 4 fermentiert Dextrose, Mannit, Saccharose, Maltose 
and Dextrin (Harris-, Gay-, Baltimore- und Wollsteins- 
Baz.t. Shiga hat nun noch einen 5. Typus hinzugefugt, welcher 
sich dadurch vom 4. Typus unterscheiden l&fit, dafi er auf Mannitpepton- 
wasser nach 24 Stunden die S&urereaktion zeigt, welche aber nach 
2—3 Tagen allmahlich abklingt und nach 4 Tagen zur alkalischen Re- 
aktion dauernd ubergeht Dieser Typus bildet die Mittelform zwischen 
>og. Nonacid- und Acidform (Lentz) der Dysenteriebazillen. 

Shiga hat nun weiter das Vorkommen der verschiedenen Typen 
des Dysenteriebazillus bei verschiedenen Epidemien gepriift. 

Shiga versuchte durch kombinierte Behandlung von Pferden mit 5 
Typen Dysenteriebazillus ein bei alien DysenteriefUllen wirksames multi- 
valerites Serum herzustellen. Ein solches Serum gelang ihm zu erreichen 
durch kombinierte Behandlung der Pferde mit dem 1., 2. und 4. bzw. 5. 
Typus. Dieses neue Serum ist seit Ende 1905 in Japan bei mehreren 
tausend Fallen mit weit besserem Erfolg angewendet worden als das 
alte monovalente Serum. Die Forschungen iiber die 5 Typen der 
Insenteriebazillen sind geeignet, in der Serumtherapie der Dysenterie 
einen grofien Fortschritt herbeizufuhren. Schill (Dresden). 

Amako, T., Dysenterieepidemien und Bazillentypen. Epi¬ 
demiologist - bakteriologische Beo bachtungen liber 
die Dysenterie in der Stadt Kobe. (Zeitschr. f. Hyg. u. Infek- 
ti-tnskrankheiten. Bd. 60. 1908. H. 1. p. 93.) 

Die Stadt Kobe in Japan wird alljfthrlich von einer Dysenterie- 
cpidemie heimgesucht. Bei der Epidemic 1891 erreichte die Krankenzahl 

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Dysenterie. 


das Maximum, die von 1905 war die zweitgroBte mit 743 Fallen, von 
denen 641 im stadtischen Krankenhause aufgenommen warden; bei 526 
wurde der Dysenteriebazillus kulturell nachgewiesen. Amako teilt die 
gefundenen Dysenteriebazillen nach Shiga in 5 Typen: der 1. Typus 
wurde bei 108, der 2. bei 202, der 3. bei 9, der 4. bei 169 und der 5. 
bei 16 Fallen gefunden; in 2 Fallen war der 2. und 3. Typus gleich- 
zeitig vorhanden. Das morphologische Verhalten und die kulturellen 
Eigenschaften samtlicher Typen auf den gebrauchlichen N&hrbdden 
stimmen bis auf die Indolbildung ganz iiberein. Die Indolbildung tritt 
beim 1. Typus nicht auf, bei den anderen Typen ist sie inkonstant bei 
Benutzung von Peptonwasser (0. Witte) als Nahrboden. Der 1. Typus 
zeigt gegen Kaninchen ungewohnliche Giftigkeit, die anderen 4 Typen 
dagegen verhaitnismaBig nur schwache Giftigkeit. Das Verhalten gegen- 
iiber Mausen ist aber umgekehrt. — Rekonvaleszenten- und Kaninchen* 
immun serum agglutinierten den eigenen Typus am starksten; aber sie 
zeigen auch starkere Gruppenagglutination, welche bei den nfichst- 
stehenden Typen sehr stark ist. — Beziiglich der Gruppenagglutination 
steht der Mensch der Ziege ziemlich gleich; denn das Immunserum vom 
Menschen und der Ziege zeigt fast gleich hohe Gruppenagglutination. 
Die des Kaninchen- und Meerschweinchenimmunserums ist minimal, die 
des Pferdeimmunserums am groBten. Die Immunsera von Mensch und 
Ziege stehen in der Mitte zwischen denen von Kaninchen und Meer- 
schweinchen einer- und dem von Pferden andererseits. 

Der Titer der Normalagglutination des Kaninchenserums ist gegen- 
iiber dem 1., 4. und 5. Typus 1:10—20, dem 2. Typus 1:20—50 und 
dem 3. Typus 1:20—100. Die preventive Wirkung des Serums von 
Rekonvaleszenten und immunisierten Kaninchen stimmt im wesentlichen 
mit der Agglutination iiberein. 

Von normalem Kaninchenserum schutzt 0,1 ccm vor der Infektion 
mit der lOfach todlichen Dosis bei Mausen nicht, dagegen das Serum 
von Rekonvaleszenten oft noch zu 0,001. 

Familienepidemien fanden sich in 40 Familien mit 103 Kranken, 
meist mit demselben Typus. 

Wahrend der epidemischen Dysenterieperiode (Juli bis Oktober) 
traten der 1., 2. und 4. Typus fast gleich h&ufig, in anderen Monaten nur 
der 2. und 3. Typus auf. 

Der 1., 2. und 4. Typus fanden sich gleichm&fiig bei alien Alters- 
klassen, der 5. am h&ufigsten bei Kindern unter 10 Jahren. 

Am langsamsten verlief die Genesung beim 1., demnachst beim 2., 
4., 5. und 3. Typus. 

Die Mortalitat war bei Typus 1 und 2 etwas grbBer als bei den 
anderen Typen. 

Bei 9 sezierten Fallen fand Amako den Dysenteriebazillus nie 
in der Milz Oder Leber, dem Herzblut und in der Galle. 

S chi 11 (Dresden). 

Shiga, K., Epidemiologische Betrachtungen iiber die Dys¬ 
enterie in Japan. (Zeitschr. f.Hyg. u. Infektionskrankh. Bd. 60 
1908. H. 1. p. 120.) 

Die Dysenterie tritt nach Shiga in keinem Lande so verheerend 
auf als in Japan und ist nirgends so tief eingewurzelt. Sie konunt 


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Dysenteric. 


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fast ausschlieBlich in dem aus den 4 Inseln Eiushiu, Shikoku, Honshu 
and Hokkaido bestehenden Hauptteil Japans, welcher der gemafligten 
Zone angehort, vor. In den letzten 30 Jahren sind 2 grofie Epidemien 
von Suden nach Norden hingezogen. Es blieb die Epidemie je 1—3 
Jahre in einer Gegend bestehen. Nach erreichtem Maximum ging die 
Epidemie rasch zuruck, um sich nach 10—20 Jahren zu wiederholen. 
Dieses erklart Shiga aus der Immunitat gegeniiber der Dysenteric, 
welche eine Zeitlang nach der Erkrankung besteht. Friiher trat die 
Dysenterie nicht so oft und so verheerend auf wie in den letzten De- 
zennien, weil der Verkehr sich langsamer vollzog. Shiga rechnet fur 
die Zukunft auf eine Dysenterieepidemie etwa alle 10—20 Jahre. Eine 
Reinfektion kommt bei Dysenterie nur sehr selten vor. Shiga sah sie 
unter 10000 Eranken nur etwa 3—4mal, bei schwer Erkrankten 
aber nie. 

Bei Ausbreitung der Dysenterie spielen die Bazillentrager die 
Hauptrolle, und zwar 1. gesunde Personen, 2. leicht Dysenteriekranke 
bzw. DiarrhSekranke und 3. Dysenteriekranke in der Rekonvaleszenz. 

Nachweis der Dysenteriebazillen im Stuhl Gesunder ist sehr schwer. 
Er gelang Konradi in 3 Fallen, Martha Wollstein in dem nur 
geringe katarrhalische Veranderungen zeigenden Darmkana] von Ein- 
dern, bei denen klinisch Dysenterie Oder Sommerdiarrhoe nicht zu dia- 
gnostizieren war, und Duval und Shorer vermochten in den Stuhlen 
Ton 2 gesunden Kindern wShrend epidemischer Sommerdiarrhoe den 
Flexner-Harris-Bazillus (sog. Acidform) nachzuweisen. 

Ruhrkranke und Bazillentrager stellen eine wichtige Infektions- 
quelle dar; die Infektion findet von Mensch zu Mensch statt. Der 
Dysenteriebazillus erh&lt sich fiber Winter im menschlichen Korper; 
im Friihsommer nach auBen gelangend, veranlaBt er eine Epidemie, 
welche. wenn Brunnen Oder Fliisse verunreinigt sind, explosionsartig 
auftreten kann. Shiga schildert mehrere derartige Epidemien. In 
der Rekonvaleszenz kann man den Dysenteriebazillus meist 1—2 Wochen 
in den schon normales Aussehen zeigenden Stiihlen finden. DaB er 
darin noch weit langer erhalten bleibt, kann man daraus schlieBen, daB 
bereits geheilt aus dem Hospital Entlassene nach Wochen Rezidive 
bekommen, oder daB Dysenterie in ihrer Familie ausbricht. Ob Dys- 
enteriebazillen jahrelang im Stuhl ausgeschieden werden konnen, wie 
der Typhusbazillus, ist fraglich; die Gallenblase scheint nach Unter- 
saehungen von Amako nicht eine Brutstatte fiir Dysenteriebazillen zu 
sein. wie sie es fur Typhusbazillen ist. Diese Versuche best&tigen die 
Ansicht von Shiga, daB Dysenteriebazillen nicht wie Typhusbazillen 
in die Blutbahn eindringen konnen, wenigstens scheinen Dysenterie¬ 
bazillen nur ganz ausnahmsweise eine Septikamie hervorzurufen. Bei 
Yersuchstieren verhait es sich anders als bei Dysenteriekranken. 
Kaninchen, denen 0,5 mg BazillenkSrper intravenos injiziert warden, 
starben in 48 — 60 Stunden und hatten reichliche Bazillen in Leber, 
•ralle, Niere und Harnblase, aber nur wenige im Herzblut und keine 
in der Milz. 

Die Feststellung, daB Dysenteriebazillen bei Eranken nicht in die 
Blutbahn eindringen und nicht in der Galle und im Harn vorkommen, 
ist bei Bekampfung der Dysenterie zu beachten. Schill (Dresden). 


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Dysenterie. — LeberabszeC. — Pseudodysenterie. 


Hennon, L., Des gastro-ent6rites du nourisson. [Th6se.] Paris 
(Bonvaldt-Jouve) 1906. 

Verf. bespricht unter anderen zwei Arten yon Gastroenteritis beim 
Saugling; zunachst die sog. spastische Sfiuglingsenteritis (maladie spas- 
modique intestinale du nourisson), von der er hervorhebt, dafi sie itio* 
logisch nichts mit Mikroorganismen zu tun hat, ferner die Sauglings- 
dysenterie, bei der er stets schon in den ersten Tagen der Erkrankung 
den B. dysenteriae Flexner nachgewiesen hat In den sp&teren Stadien 
der Krankheit ist der betretfende Bazillus schwerer nachzuweisen, seine 
Anwesenheit wird jedoch durch die Agglutination festgestellt. Nach 
Verf. sind der Flexnersche und der Shigasche Bazillus ein und das- 
selbe; er ist spezifisch fur die Dysenterie im Eindesalter. 

Schrumpf (StraBburg). 

Canssade et Foltrain, Un cas de dysenterie amybienne avec 
absces du foie d’origine parisienne. (Bull. soc. Med. d. Hop. 
k Paris. 1907. p. 167.) 

Beschreibung eines Falles von Amobendysenterie mit LeberabszeB 
bei einem Individuum, das niemals Paris verlassen hatte. Verff. be- 
tonen die Notwendigkeit, bei jedem Fall von klinischer Dysenterie die 
bakteriologische Untersuchung des Falles anzustellen. Wird darin der 
Bazillus von Chantemesse und Widal nachgewiesen, so ist der 
Fall einer Serotherapie zuganglich; ist dagegen die Amoeba histolytica als 
atiologischcs Agens anzusehen, so ist die Prognose schlecht, und der 
Verlauf ein chronischer. — Diskussion. Schrumpf (StraBburg). 

McDill, Dysenteric abscess of the liver in the Philippine 
Islands. (Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 6.) 

Auf Grund seiner Erfahrungen iiber Leberabszesse bei der AmSben- 
dysenterie, die Verf. auf den Philippineninseln gesammelt hatte, gelangt 
er zn folgenden Schliissen: 1. In den Wandungen von die Amoben¬ 
dysenterie des Dickdarms komplizierenden Leberabszessen werden immer 
Amoben gefunden. 2. Diese Eomplikation kann auf das MindestmaB 
beschrankt werden durch moglichst friihe Erkennung und entsprechende 
Behandlung der primaren Dickdarmerkrankung. 3. Vereinzelte, bis- 
weilen durch ZusammenflieBen mehrerer entstandene Abszesse sind die 
einzigen, die einer erfolgreichen chirurgischen Behandlung, und zwar 
durch Drainage zuganglich sind. 4. Die beste Operationsmethode ist 
die transpleurale. 5. Fruhzeitige Operationen geben die besten Er- 
gebnisse, und zwar mehr als 90 Proz. Heilungen. BouCek (Prag). 

Gilbert et Lippmann, Note sur la bacteriologie des abc^s 
tropicaux du foie. (Compt. rend. soc. bioL T. 63. 1907. S. 565.) 

Bisher unterschied man 3 Arten von AbszeBeiter von Leber¬ 
abszessen. 1. Eiter auf pyogenen Bakterien beruhend, 2. AmSbeneiter, 
3. steriler Eiter. VerlF. glauben auf Grund ihrer Ergebnisse annehmen 
zu miissen, daB im Eiter von Leberabszessen meist Anarobier vor- 
kommen, namentlich auch im sog. sterilen Eiter. 

Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 

Hilgermann, Zur Easuistik der Pseudodysenterie. (Munch, 
med. Wochenschr. 1907. S. 2284.) 


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I 


Psendodysenterie. — Flecktypbus&hnliche Erankheiten. — Typhus. 135 

5 Geschwister erkrankten an ruhr&hnlichen Erscheinungen. Mit 
den Stuhlproben warden Zfichtungs-, mit den gezfichteten Keimen Ag- 
dutinationsversuche gegenfiber den Kranken- nnd hochwertigen Immun- 
sera ausgefuhrt. In den Stfihlen fand sich stets nnr eine und dieselbe 
Abart der Pseudorohrbazillen, soweit morphologische nnd Jbiolo- 
trische Eigenschaften in Betracht kommen; diese Abart entsprach 
Kruses Pseudodysenteriebazillus D sowie Nieters nnd Liefmanns 
Pararuhrbazillus o. Die Agglutination fehlte im Serum des 5. Kranken, 
das auch Stamm Flexner nnd Shiga agglutinierte. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Kheindorf, Ciliatendysenterie. (Berliner klin. Wochenschr. 1907. 
No. 49.) 

Demonstration der D&rme von 6 an Dysenterie Yerstorbenen. Die 
Schleimhaut des Dickdarms von zahlreichen Geschwuren bedeckt. Aetio- 
logisch sind Giliaten als Erreger der Krankheit in diesen Fallen an* 
zusehen. Sie gehoren zur Klasse der Heterotrichen nnd haben auBer 
der totalen Bewimpernng noch einen besonders dichten Cilienbesatz um 
die Mundoffnung. Es handelt sich um Balantidium coli, das wohl durch 
Yermittelung des Schweins in den Menschen gekommen war, wie denn 
die meisten dieser Lente mit Schweinen viel zn tan gehabt hatten. 

3 Alikrophotogramme. W. v. Brunn (Rostock). 

Horiuchi, Ueber die Aetiologie einer bisher nnbekannten 
(an Flecktyphus erinnernden) Krankheit in der Man¬ 
se harei. (Saikingakuzasshi. 1906. No. 126.) 

Verf. fuhrte die bakteriologischen Untersuchungen fiber eine an 
Flecktyphus erinnernde Krankheit aus, fiber welche bisher noch nichts 
berichtet war. Dieselbe trat im April nnd Mai des Jahres 1906 in der 
Mansdmrei epidemisch auf. Die Untersuchnngen bei mehr als 40 
Patienten ergaben, daB die Krankheit weder zn dem Abdominaltyphus 
noch zu dem Paratyphus, die ja anch mit Hautroseola einhergehen, 
bakteriologische Beziehongen hatte, sondern dafl ein eigentumlicher 
Bazillus. den der Verf. isolierte, wahrscheinlich der Krankheitserreger 
*ar. Der Bazillus kommt. sehr oft im Stnhl nnd Urin der Er- 
krankten vor nnd wird durch das Serum derselben deutlich agglutiniert; 
weder bei anderen Kranken noch bei Gesunden ist dieser Bazillus 
nar bweisbar. Ferner ffigt Verf. hinzu, daB er die verschiedenen Fleck- 
t.vpljoserreger, die viele Antoren bis jetzt als solche angesehen haben, 
hier nicht finden konnte. Os hi da (Tokio). 

Kowabara, Ch., Ein Laktose-spaltender Typhusbazillns. 
(Eine Bemerknng znm Isolierungsverfahren der Typhus- 
fa azillen.) (Saikingaku-Zasshi. 1907. No. 143.) 

Ine Typhusbazillen bewirken in der neutralen Lakmnsmolke in der 
Rogel eine rotlich-violette Yerffirbung, welche durch die geringe Sfiure- 
bildung (unter 3 Proz. der normalen Saureldsung) veranlaBt wird. Verf. 
hat bei der Untersuchung von Sttthlen eines Typhusverdachtigen auf 
einer Agarplatte neben zwei typischen noch vier eigenttimliche Typhns- 
kulmien gefunden, welche in der neutralen Lakmnsmolke wie Coli- 
bazillen, eine intensive Rotfarbung hervorriefen. Die beiden Stamme 
(Milchzucker-spaltende und nichtspaltende) wurden durch genaue Unter- 


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Typhus. 


suchung der kulturellen Eigenschaften durch die Immunitjltsreaktion als 
identisch mit einem echten Laboratoriums-Typhusstamm nachgewiesen. 

Durch das Stadium der fermentativen Wirkungen auf Kohlen- 
hydrate wurde gefunden, daB die shurebildenden Typhusbazillen sowohl - 
Laktose als auch Saccharose zu spalten vermogen, wahrend zwei andere 
Saure nichtspaltende Stamme und der Laboratoriumsstamm die genannten 
Kohlenhydrate nicht angreifen. Die fermentativen Eigenschaften der 
ersteren Stamme gingen aber nach mehreren (12—15) Generationen auf 
den kiinstlichen Nahrboden verloren. Durch Agglutinationspriifungen 
mit Kaninchen-Immunserum und Tierversuchen (an Mausen) waren die 
s&urebildenden Stamme vom Laboratoriumsstamme nicht zu unterscheiden. - 

Nach dieser Erfahrung bemerkt Verf. mit Recht, daB ein solcher 
Laktose-spaltender Typhusbazillenstamm sowohl auf der Endo- als auch 
Drigalski-Conradischen Platte eine rote Kolonie bilden und des- 
halb dem Auge des Untersuchers entgehen wird, wenn man dabei nur 
den Farbenumschlag beriicksichtigt. K. Shiga (Tokio). 

Hair, W., Experiments on the survival of B. typhosus in 
sterilised and unsterilised soil. (Journ. of Hygiene. YoL 8. 
1908. No. 1. p. 37.) 

Typhusbazillen sind in unsterilisiertem Erdboden bis zu 70—80 
Tagen am Leben gefunden worden. Im allgemeinen diirfte ihre Lebens- 
dauer darin aber 20 Tage nicht viel iiberschreiten. Anhaltspunkte da- 
fur, daB der Typhusbazillus in der Erde sich vermehren und sapro- 
phytischen Charakter annehmen konnte, haben sich im Experiment 
nicht ergeben. In sterilisierter Erde gehen die Typhusbazillen bereits 
im Laufe von 11 Tagen zugrunde. Manteufel (Gr.-Lichterfelde). 

Runel, H. L. und Fuller, C. A., The longevity of Bacillus 
typhosus in natural waters and in sewage. (Journ. of inf. 
Dis. Suppl. 1906. No. 2. p. 40.) 

Verff. haben Sacke aus Celloidin, Pergamentpapier Oder Gelose 
mit typhusbazillenhaltigem Wasser gefullt und dieselben in den Mendota- 
see versenkt. Die Typhusbazillen blieben 8—10 Tage virulent. In 
Kanalisationswasser halten sie sich bloB 3—8 Tage. 

Die Lebensf&higkeit des B. typhi scheint abzuhangen von der Art 
der ihn umgebenden Bakterien. Schrumpf (Strafiburg). 

Pratt, Peabody and Lang, The occurence of typhoid bacilli 
in the stools of typhoid patients. (Journ. of the Americ. med. 
Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 10.) 

Es ist eine allgemeine Ansicht, daB Typhusstiihle von Bazillen 
wimmeln. Schwierigkeiten, mit denen viele Forscher bei Isolation des 
Typhusbazillus aus den Stiihlen zu tun hatten, warden durch unvoll- 
kommene technische Methoden erklart. — Verff. untersuchten 100 F&lle 
mit 17 positiven Befunden. Davon waren 21 Rekonvaleszenten nnd 
zwar alle negativ. Positive Befunde bei Fiebernden 17:79 = 21 Proz. 
— Die vorliegenden Untersuchungen wurden in 3 Serien gemacht: 

43 Falle mit 6 positiven Befunden = 14 Proz., Drigalski-Conradi; 

31 Falle mit 4 positiven Befunden = 12 Proz., Drigalski-Conradi; 

26 Falle mit 7 positiven Befunden = 27 Proz., Drigalski-Conradi, 


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Typhus. 


137 


Lentz-Tietz. Es wurden untersucht bei 51 Eranken nar je 1 Stuhl, 
bei 23 je 2, bei 12 je 3, bei 8 je 4, bei 3 je 5, bei 2 je 6, bei 1 Kranken 
12 Stable: bei alien 100 Eranken 206 Stiihle. In dem Falle, wo man 
bei 1 Eranken 12 Stiihle untersuchte, wurden 34 Enltnren gemacht: 
2 Stable positiv, yon beiden je 3 Eulturen, von diesen nnr je 1 positiv; 
uater Tansenden Eolonien waren nnr etwa 10 Typhus. — In einer 
grofieren Zahl persistierten die Typhusbazillen in den Stiihlen iiberhanpt 
nar in einem einzigen Falle. — Man kann die Bazillen in einem Stuhle 
finden, im nfichsten Stuhle nach wenigenStunden konnen sie wieder 
verschwunden sein. — Ebenso oft wie in diarrhoischen wurden die 
Bazillen aach in geformten Stuhlen gefunden. In einem blutigen Stuhle 
wurden sie aber in ganz besonders reichlicher Menge konstatiert. — 
Von einem Stuhle wurden 20 Drigalski-Conradi-Platten geimpft, 
alle negativ. — In einem Falle waren Stiihle 4 Tage vor dem Tode 
negativ; bei der Autopsie Galle, Milz positiv, Darminhalt negativ. — 
Dafi in einem Falle die Bazillen in den Stuhlen in betrachtlicher An- 
zahl zu finden waren, in der Mehrzahl aber iiberhaupt nicht, kann nach 
Meinung der Yerff. durch Verschiedenheit der Typhusst&mme erkl&rt 
werden. Dagegen mufi die Ursache dafiir, dafi gewisse Typhusrekon- 
valeszenten zu Bazillentragern werden, in den betreffenden Individuen 
selbst gesucht werden und nicht in besonderen Eigenschaften der 
Bazillen; sonst miifiten von Bazillentragern infizierte Individuen wieder 
za Bazillentragern werden. Durch Verschiedenheit der Bazillenstamme 
sind auch die divergierenden Ergebnisse verschiedener Untersucher zu 
erklaren. — Schliisse: Typhus ist eine allgemeine Infektion, Typhus- 
bazillus ein Invasionsmikrob; er ist fahig, sich im Blute und in Gewebe- 
saften zu entwickeln, aber nicht im Darminhalte aufier unter unge- 
wuhnlichen Umstanden; er kommt Ofters vor in grofier Zahl im Urin 
al» im Stuhl; sein Lieblingssitz ist die Gallenblase; die Bazillen im 
Stuhle stammen grofienteils aus der Galle, sie werden aber im Duodenum 
und Jejunum rasch vemichtet (wahrscheinlich alle); mindestens wird 
ibre Zahl so vermindert, dafi man sie mit den bisherigen Methoden 
nicht nachweisen kann; in den 21 Proz. positiver Falle waren sie ge- 
wuhnlich auch nur in kleinen Mengen vorhanden; in grbfiter Anzahl 
fand man sie in einem bluthaltigen Stuhle; es ist aber nicht unwahr- 
scheinlich, dafi — wenn es eine Methode gabe, die die Untersuchung 
de>i ganzen Stuhles ermoglichte — man wenige Typhusbazillen in jedem 
Stable fande. Dies andert aber nichts an der ausgesprochenen Meinung, 
dafi der Darminhalt kein gttnstiger Nhhrboden ist fiir das Wachstum 
der Typhusbazillen. Dafi die Typhusbazillen in den Stuhlen iiberhaupt 
vorhanden sind, liegt daran, dafi sie mit der Galle in den Darm ausge- 
schieden werden. Die Eintrittspforte ist nicht bekannt; der Eintritt 
durch den Darm ist nicht wahrscheinlicher, als durch die Tonsillen Oder 
den Magen. Bondek (Prag). 

Levy und Gaehtgens, Ueber die Verbreitung der Typhus¬ 
bazillen in den Lymphdriisen bei Typhusleichen. (Arb. 
a. d. Eaiserl. Gesundheitsamte. Bd. 28. 1908. Heft 1. S. 168.) 

Die Verff. haben bei 6 Typhusautopsien die Verteilung der Typhus¬ 
bazillen in den Lymphdriisen genau verfolgt. Die Mesenterialdriisen 
waren stets makroskopisch bereits verftndert, in 5 Fallen vereitert. In 


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Typhus. 


ihnen waren die Typhusbazillen immer in viel groBeren Mengen nach- 
zuweisen, wie in den anderen Lymphdriisen. Die Befunde sprechen nach 
Ansicht der Verff. dafiir, daB die primare Lokalisation der Typhuserkran- 
kung in den Darmpartien, welche diesen besonders veranderten Hesen- 
terialdriisen angehoren, zu snchen ist. Haendel (Gr.-Lichterfelde). 

Lesieur, Ch., Persistance de bacilles d’Eberth dans le sang 
pendant la convalescence et apr6s la garrison de la 
fi^vre typhoide. (Ball, et mem. d. L Soc. med. d. Hop. de Paris. 
1908. No. 1.) 

Verf. hat das Blut von 33 Typhusrekonvaleszenten 4—6 Wochen 
nach Entfieberung auf Typhusbazillen untersucht und hat diesel ben in 
6 Fallen nachgewiesen; in 3 derselben wuchsen die Bazillen auff&llig 
langsam; sie waren klein, kurz, zu mehreren zusammengebacken und 
wurden erst nach mehrmaligem Ueberimpfen morphologisch und biolo* 
gisch normal. Schrumpf (StraBburg). 

Mori, A., Ricerche batteriologiche dalle orine e dalle feci 
in bambini affetti da infezioni tifoidi e forme affinl 
(Rivista di Clinica Pediatrica. 1907. N. 6.) 

Verf. hat Harn und Faces von Kindern, welche klinisch Typhus, 
bzw. typhusahnliche Erkrankungen aufwiesen, bakteriologisch unter- 
sucht. Er betont den Nutzen einer methodischen Untersuchung von 
Harn und Kot auf Typhus- bzw. typhusahnliche Bazillen, denn die 
Serumreaktion fehlt oft in den ersten Tagen der Infektion, wahrend zu 
dieser Zeit schon die Krankheitserreger in Harn und Faces gefunden 
werden konnen. 

Er nimmt ferner an, daB die Diagnose der Paratyphus-Infektion 
haufiger ware, wenn man anstatt sich auf die Widalsche Probe zu 
beschranken, stets die Agglutinationsprobe mit B. paratyphi vornehmen 
wurde. Negri (Pavia). 

Bennecke, H. ? Klinische und bakteriologische Beobach- 
tungen bei Abdominaltyphus, insbesondere beiTyphus- 
komplikationen. (Deutsches Arch, t klin. Med. Bd. 92. 1907. 
H. 1 u. 2. p. 64—82.) 

Verf. berichtet, indem er auf die wertvollen diagnostischen Hilfs- 
mittel zur Erkennung des Typhus, Agglutination, Castell&nisches 
Ziichtungsverfahren von Typhusbazillen in Bouillon aus dem Blut der 
Armvene und Fehlen der Leukozytose, hinweist, ttber drei auflergewohn- 
lich verlaufende Typhusfalle, bei denen nach Ablauf der eigentlichen 
Erkrankung unregelmafiige Temperatursteigerungen beobachtet wurden. 
Nach seinen Untersuchungen handelte es sich dabei nicht um Rezidive, 
wenn der Verlauf auch zuerst dafiir sprach, sondern um Komplikationen 
die durch zirkumskripte lokalisierte Typhusbazillenherde und deren 
Toxine hervorgerufen wurden. Im ersten Faile stellte sich bei einem 
Patienten, der friiher schon an Thrombose infolge von Varizen gelitten 
hatte, am Ende seiner Typhuserkrankuug eine erneute Thrombose unter 
Temperaturanstieg ein. Im Thrombus konnten Typhusbazillen in Rein- 
kultur nachgewiesen werden; Heilung trat nach Exstirpation des Ge- 
faBes ein. — Bei einem weiteren Faile erschienen in der Rekonvaleszenz 


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Typhus. 


139 


outer Temperatursteigerung Furunkeln, in deren Inhalt Typhnsbazillen 
in Reinkultur gefunden warden. Bei beiden Fallen konnte ein Rezidiv 
oder eine seknndare Mischinfektion dadnrch ausgeschlossen werden, dafi 
Leukozytose fehlte, und dafi bei Abwesenheit anderer Eitererreger 
Typhnsbazillen ausschliefllich im Thrombns, bezw. im Sekret der Furnnkel 
naehgewiesen warden. Ein dritter Fall mit Neigung za Hamorrhagien 
und unregelmfifiigen Temperatarsteigemngen liefi sich leicht dadarch 
erklaren, dafi eine seknndare Streptokokkeninfektion, von der Parotis 
aasgehend, naehgewiesen werden konnte. 

Es ist nach Ansicht des Verf.s nicht gerade sehr aufiergewdhnlich, 
dafi nach der eigentlichen Typhnsinfektion lokalisierte Entzfindungen, 
hervorgerafen dareh den Typhusbazillus, aaftreten. Der Bazillas kann 
als solcher echte Eiternng hervorrafen. 

Am Schlafi seiner Arbeit weist Verf. daraaf hin, dafi eine wesent- 
liche Stfitze der Typhnsdiagnose die Zahlung der Leakozyten ist. 

Kersten (Berlin). 

Port, F., Ueber Mischinfektionen bei Typhus abdominalis. 
(Deutsche med. Wochenschr. 1908. 8. 547.) 

P. stellt die Typhusffille zasammen, bei welchen aafier Typhus- 
bazillen noch andere Bakterien im Blute nachweisbar waren, findet 
unter 1018 Fallen 27 Mischinfektionen, aufierdem noch 11 davon, bei 
denen die Gesamtzahl der beobachteten Typhen nicht angegeben ist, 
und berichtet fiber 4 todlich aasgehende Mischinfektionen (anter 33 
Typhnserkrankungen mit 6 Todesffillen). Aach die sonstigen Ffille von 
Mischinfektion, fiber deren klinischen Verlaaf fiberhanpt etwas vermerkt 
ist. endeten tSdlich. — Bei einem Typhus mit krouposer Bronchopneumonie 
beider Unterlappen warden aas dem kreisenden Blate Diplokokken and 
Tvphusbazillen gezfichtet. — Zweimal lag eine Mischinfektion mit 
Staphylococcus pyogenes aureus vor. Den Ausgangspunkt bildete eine alte 
Endokarditis. Mit dem Uebertritte der Typhnsbazillen ins Blat warde 
die Virulenz der Staphylokokken, die sich an den verfinderten Klappen 
befanden, derart gesteigert, dafi das Leiden nea aufflackerte. — 
S’hliefilich warde eine Mischinfektion mit Kolibazillen gefunden. — Die 
klinischen Eigentfimlichkeiten dieser Ffille sind eingehend besprochen. 

Mischinfektionen sind hiernach bei Typhus nicht selten, Sekundfir- 
infektion ein Grand fur schwersten and schnellsten Verlaaf Ver- 
dachtig sind schwere cerebrale Stfirangen, sehr hohes Fieber, Gelbsucht, 
Blutungen, Schfittelfrost, hohe Leakocytose, Endokarditis. Fftr den 
Nach we is genfigt das Gallenanreicherungsverfahren nach Conradi- 
Kayser nicht, da Galle den Diplococcus lanceolatus and den Strepto- 
rfja'vs mucosus auflost, die fibrigen Streptokokken schfidigt and das 
Wachstum der Staphylokokken sehr betrfichtlich hemmt. Man mafi 
aufierdem dem Vorgehen von Schottmttller (Giefien von Agarblat- 
l>latten) oder Castellani (Anreichern in Bouillon) folgen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Biron, S.E., K woprosa o gnoinikach selesenki pri brjusch- 
nomtyphe. [Milzabszefi bei Unterleibstyphas.] (Wratscheb- 
naja Gaseta. 1908. Na 16.) 

Biron berichtet fiber einen Fall von Milzabszefi bei Unter- 


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Typhus. 


leihs typhus, der erst bei der Autopsie als Nebenbefond konstatiert 
wurde. Der hiihnereigrofie AbszeB lag ganz nahe der Vorderfl&che der 
Milz und hatte peritonitische Verwaclisungen erzeugt. In den inneren 
Organen waren keine Infarkte nachweisbar. Bakteriologische Unter- 
suchung des Eiters wurde nicht vorgenommen. 

E. T h a 1 (Petersburg). 

Bates. Atypical typhoid fever. (Journ. of the Americ. med. Ass. 
Vol. L. 1908. No. 8.) 

In den siidlichen Teilen der U. S. und in Panama kommen atypische 
Typhusf&lle vor, die Verf. in 3 Gruppen einteilt: 1. UnregelmaBiges 
etwa 1 Woche dauerndes Fieber, kaum iiber 37,8, mit leichtem Krank- 
heitsgefiihl und leichter Bronchitis. 2. Fieber 7—10 Tage, bis 39 und 
dariiber, mit Kopfweh, Bronchitis und belegter Zunge. 3. Klinisch sonst 
typischer Typhus, aber Fieber nur bis 37,8 Oder wenig dariiber. —' Die 
typhose Natur dieser Falle beweist die positive Widalsche Reaktion, 
zwei Sektionsbefunde in ahnlichen Fallen, namentlich aber der stets 
nachweisbare Zusammenhang mit unzweifelhaften Typhusfallen. — Diese 
Falle kommen vor als „Vorrenner“ der Epidemien. — Verf. macht auf 
die Bedeutung solcher atypischen Falle fiir die offentliche Gesundheits- 
pflege aufmerksam. Es kamen tatsachlich bis 30 Proz. Fehldiagnosen 
vor; wiederholt wurde klinisch Malaria diagnostiziert. 

Boucek (Prag). 

Nikitin, J. D.,Ob atypitscheskich formach brjuschnowa typha. 
[Atypische Erkrankungen an Unterleibstyphus.] (WratschebnajaGaseta. 
1908. No. 14.) 

Eine heftige Typhusepidemie im Jahre 1906/07 gab Nikitin 
(Samara) Gelegenheit eine grofie Anzahl vollig atypischer Er¬ 
krankungen an Unterleibstyphus zu beobachten, unter denen 
drei klinisch wohlcharakterisierte Formen seine Aufmerksamkeit erregten: 
1. Mischinfektionen als Resultat einer Symbiose des Influenza- und 
Typhusbazillus, wobei im Anfang die Influenzasymptome das Krank- 
heitsbild beherrschten. Erst nach dem Abklingen der grippbsen Broncho- 
pneumonie in der 4.—6. Woche nach Beginn der Erkrankung traten 
Milztumor, Roseola, Durchfall, Darmblutungen usw. auf. 2. Typhusfaile 
mit vorherrschenden Magenerscheinungen (Gastrotyphus): Erbrechen 
ohne Uebelkeit, bis 5—6mal taglich, im Laufe der ersten 2—3 Wochen 
bei gleichzeitigem Anschwellen der Milz, Roseola und typischer T-Kurve. 
3. Asthenische Form, bei der nach Schiittelfrost und bedeutendem An- 
stieg die Temperatur schon nach einigen Tagen auf die Norm herab- 
sinkt und dann wahrend des ganzen weiteren Krankheitsverlaufs zwischen 
subnormalen und subfebrilen Werten schwankt. Verf. ist der Ueber- 
zeugung, daB die klinisch paradoxen Formen bei Typhus- und anderen 
Epidemieen in RuBland mit den eigenartigen Lebensverh&ltnissen des 
russischen Proletaries und Dorfbewohners zusammenhtlngen. 

E. Thai (Petersburg). 

Messedaglla, L. e Carletti, M., Tricocefalo e feb.bre tifoide, 
ricerche ed osservazioni. (Atti d’Istituto di Clinica medica 
generale della R. Univeraiti di Padova. VoL IIL Milano 1907. p. 97.) 


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Typhus. 


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Die Beobachtung von 62 Typhusfailen, an der niedizinischen Klinik 
m Padua, von welchen die Faces in 90,32 Proz. Helminthen, resp. in 
83.87 Proz. Trichocephalus trichiurus enthielten, veranlassen Verff. zn 
glauben, dafi keine Beziehung zwischen Trichocephalus nnd Typhus besteht: 
L weil die Zahl dieser Wiirmer in keinem Verhaitnisse zur Schwere 
der Symptome steht, 2. gesunde oder an anderen Krankheiten als Typhus 
leidende Individuen Trichocephalus in ebensolcher Frequenz aufweisen, 
3. es keineswegs festgestellt ist, ob und wie dieser Parasit Blut saugt, 
i. e., die Schleimhaut des Darmes ladiert, 4. Trichocephalus fast immer 
nor im Coecum angetroffen wird — Endiich weisen Verffi, auf die 
iliusorische Wirkung des Thymols auf T. trichiurus und seine Reiz- 
wirkung auf den kranken Darm hin. Rochaz (Orbe). 

Sachs-Mfike, Ueber die MOglichkeit der Uebertragung des 
Typhus durch Flaschenbierund Bierflaschen. (Klin. Jahrb. 
Bd. 18. 1908. H. 3.) 

Es wurde festgestellt, dafi sich Typhus- und Paratyphusbazillen in 
dem auf Flaschen gefullten gewOhnlichen Bier wohl bei Keller- wie bei 
Zimmertemperatur durchschnittlich 2—5 Tage lebensfahig erhalten. 
Selbst fur den Fall einer etwas starkeren Nachgarung und damit grofieren 
Saurebildung hieten der nicht gefullte Flaschenhals und der oft rissige 
und schmutzige Gummiring fur die Bazillen noch genug Haftfl&che dar, 
run sich auf dieser langere Zeit infektionsfahig zu halten. In schmutzigen 
Fremdenherbergen auslandischer Arbeiter werden leere Bierflaschen sehr 
oft als Nachtgeschirre verwendet und in sie kbnnen durch etwaige 
Dauerausscheider mit dem Urin unzahlige Mengen von Typhuserregern 
eingebracht werden. Es liegt also die Notwendigkeit einer scharfen 
Ueberwachung namentlich der kleineren Flaschenbierhandlungen und 
der hygfienischen Verhaitnisse der Fremdenherbergen vor. 

Hetsch (Metz). 

lason. Contagion as a factor in the spread of typhoid 
fever in the military service. (Joum. of the Americ. med. Ass. 
VoL XLIX. 1907. Nr. 19.) 

In der amerikanischen Armee machte man die Erfahrung, dafl viele 
Typhusendemien unter der Mannschaft durch unmittelbaren Kontakt 
von Mann zu Mann oder durch mittelbaren mittels Wasche etc. ver- 
nrsacht wurden. Nachdem die Soldaten tiber persbnlichen Schutz be- 
lehrt wurden und Desinfektion strenge durchgefuhrt wurde, nahm der 
Typhus sofort ab. Boufiek (Prag). 

Berger, H., Eine Typhusepidemie in Krefeld. (Zeitschrift fiir 
Medizinalbeamte. 1907. Nr. 18.) 

Im Juli und August 1907 herrschte in Krefeld eine Typhusepidemie 
von 55 Fallen, fur deren Ursache die Milch zweifellos festgestellt werden 
konnte. Das klinische Bild zeigte in der Regel Milztumor; Roseolen 
warden bei weitem nicht in alien Fallen beobachtet; fast immer be- 
stand eine hartnackige Verstopfung, ein mafliger Durchfall stellte sich in 
wenigen Fallen spater ein. Die Inkubationszeit betrug im Hochstfalle 
13. meist etwa 10 Tage. Die Epidemie war 13 Tage nach dem Schlufl 
der Milchgeschafte als abgelaufen anzusehen. Meyer (Saarbriicken). 


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Typhus. 


Haskell, A typhoid fever epidemic from infected milk. 
(Journ. of the americ. med. Ass. VoL L. 1908. No. 11.) 

Die Nachforschungen nach der Infektionsquelle einer Typhusepidemie 
in Bridgeport, Conn., fiihrten zuerst zu einem Milchh&ndler; da bei diesem 
alles in Ordnung gefunden wnrde, muBten die einzelnen Milchmeiereien 
untersucht werden, von denen der Milchhandler die Milch bezog, nnd 
erst nnter diesen wnrde ein Bazillentr&ger gefnnden. Es ist Pflicht der 
offentlichen Gesundheitsamter motu proprio solche Nachforschnngen in 
einem jeden Falle durchzufiihren nnd nicht nnr die Infektionsanzeigen 
zu registrieren. BouCek (Prag). 

Rieger, Wasserversorgnng mit filtriertem Fluflwassdr nnd 
Darmtyphus. (Klin. Jahrb. Bd. 18. H. 3.) 

R. beschreibt die Verschlechtemng des Trinkwassers der Stadt 
Brieg durch den zunehmenden Wasserverkehr auf der Oder. Die Filter 
werden trotz bedeutender Zunahme der Bevhlkerung nicht genugend 
vergroBert. Wahrend fruher stets zahlreichere Typhuserkrankungen in 
der Stadt vorkamen, die auf das Trinkwasser zuriickzufiihren waren, 
warden nach Einfiihrung der Grundwasserversorgung nnr noch sehr 
wenige Typhusfalle festgestellt, fiir die samtlich die Aufnahme der 
Krankheitserreger auBerhalb der Stadt anzunehmen war. 

Hetsch (Metz). 

Park, The importance of ice in the production of typhoid 
fever. (Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 9.) 

Verf. liefl 21 verschiedene, meistens frisch isolierte, Typhuskulturen 
frieren und fand am 3. Tage 42 Proz. lebende Bakterien, am 7. Tage 
14 Proz., am 14. Tage 8 Proz., am 21. Tage 0,4 Proz., nach 22 Wochen 
0 Proz. BouCek (Prag). 

Bader, Otto, Ueber die Rolle des Typhus in der Aetiologie 
der Gallensteine. (Med. Klinik. 1907. No. 47.) 

Verf. sucht zu beweisen, daB die Cholelithiasis keine wesentlich 
vom Typhus abhangige Erkrankung ist, und faBt seine Ausfiihrungen in 
folgende Schliisse zusammen: 

1. Die bakteriologische Untersuchung der Galle bei Cholelithiasis 
und der Gallensteine selbst ergibt in einem groflen Prozentsatz der 
Falle die Anwesenheit von Vertretern der KoligTuppe. 

2. Jedoch ist die Annahme einer so fruhzeitigen postmortalen Auf- 
wanderung der Kolibazillen aus dem Darm, wie sie bisher angenommen 
wnrde, nicht haltbar. 

3. Dies ergibt sich insbesondere daraus, daB in vielen Fallen die 
Kolibazillen der Gallenblase nicht mehr ihre vollen Eigenschaften be- 
sitzen, was dafiir spricht, daB sie sie innerhalb der Gallenblase ver- 
loren haben miissen. Auch die oft beobachtete Sterilitat der Galle, selbst 
bei nicht frischen Sektionen, ist ein Hinweis darauf, dafl die Koli¬ 
bazillen, welche in der Gallenblase gefunden werden, nicht postmortal 
aus dem Darm eingewandert zu sein brauchen. 

4. Typhusbazillen wurden in 25 wahllos untersuchten Gallenstein- 
fhllen kein einziges Mai in der Galle oder in den Steinen gefunden. 
Dieser negative Befund widerspricht den neuerdings von verschiedenen 


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Typhus. 


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Seiten gemachten Bemuhungen, dem Typhus in der Aetiologie der Gallen- 
steine eine erhebliche Rolle zuzuschreiben. 

5. Auch statistische Erhebungen in Orten wie in M&nchen, in denen 
seit 20 Jahren der Typhus stark zuruckgedrangt ist, ohne dad die Zahl 
der Gallensteinerkrankungen nachgelassen hat, sprechen gegen den Zu- 
eammenhang von Typhus und Gallensteinen. Jedoch werden solche 
Zahl ungen erst dann von Wert sein, wenn die ganzen Generationen aus 
der Typhuszeit gestorben sein werden. 

6. ' Die Bedeutung der F&lle, in denen neuerdings Typhusbazillen 

in der Galle bei chronischer Cholecystitis und bei Cholelithiasis ge- 
fonden warden, darf also nicht fiberschatzt werden. Zum mindesten 
mud anderen Infektionserregern dieselbe Bedeutung zugeschrieben werden, 
da sie alle auf hamatogenem Wege in die Leber gelangen und von da 
in die Gallenblase ausgeschieden werden kdnnen, wo sie durch Erregung 
Ton Entzundung zu Sekretionsanomalien und zur Konkrementbildung Ver- 
anlassung zu geben vermdgen. Meyer (Saarbrucken). 

Schuller, M., Ein Fall von Cholangitis und Cholecystitis 
tvphosa bei einer chronis-chen Bazillentr&gerin. (Wiener 
med. Wochenschr. 1908. No. 2. p. ’87.) 

Bei einer 41 Jahre alten Patientin, die klinisch die Erscheinungen 
eines rekrudeszierenden entziindlichen Prozesses der Gallenwege mit 
Lkterus zeigte, ohne dad Zeichen einer bestehenden Typhusinfektion vor- 
gefnnden werden konnten, gelang es, Typhusbazillen aus den Faces zu 
znchten. Das Blut der Patientin agglutinierte den isolierten und einen 
fremden Typhusstamm 1:120. 

Den ersten Anfall von Gallensteinkolik hatte die Patientin angeb- 
lich 8 Jahre vorher gehabt. 

Zwei Elektrargolinjektionen, intraglut&al in Mengen von 5 und 
10 ccm gegeben, hatten guten Eifolg. A. Ghon (Wien). 

Forster, J., Ueber die Beziehungen des Typhus und Para- 
typhus zu den Gallewegen. (Munch.med. Wochenschr. 1908.S.l.) 

'Da im Blute von Typhuskranken schon in den ersten Krankheits- 
taeen, ja schon in der Inkubationszeit Typhusbazillen und sogar vor 
deren Auftreten bereits ihre StofFwechselerzengnisse nachzuweisen sind, 
so i>t anzunehmen, dad die vom Menschen aufgenommenen Typhuserreger 
sich nicht zuvorderst itn Darmrohr entwickeln, sondern in das Innere 
des Korpers eindringen, sich hier vermehren, in das Blut iibergehen, 
von da in Leber und Galle hbertreten. Den Darm durchwandern sie 
erst dann, wenn sie in groder Menge mit der Galle entleert werden, 
oder wenn Bedingungen fur einen raschen Durchtritt des Darminhaltes 
vorhanden sind. Daher die Schwankungen ihrer Ausscheidung mit dem 
Kote. Vom Paratyphus gilt im ganzen das gleiche; doch scheinen dessen 
Erreger sich unter gewissen Umst&nden im Darm ansiedeln zu kdnnen. 
— Die aus der Leber in die Gallenblase eindringenden Typhuskeime 
wandeln durch ihre entzundungserregende Wirkung auf die Schleimhaut 
der Gallenwege die Galle zu einer Nahrfliissigkeit fur sich um, so dad 
auch nach der klinischen Beendigung der Typhuserkrankung die Bazillen 
in der zurhckbleibenden infizierten Galle weiterwuchern kdnnen. 2 v. H. 
der an Typhus oder Paratyphus Erkrankten werden zu Dauerbazillen- 


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144 


Cholecystitis. — Typhus. 


tr&gern. Die Verhaltniszahl wtirde sich bei yennehrten Untersuchungen 
wahrscheinlich noch erhohen. Von 100 dieser Bazillentrfiger sind 
79 Frauen, 17 Manner, 4 Kinder. Typhusbazillenwucherung und Gallen- 
steinbildung stehen zueinander in Beziehung. Die Bedeutung, welche 
die Bazillenwucherung in der Gallenblase Gesunder ffir die Verbreitung 
des Typhus hat, wird durch einige Erlebnisse beleuchtet. Die Grande 
fur das Auftreten sporadischer Typhuserkrankungen, fur das Bestehen 
von „Typhushausem“ und fur das epidemische und endemische Vor- 
kommen des Typhus liegen bei den chronischen Bazillentrfigen. Deren 
Gallenblase bildet den natiirlichen Fundort der Bazillen. Die Bazillen- 
tragermiissen aufgesptirt, alsdann mitgesundheitlichen MaBnabmen bedacht 
werden. Um die Ausscheidung der Krankheitskeime zu unterdrucken, 
kann operativ vorgegangen werden. Die klinische Medizin hat die 
Aufgabe, bei der Behandlung der Typhuskranken zu verhttten, dafi 
bleibende Gallenblasenerkrankungen zustande kommen, ferner die Krank¬ 
heitskeime durch Anregung der Gallenabsonderung allmahlich aus der 
Gallenblase auszuspiilen, vielleicht in Leber und Galle Stoffe einzu- 
ffihren, welche die Entwicklung der Typhusbazillen in der Galle inner- 
halb des Korpers verlangsamen oder hemmen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Bacmeister, Bakteriologische Untersuchungen bei Chole¬ 
lithiasis. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 1866.) 

Die Gallensteine von 20 hintereinander im pathologischen Institute 
zu Freiburg i. Br. zur Sektion kommenden Cholelithiasisfallen wurden 
auBen abgesengt und darnach in keimfreie Fleischbrfihe verbracht 
Blieb diese klar, so wurde der Stein aseptisch erOffnet und sein Inneres 
bakteriologisch gepruft. 3mal fanden sich Koli-, lmal Typhusbazillen. 

4 operativ entfernte Steine von 4 Fallen, deren Anfalle innerhalb der 
letzten Jahre lagen, sowie die groBeren Gallensteine eines jungen 
MMchens waren keimfrei. Aus den Krankheitsgeschichten und diesen 
Befunden folgt, daB in klinisch jungeren Fallen keine Mikroorganismen 
im Innern der Steine vorhanden zu sein brauchen, wahrend sie sich 
im hoheren Alter vorfinden konnen, auch wenn seit langer Zeit keine 
Storungen von seiten der Gallenblase aufgetreten waren. Es wurden 
nun 11 Steine aller Art (ausgenommen reine Cholesterinsteine) in 
Bouillon und Galle fraktioniert sterilisiert und darnach mit den ver- 
schiedensten Bakterien beschickt. Bei einer 8tiigigen und einer 
24tagigen Typhus-Bouillon-Steinkultur gelang es, die Typhusbazillen 
aus der Mitte des Steines zu zuchten, bei ganzlicher Keimfreiheit der 
abgesengten Oberflache des Steines. Es konnen also in alle Arten von 
Gallensteinen Keime nachtraglich einwandern. Es spielt hierbei die 
besondere Beschaffenheit des Steines, die Zeitdauer, die Beweglichkeit 
des Bakteriums eine Rolle. Einwanderung in Steine, die in die inflzierte 
BauchhOhle eines Kaninchens gebracht wurden, fand nicht statt. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Laubenheimer,K., Zur Aetiologie der Cholecystitis. (Zeitschr. 
f. Hyg. u. Infektionskrankh. Bd. 58. 1907. H. 1.) 

Laubenheimer berichtet fiber die bakteriologischen Befunde bei 
22 Fallen von Empyem der Gallenblase. Es fand sich 11 mal Boot, coli 


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Cholecystitis. — Typhus. 


145 


in Reinkultur, 1 mal zusammen mit Bac. pyocyanens und 2mal mit 
Streptokokken. In 2 Fallen warden Streptokokken allein, in 1 Fall 
zusammen mit Staphylokokken nachgewiesen. Typhusbazillen warden 
lmal beobachtet; in je 2 Fallen konnten Kapselbazillen and Inflaenza- 
bazillen in Reinkaltar gezuChtet werden. Es sind also diesfelben Bak- 
terien. welche sonst in der menschlichen Pathologie als Eitererreger 
hauptsachlich in Frage kommen, anch bei Entstehung yon Gallenblasen- 
empyem hervorragend beteiligt; den ersten Platz nimmt das Bad. coli 
mit 63.6 Proz. ein. Dieses steht auch ganz im Einklang mit den Er- 
fahrnngen anderer Autoren. Ob dem Bac. pyocyaneus eine atiologische 
Bedentung znkommt, steht dahin. Typhnsbazillen treten im Verlauf 
einer Typhuserkrankang sehr h&ufig in der Gallenblase anf. Auf die 
knlturellen and biologischen Eigenschaften des yon ihm in einem Falle 
von Cholecystitis gefundenen Kapselbazillus geht Laabenheimer 
naher ein; der Bazillns weicht in nicht unwesentlichen Punkten von 
den beiden Hanptvertretem der Grnppe der Kapselbazillen, dem Bac. 
pneumoniae Friedlander and dem Bac. ladis aerogenes ab; er brachte 
Milch schnell zur Gerinnung im Gegensatz zum Bac. pneumoniae and 
bildete keine Gasblasen auf Kartoffeln, wie der Bac. aerogenes ; vom 
Blntserum der Kranken warde er nicht agglutiniert. Den Influenza- 
bazillns ist Verf. geneigt zur Zeit einer Inflaenzaepidemie eine nicht 
unwichtige Rolle zazuschreiben. — Im Nachtrag berichtet Verf. noch 
fiber weitere 14 Falle Cholecystitis: in 7 fand sich Bad. coli in Rein¬ 
kultur, in 2 zusammen mit Streptokokken; in 1 Fall Streptokokken 
allein, in 2 Pseudodiphtheriebazillen, bei einem Empyem der Gallen¬ 
blase Influenzabazillus and in einem anter dem Bilde eines rasch tod- 
lich verlaufenden akuten septischen Ikterus ein Bazillns aus der Gruppe 
der anaeroben Gasbazillen in Reinkultur. — Die grofie Rolle des Bad. 
coli ergibt sich daraus, dad er sich bei Cholecystitis bei 36 Fallen 
21 mal = 68,3 Proz., daranter 18 mal = 50 Proz. in Reinkultur fand. 

Sc hill (Dresden). 

Lorey, Alexander, Ueber einen Fall von Cholecystitis para- 
typhosa. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 16.) 

Ein Mann, der vor 2 Jahren „ Typhus", sp&ter „Ruhr“ durch- 
gemacht hatte, erkrankte an Gallenkoliken. Im Stuhle fand sich Bac. 
parafyphos. dicalifaciens. Von einem Abstriche der Schleimhaut der 
operativ entfemten Gallenblase wuchs derselbe Keim in Reinkultur. 
Die Bazillenausscheidung horte nunmehr auf. 

L. fordert die Anzeigepflicht fur alle Paratyphuserkrankungen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Kayser, H., Ueber Untersuchungen bei Personen, die vor 
Jahren Typhus durchgemacht haben, und die Gef&hr- 
lichkeit von Bazillentr&gern. (Arb. aus dem Kaiserl. Gesund- 
heitsamte. Bd. 25. 1907. Heft 1.) 

Die Beobachtung, dad mehrmals bei Rekonvaleszenten und Bazillen- 
tragern nach langeren jbazillenfreien Zeiten pldtzlich wieder Typhus- 
bazillen im Stuhl auftraten, veranlafite den Verf. systematisch zwei 
Jahrgange Typhus- resp. Paratyphuskranker der Strafiburger Typhus- 
station einer' Spatkontrolle zu unterwerfen. Es handelte sich um 

Erste Abt Refer. Bd. XLII. No. 4/6. 10 


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Typhus. 


248 Falle der stadtischen ZivilbevSlkerung; von 101 Personen konnte i 
Untersuchungsmaterial erlangt werden. Darunter befanden sich 83 Manner, 

47 Frauen und 21 Kinder. Bei 3 Personen (2 Frauen, 1 Mann), die 
vor 2 resp. 3 Jahren nach negativem AusfaU der ublichen Rekonvales- 
zentenuntdrsuchungen als bazillenfrei erkiart waren, wurden bei der 
Spatkontrolle BaziUen im Stuhl gefunden und zwar 2 mal Typhusbazillen 
und 1 mal Paratyphusbazillen. Es wurden also etwa 3 Proz. der daranf- 
hin nachtraglich untersuchten bis dahin als „bakteriologisch genesen“ 
geltenden Personen als „ BaziUentrager" festgestellt. In einem Falle 
konnte ein spaterer Typhusfall in der Umgebung des Genesenen mit 
Wahrscheinlichkeit auf ihn zuriickgefuhrt werden. 

Friiher veroffentlichten Fallen, welche die Gef&hrlichkeit der 
Bazillentrager veranschaulichen, fiigt Verf. zwei neue an. Er schlieftt 
aus seinen Beobachtungen, dad Bazillentrager nie aus der bakteriolo- 
gischen Kontrolle entlassen werden diirfen, und daB Typhuskranke 
mindestens 1 Jahr lang in groBeren Pausen weiter untersucht werden 
miissen. Nur so wird die Sicherheit, daB keine Bazillentrager iibersehen 
werden, noch groBer werden als bisher. Meinicke (Saarbriicken). 

Frledel, Zur Kasuistik der Typhustrager. (Zeitschr. £. Med.- 
Beamte. 1907. No. 6. p. 197—199.) 

Verf. weist auf die groBe Bedeutung der Bazillentrager fQr die 
Verbreitung des Typhus hin. Bei einer von ihm beobachteten Epidemie 
muBten 24 Typhusfalle, die sowohl rkumlich wie zeitlich Weit ans- 
einanderlagen, atiologisch auf eine Kochin zuruckgefuhrt werden, die 
schlieBlich als chronische Bazillentrkgerin erkannt wurde. 

Weidanz (Berlin). 

Grimme, Ueber die Typhusbazillentrager in den Irren- 
anstalten. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 16.) 

Ein Typhus bereitet keineswegs in dem Mafie, wie bisher an- 
genommen wurde, den Boden fur eine Geistesstorung vor. Auch haben 
geistige Erkrankungen im allgemeinen nicht den von anderer Seite be- 
haupteten besonders ungiinstigen EinfluB auf die allgemeinen KOrper- 
krafte. DaB sich in Irrenanstalten soviel Bazillentrager finden, kommt 
lediglich daher, daB bisher nur in solchen Anstalten planmaBige Unter- 
suchungen moglich waren. 

Immerhin muB in Irrenanstalten auf Bazillentrager (neu eintretende 
Kranke oder Wart- und Dienstleute) geachtet werden. A lie Zugange 
sind zu untersuchen. 

Die irren Bazillentragern gegenuber notwendigen gesundheitlichen 
MaBnahmen (Einzelunterbringung usw.) schadigen oft die Behandlungs- 
aussicht der Geisteskrankheit. Die hierfur mafigebenden Gesichtspunkte, 
auch hinsichtlich der Entlassung dieser Kranken, werden erortert. 
Die Befreiung der Bazillentrager von ihren BaziUen ist anzustreben 
(Operation). In der Gottinger Anstalt wurde einer Kranken mit ent- 
sprechendem Erfolge die GaUenblase herausgenommen; aus der Galle 
sowie aus dem Innern der entfernten Gallensteine wuchsen Typhus¬ 
bazillen in Reinkultur; dagegen wurden sie in Schnitten durch die 
GaUenblasenwand und in Diinnschliffen durch die Steine nicht nach- 
gewiesen. Georg Schmidt (Berlin). 


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Typhus u. Paratyphus. 147 

Mlngluum, A. and Ledingham, J. C. G., Typhoid carriers. (Brit, 
mei Journ. 1908. p. 15.) 

In einer Irrenanstalt Schottlands waren seit dem Jahre 1893 
stindig Typhuserkrankungen vorgekommen. Bei bakteriologischer 
Untersuchung wurden unter den weiblichen Insassen der Anstalt drei 
Typhusbazillentrfigerinnen entdeckt. Eine Behandlnng dieser Falle 
dnrch innerliche Darreichung von Antisepticis hatte keinen Erfolg, so 
dafi die Verfit als prophylaktische Mafinahme einzig die Isoliernng der 
B&zillentrSgerinnen nnd die Desinfektion der Exkrete vorschlagen. 

Schindler (Berlin). 

Bocchi, G., Sn alcnne infezioni tifo-simili. (Gazz. degli Osp. 
e delle Cliniche. 1907. No. 87.) 

Yert hat 187 Kranke, behaftet mit als Typhus klinisch diagnosti- 
zierten Krankheitsformen untersncht in der Absicht, fiber typhus&hnliche 
Infektionen Forschungen anznstellen. 

Bei samtlichen Kranken hat Verf. serumdiagnostische Untersuchnngen 
angestellt; bei 72 derselben wurde das Blut bakteriologisch geprfift 
(Methode Castellani, Conradi, Kayser). Bei 37 warden die Faces 
bakteriologisch untersncht. 

Die hierbei erzielten Resultate sind nnn folgende: 170 Infektionen 
dnrch Eberth-Gaffkys Bazillns, 2 Infektionen dnrch Bazillns Para¬ 
typhus B ; 15 Infektionen mit nicht sicherznstellender bakteriologischer 
Diagnose. 

Die beiden Infektionen dnrch Bazillns Paratyphus B erwiesen sich 
als solche nicht nur anf Grand der Agglutinationsprobe, sondern anch 
der bakteriologischen Untersuchnngen. 

Bei den Agglntinationsproben warden die hauptsfichlichen Typen * 
von Keimen der Typhus-Coli-Grappe sowie B. proteus vulgaris verwendet. 

Negri (Pavia). 

■inelli, 8 ., Contribnto alio studio delle infezioni miste per 
tifo e paratifi. (Gazz. Med. Ital. 1907. No. 43.) 

Vert will bei einigen von ihm beobachteten TyphusffiUen in ein- 
wandfreier Weise 2mal das Yorhandensein von Mischinfektion beob- 
achtet haben, wobei es sich das eine Mai nm Infektion mit Typhus 
and Paratyphus B , das andere Mai um Infektion mit Paratyphus A und 
B handelte. 

Verf. nahm alle zur Identifizierung der erwfihnten Keime erforder- 
lichen Untersuchnngen vor. In beiden Fallen konnte auch die Ursache 
der doppelten Infektion festgestellt werden. Ceradini (Mailand). 

Beekera, Zur Frage der Mischinfektion mit Typhus- und 
Paratyphusbazillen. (Hyg. Rdsch. Jahrg. XVIH. 1908. No. 6. 
p. 313- 323.) 

AnschlieBend an die AeuBerung Kutschers, dafl als SchluBglied 
des Beweises der Mischinfektion die Zttchtung der Typhus- und Para- 
typhusbakterien aus dem Blute vermifit wurde, berichtet Verf. fiber ein 
12jahriges typhuskrankes M&dchen, bei dem eine derartige Zfichtung 
aus dem Blute gelang. Der Blutkuchen einer etwa 0,1 ccm grofien 
Blatprobe wurde nach dem Mfillerschen Vorschlag grfindlich verrieben 

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Paratyphus. 


und auf Lackraus-Laktose-Agar gebracht, gleichzeitig wuchsen Para* 
typhus- und Typhusbazillen. Die PrUfung der Wachstumskonkurrenz 
ergab, dafi sich die Paratyphusbazillen in Bouillon und Galle bedeutend 
starker als die Typhusbazillen vermehrten; selbst bei einer anfSLnglichen 
2—dfachen Mehrheit der Typhusbakterien kam nach 2—3 Tagen 
kaura noch die gleiche Anzahl Typhus- und Paratyphusbazillen zur 
Entwicklung, nach 10—16 Tagen aber waren Typhuskeime in Galle und 
Bouillon uberhaupt nicht mehr nachzuweisen. Ob in vorliegendem 
Falle beide Bakterien krankheitserregend gewirkt haben, dariiber kann 
die Serumreaktion keine Entscheidung geben, da alle Variationen schon 
bei einzelnen Infektionserregern beobachtet sind. Vert denkt an die 
Moglichkeit, daB ein Bakterium zuerst im Darm saprophytisch ge- 
wuchert, und erst, nachdem die Infektion durch das andere Bakterium 
erzeugt war, auch in die Blutbahn getreten sein konnte; da aufierdem 
der Paratyphusbazillus dieselben klinischen Erscheinungen und patho- 
logischen Veranderungen hervorrufen kann, wie der Typhusbazillus, so 
sprache nichts gegen die Annahme einer „ Mischinfektion“, vieles aber 
dafiir. Verf. berichtet dann iiber mehrere in der Literatur angefuhrte 
Falle, bei denen fur die Annahme einer Mischinfektion kein geniigender 
Grund vorliegt, und schlieBlich fiber eine eigene bei einer Typhus- 
rekonvaleszentin gemachte Beobachtung. Bei dieser wurden nach vorher- 
gehendem Fund von Typhusbazillen spater auf Malachitgrfin paratyphus- 
ahnliche Kolonien festgestellt; sie reagierten aber auf verschiedene 
Sera und zeigten auf dem Malachitgriinagar keine typische Wallbildung. 

Meyer (Saarbriicken). 

Jttrgens, DieStellung des Paratyphus in der Typhusgruppe. 
(Berliner klin. Wochenschr. 1907. No. 37.) 

Die Infektionen mit Paratyphusbazillen konnen in klinischer und 
in pathologisch-anatomischer Hinsicht ganz verschiedene Krankheits- 
prozesse hervorbringen. 

Bald handelt es sich urn klinisch vollkommen den echten Typhus- 
erkrankungen gleichende Prozesse mit klassischem Sektionsbefund, bald 
hat man Falle vor sich, die einer Grippe gleichen Oder, wie die Fleisch- 
vergiftungen, ganz akut einsetzende und meist schnell verschwindende 
Intoxikationssymptome aufweisen. 

Deshalb muB auch die Stellung des Paratyphus zum Abdominal- 
typhus sehr verschieden beurteilt werden. W. v. Brunn (Rostock). 

Mori, A., Le sindromi paratifoidi nell’etit infantile. (Riv. 
di Clin, pediatr. 1907. No. 11.) 

Bei Kindern findet sich nicht selten wie bei Erwachsenen eine 
Krankheitsform, die zuweilen das Bild eines abgeschwachten Typhus, 
noch bfters aber dasjenige einer fieberhaften Enteritis Oder einer Ver- 
giftung gastrointestinalen Ursprungs aufweist. 

Aus den vom Verf. in der Kinderklinik von Florenz gemachten 
bakteriologischen und klinischen Beobachtungen geht hervor, daB der 
Befund des Paratyphusbazillus B im Kote und dem Urine mit erwahntem 
Infektionssymptomenkomplex zusammenfallt. Da nun aber nicht nur 
bei den Fallen von fieberhafter Enteritis, sondem auch im Kot ge- 
sunder Individuen Mikroorganismen vorgefunden werden, die die mor- 


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Paratyphua. 


149 


phulogischen und kulturellen die Gruppe der Paratyphusbazillen charak- 
terisierenden Kennzeichen aufweisen, so mad die Diagnose auf wahr- 
scheinliche Paratyphusinfektion sets durch die Serumreaktion ge- 
stutzt sein. 

Die Widalsche Serumreaktion fiel bei den vom Yerf. stndierten 
Fallen von Paratyphusinfektion negativ aus, dagegen ergaben die Ag- 
frlutinationsproben positives Resultat, die mit dem Serum der an Para- 
typhus B erkrankten Kinder sowie mit Paratyphus -B-Serum und den 
aus Kot und Harn der Kinder isolierten Paratyphusbazillen angestellt 
wurden. 

Wfihrend auch im Kindesalter beim Typhus die Darmstfirungen 
sehr schwer sind und wochenlang das Krankheitsbild beherrschen, er- 
zeugt nach den vom Yerf. angestellten Beobachtungen die Paratyphus¬ 
infektion keinerlei lange und tiefgehende Storungen im Darme, und 
ebensowenig erzeugt sie die kennzeichnenden Verletzungen im Lymph- 
apparat des Darmes. 

Bei den in der Florentiner Kinderklinik beobachteten Kindern, bei 
welehen der Befund des Paratyphusbazillus durch die speziflsche Serum- 
diagnose best&tigt worden war, zeigte die Fieberkurve keinen typischen 
Verlauf, die allgemeinen Nervenerscheinungen waren leicht, der Milz- 
tumor and die Roseola fehlten vollstandig Oder machten sich nur fliichtig 
bemerkbar. Neben der Bakteriurie ging niemals Albuminurie Oder 
Zylindrurie einher; ebensowenig war Dikrotismus des Pulses vor- 
handen. 

Der klinische Unterschied zwischen „ E b e r t h schem Fieber" und 
.Paratyphus" ist zuweilen ftufierst erschwert durch die Mbglichkeit 
gleichzeitiger Infektionen mit Typhus- und Paratyphusbazillen. 

In diesen Fallen agglutiniert das Serum des kranken Individuums 
iwie bei einem vom Yerf. beobachteten Kinde) sowohl den Eberthschen 
als auch den Paratyphusbazillus. 

Unsere bisherigen Kenntnisse fiber die Hamatologie der Paratyphus- 
infektion liefern — wie dies auch bei den vom Verf stndierten Fallen 
zu ersehen ist — noch zu unsicheres Material zur Begrfindung einer 
Hcheren Diff'erentialdiagnose. Ceradini (Mailand). 

lnt,L. und Boese, J., Ueber Paratyphusmeningitis im Sfiug- 
lings alter. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 7.) 

Beschreibung zweier Ffille von Meningitis im Sfiuglingsalter, bei 
denen G r a m - negative StSbchen aus der Typhus-Coli-Gruppe aus dem 
lleDingealeiter isoliert wurden. Die sehr eingehende Untersuchung 
dieser Stabchen ergab, dafi dieselben alle morphologischen und bio- 
loeischen Merkmale des Paratyphusbazillus Typus B aufwiesen. Die 
Identifizierung mit Hilfe hocbwertig agglutinierender Sera ergab aller- 
dings nor bei dem einen dieser Bazillen ein einwandfreies Resultat, 
wahrend fiber die Natur des anderen ein sicheres Ergebnis auf diese 
Wei.«e nicht erzielt werden konnte. Der Pfeiffersche Yersuch wurde 
nicht angestellt. Beide Stamme erwiesen sich als fur Meerschweinchen, 
Kaninchen und Mfiuse bei intraperitonealer und subkutaner Einverleibung 
pathogen (' 40 Oese), vermochten aber auch bei lfinger dauernder Ver- 
fiitterang Mause nicht zu tfiten. — Von beiden letal verlaufenen Fallen 
liegen Obduktionsbefunde vor. Beide Kinder wiesen einen katarrhalischen 


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Paratyphus. 


Darmprozefi ohne Geschwursbildung auf. In dem einen Fall war aufler- 
dem eine Otitis media yorhanden, in deren Eiter aber nur Oram* 
positive Kokken gefunden wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat £ 
es sich also um Paratyphns-Darmaffektionen gehandelt, in deren Folge t 
Bakteriamie und Verschleppung der Erreger in die Hirnhaute eintrat t 
Bei genauer Untersuchung diirfte es sich zeigen, dad Meningitisfalle c 
bei Kindern nicht nur haufig durch Coli- nnd Typhusbazillen, wie 
schon bekannt, sondern auch durch Paratyphusbazillen hervorgerufen 
werden. Hetscb (Metz). 

Sacqu6p£e, E., Les infections paratyphoides. (Rev. de m&L 
XXVO. S. 1173.) 

Der klinische Yerlauf der Paratyphuserkrankungen Shnelt dem der 
mittelschweren Typhen, zeigt aber manche Abweichnngen, die jedoch 
keinen sicheren Anhaltspunkt fur die Diagnose geben. Bisweilen zeigeB 
sie das Bild einfacher Verdauungsstorungen. Die sichersten Resultate 
gibt die Blutziichtungsmethode. Die Ergebnisse der Facesuntersuchung “ 
und der Agglutination sind nur mit Vorsicht zu verwerten, da die '• 
Paratyphusbazillen auch von Typhusserum agglutiniert werden konnen. 
Nur bei den unter dem Bilde der Cholera nostras verlaufenden Fallen 
entscheidet positive Agglutination mit Sicherheit fur die Paratyphus* 
atiologie. Kurt Meyer (Stradburg). 

Wichert, Ueber einen Fall von Paratyphus B mit flerz- 
muskelverkalkung. (Ing.-Diss. Marburg 1907.) 

Aus einem todlich verlaufenen Fall von Fischvergiftung konnten 
Paratyphus R-Bazillen aus dem Herzblut in Reinkultur gezuchtet 
werden. Am Herzmuskel bestanden ausgedehnte Verkalkungen, die auf ( 
eine Giftwirkung der Infektion mit Paratyphus B bezogen werden. In 
den Nieren fand sich ebenfalls Kalk in Zylindern. 

Wolf (Marburg). 

Kutscher, Paratyphus und Nahrungsmittelinfektionen. 
(Berliner klin. Wochenschr. 1907. No. 40.) 

Die Nahrungsmittelinfektionen kann man Stiologisch in 3 grofte 
Gruppen einteilen: erstens in die durch den Bacillus botuldnus erzeugten, 
vor allem kommen hier Konserven sowie Wiirste und Schinken in 
Betracht; zweitens konnen Faulnisbakterien sich in den urspriinglich 
nicht gesundheitsschadlichen Nahrungsmitteln entwickeln, besonders die 
Proteusarten; endlich die durch Bakterien der Typhus-Coli-Gruppe 
hervorgerufenen Vergiftungen mit ihrem meist stiirmischen Beginn. 

Die Entstehung ist in der Regel so zu denken, dad ein an Para¬ 
typhus erkranktes Tier notgeschlachtet wurde und ohne ausreichende 
Abtotung bakterieller Keime zur Nahrung von Menschen Verwen- 
dung fand. 

War die Menge der vorhandenen Bazillen reichlich von vornhereiu 
oder dadurch, dad im Fleisch auch nach dem Tode des Tieres die 
Bakterien sich genugend vermehren konnten, dann kommt es zu stur- 
mischen Erscheinungen wegen der starken Intoxikation. Sind aber 
nur wenige Bazillen da, dann entwickelt sich eine weniger akute eigent- 
liche Paratyphusinfektion. 


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N ahrungsmittel vergiftungen. 


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Das Fleisch solcher Tiere sieht oft ganz frisch und gat aus, riecht 
anch nicht; deshalb ist die Forderung berechtigt, daB das Fleisch not- 
ireschlachteter Tiere vor seiner Verwendnng einer bakteriologischen 
Untersuchung nnterworfen wird (Basenau, Ostertag, v. Dri- 
galski), oder daB vor jeder Schlachtung die KSrpertemperatur des 
Tieres bestimmt wird (Uhlenhuth). W. v. Brunn (Rostock). 

lebram, Die Fleischvergiftungen. (Zeitschrift fur ftrztL Fort- 
bildang. 1907. No. 21.) 

Die Fleischvergiflangen darch das Fleisch kranker Tiere werden 
dnrch Bakterien hervorgerufen, die man unter der Bezeichnnng der 
Enteritisbakterien zusammenfaflt and in eine Gruppe, die mit dem Para* 
typhus B und dem Mausetyphus sehr nahe verwandt ist, and in eine 
2. Gruppe einteilt, die zum Typhus gewisse Beziehungen zeigt. Die 
2. Form der Fleischvergiftungen wird bedingt durch verdorbenes, 
hygienisch mifihandeltes Fleisch; in diesen Fallen hat man h&ufig den 
Buc. proieus nnd ferner Bacterium coli gefunden. Die 3. Form, der 
klassische Botulismus, wird durch den Bac. botulinus hervorgerufen, 
dessen Gift seinen Angriffspunkt in den Ganglien des Zentralnerven- 
systems hat; es handelt sich also um eine typische Intoxikation ahnlich 
dem Tetanus toxin. Wolf (Marburg). 

Titze, Neueres uber Fleischvergiftungen. (Zeitschr. f. Fleisch- 
u. Milchhyg. Jahrg. 18. 1908. H. 6. S. 175—170.) 

Sammelreferat Denzler (Ulm). 

Dieudonnl, A., Die ba'kteriellen Nahrungsmittelvergif- 
tungen. (Wiirzburger Abhandlnngen aus dem Gesamtgebiet der 
praktischen Medizin. Bd. VIII. 3./4. Heft.) Wurzburg [Curt Kabitsch 
A. Stubers Verlag)] 1908. Einzelpreis 1,70 M. 

Die wichtigsten durch Bakterien hervorgerufenen Nahrungsmittel- 
vereiitungen, welche oft zu Gruppen- und Massenerkrankungen fuhren, 
>iiid die Fleischvergiftungen, dann Vergiftungen durch Fische und 
Mollusken, durch Kase, Vanillekreme und Mehlspeisen, Kartoffel- und 
K'jnserven vergiftungen. 

Bei den Fleischvergiftungen unterscheidet D.: 

1. Vergiftungen durch den GenuB des Fleisches kranker Tiere, ver- 
oi>acht durch den B. enteritidis oder B. paratyphi. 

2. Vergiftungen durch den GenuB von faulem Fleisch, verursacht 
darch B. proteus und B. coli. 

3. Vergiftungen durch Wurstgift, Botulismus, verursacht durch den 
anaeroben B. botulinus. 

Der B. enteritidis bildet, wie Gaertner im Tierversuch feststellen 
konnte. hitzebestAndige Gifte, die selbst durch langeres Kochen nicht 
vernichtet werden. Ueber die Art und Weise, wie die Bazillen der 
Fleischvergiftungen in die Tiere gelangen, sind wir wenig orientiert. 
D. konnte aus der Galle von 42 kranken Schlachttieren nach Anreiche- 
rung zweimal Paratyphusbazillen herauszuchten. Eine sachverstandige 
Fleisehbeschau, namentlich auch der notgeschlachteten Tiere ist fiir die 
i'rophylaxe der Fleischvergiftungen von der grSfiten Bedeutung. 


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Nahnmgsmittelvergift ungen. 


Bei der zweiten Art der Fleischvergiftungen, die durch den GenuB 
von faulem Fleisch eutstanden sind, lassen sich meist der B. proteas 
und das B. coli nachweisen. Durch das Eindringen dieser Faulnis- 
erreger wird das vorher gesunde Fleisch zersetzt; es entstehen Faulnis- 
produkte, die Vergiftungen verursachen. Durch langeres Kochen werden 
die entstandenen Toxine zerstort. 

Die dritte Art von Fleischvergiftungen, die WurstvergiftungeD, 
werden durch den B. botulinus hervorgerufen. Da dieser Erreger ein 
obligater Anaerobier ist, so gedeiht er nur in Nahrungsmitteln, die 
unter LuftabschluB oder unter mangelhaftem Luftzutritt aufbewahrt 
waren, also in Wiirsten, die von dicken Darmhiillen umschlossen sind. 
Durch Kochen, langer dauerndes Rauchern oder Pokeln wird der 
B. botulinus in den betr. Nahrungsmitteln abgetotet. 

Bei den Fisch- und Molluskenvergiftungen wurden teils paratyphus- 
ahnliche, teils Kolibazillen als Erreger gefunden. 

Auch bei den Kasevergiftungen wurden wiederholt Bakterien ge¬ 
funden, die heftige Gifte bilden. 

Fur die Vergiftungen durch Mehlspeisen und Vanillekreme muB in 
erster Linie die Milch verautwortlich gemacht werden. Aus der Milch 
liefl sich in einigen Fallen der B. paratyphi und der B. enteritidis 
isolieren. 

Bei den Kartoffelvergiftungen spielt nicht allein das Solanin eine 
ausschlaggebende Rolle, auch eine bakterielle Zersetzung der Kartoffeln, 
die, wie D. nachgewiesen hat, durch den B. proteus bedingt ist, kommt 
in Betracht. Bei einigen Massenvergiftungen durch Konserven konnte 
der B. botulinus isoliert werden, der schon bei einer Temperatur von 
24° ein sehr starkes Gift produziert. Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 

Bugge, Die bakteriologische Untersuchung von Fleisch 
notgeschlachteter Tiere. (Zeitschr. f. Fleisch- u. Milchhyg. 
Jahrg. 18. 1908. H. 5. p. 141—145.) 

Verf. untersuchte in 116 Fallen von Notschlachtungen ein Stiick 
Muskelfleisch, das ihm jeweils zur bakteriologischen Prufung eingesandt 
worden war. Fiir die Untersuchung ist ein Fleischwiirfel von 10 cm 
Lange, Breite und Hbhe verlangt worden. Aus jedem Fleischstuck 
wurden unter sterilen Kautelen u. a. 4 Agarplatten angelegt. Von den 
eingelieferten Proben stammten 92 vom Rind, 7 vom Kalb, 7 vom 
Schwein, 2 vom Pferd, 1 vom Kaninchen und 2 vom Gefliigel. Hiervon 
erwiesen sich als keimhaltig 17 Proben vom Rind, 3 vom Kalb und 2 
vom Schwein. Ueber die gefundenen Keimarten will Verf. sp&ter be¬ 
nch ten; nur soviel hebt er hervor, dad durch die Untersuchungen in 
2 Fallen bei Schweinen mit unerklarlichen Krankheitssymptomen Milz- 
brandkeime in alien Fleischstiicken festgestellt worden sind. Zwischen 
dem Zeitpunkt der Einlieferung des Materials und dem AbschluB der 
Untersuchung und der Uebermittelung der Ergebnisse sind jeweils 
kaum mehr als 24 Stunden verflossen. Wurden von dem gleichen Tiere 
mehrere Muskelstucke untersucht, so wurde stets das gleiche Ergebnis 
hinsichtlich des Keimgehalts der verschiedenen Muskelstucke erzielt 
Angefiigt sei noch, daB die keimhaltige Muskulatur ebenfalls meist 
sauer reagierte; desgleichen war die Struktur der Muskulatur meist 
normal. In den 22 Fallen, in welchen die Fleischproben mit Keimen 


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Nahrungsmittelvergiftungen. 


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behaftet gefunden worden sind, war das Fleisch dem Verkehr zu ent- 
ziehen. In den fibrigen Fallen entschied das negative Ergebnis der 
bakteriologischen Untersuchung fur die Inverkehrgabe des Fleisches. 

Denzler (Ulm). 

Baehr, Die Paratyphusepidemie beim Feldartillerie- 
regiment No. 75, im Jahre 1907. (Hyg. Rdsch. Jahrg. 18. 1908. 
S. 505—519.) 

In der Zeit vom 3.—6. August 1907 erkrankten beim Feldartillerie- 
regiment No. 75 zu gleicher Zeit 57 Mann plotzlich mit Kopf- und 
Halsschmerzen, allgemeiner Mattigkeit, Brechneigung, Stuhldrang, Leib- 
schmerz und Durchfallen. Auffallend waren im Anfang die Entziindung 
und Rotung der sichtbaren Schleimhaute wie Augenbindehaut und 
Rachenschleimhaut, bei einigen Kranken auflerdem Giemen und Schnurren 
uber den Lungen. Am 4.—6. Tage schwanden die sturmischen Er- 
scheinungen, so daB nach 9—12tfigiger Behandlung die meisten dienst- 
tahig entlassen werden konnten. Die Widalsche Reaktion ergab 
merkwurdigerweise hohe Agglutination von TyphusbaziUen (1:2400) 
bei nur leichter Agglutination von Paratyphus R-Bazillen. Letzterer 
Typus wnrde aber auf Conradi-Platten festgestellt. Als Ursache 
wnrde Hackfleisch gefunden, da im Riebeckstift, wo Fleisch von dem- 
selben Schlachter geliefert war, 10 Insassen, sowie 2 Gesellen in der 
Schlachterei unter gleichen Erscheinungen gleichzeitig erkrankten. 
Statistisch weist Verf. nach, daB die Haifte der Fleischvergiftungs- 
epidemien gewShnlich auf Hackfleisch zuriickzufuhren ist. Da die 
Fleischer diesem zur besseren Erhaltung des Aussehens Praservesalze, 
besonders schwefligsaures Natrium zusetzen, so werden im Verdauungs- 
kanal groBere Mengen schwefliger Saure frei, die den Darmtraktus 
ladieren und so das Eindringen des Paratyphusbazillus begiinstigen. 
Ferner dienen zur Herstellung des Hackfleisches kleinere, l&ngere Zeit 
herumgelegene und oft beruhrte Fleischstiicke, auf denen die Bakterien 
rasch wuchern und eine Menge Toxine erzeugen, sobald Paratyphus- 
keime zur Entwicklung gelangt sind. Daher erklart sich das rasche 
und so haufige Auftreten von Infektionen mit gastrointestinalem Cha- 
rakter. Das Praservesalz verrat sich durch die leuchtendrote Farbe. 
Von etwaiger Faulnis spricht ferner der Geruch Oder der chemische 
Nachweis von Ammoniak; auch die PrQfung der Konsistenz, eine un- 
gewohnlich welke, schmierige oder klebrige Beschaffenheit, gibt warnende 
Aafschlusse. Es sind viele MSglichkeiten ftir das Hineingelangen von 
Paratyphusbazillen in das Hackfleisch vorhanden. In der Mehrzahl 
werden die Bazillen durch Verunreinigung von auBen her in das Fleisch 
kommen, vielleicht durch verseuchtes Wasser, durch Bazillentrager Oder 
durch Ratten, die den Ansteckungen durch die in menschlichen und 
tierischen Abfallen sowie in Abwassem nachgewiesenen Bakterien der 
Paratyphusgruppe sehr ausgesetzt und zuganglich sind. 

Als Vorbeugangsmittel ware zunachst eine strenge Durchfiihrung 
der Fleischbeschau, besonders der notgeschlachteten Tiere zu nennen, 
dann Herstellung des Hackfleisches aus einwandfreiem Material, Beauf- 
sichtigung der Fleischereibetriebe, Einfiihrung einer besseren Nahrungs- 
mittelkontrolle und zuletzt fruhzeitige Diagnosenstellung durch Heran- 
ziehen der bakteriologischen Untersuchungsmethoden. 

Meyer (Saarbrhcken). 


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Kahrungsmittelvergiftongen. 


Leistikow, Eiue Fleischvergiftung in R&tzlingen. (Zeitschr. 
f. Fleisch- u. Milchhyg. Jahrg. 18. 1908. H. 6. S. 174—175.) 

Nach dem GenuB von „Sulze“ und Fleischteilen einer notgeschlach- 
teten Kuh sind in Riitzlingen (Kr. Gardelegen) 21 Personen schwer 
erkrankt und davon 2 gestorben. Es handelte sich um eine Haas- 
schlachtung. Eine Untersuchung des Tieres hat weder vor noch nach 
der Schlachtung stattgefunden. Die Kuh wurde am 8. Krankheitstage 
geschlachtet. Nach den Angaben des Schlachters zu schlieBen, hat bei 
der kranken Kuh eine Magen- und Darmentziindung und wohl auch 
eine Bauchfellentzunduug vorgelegen. Die „Sfilze“, nach deren GenuB 
die Erkrankung der Personen erfolgte, ist derart hergestellt worden, 
daB Bauchfleisch, Kopftieisch, Lunge, Herz und Zwerchfell in Kesseln 
„weichgekocht“, dann zerschnitten und in einem „Wolf“ gemahlen 
wurden, schlieBlich lieB man die Masse nach Vermischung mit Brfihe 
erkalten. DaB von dem ubrigen Fleisch etwas genossen wurde, ist 
nicht bekannt geworden. Das hygienische Institut der University 
Halle a. S. hat Leichenteile einer infolge Genusses der „Sfilze“ ver- 
storbenen Frau, Teile der „Sulze“, eine Griitzwurst und ein Stuck 
rohes Fleisch von der Kuh untersucht. Dabei wurden in der Milz der 
Frau und in dem rohen Kuhfleisch Paratyphusbazillen der 
Gruppe B aufgefunden, in der „Sulze“ und Wurst dagegen nicht 
Angeblich sind sie hier durch Faulnisbakterien fiberwuchert worden. 
Ferner wurden durch die Untersuchung von Blutproben mehrerer er¬ 
krankt gewesener Personen mittels des biologischen Verfahrens (Agglu¬ 
tination) in alien Fallen sichere Anzeichen einer vorausgegangenen In- 
fektion mit Paratyphusbazillen der Gruppe B ermittelt. Nach dem 
Gutachten des genannten Institute sind die Erkrankungen auf die 
Uebertragung der Paratyphusbazillen aus dem Fleisch der Kuh mittels 
der „Siilze“ in den Verdauungstraktus der Personen zurtickzuffihren. 
Gegen dieses Gutachten wendet Verf. ein, daB das Fleisch, welches zu 
der „Siilze“ Verwendung fand, weichgekocht, also Hitzegraden ausgesetzt 
wurde, die geeignet waren, die Bazillen zu zerstoren; auflerdem seien 
in der „Siilze“ Bazillen nicht gefunden worden. Es werde daher die 
Moglichkeit nicht ausgeschlossen werden kSnnen, daB es sich nicht um 
eine Infektion, sondern um eine Intoxikation gehandelt hat. Zum 
SchluB hebt Verf. noch hervor, daB dieser Fall von neuem auf die Not- 
wendigkeit der Unterstellung der Hausschlachtungen unter die Fleisch- 
beschau hinweise. Denzler (Ulm). 

Tiburti, N., Bakteriologische Untersuchungen fiber eine 
Fleischvergiftungsepidemie. (Zeitschr. f. Hyg. u. Infektions- 
krankheiten. Bd. 60. 1908. H. 1. p. 4.) 

1906 trat in Bologna infolge Genusses von Wurstwaren eine etwu 
30 Falle umfassende akute Gastro-Enteritisepidemie auf. Die Er- 
scheinungen waren Fieber, Leib- und Kopfschmerzen und Starke nervose 
Depression. Ein junger Mann von 19 Jahren, welcher ca. 60 g der 
rohen Wurst genossen hatte, ging nach 40 Stunden unter den Er- 
scheinungen von Erbrechen, Diarrhoe, Kopfschmerz, Schwindel, pra- 
kordialer Angst, Krilmpfen der unteren GliedmaBen, Dyspnoe, filiformem 
Puls, Benommenheit, konjugierten Bulbis, engen Pupillen und kompletter 
Anurie zugrunde. Aus mehreren Wurstproben isolierte Tiburti einen 


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Nahrungsmittelvergift ungen. 


155 


Bazillus, welcher mit dem Typhusbazillus und Bad. coM bezuglich Mor- 
phologie und Farbung ilbereinstimmte, sich aber im kulturellen Ver- 
kiten mehrfach unterschied. Er unterschied sich vom Bad. coli durch 
sein Yerhalten in Milch, Petruschkys Lackmusmolke, Barsikow 
und v. Drigalski-Conradi sowie Fehlen von Indol, vom Typhus¬ 
bazillus durch sein Yerhalten auf Neutralrotagar und Traubenzucker, 
Maltose-, Galaktose-, Fruktose-, Invertine-, Mannit- und Arabinose- 
agar mit Lackmus, von Bad. coli und Typhusbazillus endlich durch 
seine Entwicklung auf Lackmus-, Dulcit- und Malachitagar. Der iso- 
lierte Bazillus erwies sich als fur M&use, Meerschweinchen und Kanin- 
chen auderst pathogen. Durch serodiagnostische und bakteriolytische 
Untersuchungen stellte T. fest, dad sein Bazillus, welchen er Bac. 
Bononiae benennt, zur Gruppe des Bac. AertrycTc gehbrt. Bemerkt sei, 
dai die mit je einem Vertreter der Gruppe Enteritidis Gartner , bzw. 
Bac. Aertryck, dem Paratyphusbazillus B und dem Bac. Bononiae 
immunisierten Kaninchen 10 Tage nach Injektion von 2 Oesen einer bei 
37° 24 Stunden gewachsenen, dann 30 Minuten auf 65° erw&rmten 
Kultur kaum in Verdiinnung ihres Serums von 1:100 den zugehbrigen 
Mikroorganismus agglutinierten und erst weitere 2 Impfungen mit je 
8 Tagen Zwischenraum und endlich intravendse Injektion einer Oese 
lebender Kultur in dem 10 Tage sp&ter entnommenen Blutserum Ag¬ 
glutination von 1:1000—5000, ja bis 10000 ergab. 

T. kommt zu dem Schlud, dad sein Bac. Bononiae der „paratyphosen 
Gruppe der Fleischvergiftungsbakterien" einzureihen ist. Da zur Zeit 
der Fleischvergiftungsepidemie in Bologna zahlreiche Falle von Schweine- 
pest vorkamen, und der Bac. Aertryck , der Paratyphusbazillus B, 
mit dem Yer£ seinen Bazillus identifiziert und der Schweinepest- 
bazillus (samt dem Mausetyphus- und Psittakosebazillus) zur Hog- 
choleragruppe gehoren, so nimmt T. an, dad das Schwein, dessen 
Fleisch zu der inkriminierten Wurst verwendet wurde, an Schweinepest 
gelitten hat Schi 11 (Dresden). 

Solly, UebereineMassenvergiftungsepidemiemitBohnen- 
gemuse (Bad. coli und Bad. paratyphi B. (Milnch. med. Wochenschr. 
1906. S. 1798.) 

250 Angestellte eines Warenhauses erkrankten wenige Stunden nach 
dem Genud eines Bohnengemiises an Enteritis. Das Gemiise entstammte 
Ki'D^ervenbiichsen und war im Warmwasserbade von 80° zubereitet. 
20 Stunden nach dem Genusse fanden sich im Reste des Gemuses keine 
aca^roben Keime, dagegen (im Ausstrichpraparate sowie im hangenden 
Trupteni massenhaft bewegliche gramnegative Stabchen, die sich bei 
der Zuchtung als Bad. coli commune und Bad. paratyphi B erwiesen. 
Beren hitzebestandige Stoffwechselerzeugnisse hatten offenbar die akute 
Vergiftung veranladt. Das Bad. coli verhielt sich insofern abweichend, 
als seine ersten Generationen eine auffallend rasche Beweglichkeit im 
hangenden Tropfen, eine ungewShnlich gesteigerte Yirulenz bei sub- 
iutaner Infektion von Meerschweinchen, eine betrachtliche Verzoge- 
rung der Milchgerinnung und eine verminderte Indolbildungsfahigkeit 
aufwiesen. Alle diese Erscheinungen verschwanden nach 4—5 Um- 
zuohtnngen und machten dem gewbhnlichen Yerhalten Platz. Das 
Bad. paratyphi B hatte, unter die Haut von Mausen und Meerschweinchen 


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Nahrungsmittelvergiftungen. — Metatyphus. 


gebracht, eine ziemlich betrachtliche Virulenz. Seine Giftigkeit bei 
Einverleibung vom Munde her hatte bedeutend zugenommen, nachdem 
es dreimal durch den Mausekorper geschickt worden war. Aus dem 
Stulile wurde nur.einraal eine paratyphusahnliche Art herausgezhchtet, 
die sich aber bei Heranziehung der Agglutinationsprobe als Proteus 
erwies. Georg Schmidt (Berlin). 

Bessel, Adolf, Ueber f&kaleVerunreinigungen aufObst und 
Gemiise. [Inaug.-Diss.] 8°. 27 S. Berlin 1907. 

Die Wahrscheinlichkeit, Bacterium coli auf Friichten nnd Gemusen 
anzntreffen, ist sehr grofi. Man denke nnr an das Diingen des Ackers, 
an das Begiefien aufgehender Pflanzen im Garten usw., wo nicht selten 
Jauche aus Dunggruben Verwendnng findet. Auch die Moglichkeit einer 
Uebertragung durch die Hande ist nicht abzuleugnen, die ja teilweise 
als mit Fakalien verunreinigt angesehen werden miissen. 

Das Material zu den Untersuchnngen entnahm Yerf. den ver- 
schiedensten Geschaften Berlins. Gartnereien kommen nicht in Betracht 
Untersucht wurde der Reihe nach Salat, Schnittlanch, Spinat, Spargel, 
Stachelbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Radieschen und von getrockneten 
Friichten Feigen und Rosinen. 

Als Fazit ergab sich, dafi auf allem Obst und dem Gemiise der 
Kolikeim weit verbreitet und haufig ist, doch nicht iiberall angetroffen 
w 7 ird. Der Umstand, dafi er zuweilen fehlt, auf reineren Obstsorten 
sogar selten vorkommt, spricht gegen eine Ubiquitat und fur die An- 
nahme, dafi sein Vorkommen in der Aufienwelt auf vorangegangene 
takale Verunreinigungen zuriickzufiihren ist. 

Die Garungsprobe nach Eijkmann ist zwar eine schatzenswerte 
Bereicherung der Methoden fur den Kolibazillnachweis, doch ist die 
Garung bei 46 0 allein noch nicht beweisend fur das Vorhandensein von 
Bacterium coli ; es mufi auch die sonst iibliche Identifikation zum sicheren 
Nachweis in Anwendung kommen. 

Im einzelnen untersuchte Ressel 72 Obst- und Gemiisesorten; in 
41 fand er Bacterium coli. 

Yon den Geschaften, aus denen sie bezogen waren, konnen 25 aufier- 
lich beurteilt als bessere gelten, namlich die Bezugsquellen im Zentrum 
und im Westen von Berlin; in den iibrigen Fallen handelt es sich bei 
der Entnahme der Proben um kleinere Laden, Kellergeschafte und 
Strafienverkaufsstellen. 

Aus den Untersuchnngen lafit sich vielleicht der Schlufi ziehen, 
dafi bisweilen eine Verschmutzung des Obstes und der Gemiise erst in 
den Verkaufsiaden erfolgt, sei es, dafi es in verunreinigten Behaltern 
aufbewahrt wird, Oder dafi seitens der Kaufer und Yerkaufer beim 
Prufen und Wahlen, beim Betasten der Ware dieselbe dnrch haufiges 
Anfassen mit an den Fingern haftenden Fakalstoffen beschmutzt wird. 

E. Roth (Halle a. S.). 

Nieter, A., ZurMetatyphusfrage. (Miinch. med. W ochenschr. 1908. 
S. 898.) 

N. priifte die Wachstumseigentiimlichkeiten der von M an del¬ 
ta a um als Bacillus metatyphi bezeichneten Stamme (im Vergleiche mit 
etwa 40 Typhuskulturen). Es wurde mangelnde oder schwache Beein- 


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Influenza. 


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flossnng des Hemoglobins auf gewfihnlichem Schottmullerschen 
BIntagar niemals. auf Menschen-, Hammel-, Kaninchenblutagar, der 
1-2 v. H. Glyzerin enthielt, deutlich, auf 6 proz. Glygerinagar ausge- 
sprochen beobachtet. Ferner trifft M.s Angabe zu, dab auf einem 6 proz. 
Glyzerinagar, dem einige Tropfen RosolsSure zugesetzt sind, der Typhus- 
bazillus gelb, der MetatyphusbaziUus dagegen rot wachst, sowie dab 
dieser Unterschied auch in rosolsaurem Glyzerinpeptonwasser hervor- 
tritt. Demnach vermag zwar der echte TyphusbaziUus, nicht aber der 
Metatyphusbazillus aus Glyzerin SSure zu bilden. — Dagegen erwies 
sich die behauptete Kristailbildung des Metatyphusbazillus auf Glyzerin¬ 
agar sowie Braunung des Agars nach etwa 14 Tagen nicht als sicheres 
Unterscheidungsmerkmal. Bei der serodiagnostischen Prttfung wichen 
die Metatyphusstamme nicht von den echten Typhusbazillen ab. 

Die Wachsturasunterschiede beruhen demnach hOchstwahrscheinlich 
auf einer Zersetzung des Glyzerins. Ob dieser Umstand allein dazu 
berechtigt, die „MetatyphusbaziUen w als gesonderte Art zu betrachten, 
IaUt N. insbesondere nach dem Ausfalle der Serodiagnostik noch unent- 
schieden. Georg Schmidt (Berlin). 

Bnhemaiin, Z u r epidemiologischenBedeutungder Influenza- 
bazillen. (BerL klin. Wochenschr. 1907. No. 37.) 

Allgemein ist nachzuweisen und nachgewiesen, dab GrippefSUe mit 
p'Sitivem Influenzabazillenbefund immer seltener werden. Verf. erbrtert 
die Ursachen hierfur und halt fiir eine der wichtigsten die, dab all- 
mahlich sich eine hohe ImmunitSt gegen diesen Bazillus herausgebildet 
habe. Auch ist wohl die Virulenz dieser Bazillen geringer geworden. 

In einiger Zeit durften wir wieder einmal eine grobe Weltepidemie 
zu gewartigen haben. W. v. Brunn (Rostock). 

Ohedini, Ricerca del bacillo di Pfeiffer nel sangue e nella 
milza degli infermi d’influenza. (Gazzetta degli Ospedali. 
1907. No. 58.) 

Angesichts der sich widersprechenden Ergebnisse fiber das Yor- 
handensein des spezifischen Bazillus im Blut der Influenzakranken, das 
von Pfeiffer und Beck in Abrede gestellt, von Bruschettini und 
Canon aber als haufig angenommen wurde, hat Verf. systematisch den 
NVhweis des Pfeifferschen Bazillus im Blut und in der Milz von 
28 Kranken zu geben versucht. 

Dabei ist der Bazillus 18mal von 28 FSllen im Blut und 8mal von 
14 Fallen im Milzsaft vorgefunden worden. In 16 FSllen wurde der 
Bazillus im Auswurf gesucht mit 16 positiven Ergebnissen. 

Die FSUe, in denen sich der Bazillus im Blute und in der Milz vor- 
fand, waren typische InfluenzafSlle mit bronchopulmonSren, pleuritischen 
und abdominalen Lokalisationen. Die Kulturen wurden stets in der 
Fieberperiode angel egt und zwar zu Anfang des Fiebers, zur Zeit des 
bochsten Fiebers Oder zu Beginn der Genesung. Auch die negativen 
Falle waren typische FSUe von Influenza mit Yorhandensein des BaziUus 
im Auswurf, nur war ihre Form nicht so schwer und das Fieber nicht 
so lange andauemd. 

Verf schlieflt nun aus seinen Beobachtungen, dab die typischen 
Formen epidemischer Influenza, nach der klassischen Kenntnis, die wir 


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Influenza. 


besitzen, von dera Pfeifferschen Bazillus hervorgernfen werden, und - 
dafi dieser Bazillus im Blut und im Milzsaft der von Formen gewisser 
Starke befallenen Influenzakranken wfthrend der Fieberperiode vorge- 
funden werden kann. Er glaubt aber, dad die verschiedenen im Aus- 
wurf der Influenzakranken angetroffenen Mikroorganismen nicht die 
pathogenen Erreger der wirklichen Influenza sind, sondern dad diese ebenso 
vom Pfeifferschen Bazillus hervorgerufen wird wie die Pneumonie 
vom Pneumokokkus, und dad der spezifische Erreger im Blut und im 
Milzsaft nachgewiesen werden kann. Ceradini (Mailand). 

Spflt, Ueber einenFall von Influenzabazillenpy&mie. (BerL 
klinische Wochenschr. 1907. No. 38.) 

Der Fall betraf einen Kellner von 33 Jahren, der zunachst unter 
den bekannten Symptomen der Influenza erkrankt war; bald traten die 
deutlichen Zeichen einer Erkrankung der Mitralklappe hinzu. 

Das durch Punktion aus der Armvene entnommene Blut wurde so- 
fort zu Bouillonkulturen verwendet. Mehrere Tage blieb die Bouillon 
ganz klar. Erst ganz allmahlich bildeten sich am Boden der RShrchen, 
der Blutschicht aufliegend, weide Kornchen, die als Reinkulturen von 
Influenzabazillen sich erwiesen. 

Patient starb, und bei der Sektion fand man an der Mitralis grode 
weiche blumenkohlartige Protuberanzen, entziindliche Ergiisse in den 
Pleurahohlen, Eiterherde in Milz und Nieren. 

In den mikroskopischen Praparaten von der Mitralis und vom Eiter 
aus der Milz fanden sich Bazillen, die man als Influenzabazillen an- 
sprechen mudte. W. v. Brunn (Rostock). 

Saathoff, Influenzasepsis und experimentelle Influenza- , 
bazillenseptikamie. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 2220.) '*• 

Geschichte eines jungen Mannes, dessen in gewohnlicher Weise be- 
ginnende Influenza sich zu Bronchopeumonie, Endokarditis, Encephalitis, " 
Meningitis, schliedlich zu allgemeiner Sepsis fortentwickelte, unter der 
alleinigen Urheberschaft des Pfeifferschen Bazillus. Mehrfache Blut- 
untersuchungen wahrend des Lebens gaben keine Klarheit. Dagegen 
fanden sich Influenzabazillen mikroskopisch in fast alien inneren Teilen 
der Leiche; aus der Milz gelang ihre Ziichtung. Bei Weiterimpfungen 
wurden sie fast nie ganz rein wiedergefunden, vermutlich weil sie mit 
anderen Bakterienarten in einem wechselseitigen Begimstigungsverh&lt- 
nisse stehen. Im Blute scheinen sich die Grippeerreger von vornherein 
und fur sich allein nicht aufhalten zu konnen. Immerhin haben lebende 
Influenzastabchen im Blute gekreist; sie sind von der Lunge her ein- 
gedrungen. Yon den warzigen Herzklappenauflagerungen aus ist dann 
der Kbrper mit ihnen uberschwemmt worden. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Pianori, Miocardite da influenza. (Gazetta degli ospedali e delle 
cliniche. 1907. No. 63.) 

Verf. fuhrt die Krankengeschichte eines 40j&hrigen Bauem an, 
dessen personelle und Familienanamnese absolut negativ war. 14 Monate 
vor seiner Untersuchung wurde er von einem schweren Influenzaanfall 
mit Allgemeinerscheinungen heimgesucht, der 10 Tage lang andauerte. 


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Influenza. 


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Die Genesung nahm mehr als 15 Tage in Ansprnch, denn aufler einer 
hochgradigen Erschopfung danerten Herzfunktionsstfirungen an, die 
wahrend der Krankheit begonnen hatten (Herzklopfen, Druckgefuhl im 
Thorax usw.). SpSter traten diese Erscheinungen bei schwerer Hand- 
arbeit leicht wieder anf, nnd vor 3 Monaten warden sie derart stark, 
daA der Kranke dadurch zn absolnter Ruhe gezwungen war. Die 
klinische Diagnose lantete anf Endokarditis. Als dann der Kranke 
einige Tage nachher gestorben war nnd man die Antopsie ausfuhrte, 
wnrde es erst klar, dafl es sich nm eine chronische Myokarditis ge- 
handelt hatte, fur deren Ursprung man nichts anderes verantwortlich 
machen kann als die Influenza. 

Seit langer Zeit ist es bekannt, dafl durch Influenza ausgelOste Endo- 
karditiden nnd Perikarditiden vorzukommen pflegen, neuerdings sind dann 
sogar nach Influenza auch Myokarditiden nachgewiesen worden. Warum 
heute nor noch gestritten wird, das ist die Frage, ob die Influenza die 
Ursache einer wahren und wirklichen Myokarditis ist, Oder ob dieselbe 
nnr da entsteht, wo schon, wenn auch nur latente Yeranderungen des 
Myokardiums vorhanden sind. Verf. schlieflt es vollig aus, dad in 
seinem Falle solche Yeranderungen bestanden hatten, und gelangt auf 
Grand seiner Beobachtungen zu nachfolgenden Schliissen: 

a) Im Verlauf einer Influenza kann sich eine akute Myokarditis 
entwickeln. b) Die akute Myokarditis kann vermittels eines Reparations- 
prozesses, der Sklerose des Myokardiums bewirkt, in eine chronische 
Form iibergehen. c) Die chronische Myokarditis kann dieselben klinischen 
Symptome aufweisen, wie die gewohnliche Endokarditis. 

Ceradini (Mailand). 

Smith, Fred. J., The influenza bacillus as a cause of fatal 
endocarditis after eight years? (The Lancet. Yol. CLXXIV. 
1908. No. 4417.) 

Bericht fiber einen Fall von todlicher Endokarditis, bei dem im Leben 
schon Influenzabazillen in Reinkultur im Blut nachgewiesen werden 
k< nnten. Verf. meint, dafl die Krankheit in Zusammenhang stehe mit 
einer Influenzaerkrankung, die der Patient vor 8 Jahren durchgemacht 
hat, nnd mit einer Erkrankung vor 3 Jahren, die allerdings als Typhus 
gedentet wurde, nach Ansicht des Yerf. aber auch nach ihrem Beginn 
nod Verlauf eine Influenza gewesen ist. Verf. meint, dafl der Patient 
tm BazillentrSger von Influenzabazillen gewesen sei, wie wir sie ja 
schon bei Typhusbazillen kennen. Ritter (Berlin). 

Kirewski, F., Leberabscefl nach Influenza. (Deutsche med. 
Wochenschr. 1907. S. 757.) 

Bei einem jungen Manne schlofl sich an ein schnell vortibergehendes 
influenzaartiges Leiden ein starker Krfifteverfall an, als dessen Ursache 
bei iuBerer Untersuchung eine Dampfnng rechts hinten unten fiber der 
bnnge aufgedeckt wurde. Der Probestich lieferte seros-eitrige Flussig- 
keit, die mikroskopisch und nach dem Zfichtungsergebnis Kokken ohne 
besondere Merkmale enthielt. Operativ wurde ein Lebereiterherd ent- 
leert. Der Eiter war frei von Echinokokkenhaken und keimfrei (Zttchtung 
anf Bouillon, Blutagar, Agaragar). Als Ursache der Lebereiterung wird 
die Grippe angesprochdn. Georg Schmidt (Berlin). 


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Iufluenza. — Untereuchongsmethodett, Instrumente etc. 


Franke, Felix, Daslnfluenzaknie. (Deutsche Zeitschr. £ Chirurgie. 
Bd. 85. 1906. p. 335.) 

F., der mit besonderer Vorliebe die Komplikationen und Nach- 
krankheiten der Influenza zum Gegenstand seiner Studien macht, ist 
der Ansicht, dafi es sich bei den Gelenkleiden im AnschluB an Influenza 
im wesentlichen um eine Erkrankung der Knochen handelt. Es sind 
nieist sehr gutartige Krankheitsbilder, die man zu sehen bekommt, doch 
hat F: auch in seltenen Fallen schweren Verlauf und Versteifung der 
befalienen Gelenke beobachtet. 

Die Diagnose, daB es sich um eine durch Influenza erzeugte Affek- 
tion handelt, hat er nicht auf bakteriologischem, sondem auf klinischem 
Wege gestellt. Als wichtige diagnostische Merkmale bezeichnet er 
graublasse Gesichtsfarbe, Papillenschwellung der Zungenspitze, Er- 
hohung der Reflexerregbarkeit und Milzschwellung. 

W. y. Brunn (Rostock). 

Unna, Der h§.mophile Pfeiffersche Bazillus (Influenza- 
Bazillus) als Erreger intraokularer Eiterungen. (Klin. 
Monatsbl. f. Augenheilkunde. 1907. Beilageheft.) 

Verf. berichtet iiber einen und zwar den dritten bisher bekannten, 
Fall von intraokularer Eiterung infolge Infektion mit dem h&mophilen 
Pfeifferschen Bazillus. Da nicht die geringsten Symptome einer all- 
gemeinen Influenzaerkrankung vorhanden waren, da es sich ferner tun 
einen Bulbus handelt, der durch die pathologische Struktur gerade seines 
vorderen Abschnittes (flache Narbe nach altem Irisprolaps) etwaigen 
Mikroorganismen die giinstigsten Bedingungen fur ein Durchwandeni 
von auflen her bot, und da schliefilich von vornherein die Anwesenheit 
Pfeifferscher Bazillen im Konjunktivalsack nachgewiesen wurde, so 
ist fur diesen Fall der ektogene Ursprung der Ophthalmie zur Genfige 
festgestellt. Gilbert (Mftnchen). 


Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


De Blasi, Dante, Sulla deviazione del complemento nella 
malaria umana. (Annali di Igiene sperimentale. Nuove serie. 
Vol. XVH. Fasc. IV. S. 677.) 

Verf.hat versucht, die Proben von Bordet und Gengou bei der 
Malaria anzuwenden; er beobachtete aber, dafi „bei der mensch- 
lichen Malaria das Bordet-Gengousche Phanomen sogar 
dann nicht stattfindet, wenn man als Antigen zerstaubtes 
zahlreiche Malariaparasiten enthaltendesBlut anwendet.“ 

Bertarelli (Parma). 

Crendiropoulo, M. and Sheldon, Amos B., Further observation 
on the influence of calcium chloride on the aggluti¬ 
nation of vibrios. (Sc. ref. by memb. of the med. 1. ass. 1906. 
p. 79.) 

In einer frttheren Arbeit (Journ. of Pathol, a. Bact. 1904) hatten 


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Uatersnchnngsmethoden, Instramente etc. 


161 


Verff. nachgewiesen, daB Kalziumchlorid in sehr schwacher Konzen- 
tration die Agglutination der echten Choleravibrionen begtinstigt, da- 
gegen dies nicht tut bei der Agglutination bestimmter Pseudocholera- 
ribrionen durch fur echte Choleravibrionen bereitete Sera, Oder bei der 
Agglutination echter Oder Pseudocholeravibrionen durch normale Sera. 

In dieser Arbeit haben Verff. 6 neue Proben (El Tor) untersucht, 
welche wohl durch das Choleraserum agglutiniert werden, jedoch nicht 
alle Keaktionen der wahren Choleravibrionen geben. Ihre Agglutination 
darch das mit destilliertem Wasser bis unterhalb seiner Aktivitats- 
grenze verdflnnte Choleraserum wird erst durch eine viel starkere Kon- 
zentration von Kalziumchlorid herbeigeffihrt, wie dies bei den echten 
Choleravibrionen der Fall ist. Schrumpf (Strafiburg). 

iltobelli, A., Sull’isolamento del bacillo del tifo. (Giorn. 
Med. d. R. Esercito. 1907. Fasc. X.) 

Anf Grand zahlreicher eigener Yersuche und Beobachtungen kommt 
Verf. zn nachstehenden Schlfissen: 

Zur Ziichtung des Typhusbazillus aus dem Kote ist die auf die 
Agelutinierung des B. coli vermittels eines spezifischen Serums ge- 
grundete biologische Methode nicht verwendbar, da es zurzeit noch 
aicht radglich ist, ein mehrwertiges Coli-Serum zu praparieren, das alle 
Oder den groBten Teil der in die Gruppe B. coli inbegriffenen Keim- 
arten zn agglutinieren vermochte. 

Das Blutserum eines gegen den Coli-Bazillus immunisierten Tieres 
Kaninchen) agglutiniert nur die zur Immunisierung des Tieres ver- 
wandten Coli-Stamme, nicht aber andere verschiedener Herkunft. Das 
Blntsernm eines gegen den Typhusbazillus immunisierten Tieres (Kanin- 
<hen) dagegen agglutiniert sowohl die zur Immunisierung des Tieres 
prwandten Stamme des Typhusbazillus, wie auch die anderen ver- 
wufdener Herkunft. 

Bie Agglutinationseinwirkung eines Coli-Serums auf die zur Im- 
nmnisiernng eines Tieres verwandten Coli-Stamme ist geringer als die- 
j r,ll - r e eines Typhusserums auf die entsprechenden Stamme des Typhus- 
bazilius. Ceradini (Mailand). 

Kw,W., Untersuchungen fiber die Wachstumsgeschwindig- 
keit der Typhusbazillen in Galle. (Archiv f. Hyg. Bd. 62. 
M7. p. 107—127.) 

Verf. benutzte, um die Frage entscheiden zu kdnnen, ob Galle ein 
rinstizer Nahrboden fur Typhusbazillen ist, die Ermittelung der Fort- 
P|lanzungsgeschwindigkeit. Zum Yergleich zog er dieselbe auch bei dem 
Ktiderium coli heran. Die Methode kann in einem kurzen Referat nicht 
amregeben werden. Es fand sich, daB sterile Rindergalle ffir Bacterium 

nicht nur kein guter Nahrboden ist, sondern daB sie sogar aus- 
gesprochen entwicklungshemmend wirkt, wahr^end sie Bacterium coli 
gegeniiber keine bakteriziden Eigenschaften besitzt, aber auch keinen 
guten Nahrboden darstellt. In Mscher menschlicher Galle vermehren 
sich beide Bakterienarten auch nicht, wohl dagegen, wenn zu je 5 ccm 
derselben 1 ccm seros-eitrigen Exsudats zugesetzt war, das von einem 

Ente Abt. Safer. Bd. XLI. 5 «. 4 / 6 . 11 


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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


Kaninchen (lurch intrapleurale Injektion von Aleuronatlosung gewonnen : 
•war. Pies nimmt an, dafi beim Menschen in vivo durch die Invasion 
der Typhuskeime in der Gallenblase ahnliche giinstige Wachstumsbe- 
dingungen geschaffen werden, und dafi darauf die Vermehrung der Keime 
zuriickzufuhren ist. Zusatze von Nahrstoffen zur Galle beseitigen eben- 
falls die wachstumshemmende Wirkung der Galle und deshalb bieten 
dieKayser-Conradischen Gallenfliissigkeiten, denen Kaninchenserum 
zugesetzt ist, ebenso Zusatze von N&hrbouillon, weniger gut Koclisalz- . 
losung einen ausgezeichneten Nahrboden fur Typhusbakterien, allerdings 
auch fur Bacterium coli, und zwar in noch hbherem Grade. Verf. glaubt 
daher annehmen zu durfen. dafi nicht nur die Galle im Blutgemisch die 
bakterizide Wirkung des Blutserums aufhebt, sondern dafi die im Serum 
enthaltenen Nahrstoffe die Vermehrung begiinstigen. Eine Anreicherung 
der Typhusbazillen im Bakteriengemisch durfte daher aussichtslos sein 
bei den Gallenahrboden, es durfte aber diese Beobachtung mit dazu bei- 
tragen, die Tatsache zu erharten, dafi die Typhusbazillen auf dem "■ 5 
Wege der Blutbahn in die menschliche Gallenblase gelangen, da, wenn 
die Infektion auf aszendierende Weise durch den Ductus choledochus 
erfolgte, es unverstandlich ware, warum nicht haufiger in Anbetracht 
der giinstigeren Wachstumsbedingungen das Bacterium coli in der Gallen¬ 
blase angetroffen wird. v. Leliwa (Posen). 

Klein, E., A contribution to bacteriological analysis of 
materials polluted with the bacillus typhosus. (Lancet 
1907. No. 4396.) 

Die Verunreinigung von Nahrungsmitteln (Wasser, Milch, Austern 
usw.) mit Typhusdejektionen ist mit dem Lofflerschen Verfahren 
(Zusatz von Malachitgrun zum Nahrboden) zwar nachzuweisen. Immer- 
hin wird durch dieses Verfahren keine eigentliche Anreicherung zu- 
stande gebracht, weil das Malachitgrun nur das Aufgehen von Coli- 
Kulturen zu verhindern vermag, aber keine Vermehrung der Typhus- - 
keime herbeifiihrt, so dafi die Anzahl der Typhuskolonien der — meist 
nur sparlichen — Anzahl der im Untersuchungsgegenstande enthaltenen 
Keime entspricht. Eine tatsachliche Anreicherung kann man nun er- 
halten, wenn man das Lofflersche Verfahren auf flussige Nahr- . 
boden iibertragt. Allerdings darf man sich alsdann nicht damit be- : 
gniigen, zur Unterdruckung der GoZz-Bakterien MalachitgTun zuzusetzen, 
sondern man mufi auch noch andere haufige Verunreinigungen (ver- 
schiedene Proteusarten, Bac. putidus u. a. m.) ausschliefien. Dies er- 
reicht man durch Zusatz von Gallensalzen. Diese regen allerdings das 
Wachstum der CWi-Bakterien ebenso wie das der Typhusbazillen an, 
so dafi man dementsprechend mehr Malachitgrun notig hat, als nacli 
Lofflers Angaben fiir den festen Nahrboden erforderlich ist. Es 
empfiehlt sich eine Bouillon, der man Malachitgriin im VerhUltnis 
1:1500—2500 zusetzt. Auf 400 ccm Bouillon gibt man aufierdem 5 cem 
einer 5proz. wasserigen Losung von Natrium taurocholicum. In diesev 
Bouillon findet eine wirkliche Anreicherung der Typhuskeime statt. 
Uebertragt man dann einige Oesen dieser Bouillon auf Drigalskiische 
Platten, so erhait man die charakteristischen Typhuskulturen, die man 
nach den gebrauchlichen Verfahren identifizieren kann. 

Sobotta (Reiboldsgriin). 


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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


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Duschmum, II., M6thode simplifi£e de la recherche dn 
bacille typhique dans les garde-robes. (Compt. rend. hebd. 
soc. biol. T. 63. 1907. p. 483-85.) 

Neuer N&hrboden ans Galle, mit dem es Verf. gelnngen ist, ohne 
Anreicherung ans dem Stnhl eines Typhuskranken den Typhusbazillus 
zn isoheren. Kersten (Berlin). 

Laudanum, 6., Vergleichende Untersuchnngen tiber die 
Tjphnsdiagnose mittels Bazillenemulsion und Ficker- 
schen Diagnostikums. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 516.) 

Schrumpfs abf&llige Kritik der Branchbarkeit des Fickerschen 
Diapostikums wird zurtickgewiesen, da er zum Vergleiche lebende 
Stamme herangezogen habe, die wegen ihrer hohen nicht spezifischen 
Empfindlichkeit gegen Gruppenagglutinin fiir Prtifungszwecke ganz un- 
geeipet gewesen waren. Georg Schmidt (Berlin). 

Delarehis, F., In torn o alia diagnosi bat teriologicaprecoce 
del tifo e delle infezioni paratifose. (Rendiconti delle Adu- 
nanze dell’Accademia Medico - Fisica Fiorentina, Adunanza 21 nov. 
1907. — Lo Sperimentale. 1907. Fasc. VI.) 

An 50 Typhus- bzw. Paratyphuskranken hat Verf. vergleichende 
Versnche angestellt tiber die zur Isolierung von B. typhi bzw. para- 
t'jphi ans dem Bint empfohlenen Methoden. 

Verf. spricht sich zum Schlufi dahin aus, dafi die bakteriologische 
Blutuntersuchung die Diagnose auf Typhus bzw. Paratyphus bestimmen 
uder auch erleichtern kann bei den Fallen, wo die Klinik keine hin- 
reichenden Stiitzpunkte hat, um diese Diagnose sicherzustellen, was sehr 
haufig der Fall ist in den allerersten Tagen der Krankheit Oder auch 
ini weiteren Verlauf, wenn abnorme Typhus- bzw. typhusahnliche Formen 
vorliegen. 

Zn diesem Zwecke gibt Verf. den Vorzug der Conradischen 
Methode, die er als zweckmafiiger als die anderen bezeichnet, sowohl 
beziielich der Zahl von positiven Resultaten, als auch der Anfangs- 
periode der Krankheit, in der diese Resultate erzielt werden konnen. 

Negri (Pavia). 

Froain, Influence du sue intestinal sur le d6veloppement 
da Bac. typhique et dn Bac. coli. (Compt. rend. soc. biol. T. 63. 
1907. S. 619.) 

Fugt man zn Bouillon Oder zu einer Peptonlosung Darmsaft vom 
Hand, der aus einer Thiryschen Fistel gewonnen und durch ein 
Herkefeld- Filter geschickt wurde, hinzu und impft in die Mischung 
Typhns- oder Coiz-Bazillen, so kann man einen kleinen Unterschied 
r»ischen beiden Bazillen herausfinden. — Der Typhusbazillus bildet 
namlich 10—12 Stunden nach der Beimpfung deutliche Haufchen in der 
Dlsung, er erscheint agglutiniert, whhrend der CoW-Bazillus eine homo- 
Kultur darbietet. Die H&ufchenbildung beim Typhusbazillus ist 
nach 24 Stunden wieder verschwunden. 

Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 

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Untersachungsmethoden, Instrumente etc. 


Hesse, W., Ein neues Verfahren zur quantitative!! Be- 
stimmung der Darmbakterien mit besonderer Beruck- 
sichtigung der Typhusbazillen. (Zeitschr. f. Hyg. u. Infek- 
tionskrankh. Bd. 58. 1908. p. 441.) 

Ein Verfahren, welches binnen 1 Tag feststellt, wieviel Typhus¬ 
bazillen eine abgemessene Oder abgewogene Stuhlprobe enthalt, setzt 
voraus, dafi in dem verwendeten Nahrboden alle Typhusbazillen der 
Stuhlprobe zu Kolonien auswachsen. Der Hesse sche Nahrboden enthalt 
nur 0,5 Proz. Agar und bekommt keinen Alkalizusatz: Agar 5 g, Pepton 
Witte 10 g, Liebigs Fleischextrakt 5 g, Kochsalz 8,5 g, dest. Wasser 

1000 g. 

Am besten weicht man den Agar fur sich in 0,5 1 Wasser, kocht 
und filtriert in Hesses Funftrichterapparat; andererseits verquirlt 
man Pepton, Fleischextrakt und Kochsalz in 0,5 1 Wasser, kocht, filtriert 
im Faltenfilter, mischt beide Filtrate, bringt das Ganze durch Wasser- 
znsatz auf 1 1, kocht nochmals auf, fiillt je 10 ccm in Reagenzglaser, 
welche beim Sterilisieren (am besten 20 Minuten im Autoklaven bei 
2 Atm. Ueberdruck) kein Alkali abgeben. — Der schwach saure, weiche 
Nahrboden laBt sich eben noch zu Platten ausgieflen. welche nach dem 
Erstarren Umwenden vertragen. — Enthalt eine solche Platte nur 1 
oder wenige Typhuskeime, so wachsen dieselben binnen 1 j i Tag zu 
Kolonien von etwa 1 cm, binnen 1 Tag von mehreren cm aus. Die bei 
isolierter Lage kreisrunden Kolonien besitzen ein kleines, weiflgefarbtes 
Zentrum und einen ebenso gefarbten schmalen Rand, dazwischen eine 
breite, nahezu farblose Zone. Typhus- und Paratyphusbazillen sind sich 
darin ganz ahnlich, nur wachsen letztere schneller. 

Hesse stellt Verdiinnungsplatten her, indem er 8 groBe 
Reagenzglaser mit je 9 ccm sterilisierter Kochsalzlosung und 8 sterile 
Petri-Schalen numeriert. In Glas I kommt 1 g Stuhl, davon nach 
sorgfaltigem Auflosen und Durchmischen 1 ccm in Glas II und Platte I. 
nach Durchmischen von Glas II je 1 ccm in Glas HI und Platte II ' 
usw. bis zu Glas VHI und Platte VIH. Zu jeder Platte kommen dann 
10 ccm verfliissigten auf 40° abgekiihlten Nahrbodens; nach Mischen 
und Erstarren kommen die Schalen ’/ 2 — 1 Tag in den Brutofen. Platte I 
enthalt 0,1, H = 0,01, III = 0,001, IV = 0,0001, V = 0,00001, VI — 
0,000001, vn = 0,0000001 und VHI = 0,00000001 g Stuhl. 1st in 
Schale VIH nach 1 Tag 1 Kolonie, so sind in VH = 10, VI == lOO, 
V = 1000, IV = 10000, HI = 100000, n = 1000000, 1 = 10000 000 
Keime; 1 g dieses Stuhls hat also 100 Millionen Keime derselben A rt_ 
Zur besseren Erkennung der Typhusbazillen legt man zum Vergleicli 
beim Arbeiten Verdiinnungsplatten aus Typhusbazillen Reinkultur g-e- 
mischt mit normalem Stuhl an. Die Typhusbazillenkolonien fallen setion 
durch ihre GroBe auf; sie bilden milchweiBe Flecke von 1—2 cm Darcli- 
messer. Zur Feststellung, ob es sich um Typhusbazillen handelt, bringt 
H. mittels Glaskapillare von der verdachtigen Stelle ein Tropfchen im 
hohlen Objekttrager unter die Immersion; findet er nach Aussehen nneL 
Beweglichkeit typhusahnliche Bakterien, so fiigt er ein etwa ebenso 
groBes Tropfchen in Verdtinnung 1:1000 hinzu. Tritt sofortiger St.il 1- 
stand der Bewegung ein, so handelt es sich um Typhusbazillen. I>ie 
Agglutination tritt oft nicht ein, wenn bei dicht liegenden Kolonien 
sich viele Darmbakterien eingelagert haben, oder wenn die Typhus- 


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Untersuchtmgsmethoden, Instramente etc. 


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baziDen zu vereinzelt liegen. Nur in seltenen Fallen bleibt der Nach- 
weis der Typhusbazillen iiberhaupt ans, wenn sich im typhusarmen 
Stahl nach Aussehen und Bewegung den Typhusbazillen ahnliche Darm- 
bakterien befinden. 

Hesse beschreibt dann genan die Anlegung der Verdiinnungs- 
piatten aus dem Stuhl Typhnskranker oder -verdachtiger. 

Hesse fand Typhusbazillen im Stuhl Typhnskranker auf der H6he 
der Krankheit und im diinnfliissigen Stuhl am zahlreichsten, bis zu 
Reinkulturen in Platte YJH, d. h. zu Hunderten von Millionen in 1 g 
bzw. 1 ccm; sie pflegten mit Ablauf des Fiebers aus dem Stuhl zu ver- 
schwinden; sie waren mitunter schon in den ersten Fiebertagen, ja 
schon vor Eintritt des Fiebers nachweisbar; ihre Zahl schwankte bei 
demselben Eranken in kurzer Zeit betrachtlich; sie warden in klinisch 
sicheren Typhusfallen wiederholt g&nzlich vermifit, namentlich in der 
2. Halfte der Krankheit; im Rezidiv stellten sie sich wiederholt ein. 
In einigen Fallen wurde die klinisch zweifelhafte Diagnose gesichert, 
in anderen die anscheinend sichere klinische Diagnose durch Abwesen- 
heit der Typhusbazillen in Frage gestellt. 2mal warden Typhus¬ 
bazillen bei Danertragem gefunden; die Typhusbazillen waren hier so 
reiehlich, dafi ihre Kolonien in den letzten Verdiinnungsplatten nach 
ltagigem Aufenthalt im Brutofen schon mit blofiem Auge sicher zu 
erkennen waren. Sc hi 11 (Dresden). 

Silvestrl, Del valore prognostico del tumore dimilza nella 
febbre tifoidea. (Soc. Med. Chir. Modena. 1907. 6. Dezember.) 
Unter 147 vom Verf. studierten Typhusfallen liefi sich 130 mal 
ein bedeutender Milztumor wahrnehmen, in den anderen 17 Fallen war 
derselbe nicht bemerkbar. Von den ersteren endete nur einer mit dem 
Tode. er betraf ein 30 Monate altes Kind, bei dem Bronchialkomplika- 
tionen anfgetreten waren, die eher einer personlichen Veranlagung 
iRachitis, ererbte Tuberkulose), als der ablaufenden Infektion zuge- 
"chrieben werden mufiten. In der letzt zitierten Gruppe waren 16 Todes- 
taile zu verzeichnen. Verf. hat dann aufierdem beobachtet, dafi bei den 
t alien, wo der Milztumor deutlich wahrgenommen werden konnte, die 
bauer der Krankheit, die Komplikationen und die Ruckfalle in umge- 
k-hrtein Verhaitnis standen zur Entwicklung des Tumors. Verf. schliefit 
daraus, dafi die Milzvergrofierung beim Typhus nicht nur ein An- 
zeicben fur die Infektion an und fur sich ist, sondern auch dartut, 
£ie stark der Organismus bei seiner Verteidigung gegen den pathogenen 
Erreger zu reagieren vermag. Ceradini (Mailand). 

Mlemens u. Mahler, Ueber die Agglutinationskraft mensch- 
licher Blutsera fhr Arten der Typhusgattung und der 
CoZigattnng. (Zeitschr. f. Hyg. u. Infektionskrankh. Bd. 58. 1907. 
p. 203.) 

Die Verff. gelangen zu folgendem Resultat: 

. I- Ikterische Blutsera von Kranken, welche an keiner CWiinfektion 
Jciden. besitzen fur Arten der Coh'gattung keine hohere Agglutinations¬ 
kraft als nicht ikterische. — Diese Tatsache ermoglicht diagnostische 
»erwertung der Agglutination fur Cofemfektionen. Hierbei ist Kennt- 
nis des Agglutinationsverhaltens von daraufhin geprliften Co/tstammen 


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Untersnchungsmethoden, Instrumente etc. 


gegeniiber normalen Seris Vorbedingung fiir jede diagnostische Schlufi- 
folgerung. Aus den Versuchen der Verff. geht hervor, dafi manche " 
CWistamme normalerweise von nichtikterischen, wie von ikterischen 
Seris bis zu einer Hohe von 40 Ag.-E. beeinfluBt werden konnen. — 
Dieses vollig gleicke Verhalten ikterischer nnd nichtikterischer Sera zu 
CWibakterien stelit in bemerkenswertem Gegensatz znr Wirknng ikte¬ 
rischer Sera auf Typhusbazillen. Wie bekannt, besitzen ikterische Sera 
von verschiedenen Erkrankungen fur Typhusbazillen znweilen weit 
hohere Agglutinationskraft als nicht ikterische. Verff. fanden, dafl 
agglutinierende ikterische Blutsera auBer Typhusbazillen noch andere 
Arten der Typhusgattung agglutinieren nnd zwar starker als normale 
Sera. Dagegen werden Arten der Cofagattung von ikterischen Seris 
nur so agglutiniert, wie von normalen Blutseris. Verff. erklaren dieses 
gegensatzliche Verhalten dadurch, dafi alle menschenpathogenen Arten 
der Typhusgattung noch Dezennien nach der von ihnen gesetzten Er- 
krankung in der Gallenblase weiterbestehen nnd in manchen Fallen eine 
mit Ikterus einhergehende Erkrankung der Gallenwege veranlassen. 
Diese Annahme macht es verstandlich, warnm ein nnd dasselbe ikte¬ 
rische Serum verschiedene Arten der Typhusgattung in gleicher Weise 
agglutiniert, nnd warum diese Eigenschaft manchen ikterischen Seris 
zukommt, anderen nicht. Sie erklart auch das gleiche Verhalten von 
nichtikterischen nnd ikterischen Seris zu CWibakterien. Beide erlangen 
namlich ihre Agglutinationskraft im Verlaufe des extranterinen Lebens 
durch die Tatigkeit der im menschlichen Darm normal vorkommenden 
Coftbakterien. Liegt also zur Zeit der Untersuchung keine Co/iinfektion 
vor, so besitzen ikterische nnd nichtikterische Sera bei Priifung gleicher 
CoZistamme diesel ben Agglutinationswerte. Trotz vorhandener schwerer 
6'oZainfektion konnen spezifische Agglutinationen fur OoZibakterien fehlen. 

2. Typhoiden Erkrankungen entstammende Blutsera des Menschen 
nnd die mittels der Arten der Typhusgattung erzeugten tierischen 
Immunsera besitzen spezifische Agglutinine ausschlieBlich ftir die Arten 
dieser Gattung. 

3. Von menschlichen nnd tierischen Co/rinfektionen herruhrende 
Sera agglutinieren spezifisch ausschlieBlich Arten der CoZZgattung. 

Die Spezifizitatsbreite der Agglutination innerhalb dieser beiden 
Gattungen iiberschreitet demnach nicht die Grenzen der Gattung. 

Schill (Dresden). 

Herz, A., Beeinflussung der Gruber-Widalschen Reaktion 
durch sekundare Erysipelinfektion. (Wiener klin. Wochen- 
schrift. 1907. No. 42.) 

H. beschreibt einen protrahierten, fieberhaft verlaufenden Krank- 
heitsfall, bei welchem trotz der anfanglich bestehenden geringen Leuko- 
cytose wegen der auffallenden Verringerung der polynuklearen Zellen 
und trotz des anfangs stets negativen Eesultates der Gruber-W idal- 
schen Reaktion die Wahrscheinlichkeitsdiagnose „ Abdominal typhus w ge- 
stellt wurde, die durch das Ergebnis der Ziichtung aus Stuhl, Harn und 
Blut gesichert wurde. Die Gruber-Widalsche Reaktion wurde nacb 
etwa 2wochiger Beobachtung positiv. Schon gegen Ende der Erkrankung, 
im sogenannten Stadium der amphibolen Kurve, akquirierte die Kranke 
ein Gesichtserysipel von ziemlich betrachtlicher Ausdehnung, das durch 


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Untersachungsmethoden, Instrumente etc. 


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nit-hr als eine Woche anhielt. W&hrend dieser Zeit sank nach anf&ng- 
licher Steigerung die Temperatur ztur Norn, die Agglutinationsfahigkeit 
des Serums schwand. Nach Ablanf der Komplikation trat wiederum 
Temperatursteigerung ein, die Agglutinationskraft des Serums fur 
TvphusbaziUen stieg allm&hlich wieder an und war in der Rekonvales- 
zenz deutlich ausgesprochen. Das Erysipel kann also ebenso wie die 
Mischinfektion mit Staphylococcus albus (Kayser) und mit Diplococcus 
pneumoniae (Kraus und Iversen) hemmend auf die Agglutinationsfahig¬ 
keit des Typhusserums wirken. Bei experimenteller Vermischung ver- 
schiedener Proben von Typhusserum mit Serum von Erysipelkranken 
lied sicb eine Herabsetzung der Agglutinationskraft der ersteren nicht 
feststellen. Hetsch (Metz). 

Kentzler, J., Beitrag zur Agglutination der Typhus-CoJi- 

gruppe bei ikterischen Kranken. (Wiener klin. Wochenschr. 

1907. No. 44.) 

K. prufte quantitativ bezflglich ihrer Agglutinationsfahigkeit gegen- 
iiber Typhusbazillen, Paratyphus-A und B-Bazillen und CoW-Bakterien 
die Sera von 12 Cholelithiasisfallen (7 ohne, 5 mit Ikterus), 5 Fallen 
von Ikterus catarrhalis, 4 Fallen von Carcinoma hepatis, 3 Fallen von 
Hepatitis (2 davon mit intensivem Ikterus), 3 Fallen von Vitium cordis 
mit Ikterus, 1 Fall von Choledochusobstruktion und 1 Fall von B a n t i - 
scher Krankheit. In keinem dieser Faile konnte das Vorhandensein 
spezifischer Agglutinine fur Typhusbazillen und die ihm nahestehenden 
Bakterien nachgewiesen werden. K. schliefit daraus, daft in alien Fallen, 
wo eine starkere Agglutinationskraft des Blutserums ikterischer Kranker 
festsrestellt wird, eine Typhusinfektion vorausgegangen sein mull. Zur 
Klarung der Aetiologie des Ikterus catarrhalis und der Cholelithiasis 
boten diese Untersuchungen keine Anhaltspunkte. Hetsch (Metz). 

Ilefinann, H., Fleischvergiftung und Widalsche Reaktion. 

(Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 156.) 

In einer Kaserne erkrankten binnen wenigen Tagen fiber 50 Soldaten 
an heftigem, aber schnell vorObergehendem Darmkatarrh. Yom gleichen 
Leidtn warden zur selben Zeit 12 Insassen eines Versorgungsstiftes 
befallen. Die Ansteckungsquelle war beide Male das aus derselben 
Metzirerei bezogene Hackfleisch. Neue Proben von solchem enthielten 
erhebliehe Mengen schwefliger Saure. Genaue Beaufsichtigung der 
f leischlieferung, Yerbot des Genusses rohen Oder ungeniigend gekochten 
Fleisches oder wenigstens Wamung davor, Prhfung der Metzgerwaren 
auf Konservierungsmittelzus&tze werden empfohlen. Letztere konnen 
<iie Darmschleimhaut schadigen und so Infektionen begiinstigen, wenn 
auch L.s Tierversuche nach dieser Richtung hin keine Ergebnisse 
zeitieten. 

Aus dem Stuhle zweier Soldaten warden GUrtnersche Bazillen 
geziichtet, die zunachst wie Paratyphusbazillen (B) aussahen, aber 
durch Typhusimmunseren hbher agglutiniert warden wie durch Para- 
typhnsserum. Das Serum dieser Leute und eines anscheinend gesunden 
Soldaten aus ihrer Umgebung, wie das zweier Gesellen jener Fleischerei, 
endlich das zweier schwer erkrankten Insassen des Stiftes agglutinierte 
kiattig Typhusbazillen, schwacher den G&rtnerstamm. Von 60 Menschen 


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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


mit positiver Widalscher Reaktion agglutinierten 25 den G&rtnerstamm, ‘ - 
von 87 Sera ohne Widalsche Reaktion keines. — Bei den beiden 
Metzgergesellen wurden 3 Wochen spater Gartnerbazillen im Stuhle ge- 
fnnden. 

Ein eben vollkommen abgesattigtes Typhusserum enthielt aach for 
den Gartnerbazillus keine Agglutinine mehr, wahrend ein fur diesen 
abgesattigtes Serum Typhusbazillen noch stark beeinfluflte. Para typhus B 
war nicht imstande, dem Gartnerbazillus Oder dem Typhusbaziilus viel - 
Agglutinin wegzunehmen. Wurde das Serum nicht ganz mit Typhus¬ 
bazillen abgesattigt, so war noch eine Beeinflussung der Gartnerbazillen 
zn erkennen. Ein Teil der Agglutinine des Typhusserums haben sowohl 
zum Typhusbaziilus wie zum Gartnerschen eine gewisse Aviditat. Nicht 
alle Gartnerstamme regen im Menschen die Bildung von Typhuspartial- 
agglutininen an. 

Infektionsversuche an Mausen ergaben keine besonderen Aufschlusse 
fur die Erklarung der menschlichen Infektionen und Intoxikationen 
dnrch Fleischvergifter. Georg Schmidt (Berlin). 

Engling u. GraBberger, Zur Eenntnis der inagglutinablen 
Typhusstamme. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 14.) 

Die Autoren ziichteten aus den Faces einer Dauerausscheiderin 
einen Typhusstamm, der bei Ziichtung auf Agar bei 37 0 inagglutinabel 
war. Bei 22° geziichtete Gelatinekolonien dagegen waren von vorn- 
herein gut agglutinabel; von letzteren abgeimpfte Agarkulturen waren 
nnr agglutinabel, wenn sie bei 22° (— 27°) C, nicht aber wenn sie bei 
37 0 geziichtet wurden. Sera von Kaninchen, die durch einmalige intra- 
venose Vorbehandlung mit dem gut agglutinablen Laboratoriumsstamm 
(bei 22 0 und bei 37 0 geziichtet) und ebenso ein mit dem inagglutinablen, 
bei 37° gezuchteten Stamm jener Bazillentragerin („ Stamm L.“) ge- 
wonnen waren, agglutinierten den Laboratoriumsstamm und den Stamm 
L = 22 0 prompt in hohen Verdiinnungen, nicht aber den Stamm L = 37 ®. 
Letzterer wurde nur von einem Serum, das mit Stamm L = 22 0 ge- 
wonnen war, agglutiniert, wenn auch in wesentlich geringerem Grade, 
als andere Stamme. Die bei 22 0 gewachsenen Kulturen des Stammes L 
waren gut, die bei 37 0 gewachsenen sckleclit beweglich. Die Individuen 
der auf Agar Oder Gelatine bei 22° gezuchteten Kulturen zeigten auf- 
fallende Neigung zur Scheinfadenbildung, die bei 37° gezuchteten 
durchweg kurze Formen. Absorptionsversuche zeigten, daB dichte Auf- 
schwemmungen der inagglutinablen Bazillen, mit Immunserum zusammen- 
gebracht, den Wirkungswert des Serums nicht herabsetzten. Die Vira- 
lenz des Stammes L war gering (5 Oesen bei intraperitonealer Injek- 
tion). Bei jener Bazillentragerin wurden bei mehrfachen Entnahmen 
stets nur inagglutinable Stamme gezuchtet, doch schien es, als ob die 
spater gewonnenen Stamme bei der Weiterzuchtung Agglutinabilitat und 
reguiares morphologisches Verhalten fruher wiedergewannen, als die 
zuerst gezuchteten. 

Engling u. GraBberger empfehlen in der Annahme, daB bei 
37° geziichtete inagglutinable Stamme haufiger bei 22 °-Zuchtung gut. 
agglutinabel seien, Kulturen der verdachtigen Kolonien stets auch bei 
22—25° C anzusetzen. Hetsch (Metz). 


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Hilgermann, ZumAusbau der Gruber-Widalschen Reaktion. 
(Klin. Jabrb. Bd. 18. 1908. H. 3.) 

H. empfiehlt zur Feststellung der Agglutinationswirkung von Seris 
Typhusverdachtiger die Verwendung einer verschiedene leicht aggluti- 
nable Typhusstamme enthaltenden Mischbouillon, die nach dem Vorgange 
yon Prbscher-Neisser formalinisiert wird. Die Bouillon enthS.lt auf 
100 ccm je 1 Oese Agarknltur von 6 verschiedenen Stammen und wird 
vor der Abtotnng der Bazillen 24 Stunden im Brntschrank bei 37° C 
belassen. Die Beurteilung der Reaktion soil nach 3—6 stiindigem Aufent- 
halt der in Farbklotzchen oder noch besser in Reagensrohrchen ange- 
setzten Proben (Bouillon -f- Serumverdiinnung aa) im Brutschrank oder 
nach 24stiindiger Aufbewahrung bei Zimmertemperatur durch makro- 
skopische Betrachtung oder unter Zuhilfenahme einer schwachen Lupe 
erfolgen. H. ist der Ansicht, dad sich mit dieser Methode haufiger 
Serumproben als agglntinierend erweisen werden, die bei Anstellnng 
der Reaktion nach dem Widalschen Verfahren ein negatives Ergebnis 
aufweisen. Er halt sein Verfahren speziell ftir die Friihdiagnose fur 
aussichtsvoll. 

Die kulturelle Verarbeitung des Blutkuchens der zur Agglutinations- 
prttfung eingesandten Serumproben nach Miiller und Graf ergab 
unter 62 Typhusfallen 8mal (=4,96 Proz.) ein positives Resultat 

Hetsch (Metz). 

Micheli, F. e Borelli, L Sulla deviazione del complemento, 
con speciale riguardo al suo valore per la diagnosi del 
tifo. (Rivista Critica di Clinica Medica. 1907. No. 43 e 44.) 

Verff. haben die Anwendbarkeit der Methode der Komplement- 
ablenkung auf die Untersuchung der Antigene bzw. der entsprechenden 
Antikorper im Laufe von Infektionen, deren spezifischer Erreger bekannt 
und kultivierbar ist, gepriift. 

Eine geringe Anzahl von Untersuchungen wurde behufs Nachweis 
von tuberkulosen Antikbrpern im Laufe von chronischen Tuberkulose- 
infektionen angestellt; dieselben fieleu negativ aus: die wenigen Sera 
von mit tuberkuldsen Lasionen behafteten Individuen — vermittels 
eines Extraktes von Tuberkelbazillen untersucht — zeigten keine stSrkere 
antikomplementare Wirkung als Normalsera. 

Andere zahlreichere wichtigere Untersuchungen betreffen die Typhus- 
infektion. 

Im Laufe derselben, in einer Periode, die nahezu derjenigen ent- 
spricht, in der die agglutinierende Reaktion sich bemerkbar macht, 
haben Verff. beobachtet, dafi im Blutserum der Kranken einige Stoffe 
mit antikomplementSrer Wirkung (im Sinne M ores chi s) auftreten. 
Allein die relative Sp&rlichkeit und vor allem die Variabilitat ihrer 
Konzentration sowie die Moglichkeit, dad diese antikomplementare 
Fahigkeit eine durch nicht spezifische mit der gleichen Wirkung, d. L 
mit dem Verschwinden des Komplements sich aufiernde Reaktionen vor- 
getSuschte sei, stellen die diagnostische Wichtigkeit sehr in Frage. 

Aus diesem Grunde ist die klassische Methode der biologischen 
Serumdiagnose, d. i. die agglutinierende Reaktion, vorzuziehen, auch 
abgesehen von der geringeren Schwierigkeit der Ausflihrung. 

Auf Grand einer weiteren Reihe von Untersuchungen liefern schliefi- 


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Uutersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


lich Verff. den Beweis, daB die Methode der Komplementablenkung znm 
Nachweis von geringen Mengen bakterieller typhbser in den Saften 
des Organismus aufgeioster Stoffe nicht geeignet ist; dies hangt wesent- 
lich zusammen mit dem Umstande, daB zur Erreichung der anti* 
komplementaren Wirkung eine relativ Starke Konzentration von bak* 
teriellen Stoffen notig ist. Negri (Pavia). 

Kentzler, Julius nnd Klr&lyfi, G£za, Ueber den Wert des Kom- 
plementbindungsverfahrens in der Diagnose des Typhus 
abdominalis. (Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 65. 1908. H. 1 u. 2.) 

Die Verff. brachten Patientensera mit Typhuskulturen oder deren 
Extrakten znsammen und priiften die Komplementfixation. Bei Be- 
stimmung der Kesultate stellten sie kolorimetrisch nach Fleischl die 
Konzentration des gelosten Hiimoglobins fest. Sie verwandten dabei 
immer so viel rote Blutkorperchen, daB, anch wenn das hamolytische 
System allein zur Wirkung gelangte, noch ein Sediment ubrig blieb, so 
daB durch die Menge der losenden Substanzen und nicht durch die 
voile Auflosung der roten Blutkorperchen das Maximum der Hamolyse 
bestimmt werden konnte. 

Durch ihre Resultate gelangen die Verff. zur Ansicht, daB der 
positive Ausfall der Komplementbindung die Zusammengehdrigkeit von 
Antigen und Antikorper, der negative Ausfall aber nicht das Gegentei! 
beweist, und ferner, daB das Verfahren wegen seiner Umst&ndliehkeit 
fur die Diagnose des Typhus praktisch nicht verwertbar ist. 

Meyerstein (StraBburg). 

Leuchs und Schone, Ueber die Verwendbarkeit der Kom¬ 
plementbindung zur Typhusdiagnose. (Zeitschr. f. Hyg. u. 
Infektionskrankh. Bd. 60. 1908. H. 1. p. 149.) 

Wie Bordet und Gengou fanden, wird beim Vermischen von 
Meerschweinchen-Typhus-Immunserum mit einer Emulsion von Typhus- 
bakterien Kompleraent gebunden: nachtraglich zugefugte, sensibilisierte, 
d. h. mit dem entsprechenden Ambozeptor beladene rote Blutkorperchen 
blieben ungelost. Komplementbindung fehlte dagegen, wenn statt der 
Typhusbazillenemulsion die gleiche Menge einer C’o/i-Bazillenaufschwem- 
mung verwendet wird. Nur grdBere Mengen Coli -Aufschwemmung er- 
zielten noch Hemmungen. Auch Typhusrekonvaleszentensera ergaben 
in gleicher Weise gegeniiber einer Typliusbazillenaufschwemmung posi¬ 
tive Resultate, Sera von Gesunden dagegen nicht. Wassermann 
und Bruck schlugen vor, in der Serodiagnostik statt der bisher ge- 
brauchlichen Suspensionen von Vollbakterien Extrakte aus Bakterien- 
korpern, geloste Bakteriensubstanzen zu verwenden; sie zeigten mil 
Hilfe solcher Bakterienextrakte an mehreren Immunseris die Moglichkeit 
und Spezifizitat der Reaktion. Verff. besprachen die Versuche von 
Moreschi, von Leuchs, von Hirschfeld und Posner, von Neu- 
feld und Htine, von Haendel, von Braun, von Ballner und 
Reihmayr. Die Verff. priiften nun an Material aus dem Virchow- 
Krankenhaus die Moglichkeit der Erzielung einer spezifischen Reaktion 
mit Hilfe der Komplementbindung auch beim menschlichen Typhns. 
Vor dem Eingehen auf ihre Versuche erortern Verff. die Frage, ob die 
nach Moreschi hergestellten Extrakte bessere Resultate als die Ver- 


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Untersuchnngsmethoden, Instrument# etc. 


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j wendung einer Suspension von Vollbakterien erzielt, und ob die Leuchs- 
, schen Extrakte den Mores chi schen und damit auch den Vollbakterien- 
!, suspensionen in ihrer Wirksamkeit iiberlegen sind. Verff. vermochten 
;J mit Extrakt nack Moreschi keine besseren Resultate zu erzielen als 
mit Suspensionen von Vollbakterien, dagegeu gelang es durch 24stundige 
5 j Extraktion bei 60° reaktionsfahige Stoffe in Losung iiberzufuhren, 
welche in den unverletzten Vollbakterien fur die Reaktion nicht zur 
Verfugung stehen und welche durch Extraktion bei Zimmertemperatur 
oder bei 37° nicht in gleicher Menge in Losung gehen. Aufierdem 
. bindet der Extrakt allein viel weniger Komplemente als die Bakterien- 
£ suspension. 

'• Die Versuche der Verff. mit menschlichen Seren fuhrten zu folgenden 
' SchluBfolgerungen: 

1. Die Eomplementbindungsmethode ergibt auch in menschlichen 
: Seris bei Typhus eine fur die Diagnose verwertbare Reaktion. 

2. Diese Reaktion ist ebenso wie die Agglutination, wenn auch 
nicht absolut, so doch relativ spezifisch (Gruppenagglutination). 

3. Sie kann unter Umstanden bei frischen Fallen friiher auslosbar 
'■ sein als die Agglutination. 

4. Der positive Ausfall der Reaktion berechtigt zur Diagnose Typhus, 
wahrend der negative nicht gegen eine Infektion mit Typhus spricht. 

Fur die praktische Verwertbarkeit der Komplementbindung zum 
Nachweis einer Typhuserkrankung des Menschen geben sich Verff. 
keinen groBen Hoffnungen hin. Agglutination und Ziichtung des spezi- 
fischen Erregers aus dem Blut stellen so einfache Methoden dar, daB 
sie durch die komplizierte Komplementbindung kaum verdrangt werden 
durften, auch selbst wenn letztere beim menschlichen Typhus stets 
f- fruher positive Ausschiage ergeben wiirde als die Agglutination. 

Schill (Dresden). 

: Kraus, Lusenberger und RuB, Ist die Ophthalmoreaktion nach 
Chantemesse zu diagnostischen Zwecken bei Typhus 
verwertbar? (Wiener klin. Wochenschr. 1907. No. 45.) 

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden in folgenden SchluB- 
satzen zusammengefaBt: 

1. Extrakte aus toxischen Typhusstammen, aus Paratyphusbazillen B, 
c'- : aus Colibazillen und verdunntes Tuberkulin (1:50, 1:100) zeigen nach 
r* konjunktivaler Instillation bei gesunden Individuen auBer geringgradiger 
Sela-etion nur in seltenen Fallen entzundliche Erscheinungen. 

.!'■ 2. Dieselben Extrakte rufen bei Typhosen und andersartig er- 

krankten Menschen entzUndliche Reaktionen hervor, welche meist auf 
I' die Konjunktiva des Unterlides beschrankt bleiben. 

3. Die von Chantemesse angegebene Ophthalmodiagnose mit 
lil Typhusextrakt laBt sich flir die Diagnose des Typhus derzeit nicht 
verwerten. Die Serumreaktion nach Gruber-Widal ist auch heute 
v noch die exakteste diagnostisch verwertbare Methode. 
i|! Hetsch (Metz). 

Link, Bichard, Ueber Hautreaktionen bei Impfungen mit 
' abgetbteten Typhus-, Par at yphus B-und Koli-Kulturen. 
:r (Miinch. med. Wochenschr. 1908. S. 730.) 


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Untersnchungsmethoden, Instrumente etc. 


L. impfte abgetotete Typhus-, Paratyphus B- und Koli-Kulturen in 
Hautritze yon Menschen ein, die vor mehr Oder weniger Zeit Typhus 
iiberstanden batten. Nach einigen bis 24 Stunden traten unter ge- 
ringem Jucken, aber ohne Fieber, Rotung und papulose Schwellung 
entlang dem Impfstiche auf. Die Starke der Reaktion entspricht haufig, 
aber durchaus nicht immer der Agglutinationswertigkeit des Blutserums 
des betreffenden Menschen fur die Bakterienart. 

In der dieser vorlaufigen Mitteilung beigegebenen Tabelle, die 9 
ehemals spezifisch Infizierte und 5 Normale umfaBt, sind auch bei 
letzteren Reaktionen verschiedener Starke verzeichnet. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Orszag, Oscar, Ueber den diagnostischen Wert der Ophthalmo¬ 
reaction bei Typhus abdominalis. (Deutsche med. Wochensck. 
1908. S. 647.) 

An 15 fiebemden Typhuskranken wurde die Chantemessesche 
Augenprobe angestellt. Stets wurde nach 6 und 24 Stunden ein mek 
Oder minder lebhafter Erfolg verzeichnet. Seine Starke war von der 
Krankheitsdauer unabhangig. 

Dagegen fehlte ein Ergebnis bei mehr als der Haifte von 18 Ge- 
nesenden nach Typhus. 

Die meisten von 21 Anderserkrankten gaben nach 6 Stunden posi- 
tiven Ausschlag; allerdings hielt die Entziindung nicht bis zu 24 Stunden 
an. Nur die Bindelifiute von 5 verfallenen Oder blutarmen Menschen 
blieben unbeeinflufit. 

Das wechselnde Ergebnis des — praktisch nicht brauchbaren — 
Yersuches hangt wohl damit zusammen, daB wir iiber kein bestandiges 
Typhustoxin mit gleichbleibender Virulenz verfugen. Positiver Aus¬ 
schlag nach 6 Stunden ist nicht eindeutig. Nach 24 Stunden besteht bei 
den meisten Typhbsen positive, bei den meisten aus anderem Grunde 
Fiebemden negative Reaktion. Georg Schmidt (Berlin). 

Blnm, L., Ueber die diagnostische Bedeutung der Angina 
ulcerosa typhosa. (Munch, med. Wochenschr. 1906. S. 2292.) 

Die Angina ulcerosa ist ein fur die Typhusdiagnose recht wertvolles, 
vielfach sogar pathognomisches Krankheitszeichen, das sowohl bei ganz 
leichten, in kurzer Zeit genesenden wie bei schweren tbdlich endenden 
Fallen vorkommt. Dem mikroskopischen Bau nach sind es katarrhalische 
Geschwiire ohne spezifisch typhbses Aussehen. B. machte bei 5 sicheren 
Typhen Abstriche der Geschwiire zum Zwecke der Anreicherung; in 
zwei Fallen warden Typhusbazillen, in den iibrigen andere Bakterien, 
hauptsachlich Staphylo- und Streptokokken gefunden. Doch liegt die 
Moglichkeit vor, daB die Typhuskeime der Mundhdhle Oder einer Blut- 
beimengung entstammten. Vielleicht bemhen die Geschwiire auf sekun- 
darer Infektion. Dafur spricht, dafi sie in genau gleicher fiuBerer und 
mikroskopischer Gestalt auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, 
wie B. an der Hand zweier Krankengeschichten (fieberhafte Brastfellent- 
ziindnng, Miliartuberkulose) darlegt Georg Schmidt (Berlin). 

Germonig, G., Ueber die Tryptophanreaktion, besonders 
im Stuhl und in Bakterienkulturen. (Wiener klin. Wochen- 
schrift. 1907. No. 10.) 


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Schauimpfung, ktinstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc. 173 


G. konnte zunachst die friiher von Erdmann und Winternitz 
beobachtete Erscheinnng bestatigen, daB die Tryptophanreaktion ein 
differentialdiagnostisches Hilfsmittel znr Unterscheidung der Typhus- 
baziben vom Bacterium coli ist. Zur Anstellung der Probe eignen sich 
besonders Knlturen in 5proz. Peptonbonillon. In Typhnskulturen ist 
die Reaktion schon nach 24 Stnnden intensiy, in GoZikulturen erst nach 
ca. 2 Wochen andentungsweise positiv. Anch ftir Stuhlaufschwemmungen 
worde diese Reaktion brauchbar befunden. Zn einer 5fach mit Wasser 
verdiinnten nnd filtrierten Stuhlaufschwemmung, die leicht mit Essig- 
saure angesauert ist, setzt man tropfenweise frisch bereitetes Chlor- 
wasser bis zum Auftreten deutlicher Rotfarbung. Der Farbstoff wird 
dann zweckmaBig mit Chloroform ausgeschiittelt. Unter 73 verschieden- 
artigsten Stuhlen trat eine intensive Tryptophanreaktion nnr 5mal ein. 
4 dieser Falle waren Typhnsstiihle, der 5. betraf einen AbszeB in der 
DeocSkalgegend. Es scheint, als ob die Typhusbazillen auch im Darm 
aas dem EiweiB des Stuhls Tryptophan bilden, die bei anderen Stuhlen 
vorherrschenden Coli- nnd anderen Bakterien im allgemeinen aber nicht. 
In dem erwahnten 5. Falle hatte eine mehrtagige Obstipation bestanden. 
Es konnte hier also die Reaktion durch abnorm langdauemde Ein- 
wirkung der Co/tbazillen Oder der stark vermehrt gefundenen Kokken 
zustandekommen. Hetsch (Metz). 


Schutzimpfung, kunstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungs 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 


Sofer, Die BekSmpfnng der Malaria in Oesterreich. (Zentral- 
blatt f. innere Medizin. 1907. No. 45.) 

Die Malaria ist in Istrien nnd Dalmatien endemisch. Eine syste- 
matische Bekampfung nach der Methode Gras sis erfolgt eigentlich 
erst seit 1903; der Erfolg ist befriedigend. Nach der Ansicht des Verf. 
wurde die antimalarische Aktion in diesen Gegenden mehr Aussicht 
haben. wenn eine obligatorische Anzeigepflicht nnd eine staatliche 
Malariastation bestande. Wolf (Marburg). 

Olli, Angelo, The campaign against Malaria in Italy. (Joum. 
of trop. med. and hyg. Bd. XI. 1908. No. 7.) 

Vortrag auf dem 14. internationalen HygienekongreB zu Berlin 
September 1907. W. Ben sen. 

Bo8orgi, E., Di nn nuovomezzo di distruzione delle zanzare 
malariche. (Gazzetta degli Ospedali e delle Cliniche. 1907. p. 21.) 
Zum Abfangen bzw. Vemichten der Malariamiicken empfiehlt Verf. 
folgendes Verfahren als ein sehr praktisches und einfaches. 

Mit Hilfe groBer Pinsel bestreicht man reichlich eine Anzahl 2 m 
lange, 1.50 m breite Schilfgeflechte mit dickfliissigem, starkriechendem 
Sdiiserul. Solche Geflechte werden auf kleine Stiitzen — aus einem 
beliebigen Material — aufgestellt, vom Boden 1,50 m abstehend und in 


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174 Schutzimpfung, kimstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc. 


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demselben so eingepflanzt, dafi sie von etwa herrschenden Winden niclit 
beeinfluBt werden konnen. 

Die Geflechte werden gegen Abend ins Freie gestellt und bei Tage 
wieder hereingebracht; hierbei ist fur eine erneute Bestreichung zu 
sorgen, sobald sie mit Miicken dickbesetzt oder etwas trocken ge- 
worden sind. 

Derartige Geflechte konnen auch unmittelbar — ohne irgendwelche 
Sttitze — auf stehende Gewasser gelegt werden. Das genannte Oel auf 
stehende Gewasser gegossen, bildet eine das Heraustreten der aus- 
kriechenden Miicken fast ganzlich hindemde nndurchdringliche Schicht: 
sollten aber trotzdem die Miicken durch die Schicht schliipfen, so 
wiirden dieselben bei ihrem Durchgange durch die Geflechte darin 
stecken bleiben und sicheren Tod fiuden. 

In Anbetracht der Gewohnheit der Miicken, jeder Lichtquelle zuzn- 
fliegen, empfiehlt Verf. an einem der beiden Enden der Geflechte eine 
kleine Oellaterne anzubringen. Negri (Pavia). 

Cell!, A., Chinintannat in Fallen von idiosynkrasischer. 
selbst hamoglobinurischer Intoleranz gegen in Wasser 
lbsliche Chininsalze. (Arch. f. Schiffs-u. Trop.-Hyg. 1907. H. ITj 

„Um gnten Erfolg beim Chiningebrauch zu haben, muB es in der 
angenehmsten Form gegeben werden." — Celli fand bei zahlreicheii 
Fallen eine auffallend gute kurative und praventive Wirkung von 
Chinintannat in Schokoladepastillen; es wurde gern genommen und gut 
resorbiert. Keine Nebenwirkungen. Bei 1426 damit behandelten Fallen 
niemals Hamoglobinurie. Chinintannat ist vielleicht gar in der Therapie 
des Schwarzwasserfiebers mit Erfolg auwendbar. Es werden 5 derartk 
behandelte Falle berichtet. Miihlens (Berlin). 

Georgopulos, M., Die Behandlung der Malaria mit Atoxyl 
(Miinch. med. Wochenschr. 1908. S. 615.) 

G. spritzte 14 Wechselfieberkranken, deren Geschichten mitgeteili 
sind und die kein Chinin erhielten, 3 Tage hintereinander von einer 
20proz. L6sung 2,5 ccm unter die Haut, dann dieselbe Menge dreimal 
in 6 Tagen, schlieBlich dreimal in 3 dreitagigen Pausen ein. Sie er- 
hielten demnach in 18 Tagen 4,5 g Atoxyl. Es traten zuweilen Mageu- 
und Eolikschmerzen, Durchfall und ein unangenehmes Kratzgefiihl im 
Halse, sonst keine ublen Nebenerscheinungen auf Dagegen hOrten in 
mehr oder weniger kurzer Zeit nach der Einleitung der Atoxylkur die 
Fieberanfalle auf; die Milz verkleinerte sich; die Malariaerreger ver- 
schwanden aus dem Blute; das Allgemeinbefinden besserte sick. Eine 
heilende Wirkung des Mittels war nicht abzuleugnen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Howard, R., Malarial prophylaxis small communities in 
British Central Africa. (The Journal of Tropical Medicine and 
Hygiene. 1908. No. 1.) 

Geschichte der Entwicklung der britischen Kolonie Nyasaland und 
ihrer gesundheitlichen Verhaltnisse, speziell der Malaria-Forschnng und 
Bekampfung. Die Auswahl der Mittel, Muckenvertilgung oder Chinin- 
prophylaxe richtete sich nach den ortlichen Verhaltnissen der Dorter 


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Schutxunpfung, ktknstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungahemmung etc. 175 

am Xyasa-See. Die Mittel sind die iiblichen. Yerf. legt grofien Wert 
darauf, dafi dem neu in Afrika ankommenden Earopker durch Auf- 
klarung die Furcht vor dem Klima genommen, nnd dafi er bald an die 
p Anti-Malaria-Sitten“ gewfihnt wird. Die Erfolge sind sebr gut; in 
15 Jahren ist die Mortalitat an Malaria yon 82 auf 10 °/ 00 , das Schwarz- 
wasserfieber von 106 auf 27 °/ 00 heruntergegangen. 

W. Ben sen (Berlin). 

Watson, Malcolm, Experiments towards the prevention of 
malaria in the Federated Malay States. (Brit. med. Journ. 
1908. p. 499.) 

Verf. berichtet fiber Mafinahmen zur Bekfimpfung der Malaria. Be- 
sonders gnte Resultate sah er bei systematisch durchgeffihrter Dar- 
reichung von Chinin. Schindler (Berlin). 

Ziemann, Ueber Malariaprophylaxe in unkultivierten 
Gegenden. (Zeitschr. f. firztl. Fortbildung. Jg. V. No. 3.) 

Man mufi I. eine allgemeine Prophylaxe ausuben; 

1. indem wir die Malariaparasiten im Menschen ausrotten: 

a) durch systematische Chininbehandlung der Malariainfizierten; 

b) indem wir die in den menschlichen Trager eindringenden Malaria¬ 
parasiten gleich im Beginn ihrer Entwicklung abtoten, noch bevor es 
zum Fieberanfall gekommen ist (eigentliche Chininprophylaxe); 

2. indem wir die die Malaria fibertragenden Miicken ausrotten; 

3. indem wir den Menschen gegen den Stich der Malariamucken 
schfitzen; 

4. indem wir durch soziale Prophylaxe, durch Sorge fur bessere 
Ernahrung, Wohnung, Kleidung, Aufklarung uber das Wesen der 
Malaria usw. die Widerstandskraft der malariainfizierten Bevolkerung 
zu heben suchen. 

IL Eine persbnliche Malariaprophylaxe. Wolf (Marburg). 

Naegeli- Akerblom, H. u. Yernier, P., Zur Frage der Therapie 
der Schlafkrankheit. (Therapeut. Monatshefte. Jahrg. XXII. 
1908. p. 77.) 

Die VerfF. geben einen Ueberblick fiber den gegenwfirtigen Stand 
der Therapie der Schlafkrankheit. 

R. Koch, der einige Salze der arsenigen Sfiure ausprobiert hat, 
empfielilt das Atoxyl, wahrend Lfiffler und Rfihs ausgezeichnete 
Erfolge batten mit Acidum arsenicosum bei Behandlung einer anderen 
Trypanosomiasis, der Naganakrankheit. Laver an und Thiroux 
konnen dem nicht beistimmen. 

Magliari hat, um sich Rechenschaft geben zu konnen fiber die 
trypanolytischen Krisen und deren Rfickfalle, Versuche vorgenommen 
mit dem Ergebnis, dafi die trypanolytischen Krisen durch Bildung von 
Antikorpern im Blute der infizierten Meerschweinchen veranlafit werden. 
Eine kleine Anzahl der Parasiten, welche der Wirkung der Antikorper 
durch Angewohnung entgehen, entrinnen der Yernichtung, und da diese 
Angewohnung immer mehr zunimmt, werden die trypanolytischen Krisen 
immer weniger heftig. 

Die Verff. gehen dann naher auf die von R. Koch angegebene 


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176 Schutzimpfung, tunstliche Infektionskrankheiten, Entwicklangshemnmng etc. 


Therapie ein, der das Atoxyl, in geniigender Dosis und frfihzeitig ge- 
geben, als Heilmittel ansieht. Langgaard mahnt zur Vorsicht wegen 
der beobachteten iiblen Nebenwirkungen (Amanrose etc.). Salomon 
empfiehlt das weniger toxische Atoxyl G. Die Verff. streifen ferner kurz 
therapeutische Vorschlage anderer Forscher und aufiern sich zum SchluB 
fiber ein Arsenpraparat. Trypanrot, in gunstigem Sinne gegen Trypano¬ 
somiasis. Kersten (Berlin). 

Arinkin, M., Zur Kenntnis der Toxine (Endotoxine) der 
Vibrionen. (Biochem. Zeitschr. Bd. VI. 1907. H. 2/3. S. 226.) 

Durch Behandlung von Agarkulturen des Vibrio Naskin mit schwachem 
Alkali Oder Bouillon, nicht aber mit Kochsalzlbsung oder destilliertem 
Wasser laBt sich ein Hamolysin gewinnen, das sich dem von Kraus 
aus Bouillonkulturen gewonnenen ganz analog verhalt, nur starker wirk- 
sam ist. Es wird bei 56 0 zerstbrt, durch Filtration stark beeintrachtigt 
und erzeugt, Kaninchen injiziert, ein spezifisch wirkendes Antihfimolysin. 

Kurt Meyer (Berlin). 

Wolff-Eisner, Typhustoxin, Typhusantitoxin und Typhus- 
endotoxin. Die Beziehungen zwischen Ueberempfind- 
lichkeit und Immunitat. (Berl. klin. Wochenschr. 1907. No. 38.) 

Des Verf.s Anschauungen, die in vielen Punkten im Gegensatz zu 
denen Aronsons stehen, werden ausffihrlich dargelegt. Sie werden 
von ihm kurz folgendermaBen zusammengefaBt: 

„Man kann aus Agarkulturen von Typhusbazillen Giftstoffe ge¬ 
winnen. Dieselben stammen wahrscheinlich aus sich auflosenden Bak- 
terienleibern. 

Es ist ohne prinzipielle Bedeutung, ob auch daneben eine Gift- 
sekretion stattfindet, die aber unwahrscheinlich ist. 

Dagegen unterscheiden sich die Giftstoffe prinzipiell von den 
Toxinen, als es nicht moglich ist, durch ihre Injektion ein Serum mit 
antitoxischen Eigenschaften zu gewinnen. 

Die erzielte „Immunitfit“ ist eine rein individuelle; das Serum 
gewinnt keine erheblichen giftbindenden Eigenschaften. Die individuelle 
Giftunempfindlichkeit ist auf eine Vermehrung der sessilen Organ- 
rezeptoren eventuell im Bindegewebe zurfickzufuhren. Eine Ueber- 
tragung dieser Form von Immunitat ist nicht moglich, sie kommt daher 
ffir therapeutische Zwecke nicht in Betracht." 

Auf die Darlegungen des Verf.s fiber die Beziehungen zwischen 
Ueberempfindlichkeit und Immunitat kann hier nicht naher eingegangen 
werden, sie mttssen im Original studiert werden. 

W. v. Brunn (Rostock). 

Marini, N., L’immunitfi germinale nel tifo. (La Clinica Medica 
Italiano. Fasc. DI. 1907.) 

Verf. hat sich mit einer in einem kleinen Dorf von 600 Einwohnern 
ausgebrochenen Typhusepidemie befafit; es kamen hierbei binnen zwei 
Monaten 115 Falle vor. Wegen seiner Lage bzw. hygienischen Ver- 
haitnisse hatte das Dorf schon frfiher unter schweren Typhusepidemien 
zu leiden gehabt; daher war ein groBerer Teil der Einwohner gegen 
die Infektion schon immunisiert. Dieser Umstand bewog Verf. nachzu- 


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Schntzimpfung, kfinstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc. 177 


forschen, ob denn die von den Eltern erworbene Immunit&t auf die 
Kinder vererbt werden kOnnte. 

Die Beobachtungen haben folgendes ergeben: 

Es war kein sehr schwerer bzw. todlich endender Fall zu ver- 
zeicbnen bei 33 an Typhus erkrankten Kindern, von denen einer Oder 
auch beide Eltern vor der Empfangnis mit der obengenannten Krank- 
heit behaftet waren; 75 Proz. der Falle verliefen gutartig. 

Bei 18 Fallen hingegen von Kindern, deren Eltern niemals am 
Typhus gelitten hatten, ergab sich eine Mortalitat von 5,3 Proz. nnd der 
gleiche Prozentsatz an sehr schweren Fallen; die gutartig verlaufenden 
Falle betrugen 44,2 Proz. 

Bei 19 erwachsenen Typhbsen, bei denen wenigstens einer der 
beiden Eltern vor der Empfangnis typhuskrank gewesen, war die Morta¬ 
litat 0; kein sehr schwer verlaufender Fall; in 80 Proz. gutartiger 
Verlauf. 

Von 23 Erwachsenen, deren Eltern keinen Typhus gehabt hatten, 
war die Mortalitat 24,7 Proz.; sehr schwer verlaufende Falle 17,4 Proz.; 
gutartig verlaufende 39,2 Proz. 

Daraus zieht Verf. den SchluB, es sei ein Einfluh des von den 
Eltern durchgemachten Typhus auf den Verlauf einer eventuell hei 
ihren Nachkommen zum Ausbruch gelangenden Typhusinfektion wohl 
kaum auszuschlieflen. Mit einem Worte: es miisse auch fur den Typhus 
die Keimimmunitat zugegeben werden; diese verleihe zwar den be- 
treffenden Nachkommen keine vollstandige Widerstandsfahigkeit gegen 
die typhOse Infektion, gestalte jedoch den Verlauf der Infektion selbst 
zu einem minder schweren. Negri (Pavia). 

Franchetti, A., Ueber antitoxisches Paratyphusserum. (Zeit- 
schrift f. Hygiene u. Infektionskrankheiten. Bd. 60. 1908. H. 1. p. 127.) 

Nach den Untersuchungen von Franchetti kann man vom Para- 
typhus B wasserige Extrakte herstellen, welche auf Kaninchen toxisch 
wirken; die Filtrate durch Papier von alkalischen Bouillonkulturen 
desselben Bazillus sind auch manchmal, aber nicht gleichmaflig, toxisch. 

Das Blutserum der mit diesen Extrakten Oder Filtraten behandelten 
Kaninchen erlangt die Fahigkeit innerhalb bestimmter Dosen die toxische 
Wirkung der Extrakte zu neutralisieren. Es ist zweifelhaft, ob es auch 
die der Filtrate neutralisieren kann. 

Die neutralisierende Wirkung gegen die Gifte des Paratyphus B 
folgt nicht dem Gesetze der multiplen Proportionen. 

Diese antitoxischen Sera haben agglutinierende Eigenschaften und 
man kann in ihnen mittels des Pfeifferschen Versuchs bakterizide 
Substanzen nachweisen. • Sc hill (Dresden). 

Ghedini, G., L’attivitk agglutinante del siero di sangue 
degli influenzati sul bacillo di Pfeiffer. (Gazzetta degli 
ospedali e delle Cliniche. 1907. No. 135.) 

Verf. machte Untersuchungen uber das Agglutinations vermhgen des 
Blutserums der Influenzakranken auf den Pfeiffer schen Bazillus. Die 
Resultate seiner Versuche kann man zusammenfassen wie folgt: 

1. Die Agglutinationskraft des Serums war: 

a) in 4 Fallen eine sehr intensive (Vim, Vsoo, V200, Vsoo); 

Erete Abt. Refer. Bd. XLI1. No. 4/6. 12 


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178 


Neue Literatur. 


b) in 7 Fallen eine bedeutende * ioo« * 140 ? Vioo> */ioo* *ijo' 

a v 

1120 /i 

c) in 6 Fallen eine mittelmOige ‘go, 1 ; s0 , 1 iS0 , l 1#w i: 

d) in den iibrigen Fallen eine schwache (’ 20 , V t0 , l ; M , 1 noi 1 so . 

Vaoj */j o» 1 /io» 1 lib)‘ 

Da sich aus den Kontroll-Versuchen mit uormalen Blntseris ergibt. 
dafl letztere den Pfeifferschen Bazillus in einer durchschnittliehen 
Yerdiinnung von 1 j 20 nach 4—10 Stunden im Brutschrank agglutinieren. 
so folgt daraus, daB eine Reihe der Befunde keine besondere bio- 
chemische Bedeutung besitzt, und deshalb die entsprechenden Befunde 
vom klinisch-diagnostischen Standpunkte als negativ zu betrachten 
sind. Die elf negativen Befunde gekoren zu Influenzafallen, welehe 
zwar eine typische Symptomatologie, aber einen milden Verlauf und 
keine Bakteriamie zeigten, Oder zu Influenzafallen, welehe, obwohl sehr 
milde, nur nach mehreren Tagen auftraten. 

2 . Der hochste Intensitatsgrad des Agglutinationsvermogens des 
Serums ist bei Influenza nie durch hohe Zahlen vertreten, besonders 
wenn man die Zahlen mit denjenigen vergleicht, welehe man bei 
anderen Infektionen, z. B. Typhus, erhiilt. 

Ein einziges Mai war die Agglutination bis zu einer Yerdunnun? 
von 1 j s no und zweimal bis zu einer solchen von '; 2n0 eine rasche und 
sehr deutliche; es handelte sich dabei urn Sera, welehe von jungen und 
kraftigen, an einer aufiergewbhnlich akuten Influenza mit Bakteriiimie 
erkrankten Personen herstammten. 

Nichtsdestoweniger sind die durchschnittliehen Zahlen des Aggluti¬ 
nationsvermogens geniigend. um das letztere als spezifisch bezeiclmen 
zu konnen, da die Zahlen weit ab von den normalen stehen und von 
denjenigen welehe man erhiilt, wenn man anderweitige pathologisehe 
Sera anwendet, z. B. das Serum Typhus- oder Pneumoniekranker. 
welches den Pfeifferschen Bazillus nur bei einer durchschnittliehen 
Yerdiinnung von V 20 agglutiniert (sielie die entsprechenden Resultare 
von Cantani und Meunier). Bertarelli (Parma). 


Neue Literatur, 

zusammenge8tellt von 

Prof. Dr. Otto Hamann, 

Bibliothekar der Konigl. Bibliothek in Berlin. 


Allgemeines fiber Bakterien und Parasiten. 

Schultz, E.« Schule und Infektionskrankheiten. (Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 67. 19> 
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Neue Literatur. 


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B. Infektidse LokaUcrankhciten. 

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Letolle, Maurice, La botrymycose; son bistogen£se — sa nature parasitaire. (Joan 
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j tirztl. Wochenschr. Jg. 1908. N. 21. p. 8 y2—376.) 

Liebener, Die Bornasche Krankheit der Pferde. (Berk tiertirztl. Wochenschr. Jg. 1908. 
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1907. With appendices by W. C. Hossack 
and H. M. Crake, p. 122. 

Pianori, Miocardite da Influenza, p. 158. 

Port, F., Ueber Mischinfektionen bei 
Typhus abdominalis, p. 139. 

Pratt, Peabody and Lang, The occurence 
of typhoid bacilli in the stools of typhoid 
patients, p. 136. 

Babinowitsch, Marcns, Ueber die Riick- 
falltyphus-Epidemie in Kiew, p. 112. 

Beschetnikolr, A. P., K woprosu o tarba- 
ganje tschume (Tarbagan-Pest), p. 127. 

Bessel, Adolf, Ueber fakale Verunreini- 
gungen auf Obst und Gemiise, p. 156. 

Bhelndorf, Ciliatendysenterie, p. 185. 

Ricketts, Further experiments with the 
wood tick in relation to Rocky Mountain 
spotted fever, p. 113. 

Bieger, Wasserversorgung mit filtriertem 
Fluflwasser und Darmtyphus, p. 142. 

Rocchi, 6., Su alcune infezioni tifo-simili, 
p. 147. 

Rogers, Kala-Azar, its differentiation and 
its epidemiology, p. 116. 

Roily, Ueber eine Massenvergiftungs- 
epidemie mit Bohnengemiise (Bact. coli 
und Bact. paratyphi B.), p. 155. 

Bothberger, C. J«, Ueber die Wirkung 
des Giftes der El-Tor-Vibrionen. p. 129. 

Bnhemann, Zur epidemiologiscnen Be- 
deutung der Influenzabazillen, p. 157. 

Bnnel, H. L. u. Fuller, C. A., The longe 
vity of Bacillus typhosus in natural 
waters and in sewage, p. 136. 

SaathofT, Influenzasepsis und experimen- 
telle Influenzabazillenseptikfimie, p. 158. 

Sachs-Miike, Ktrnnen lebende Dysenterie- 
bazillen die Eiwand des frischen Hiihner- 
eies durchwachsen ? p. 129. 

-, Ueber die Moglichkeit der Ueber- 

tragung des Typhus durch Flaschenbier 
und Bierflaschen, p. 141. 

Sacqu6p6e, E., Les infections para- 
typhoides, p. 150. 


Sanitdtsbericht iiber die Kgl. Preuflische 
Armee, die Kgl. Sachsischen und das 
Kgl. Wttrttembergische Armeekorps fiir 
1904/05 p. 99. 

Schellack, C., Morphologische Beitrage zur 
Kenntnis der europaischen, amerikanischen 
und afrikanischen Bekurrensspirochaten, 

p. 110. 

Schnee, Die europaischen Infektionskrank- 
heiten auf den Marshallinseln, p. 103. 

Schuller, M., Ein Fall von Cholangitis 
und Cholecystitis typhosa bei einer chroni- 
schen Bazillentragerin, p. 143. 

Shiga, K., Typen der Dysenteriebazillen, 
ihr epidemiologisches Verhalten und sero- 
therapeutische Studien, p. 131. 

-, Epidemiologische Betrachtungen iiber 

die Dysenterie in Japan, p. 132. 

Smith, Fred. J., The influenza bacillus 
as a cause of fatal endocarditis after eight 
years? p. 159. 

Sofer, L., Ueber das Wesen und die Be- 
handlung des Schwarzwasserfiebers. p. 109. 

Sp&t; Ueber einen Fall von Innuenza- 
bazillenpyamie, p. 158. 

Terfllnger, Epidemic of glandular fever, 
p. 114. 

Thompson, J. Ashburton, Report of the 
board of health on plague in New South 
Wales, 1906. On the six outbreak of 
plague at Sydney, 1906, p. 122. 

Tiburti, N., Bakteriologische Unter- 
suchungen iiber eine Fleischvergiftungs- 
epidemie, p. 154. 

Tltze. Neueres iiber Fleischvergiftungen, 
p. 151. 

Toyama, Jahreszeit der Pestepidemie, p. 123. 

Trautmann u. Lorey, Ueber einen ins 
Hamburger Staatsgebiet eingeschleppten 
Fall menschlicher Bubonenpest, p. 123. 

Unna, Der h&mophile Pfeiffersche Bazillus 
(Influenza-Bazillus) als Erreger intraoku- 
larer Eiterungen, p. 160. 

Tisentini, A., Febbre estiva a carattere 
epidemico, p. 120. 

Wellmann, F. Creighton, Notes from An- 
ola, p. 105. 

erry, Walker and Howell, Plague 
among rats in San Francisco, p. 124. 

Wicheiii, Ueber einen Fall von Para- 
typhus B mit Herzmuskelverkalkung, 
p. 150. 

Wood, A mixed infection with tertian and 
quartan malaria occurring in a patient 
with symmetrical gangrene, p. 108. 

Woolley, P. G., Climatic bubos, p. 114. 

Ziemann. H., Zur Frage der Arteinheit 
der Malariaparasiten, p. 108. 

Untersuchungsmethoden, Instru¬ 
ments etc. 

Altobelli, A., SulT isolamento del bacillo 
del tifo, p. 161. 



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192 


Inhalt. 


Blnm, L«, Ueber die diagnostische Bede a- l 
tung der Angina ulcerosa typhosa, p. 172. I 

Crendiropoulo, M. and Sheldon, Amos B., { 
Further observation on the influence of j 
calcium chloride on the agglutination of j 
vibrios, p. 160. ! 

De Blast, Dante, Sulla deviazione del 1 
complemento nella malaria umana. p. lfU). i 

De Marchis, F. , Intorno alia diugnnsi 
batteriologica precoce del tifo e dolle iu- 
fezioni paratifuse, p. 163. 

Dunschniann, H., Method? simplitioe de 
la recherche du bacilie typhique dans les 
garde-robes, p. 163. I 

Engling u. GraUberger, Zur Kenntnis der . 
inagglutinablen Typhusstiimine, p. IBS. \ 

Frouin, Influence de sue intestinal sur le 
developpement du Bac. typhique et du j 
Bac. coli, p. 163. 

Germonig, R., Ueber die Tryptophan- i 
reaktion, besonders im Stuhl und in ! 
Bakterienkulturen, p. 172. I 

Herz, A., Beeinfiussung der Gruber-Widal- ; 
schen Beaktion ddrch sekuudiire Erysipel- j 
infektion, p. 166. 

Hesse, W., Kin neues Verfahren zur quan- 
titativen Bestimmuug der Darmbakterien 
mit besonderer Beriieksichtigung der 
Typhtisbazillen, p. 164. 

Hilgermann, Zum Ausbau der Gruber- 
Widalsehen Reaktion, p. 169. 

Kentzler, J., Beitrag zur Agglutination 
der Typhus-Coligruppe bei Lkterisehen 
Kranken, p. 167. 

Kentzler, Julias u. Kir&lyfl, Geza, Ueber 
den Wert des Komplementbindnngsver- 
fahrens in der Diagnose des Typhus ab- 
domimalis, p. 170. 

Klein, E., A contribution to bacteriological 
analysis of materials polluted with the 
bacillus typhosus, p. 162. 

Klemens u. Mahler, Ueber die Agglutina- 
tionskraft menschlicher Blutsera fiir 
Arten der Typhusgattung und der Koli- 
gattung, p. 165. 

Kraus, Lusenberger und Rnfi, 1st die 

Ophthalmoreaktion nach Chantemesse zu 
diagnostischen Zwecken bei Typhus ver- 
wertbar? p. 171. 

Landmann, G., Vergleichende Unter- 
suchungen fiber die Typhusdiagnose 
mittels Bazillenemulsion und Fickersehen 
Diagnostikums, p. 163. 

Lenehs u. Schbne, Ueber die Verwendbar- 
keit derKomplementbindung zur Typhus¬ 
diagnose, p. 170. f 

Liefmann, H., Fleischvergiftung und j 
Widalsche Reaktion, p. 167. | 


Link, Richard, Uel>er Hantreaktionen bei 
lmpfungen mit ahgetoteten Typhus-. 
Parimphus B- und Coli-Kulturen. p. 171. 

Micheli, F. e Borelli, L., Sulla deviaziiQ* 
del complemento, con speoiale rieruard. 
al suo valore per la diagm»si del tiiu, 
p. 169. 

Orszag, Oscar, Ueber den diagnosti^-brii 
Wert der Ophthalmoreaktion bei Typbu 4 
abdominalis, p. 172. 

Pies, W., rutersuchungen fiber die Wackr 
tumsgeschwindigkeit der Typhusbazilirt 
in Guile, p. 161. 

Silvestri, Del valore proguostico del rc- 
more di milza nella febbre tifoidea. p. 163 

Schutzlmpfnng, kfinstltche Lnfektiou*- 
krankheiten, Entwlcklnngshemmunr 
und Verniehtung der Bakterien. 

Ariukin, M., Zur Kenntnis der Tuxisf 
(Kndotoxine) der Vibrionen, p. 176. 

Bosurgi, E«, Di un uuovo mezzo di di- 
stnizione delle zanzare malariche. p. 178 

Celli, Angelo, The campaign against Ma¬ 
laria in Italy, p. 173. 

-, Chinintaunat in Fallen von idiosyn- 

krasischer, selbst hamoglobinuri^ch^r 
Intoleranz gegen in Wasser loslich? 
Chininsalze, p. 174. 

Franchetti, A,, Ueber antitoxisehes Pari¬ 
ty phusserum, p. 177. 

Georgopulos, M., Die Behandlung der 
Malaria mit Atoxyl, p. 174. 

Ghediui, G,, L'attivita agglutinante del 
siero di sangue degli induenzati suJ b&- 
cillo di Pfeitier, p. 177. 

Howard, R., Malarial prophylaxis in smdl 
communities in British Central Africa, 
p. 174. 

Marini, N., I/immunitA germinale nel tii*\ 
p. 176. 

Naegeli- Akerblom, H.. u. Vernier, P., 

Zur Frage der Therapie der Schlafkrank- 
heit, p 175. 

Sofer, Die Bckiimpfung der Malaria in 
Oesterreich, p. 173. 

Watson, Malcolm. Experiments towards 
the prevantion of malaria in the Fede¬ 
rated Malay States, p. 175. 

Wolff-Eisner, Typhustoxin, Typhusami- 
toxin und Typhusendotoxin. Die Be- 
ziehungen zwischen Ueberempfindlichkcit 
und Immunitiit, p. 176. 

Ziemann, Ueber Malariaprophylaxe in un- 
kultivierten Gegenden, p. 175. 

Neue Llteratnr, p. 178. 


Lippert & Co. (G. Piitz’sche Buchdr.), Naumburfc a S. 


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I 



Centralbl. f. Bakt. etc. I. Abt. 


oa 

im' 

Im - 

Original-Referate aus bakteriologischen and parasitologischfen 



Hi# 

aai 


Instituten, Laboratorien etc. 


Nachdmck verboten. 


Aus clem bakteriologischen Laboratorium der Kaiserlichen militar- 
medizinischen Akademie zu St. Petersburg. 

ITCc . 


$$ ; 


Ueber Opsonine und Antiphagine bei der 
Pneumokokkeninfektion. 


Yon Prof. Dr. N. Tschistowitsch und Privatdozent Dr. W. Jurewitsch. 

irfe 

Daj’ff 

Bei unseren Studien der Yerilnderungen im Opsouingehalte des Hunde- 
blutes bei Pneumokokkeninfektion nach der Methode von Wright haben 
’ wir die interessante Tatsache festgestellt, daB stark virulente Diplokokken, 
die nach mehreren Passagen dnrch Kaninchen auf erstarrtem Serum kulti- 
P* yiert warden und mit gut erhaltenen Kapseln yersehen waren, in 0,85 Proz. 
Kochsalzlosung emulgiert und mit Hundeleukocyten vermischt selbst bei 
15 — 30 Minuten langem Verweilen des Gemisches im Thermostaten so gut 
^ wie gar nicht phagocytiert werden. Dasselbe haben wir nicht nur bei 
Leukocyten normaler Hunde beobaclitet, sondern aucli eines Hundes, 
o der einer wiederholten Pneumokokkeninfektion widerstanden und voll- 
standig sich erholt liatte. Wenn wir aber dieselbe Diplokokkenkultur 
' griindlich mit physiologischer Kochsalzlosung abgewaschen batten, so 
-.wurden dieselben Diplokokken, obwolil sie ihre Kapseln beim Abwaschen 
W nicht verloren batten, sehr gut phagocytiert. 

Weiter haben wir konstatiert, dafi mit Kochsalzlosung abgewaschene 
; und gut der Phagocytose unterliegende Diplokokken, wenn man sie 
wieder mit der von der ursprunglichen Diplokokkenemulsion abzentri- 
iitfugierten Fliissigkeit vermischt, die Fahigkeit, phagocytiert zu werden, 
wieder verlieren. 

^ Aus diesen Versuchen miissen wir den SchluB ziehen, daB das Aus- 
bleiben der Phagocytose der nichtgewaschenen virulenten Diplokokken 
!-"iicht yon dem Opsoninmangel im Blute, sondern von der Anwesenheit 
■spezieller Stoffe in der Diplokokkenkultur abhangt, die die Phagocytose 
,'irulenter Diplokokken verhindern. Diese Stoffe schlagen wir vor, 
Antiphagine zu nennen. Die Diplokokkenantiphagine sind spezifiscli, 
La ihre Anwesenheit nur das Phagocytieren derjenigen Bakterienart, 
-on welcher sie stammen, verhindert, dagegen die Phagocytose anderer 
: ';ug'emischter nichtvirulenter Mikroben (Staphylokokken, Typhusbazillen) 
,-anz ohne EinfluB laBt. Die Diplokokken, die ihre Yirulenz eingebtifit 
j. laben, verlieren auch ihre Antiphagine. Durch neue Passagen durch 
kaninchen restituieren die Diplokokken ihre Yirulenz und ihre Fahigkeit, 
• antiphagine zu produzieren. 

Die Antiphagine behalten nach eine Stuude langem Erwarmen bis 
pp- —95° und nach 20 Minuten langem Kochen bei 100° ihre phagocytose- 

Erste Abt. Refer. Bd. XLII. No. 7/8. 13 


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194 


Allgemeines uber Infektions-Eurankheiten. 


hemmende Wirkung. Antiphagine, die von Diplokokken stammen, welche 
durch Kaninchenpassagen verstarkt warden, schiitzen dieselben Mikroben 
nicht nur gegen Kaninchenleukocyten, sondem auch gegen Hunde- 
leukocyten. 

Was die Stellung der Antiphagine zwischen den anderen Bakterien- 
produkten betrifft, so unterscheiden sich die Diplokokkenantiphagine 
von den Toxinen durch ihre Temperaturbestandigkeit: die Pneumo- 
kokkentoxine werden, nach Klemperer and Issaeff, schon bei 60 
bis 70° zerstort. Auf Leukocyten iiben die Antiphagine keine bemerk- 
bare toxische Wirkung, weil man bei ihrer Anwesenheit keine Hemmang 
der Phagocyten anderer Bakterien konstatieren kann. 

Von den Bailschen Aggressinen unterscheiden sich die Antiphagine 
dadurch, dafi sie keine aggressive Eigenschaften wahrnehmen lassen, 
aber da nach den Angaben von Bail, Kikachi, Levy and Fornet 
die Aggressine aach eine phagocytosehemmende Wirkung zeigen, so 
muB man denken, daB die aggressiven Exsudate von Bail zwischen 
den anderen Bakterienprodakten auch Antiphagine enthalten. 

Was ihre Beziehung za den Opsoninen betrifft, so scheint uns 
wahrscheinlich, daB die Antiphagine von den Mikroben als eine Art 
Schutzvorrichtang erzeugt werden, daB sie „Antiopsonine“ sind; man 
kann aber ebenso eine entgegengesetzte Hypothese aufstellen, daB die 
Opsonine „Antiantiphagine“ sind. 

Das Vorhandensein der Antiphagine in den Kulturen von virulenten 
Diplokokken mufi beim Bearteilen der Resultate der Phagocytoseindex- 
bestimmangen beriicksichtigt werden. 1 ) (Autoreferat.) 


Referate. 


Kolle, W. and Wassermann, A., Handbuch der pathogenen 
Mikroorganismen. Zweiter Erganzungsband, H. 1. Jena (Gustav 
Fischer) 1907. 

Dem ersten Erganzungsband des groB angelegten Handbaches ist 
rasch ein zweiter gefolgt, dessen erstes Heft vorliegt, ein Beweis, wie 
notwendig bei der Fiille der in den letzten Jahren erschienenen bakterio- 
logischen Literatur die Herausgabe der Erganzungsbande war. Gott- 
schlich gibt Nachtrage zar allgemeinen Morphologie and Biologie der 
Bakterien. Es muB bei Darchsicht dieses Kapitels wiederum der groBe 
FleiB and die sorgfaltige Kritik hervorgehoben werden, welche aach bei 
Besprechung des Gottschlichschen Abschnittes im ersten Bande des 
Handbaches betont warden. Das Kapitel „Pest“ ist wiederum yon 
Dieudonn6, dem Teilnehmer der deutschen Pestexpedition, in treff- 
licher Weise bearbeitet worden. Die Epidemien der letzten Jahre, die 
epidemiologischen Erfahrungen uber die Bedeutung der Ratten fur die 
Verbreitung der Pest and die zahlreichen experimentellen Arbeiten 
gaben dem Verf. reichlichen Stoff, seine im zweiten Bande enthaltene 


*) Russky Vratsch. N. 20. 1908. 


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AUgemeines fiber Infektions-Krankheiten. 


195 


Monographic zu erganzen. Der Nachtrag liber Diphtheric ruhrt von 
Scheller her (die einschlagigen Eapitel im Handbuch waren von 
Beck nnd Wernicke geschrieben worden); das Literaturverzeichnis 
der letzten Jahre zeigt, dad auch in diesem Eapitel ein grodes Material 
zn sichten war. Neu und wertvoll fiir das Handbnch ist das Eapitel 
„Gelbfieber“, welches allerdings erst in den letzten Jahren Gegenstand 
erfolgreicher experimenteller Forschung geworden ist. Es braucht nicht 
erst besonders hervorgehoben zn werden, dad dieses Eapitel seitens 
M. Ottos eine sehr sachverst&ndige Bearbeitung gefunden hat. Der 
Verf. hat znsammen mit Neumann die vom Hamburger Staat aus- 
geriistete Gelbfieberexpedition nach Brasilien geleitet und bereits ge- 
meinsam mit diesem eine interessante Gelbfieberstudie in der Zeitschr. 
f. Hygiene verbffentlicht. Eine Anzahl von Photographien veranschau- 
licht den wichtigen Abschnitt uber die Prophylaxe des Gelbfiebers. 

Lydia Rabinowitsch (Berlin). 

/ 

Nelder,M., EinigesuberangewandteBakteriologie. (Zeitschr. 
f. Hygiene u. Infektionskrankheiten. Bd. 59. 1908. p. 225.) 

M. Neider bespricht die Stellung des Bakteriologen gegeniiber 
den an ihn herantretenden Aufgaben. Er wendet sich iusbesondere 
gegen die Art der Inanspruchnahme des Bakteriologen durch Eollegen, 
von denen manche, statt den Bakteriologen zu konsultieren, als sachver- 
standigen Berater, ihm „Anregungen“ geben wollen Oder Untersuchung 
.interessanter Falle“ verlangen ohne genaue Umgrenzung des Ziels der 
Untersuchung, Oder eine klinische Vermutung bakteriologisch gestutzt 
Oder verneint wissen wollen, ohne geeignetes Material zur Yerfugung 
zu stellen. Die Bakteriologie kann fiir die klinische Diagnostik, zur 
Aufklarung eigenartiger Falle und Ergriindung atiologischer Probleme 
nur dann Wert voiles leisten, „wenn der Bakteriologe Sachverstandiger 
und Berater des Arztes ist, nicht nur sein bakteriologischer Kuli“. 

Neider schildert dann den Betrieb bakteriologischer Laboratorien, 
von denen er drei Typen unterscheidet: das bakterioskopische Zimmer 
1. for die klinische Diagnostik eingerichtet fiir alle Fragen, welche sich 
durch Mikroskopie und Reaktionen Ibsen lassen, 2. die bakteriologische 
Untersuchungsstation fiir medizinalamtliche Zwecke, eingerichtet fiir 
Herrichtung und Sterilisierung der Entnahmegefade, Herrichtung der 
Xahrboden und die Ziichtung und 3. das komplette bakteriologisch- 
hvgienische Laboratorium fur hygienisch-bakteriologische Aufgaben 
gToderen Umfangs. Scharfe Abgrenzung der Aufgaben und Ziele eines 
der drei Laboratorien und richtige Bemessung der Raumlichkeiten, des 
Etats, der Zahl und Art des Personals wird einen alien berechtigten 
Anforderungen entsprechenden Betrieb entstehen lassen. 

Schill (Dresden). 

Bledert, Ph. u. Weigand, 0., Das Medizinalwesen in Elsad- 
Lothringen auf Grund amtlichen Materials. 272S. Strad- 
burg (L. Beust) 1907. Brosch. 6,50 M., geb. 7,50 M. 

Das Buch verdankt sein Entstehen einem langst und dringend 
empfundenen Bediirfnis. Schon durch Schreiben vom 24. Dezember 1906 
weist der Vorsitzende der Eommission fur die Ereisarztpriifung in den 
Reichslanden auf die geringen Eenntnisse der Priifungskandidaten in 

13* 


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196 


All^euieiues ttber Bakterien. 


der Medizinalgesetzgebung der Reichslaude hin (vgl. S. 181 des Buclis). 
Es war allerdings bislier einem Kandidaten kaum zuzumuten, die Ge- 
setze und Verfiigungen, die sich, nur nach dem Datum der Bekannt- 
machung geordnet, im Jahrbuch der Medizinalverwaltung Ton 1888 an 
und im Archiv fur bifentlicbe Gesundheitspflege in ElsaB-Lothringen 
Bd. I—XI zerstreut vorfanden, zusammen zu sucben. Die Herren Verff. 
waren die berufenen Autoren fur eine zusammenfassende Dar6tellung 
der reichslandischen Medizinalgesetzgebung. Der Inhalt ist sachlich 
nach Stichworten alphabetisch geordnet. Er enthalt neben der Angabe 
der Gesetze, Ministerialerlasse, Bezirkstagsverhandlungen usw. in alien 
wichtigeren Fallen eine kurze Inlialtsangabe mit wenigen aber aufierst 
pragnant und instruktiv gewahlten Worten. Das Buch ist fur alle, die 
mit der Medizinalgesetzgebung ElsaB - Lotliringens nach irgendeiner 
Richtung hin zu tun haben, unentbehrlich. Bei der Yielseitigkeit der 
modernen Medizinalverwaltung wird das Buch sicher auch zahlreiche 
Leser auBerhalb des Arztestandes linden. Hirschbruch (Metz). 

Berghaus, Ueber die Ammoniakbildung bei einigen Bak¬ 
terien arte n. (Arch. f. Hygiene. Bd. 64. 1908. Heft 1. S. 1—32.) 

Nachdem Rubner den zahlenmaBigen Beweis erbracht hat, daB 
von den durch die Lebenstatigkeit der Bakterien hervorgerufenen 
chemischen Umsetzungen nur der kleinere Teil zum Wachstum, der 
groBere aber zum Stoffwechsel, dem Umsatz, dient, hat Berghaus 
einen speziellen Vorgang im Bereiche dieser Umsetzungen, die NH„- 
Bildung naher untersucht. Dabei benutzte er Bouillonkulturen von 
Bad. proteus vulg.. Bad. coli , Typlmsbacillus, Bac. faecalis alcaligenes, 
Choleravibrio, Bac. prodigiosus. Er bestimmte die Gesamtproduktion 
von NH S bei jeder einzelnen untersuchten Bakterienart quantitativ nach 
der Methode von Schlosing. Er kommt zum Resultat: 

In Kulturen der untersuchten pathogenen Keime erreicht die NH S - 
Menge niemals eine sehr bedeutende GroBe, die NH,-Erzeugung geht 
tiber die Periode des Wachstums und der Anwesenheit kulturfahiger 
Keime hinaus. 

Bei den untersuchten Saprophyten, die sich in der Nahrldsung 
langere Zeit kulturfahig halten, erreicht die NH S -Menge in der Kultur 
gerade nach langerer Zeit besonders hohe Werte. Der NH g -Gehalt der 
Bouillon steigt nach der zweiten Woche besonders stark an. Entweder 
wird dann mehr NH S erzeugt Oder in der Fliissigkeit besser gebunden. 

Die bessere Bindung, nicht eine verminderte Verdunstung an sicb 
spielt hier die Hauptrolle. Verf. bestimmte die NH 8 -Bildung von Bad. 
coli und Bad. pivtcus, indem er auch die verdunstende Menge NH S 
quantitativ bestimmte. Im Anfang ist der Verlust an NH g durch Ver¬ 
dunstung im Verhaltnis zur Gesamtproduktion sehr groB, im weiteren 
Verlauf wird das NH g besser gebunden und zuriickgehalten. Nament- 
lich in alteren Kulturen von Saprophyten ist die NH g -Abspaltung und 
dessen Bindung besonders gut, wenn starke Neigung zum Sedimentieren 
eintritt. 

NH g -Bildung findet auch durch fermentative Zerlegung des Nahr- 
bodens statt, aber in nur geringem Umfange. Dies wurde mittels einer 
Kultur von Bad. proteus festgestellt, deren Keimzahl nach 24 stiindigem 
Wachstum festgestellt wurde. Dann warden die Keime mittels Toluol 


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Allgemeines iiber Bakterien. 


197 


abgetotet. Zur Kontrolle diente ein Kolben mit der gleichen Menge 
Xahrtlussigkeit. Es warden nur nocli geringe Meugen NH 8 gebildet. 

Lieberknecht (Posen). 

Xawiasky, Ueber die Ernahrung einiger Spaltpilze in 
peptonhaltigen Nahrboden. (Arch. f. Hygiene. Bd. 64. 1908. 
Heft 1. S. 33-61.) 

Als Nahrlosung wurde Fleischextrakt verwendet, das direkt aus 
Fleisch hergestellt wnrde. Diesem wurden noch Wittes Pepton und 
Kochsalz zngesetzt, dann wurde die Losung alkalisiert und sterilisiert. 
Sodann wurden die Losungen beimpft, bei 34 °—35° im Brutschrank 
gehalten und in bestimmten Zeitintervallen untersucht. Es wurden zu 
den Experimenten Vibrio Finkler, Faecalis alcaligenes, Bac. mesenterkus 
und Proteus verwandt. 

Vibrio Finkler nahm Albumosen, Peptone und den Rest-N (Extraktiv- 
stoffe) auf, am meisten yon den beiden ersten. Faecalis alcaligenes be- 
nutzt wenig Albumosen, sehr viel Pepton, greift auch das Kreatin an. 
Bac. mcsentericus benutzte besonders Albumosen, Pepton; spater auch 
wenig Kreatin und Aminos&ure. Proteus brauchte viel Albumosen, 
weniger Pepton und weniger Kreatin. Bei Proteus liegt die umfang- 
reiehste Yerwertung N-haltigen Materials vor, er ist unter den unter- 
suchten Keimen der einzige, der als echter Faulniskeim aufzufassen ist. 

Lieberknecht (Posen). 

Hilgermann, Lebensfahigkeit pathogener Keime in Kehricht 
und Miill. (Arch. f. Hygiene. Bd. 65. 1908. Heft 3. p. 221—234.) 

Verf. untersuchte die Lebensfahigkeit von pathogenen Bakterien 
(Typhus, Paratyphus, Dysenterie, Pseudodysenterie (Flexner), Cholera 
und Miizbrand) in nicht vorher sterilisiertem Kehricht, den er im 
Keagenzglase mit der Platinose impfte, Oder in welchen er ca. 1 qcm 
grolle mit Bakterienemulsion infizierte getrocknete Leinwandlappchen 
brachte. Die Rohrchen wurden bei Zimmertemperatur und diffusem 
Tageslicht Oder bei Sonnenbestrahlung, bei Kellertemperatur gehalten 
und auch den Witterungseinfliissen im Freien often ausgesetzt. In einer 
zweiten Yersuchsreiche wurde die Lebensfahigkeit der pathogenen 
Bakterien im Mull zu verschiedenen Jahreszeiten und bei verschiedener 
Zusammensetzung des Mulls (Kiichenabfalle, Asche) gepriift. Es stellte 
sich lieraus, dafl im Stubenkehricht unter den verschiedensten Tempe- 
raturbedingungen Typhusbazillen uber 40 Tage, Paratyphus B-, Pseudo¬ 
dysenterie- und Milzbrandbazillen uber 80 Tage lebensfahig blieben, 
Dysenteriebazillen starben nach 19tagigem Aufenthalt im Kehricht, 
wenn sie an Leinwandstuckchen angetrocknet waren, Choleravibrionen 
erhalten sich nicht 24 Stunden lebensfahig unter den angegebenen Ver- 
lialtnissen. Aus Kohlenaschenmlill konnten die Typhusbazillen nach 
115 Tagen, Paratyphus nach 136 Tagen, Dysenterie nach 48 Tagen, 
Pseudodysenterie nach 69 Tagen noch geziichtet werden, der modernde 
Kiichenabfalle enthaltende Miill vernichtete ihre Lebensfahigkeit nach 
4 bzw. 3 bzw. 24 bzw. 20 Tagen. Der Staub in der Umgebung der 
infizierten Stoftstiickchen erwies sich bei Typhusbazillen infektios. 

y. Leliwa (Posen). 


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198 


Erkrankuiigen der Luftwege. 


Nobdcourt, Duree comparee de la vie de quelques microbes 
dans l’eau de viande, l’eau de riz, l’eau de haricots. 
(Jonrn. de physiol, et de pathol. gener. T. 9.1907. No. 6. p. 1023—1028.) 

Verf. hat neben Fleischwasser einen wasserigen Auszug von stick- 
stoffhaltigen Vegetabilien wie Bohnen und Reis als Nahrmedien fur ver- 
schiedene Keime beniitzt. Er fand, dad die Keime in Bohnenwasser 
sich sehr gut entwickelten und ihre Lebensfahigkeit lange bewahrten, 
besser als in Fleischwasser. In Reiswasser wuchsen die Keime schlecht. 
Der Stickstoffgehalt scheint ohne Einflufl auf die Lebensfahigkeit der 
Keime zu sein. Dieterlen (GroB-Lichterfelde). 

Davis, Bacteriology of the respiratory tract. (Jonrn. of the 
Americ. med. Ass. Vol. XLVIII. 1907. No. 19.) 

Ergebnisse der bakteriologischen Untersuchungen des Respirations- 
traktus bei verschiedenen Krankheiten, namentlich mit Bezug auf 
influenzaahnliche Bazillen. Verf. fand die letzteren gelegentlich bei 
Gesunden, sehr oft bei verschiedenen Infektionskrankheiten, besonders 
bei Keuchhusten. Sie sind fur Menschen pathogen; ihre Spezifizitat ist 
jedoch zweifelhaft; sie sind als Sekundarinfektionen anzusehen; aber 
auch primare Infektionen sind als moglich zu betrachten. Bei Tieren, 
denen man influenzaahnliche Bazillen injizierte, wurde Bildung von 
spezifischen Agglutinen bewirkt und wahrscheinlich auch Steigerung der 
Opsonine. Boufiek (Prag). 

Winkler, Bakteriologische Befunde bei Erkrankungen der 
oberen Luftwege nebst einigen Schluflfolgerungen fur 
die Praxis. (Verhandlungen des Vereins deutscher Laryngologen. 
1906. S. 109.) 

Es warden 97 Gaumen- und 74 Rachenmandeln auf den Erreger 
der wiederholten Entzundungen gepruft. 

Gaumen- und Rachentonsille desselben Patienten wurden in 3 Fallen 
als steril bezeichnet. 

In 16 Fallen war die Rachenmandel keimfrei, wahrend die Gaumen- 
mandeln Streptokokken, Staphylokokken, Diplokokken, diphtherieahn- 
liche Stabchen enthielten und zwar immer mehrere Erreger zur gleichen 
Zeit auf einer Tonsille. 

In 9 Fallen zeigten Gaumen- und Rachentonsillen die gleiche Rein- 
kultur und zwar 1 mal Diplokokken, 7 mal Streptokokken, 1 mal Staphyl. 
pyog. aureus. In 7 Fallen fanden sich Mischinfektionen mit Strepto-, 
Staphylo- und Diplokokken sowie diphtherieahnliche Stabchen, letztere 
nur in 1 Fall. 

In den Fallen, bei denen nur die Rachentonsille entfernt wurde. 
wurde 7 mal das Gewebe keimfrei gefunden, 2 mal Reinkulturen von 
Staph, aur., 5 mal Diplokokkus, 7 mal Streptokokkus. 

18 mal fanden sich Mischinfektionen von Strepto-, Staphylo-, Diplo¬ 
kokken. 

34 mal Reinkulturen und zwar 28 mal Strepto-, 4 mal Staph, aur., 
lmal Staph, aur. et alb., lmal Diplokokkus. 

7 mal fanden sich Mischinfektionen. 

14 Erwachsene wiesen in ihren Gaumentonsillen nur Reinkulturen 
auf und zwar 13mal Streptokokken, lmal Staphylokokken. 


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Erkr&nkungen der Luftwege. 


199 


In fiber 50 Proz. des untersuchten Mandelmateriales fand sich also 
der Streptokokkus. 

Ferner wnrde auch das Granulationsmaterial von erdffneten Neben- 
hohlen nntersucht, und hierbei unterschieden nach dem makroskopischen 
und mikroskopischen Befund, Polypenbildung in der KieferhShle nnd 
den Siebbeinzellen, Eiterung obne Polypenbildung, ebenso bei der Stim- 
hohle und den Siebbeinerkrankungen. Die bakteriologische Untersuchung 
stellte Streptokokken, Staphylokokken und Diplokokken bald allein, bald 
in Mischform fest, als Einzelbefunde wird der Bac. mucosus, Influenza- 
bazillus, Bac. pyocyaneus , Pseudodiphtheriebazillus und Stabchen genannt. 

Bei nach einem endonasalen Eingriff aufgetretenen Anginen wnrde 
1 mal der Bac. fusiformis mit Spirillen, im fibrigen die schon genannten 
Erreger festgestellt. 

In 3 Fallen mikroskopisch festgestellter Nasentuberkulose fanden 
sich in den Granulationen Streptokokken und Staphylokokken. 

Bei einem an Scharlach mit Diphtherie erkrankt gewesenen Knaben, 
der seinen Bruder nach seiner Genesung mit Diphtherie infiziert hatte, 
wurden 9 Monate lang in den Krypten der Tonsillen virulente Diph- 
theriebazillen festgestellt. Ebenso wnrde in einem weiteren Fall, in 
dem die Tonsillen, das Velum, die hintere Rachenwand, der Nasenrachen- 
raum mit Exkreszenzen bedeckt waren, die als Mykose imponierte, 
virulente Diphtheriebazillen festgestellt. 

Die Abstriche aus der NasenhShle bei verschiedenen Formen der 
Rhinitis konnten einen einheitlichen Erreger fur bestimmte Prozesse 
nicht zutage fordern. Bei alien Untersuchungen wiegen die Strepto- 
kokkeninfektionen weit vor. 

Verf. zieht aus seinen Untersuchungen den Schluil, dafl Eingriffe 
recht lange nach vdlligem Abklingen der entzttndlichen Erscheinungen 
vorzunehmen sind, well wir nicht wissen, wie lange die Streptokokken 
virnlent bleiben. Hafilauer (Mttnchen). 

Bartenstein, L. u. Tada, G., BeitrSge znr Lungenpathologie 
der Sauglinge. Mit 5 Abb. u. 9 Taf. Leipzig und Wien (Franz 
Deuticke) 1907. 

Die beiden Verfasser haben die von dem zu frfih verstorbenen 
Gregor begonnenen Arbeiten fiber die Aetiologie und Patho- 
genese der namentlich im Verlaufe von akuten Oder chronischen Er- 
nahrungsstOrungen auftretenden Pneumonie der Sauglinge zu Ende ge- 
fulirt. Nach eingehender Besprechung ihrer Untersuchungstechnik 
schildern sie zunachst die Entwicklung, danach die Form nnd Groflen- 
verhaltnisse der Lungen, dann den Thorax nnd die Atmung der Saug- 
liuge ziemlich ausschliefilich nnter Wiedergabe frfiherer Forschungs- 
ergebnis.se. Den breitesten Teil des Bnches nimmt die Schilderung der 
Siiaglingspneumonie ein. Hier scheint es mir wichtig, des von den 
Autoren eingehend beschriebenen Symptomes „des hochgewolbten Thorax" 
zu gedenken. Die Pneumonie der Sfiuglinge nimmt — wie schon Gregor 
zeigte — ihren Ausganspunkt stets von der Gegend des Hilus; sie 
nimmt allmahlich den ganzen hinteren Abschnitt der Lunge ein und 
riickt erst bei sehr langem Bestande in die mittleren und vorderen 
Partien der Lnnge vor. Gregor wfihlte fur diese Pneumonien der 
ursprunglichen Lokalisation halber den Namen „paravertebrale Pneu- 


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200 


Erkrankuugen der Lnftwege. 


inonie". Bei der Entwicklung derselben spielen uach den 
Untersuchungen der beiden Autoren Hikroorganismen gar keine 
Rolle; werden im Gewebe Oder in den Luftwegen Bakterien gefunden, 
so steken sie in keiner atiologischen Beziehung zu der vorhandenen 
oder sich entwickelnden Pneumonie, sondern bilden eine sekundare 
Erscheinung. Die paravertebrale Pneumonie der Sanglinge entwickelt 
sich vielmehr auf der Basis einer Zirkulationsstbrung, die durch die 
verschiedensten Ursachen hervorgerufen sein kann; zu ihr treten als 
begiinstigende Momente die physiologischen Verhaltnisse beim Saugling 
(Form der Atmung usw.) und mannigfache Einfliisse, die sich aus der 
zugrunde liegenden Ernahrungsstorung ergeben. Die Autoren nennen 
wegen der von ihnen behaupteten primaren Nichtbeteiligung der Mi- 
kroben an dem LungenprozeB diese Form der Pneumonie die r para- 
vertebral-hypostatische“. Bei der Besprechung der sekundaren Ver- 
hnderungen schildern die Verf. an Hand der experimentellen Literatur 
die Moglichkeit der Aspiration von Mikroben; leider sind ihnen dabei 
prinzipiell wichtige Untersuchungen des letzten Jahres entgangen. Wenn 
die Autoren sagen: „Die Tatsache, daB wir in den fortgeschrittenen 
Stadien der Pneumonie reichlich Bakterien in unseren Praparaten nach- 
weisen konnten, gibt uns die Gewahr, daB unsere Methode der Bakterien- 
farbung eine zuverlassige war, und daB das Fehlen von Bakterien in 
den Anfangsstadien nicht etwa auf einem technischen Felder beruht", 
so darf dieser Satz nich unwidersprochen bleiben. Nur durch peinlichst 
vorgenommene kulturelle Untersucliung vermag das Fehlen von 
Bakterien in einem Organ nachgewiesen zu werden. Untersuchungen 
von Organschnitten erlauben — wenn es sich nicht um Anluiufung 
groBer Bakterienmengen handelt — keine endgiiltige Entscheidung. Ref. 
hat sich hiervon durch vergleichende Untersuchungen 
(gerade an der Lunge) geniigend iiberzeugt. 

Am Schlusse der Arbeit besprechen die Verfasser noch die akute 
katarrhalische Pneumonie (Bronchopneumonie, lobulare Pneumonie), 
schlieBlich ganz kurz die seltenere akute lobare (kruppbse, iibrinose) 
Pneumonie der Sauglinge. 

Der Arbeit sind eine groBe Reihe guter Tafeln beigegeben. 

Albert Uffenheimer (Hunchen). 

Lubenau, Experimentelle Staubinhalationserkrankungen 
der Lungen. (Arch. f. Hygiene. Bd. 63. 1907. Heft 4. p. 391), 

Die Ergebnisse der Untersuckuugen werden folgendermaBen zu- 
sammengefaBt: 

1. Je feinkorniger eine Staubart ist, desto leichter wird sie nicht 
nur eingeatmet, desto leichter gelangt sie vielmehr auch in das inter- 
stitielle Lungengewebe; hier ist sie stets reichlich abgelagert anzu- 
treffen und nach dem Grade ihrer Schlidlichkeit ruft sie pathologische 
Yeranderungen verschiedener Ausdehnung hervor. Diese stellen sich 
entweder als akute, katarrhalische Lungenentziindungen dar oder be- 
stelien in chronischen interstitiellen Wucherungen von flachenhafter 
Ausdehnung, so daB ganze Lappen veroden konnen. Die Alveolarepithelien 
beteiligen sich mehr oder minder stark an dem WucherungsprozeB; ge- 
gebenenfalls, so beim Kalkspat, konnen dieselben ganz uberwiegen. 

In erster Linie tragen die mineralischen und metallischen Staub- 


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Erkrankungen der Luftwege. 


201 


arten den feinkornigen Charakter, den man jedoch anch bei den organi- 
schen StofFen, so dem Tabak, Hanf, Elfenbein and besonders Kohle an- 
trifft; dieselben gleichen also in ihrer Wirknngsweise den Mineralien 
and Metallen. 

2. Viele andere organische Snbstanzen dagegen, wie Holz, Leder, 
Filz, Papier geben einen mehr grfiberen, faserigen Staub, dessen oft 
spitze and scharfe Fragmente nicht in das interstitielle Lungengewebe 
eindringen, sondern sich in den Bronchien festsetzend, hier vornehmlich 
ibre Wirknng entfalten, indem sie mehr Oder minder starke eitrige Oder 
schleimig-eitrige Katarrhe erzeugen; von letzteren ans entwickeln sich 
Bronchopneumonien Oder chronische, interstitielle Wacherungen, die sich 
vornehmlich am die Bronchien gruppieren. In das interstitielle Ge- 
webe gelangen nar gelegentlich feine Teilchen der grfiberen Fragmente. 

3. Im Widerspruch mit den Beobachtangen Arnolds, der erst nach 
monatelanger Einwirkang grfibere Lungenver&nderangen nachweisen 
konnte, lehren diese Versache, dad schon nach einer relativ kurzen 
Inhalationsdauer (1 Woche) sich im Laofe der Zeit (*/* Jahr), wahrend- 
dessen eine Staabeinatmung ausgeschlossen war, die schwersten Lungen- 
verfinderungen entwickeln kOnnen, falls eine gentigende Menge gesund- 
heitsschadlichen Staubes in die Langen dringt, da die Staabreinigung 
sich sehr allmahlich vollzieht. 

4. Die Stanbreinigang kann anch recht verschieden ablanfen, so 
war sie z. B. beim Sandstein, Elfenbein, besonders anch bei Blende and 
anch Chamotte nach Ablauf eines halben Jahres fast komplett, wfihrend 
zu dieser Zeit Beste z. B. von Dolomit and Bleiglanz, Kalkspat, Erz- 
gestein, Marmor, Granit, Ziegel, Thomasschlacke sogar noch in den 
Alveolen deutlich nachweisbar waren. 

5. Es kQnnen indes anch Staubarten, bei denen sich die Reinigong 
der Langen relativ leicht vollzieht, wie z. B. Chamotte, nichtsdesto- 
weniger sehr erhebliche Veranderungen znrtlcklassen. 

6. Einen Ueberblick fiber die Gefahrlichkeit der verschiedenen Sab- 
stanzen, mit denen experimentiert wurde, gibt folgende Zasammen- 
steJlnng: Am schadlichsten waren: Chamotte, Thomasschlacke, Kalkspat, 
Erzgestein, Dolomit and Bleiglanz, Bronze, Holz, Elfenbein, Hanf, Tabak, 
Horn. — Weniger gefahrlich waren: Sandstein, Porzellan, Cement, Glas, 
Chausseestaub, Tonschiefer and Grauwacke, Galmei, Stanb ans einer Ge- 
treidemuhle. — Relativ nngef&hrlich waren: Granit, Marmor, Gips, Ziegel, 
Blende, Leder, Papier, Filz and besonders KohlenruB. 

7. Ans den erheblichen Unterschieden, die die oben beschriebenen 

Langenprozesse an Ansdehnnng and Intensitfit aafweisen, als auch der 
speziellen Wirknngsweise mancher Staubarten (z. B. Holz) ergibt sich, 
daB die verallgemeinernde Anwendung der Beobachtangen, die Arnold 
mit Sandstein, Smirgel, RnB and Ultramarin gewann, auf andere Staub¬ 
arten nicht ohne weiteres zulassig ist; es scheint vielmehr notwendig, 
sich fiber den einzelnen Fall vermittels des Experimentes zu orientieren, 
indem zum Vergleich eine in ihrer Wirknng bekannte Staubart, z. B. der 
unschadliche KohlenruB genommen wird. Hetsch (Metz). 

Calmette, A., T ansteenberghe, P, et Grysez, Surl’origine intesti- 
nale de la pneumonie et d’autres infections phlegmasi- 


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Pneumonie. 


ques du poumon chez l’homme et chez les animaux. 
(Corapt. rend. heb. de la Soc. de Biol. T. 61. 1906. No. 27.) 

Wie die Infektion bei der Pneumonie zustande kommt, ist noch 
sehr wenig aufgekl&rt. Bekanntlich hat man experimentell bei Ver- 
suchstieren noch keine Pneumonie erzeugen kdnnen, nur wenn man das 
Virus direkt in die Lunge injizierte, hat man wenigstens lobare Herde 
hervorrufen konnen. Neue Untersuchungen haben daran denken lassen, 
dafi die Lungentuberkulose vom Darm ihren Ausgang nimmt, und haben 
den Gedanken nahegelegt, ob es sich bei der Pneumonie nicht um &hn- 
liche Verhaitnisse handele. Ebenso wie die Tuberkelbazillen und die 
Farbpigmente konnte der Pneumokokkus, in den Darm gelangt, den 
epithelialen Schutzwall durchbrechen. Es wurde dieser Modus es ver- 
stehen lassen, wie der Pneumokokkus, der haufig in der MundhShle vor- 
kommt, verschluckt in den Lymphstrom und in die Lunge gelangeu kann. 
Die Autoren benutzten zu ihren Untersuchungen einen virulenten Pneumo¬ 
kokkus, der am 2. Tage der Erkrankung aus dem Auswurf eines Pfieu- 
monikers isoliert worden war. Die Kulturen, die in Bouillon-Kaninchen- 
serumgemisch herangeziichtet waren, wurden Meerschweinchen und Ka- 
ninchen mit der Schlundsonde in den Magen gebracht. Nach 24 Stunden 
zeigten sich die Lungen sehr kongestioniert und enthielten viele Pneumo- 
kokken. Bei Kaninchen ist die Kongestion geringer, aber die Lungen 
zeigen auch zahlreiche Pneumokokken in Reinkultur. Eine typische 
Pneumonie wurde auch bei diesen Versuchen beim Tier nicht beobachtet, 
auch nicht dann, wenn man die Tiere einer Erk&ltung aussetzte; aber 
immerhin geht so viel aus den Versuchen hervor, dafi die Pueumo- 
kokken wie die Tuberkelbazillen und die Farbpigmente durch die 
Mukosa des Darms hindurchwandern, mit der Lymphe in den 
Ductus thoracicus und von dort in die Lungenkapillaren gelangen 
konnen. Wahrscheinlich werden normalerweise die Mikroben, die auf 
diese Weise in die Lymphe gelangen, durch die Leukocyten und durch 
die bakteriziden Krafte der Lymphe abgetotet. Unter besonderen Ver- 
haltnissen, wie Erkaltung, Vergiftung, anderen Infektionen usw. konnen 
die Pneumokokken bis in die Lungenkapillaren gelangen und dort Er- 
krankung hervorrufen. 

Die Autoren haben wiederholt konstatiert, dad bei kleinen Kindern 
und jungen Tieren sehr haufig und leicht Bakterien durch die Darm- 
wand hindurchdringen, bis die Individuen gewissermafien sich selbst 
gegen diese Infektion schutzgeimpft haben. Solange bis ihr lymphatischer 
Apparat sie wirksam verteidigen kann, reagieren sie sehr heftig mit 
hohem Fieber. Es erklart dieser Befund die haufig bei jungen Kindern 
und Tieren scheinbar spontan beobachteten hohen Temperaturanstiege. 
Man sollte daher bei Kindern darauf sehen, die Bakterienfauna des 
Darms moglichst zu vereinfachen, indemmanalleungekochtenNahrungs- 
mittel, die mit Bakterien besetzt sein konnen, moglichst vermeidet 

A. Wolff-Eisner (Berlin). 

Frost, W. D., Disine, C. B. and Beineking, C. W., The occurence 
of Bacterium pneumoniae in the saliva of healthy in- 
- di vidua Is. (Journ. of inf. Dis. Suppl. No. 1. p. 298.) 

Verff. injizierten den Speichel von 60, anscheinend gesunden Per- 


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•Pneumonie. 


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sonen Kaninchen, and bewirkten dadarch bei 18 derselben eine Pnenmo 
kokkensepsis, also in 36 Proz. der Falle. Schrnmpf (Strafibnrg). 

Panichi, Latente Pneamokokken im Kaninchen and dadarch 
bedingte pathologische Prozesse. (Zentralbl. f. Pathol, and 
pathol. Anatomie. Bd. 18. 1907. p. 35.) 

Die Ergebnisse der mitgeteilten Untersachangen zeigen, dafi man 
als Bedingang fur die Anwesenheit pathogener, wenn aach inaktivierter, 
Keime (Pneamokokken) im Kreislanf, Oder wenn aach wenigstens im 
Organism as, spontane pathologische Yorg&nge Oder kiinstlich hervorge- 
rufene annehmen kann, die zwar nicht Mnfig, aber aach nicht selten 
sind. Das Anftreten solcher krankhafter Erscheinnngen kann sich mehr 
Oder weniger langsam, bisweilen ohne nachweisbare krankhafte Ursache 
vollziehen. Ihrer Natnr nach konnen derartige pathologische Prozesse 
eiterig, degenerativ and prolifeirierend sein; die erste Art entspricht dem, 
was aach bei anderen pathogenen Keimen mit abgeschw&chter Aktivitat 
bekannt ist. In ihrer Schwere sind diese Prozesse verschieden; sie 
haben bisweilen einen Marasmns zar Folge, fiihren aber aach oft zam 
Tode. Wolf (Marbnrg). 

Cannata, S., Bicerche batteriologiche nelle bronco-polmo- 
niti morbillose. (Clinica Med. Ital. 1907. No. 6.) 

In 5 Fallen von Masem-Bronchopnenmonie hat Verf. 9 Bakterien- 
arten vorgefnnden: Staphylococcus albus, aureus, Micrococcus tetragenus, 
Streptokokkns, Streptothrix, einen dem Diphtheriebazillns fthnelnden 
Keim, den Friedlaenderschen Bazillns, sowie einen karzen, dicken 
nicht naher bekannten Bazillns. 

Vert ist in Uebereinstimmnng mit der Anschaanng Kerschen- 
steiners der Ansicht, dad die Erreger der der Priifnng anterzogenen 
Bronchopneamonien nach Masern nar der Micrococcus tetragenus and der 
Staphylococcus albus waren, da nar diese eine bedentende Anzahl Kolonien 
za entwickeln vermochten and in alien Fallen vorgefnnden worden sind. 

Diese Hypothese wnrde von Verl dnrch Yersache an Kaninchen 
bekraftigt, aas denen hervorgeht, dafi der Staphylococcus albus and der 
Micrococcus tetragenus in Symbiose eine ganz bedentende Virnlenz er- 
werben. Ceradini (Mailand). 

Breccia, G., Sa dae casi di localizzazione estrapolmonari 
del Diplococco pnenmonico. (Bivista Critica di Qinica medica. 
1907. No. 26.) 

Verf. gibt zaerst die bis hente bekannt gewordene Statistik 
der Diplokokkenseptikimie nach Langenentziindang and weist daraaf 
hin, dafi die Schwanknngen im Prozentsatze dem verschiedenartigen 
Anftreten der Epidemie zazaschreiben sind, dann teilt er die Kranken- 
geschichte ernes von einer taberkaliJsen Peritonitis konvaleszenten Mad- 
chens mit, das an Tonsillenangina erkrankt and wenige Tage nachher 
won einer Pnenmonie der rechten Lnngenspitze befallen wird, die nach¬ 
her aach anf die andere Spitze fiberging. PlOtzlich erscheinen dann 
Abdominalschmerzen, der Pals wird schwach and freqaenter, die Atem- 
not vermehrt sich and erzeagt die Facies abdominalis, es wird das 
Federicische Phanomen angetroffen, d. h. man hbrt aaf dem ganzen 


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Pneumonie. 


Abdomen das murmelnde Respirationsgerausch. Die Diagnose lantet 
auf akute Peritonitis mit wenig wahrscheinlicher Perforation. 

Die Autopsie best&tigt die Doppelspitzen-Pneumonie, die Diplo- 
kokkenperitonitis in ihrer wenig haufigen serosen Form, sowie keine 
Perforation. 

Der Diplokokkus wird aus dem Bint, dem Sputum, ana der Lungen- 
spitzenflussigkeit and ans der serosen Abdominalflussigkeit isoliert; er 
wird anch in den histologisch untersuchten Geweben angetroffen. 

Daraus ergibt sich eine wahrscheinlich auf gleichartige Angina 
folgende Diplokokkenpneumonie. 

W&hrend der mit Diplokokkamie einhergehenden Pneumonie hat 
sich dann plotzlich eine akute Diplokokkenperitonitis gebildet. In 
Fallen yon nicht perforierender Peritonitis kann das Federicische 
Symptom bestehen; es ist dazu das Bestehen Oder Nichtbestehen freien 
Gases in der Bauchhohle von keinerlei EinfluB. 

Die zweite Beobachtung des Yerf. bezieht sich auf ein von Pneu¬ 
monie befallenes Madchen, bei dem sich der Pneumokokkus auf dem 
Periost der auBeren Seite des rechten Darmbeins lokalisiert hatte. In 
diesem Falle konnten schwere Vergiftungserscheinungen des Gehims 
(Tobsucht) beobachtet werden. Nach Yornahme der Quinckeschen 
Punktion konnte in der Fliissigkeit nichts Abnormes wahrgenommen 
werden, und ebensowenig kultivierbare Keime. Dagegen konnte der 
Diplokokkus aus dem Eiter der Periostitis gezuchtet werden. 

WShrend der Knochenhautentziindung, die einen langen Verlauf 
hatte, wurde das intermittierende Fieber konstatiert. 

Auf Grund seiner Beobachtungen kommtVerf. zu folgenden Schlhssen: 

Gewisse Symptome des sogenannten pneumonischen Meningismus 
werden durch Vergiftung der Nervenelemente ohne Meningenentztindung 
noch Veranderungen in der Zusammensetzung der Cerebrospinalfliissig- 
keit hervorgerufen. Wahrend einer Lokalisation des Diplokokkus im 
Periost kann intermittierendes Fieber bestehen. 

Wahrend der Periode erhohter Temperatur fallt wahrscheinlich 
mit dem Starkerwerden der Gehimstorungen ein rascheres Wachstum 
der Mikroorganismen und Erzeugung einer groBeren Quantitat toxischen 
Materials zusammen. Ceradini (Mailand). 

Maragliano, II delirio nella polmonite. (Tommasi. 1907. No. 23.) 

An den verschiedensten Ansichten uber die Natur des Pneumonie- 
deliriums hat es bis heute nicht gefehlt. Nach Verf. muB man an- 
nehmen, daB es das Produkt zweier Faktorengruppen ist, namlich der 
pneumonischen Infektion, sowie der Modifikationen des organischen Bodens, 
die pradisponierend wirken und vielen Ursachen entspringen konnen, 
unter denen die haufigste der Alkoholismus ist. Entspringt das Delirium 
nur den beiden vorgenannten Bedingungen, d. h. dem organischen Bodeu 
und der pneumonischen Entziindung, so steht es in keinerlei Yerbindung 
mit dem Alter, dem Geschlecht und der sozialen Lage, wie man fruher 
glaubte. Die verschiedenen Arten seines Entstehens sind ganz und gar 
individuell. Es hat demnach einen ganz personlichen Charakter, hangt 
also von der Gedankenrichtung und den Lebensgewohnheiten ab, womit 
dann auch nicht angenommen werden kann, daB es ein jeder Vergiftung 
eigenes Delirium gabe. Ist das Delirium nur ein Produkt der pneumo- 


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Pneunonie. 


206 


nischen Infektion ohne Lokalisationen in den Nervenzentren, so pflegt 
es Ton einem Niedergang der thermischen Kurve begleitet zn sein ohne 
gleichzeitige entsprechende Verminderung der Pulsfrequenz. Der Zeit- 
pnnkt, zn dem das Delirium anftritt, l&Bt sich nicht festlegen, denn er 
hangt yon dem mehr Oder weniger starken EinfluB ab, den die stfirenden 
Ursachen austtben. Die prognostische Bedeutnng des Deliriums ist ge- 
wohnlich absolut bedeutungslos, denn die Krankheit verlftuft ganz un- 
abhangig Tom Delirium, das, wenn es zu lange andauert, Terhangnisvoll 
werden kann. 

Das Einschreiten gegen das Delirium muB sich also nach dem Yor- 
gesagten hauptsachlich darauf richten, die zirkulierenden toxischen Stoffe 
auszuscheiden und dann auch auf die Empfindlichkeit des organischen 
Bodens einzuwirken, somit: AderlaB, Diuretica, endoTendse Injektionen, 
hypodermatische Infusion, Behandlung mit spezifischen antitoxischen 
StofFen, wie Serum De Renzi zur Bekfimpfung der Infektionserschei- 
nungen. Als direkte Mittel zur Modifikation des Zustandes des orga¬ 
nischen Bodens und seiner Empfindlichkeit Opium- und Bromprodukte. 

Ceradini (Mailand). 

Sis to, Contribuzione alio studio delle pneumoniti aste- 
niche. (Policlinico. Sez. prat 1907. No. 32.) 

Verf. gibt die Krankheitsgeschichte zweier Briider, die zusammen 
in demselben Zimmer wohnten, in demselben Bett schliefen, dasselbe 
Handwerk — d. h. Maurer — ausubten, fast gleichzeitig unter fast den- 
selben Symptomen an Lungenentzfindung erkrankten. Bei beiden setzte 
die Krankheit mit hohem Fieber und Kopfschmerz ein; sofort hernach 
wurden beobachtet: Delirium, Coma, Yerlust des Bewufitseins, infolge 
Meteorismus angeschwollenes Abdomen so wie auf Licht und Akkommodation 
reagierende PupiUen. Die physischen Thoraxsymptome traten ziemlich 
langsam herTor und wurden nie so ausgesprochen, wie dies bei der 
typischen Lungenentzfindung der Fall zu sein pflegt. Am betroffenen 
Lungenflfigel begegnete man keinem ganz dumpfen Ton, sondern einem 
abgeschwachten und etwas paukenartigen Ton, bei leichter Erhohung 
des Thorax-Yokalgerfiusches und leicht bronchialer Atmung. Daraufhin 
zeigte sich rostbrauner Auswurf, der Klang wurde bei der Perkussion 
immer schwacher, ohne sich jedoch ganz zu verlieren; der paukenartige 
Charakter des Klanges blieb erhalten. Bei Auskultation fing auch die 
Einatmung an leicht bronchial zu werden. Der Ham enthielt Albumin 
und Harnzylinder. Die Schilddrfise wurde Tom ersten Tag an immer 
groBer. In den letzten Tagen der Krankheit, einige VYochen nach Be- 
ginn derselben, trat Rocheln auf mit geringem und mittlerem Gurgel- 
gerausch. Der Allgemeinzustand blieb bis gegen den 11. Tag unTer- 
andert, als mit dem Abfall des Fiebers das BewuBtsein zuruckkehrte, 
der comatose Zustand Tollauf yerschwand, die physischen Thoraxzeichen 
schwacher wurden und sich verloren, der Ham wieder normal wurde 
und auch die Schilddrfise an Volumen yerlor. Bei der bakteriologischen 
Prfifung ergab sich fftr beide Fftlle Vorhandensein Tieler Diplokokken, 
sowohl im Auswurf wie auch im Lungensaft, der mit einer Explora- 
tionsnadel entnommen worden war. Eine mit diesem Lungensaft in- 
jizierte Mans verendete nach 2 Tagen und aus ihrem Herzblut wurde 
Diplokokkus in Reinkultur gezfichtet. Sis to bringt diese beiden Falle 


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206 


Paetyuottie. 


in die Kategorie der atypischen, genauer in die der asthenischen Lungen- 
entziindungen, und glaubt, daB die alleinige Ursache der verschiedenen 
Formen kruposer Lungenentziindung der Fraenkelsche Diplokokkus 
ist. Die klinischen Varietaten hangen nach Verf. nicht von der Natur 
Oder der Virulenz des Virus ab, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach 
von dem Zustande des Raumes nnd dem des Individuums. 

Cera din i (Mailand). 

Wiens, Klinische und bakteriologische Untersuchungen 
bei krouposer Pneumonie mit besonderer Berucksichti- 
gung der Bakteriamie. (Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 65. 1908. 
H. l. u. 2.) 

Der bakteriologische Teil der Untersuchungen fuhrte zu folgenden Er- 
gebnissen: Die Bakteriamie ist bei krouposer Pneumonie bei geeignetem 
Nahrboden ein konstanter Befund. Zum Nachweis bedient man sich am besten 
eines flussigen Nahrbodens; als recht brauchbar hat sich Peptondextrose- 
wasser (10 Proz. Pepton, 1 Proz. Dextrose) erwiesen. Eine prognostische 
Bedeutung hat der Nachweis der Bakterien an sich nicht. Reichliche 
Bakteriamie pflegt im allgemeinen die Prognose zu verschlechtern, 
andererseits kann aber auch eine sehr geringe Bakteriamie bei schweren, 
haufig letalen Erkrankungen vorkommen; in solchen Fallen sind bis- 
weilen die, vielleicht auf besonderer intensiver Toxinwirkung beruhen- 
den Erscheinungen von seiten des Nervensystems stark ausgepragt. 

Die Pneumokokken verschwinden mit der Entfieberung nicht aus 
dem Blut, sind vielmehr noch mehrere (bis 24, vielleicht auch noch 
mehr) Stunden hinterher nachzuweisen. Da bei jeder Pneumonie Bakterien 
im Blute kreisen, so bleibt die Bezeichnung Pneumokokken s e p s i s am 
besten fiir solche Falle reserviert, wo die Erscheinungen der Sepsis 
tatsachlich im Vordergrunde des Krankheitsbildes stehen und die 
Lungenerscheinungen entweder ganz fehlen Oder nur einen Teil der 
Allgemeinerkrankung bilden. Meyerstein (StraBburg). 

Buerger, Leo and Ryttenberg, Charles, Observations upon cer¬ 
tain properties acquired by the pneumococcus in the 
human body. (Journ. of infect, dis. VoL 4. 1907. p. 609.) 

Nach den Untersuchungen der Verff. unterscheiden sich Strepto- 
kokken und Pneumokokken kulturell gewohnlich dadurch, dafi der 
„streptococcus cultural type“ Inulin nicht vergart, Glukose-Serumagar 
weiBfarbt und Blutkorperchen hamolysiert, wahrend der „pneumococcas 
cultural type" Inulin vergart, den Serumagar nicht weiBfarbt und 
nicht hamolytisch wirkt. Indessen trifft man haufig Pneumokokken, die 
mehr dem „streptococcus cultural type" entsprechen und umgekehrt. 
Bisweilen andern solche Pneumokokkenkulturen ihren Charakter und 
gewinnen wieder die fur Pneumokokken typischen kulturellen Eigen- 
schaften, wenn man sie auf weiBe Mause verimpft hat. Andererseits 
gibt es aber auch Stamme, die ihre im menschlichen Korper erworbenen 
Eigenschaften auch nach wiederholten Mausepassagen festhalten. Es 
gibt also keine fiir Pneumokokken absolut charakteristischen kul¬ 
turellen Eigenschaften. Trifft man bei der bakteriologischen Unter- 
suchung auf Kokken, die sich morphologisch bei der Kapselfarbung wie 
Pneumokokken, kulturell dagegen wie Streptokokken verhalten, so ver- 


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Pneumonie. 


207 


suche man zunachst, ob die Mausepassage den kulturellen Pneumo- 
kokkentypus wiederherstellt. 1st das nicht der Fall, dann wird man 
ancb in diesem Falle den Mikroorganismus besser als Pneumokokkus 
ansprechen. Mantenfel (Gr.-Lichterfelde). 

Apelt, F., Ueber die durch den Bacillus pneumoniae „Fried- 
lander" hervorgerufene Pneumonie. (Munch, med. Wochen* 
schrift. 1908. S. 833.) 

A. teilt aus dem Hamburg-Eppendorfer Krankenhause 10 Falle von 
Lungenentzundnng mit (Krankengeschichten), welche nach den Ergeb- 
nissen eingehender wahrend des Lebens und an der Leiche durchge- 
fiihrter bakteriologischer Dntersuchung auf Friedlandersche Diplo-i 
bazillen als selbstandige Erreger zuriickgefiihrt werden miissen. Letztere 
fanden sich im Blute, im Auswurfe, in der Absonderung eines operativ 
eroffneten Lungenherdes. Es handelt sich stets von vornherein nm ein 
schweres Krankheitsbild mit auffallend haufigem todlichen Ausgange. 
Im iibrigen ist der Verlauf der Friedlanderpneumonie wenig kenn- 
zeichnend. Nur fehlt Herpes und Schiittelfrost, und der Auswurf ist 
meist schleimig, rostbraun und riecht widerlich; das mikroskopische 
Gesichtsfeld des Auswurfes ist iibersat mit Kapselbazillen. 

Auf 77 Lungenentzundungen entfielen bloB 2 reine Friedlander- 
pneumonien. Georg Schmidt (Berlin). 

Beck and Stokes, An epidemic pneumococcic catarrhal 
disease. (Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907, No. 11.) 

Yerff. beobachteten im Fruhjahr 1905 und wieder 1907 in Baltimore 
eine epidemische katarrhalische Erkrankung, die fast immer mehrere 
Familienmitglieder, selbst ganze Familien auf einmal befiel. Ihr 
Charakter war so eigentumlich und markant, daB es den Verff. nicht 
unwahrscheinlich scheint, daB es sich um eine besondere Krankheit 
handelte. — Symptomatology: Die Krankheit beginnt mit Frosteln, 
leichten Fiebererscheinungen, zuweilen NachtschweiBen, Tranen, 
schleimiger Nasensekretion, Brennen in der Nase, Prickeln an den 
Lidern und leichten Halsschmerzen. Das Fieber, etwa 38—39 °, halt 
3—4 Tage bis eine Woche an. Der Puls ist nicht besonders be- 
schleunigt. Ein fast konstantes Symptom ist ein krampfhafter Husten, 
des Nachts gewdhnlich schlimmer, oft mit Nausea und selbst Erbrechen 
verbunden, bisweilen keuchhustenartig, fast immer trocken, hochstens 
mit sparlichem, sehr zahem, gelblichem, schleimig-eitrigem, selten mit 
Bint vermengtem Sputum. Entziindung der Schleimhaut der oberen 
Luftwege. Koniunktivitis mit Photophobie, in 37,5 Proz. eitrig, in zwei 
Fallen Hornhautgeschwure. Herpetische Eruptionen. Zunge trocken, 
inanchmal belegt. Appetitlosigkeit, Konstipation, manchmal auch 
DiaiThfien, mit Blut und Schleim in den Stiihlen. Intensives Durst- 
gefiihl auch in fieberlosen Fallen. Oft Polyurie. Blasenreizung in drei 
Fallen, in einem zweifellos durch Harnhyperaziditat verursacht. Der 
Harn blaB, stark sauer, spezifisches Gewicht niedrig, ohne Zucker, Ei- 
weiB und Zylinder. Vollstandiger Mangel jeglicher nervoser Symptome. 
Im Gegenteil waren die meisten Kranken in guter physischer und 
psj’chischer Kondition. Nur die Hustenanfalle griffen die Patienten 
sehr stark an; in drei Fallen kam es zu bedrohlichen Erstickungs- 


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208 


Pneumonie. — Hornhautulzeration (lurch Pneamobazillen. 


anfailen. Oefters leichte Kopf-, substernale und epigastrische Schmerzen. 
Bei vielen Kranken leichte Adenitis, namentlich postcervicalis. Milz- 
tomor nur in Fallen mit schweren intestinalen Symptomen. In alien 
Fallen, bei denen Blutuntersnchungen gemacht warden, Lenkocytose 
12500—21000. — In 12,5 Proz. gelbe Pseudomembranen in der Nase, 
im Rachen, gelegentlich auch auf der Bindehaut, leicht abhebbar, ge- 
wOhnlich eine blutende Flache hinterlassend. In zehn Fallen schwere 
Bronchitis. Fibrinbse Pleuritis in zwei Fallen, Frontalsinusitis und 
eitrige Otitis media in einem Falle. Verff. sahen keine Pneumonie, da- 
gegen Blake zwei. 7—lOtagige Daner der akuten Erscheinun^en; der 
Hasten halt langer an, einige Male 5—6 Wochen. Sechsmal rezidivierte 
die Krankheit nach 1—2 Wochen. — Inkubation 2—7 Tage. — Verff. 
beobachteten 56 Falle; es handelte sich in 29 am Kinder unter 7 Jahren, 
davon in 10 unter 1 Jahr, die jiingsten Patienten waren 8 Wochen alte 
Zwillinge; in der 2. Dekade 4 Falle, in der 3. Dekade 8, in der 4. 
Dekade 9, in der 5. Dekade 5, der aiteste 56 Jahre. In einer Familie 
erkrankte eine Katze. — Differentialdiagnose. Masern: Keine Koplik- 
schen Flecke, keine Immunitat gegen diese Krankheit nach uber- 
standenen Masern. Keuchhusten: Keuchhustenartiger Hasten war nur 
in einigen Fallen vorhanden, stellte sich schon am zweiten Tage ein 
und verschwand nach einer Woche. Influenza: Negativer Bazillen- 
befund, Fehlen aller nervosen Symptome. 

Die bakteriologische Untersuchung von 33 Fallen ergab Pneumo- 
kokken in Reinkultur, in einigen Fallen daneben Staphylokokken 
(aureus, albus) und B. xerosis. Verff. sind sich ganz gut dessen bewuflt, 
dafl Pneumokokken in den oberen Luftwegen auch bei normalen Men- 
schen zu finden sind. Die Ergebnisse der bakteriologischen Unter- 
snchungen waren jedoch derartig, dafl die Verff. nicht zogern, die 
Pneumokokken als Erreger dieser epidemischen Krankheit zu erkl&ren. 

BouCek (Prag). 

Me Caskey, G. W., Streptococcus pneumonia. (Med. Record. Vol. 71. 
No. 7. p. 262.) 

Verf. bespricht einen von ihm beobachteten Fall von Lobular- 
pneumonie, welche nur durch Streptokokken hervorgerufen war. Diese 
Falle konnen jedoch h&ufig ihrem klinischen Bilde nach Verwechslung 
mit Tuberkulose, manchmal auch mit Typhus verursachen. 

Schrumpf (Straflburg). 

Stoewer, Ein Fall von Hornhautulzeration verursacht 
durch Pneumobazillen. (Klin. Monatsblatter f. Augenheilkunde. 
Jahrg. 45. 1907. Bd. H. p. 560.) 

Verf. beobachtete ein nach Verletzung mit einem Drahtende ent- 
standenes Hornhautulcus mit gleichmafiiger Infiltration des Randes, 
tiefer scheibenformiger Trubung und mit fibrinoser Exsudation in die 
vordere Kammer. Ausstrich, Kultnren und Tierversuch ergaben als Er¬ 
reger Pneumobazillen. Der giinstig verlaufende Fall beweist wiederum, 
dafl die durch andere Bakterien bedingten Hornhautulzerationen sich 
schon durch ihr klinisches Aussehen und ihren Verlauf vom Pneumo- 
kokkengeschwiir, dem Ulcus serpens, unterscheiden. 

Gilbert (Munchen). 


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Pneumokokken: Peritonitis — Arthritis — GehirnabszeC. 


209 


Wolf, Ueber einen Fall von Friedlftnder-Bazillen im Ham 
und fiber die Agglutination von Kapselbakterien. (Arch, 
f. Hygiene. Bd. 65. 1908. H. 1. S. 32—38.) 

Wolf fand in einem nur wenig verftnderten, meist klaren Urin 
eines SOjfihrigen Patienten, der etwa 4 Wochen lang fiber Druck in 
der Blasengegend geklagt hatte, einen kleinen plumpen Bazillus, der 
sich morphologisch und kulturell dem Friedlfinderschen Pneumo- 
bazillus gleich verhielt, pathogen ftir weiBe Manse, nicht pathogen fiir 
Meerschweinchen und Eaninchen war, im Tierkbrper Kapseln bildete. 
Die Prfifung auf Agglutinabilit&t wurde mit seinem eigenen Serum und 
mit solchen von zwei Friedlander-Bazillen-Laboratoriumsstammen ange- 
stellt und gefunden, daB die drei Stfimme nicht gleich hoch von den 
nicht von ihnen stammenden Serfs, von ihrem eigenen Serum noch in 
hoheren Verdflnnungen (2000) agglutiniert wurden. Wolf kommt daher 
zu dem Schlusse, dafi der gefundene Bazillus zu der Friedl&nder- 
Gruppe gerechnet werden darf. v. Leliwa (Posen). 

Streitz, Ein Fall .von Pneumokokkenperitonitis. (Deutsche 
me<L Wochenschrift. 1907. S. 1991.) 

An eine kurze Darstellung des Krankheitsbildes der Pneumokokken- 
bauchfellentzundung schliefit sich eine Krankengeschichte an. Das 
Leiden eines vieijahrigen Mfidchens fthnelte zunachst einer Lungen- 
entziindung, weiter einer akuten Gastroenteritis, dann einer chronischen 
tuberkulosen Peritonitis. Schliefilich fand sich bei wiederholten Punk- 
tionen des Bauchhfihlenexsudates in diesem der Streptococcus lanceolatus, 
dessen Virulenz sehr groB war (Tierversuch). Spaterhin enthielt der 
Bauchhohleneiter nur Streptokokken und Staphylokokken (Mischinfek- 
tion). LeichenOffnung: Alte Pleuropneumonie mit anschlieBendem Eiter- 
herde unter dem Zwerchfell; von hier aus Bauchfellentzundung, die 
durch akuten Nachschub zum Tode fuhrte. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Pastenr and Conrtanld, Primary pneumococcus arthritis. 
(Lancet. 1906. I. p. 1747.) 

Prfmare Pneumokokkenarthritis kommt bei Erwachsenen sehr selten 
vor, bei Kindern weniger selten. Die Infektion kommt durch den Blut- 
strom zustande, in den die Pneumokokken durch leichte, unbemerkte 
Verletzungen gelangen. Diese kommen wahrscheinlich in Mund, Naso¬ 
pharynx und Mittelohr zuwege, und die relative Hfiufigkeit der Arthritis 
bei kindern hfingt mit der grofien Disposition der Kinder zu Ent- 
zundungen in diesen Regionen zusammen. GewOhnlich ist die Ent- 
zundung zunachst auf ein Gelenk beschrfinkt, kann aber auch generali- 
siert werden. Die Todesrate ist bei den primfiren Erkrankungen viel 
jgunstiger als bei den sekundaren; bei letzteren liegen meist allgemeine 
septikamische Prozesse zugrunde. Wahrscheinlich ist die Erkrankung 
hfiufiger als wir annehmen, da nur bei chirurgischem Eingriff die bak- 
teriologische Diagnose gestellt werden kann. H. Ziesch6 (Breslau). 

Green, A case of brain abscess showing the pneumococcus. 
(Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. L. 1908. No. 18.) 

35jahrige, unverheiratete Frau. Ueber eine bestimmte Ursache der 

Krst« Abt. Refer. Bd. XLII. No. 7/8. 14 


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Pneumokokken. — Diplokokkeu. — Aspergillusmykose. 


Erkrankung wild nichts berichtet. — Krankkeitsdauer von 9 Wochen. 
In den ersten 4 Wochen allmahlich auftretende rechtsseitige sensorische 
und motorische Storungen, Paralyse nnd Aphasie mit Remissionen. 
Danach akute Meningealsymptome. Autopsie: Abgekapselter Abszefi 
ira linken Thalamus opticus und der Seitenkammerwand, Pyocephalus, 
eitrige Leptomeningitis ad basim des Gehirns und des Halsriickenmarkes, 
zellige Infiltration und Bindegewebswucherung im Gehirn und leichteu 
Grades auch im Halsrfickenmarke, frische Bronchopneumonie. Die Ein- 
trittspforte der Infektion konnte nicht gefunden werden. — Das Yer- 
haltnis der zelligen Elemente in Prozenten: 



Lympho¬ 

Plasma- 

Polymorph. 

GroCe 


cyte a 

zellen 

neutroph. 

mononut 

Im Eiter der Seitenkammern 

15 

— 

75 

10 

Im Eiter des Thalamusabszesses 

30 

— 

65 

5 

In der Wand der Seitenkammer 

40 

36 

20 

4 

Im linken Thalamus opticus 

63 

30 

5 

2 

Im Exsudat der Meningen des Rticken- 





markes 

60 

12 

8 

20 

Im Subkortikalgewebe 

66 

20 

10 

4 

Im Exsudate der Meningen der Me¬ 





dulla oblongata 

83 

— ■ 

2 

15 


Pneumokokken im Eiter und alien erkrankten Teilen mikroskopisch, im 
Eiter auch kulturell nachgewiesen. Boufiek (Prag). 


v. Khautz jun., ZurKasuistikderPneumokokkenmetastasen. 
(Wiener klin. Wochenschr. 1907. No. 8.) 

Bericht fiber 3 Falle von metapneumonischer Eiterung, von denen 
2 das Kniegelenk, der dritte die Regio scapularis betrafen. Im Eiter 
aller 3 Falle wurde der Diplococcus lanceolatus Fraenkel-Weichselbaum 
in Reinkultur nachgewiesen, der Verlauf war ein gfinstiger. 

Hetsch (Metz.) 

Sinibaldi, G., Alcune particolarita di un diplococco capsu- 
lato. (Bollettino Scienze Mediche. Anno 77. Serie VIII. 1906. No.6.) 

Bei einem Falle von Eiterung des mittleren Ohres bei einem Mann 
isolierte Verf. als einzigen Erreger einen Kapseldiplokokkus mit folgen- 
den Merkmalen: Anaerobisch; bei Stichkulturen auf Agar, 12 Stonden 
spater, ein gleichformiger, weifllicher Streifen. In der Mitte bzw. im 
tieferen Teil tritt bald eine undnrchsichtige, weiUliche, scheibenformig 
gestaltete, aus einem sehr dfinnen Blattchen bestehende Ausbreitung 
auf. Manchmal bilden sich zwei solcher Ausbreitungen. Allerstarkstes 
Wachstum 24 Stunden spater. Mehrere Tage lang kultiviert in einem 
Termostat, erfuhr der Keim mancherlei Veranderungen seiner morpho- 
logischen Merkmale. Negri (Pavia). 

Solmersitz, F., Beitrag zur Aspergillusmykose der mensch- 
lichen Lunge. (Deutsche med. Wochenschr. 1906. S. 1490.) 

Eine 26jahrige Magd krankte an einem mit Pleuritis exsudativa 
vergesellschafteten chronischen Lungenleiden; auch die Nieren waren 
erkrankt. Die diagnostische Tuberkulineinspritzung hatte kein Ergebnis. 
Im schleimig-eitrigen, geballten Auswurfe fanden sich keine Tuberkel-" 


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Bronchopneumonia venninosa, 


211 


bazillen, iiberhanpt wenig Bakterien, dagegen stets Pilzfaden, Sporen 
and Pilzpfropfe, wenn auch keine Pilzrasen Oder ganze Fruktifikations- 
organe. Durch seine WachstumsauBerangen kennzeichnete sich der Pilz 
als Aspergillus fumigatus. Im KOrper war kein anderer Aspergillusherd 
nachweisbar. DieKranke hatte Gelegenheit, bei der Gefliigelfutterung usw, 
mit aspergillushaltigem Stoffe in Beruhrung zu kommen; auch pflegte 
sie rohe Getreidekorner zu kauen. Wahrscheinlich sind bei solchen 
Anlassen Sporen in die Lungen des Weibes gelangt und dort ausge- 
keimt. Die Art der Nierengewebsveranderung war unsicher. — Im 
weiteren Krankheitsverlaufe bildeten sich keine Hbhlen; die Dampfung 
ging zuriick; die Lunge schrumpfte; das Allgemeinbefinden verschlechterte 
sich; die katarrhalischen Erscheinungen breiteten sich unter zunehmender 
Atemnot immer mehr aus; schlieBlich trat Bluthusten ein. Die Be- 
handlung erzielte keine Erfolge. Georg Schmidt (Berlin). 

Karzocchi, T., Sulla eziologia e sulla patogenesi della 
broncopneumonite verminosa. (Giornale della R. Accademia 
di Medicina di Torino. LXX. H. 5—6. p. 259.) 

Verf. berichtet iiber zwei Hasen, welche an einer durch Eryco- 
cephalus unguiculatus bedingten Darminfektion starben, aber dabei in 
den Bronchien einen anderen Wurm, den Strongylus commutatus be- 
herbergten. In beiden Fallen hatten die Lungen eine lebhafte rote 
Farbe, waren etwas konsistenter als unter normalen Verhaltnissen und 
zeigten hier und da kleine gelbliche, weiche Knoten, weJche bei dem 
ersten die Gr5Be einer Erbse erreichten, wahrend sie bei dem zweiten 
nicht grbfler als ein Stecknadelkopf waren. Als diese Herde aufge- 
schnitten wurden, floB eine zahe, dicke, gelbliche Fliissigkeit heraus, 
welche, im frischen Zustande untersucht, haupts&chlich Leukocyten mit 
polymorphem Kern, und daneben wenige Wiirmer-Larven und -Eier 
enthielt. 

In den Bronchien, deren Schleimhaut nur leicht kongestioniert er- 
schien, fand man, besonders bei dem ersten Tiere, ziemlich zahlreiche 
ausgewachsene Wiirmer, im Bronchienschleim fand man bei der mikro- 
skopisehen Untersuchung zahlreiche Larven. 

Verf. untersuchte den Eiter einiger Herde bakteriologisch, und 
machte zu diesem Zwecke Kulturen in Bouillon, in einfachem Agar, in 
Glyzerin-Agar und in Gelatine. Er fand stets, und zwar meistens in 
Reinknltur, einen kleinen Kokkus, welcher kurze Ketten bildete, sich 
mit den gewohnlichen Anilinfarben und nach Gram liirbte. In 
Bouillon bildeten sich ziemlich grofle Flocken, welche allmahlich auf den 
Boden sanken; auf Agar mit und ohne Glyzerin bildeten sich kleine 
weiBliche Oder grauweiflliche Kolonien, welche dazu neigten, langsam 
zusammenzuflieBen; in der Gelatine war die Entwicklung schwach, es 
bildeten sich kleine rundliche Kolonien, und es fand keine Zusammen- 
schmelzung statt. Diese Kulturen verloren sehr bald ihre Virulenz 
und ihre Lebensf&higkeit. 

Der Einimpfung yon 24 Stunden alten Kulturen unter die Haut 
von Meerschweinchen und von Kaninchen folgte die Bildung von an 
der Impfstelle lokalisierten Abszessen; nie erfolgte jedoch, auch bei Ein¬ 
impfung von hohen Dosen, der Tod. Der endovenosen und endoperi- 
tonealen Impfung folgte dagegen beim Kaninchen nach 4—5 Tagen 

14 * 


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212 


Hamophile Bazillen. — Tetragenus. 


der Tod; letzterer war dagegen bei den Meerschweinchen nicht ein 
konstantes Ereignis; in alien Fallen bildeten sich kleine in verschiedenen 
Teilen des Korpers zerstreute Abszesse. Aus seinen Beobachtungen 
glanbt Verf. schlieBen zu konnen, dafi die Warmer, welche, weil sie in 
den Bronchien vorgefunden warden, als die erste Oder einzige Ursache 
der sogenannten verminosen Bronchopneumonie angesehen warden, nicht 
die Eigenschaft haben, aknte entzandliche Prozesse hervorznrnfen, and 
dafi somit diejenigen Prozesse, welche man bei der Krankheit beob- 
achtet, nar indirekt mit der Anwesenheit des Warmes znsammenhangen, 
dagegen anmittelbar von der Wirkang von pflanzlichen Keimen ab- 
h&ngen, gleichgiiltig ob es sich am den in den Fallen von Dio nisi 
vorgefandenen Bacillus ovisepticus, am einen Streptococcus pyogenes , wie 
in Verf.s Fallen, Oder am andere Mikroorganismen handelt. 

Bertarelli (Parma). 

Davis, David T., Hemophilic bacilli. Their morphology and 
relation to respiratory pigments. (Joarn. of inf. dis. IV. 1907. 
p. 73.) 

Vergleichende Untersachangen ttber verschiedene hamophile Bak- 
terien, d. h. diejenigen Bakterien, die Hamoglobin za ihrer Ent- 
wicklang braachen. Letzteres kann sowohl von Tieren mit konstanter, 
wie aach von solchen mit wechselnder Korpertemperatnr stammen. 
Andere Sanerstoftobertr&ger, wie Hamocyanin, Hamorythrin, Echinodrom, 
konnen das Hamoglobin nicht ersetzen, ebenso aach nicht das Hamatin. 
Die Mindestmenge von Hamoglobin ist sehr gering (1:180000). 

Schrampf (StraBbnrg). 

Arnllani, P. J., Anemia perniciosa progressiva da micro- 
cocco tetrageno. (Gazzetta degli Ospedali e delle Cliniche. 1906. 
No. 85.) 

Verf. berichtet iiber einen 47jahrigen Mann, der das klinische Bild 
einer schweren Anamie darbot, mit Phlebitis der anteren Glieder, leichtem 
Fieber, Durchfall. Die Krankheit endete todlich. Die Untersnchnng des 
Blates ergab: betrachtliche Abnahme der roten Blntkorperchen and des 
Hamoglobins, starke Poikylocytosis, zahlreiche Normoblasten and manchen 
Megaloblasten, keine Vermehrang der Leakocyten; diese besitzen norm ale 
Grijfie and Gestalt. Blatnngen der Netzhaat, Milz an GroBe zagenommen, 
Urobilin enthaltender Harn; ferner im Bint, im Stahl, im Harn, in der 
Milz Befand von Micrococcus tetragenus. Dieser in Reinknltnr isoliert 
and an Kaninchen verimpft raft den Tod mit fortschreitender Abmage- 
rang, Darchfall, Abnahme des Hamoglobins hervor. Da im vorliegenden 
Falle Malaria, Taberkalose, Neabildangen, Parasiten mit Sicherheit ausge- 
schlossen werden konnten, kommt Verf. znr Diagnose von Anaemia perni¬ 
ciosa progressiva, bedingt darch Micrococcus tetragenus. Negri (Pavia). 

Matrnchot et Ramond, Un noaveaa type de Champignon pa¬ 
th og6ne chez l’homme. (Compt. rend, de la Soc. de Biol. Paris. 
T. LIX. p. 379—380.) 

De Bearmann and Ramond haben 1903 bei einem Menschen 
35 snbkntane Taschen mit einem kasigen Inhalt beobachtet; jede einzelne 
Tasche hatte die GroBe eines Pfirsichkernes. Der Tascheninhalt lieferte 


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Bac. fluorescens liqaefaciena. — Proteus. 


213 


den Yerff. bei Impfnng auf verschiedene Nahrbbden (Mdhre, Kartoffel, 
Glykosegelatine, Glyzeringelatine) regelmaflig Kulturen eines neuen Pilzes: 
Sporotrichum Beurmanni sp. nov. 

Das Mycel dieses Pilzes ist fein, farblos; die Sporen entstehen 
einzeln, ohne regelmaflige Anordnung, in so grower Zahl an jedem Gliede, 
dafi sie eine Art zylindrischen Mantels bilden, der einen Dnrchmesser 
bis zu 10 ft erreichen kann. Honard (Paris). 

Almagia, IL, Snl potere patogeno per l’nomo del bacillo 
flnorescens liqnefaciens. (Boll. Soc. Sane. Osped. Roma. 1907. 
No. 4.) 

Verf. hat aus der Galle einer wegen Nierensteine operierten Fran 
wiederholt B. fluorescens liguefaciens isoliert, der yom Serum der Kranken 
bis 1:100 agglutiniert wurde, wahrend eben dieses Serum den Typhus- 
bazillus, das B. coli, den Choleravibrio erst bei 1:10 agglutinierte. 
Aus der 2 Monate lang bei Zimmertemperatur aufbewahrten Galle konnte 
dieser Mikroorganismus noch isoliert werden. Die Bonillonkultnr dieses 
Keims tStet, in die Banchhdhle verimpft, Meerschweinchen innerhalb 
einiger Stnnden bis einiger Tage. Ceradini (Mailand). 

Klleneberger , C., Klinische nnd kritische Beitrage zur 
Differenziernng pathogenerProtensarten undBeitrage 
znr Wertnng der „Proteusagglutination M . (Zeitschrift fur 
Hygiene n. Infektionskrankheiten. Bd. 68. 1908. H. 1. S. 86.) 

Hauser beschrieb 1885 nnter dem Namen „ Proteus" aus Faul- 
flussigkeiten isolierte Bakterien, deren Charakteristika in Erzeugung 
stinkender Faulnis, Bleomorphismus, insbesondere der Bildung eigen- 
artiger Wuchsformen (Spirulinen, Schwarmkolonien) bestanden; er unter- 
schied anfangs 3 Typen: Proteus vulgaris , Pr. tnirabilis nnd Pr. Zenkeri, 
erklarte aber spater den Pr. vulgaris fur die typische Form, den Pr. 
mirabilis nnd Pr. Zenkeri aber fur abgeschwachte Formen. Allmahlich 
ist die Protensgruppe zu einem „Schubkasten der Bakteriologie" ge- 
worden, nnd es herrscht dnrehaus keine Einstimmigkeit daruber, was 
zu derselben gehbrt. Klieneberger sucht nun die Gruppe zu klaren. 
Er empfiehlt als differentielles Gruppencharakteristikum die gesteigerte 
Wachstumsenergie (Fahigkeit der Schwarmkoloniebildung) zu betrachten; 
stinkende Faulnis, Peptonisierungsvermogen, Yerhalten znr Gramfarbung 
nsw. gestatten gr56ere Unterabteilungen zu schaffen. 

Als gut charakterisierte Erreger yon Tiersenchen sind in der 
Literatur folgende Proteusarten beschrieben: Proteus vulgaris, B. piscici- 
dus agilis Sieber, Proteus fluorescens Jaeger, B. Wyss, Proteus pisdeidus 
versicolor Babes u. Riegler, sowie ein zugleich saprophytischer Stamm 
Eoln von Czaplewski. 

Proteus-Allgemeinerkranknngen sindauflerordentlichselten. 
Die MenschenpathogenitSt des Proteus fluorescens als Erreger des Morbus 
Weilii ist nicht einwandfrei; die Weilsche Krankheit hat keine ein- 
heitliche Aetiologie. 

Als Erreger lokaler Protenserkrankungen kommen nack 
der Literatur nur Vulgarisstamme in Betracht; Kl. fand neben Proteus 
vulgaris auch Pr. mirabilis. 


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214 


Paralyse der Irren. — Vertige paralysant. 


Die beim Menschen angetroffenen Vulgaris- und Mirabilisstamme 
zeigen auf verschiedenen Substraten geringfugige Unterschiede. 

Menschliche Normalsera agglutinieren Proteus Zopfii und 
Zenkeri, vermutlich identische Stamme, gelegentlich recht hoch. Proteus 
vulgaris , Pr. mirabilis und andere grampositive Proteen werden bei Ver- 
diinnungen von 1:20 und aufwarts durch das Blutserum gesunder 
Menschen nicht agglutiniert. 

Bei den von Klieneberger untersuchten Proteuserkrankungen 
war die agglutinierende FShigkeit des Blutserums in der Regel fur den 
infizderenden und fremde Stamme verschwindend niedrig (lokale Infek- 
tion). In einem Falle wurden der infizierende und andere pathogene 
Vulgai’isstdmme bemerkenswert hoch agglutiniert. 

Proteus vu/^om-Immunsera beeinfluBten ausschliefllich Proteus vulgaris- 
Btamme und Proteus mrafoiis-Immunsera nur den zur Immunisierung 
verwendeten Stamm. Einzelne Vulgaris- und Mirabilisstamme flockten 
spontan a us. 

Proteus vulgaris -Immunsera, vermittels Immunisierung mit patho- 
genen Stammen gewonnen, agglutinierten gleichmafiig samtliche gepriifte 
Vulgaris-Institutsstamme (der med. Klinik zu Konigsberg) und Vulgaris- 
stamme aus Krankheitsprodukten; die Agglutinine der Sera wurden 
auch nur durch diese hochagglutinierten Stamme ausgefallt. Dagegen 
agglutinierten Proteus vw^am-Immunsera, vermittels Immunisierung mit 
Faulflussigkeitsvulgaris gewonnen, am hochsten den zur Immunisierung 
verwendeten Stamm und wurden auch nur durch diesen gefallt. Solche 
Sera enthielten aber — geringer und wechselnd — agglutinierende 
Substanzen flir andere Yulgarisstamme. 

Die Proteus vwZ^am-Stamme erwiesen sich samtlich — gleichgultig, 
welches ihre Provenienz war — als miteinander nahe verwandt. Sie 
konnten durch ein einziges Testimmunserum agnosziert werden. 

Die Trennung des Proteus mirabilis vom vulgaris wtinscht Kliene¬ 
berger aus Zweckmafiigkeits-und Pietatsgriinden beibehalten zu seheri, 
sie unterscheiden sich lurch ihr agglutinierendes Verhalten und den 
Grad der Wachstumsenergie. Sc hill (Dresden). 

Robertson, W.F., The pathology of general paralysis of the 
insane. (Review of neurology and psychiatry. April 1906.) 

Verf. hat in mehreren Fallen von allgemeiner Paralyse wahrend 
der KrampfanfUlle einen Diphtheriebazillus aus dem Blut, dem Rucken- 
mark, der Cerebrospinalflttssigkeit isoliert. Er glaubt, daB die Syphilis 
hierbei nur eine pradisponierende Rolle spielt, indem sie die Abwehr 
des Organismus gegen eine bakterielle Infektion abschwacht. 

Schrumpf (Straflburg). 

Miura, Kinnosnke, Some remarks concerning Kubisagari or 
• vertige paralysant. (The Philippine journal of science. Vol. IL 
1907. No. 5. p. 409.) 

Der japanische Autor beschreibt in diesem Vortrage eine endemisch 
auftretende Krankheit in Japan, die er fur identisch mit dem von 
Garlier in der Schweiz beschriebenen „Vertige paralysant" halt. Die 
Krankheit aufiert sich im allgemeinen nur in nervbsen Symptomen, Seh- 
storungen und Paresen in der Muskulatur des Rumpfes, der Schling- 


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Trichophyton tonsurans. — Osteomalacie. 


215 


nnd Kaumuskeln, ohne im eigentlichen Sinne todlich zu sein. Sie kommt 
hanptsachlich, sowohl in der Schweiz als auch in Japan, bei Bauern, 
Tagelohnern nnd solchen Lenten vor, die viel in Pferde- nnd Kuhstfillen 
zn tnn haben, Oder deren Wohnr&ume von den Stallen nicht gehfirig 
getrennt sind. Es besteht daher der begriindete Verdacht, dad die 
Seuche von den Tierstallen ihren Ansgang nimmt. 

Mantenfel (Gr.-Lichterfelde). 

Campuia, B., Tricophiton tonsurans delle mani. (Boll, della 
Eeale Accad. Med. di Roma. Anno XXXII.) 

Cam pan a teilt einen seltenen Fall mit Es handelt sich nm 
einen Mann von etwa 40 Jahren, der fast nie krank gewesen war, 
bis er vor 6 Jahren diese Krankheit bekam, die wohl ein wenig kuriert 
worden war, aber nie eine merkliche Besserung aufwies; seine Hfinde 
haben sich so allmahlich mit dem zuerst erythematosen, dann erythemato- 
squammosen Ansschlag bedeckt, wovon die vorgeschrittensten Grade noch 
jetzt zu sehen sind. Beim Entstehen zeigte er sich auch auf einem 
kleinen Teil des Gesichtes, nahe den bartigen Stellen, aber dort ver- 
schwand er bald nach einer lokalen Heilbehandlnng. Innerhalb von 6 
Jahren hat der Kranke allgemeine nnd lokale Kuren angewandt, auch 
Baderbehandlnng, aber ohne Erfolg. 

Wenn das grindartige Material von den Nfigeln weggenommen und 
mikroskopisch nntersucht wnrde, zeigte es sich sowohl bei einer ersten, 
wie bei einer zweiten Untersuchnng nach einem Monat immer reich an 
eckigen, eiformigen Oder wfirfelformigen Korperchen, isoliert Oder zu 
Reihen vereinigt, so dafi sie hyphoforme Faserchen bildeten, ahnlich den 
bei den gewohnlichen Angriffen des Trichophyton tonsurans auf Haut- 
anhangsel zu beobachtenden. Sie deuten nicht auf gruppenmfifiige 
Aggregate hin, wie sie bei der Onicomycosis microsphorina gesehen werden, 
die von dem A. frfiher beschrieben und dann von anderen Autoren 
(Dreuw, Unna, Beurmann, Gougerot) als unbenannte Krankheit 
der Fingernagel erwfihnt worden ist. Bertarelli (Parma). 

Costa, B., Intorno a due casi di osteomalacia. (Gazz. med. 
Ital. 1907. No. 24.) 

Yerf. berichtet fiber zwei Ffille schwerster Knochenerweichung, die 
mit chirurgischen Eingriffen erfolgreich behandelt warden, und fugt den- 
selben andere ebenso erfolgreich durch Prof. Mangiagalli kurierte 
Falle bet Verf. halt es ffir nutzlich, diese Ffille anzufuhren, da bis 
heute der eigentliche Wert einer solchen Behandlung noch nicht festge- 
stellt worden ist, denn andere Autoren haben gerade das Gegenteil, 
nfimlich einen vollen Miflerfolg zu verzeichnen. 

Die Abtragung des Eierstocks ist zweifelsohne in einigen Fallen 
von gfinstigem Einflufl, was vermuten lafit, dafl da eine fehlgegangene 
Funktion des Organs vorliege. Andererseits aber sprechen die Falle 
mit Abtragung und negativem Einflufi daffir, dafi ttberhaupt keine Be- 
ziehung bestehe zwischen der Eierstockfunktion und der Krankheit. 

Yerf. glaubt daher, daB die Ursachen der Erkrankung verschiedener 
Art seien, was dann auch ihr wenn auch seltenes Vorkommen beim 
Manne erkiaren wttrde. Diese Vermutung setzte sich dann auch den 
Erfahrungen Mapurgos nicht entgegen, der einen Mikroorganismus 


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216 


Osteomalacie. — Noma. 


gefunden haben will, der bei weiBen Mausen Knochenerweichung zu er- 
zeugen vermag, da mikrobische Toxine Oder toxische Stoffe anderer 
Natur oder alterierte Innensekrete dieStorungen im veranderten Knochen- 
stoffwechsel erzeugen konnten, was dann unter dem Bilde der Knochen¬ 
erweichung in Erscheinung tritt. C era din i (Mailand). 

Bossi, Ghiandole surrenali, osteomalacia e rachitismo. 

(XIII. Congr. della Soc. Ital. di Ostetr. e Ginec. 1907. 13—16. Ott.) 

Yerschiedene Versuche an Schafen haben nach Verf. best&ndig dar- 
getan, daB die Abtragung einer Nebenniere eine wahre, mit der Durch- 
leuchtung des Beckens leicht nachweisbare Osteoporose erzeugt. 

Ueberall wo Verf. bei Knochenerweichung mit Extrakt von Neben- 
nieren behandelte, trat nicht nur Besserung ein, sondern klinische 
Heilung. Bei Durchstrahlung des Beckens konnte dann eine bedentende 
Reindegration der Kalksalze in den Knochen wahrgenommen werden. 
Klinische Heilung hatten auch Kollegen des Verf. erhalten. 

Diese Erfolge bewiesen also, daB die Nebenniere einen grofien Ein- 
fluB auf das Skelett ausiibt, indem es die Ablagerung der Kalksalze 
oder aber eine abnorme Entkalkung begunstigt. 

Diese Resultate erweckten im Verf. den Gedanken, daB das Extrakt 
der Nebennieren zur Verhtitung der KnochenmiBbildungen, besonders 
des Beckens, die im Kindesalter infolge von Rhachitis auftreten, ver- 
wandt werden konnte. Tatsachlich wurde diese Anschauung durch 
einige klinische Falle des Verf. und verschiedene klinische Falle von 
Kinderarzten bestatigt, iiber die kiirzlich auf dem KongreB zu Padua 
berichtet wurde. Ceradini (Mailand). 

Hoffmann, Die Noma des Ohres. (Zeitschr. f. Ohrenheilk. Bd. 51. 

S. 365.) 

Drei Falle, von denen einer histologisch untersucht wurde. Noma 
wird im Anschlufi an Maseru am haufigsten beobachtet. Am Noma- 
gewebe fand sich die von Seifert und Perthes als Nomaerreger 
beschriebene Streptotricheenart. Als Eingangspforte kommt wie bei der 
Aktinomykose der Ductus stenonianus in Betracht Die Streptothrix der 
Noma macht im Gegensatz zum Soor keine Metastase. Wo sich im 
Gewebe die fadigen Elemente linden, sind die GefaBe thrombosiert. 
Kultur- und Tierversuch hat Verf. nicht gemacht, stiitzt sich vielmehr 
nur auf die Aehnlichkeit seiner Befunde mit denen von Perthes. 

Als Vermittler fur die Entstehung des Ohrbrandes spielt die Otit. 
med. purul. eine hochwichtige Rolle, besonders die tuberkulose Art 

HaBlauer (Miinchen). 

Hechlnger, Noma des Ohres. (Arch. f. Ohrenheilkunde. Bd. 70. S. 7.) 

Ein neuer Fall von Noma des Ohres, die nicht nur die Umgebung 
des Ohres, sondern auch den Gehbrgang und das Mittelohr befallen hatte. 
Mit Hilfe der Lubarschschen Modilikation der Weigertfarbung, 
noch deutlicher aber mit der Levaditischen Farbung konnten in dem 
Nomagewebe die fur Noma charakteristischen Mikroorganismen, starkere 
und feinere fadige Gebilde, verschnorkelt und gewunden, die eine Ein- 
teilung in hintereinander gereihte Stabchen zeigen, teilweise mit spindel- 


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Noma. — Bakteriengehalt der Fazes. 


217 


artisan Anschwellungen festgestellt werden. Diese fadigen Gebilde 
sind bis jetzt nui* bei der Noma gefunden worden, diese Krankheits- 
furm ist deshalb als eine Mykose anzusehen. Nach Perthes gehoren 
die Mikroorganismen zur Gruppe der Streptothricheen. 

Hafilauer (Miinchen) 

Branlt, M., Note sur le noma chez les indigenes algeriens 
adultes, sesrapports avec le phagedenisme dit des pays 
chauds. (Bulletin de la societe fran^aise de Dermatologie et 
Syphiligraphie. 1908. S. 2.) 

B. berichtet tiber zwei Falle von Noma bei Erwachsenen, einer Er- 
krankung. die unter den Eingeborenen Algeriens nicht selten ist. In 
beiden Fallen fand er zahlreiche fusiforme Bazillen und Spirochaten. 
In einem dritten, klinisch sehr ahnlichen Falle, in dem aber tertiare 
Syphilis vorlag, konnte er weder die fusiformen Bazillen noch die groben 
Spirochaten nachweisen. Franz Blumenthal (Berlin). 

Hellesen, E., Bakteriologische Untersuchungen eines Falles 
von Noma. (Jahrbuch f. Kinderheilknnde etc. III. F. Bd. 17. 1908. 
H. 3. p. 294.) 

H. hat Diplokokken in den Praparaten des Nomagewebes bei seinem 
Falle konstant gefunden und glaubt dieselben auch im Blute des 
Patienten sowohl intra vitam als post mortem nachgewiesen zu haben. 
Der Diplokokkus wurde auch in Reinkultur gewonnen. Mit ihm selbst 
wie mit nomatosera Gewebe hat H. auch Tierversuche angestellt. Er 
halt sich auf Grand seiner Experimente flir berechtigt, den beschrie- 
benen Diplokokkus im vorliegenden Fall von Noma „mit Sicherheit“ als 
Ursache der Krankheit anzusehen. 

Albert Uffenheimer (Miinchen). 

Lissaner, Max, Ueber den Bakteriengelialt menschlicher 
und tierischer Faces. (Arch. f. Hyg. Bd. 58. 1907. p. 136.) 

Da die alte Methode Sucks dorffs, die Bakterienmenge im Kot 
durch das Plattenkulturverfahren zu bestimmen, den Fehler hat, da6 
aus verschiedenen Ursachen nur eine verhaltnismaBig geringe Zahl von 
Bakterien zu ziLlilbaren Kolonien auswachst, hat L. die StraBburger- 
sehe Methode nachgepriift. Sie beruht darauf, daB zunachst eine ge- 
wogene Menge Kot (dessen prozentualer Trockengehalt durch eine 
Nebenprobe ermittelt wird) in J / 2 proz. Salzsaure aufgeschwemmt und 
zentrifugiert wird. In der Flussigkeit bleiben die Bakterien. DerBoden- 
satz wurde mehrmals in Salzsaure in gleicher Weise behandelt. Die 
einzelnen Mengen iiberstehender Flussigkeit wurden zusammengegossen 
und durch Zusatz von reichlichem Alkohol spezifisch so leicht gemacht, 
dad bei folgendem Zentrifugieren die Bakterien zu Boden sinken 
muBten. Ihre Menge wurde dem Gewichte nach bestimmt. 

Auf diesem Wege glaubt L. folgendes Resultat ermittelt zu haben: 

_L>er trockene Kot gesunder Erwachsener besteht bei gemischter 
Kost’aus rund 9 Proz. trockener Bakterien. Eine wesentliche Aende- 
iung dieser Zahl ist weder bei rein vegetabilischer, noch bei rein 
animalischer Kost zu konstatieren. 


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218 


Uutersuchuugsmethoden, Instruments etc. 


Ebensowenig zeigte sich eine Aenderung in der Anzahl der Kot- 
bakterien bei Hunden, welche einerseits mit Fleisch, andererseits mit 
Kartoffeln nnd Brot gefuttert wurden." 

Die Kuh hat mittleren Bakteriengehalt, das Kaninchen geringen 
wegen der groBen Trockenlieit. Hirschbruch (Metz). 

Hoffmann, W. n. Wintgen, M., Die Einwirkung von Fleisch- 
und Hefeextrakten auf die qualitative und quantita¬ 
tive Zusammensetzung des Magensaftes beim Pawlow- 
schen Hunde. (Arch. f. Hyg. Bd. 61. 1907. p. 187.) 

Die Operation am Hunde nach Pawlow trennt ein Stiick der 
Magenwand am Fundus ab, verschliefit den Hauptmagen und bildet aus 
dem Wandstiick einen blindsackartig endigenden kleinen Magen, der 
mit einer Fistel an der Bauchhaut des Tieres nach auflen miindet. — 
Die Versuche sind angestellt worden, urn den sekretorischen Effekt von 
Liebigs Fleischextrakt und von zwei Hefeextraktpraparaten Siris und 
Ovos zu ermitteln und miteinander zu vergleichen. Das Fleischextrakt 
brachte bei alien Modifikationen der Untersuchungsanordnung immer 
grofiere Mengen von Magensaft mit hoheren Sauregraden als Siris und 
Ovos. 

Die Yerdauungskraft wuchs aber beim Fleischextrakt nicht mit dem 
groBeren Sauregehalt gegeniiber dem Magensaft nach Verabreichung 
der Hefeextrakte. Die Verstarkung in der Konzentration des Hefeextrakt 
urn die Halfte in Rucksicht auf ihren billigeren Preis anderte an den 
Verhaltnissen der Magensaftmengen und ihrem Sauregehalt nichts. 

Um starkere Unterschiede zu bekommen, haben die Verff., auBer in 
diesen den Geldwert berucksichtigenden Versuchen, stets lOproz. 
Losungen benutzt. In der Kiiche werden alle diese Extrakte natiirlich 
in viel geringeren Konzentrationen benutzt. Leider sagen die mitge- 
teilten Untersuchungen nichts iiber die Sekretionsverhaltnisse bei Be- 
nutzung schwacherer Extraktlosungen. Hirschbruch (Metz). 


Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


H%ne, Ersparnisse im bakteriologischen Laboratorium. 

(Deutsche milit.-arztl. Zeitschr. 1908. H. 3.) 

Fur Typhusbazillenanreicherung werden Galleflaschchen 
(10,0 g Inhalt) mit Gummipfropfen empfohlen. Herstellung: 1. Frak- 
tionierte Sterilisation der gewohnlichen Rindergalle im Glaskolben (je 
3 Stunden lang 60° an 3 Tagen). 2. Einfiillen der noch 60° heiBen 
Galle in die bei 160—200° trocken sterilisierten Flaschchen. VerschluB 
mit heiBen ausgekochten Gummipfropfen. 3. Zur Sicherheit nochmalige 
fraktionierte Sterilisierung an 3 Tagen. 4. Zur Prufung der Sterilitat 
24 Stunden bei 37°. 


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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


219 


Zur Aufbewahrung von Nahrbfiden und Dauerkulturen 
werden mit Gummipfropfen verschlossene Medizinflaschen empfohlen. 

Beschreibung der Herstellung von Drahtkorben fur Reagenz- 
glaser aus verzinktem Drahtgeflecht mit bedeutenden Kostenerspamissen 
(Herstellungskosten pro Korb etwa 30 P£, gegeniiber 3,50—4,00 Mk.). 
In ahnlicher Weise lassen sich anch Tierkafige herstellen. 

Mfihlens (Berlin). 

Harvey, W. Henwood, A dust-excluding histological reagent 
bottle. (Zeitschr. f. wissenschaftl. Mikroskopie und fur mikroskopische 
Technik. Bd. XXIV. 1907. Heft 3. S. 280.) 

Der Verf. beschreibt ein Reagenzglas, dessen Halskonstruktion es 
verhindert, daB Verunreinigung des Reagens durch Staub stattfindet 
(es ist mit einer Gummisaugpipette versehen). Zu beziehen von Messrs. 
F. P. Ritterhaus & Co., 60, Huntley Street, London, W. C. 

Lieberknecht (Posen). 

Henneberg, Hilfsapparate zum Mikrotom. (Zeitschr. f. wissen¬ 
schaftl. Mikroskopie und fur mikroskopische Technik. Bd. XXIV. 1907. 
Heft 3. S. 274—277.) 

Nach den Angaben von Henneberg hat die Firma Leitz einen 
Apparat zur Anfertigung von Schnittbandem hergestellt. Er kann an 
dem Leitzschen Kettenmikrotom angebracht werden. Es ist mit seiner 
Hilfe moglich, langere Schnittbander zu erhalten. Dieselben werden 
automatisch vom Messer abgeffihrt, entfaltet und getragen, so daB sie 
nicht vom Messerriicken herunterh&ngen. Lieberknecht (Posen). 

Sehouten, 8. L., Methode zur Anfertigung der glasernen 
Isoliernadeln, gehfirend zu dem Isolierapparat fur Mi- 
kroorganismen. (Zeitschr. f. wissenschaftl. Mikroskopie und fur 
mikroskopische Technik. Bd. XXIV. 1907. Heft 3. S. 258—268.) 

Der Verf. gibt eine genaue Schilderung der technischen Kunstgriffe 
zur Anfertigung glaserner Isoliernadeln. Die Hilfsapparate hierzu liefert 
der Universitats-Mechaniker D. B. Kagenaar sr., Begynekade 19/20, 
Utrecht, zum Preise von 100 Mk. (ohne die Nadeln). 

Lieberknecht (Posen). 

Beehhold, H., Kolloidstudien mit der Filtrationsmethode. 
(Zeitschr. f. pliysikaL Chemie. LX. 257—318.) 

Beehhold, H., Die Gallertfiltration (Ultrafiltration). (Zeitschr. 
£. Chemie u. Ind. d. Kolloide. II. Heft 1 u. 2.) 

Im Oktober 1906 brachte Verf. eine kurze Notiz fiber „Fraktionierte 
Filtration von Kolloiden“, in der er mitteilte, daB sich Gallerten aus- 
gezeichnet als Filter verwenden lassen und daB sie je nach ihrer Kon- 
zent ration mehr oder minder durchlassig sind, so daB man nicht nur 
geloste Kolloide mit grbBerer Molekel (wie Hamoglobin, Serumalbumin usw.) 
durch Filtration von ihrem Losungsmittel trennen, sondern sogar ver- 
schiedene Albumosen je nach ihrer TeilchengroBe durch Filtration von- 
einander scheiden kann. 


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220 


Untersnchungsmethoden, Instrumente etc. 


Inzwischen ist es dem Verf. gelnngen, die Methode, welclie er als 
Ultrafiltration bezeichnet, so weit auszubilden, daB es jedermann 
mbglich ist, sie fiir praktische oder wissenschaftliche Zwecke zu ver- 
wenden. Sie erlaubt bei ganz geringen Ueberdrucken (0,2—5,0 Atmo- 
spliaren) durcli ein aufierst billiges, in Massen herstellbares, sterilisier- 
bares Material eine rasclie Filtration zu erzielen. Auch die Yoraus- 
setzung des Verf. erwies sich als richtig, daB es namlich moglick sein 
miisse, die Filterdichte beliebig zu variieren, indera man 
die Gallertkonzentration abandert. 

Als Gallerten benutzte Verf. kauptsachlich Eisessigkollodium, das 
durch Eintauchen in Wasser gelatiniert war, ferner Gelatine, die in 
Formaldekyd gehartet wurde. 

Um der Gallerte einen Halt zu geben, muB man Gewebe, Filter- 
papier oder dergleichen damit impriignieren. Taucht man Filterpapier 
od. dgl. in die Gallertlbsung, so bleiben haufig Luftblasen zuriick und 
die Gallerte bildet unter Umstanden nacli dem Gelatinieren nur eine 
leickt verletzbare auBere Haut. Um diesem Uebelstande zu begegnen, 
hat Verf. die Filter im Vakuum impragniert, zu welckem Zweck er 
einen geeigneten Apparat hergestellt hat. 

Die Filter werden dann mehrere Tage in fliefiendem Wasser ge- 
lassen und in Wasser aufgehoben, dem man etwas Chloroform zusetzt. 

Es sei erwahnt, daB es Verf. auch gelang, durch die ublicken 
Dyalisierraembranen, wie Pergamentpapier, Fischblase und 
Amnion haut zu filtrieren. 

Das Wasser liiBt sich in den kimstlichen Filtern sukzessive durch 
organise he Flussigkeiten (Alkohol, Aceton usw.) ersetzen. 

Die Filterscheiben werden in einen Filtrierapparat 1 ) einge- 
spannt, indem die Filtration unter geeignetem Druck vor sich geht 
Verf. beschreibt dann die Eigenschafteu und Wirkung dieser neuen 
Filter. 

Um die Filter verschiedener Herstellung miteinander vergleicken 
zu konnen, wahlt Verf. als Mafl, an dem die Durclilassigkeit der Filter 
gemessen werden kann, lproz. Hamoglobinlosung (neuerdings Kohlen- 
oxydhamoglobin). 

Die groBten Poren eines solclien Filters halten noch Teilchen zuriick, 
welche kleiner als 20 up sind; denn vergleicliende ultramikroskopische 
und Filtrationsversuclie mit Hamoglobin und Kollargol haben gezeigt, 
daB Filter, welche eine Kollargollosung von durchsclinittlich 20 pp ge- 
rade vollkommen zuriickhalten, nur noch Spuren einer Hamoglobin- 
losung passieren lassen. V T erf. beschreibt dann eingehend seine Unter- 
suchungen iiber die Filterwirkung, die eine ungleiche GrtiBe der Filter- 
poren, eine ungleiche Grofie der Teilchen in kolloidalen Losungen und 
in bestimmten Fallen Adsorptionswirkung erweist. Auf Grand der vom 
Verf. vorgenommenen Ultrafiltrationsversuche gelangt er zu 
nachstehender Reihenfolge in der TeilchengroBe der untersuckten kolloiden 
Losungen: 


Die Filtrierapparate ebenso wie der Impragnierapparat niul der spiiter erwabnte 
Ueberfiihrungsapijarat siud zu beziehen bei den „Verein. Fabriken fiir Laboratoriums- 
bedarf“, Beilin N., Scharnliorststrafie 22. 


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1 



Untersuchungsmethoden, Instrumeiite etc. 


221 


Suspensionen. 


Betlinerblau 
Platinsol (nach Bredig) 

Kolloides Eisenoxyd 
Kasein (in Milch) 

Kolloides Arsensulfid 
Goldlosung (Zsigmondy) (ca.40ju/<) 
Bismon (koll. Wismutoxyd n. Paal) 
Lysargin (koll. Silber n. Paal) 
Kollargol (koll. Silber v. Heyden) 
(ca. 20 ///<) 

Goldlosung (Zsigmondy) (ca. 4 ^/t)*) 
1 Proz. Hamoglobinlosung 


lproz. Gelatinelosung 
Serumalbumin (Molekulargew. 5000 
bis 15000) 

Diphtherietoxin 

Protalbumosen 

Kieselsaure 

Deuteroalbumosen A (Molekulargew. 
ca. 2400) 

Deuteroalbumosen B u. C 
Lackmus 

Dextrin (Molekulargew. ca. 965) 
Kristalloide. 


Verf. fand, daB Lab, Arachnolysin (Spinnengift), Staphylolysin (die 
letzteren beiden hamolytische Toxine) stark adsorbiert, das Antilab des 
Pferdeserum und das auf die Nerven wirkende Diphtherietoxin wenig 
adsorbiert wird. Weitere Versuche betreffen die Adsorption von Me¬ 
thyl enblau (als Kristalloid) durch Serumalbumin (als Kolloid), die quanti- 
-tativ verfolgt wird, was erst durch die neue Filtrationsmethode moglich 
ist, ferner die gegenseitige Adsorption verschiedener anorganischer 
Kolloide. 

Verf. beschreibt ferner die Trennung der verschiedenen Albumosen 
des Witte-Pepton durch fraktionierte Ultrafiltration, des Globulin von 
dem Kochsalz, in dem es gelost ist, der Verdauungsprodukte des Kasein, 
der kristalloiden Bestandteile der Milch (Milchzucker, Salze), vom Fett 
und Kasein u. a. und klart schlieBlich die Rolle der Schutzkolloide bei 
der Filtration auf. 

Bei der Frage ob „Filtration Oder Dialyse" erortert Verf. die Vor- 
ziige der einen und der anderen Methode und schreibt schlieBlich: 

Es ware jedoch vollkommen irrtumlich, wenn man den Wert 
der Filtrationsmethode an der Dialysiermethode be- 
messen Oder mit ihr vergleichen wollte. Sie leistet ja 
vielfach etwas anderes, etwas neues. 

Als Beispiel fur die Verwendbarkeit der Methode in der Biologie 
und Medizin moge nachstehender Versuch dienen. 

In einer im vorigen Jahr erschienenen Arbeit 2 ) war eine Anzahl 
neuer Desinfektionsmittel beschrieben worden, die auf eine Reihe von 
patiiogenen Bakterien eine eminente Desinfektionskraft ausuben. Es 
waren darunter solche, die noch in einer Verdunnung von fiber einer 
halben Million Bouillonkulturen von Diphtheriebazillen in der Entwick- 
lung hemmten. Diese Substanzen hatten gleichzeitig den Vorzug, 
praktisch sehr wenig giftig zu sein, so dafi es moglich war, dem Tier- 
kori>er ohne Schaden Dosen einzuverleiben, von denen schon weniger als 
der hundertste Teil genfigt haben wurde, die Bakterien in vitro in der 


I ) Die SteHnng dieser Goldlosung in ihrem Verhaltnis zu Hamoglobin kann noch 
nicht als detinitiy angesehen werden. 

*) Beziehungen zwischen chemischer Konstitation und Desinfektionswirkang yon 
Dr. H. Bechhold und Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Paul Ehrlich (Zeitschr. f. physiol. 
Chemie. 47. S. 173—179). 


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222 


Untersuchungsmethoden, Inatrumente etc. 


Weiterentwicklung zu hemmen, bzw. in 24 Stunden sogar abzutoten. 
Dies reizte naturlich sehr, auch Desinfektionsversuche im Tierkbrper 
vorzunehmen. Merkwiirdigerweise blieb jeder Erfolg aus, und es zeigte 
sich auch, dafi, wenn man die betreffenden Bazillen in Serum statt in 
Bouillon zuchtete, jene Desinfektionsmittel in ihrer Wirknng aufier- 
ordentlich geschwacht wurden. Wahrend z. B. Tetrachlor-o-biphenol 
noch in einer Verdiinnung von 1:320000 jede Entwicklung von Diph- 
theriebazillen in Bouillonknltur hinderte, entwickelten sich in einer 
Semmkultur bei Verdiinnung des genannten Desinfiziens anf nur 1:10000 
immer noch vereinzelte Kolonien. Man konnte nun im Zweifel sein, ob 
lediglich die viel giinstigeren Lebensbedingungen der Bakterien in 
dem dem lebenden Organismus entnommenen Serum dies Resultat znr 
Folge hatte, oder ob chemische bzw. physikalisch-chemische Griinde dies 
bedingten. 

Verf. hat nun vermittels der Filtrationsmethode gepriift, ob viel- 
leicht die festen Bestandteile des Serums, das Albumin, Globulin nsw. 
das Desinfiziens binden, ob also vielleicht im Serum nur geringe Mengen 
Desiniiziens disponibel sind, so gering, dafi sie den Bakterien nicht 
schaden konnen. Zu dem Zweck stellte er Serumlosung her, welche 
einen Gehalt von 1 Proz. Tetrachlor-o-biphenol enthielt, und filtrierte 
diese durch ein Filter, welches die Eiweifik&rper vollkommen zuruck- 
hielt, wahrend es das Tetrachlor-o-biphenol passieren lieB. Wfihrend 
aus der wasserigen Lbsung nur ein mafiiger Bruchteil Desinfiziens durch 
das Filter absorbiert wurde, passierten aus der Serumlosung nur 12,5 Proz. 
vom urspriinglichen Gehalt an Desinfiziens. 

Es waren somit in dem Serum mit einem Gehalt von 1 Proz. Tetra¬ 
chlor-o-biphenol in Wirklichkeit nur eine ca. 1 pro Mille-Lbsung fur die 
Desinfektion disponibel. Da nun bei alien Absorptionen die Kurve der- 
artig verlauft, dafi bei gleichbleibender Menge des Absorbens und ab- 
nehmender Menge der absorbierten Substanz, die absolute absorbierte 
Menge aber zunimmt, so kann es kommen, dafi bereits in einem Voll- 
serum, welchem 1:10000 Desinfiziens zugesetzt ist, praktisch die ge- 
samte Menge des Desinfiziens vom Serum mit Beschlag belegt ist. Els 
stimmt dies mit den eingangs gefundenen Ergebnissen der friiheren 
Publikation. 

Es ist somit sicher, dafi in erster Linie chemische Oder physikalisch- 
chemische Ursachen, namlich die Bindung des Desinfiziens durch das 
Blutserum, die Herabsetzung der Desinfektionswirkung im Organismus 
bedingten, dafi rein biologische Begiinstigung des Bakterienwachstums 
durch bessere Lebensbedingungen, wenn iiberhaupt vorhanden, nur eine 
nebensachliche Rolle spielen. 

Mit geniigend dichten Filtern gelang es Verf. leicht, nicht nur 
vollkommen steriles Wasser zu gewinnen, sondern sogar Wasser, 
das imUltramikroskop leer erschien, also keine ultramikroskopischen 
Teilchen enthielt, doch geht die Filtration relativ langsam vor sich. 
Kommt es jedoch nicht auf absolut sich ere Sterilitat, sondern nur anf 
bedeutende Vermindernng der Eeimzahl an, so kann man 
weitporige Filter mit recht erheblicher Filtrationsgeschwindigkeit nehmen 
und erzielt recht hiibsche Resultate. So gab z. B. ein Leitungswasser 
mit einem Durchschnittsgehalt von 69 Keimen im Kubikzentimeter bei 
einer Filtrationsgeschwindigkeit von 50 ccm in der Minute durch eine 


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Untersnchnngsmethoden, Instrumente etc. 


223 


Filterflache von 35 ccm im Dnrchschnitt 2 Keime; ein kiinstlich infi- 
ziertes, iibelriechendes Wasser, das im Kubikzentimeter oo Keime ent- 
hielt, gab im Filtrat 42 Keime pro Kubikzentimeter. 

Verf. weist znm SchluB anf die Bedeutung des Yerfahrens fur die 
biologische und medizinische Chemie hin. (Zuckerbindung 
im Blut, nicht dialysabele Stoffe des Hams, Filterwirkung der 
Nieren, Trennung von Organflttssigkeiten, Konzentration wirksamer * 
Substanzen (auch Heilsera) filtrierbare Infektionserreger.) 

Autoreferat. 

Wittneben, Weitere Erfahrungen mit Filter „Z“. (Hygien. 
Rundschau. 1907. No. 14.) 

Verf. hatte die Hoffnung ausgesprochen, daB das Filter „Z“ nicht 
nur in betreff der Ergiebigkeit, sondern auch qualitativ sich dem 
Berkefeldschen flberlegen zeigen wiirde, die Erwartung bestatigt sich 
nicht, er kommt zum SchluB, daB das neue Filter zur Verwendung bei 
infektionsverd&chtigem Wasser noch nicht empfohlen werden kann. 

Meyer (Saarbriicken). 

Rosenthal, Untersuchungen iiber die Filtration von Hiihner* 
pestvirus und von feinsten Bakterien und iiber die 
Eigenschaften porbser Filter. (Zeitschr. f. Hygiene u. Infek- 
tionskrankheiten. Bd. 60. 1908. Heft. 2. p. 169. 

Rosenthal teilt Versuche mit, welche er im Yerlauf einer noch 
nicht abgeschlossenen Arbeit liber das submikroskopische Virus der 
Huhnerpest angestellt hat. ZunUchst befaBte er sich mit Filtration der 
infektibsen Korpersafte. Das Virus passierte regelmaBig die Berke- 
feld-Filterkerzen, auch wenn diese sich gegenuber den Testbakterien 
(Schweinerotlaufstabchen und B. pyocyaneum) als durchaus dicht erwiesen. 
Dafi es sich dabei um Durchtritt des lebenden Virus, nicht des Toxins 
handelte, ergab Fortzuchtung des Virus von den mit einwandfreiem 
Filtrat infizierten Tieren. Pukall- und andere im Handel befindliche 
Filter aus Porzellanmasse erwiesen sich auch bei kurzdauernder Filtra¬ 
tion fur die vorerwahnten Bakterien bfters als durchl&ssig, als undurch- 
lassig dagegen die dem Reich elschen Filtrierapparat beigegebenen 
Filterkorper und zwar sowohl ein aus Berkefeldmasse geschnittener, wie 
ein aus Porzellanmasse gebrannter. Verf. beschloB den Versuch zu 
machen, Filtersubstanzen zu linden, welche Bakterien (selbst Spir. parvum ) 
zuverlassig zuruckhalten, aber das Virus leicht passieren lassen, und 
zweitens solche, welche auch das Virus vollkommen zuruckhalten, aber 
Flfissigkeiten und vielleicht kolloide Partikelchen durchtreten lassen. 

Zu seinen Versuchen verwendete R. einen selbstgebauten Filter- 
apparat (beschrieben im Centralbl. i Bakt. I. Orig. Bd. XLV. S. 563), bei 
dem sich einfache zylindrische Scheiben verschiedener Filtersubstanzen 
und von wechselnder Dicke verwenden lieBen. 

Die Arbeiten R.s beziehen sich zuerst auf Filtration bei Variierung 
einzelner Bedingungen. Es gelang R. zwar nicht ein porbses Filter 
zu linden, welches das Hiihnerpestvirus immer vollkommen zuriickh8.lt, 
er konnte aber feststellen, daB gewisse Filter hbchstens den 10 000. Teil 
des Virus passieren lieBen. Er schloB nun: gelinge es kolloide Losungen 
zu linden, deren unter sich gleichm&Bige Teilchen durch dieselben Filter 


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224 


Uutersuchungsmethodeii, Instrumente etc. 


in almlichem Oder etwas geringerem MaBe zuriickgehalten werden, so 
konne man ans der GrbBe dieser Teilchen auf die Erreger der Hiihner- 
pest zuriickschlieBen und eine untere Grenze fur deren GrbBe haben, 
wie das Spir. parvum den oberen Grenzwert darstelle. Dabei besteht 
die Annahine, daB die Filter sich wie ein Sieb verhalten; ob diese An- 
nahme bereclitigt ist, suchte R. durch Bestimmung der PorengroBe zu 
ergriinden. Er fand, daB die ,,wirksame PorengroBe“ einer bakterien- 
dichten Filterplatte zwischen 0.5 und 2 liegt. 

Nach Betrachtung der grob mechanischen Bedingungen bei der 
Filtration wendet sich R. den Molekularkraften zu, welcke frtiher als 
„Flachenattraktion“, jetzt als „Adsorption" bezeichnet werden. 

Da Beijerinck die Frage aufgeworfen hat, ob filtrierbares Virus 
ein geformter Korper im gemeinen Sinne oder ein geloster sei, erschien 
es R. wichtig festzustellen, in welchem MaBe EiweiB durch die ver- 
wendeten Filter zuriickgehalten werde. Es zeigte sich, daB reines 
Kaolin und Kieselgur, in geringerem Grade Asbest nicht unbetrachtliche 
EiweiBmengen aus einer Losung zu adsorbieren vermogen. — Um eine 
untere GroBengrenze fur Viruspartikelchen festzustellen, erachtet R. es 
fur notig kolloide Losungen oder feinste Suspensionen zu linden, welche 
sich wie das Virus durch Filter zuriickhalten lassen. 

S c h i 11 (Dresden). 

Rosenthal, Stephanie, Beitrag zur Gramfarbung. (Hyg. Rund¬ 
schau. 1907. No. 2.) 

Verf. verglich die urspriingliche Gramsche Farbung mit den Modi- 
fikationen von Nicolie und Dreyer. Die schonsten Praparate gibt 
stets die frische Ehrlichsche Violettlosung. Das Nicollesche Ver- 
fahren ist unsicher, wahrend die Dreyersche Modifikation den Vorzug 
der Haltbarkeit der Farbliisung mit guter Tinktion verbindet. 

Meinicke (Saarbrucken). 

Morelli, E., Di un nuovo metodo per svelare l’indolo a scopo 
batteriologico. (Rivista Critica di Clinica Medica. 1908. Anno IX. 
No. 5.) 

Um das Vorhandensein von Indol zu bakteriologischem Zwecke 
nachzuweisen, empfiehlt Verf. folgendes Verfahren als ein sehr einfaches: 

Man taucht einen schmalen Streifen FlieBpapier in eine warnige- 
sattigte Oxalsaureliisung ein; beim Erkalten bleibt der Streifen mit 
Oxalsaure in Substanz ganz bedeckt, da ein solcher Kdrper weniger in 
der Kalte, als in der Warme loslich ist. Der sterilisierte Streifen wird 
in der Atmosphare des Glasrohrcliens aufgehangt. Um die Technik zu 
einer leichteren zu gestalten, werden die Streifen — etwa 10 cm lang —, 
vor dem Eintauchen in Oxalsaure, bei 2 / 8 etwa ihrer Lange spitzwink- 
lich umgebogen; die dadurch entstehende Knickung dient zum Fest- 
halten des Streifens am Rande des Glases, vor SchlieBung dieses letzteren. 
Man achte darauf, daB das FlieBpapier keine Nahrflussigkeit aufsauge. 

Durch Indolbildung von seiten der Mikroorganismen wird die weifie 
Oxalsaure allmahlich rot und schlieBlich intensiv rot, wenn die Berubrung 
mit den Indoldampfen langer andauert. Auch eine schwache Rotfarbung 
deutet auf eine positive Reaktion hin. 


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Untersuchnngsmethoden, Instruments etc. 


225 


Yerf. gibt an, er habe bisher stets positive Ergebnisse fiir indol- 
bildende, negative fiir nicht indolbildende Mikroorganisraen erzielt; und 
dies sowohl mit Bouillon- als auch mit Agarkulturen. 

Negri (Pavia). 

Konnotte, Maurice et Demanche, Robert, Dosage de l’indol dans 
les cultures microbiennes. (Compt. rend. hebd. de la Soc. de 
Biol. 1908. No. 14.) 

Die Autoren haben friiher eine sehr empfindliche Methode mitge- 
teilt, ura Indol in Bakterienkulturen zu bestimmen. Sie haben jetzt die 
Methode so verfeinert, daB eine quantitative Bestimmung des Indols 
moglich wird. Es handelt sich um eine kolorimetrische Vergleichtitrierung; 
sie Ibsen 34 mg Indol in 100 ccm destillierten Wassers auf und fiillen 
in 10 Rohrchen, die mit je 10 ccm Peptonwasser gefiillt sind, je 1, 2 
usw. bis 10 Tropfen der Titerlbsung. Ein Tropfen der Titerlbsung ent- 
spricht 0,02 mg Indol. Die Rohrchen werden dann zusammen mit den 
zu priifenden Kulturen w&brend 10 Minuten in kochendes Wasser gestellt 
uudjedem Rbhrchen 10 Tropfen einer Losung von Natrinmnitrit 1:1000 
und 4 Tropfen konzentrierter Schwefels&ure zugefiigt. Der Vergleich 
der Farbung der Kulturlbsung mit den mit Titerlbsung beschickten 
Rbhrchen ergibt gleich den Indolgehalt. 

A. Wolff-Eisner (Berlin). 

Aperlo, 6 ., Contributo alio studio dello sviluppo degli 
auaerobi nel brodo itenuto a contattQ dell’ aria. (Riv. 
d’lgiene. 1907. No. 19.) 

Kiirzlieh hat Tarozzi eine Methode angegeben, welche es ermog- 
licht, anaerobe Keime in einer besonderen Bouillon ohne Luftabschlufl 
zum Wachstum zu bringen. Diese Bouillon hat alkalische Reaktion, 
euthalt 2 Proz. Glukose und wird im Autoklav bis auf 2 Atmospliaren 
erhitzt. 

Tarozzi schreibt das besondere Nahrvermogen dieser Bouillon fur 
die anaeroben Keime auBer der Wirkung der Glukose auch der stark 
hervortretenden alkalischen Reaktion zu, ferner der hohen Temperatur, 
in welch er sie sterilisiert wird. 

Yerf untersuchte zuerst, wie sich unter den von Tarozzi ge- 
schatfeneu Verhaltnissen andere Kohlenhydrate verhalten; er stellte mit 
Glukose, Lavulose, Laktose, Galaktose enthaltender Bouillon Versuche 
an. ferner mit Bouillon ohne Zusatz von Kohlehydraten. Er konnte 
dabei feststellen, daB man auch in der einfachen Bouillon ohne Zusatz 
von Glukose das Wachstum anaerober Keime, wie: Tetanusbazillus, 
Rauschbrandbazillus und Bazillus des malignen Oedems, erhalten kann. 

Ferner konnte Verf. feststellen, daB die Keime auch in neutraler 
Bouillon und in Bouillon, die im Autoklaven eine halbe Stunde lang bei 
einer Atmosphare sterilisiert war, wuchsen. 

Dagegen geht aus den vom Verf. angestellten Versuchen hervor, 
daB die Erscheinung im engsten Zusammenhang steht mit der Frische 
der verwandten Bouillon, denn er konnte feststellen, daB auch bei Ver- 
wendung einfacher Bouillon ein Wachstum des Tetanus-, des Rausch¬ 
brandbazillus, sowie des Bazillus des malignen Oedems erhalten werden 

Erste Abt. Refer. Bd. XLIt. No. 7/8. 15 


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226 


Uutersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


kann, wenn die Bouillon frisch prapariert ist, das heifit nicht alter ist 
als 24—36 Stunden. Ceradini (Mailand). 

Marino, F., Methode pour isoler les anaerobies. (Ann. de l’inst. 
Past. XXI. 1907. No. 12. p. 1005. 

Verf. benutzte als Nahrboden eine 3—5 Proz. Glukose entbaltende 
Gelatine unter Zusatz von 1 ccm Pferde- Oder Kaninchenserum auf 
30 ccm. Diese Mischung wird in fliissigem Zustand in die weitere 
Halfte einer Petrischale gegossen und die andere Halfte verkehrt auf- 
gesetzt, so dafl die Oeffnung nach oben sieht und die Glasflache direkt 
auf die Gelatine kommt. Fiirst (Munchen). 

Guillemot et Szczawinska, Bole des substances reductrices 
dans la culture des anaerobies en presence de l’air. 
(Compt. rend. Soc. biol. T. 64. 1908. No. 4. S. 171—173.) 

Organstiicke von frisch getoteten Tieren, die in eine mit Methylen- 
blau leicht gefarbte gewohnliche Bouillon gebracht werden, entfarben 
die Bouillon in ihrer nSchsten Umgebung vollstandig. Auch andere 
Substanzen, wie eBbare Pilze, Hollundermark etc. vermogen diese redu- 
zierende Wirkung hervorzubringen. Anaerobier wachsen in dieser 
Bouillon gut, namentlich in der nachsten Umgebung der in die Bouillon 
gebrachten organischen Substanzen. Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 


Cohendy, Bouillon intestinal pour l’isolement et l’etnde 
des anaerobies stricts et facultatifs de l’intestin. 
(Compt. rend. Soc. biol. T. 63. 1907. p. 649.) 

Auf Nahrboden, die aus den Verdauungsorganen, d. h. Zunge, 
Magen, Darm, Leber und Pankreas von Hunden, Schafen, Schweinen 
Oder Huhnern hergestellt sind, wachsen die Mikroben des Darms rasch 
und iippig. Besonders bilden die obligaten und fakultativen Anaerobier 
des Darms schon nach 24 Stunden im 38° Brutschrank deutliche 
Kolonien. Wird also ein Nahrboden moglichst der naturlichen Um¬ 
gebung der betr. Bakterien angepaCt, so entwickeln sich diese rascher 
und Uppiger als sonst. Dieterlen (Gr.-Lichterfelde). 


Gufoiiot, P., Culture directe sur placenta humain des 
microbes pathog^nes. (Compt. rend.hebd. Soc.biol. T.63. 3. Nov. 
1907. No. .31. p. 395,) 

Yerf. hat Teile der menschlichen Plazenta, die steril durch Kaiser- 
schnitt entnommen Oder auf naturlichem Wege abgegangen war, direkt 
ohne weitere Verarbeitung als Nahrboden benutzt. Er bringt die steril 
entnommenen Stiicke in sterile Reagenzgiaser, deren Boden von einigen 
Tropfen sterilen Wassers bedeckt ist, um die Stiickchen vor dem Aus- 
trocknen zu bewahren. Die Plazentarstuckchen blieben bis zu 10 Tagen 
frisch im Aussehen und im Geruch. Es ist ihm gelungen, den Pyocyatieus , 
den Staphylococcus aureus und den Milzbrandbazillus darauf zu zuchten. 

Zum SchluB schlagt Verf. vor, die Zuchtung der Spirochaeta pallida 
auf diesem Nahrboden zu versuchen. Kersten (Berlin). 


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Untersuchungsmethoden, Instrument* etc. 


227 


Dominikewltsch, M., Zur einheitlichen Zusammensetznng 
and Bereitung der Bakterien-Nfihrsubstrate. (Westnik 
obschtechestwennoi Gigieny. (Boote f. offentl. Hygiene.) 1908. No. 3. 
S. 356.) 

Die technischen Schwierigkeiten der gegenwartig iiblichen Methoden 
zur Bereitung von Agar- und Gelatine-Nahrmedien, sowie die Ungleich- 
mafiigkeit der hierbei erzielten Praparate sncht Verf. dadurch zn be- 
seitigen, dafi er folgende neue Yerfabren anwendet. 

30—40 g Agar-agar (Pulver) werden in 200—400 ccm Wasser 
nnter Erhitzen gelost, darauf etwas abgekiihlt, aber noch warm, unter 
bestandigem Umruhren in feinem Strahl in 500—700 ccm Alkohol ge- 
gossen, welcher mit Essigsaure schwach angesSuert ist. Hierbei bildet 
sich sofort ein lockerer weifler Niederschlag, der anf einem Biichler- 
Trichter Oder anf ansgespannter Leinewand so lange mit Alkohol ge- 
waschen wird, bis das Filtrat neutral reagiert. Nach Trocknung bei 
100 0 erhait man eine porose Masse, welche sich leicht in feines, leichtes, 
schneeweifies Pulver verwandeln lafit. Durch Zusatz eines bestimmten 
Quantums dieses Pulvers zur fertigen Bouillon gewinnt man ohne 
Filtration ein Substrat von konstantem Agargehalt. 

Anstatt die Gesamtmenge des Agars vor dem Zusatz zur Bouillon 
mit Alkohol zu fallen, kann man auch eine lOproz. wfisserige Vorrats- 
losung von Agar bereiten, sie genau neutralisieren, filtrieren und darauf 
ihren Gehalt an erstarrungsfahiger Substanz durch Alkoholfallung eines 
kleinen abgemessenen Probequantums bestimmen. 

Fiir die Bereitung von Gelatine-Substraten empfiehlt Verf. gleich- 
falls, zur fertigen (entsprechend starker konzentrierten) Bouillon abge- 
messene Mengen einer sorgfaltig neutralisierten Vorratslosung von be- 
kanntem Gelatinegehalt hinzuzusetzen. Letzteren bestimmt er an kleinen 
Proben (2—5 g) nach Ejeldahl, nachdem er zuvor den N-Gehalt der 
kauflichen Gelatine festgestellt hat. Derselbe betrug im Mittel aus 4 
Untersnchungen 18,03 Proz. (nach Faust —17,97, nach Chittenden 
— 17,68, nach Sadikoff — 18,18 Proz.). A. Wladimiroff. 

Levy, R., Differentialdiagnostische Studien uberPneumo- 
kokken und Streptokokken. (Arch. f. path. Anat. Bd. 187. 
1907. H. 2.) 

Nach den Versuchen Neufelds mit „kristallisierter Galle“ lag es 
nicht mehr so fern, gallensaure Salze zur Anstellung differentialdiagnosti- 
scher Untersuchungen zu verwenden, was den Hauptvorzug hatte, 
dafi sich eine genaue quantitative Konzentrationsgrenze festsetzen liefi. 
L.s Yersuche warden durchweg mit taurocholsaurem Natrium (von E. 
Merck) ausgefuhrt, die Verdiinnungen mit Nahrbouillon hergestellt. Die 
Liisnng ist bei jedem Yersuch frisch zu bereiten Oder darf wenigstens 
nicht alter sein als wenige Stunden. Es zeigte sich, dafi das tauro- 
cholsaure Natrium in einer Konzentration von 2,5 Proz. 
bei alien untersuchten StSmmen von Diploc. lanceolatus 
nnd Streptoc. mucosus mikroskopisch eine vollkommene 
Bakteriolyse bewirkt,dafi dagegen alle anderen Strepto¬ 
kokken in keiner Weise davon beeinflufit werden. 

Fur die praktische Anwendung des Diagnostikums empfiehlt er 

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Uutersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


folgende einfache Anordnung: Man vermische gleiche Teile (0,5 ccm 
hinreichend) einer 5- Oder 10 proz. Losung von taurocholsaurem Natrium 
in Bouillon und einer 24stundigen Bouillonkultur, und als Kontrolle 
gleiche Teile Kultur und gewohnlicher Nahrbouillon; man hat also 
Konzentrationen von 2,5 Oder 5 Proz. erreicht. Dann schiittle man 
einige Mai kraftig und in der Regel sieht man sofort, selten erst nach 
einigen Minuten, dafi die mit galleusaurem Salze versetzten Rohrchen 
mit Pneumokokken- Oder Streptoc. wmrosMs-Kultur gegeniiber der triiben 
Kontrolle vollkommen aufgehellt und klar erscheinen. Hat man ver- 
gleichsweise gleichzeitig auch eine Reaktion mit einem gewohnlichen 
Streptokokkus angestellt, so ist der Unterschied selir eklatant. Die 
makroskopische Betraclitung reicht indes zur sicheren Beurteilung nicht 
aus. Hat man z. B. nicht sehr iippig gewachsene Kulturen vor sich 
in einer vielleicht noch sehr hellen Bouillon, so kann schon durch die 
Verdimnung allein die Mischung aufgehellt erscheinen. Die Entschei- 
dung liefert einzig der hangende Tropfen. Bei Streptokokken war in 
keinem Fall ein Unterschied in der Anzahl Oder dem Aussehen der 
Kokken in den Versuchsrohrchen und der Kontrolle zu sehen. Handelte 
es sich hingegen um den Pneumokokkus Oder den Streptoc. mucosus, so 
war bei den angegebenen Konzentrationen niemals auch nur eine Spur 
von Kokken im hiingenden Tropfen zu erkennen; in der Kontrolle hin¬ 
gegen fanden sie sich in reichlieher Anzahl. 

Abgesehen vom Tierversuch lieferten Blutagar, Iuulinnahrboden 
und Lackmusnutroseagar keine zuverlilssigen Ditferenzierungsergebnisse. 
Der Streptoc. mitior Schottmullers stellt danach einen vom Streptoc. 
longus vollkommen abzusondernden Typus nicht dar. Der Streptoc. nmo- 
sus ist nach alien bis jetzt gewonnenen Merkmalen eine Varietat des 
Pneumokokkus und entsprechend zu bezeichnen ( Pncunioc . var. mucosus). 

Miihlschlegel (Stuttgart). 

Berry, J. L., A study of the pneumococcus, with especial 
reference to the inulin test. (Journ. of inf. dis. IV. 1907. p.93.) 

Die Formveranderungen, welclie die verschiedenen Pneumokokken- 
stamme in Kulturen zeigen, sind immer bloll voriibergehend; sie ver- 
schwinden, sobald die Mikroorganismen sich wieder in gunstigen Ver- 
haltnissen befinden; nur in Ausnahmefallen sind sie dauernd. In diesen 
Modilikationen seiner Fom scheint sich der Pneumokokkus dem Strepto¬ 
kokkus zu nahern. — Was die Inulin-Garungsfahigkeit anbelangt, so 
ist sie in hochstem Grade wechselnd, scheint jedoch bei wiederlioltem 
Passieren durch den Organismus zuzunehmen. Sie mu6 jedenfalls nicht 
als absolut spezifisch fur das Genus Pneumokokkus angesehen werdeu. 

Schrumpf (Strafiburg). 

Heim, L., Ueber Pneumoniekokken. (Deutsche mecL Wochenschr. 
1907. S. 1587.) 

Fiir die (Kapsel-)Farbung der Pneumokokken wird folgendes Ver- 
fahren empfohlen: Man farbt 20 Sekunden mit Loeffler-Methylenblau, 
spult ganz fliichtig mit Wasser und trocknet alsbald zwisclien Filter- 
papier. Fixierung mit Osmiumtetroxyddampfen, die wirken sollen, so- 
lange der Ausstrich noch feucht ist, Oder mit Methylalkohol 2—3 Mi- 


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Untersnchungsmethoden, Instramente etc. 


229 


nmen lang. — Fur die Ziichtung bewahrte sich folgendes Yorgehen: 
10 g Hamoglobin werden mit 90 ccm destillierten Wassers und 10 ccm 
ungefahr lOproz. Kalilauge versetzt; das Gemisch wird ira stromenden 
Dampfe sterilisiert Yon dieser Losung fiillt man in ein Rohrchen mit 
7 ccm N&hragar 1 ccm, verfliissigt im siedenden Wasserbade, mischt 
and lafit schrag erstarren Oder gieflt znr Platte aus. Das Hamoglobin 
fordert auch das Wachstum yon Typhus-, Friedlander-, Cholera-, 
Metschnikoff - Bazillen. — Znr Aufbewahrung wird kokkenhaltiges 
Bint oder Exsudat ausgetrocknet oder an Seidenfaden angetrocknet. 
Die Yirulenz der Pneumokokken erhalt sich dabei wenigstens 6 Monate. 
Das Verfahren eignet sich auch fur Streptococcus mucosus, Typhus-, 
Diphtheriebazillen, Micrococcus tetragenus, dagegen nicht fur Huhner- 
cholerabazillen, Vibrionen, Gono- und Meningokokken. Fur derartige 
Maflnahmen hat H. ein Besteck angegeben, welches keimffeie Seiden¬ 
faden in Chlorkalziumrohren sowie Zubehor fur die keimfreie Entnahme 
und fur Ausstrichpraparate enthalt (Lautenschlager-Berlin). 

Georg Schmidt (Berlin). 

Koniger, H., Die zytologische Untersuchnngsmethode, ihre 
Entwicklung und ihre klinische Yerwertung an den 
Ergiissen seroser Hohlen. 8°. 112 Seiten. Jena (Verlag yon 
Gustav Fischer) 1908. Preis: Mk. 2,50. 

Die zytologischen Befunde der Ergusse seroser Hohlen, d. h. Be- 
funde uber den gesamten Zellgehalt der in Frage kommenden Flussig- 
keiten, wurde schon langere Zeit diagnostisch verwertet; doch immer 
wieder wurden Zweifel an der diagnostischen Brauchbarkeit der Me- 
thode laut. 

Yerf hat deshalb als erster den Versuch gemacht, durch eine moglichst 
objektive Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der zytologischen 
Untersuchung und durch eine kritische Uebersicht liber ihre bisherigen 
positiven Ergebnisse ein Bild von dem Werte dieser Untersuchungs- 
methode fiir die Klinik und zugleich von den Grenzen ihrer Leistungs- 
fsihigkeit zu geben. 

Dieser Yersuch ist dem Verf. gut gelungen. Er gibt in klarer, 
ubersichtlicher Weise nach einer Darstellung des geschichtlichen Ent- 
wicklungsganges der zytologischen Untersuchung eine Zusammenstellung 
der praktisch wichtigsten Tatsachen aus der Zytologie der Pleura- und 
Peritonealergusse, schlieBt daran eine etwas kiirzer gehaltene Schilde- 
rung hinsichtlich der Ergusse der iibrigen serosen Hohlen und hinsicht- 
lich des Liquor cerebrospinalis und fiigt selbst einige neue Beitrage 
zum weiteren Ausbau der Methode und ihrer klinischen Verwertung 
hinzu. 

Man muB der Behauptung des Yerf., daB die zytologische Unter- 
suchungsmethode heute bereits ein groBes und gesichertes Anwendungs- 
gebiet besitzt, zustimmen. Die Methode ist um so wertvoller, als sie 
leicht ausfiihrbar ist und unmittelbare, klare Ergebnisse liefert. Die 
praktische Wichtigkeit der zytologischen Untersuchung ist nach alle- 
dem nicht zu verkennen. 

Ein recht ausfuhrliches Literaturverzeichnis befindet sich am 
Schlufi des Buches. 


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Kersten (Berlin). 


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230 


Uuteranchungsmethodeu, Instruments etc. 


Schottmiiller, H. u. Much, H., Die Opsonine als Differenzie- 
rungs- und Identifizierungsmittel pathogener Bak- 
terienarten. (Miinch. med. Wochenschr. 1908. S. 433.) 

Kaum ein Bakterium eignet sich so fur die Darstellung der opso- 
nisclien Erscheinungen wie der Typhusbazillus. Sie sind bei Typhus 
und Paratyphus (B) streng spezifisch, so dafi z. B. ein Typhuskranker 
einen von der Norm verckiedenen Index gegeniiber Typhusbazillen, aber 
nicht gegeniiber Paratypkusbazillen besitzt. Der opsonische Ausschlag 
ist auch bei Infektionen vorlianden, bei denen iiberhaupt keine Aggluti¬ 
nation eintritt. Er ist schon im Beginne des Leidens, sowie bei den 
leichtesten Infektionen nachweisbar. — Werden bei einem Kranken 
verschiedene Bakterienarten gefunden, beeinflufit aber sein Serum nur 
eine von ilinen opsonisch, so hat diese das Leiden verursacht; nock 
sicherer wird dieser Schlufi, wenn ahnlicli oder ebenso verlaufende 
Krankheiten die gleichen Mikroorganismen und dieselbe opsonische Beein- 
flussung der letzteren aufweisen. Werden mekrere Bakterienarten im 
positiven oder negativen Sinne beeinfluBt, so handelt es sich um Misch- 
infektion. 

Bei geliauften Fallen von Gastritis acuta, Gastroduodenalkatarrh, 
Gastroenteritis fan den sich auf Stuhl-Blutagarplatten auBer Kolonien 
von Kolibakterien diesen ahnliche Kolonien, die sich durch einen hellen 
(Resorptions-)Hof auszeichneten. Alle iibrigen Eigenschaften dieser 
blutaufzehrenden Keime {Bad. coli haemolyticum) stimmten mit denen der 
Kolibakterien iiberein. Eingehende Priifungen des opsonischen Index 
der Kranken (Kurven) brachten die atiologische Kiarung; die Erkran- 
kungen waren durcli jenen Bazillus verursacht. Sie treten anscheinend 
in Hamburg epidemisch auf. In schweren Fallen wurde eine spezifi'sche 
Vakzination versucht. 

Auf die gleiche Weise wurde bei anderen fieberhaften Erkrankungen 
(Wurmfortsatzentziindung) der Kolibazillus als Krankheitsursache fest- 
gestellt. 

Das Serum zweier Falle von Meningitis cerebrospinalis contagiosa 
besaB gegeniiber dem Weichselbaumschen Meningokokkus anfangs 
erniedrigten, spater stark erhohten, dem Jagerschen Stamm gegeniiber 
normalen Index. 

Man kann sowohl Bakerienstamme als Indikator gegen ein spezifisch 
eingestelltes opsoninhaltiges Serum wie das Serum als Indikator gegen 
Bakterienstamme verwenden. 

Weitere Untersuchungen gaben Anhaltspunkte fiir die Verschieden- 
heit, nicht Uebereinstimmung der Streptokokkenabarten, sowie fiir das 
Vorhandensein von Gruppenopsonierungen. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Klein, E., Note concerning the bacterioscopic analysis of 
excremental pollution. (Brit. med. Journ. 1906. p. 1090.) 

K. empfiehlt zur schnellen Herausziichtung des B. coli, das als 
wesentlicher Index fiir Verunreinigung von Wasser durch Faces zu 
gelten hat, eine Modifikation des Me Conk ey schen Nfihrbodens (Natrium- 
taurocholat, Pepton, Glukose, Lackmuswasser), in dem die Glukose durch 
Laktose ersetzt ist. Die Resultate werden ausgezeichnet sein. 

H. Ziesch6 (Breslau). 


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Untersuchungsmethoden, Instrumente etc. 


231 


Steele, The methodof determining the total amount of the 
fecal bacteria by weight and its clinical significance. 
(.Tourn. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 8.) 

StraBburgers Methode der Bestimmung der Gesamtmenge der 
Bakterien im Stuhle ist die beste. Bei 5 normalen Individuen mit ge- 
wohnlicher Kost fand Verf. 18—21 Proz. Bakterien im Stuhle, also 
weniger als Strafiburger bei Deutschen gefunden hat. Verf. halt es 
fiir wahrscheinlicb, daB dieses Verhaltnis allgemein zutrifft und auf 
Unterschieden der Ernahrung in Deutschland und Amerika beruht. — 
Weitere Befunde: 38 Proz. bei Achylia gastrica mit Diarrhoen; 3 Proz. 
bei Magenkrebs mit bestehender Pylorusstenose, 22 Proz. nachdem der 
Pylorus wieder durchgangig geworden ist (wahrscheinlich infolge Los- 
losung eines Schorfes); 28,5 Proz. bei Hyperaziditat des Magensaftes 
in 2 Fallen; 27 Proz. bei abgeschwachter Starkeverdauung, 14 Proz., 
nachdem die Starke in der Nahrung zur Haifte reduziert wurde; 
38 Proz. bei chronischer Cholezystitis; 22 Proz. bei Gumma der Bauch- 
speicheldruse (fliissige Difit); Zunahme der Bakterien nach verschiedenen 
sog. Darmdesinfizientien. — Abnahme der Bakterien: bei schlackenarmer 
Diat, unkomplizierten sog. atonischen Konstipationen, nach Bismut, 
salicyl. und Betanaphthol, bei lkterus (Gallensteine). — Verf. empfiehlt 
folgende Modifikation des StraBburgerschen Yerfahrens: Der ganze 
Stuhl wird mit destilliertem Wasser zu einer moglichst homogenen Masse 
verrieben, von der erst Proben zur Untersuchung (5 ccra) beniitzt 
werden. Da die Bakterien in den Stiihlen wohl nicht gleichmaBig ver- 
teilt sind, sollen durch diese Modifikation die daraus resultierenden 
Fehler vermieden werden. BouCek (Prag). 

Sandberg, Georg, Ueber den Nachweis der langen Bazillen 
in den Fazes und dessen klinische Bedeutung. (Munch, 
med. Wochenschr. 1908. S. 1171.) 

Fiir den Nachweis der langen Bazillen im Kot geniigt das gewohn- 
liche Abstrichpraparat, auch mit Zuhilfenahme der Gramfarbung, Oder 
die einfache Beschickung einer Kulturplatte nicht. Auf letzterer werden 
die ungemein zarten Ansiedlungen der langen Bazillen von den schnell 
wachsenden Darmkeimen und Saprophyten bald iiberwuchert. — Die 
langen Bazillen widerstehen aber dem (sterilisierten) milchsauren Magen- 
safte, wahrend sich in diesem eingesate andere Lebewesen, insbesondere 
Colibazillen nicht entwickeln. S. versetzt daher milchsaurehaltigen 
Maxell salt (4 —5 ccm) mit zwei Platinosen Stuhlgang, und laBt die 
Mischung 24—48 Stunden bei Zimmerwarme stehen. Nachher wird auf 
Traubenzuckeragar ausgestrichen. Die langen Bazillen wachsen gut, 
alle amleren Kolonien treten zuruck. 

Die Anwesenheit langer Bazillen im Stuhle ist ein Beweis fiir ihr 
reichliches Vorhandensein im Mageninhalte und von Wert fiir die An- 
nahnie einer bbsartigen Magenerkrankung in den Fallen, bei denen eine 
Ausheberung des Magens nicht angezeigt ist Oder sich nicht ausfiihren 
liiBt. unter den Vorbehalten, unter denen iiberhaupt die Anwesenheit 
von Milchsfiure fur das Bestehen einer bbsartigen Magenneubildung 
spricht. Georg Schmidt (Berlin). 


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232 Schntzinipfung, kiinstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungskemmung etc. 


Schutzimpfung, kiinstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungs- 
hemmung und Vernichtung der Bakterien etc. 


Bosenau, The thermal death points of pathogenic micro¬ 
organisms in milk. (Treasury Department. Public Health and 
Marine-Hospital Service of the United States. Hygienic Laboratory. 
Bulletin No. 42. January 1908. Washington Government printing 
office.) 

Verf. weist zuniichst auf die zahlreichen Versuchsfehler hin, welche 
bei diesen Untersuchungen sicli storend geltend machen konnen. Durch 
diese, sowie die verschiedenen Untersuchungsmethoden erklart er die so 
widersprechenden Resultate, zu denen die bisherigen Untersucher nament- 
lich hinsichtlich der Tuberkelbazillen gelangt sind. 

Die eigenen Untersuchungen, die sich auf Tuberkelbazillen, Typhus- 
bazillen, Diphtheriebazillen, Choleravibrionen, Dysenteriebazillen (Shiga 
nnd Flexner), sowie auf den Micrococcus meliiensis erstrecken, sind in 
folgender Weise angestellt. 

Mit Ausnahme der Tuberkelbazillen wurden die genannten Keime 
in sterilisierte Milch geimpft. War geniigendes Wachstum eingetreten, 
so wurden die mit 10—15 ccm Milch beschickten otfenen Rohrchen in 
das bereits auf 60° eingestellte Wasserbad gebracht. Bei den Ver- 
suchen mit Tuberkelbazillen wurden Reinkulturen, im Morser zerrieben, 
roher Vollmilch zugesetzt. Der Nachweis lebender Keime geschah bei 
den erstgenannten Krankheitserregern durch Kultur, bei den Tuberkel¬ 
bazillen durch Meerschweinchenimpfung. Verf. weist darauf hin, daB 
man sich davor hiiten mud, die durch intraperitoneale Injektion abge- 
toteter Tuberkelbazillen mit Milch bei Meerschweinchen hervorgerufenen, 
oft sehr ausgedehnten und tauschend tuberkuloseahnlichen Veranderungen 
als positives Impfresultat aufzufassen. Auch durch Tuberkulinpriifung 
war es nicht moglich, diejenigen Meerschweinchen, welche auf abge- 
toteten Tuberkelbazillen beruhende Veranderungen hatten, von den 
tuberkulosen Meerschweinchen mit Sicherheit zu unterscheiden, denn 
auch von 8 der ersteren Tiere gingen 3 nach subkutaner Injektion von 
2 ccm Tuberkulin (O.T.) ein. 

Das Resultat der Untersuchungen ist folgendes: 

Tuberkelbazillen (gepriift wurden 5 verschiedeneKulturstamme 
vom Rinde) waren bei Erhitzung auf 60° C in 20 Minuten abgetotet. 

Typhusbazillen (9 verschiedene Kulturstamme) waren bei 60 0 C 
abgetotet nach 2 Minuten. 

Diphtheriebazillen (1 Kulturstamm) waren wiederholt schon 
abgetotet zu dem Zeitpunkt, da die Milch 55 0 C, in alien Fallen, wenn 
sie 60° C erreicht hatte. 

Choleravibrionen (3 verschiedene Kulturstamme) verhielten 
sich wie die Diphtheriebazillen. 

Dysenteriebazillen (8 verschiedene Kulturstamme Shiga und 
Flexner) waren bei 60° C nach 10 Minuten sicher abgetotet. 

Micrococcus melitcnsis (2 verschiedene Kulturstamme) war ab¬ 
getotet zu dem Zeitpunkt, da die Milch 60° C erreichte. 

Weber (Gr.-Licliterfelde). 


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Schatzimpfung, kunstliche Infektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc. 233 


Eijkinann, C., Die Ueberlebungskurve bei Abtotung yon 
Bakterien durcb Hitze. (Biochem. Zeitschrift. Bd. 11. 1908. 
S. 12. 

Verf. suchte die individuellen Empfindlichkeitsunterschiede der 
einzelnen Bakterien einer Kultur dadurch festznstellen, dafi er die 
„Ueberlebungskurve“ konstruierte, d. h. die Zahl der in gegebenen 
Zeitpunkten nocb uberlebenden Bakterien im Plattenverfahren be- 
stimmte. Er arbeitete mit Aufschwemmungen yon Kolikulturen in 
physiologischer NaCl-L6sung, die mit Leitungswasser unter Zusatz 
einiger Tropfen Bouillon hergestellt war. Die angewandten Tempera- 
toren bewegten sich zwischen 47° and 52,2°. Es ergab sich eine Kurve, 
die zunachst nach oben konvex, dann konkav verlief nnd sich asympto- 
tisch der Abscissenachse n&herte. Die anfangliche Konvexit&t kommt 
dadurch zustande, dafi die ersten Augenblicke der Hitzeeinwirknng 
die Bakterienzahl nur unwesentlich vermindern. Bemerkenswert ist, 
dafi bei einer Bakteriensuspension, die mit einer Kochsalzlosung an- 
gefertigt war, in der zuvor schon eine grofie Menge Kolibakterien 
enthalten nnd durch Erhitzen abgetotet waren, die Hitzeschadigung 
langsamer eintrat, so dafi man auf das Vorhandensein von Schutz- 
stotfen, die von den abgetijteten Bakterien stammten, schliefien mufite. 

Kurt Meyer (Berlin). 

Dutton Steele, J., Experimental observations upon the value 
of intestinal antiseptics. (Journ. of medic, research. Bd. 18. 
1908. S. 93.) 

Verf. untersuchte den Einflufi der Verabreichung von Wismuth- 
salicylat nnd /J-Naphthol auf die Zahl der Bakterien in den Fazes, die 
er nach der Strafiburgerschen Wagemethode bestimmte. Bei ge- 
snnden Personen sank die Bakterienzahl innerhalb drei Tage auf die 
Halite bis ein Viertel. Bei einem Patienten mit leichten gastro- 
intestinalen Symptomen stieg nach /?*Naphthol-Darreichung die Bak¬ 
terienzahl an. Es ergibt sich hieraus, dafi aus dem Verhalten beim 
<iesunden nicht auf die gleiche Wirkung unter pathologischen Verhalt- 
nissen geschlossen werden kann. Verf. glaubt, dafi die sogenannten 
Darmantiseptika bei Intestinalerkrankungen eher schadlich als niitzlich 
wirken. Kurt Meyer (Berlin). 

fifths, Einrichtung von Krematorien. Kritische Be- 
sprechung der Leichenverbrennung mit Beriicksichtigung 
der Grunde fiir und wider dieselbe. (Vierteljahrsschr. f. ge- 
richtliche Med. u. off. Sanitatsw. 1907. H. 3.) 

Verf. schildert zunachst die Vorgange bei der Faulnis und bei der 
Verwesung und bespricht dann die von den Gegnern der Erdbestattung 
meistgebrauchten Argumente, dafi durch die Zersetzungsvorgange die 
Luft, der Boden und das Grundwasser in der Nahe von Begriibnis- 
platzen verunreinigt wiirden. Besonders widmet er sich der Frage, ob 
nicht die in der Leiche vorhandenen Mikroorganismen zu einer Schadi- 
g-ung der Aufienwelt ftihren konnen, und zwar nicht nur diejenigen patho- 
genen Mikroben, die beim Zustandekommen der Faulnis ihre Rolle 
spielen, sondern vor allem auch die spezifischen Keime, die mit den 
Opfem der Infektionskrankheiten in den Boden geraten. Er weist 


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234 Schutzimpfung, kiinstliche Infektionskrankheiten, Eutwicklungshemmnng etc. 


darauf hin, dad nach den bisherigen Untersuchungen mit Ausnahme 
der Sporenbildner die meisten fur die menschliche Gesundheit wichtigen 
Mikroben schon abgestorben sind, ehe die Faulnis erhebliche Fort* 
schritte gemacht hat. nnd daB sie iiberhaupt. nie tiefer als 5 cm unter- 
halb der Grabessohle nachgewiesen wurden, ferner dafi die Tetanus- 
bazillen, die einmal 2 1 /» Jahre nach der Beerdigung noch gefunden 
warden, auch sonst in der Gartenerde und im Strafienstaub vorkommen. 
Fine Verschleppung der Keime aus den Griibern infektioser Leichen 
anf weitere Strecken hin ist unnioglich; selbst wenn einmal ein ge- 
stiegenes Grundwasser die Leiche umspiilen sollte, reicht die Filtrations- 
kraft des Bodens aus, die Keime nicht ins Grundwasserbecken durch- 
zulassen; es miifite denn ein sehr durchliissiger, spaltenreicher Boden 
sein. Yerf. beleuchtet dann noch die Erd- und Feuerbestattung nach 
ihren okonomischen, asthetischen, religiosen und juristischen Seiten hin 
nnd kommt schliefilich zu folgenden Schlnfisatzen: 

1. Sowohl die Feuerbestattung als auch das rationell betriebene 
Erdbegrabnis genligen yollauf den Anforderungen der Hygiene. 

2. Das Erdbegrabnis ist nur dann zu verwerfen, wenn nngiinstige 
Boden- und Grundwasserverhiiltnisse eine Verzogerung der Zersetzung 
der Leiche bedingen und Gefahren fUr die Umgebung bestehen. 

3. Die Einfiihrung der obligatorischen Feuerbestattung ist eine 
absolute Unmoglichkeit; die fakultative Leichenverbrennung hat die 
Einfiihrung der obligatorischen Leichenschau zur Vorbedingung. 

4. Die fakultative Feuerbestattung ist fur grofiere Stadte vom 
okonomischen und sozialen Standpunkte dringend empfehlenswert. 

5. In Kriegs- und Epidemiezeiten ist zwar die Feuerbestattung 
vom hygienischen Gesichtspunkte absolut zu befurworten, ihre Durch- 
fiilirung stofit aber auf uniiberwindliche Schwierigkeiten. 

MUhlschlegel (Stuttgart). 

Stern, Carl und Hesse, Ueber die Wirkung des Uviollichtes 
auf die Haut und dessen therapeutische Verwendung in 
der Dermatologie. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 318.) 

Das Uviollicht hat nur eine geringe mittelbare keimtotende Wir¬ 
kung. Agarkulturen von Staphylokokken wurden durch 20 Minuten 
dauernde Belichtung in ihrein Wachstume nicht gehemmt. Trotzdem 
konnen Hautpilzerkrankungen durch Bestrahlung giinstig beeinfluflt 
werden. Mit den abgeschobenen oberen Zellscliichten werden die darin 
enthaltenen Keime mit entfernt. Den tiefer sitzenden Pilzen ist die 
starkere Durchblutung der Haut schadlich. Giinstig waren die Erfolge 
bei Herpes tonsurans, zufriedenstellend — bei gleichzeitiger Anwendung 
von Drucklinsen und Unnascher gruner Salbe — bei Lupus, wenig 
ermutigend bei Favus. Das Rontgen- und das Finsenlicht werden in 
gewissen Fallen nicht durch das Uviollicht ersetzt. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Patricelli, Y., L’azione biologica dei raggi X sul sangue e 
sugli organi emopoietici. (Riforma Med. 1907. No. 42.) 

Verf. hat mehrere Hunde der direkten Einwirkung der X-Strahlen 
ausgesetzt nnd dabei beobachtet, dafi diese Strahlen die roten und 
weifien Blutkorperchen, sowie den Hamoglobingehalt reduzieren. 


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Schutzimpfung, kiinstliche Inlektionskrankheiten, Entwicklungshemmung etc. 235 


Es handelt sich dabei in der Tat nm eine Vermindernng der ge- 
na rmten Blntbestandteile, niclit etwa nm eine Folge einer negativen 
Chemotaxis. Anf die lymph- nnd blutbildenden Organe iiben die 
Kuntgenstrahlen keine hemmende Wirkung aus. 

Diese Wirkung der Rontgenstrahlen ist also verschieden von der, 
die man bei den an Leukamie leidenden Kranken beobachten konnte, 
anscheinlich zerstorender Art. 

Damit ist nach Verf. dargetan, daB die biologische Einwirkung der 
X-Strahlen eine ganz andere ist als ihre therapeutiscke. 

Ceradini (Mailand). 

Schindler, Carl, Die Behandlung kranker Nagel mit Rontgen¬ 
strahlen. (Deutsche med. Wochenschr. 1908. S. 921.) 

Schnelle Heilerfolge bei vorher lange Zeit vergeblich mit keim- 
tiitenden Pinselungen, Salben usw. behandelten Pilzerkrankungen der 
Nagel. Da letztere nicht abgestoBen und die Pilze auf diese Weise 
nicht entfernt werden, und auch ihre unmittelbare Abtotung durch die 
Kdntgenstrahlen nicht anzunehmen ist, muB man deren Einwirkung als 
eine den Gewebsnahrboden, die GefaBe und Zellen und damit die Pilz- 
entwicklung schadigende betrachten. — Es soli so kraftig bestrahlt 
werden, daB eine Hautentziindung auftritt. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Bermhach, P., Ueber dieWirkung der subkutanen Inj ektion 
von Pyocyanase. (Munch, med. Wochenschr. 1908. S. 120.) 

B. spritzte 0,05—0,3 ccm Pyocyanase unter die Haut einer Frau 
mit Lungenspitzenkatarrh, eines Mannes mit ausgebreiteter Schwind- 
sueht, eines Burschen mit Halslymphomen, eines Mannes mit tuber- 
kuluser Fistel des Oberschenkelknochens, eines Greises mit chronischem 
Ma^enkatarrh (Verdacht auf Magenkrebs). — Ueber heilende Wirkungen 
wil d spiiter berichtet werden. — Bei samtlichen Kranken traten — ver- 
ursacht durch die eingespritzten Toxine — deutliche ortliche und all- 
genieine Reaktionen, eine sehr lebhafte, ausgebreitete, ziemlich scharf 
begrenzte, schnell wieder verschwindende Rotung, eine teigige, ziemlich 
ausgebreitete, mehrere Tage anhaltende Schwellung, ortliche starke 
Druekempfindlichkeit, Schiittelfrost und hoher Fieberanstieg, Puls- 
beschleunigung, Kopfschmerzen, Schwindel, Uebelkeit, Erbrechen, dagegen 
keine dauernden Schadigungen des Wohlbefindens Oder gar Organ- 
erkrankungen ein. 

Man mufl mit ganz geringen Gaben, etwa 0,01 ccm, beginnen und 
langsam steigen, jedesmal an einer anderen Stelle, doch nie an Riicken 
oder Brust einspritzen und zu gleicher Zeit 0,3 g Pyramidon ver- 
abreichen. Georg Schmidt (Berlin). 

Emmerich, B. u. low, 0., Sind die bakteriziden Bestandteile 
der Pyozyanase Lipoide? 

Raubitschek, H. u. Rnfi, Y. K., Bemerkungen zu dem Artikel 
von Emmerich u. L8w. 

Landsteiner, Bemerkungen zu dem Artikel von Emmerich 
u. Lbw. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 23.) 

Polemik. 


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Hetsch (Metz). 


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236 


Neue Literatur. 


Zickgraf, 6., UeberSaponininhalationeubeiErkrankungen 
der oberen Luftwege. (Munch. med. Wochenschr. 1908. S. 447.) 

Um den trockenen Katarrh der oberen Luftwege, die haufige Kom- 
plikation der beginnenden Lungenscliwindsucht zu bekampfen, l&Bt Z. 
eine 1—2proz. Losung des aus der Cortex Quillajae hergestellten Sapo- 
ninum depnratnm inhalieren, wodurch die Schleimhaut zn reichlicher 
fliissiger Absonderung angeregt wird. Georg Schmidt (Berlin). 

Crux, Zwolf Falle von Lungenentziindnng im Eindesalter 
mit Romers Pneumokokkenserum behandelt. (Deutsche 
med. Wochenschr. 1908. S. 697.) 

10 an klinisch einwandfreier Lungenentziindung erkrankten Kindern 
im Alter von 9 Monaten bis zu 12 Jahren warden &—10 ccm Rbmer- 
schen Serums unter die Gesafihaut der betreftenden Lungenseite einge- 
spritzt. Daraufhin trat bei fast alien Kindern eine aufierordentlich 
giinstige Yeranderung ein. Die Verabreicliung ist bei gesunden Herzen 
ungefahrlich. Nierenentziindungen und Serumausschlage warden bei 
18 Einspritzungen nicht beobachtet. In den meisten Fallen schwindet 
das Fieber fast plbtzlich und endgultig; gleichzeitig 15st sich die Ver- 
dichtung. Der Puls wird giinstig beeinfluBt, die Krankheitsdauer ab- 
gekurzt. Bei Erwachsenen verbieten oft Herzveranderungen die Serum- 
anwendung. Sie wird besonders fur die Garnisonlazarette des deutschen 
Ostens empfohlen. Georg Schmidt (Berlin). 

Salzer, H., Zur Diagnose und Therapie der Diplokokken- 
peritonitis. (Wiener med. Wochenschr. 1908. No. 13. p. 666.) 

Vortrag uber die sogenannte idiopathische Diplokokkenperitonitis 
vom klinisclxen Standpunkte aus, unter Verwertung dreier Eigenbeob- 
achtungen. A. Ghon (Wien). 


Neue Literatur, 

zusaramengestellt von 

Prof. Dr. Otto Hamann. 

Bibliothekar der Konigl. Bibliothek in Berlin. 


Allgemeines fiber Bakterien und Parasiten. 

Bericht liber den 14. internationalen Kongrefl fiir Hygiene und Demographie. Berlin 
23.-29. Sept. 1907. Bd. 3. TL 1, 2, Bd. 4. Berlin, Hirschwald 1908. Bd. 3. TL 1: 
Wohnungshygiene, Hygiene der Ortschaften nnd der Gewasser. Hygiene d. Verkehrs- 
wesen, Bettungswesen. Bd. 3, Tl. 2; Militarhygiene, Kolonial- und Schiffshygiene. 
Bd. 4: Hygienische Mikrobiologie und Parasitologie u. a. 

Brugftch, Theodor und Schittenhelm, Alfred, Lehrbuch klinischer Untersuclnmgs- 
methoden fiir Stndierende nnd Aerzte. Mit einem Beitrag: Klinische Bakteriologie-, 
Protozoologie- nnd Immun-Diagnostik v. J. Citron. Wien, Urban n. Schwarzenberg, 
1908. XI. 940 p. 9 Taf. n. 341 Fig. 20 1L 

Burmeister, Jahresbericht liber die Tatigkeit des Medizinaluntersuchungsamtes der 
koniglichen Regierung in Magdeburg wahrend der Zeit vom 1. 1.—31. 12. 1907. (Hyg. 
Rundsch. Jg. 18. 1908. N. 11. p. 647—651.) 


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Neue Literatur. 


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I'ebersicht fiber die Immunit&tslehre. 5. umgearb. Afl. Leipig, Barth, 1908. VII. 
234 p. 8°. 6,80 M. 

Feistmantel, Die sanit&ren Verh&ltnisse in Persien. (Wiener klin. Wochenschr. Jg. 21. 
1908. N. 10. p. 323—327. 

Hueppe, Ferdinand, Was soil der Arzt fiber die Gefahren der Infektionskrankheiten 
in den Samariterknrsen lehren? (Berliner klin. Wochenschr. Jg. 45. 1908. N. 24. 
p. 1121—1125.) 

Kermorgant, L’assistance medicale indigene a Madagascar. (Ann. d’hyg. pubL et de 
med. legale. S6r. 4. 1908. T. 9. p. 506—523.) (Enth. Beitrage fiber Malana, Variola, 
Syphilis u. a.) 

Liepnann, W., Bakteriologie nnd Prognose. (Berl. klin. Wochensch. Jg. 45. 1908. 
>L 22. p. 1047—1055. 

Sekwalbe, Ernst, Kleinlebewesen nnd Erankheiten. 6 volkswirtschaftl. Vortrage fiber 
Bakteriologie n. Hygiene. Jena, Fischer, 1908. XII. 187 p. 8°. 2 Karten n. 67 Fig. 

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Haeadel, Zur Differenziening der Ruhrbakterien mittels der Agglutination, der Kom- 
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heitsamte. Bd. 28. 1908. H. 2. p. 358-376.) 

Handbach der Technik nnd Methodik der Immunit&tsforschung. Hrsg. v. R. Kraus n. 
0. Levaditi. Bd. 1: Antigene. Jena, Fischer, 1908. IV, V. 1138 p. 3 Taf. u. 126 Fig. 
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Inhalt, 


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Schindler, Carl, Die Behandlung kranker 
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Neue Literatur, p. 236. 


Lipport Co. (G. Patz’seko Buckdruckerei), Naumbur^ a. S. 


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Cotralbl. f. Bakt etc. Ubt. Referate. Bd.XLII. Ho.9|10. 


Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 

- Nachdruck verboten. 

Veterinfir-Institut der Universitilt Leipzig. 

Die Tuberkuloseschutz- und Heilimpfung der Binder nach 

Prof. Dr. Heymans, Gent, 

(Zusammenfassendes Referat, erstattet in der Biologischen Gesellschaft 

zn Leipzig am 3. Juli 1908.) 

Von Prof. Dr. Eber. 

Im Veterinfir-Institut der Universitfit Leipzig sind seit einer Reihe 
von Jahren Untersuchnngen ausgefuhrt, welche die praktische Er- 
probung des v.Behringschen Tuberkuloseschutzimpfver- 
fahrens zum Ziele hatten. Ein Teil dieser Untersuchnngen ist im 
vorigen Jahre znm AbschluB gelangt nnd hat ergeben, x ) daB den 
Rindern dnrch das v. B.sche Schutzimpfverfahren einans- 
reichender Schntz gegen die natiirliche Tuberkulose- 
anstecknng nicht verliehen wird, nnd daB es somit sicher aus- 
sichtslos ist. in stark verseuchten Bestfinden mit diesem Verfahren 
allein die Rindertnberknlose zn bekfimpfen. Dagegen muBte es als 
wunschenswert bezeichnet werden, weitere Erfahrungen dartiber zn 
sammeln, inwiefern das Schutzimpfverfahren, kombiniert mit 
anderen, auf die Verminderung der Anstecknngsgefahr hinzielenden 
hygienischen MaBnahmen, nnd eventnell modifiziert, derart 
daB eine beliebige Wiederholnng der Schutzimpfung ohne Ge- 
fahr fur die inzwischen filter gewordenen Impflinge aus¬ 
gefuhrt werden kann, imstande ist, in dem miihevollen Kampfe gegen 
die Rindertnberknlose gnte Dienste zn leisten. 

In bezug anf diese letztere Fordernng, nfimlich dieMOglichkeit 
der beliebigen Wiederholnng der Schutzimpfung anch 
bei alteren Rindern, was mit Riicksicht auf die relativ knrze 
Dauer des Impfschntzes von besonderem Werte sein wiirde, verdient ein 
Verfahren Beachtnng, welches anf Veranlassung von Professor Dr. Hey¬ 
mans, Direktor des Instituts fur Pharmakologie und experimentelle 
Therapie an der Universitfit Gent in den letzten Jahren an einer 
grofien Anzahl von Rindern praktisch erprobt worden ist und in der 
snbkntanen Einfiihrnng lebender, in Schilfsfickchen 
e i n geschlossener Tuber kelbazillen vermittels eines 
Trokars besteht. Herr Prof. Heymans hatte die groBe Liebens- 
wnrdigkeit, mir anf meine Bitte alle sein Verfahren betreffende Literatnr 
(siehe Anhang) znr Verfhgung zn stellen und einen Vertreter des In¬ 
stituts, Herm Oberveterinfir Heine eke, der sich in meinem Auftrage 
tlnde Dezember v. J. zum Studium des Verfahrens nach Gent begeben 


') Vgl. die diesbeztlglichen VerSffentlichangen im Centrelbl. f. Bakt. 1. Abt. Orig. 
BdL 44 (1W)7). Heft 6 n. B. Desgl. Referate. Bi 40 (1907). No. 17/18. 

Erate Abt. Befcr. Bd. XLII. No. 9/10. 17 


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Original-Keferate ana den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 


hatte, in alle Einzelheiten personlich einzuweihe*. Ieh bin Hem* Prof. 
Hey mans bierffir sowie auch fur die bereitwillige Ueberlassung von 
Impfstoff zu grofiem Danke verpflichtet. 

Wenn uns nun auch unsere eigenen, erst seit Februar <L J. be- 
gonnenen Versuche noch kein abschliefiendes Urteil fiber das neue Ver- 
fahren gestatten, so glaube ich doch, dafi eine genaue Beschreibung 
des Yerfahrens und ein zusammenfassender Bericht uber die in Belgien 
bis jetzt gesammelten Erfahrungen nebst einer kritischen Wurdigung 
der Grundlagen des Verfahrens schon heute von allgemeinem Interesse 
sein diirfte. 

Professor Hey mans hat seit einer Reihe von Jahren seine beste 
Zeit dem experimentellen Studium der Tuberkulose gewidmet. Bereits 
im Juni 1904 hat er der Kgl. Belgischen Akademie fur Medizin fiber 
eine grofiere Zahl von Experimenten Bericht (1) erstattet, die vornehm- 
lich zu dem Zwecke angestellt wurden, den Heilungsvorgang bei dieser 
Krankheit zu studieren. Es folgten Studien fiber den histologischen 
Bau und den Bazillengehalt der Perlknoten des Rindes (3) nnd fiber 
die Genese der Riesenzellen (4). 

In der Sitzung der Kgl. Belgischen Akademie fiir Medizin voa 
31. Dezember 1904 machte Hey mans die erste Mitteilung (2) fiber sane 
Versuche, Meerscliweinchen, Kaninchen und Binder durch subkutane 
oder intraperitoneale Einfuhrung von Schilfsfickchen, die mit Bouillon 
oder Exsudat gefullt und mit virulenten Menschen- und Rindertuberkel- 
bazillen beschickt sind, gegen eine spatere kfinstliche Tuberkulose- 
ansteckung zu immunisieren. H. ging von der Erfahrungstatsache aus, 
dafi tuberkulose Menschen in den Luftwegen und z. T. auch im Darm* 
kanal standig grofie Mengen tuberkulosen Materials beherbergen, ohne 
dafi eine nennenswerte Neuinfektion oder Weiterverbreitung der Tuber- 
kulose daraus resultiere, und folgert aus diesem Yerhalten, dafi der 
Organismus eines Tuberkulosen durch Einwirkung der bereits yor- 
handenen Krankheitsherde zweifellos einen gewissen Grad von Immunitat 
erwerbe. Den gleichen Grad von Immunitat glaubt H. durch kfinst¬ 
liche Erzeugung eines fiir das Versuchstier ungefahrlichen Krankheits- 
herdes hervorrufen zu konnen, wozu ihm das zuerst von Metschni- 
koff gefibte Yerfahren, die Bazillen, in Schilfsackchen eingeschlossen, 
dem Korper einzuverleiben (Kultur in vivo), am besten geeignet schien. 
Bekanntlich sind die das Innere des reifen Schilfrohrs ausfullenden 
dunnhautigen Rohrchen, welche mit Hilfe von Seidenfaden leicht in 
kleine Sackchen abgeteilt werden konnen, unpassierbar fiir Bakterien 
und andere korpuskulare Gebilde, wahrend sie sowohl die Stoffwechsel- 
produkte der Bakterien als auch die Korpersafte frei hindurchlassen. l ) 
Werden daher solche mit lebenden Tuberkelbazillen beschickte Schilf¬ 
sackchen unversehrt unter die Haut oder in die Bauclihohle der Ver- 
suchstiere eingeffihrt, so entwickelt sich nach Hey mans ein reger 


*) Ein einfacher, im Laboratorinm leicht zn wiederholender Yersuch bestatigt dieses 
Phanomen: Hangt man in einen Kolben mit Ntihrbouillon ein mit lebenden Tnberkel- 
bazillen beschicktes Schilf ackchen so hinein, dafi letzteres mit der Bonillon dauernd is 
Beriihrung bleibt und lafit den Kolben mehrere Wochen im Thermostaten bei 37° C 
steben, so wird zwar durch Yerimpfung der Nahrbouillon bei tuberkulosen Tieren eine 
t.vpische Eeaktion ausgelost, es gelingt aber nicht, bei gesunden Meerschweinchen nnd 
kaninchen durch Yerimpfung der Nahrbouillon Tuberkulose zu erzeugen. 


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Original-Xefcrate mb ded Sitsrangen gclehrter GeseUschaften. 


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Austausch zwischen dem Inhalt des 8ackchens nnd den Korpersaften. 
Die eingeschlossenen Bazillen, welche sich stark vermehren, bilden 
Toxine, die dnrch die osmotische Hant hindnrch gehen nnd den Korper 
impr&gnieren, w&hrend mngekehrt Gewebsfliissigkeit ans dem KSrper in 
die Schilfs&ckchen eindringt nnd anf die Tuberkelbazillen emwirkt, 
ebenso wie wenn ein einzelner tuberkuloser Herd im Organismus vor- 
handen ist, nnr mit dem Unterschiede, daB nicht die Gefahr besteht, dad 
virnlente Tnberkelbazillen bei der Einschmelznng mit in die Blntbahn 
gelangen nnd znr Weiteryerbreitnng des tuberkulbsen Prozesses bei- 
tragen. Nicht einmal in der unmittelbaren Umgebung der in die Bauch- 
hohle eingeffthrten Sackchen entstehen nach den Untersnchnngen H.s 
Tnberkel. In den von gef&Breichem Granulationsgewebe nmschlossenen 
Sackchen findet man nach einigen Wochen eine dicke graugelbe, hanpt- 
sachlich ans Bazillen bestehende Masse. Kein Bazillns hat die Hant 
des Sackchens passiert, nnd keine Zelle ist von aufien in das Innere 
eingedrnngen, wie die mikroskopische Untersnchnng zeigt. 

Sind nnn solche Tiere, welche derartige mit Tnberkel¬ 
bazillen gefullte Schilfs&ckchen tragen, widerstands- 
fahiger gegen tnberknl5se Infektionen als die Kontroll- 
tiere? 

Die ersten Versnche, welche H. znr Klarstellnng dieser wichtigen 
Frage bei 20 Meerschweinchen nnd 37 Eaninchen anstellte, liefien keinen 
Zweifel dartiber, dad anch die Sackchentrager der knnst- 
lichen tnberknlbsen Infektion erliegen. Nnr eine kleine Zahl 
Kaninchen nnd einige Meerschweinchen ertrngen Bazilleneinspritznngen, 
die bei den Kontrolltieren eine tbdliche Erkranknng hervorriefen. An- 
scheinend hat es sich aber anch in diesen Fallen im wesentlichen nnr 
am eine VerzSgernng des tbdlichen Ansganges nnd nicht nm eine Ver- 
meidnng der Infektion gehandelt, so dad von einem befriedigenden Er- 
gebnis bei diesen ersten Immnnisierungsversnchen, wie anch H. zngibt, 
nicht die Eede sein kann. 

Um die nicht nnerhebliche heilende Wirknng seines Impfver- 
fahrens bei vorhandener Tnberknlose zu zeigen, teilt H. das Schlacht- 
ergebnis von 4 seinerzeit mit Hilfe der Tnberkulinprobe als tnberknlbs 
erkannten nnd spater mit Hilfe der Schilfsackchenmethode behandelten 
Hindern mit. Bei 3 Bindern ergab die Schlachtnng nnbedentende, ein- 
gekapselte. verkalkte tnberknlose Herde, wahrend bei dem 4. ansge- 
breitete tnberknlose Yerandernngen an der Plenra festgestellt wnrden, 
die nach H.s Meinung ebenfalls Erscheinnngen der Riickbildung zeigten. 
Bei dem relativ hanfigen Vorkommen abgekapselter Oder andere Zeichen 
der Ruckbildnng zeigender tuberknloser Herde bei Schlachttieren, die 
nnr dnrch die Tnberkulinprobe als tnberknlbs zu erkennen sind, kann 
den obigen Befnnden, da jeder Mafistab fur die Beurteilung der tuber- 
kuldsen Herde vor Ausfuhrung der Impfnng fehlt, keine unbedingte 
Beweiskraft fBr die Heilwirkung des Verfahrens beigemessen werden. 
Sie sprechen aber, wie H. ganz richtig bemerkt, anch nicht gegen die 
Moglichkeit, daB dem neuen Tnberknloseschntzimpfungsverfahren eine 
heilende Wirknng bei tnberknlosen Rindern zukommt, nnd ermutigten 
ihn, die Tnberknloseschntz- nnd Heilimpfung (vaccination antitubercn- 
leuse preventive et curative), wie er sein Verfahren nnnmehr benennt, 
anch in der Praxis zu versnchen, wobei das Verfahren selbst nach 

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260 Original-Referate aus den Sitznngen gelehrter Gesellschaften. 

Miiglichkeit vereinfacht und den Verhaltnissen der Praxis angepafit 
wurde. 

Das Verfahren selbst, wie es gegenwartig in Belgien ausgef&hrt 
wird, besteht in der ausschlieBlich subkutanen Einverleibung der durch 
Gelatinekapseln vor Zertriimmerung geschiitzten, virulente Tuberkel- 
bazillen enthaltenden Schilfsackchen vermittels eines Trokars an den 
Seitenteilen der Brustwand. Die geschlossenen Eapseln haben eine Lange 
von 3 cm, eine Dicke von “/* cm und ein Gewicht von J / 9 g. Das Schilf- 
sackchen mit Inhalt allein wiegt 12—18 eg, wo von 10—15 eg auf die 
Fftllung kommen. Zur Fullung werden ausschlieBlich virulente Rinder- 
tnberkelbazillen in trockener Form verwandt Bazillenemulsionen, wie 
sie bei den ersten Versuchen Yerwendung fanden, werden gegenwartig 
nicht mehr benutzt. Die Gelatinekapseln sind, wie H. angibt, bereits 
wenige Stunden nach Einfuhrung unter die Haut vollig resorbiert. 

Die fiir das Impfgeschaft erforderliche Ausrustung besteht aus 
einer starken Schere, einem Bistonrie, einem starken Trokar mit Glas- 
stab, Metallagraffen, Watte und Alkohol. Sehr praktisch ist ein von 
Heymans fiir das Impfgeschaft konstruierter Blechkasten, der nach 
Art einer Patronentasche um den Leib geschnallt wird und in drei 
Abteilungen geteilt ist. Die zwei kleineren Abteilungen sind mit 
Deckel versehen und dienen zur Aufnahme des Impfstoffes und der 
Metallklammern. Die dritte groflere Abteilung ist often und dient zur 
Aufnahme der Instrumente. Der Boden dieser Abteilung ist mit Leder 
Oder Gummi belegt. 

Nachdem die Impftstelle (in der Regel die Gegend hinter der 
Schulter) im Umfange eines Handtellers geschoren und mit Alkohol des- 
infiziert ist, wird eine Hautfalte parallel zur Kbrperachse gebildet und 
mit dem Bistonrie quer durchschnitten. Sodann wird durch die ent- 
standene 2—3 cm lange Wunde der Trokar unter die Haut nach unten 
eingestoBen und die Gelatinekapsel nach Entfernung des Stilets mit 
Hilfe des Glasstabes in die Unterhaut gebracht. Nach Entfernung des 
Glasstabes und der Trokarhiilse wird die Hautwunde mit einer Metall- 
agraffe geschlossen. Eines besonderen Instrumentes bedarf es zur Be- 
festigung der Metallagraffe nicht. Letztere fallt nach wenigen Tagen 
ohne besonderes Zutun ab. Die Impfung nimmt nur wenig mehr als 
1 Minute Zeit fur jedes Tier in Anspruch. 

Die Impfstelle verhalt sich in der Regel vdllig reaktionslos, wovon 
wir uns selbst bei den eigenen Impfungen iiberzeugen konnten. Tem- 
peraturerhohungen werden nicht beobachtet. In etwa 10 Proz. der F&lle 
kommt es nach Heymans zu einer leichten Eiterung an der Impfstelle, 
die jedoch das Allgemeinbefinden der Impflinge in keiner Weise beein- 
trachtigt und auch nicht zur Ausstofiung der Schilfsackchen fiihrt, welche 
sich wie jeder andere aseptische Fremdkorper unter der Haut allmah- 
lich einkapseln. Der Sitz der Schilfsackchen ist noch nach Monaten 
durch Betasten festzustellen. Bei Wiederimpfung ist darauf zu achten, 
daB man nicht ein bereits vorhandenes Schilfsackchen zerstbrt Even- 
tuell wahlt man die andere Korperseite. 

14—40 Tage nach Einverleibung der Schilfsackchen beginnt das 
vorher nicht tuberkulinempfindliche Tier auf Tuberkulin zu reagieren 
wie ein tuberkuloses. Diese Reaktionsfahigkeit bleibt bis zum 4.—6. Monat 
erhalten. Dann verschwindet sie wieder. H. hat wiederholt derartige 


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Original-Referate ans den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 


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reagierende Tiere geschlachtet und anf das genaueste untersucht. Nie- 
mals wurde ein tuberkulSser Herd auBer dem bazillenhaltigen Schilf¬ 
sackchen nachgewiesen. H. folgert hieraus, daB von dem Schilfsackchen 
ans eine ImpragnieruDg des gesamten Korpers mit den speziflschen 
lSslichen Erzeugnissen der Bazillen stattfinde, nnd daB diese Imprag- 
niernng die Ursache der nenen Eigenschaften sei, welche der Korper 
der Impflinge annehme. 

Znr Impfnng geeignet sind Binder jeden Alters, einerlei, ob die- 
selben anf Tuberkulin reagieren Oder nicht. Mit Vorliebe impft Heymans 
anch altere Binder und erhofft von der Impfnng eine gunstige Ein- 
wirkung anf bereits vorhandene tnberknlose Prozesse. Die Impfnng ist 
mindestens alle Jahre einmal zn wiederholen. 

Die Unschadlichkeit des Verfahrens ist durch mehr als 
20 000 Lnpfungen, welche nach H.s Mitteilnng bis Ende 1907 in Belgien 
ausgefuhrt sind, dargetan. Dnrch die Liebensw&rdigkeit Prof. Hey- 
mans habe ich zahlreiche eingekapselte in verschiedenen Zwischen- 
raumen ans der Unterhant der Impflinge gelegentlich der Schlachtnng 
wieder entfernte Schilfsackchen genan mikroskopisch nntersnchen kiinnen. 
In alien Fallen war das Schilfsackchen deutlich erkennbar nnd unver- 
sehrt. Tuberkelbazillen fanden sich einzig nnd allein im Innern der 
Schilfsackchen, niemals jenseits des Hantchens. x ) Anch konnten, wie 
H. mitteilt, niemals in den benachbarten Lymphdriisen dnrch Meer- 
schweinchenversnche Tuberkelbazillen nachgewiesen werden. 

Die Verwendnng des Fleisches der nach Heymans ge- 
impften Binder unterliegt daher in Belgien keinerlei Einschranknng. 
Die Entfernnng der eingekapselten Schilfsackchen, die sanitatspolizeilich 
als abgekapselte tnberknlose Herde anfzufassen sind, macht keine 
Schwierigkeiten. 

Ueber die Erfolge seiner Tuberknloseschntz- undHeil- 
impfungin der Praxis hat Heymans inzwischen zweimal (Frlih* 
jahr 1907 (5) nnd 1908 (6)) Bericht erstattet. Es diirfte nicht ohne 
Interesse sein, das in diesen beiden Berichten niedergelegte Material 
anf seine Beweiskraft sowohl fur die Schntzwirknng als anch fur 
die Heilwirknng der nenen Methode zn pr&fen. 

Was zunachst die Frage nach der Schntzkraft des Impfver- 
fahrens gegenuber der kiinstlichen nnd natiirlichen 
Tuberknloseinfektion betrifft, so betont H. ansdriicklich, daB es 
sich nor urn einen beschrankten Impfschntz handeln kdnne, der 
sich dadnrch zn erkennen gebe, daB die geimpften Tiere der Infektion 
besser widerstehen als die nicht geimpften. Eine hinreichend groBe 
Bazillenmenge vermSge anch die geimpften Tiere zn infizieren. 

Besuglich der khnstlichen Tnberkuloseinfektion stutzt 
sich Heymans anf drei in Gemeinschaft mit Mullie ausgefiihrte Ver- 
suchsreihen: 

L Sechs Tor 8 Monsten immrauaierte Binder and sechs Eontrollrinder warden sab- 
katas am Halse mit entsprechenden Dosen (2 eg resp. 2 mg) einer virulenten Reinkaltor 
vom Rinde stammender Tuberkelbazillen infiziert. Wfthrend sfimtliche Eontrolltiere 
mehrere Tage hindorch hohes Fieber and erhebliche Anschwellang der Impfstelle, sowie 


’) Eine aasfiihrliche Beschreibang der histologischen Vorg&nge bei der Einkapse- 
lnng der Schilfs&ckchen gibt Heymans in seiner Abhandlong tlber die Genese der 
Kiesenzellen (4). 


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Origiual-Beferate aus den Sitzungen gelehrter Goasllschafteu. 


der zugehorigen Lymphdrtisen zeigten, liefien die immunisierten Tiere nur unbedeutende 
Temperatursteigerungen, normale Gewichtszunahme und wesentJich geringere Anschwel- 
lungen an der Impfstelle erkennen. Zwei Kontrolltiere starben 30 bzw. 48 Tage naeh 
der Impfung an akuter Miliartuberkulose. Die Ubrigen Tiere wnrden 6 bzw. 9 Monate 
naeh der Impfung geschlachtet nnd erwiesen Bich samtlich tuberkulSs. Doch waren die 
bei den Kontrolltieren gefundenen Herde viel umfangreicher als bei den immunisierten. 

II. Sechs vor 7 bzw. 14 */, Monaten immunisierte Kinder (darunter 1 vergleichs- 
weise naeh Behring immnnisiert) nnd vier Kontrolirinder erhielten 21 Tage hindurch 
taglich 0,1 g Tuberkelbaziilen in Milch. 41 Tage naeh Beginn des Versuches reagierten 
slUntliche Kontrolltiere und ein immunisiertes Kind. Em Kontrollrind nnd drei nicht 
reagierende immunisierte Kinder warden 10 Tage spater geschlachtet. Letztere zeigten 
keine tuberkulosen Veranderungen, wahrend das Kontrollrind in den Mesenterialdiiisen 
nnd in den Lungen Miliartnberkel aufwies. Die tibrigen sechs Kinder (drei Kontroll¬ 
tiere und drei immunisierte Kinder) warden 3 Monate 10 Tage naeh Beginn des Ver- 
suches ebenfalls geschlachtet. Hierbei boten ein Kontrolltier und ein immunisiertes 
Bind einen tuberkulosen Befund, den die Versuchsansteller nicht zn deuten vennochten. 
Sie scheiden daher diese beiden Falle nachtraglich aus. Von den verbleibenden zwei 
Kontrolltieren zeigte das eine generalisierte Tuberkulose and das andere eine tuberkulose 
Infektion der Mesenterialdrttsen, der Bronchial- nnd Mediastinaldriisen, der Portaldrtise 
und des Leberparenchyms, wahrend die beiden immunisierten Kinder nor in zwei Mesen- 
terialdriisen verkreidete Herde aufwiesen. 

IH. Sechs vor 7 1 /*—8 bzw. 16 V* Monaten immunisierte Binder und drei Kontroll- 
rinder erhielten auf einmal mit der Flasche je 2 g von denselben Rindertuberkelbazillen. 
von denen 2 mg bei subkutaner Infektion ein Tier sicher tCteten, suspendiert in */* I 
Milch. Zwei Kontrolltiere zeigten Fieber, die immunisierten Tiere blieben samtlich 
fieberfrei. Bei der Tuberknlinprobe (22 Tage naeh der Impfung) reagierten alle Kontrolh 
tiere und drei immunisierte Kinder. 4 Tage spater warden zwei Kontrolltiere und drei 
immunisierte Kinder (darunter ein reagierendes) geschlachtet. Bei den immunisierten 
Rindem warden keine makroskopisch erkennbaren tuberkulosen Herde nachgewiesen, 
wahrend beide Kontrolltiere in den Mesenterialdriisen und in der Lunge zahlreiche 
makroskopisch sichtbare Tuberkel erkennen lietien. Das dritte Kontrolltier und die 
tibrigen drei immunisierten Kinder warden 2 Monate 18 Tage naeh der Impfung ge^ 
schlachtet. Ersteres zeigte eine generalisierte Tuberkulose, w&hrend bei den drei 
immunisierten Rindern nur vereinzelte z. T. in der Rtiekbildung begriffene tuberkulose 
Herde gefunden wurden. 

Die Versuchsansteller folgern aus diesen Versuchen, welche mit 
lnsgesamt 18 immunisierten Rindern nnd 13 Kontrolltieren angestellt 
wurden, dafl die Schutzimpfung einen gewissen Grad von 
Immunit&t gegenuber einer kiinstlichen snbkntanen oder 
intestinalen Infektion mit yirulenten Tuberkelbaziilen 
yerleiht. 

Welche Erfahrungen sprechen nun fiir eine erhOhte Widerstands- 
kraft der schntzgeimpften Tiere gegenuber der natiirlichen An- 
stecknng? 

Znr Benrteilung der Sachlage seien zuerst zweiBeobachtungen 
mitgeteilt: 

In einem Stalle von ca. 100 Rindern mit 90—95 Proz. reagierenden 
Tieren warden 10 frisch eingestellte, auf Tuberkulin nicht reagierende 
Rinder derart zu einem Versuche benutzt, dafi die eine H&lfte immoni* 
siert und die andere Halfte als Kontrolltiere ungeimpft gelassen wurde. 
Bei der 6 Monate spater vorgenommenen Schlachtnng erwiesen sicb von 
den 5 Kontrolltieren 4 tuberkulos, dagegen von den 5 immunisierten 
Rindern nur 1. 

Auf einem anderen Gnte mit ebenfalls 90 Proz. reagierenden Tieren 
wnrden von 18 auf Tuberkulin nicht reagierenden Rindern 9 schutz- 
geimpft nnd 9 blieben ungeimpft. Naeh einem Jahre erwiesen sich bei 
der Schlachtnng (16 Stuck) bzw. Tnberkulinprobe (2 Stuck) von den 


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Original-Refer* te aas dea Sitzongen gelehrter Gesellach&ften. 


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9 Kontrolltieren nur noch 3 gesund. 6 waren tuberkulOs geworden, dar- 
unter 1 derart, daB das Fleisch vernichtet werden muBte. Von den 
9 schutzgeimpften Eindern waren 7 gesund geblieben. 2 hatten tuber¬ 
kulose Veranderungen, wenn anch nur geringen Grades, erworben. 

Derartige Versuche hat Heymans wiederholt angestellt. Das Re- 
sultat war stets das gleiche: Die geimpften Tiere gaben weniger 
positive Reaktionen nnd waren seltener tuberkulos als 
die Kontrolltiere, so daB sich H. berechtigt halt, den schutz- 
geimpften Tieren anch gegennber der natiirlichen Infek- 
tion einen gewissen Grad von Immunitat zuzuschreiben. 

In dieser Beziehnng scheint das Heymanssche Verfahren den 
bisher von nns erprobten, anf der subkutanen oder intravenosen Ein- 
verleibung mehr oder weniger virnlenter Tnberkelbazillen der ver- 
schiedenartigsten Herkunft bemhenden Schntzimpfverfahren mindestens 
ebenbiirtig zn sein. 

Wie aber verhait es sich mit der heilenden Wirkung 
bei bereits vorhandener Tuberkulose? 

Bekanntlich hatte anch v. Behring seinem Impfverfahren (Bovo- 
vaccination) eine ausgesprochene Heilwirkung auf vorhandene tuber¬ 
kulose Prozesse zngeschrieben. Es hat sich aber in der Praxis sehr 
bald gezeigt, daB die Heilwirkung bei bereits manifest gewordener 
Tuberkulose sehr oft ausbleibt, ja daB sogar eine erhebliche Beschleu- 
nigung des tnberkulbsen Prozesses im AnschluB an die Schutzimpfung 
eintreten kann. Dasselbe gilt von Tauruman, dessen Anwendung bei 
reagierenden Tieren bekanntlich dringend widerraten wird. 

Demgegeniiber hat das Heymanssche Verfahren von vornherein 
eine ausgedehnte Anwendung gerade bei reagierenden jiingeren und 
alteren Rindern gefnnden. Die gttnstige Einwirkung der Impfung bei 
schon vorhandener Tuberkulose und den Mangel jeder sch&dlichen 
Nebenwirkung erklart H. aus dem Umstande, daB bei seinem Verfahren 
nur loslicbe Stoffe aus den Schilfshckchen diffundieren konnen, welche 
eine aktive Immunit&t erzeugen und zugleich imstande seien, vor¬ 
handene tuberkulose Herde zur Heilung zu bringen. In dem Verh&ltnis, 
wie der Organismus aktiv immun werde, gelangen im Kdrper antitoxische 
und bakterizide Stoffe zur Ausscheidung, die ihrerseits wieder sowohl 
den Inhalt der Schilfstlckchen als anch andere tuberkulose Herde un- 
wirksam machen und verkreiden. 

Allerdings soli auch die Heilwirkung nur eine beschr&nkte sein, 
und Heymans erklart ausdrucklich, daB die Imptung gewisse Tiere 
nicht hindere, weiter zu siechen und an der Tuberkulose zu sterben, 
falls sie nicht vorher geschlachtet werden. Bei anderen habe man den 
Eindruck, daB sie sich bessern. und einen guten Ernahrungszu stand im 
AnschluB an die Impfung erwerben. Eine groBe Zahl von Tieren hore 
nach der Impfung auf zu reagieren, und zwar sei die Zahl grbfier als 
die Zahl deijenigen. die sonst nach erneuter Tuberkulinprobe zu rea¬ 
gieren aufhbren. Auch zeigen die Sektionen solcher Tiere, daB die 
tuberkulosen Veranderangen gering seien. 

Bereits in seiner ersten ausfuhrlichen Mitteilung uber die mit dem 
neuen Verfahren in der Praxis gesammelten Erfahrungen (5) gibt H. 
die Zahl der bis 31. Dezember 1906 geimpften reagierenden Binder 
auf uber 3000 an, die samtlich die Impfung gut vertragen hatten. An 


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Original-Referate aus den Sitzungen gelehrter Gesellschaften. 


der Unsch&dlichkeit des Verfahrens auch far bereits inflzierte 
Tiere ist somit wohl nicht za zweifeln. Es lag daher fur fl. kein Grand 
vor, die reagierenden Tiere von der Impfung auszuschliefien. So erklart 
es sich, dafi H. von Anfang an bei seinen Versuchen in der Praxis die 
Schutz- und Heilimpfung kombiniert angewandt hat, d. h. es warden 
stets alle Rinder des Bestandes von dem jiingsten Kalbe bis zu der 
aitesten mitten in der Milchprodnktion stehenden Oder nnmittelbar Tor 
dem Geb&rakt befindlichen Kuh auf einmal dem gleichen Verfahrea 
nnterworfen. Die zusammenfassenden Uebersichten, welche H. in seinen 
beiden Berichten gibt, trennen deshalb die Schutzimpfung anch nicht 
von der Heilimpfung, sondern verzeichnen lediglich die Zahl der rea¬ 
gierenden und nicht reagierenden Tiere in regelmafiigen (durchschnitt- 
lich jahrlichen) Intervallen, um den Riickgang der Tuberkulose in den 
Bestanden zu kennzeichnen. Es ist deshalb auch nicht moglich, das 
umfassende statistische Material, welches H. fur die Wirksamkeit seines 
Verfahrens beibringt, in einer Beweiskraft fur die Schutzwirkung and 
fur die Heilwirkung getrennt zu wiirdigen. 

Was lehren nun diese Zusammenstellungen fiber die 
Wirksamkeit des neuen Verfahrens im Kampfe gegen die 
Rindertuberkulose? 

Insgesamt wurden in den Jahren 1906 und 1907 319 Bestfinde mit 
rund 7000 Rindem dem Impfverfahren nnterworfen, d. h. tuberkulinisiert 
und geimpft im Jahre 1906 und wieder tuberkulinisiert und wieder ge- 
impft im Jahre 1907. Im Jahre 1906 reagierten von den 7014 Rindem 
in diesen 319 Best&nden: 

49 Proz. negativ, 6 Proz. zweifelhaft, 45 Proz. positiv; 
im Jahre 1907 reagierten von den 6969 Rindern in denselben 329 Be¬ 
standen: 

65 Proz. negativ, 8 Proz. zweifelhaft, 27 Proz. positiv. 

Das bedeutet eine Zunahme der nicht reagierenden Tiere von 49 auf 
65 Proz. und eine Abnahme der reagierenden Tiere von 45 auf 27 Proz. 

Noch mehr tritt diese Abnahme der reagierenden und Zunahme der 
nicht reagierenden Tiere hervor, wenn die in obiger Zusammenstellung 
mit enthaltenen, bereits seit 1905/1906 im Versuch stehenden 48 Be- 
st&nde mit rund 1300 Rindern; bei denen bereits 3 Tuberkulinproben 
ausgeffihrt sind, fur sich zusammengestellt werden. Bei der ersten 
Tuberkulinprobe (vor der ersten Impfung) reagierten von den 1270 
Rindern in diesen 48 Best&nden: 

40 Proz. negativ, 6 Proz. zweifelhaft, 54 Proz. positiv; 
bei der zweiten Tuberkulinprobe (ca. 6 Monate nach der ersten Impfuug) 
reagierten von den 1304 Rindern in denselben 48 Best&nden: 

55 Proz. negativ, 9 Proz. zweifelhaft, 36 Proz. positiv; 
bei der dritten Tuberkulinprobe (ca. 6 Monate nach der zweiten Impfuug) 
reagierten von den 1405 Rindern in denselben 48 Best&nden: 

65 Proz. negativ, 7 Proz. zweifelhaft, 28 Proz. positiv. 

Das bedeutet eine Zunahme der nicht reagierenden Tiere von 40 Pro& 
auf 65 Proz. und eine Abnahme der reagierenden Tiere von 54 auf 
28 Proz. 

Hey mans betont bei der Besprechung seiner Ergebnisse ausdrfick- 


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CENTRALBLATT 

fflr 

Bakteriologie, Parasitenkunde 
und Infektionskrankheiten 


Brste Abteilung: 

Mediz.-hygien. Bakteriologie u. tier. Parasitenkunde 



Originale 

in Verbindung mit 



Geh. MecL-Rat Prof. Dr. Loeffler, 

Greifswald 


Geh. Med.-Rat Prof Dr. R. Pfeiffer, Geh. Reg.-Rat Prof Dr. Iff. Braun 

KOnigsberg i. Pr. 
herausgegebe'n von 

Prof. Dr. 0. Uhlworm in Berlin W. 15, Nachodstr. 17 n 
__ Verlag von Gustav Fischer in Jena _ 

XXVII. Band. Jena, den 15. Juni 1908. -°- Heft 1. 

Pnii At den Bend (60 Bogen) 16 Mark. — Die Hummera ersoheinen swanglos je naob 

dem vorliegenden Btoffe. 


Inhalt des erschienenen Heftes 1 der ersten Abteilung. 

Ausgegeben am 15. Juni 1908. 


Baumann, B. u. Rimpam, W., Bakterio- 
logische Blutuntersuchungen bei Typhus, 
insbesondere durch die Gallekultur, 
p. 13b. 

Fiebiger, J. p Ueber durch Trematoden 
verursachte Hautwucherungen bei Zeus 
faber und das subkutane Yorkommen 
von Trematodencysten, p. 62. 

Hottinger, Robert, Bacillus suipestifer, 
p. 31. 

Xrame, R. u. Schwoner, J., Ueber Be- 
ziehungen des Antitoxingehaltes des 
Diphtherieserums zu dessen Heilwert, 
p. 124. 

Jffegri, A., Beobachtungen fiber Sarko- 
eporidien, p. 56. 


Pfeiffer, R. u. Priedberger, E., Zur 

Frage der Endotoxine und der Anti- 
endotoxine bei Cholera und Typhus, 
p. 98. 

Salomon, Ernst, Zur Untersclieidung der 
Streptokokken durch kohlenhydratlialtige 
Nfihrbflden, p. 1. 

Schereschewsky, J„ Experimentelle Bei- 
triige zum Studium der Syphilis, p. 41. 

Sittler, Paul, Beitrfige zur Bakteriologie 
des Siiuglingsdarmes, p. 14. 

Wolff-Eisner, Alfred, Die Bindungs- 
verbiiltnisse der Organgewebe gegenfiber 
Toxinen und ihre klinische Bedeutung 
fur Inkubation und natiirliche Iinmuni- 
tiit, p. 70. 


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Inhalt des erscMenenen Heftes 2 der ersten Abteilung. 

Ausgegeben am 15. Juli 1908. 


Arndt, Studien zur Immunitat und Mor¬ 
phologic bei Vaccine, p. 237. 

Belfanti, 8 ., Ueber antitoxisches und 
antimikrobisches (bivalentes) Diphtherie- 
serum, p. 248. 

Gage, George Edward, A comparative 
study of media for the detection of 
Bacillus coli in drinking water, p. 280. 
Galli-Valerio, B., Recherches expdri- 
mentales sur une sarcine pathogene, 
p. 177. 

Hottinger, Robert, Bacillus suipestifer. 
(SchluB), p. 186. 

Xentzler, Julius und Benczur, Julius, 

Agglutination bei Mischinfektion, p. 263. 
Xonr&di, Daniel, 1st die Wut vererbbar? 


1st das Blut Lyssakranker infektions- 

fabigV p. 203. 

t. Liebemann, Xu und ▼. Fenyvessy, B., 

Isolierung und Reinigung der Immun- 
kOrper h&matolytischer Immunsera, 
p. 274. 

Riemer, Ueber eine nach GenuB von 
Leberwurst beobachtete Fleischvergif- 
tung und deren Erreger, p. 169. 

Sittler, Paul, Beitrfige zur Bakteriologio 
des Sauglingsdarmes. (SchluB), p. 145. 
Wolff-Eisner, Alfred, Die Bindungs- 
verhaltnisse der Organgewebe gegenuber 
Toxinen und ihre klinische Bedeutung 
fiir Inkubation und natiirliche Immuni- 
tftt. (SchluB), p. 213. 


Inhalt des erscbienenen Heftes 3 der ersten Abteilung. 

Ausgegeben am 31. Juli 1908. f g 


Amsdorff, Alfred, Monostomum vicarium 
n. sp., p. 362. 

Battaglia, Mario, Einige Untersuchungen 
liber das Nagana-Trypanosoma, p. 350. 

Busse, W., Ueber die Beeinflussung des 
hamolytischen Komplements durch In- 
jektion Leukocytose erregender Mittel 
(Hetol und Hefenukleinsaure), p. 366. 

Fraenkel, C., Impfversucbe mit spirillen- 
haltigem Blut, p. 349. 

Glaessner, X., Ueber Balantidienenteritis, 
p. 351. 

Xentzler, Julius, Berichtigung zu E. 
Levy: Bemerkung zu der Arbeit von 
J. Kentzler „Beitrag zur H&molysin- 
bildung der Typhusbacillen“, p. 379. 

Kraus, R. und Grosz, S., Ueber experi- 
mentelle Hauttuberkulose bei Affen, 
p. 298. 

Levy, E. v Blumenthal, Franz u. Marxer, 


A., Experimentelle Untersuchungen fiber 
Tuberkulose, p. 289. 

v. Liebermann, L., Hemagglutination und 

Hamolyse, p. 372. 

Maslakowetz, F. F. u. Liebermann, J. 

Theorie und Technik der Reaktion von 
Wassermann und die diagnostische 
Bedeutung derselben, p. 379. 

Schirop, Harry, Beitrag zur Biologie des 
Bacillus vitulisepticus und zur Immuni- 
sierung gegen die durch denselben hervor- 
gerufene septische Fneumonie der Kfilber, 
p. 307. 

Schmidt, Otto, Experimentelle Erzeugung 
maligner Tumoren bei Tieren durch In- 
fektion, p. 342. 

Stuhlem, V. R., Ueber die klinisch- 
bakteriologische Bedeutung der quan- 
titativen Bestimmung der Typhusbak- 
teriamie, p. 393. 


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Origm&l-Referate ana den Sitmngen gelehrter Gesellachaften. 


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lich, dafi diese ohne Anwendung irgend welcher hygienischer Hafinahmen 
erlangt seien, und folgert daraus, dad die von ihm eingefuhrte 
Schutz- and Heilimp fang far sich allein dieVerseuchungs- 
zifferineinerHerde of fen sich tig undschnellvermindere, 
derart, dad in der Mehrzahl der 319 z. Z. im Versuch stehenden tuber- 
kulosen Rinderbest&nde bis spatestens 1910 das Erldschen der Tuber- 
kulose mit Sicherheit zn erwarten sei. Angesichts dieser weitgehenden 
Wertschatzung, welche H. den mit Hilfe der Taberknlinprobe erlangten 
Ergebnissen fur die Beurteilnng des Wertes seines Verfahrens beimidt, 
ist wohl die Frage berechtigt, ob die Taberknlinprobe in einem 
alljahrlich nach dem Heymansschen Verfahren durchge- 
impften Bestande auch tatsachlich ein annahernd rich- 
tiges Bild von dem jeweiligen Seuchenstande gibt. 

Ich bemerke vorweg, dad meine eigenen Versuche bei Tieren, die 
in irgend einer Weise mit lebenden Tuberkelbazillen Oder Extrakten 
von Tuberkelbazillen vorbehandelt warden, gelehrt haben, dad den 
negativen Reaktionen solcher Tiere nicht die gleiche Beweiskraft 
fiir das tats&chliche Fehlen tuberkuldser Veranderungen zukommt wie 
den negativen Reaktionen nicht vorbehandelter Tiere. Offenbar fuhrt 
die an die Schutzimpfung sich anschliedende allmahliche Durchtrankung 
des Organismus mit Stoffwechselprodukten der Tuberkelbazillen bei den 
bereits mit tuberkuldsen Herden behafteten Impflingen eine nicht un- 
wesentliche Herabsetzung der Tuberkulinuberempfindlichkeit herbei, die 
sich bei der Taberknlinprobe durch ganzlich fehlende, mindestens aber 
weniger kraftige Temperaturausschlage zn erkennen gibt. Finden dann 
aus praktischen Grunden die Temperaturaufnahmen nor 3mal in 3stun- 
digen Zwischenr&umen (12, 15 und 18 Stunden nach der Einspritzung) 
statt, wie das in Belgien ganz allgemein geschehen ist, so mud unbe- 
dingt die Zahl der nicht reagierenden Tiere in einem Verhfiltnis an- 
steigen, welches dem tatsachlichen Seuchenstande nicht entspricht. Das 
zeigt auch die yerhaltnismadig hohe Zahl von sog. zweifelhaften Reak¬ 
tionen, namentlich bei den spateren Tuberkulinprufungen, die zweifellos 
uberwiegend als positive Reaktionen mit herabgesetztem Temperatur¬ 
ausschlage aufzufassen sind. 

Heymans, welcher die negative Tuberkulinreaktion auch bei den 
geimpften Rindern fur voll beweiskraftig ansieht, stiitzt seine Auf- 
fassung auf etwa 100 Schlachtungen von Rindern, die wiederholt auf 
Tuberkulin nicht reagierten und spater in der iiberwiegenden Zahl 
(95 Proz.) tuberkulosefrei befunden warden. Diese von Haus aus nicht 
reagierenden und auch spater tuberkulosefrei gebliebenen Rinder sind 
aber anders zu beurteilen wie reagierende Tiere, die erst im Anschluh 
an die Impfung ihre Reaktionsfahigkeit auf Tuberkulin einbiifien. Dafi 
aber bei diesen die fehlende Reaktion keineswegs ein zuveriassiges 
Beweismittel fur das Freisein von tuberkuldsen Herden ist, habe ich 
oben ausfiihrlich dargelegt. 

Wenn aber die Tuberkulinprobe kein zuveriassiges Hilfsmittel zur 
Feststellung des jeweiligen Seuchenstandes in einem alljahrlich nach 
dem Heymansschen Verfahren behandelten Bestande ist, dann 
geben auch die lediglich auf dem negativen Ausfall 
dieser Probe aufgebauten statistischen Uebersichten 
kein einwandfreies Bild von der Wirksamkeit der neuen 


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Original-Referate ana den Sitzongen gelehrter Gesellschaften. 


Methode, and die optimistische Auffassung von der baldigen radikalen 
Tilgung der Tnberkulose in Belgien, welcher Hey mans am Schlasse 
seines j tings ten Bench tes (6) Ansdruck verleiht, findet jedenfalls dnrch 
das z. Z. vorliegende Beobachtungsmaterial keine ansreichende Stiitze. 

Eher mochte ich eine andere Zasammenstellnng aus der letzten 
Veroffentlichung Hey mans (6) als wertvoll fur die Beurteilnng der 
von diesem Verfahren zu erwartenden Erfolge gelten lassen, namlich 
jene Tabelle, welche Auskunft dartiber gibt, wie viele von etwa 300 ur- 
spriinglich nicht reagierenden schutzgeimpften Rindera bei der zweiten 
nach etwa Jahresfrist vorgenommenen Tuberknlinprobe bereits reagierend 
gefunden wurden. Diese Zahl betr&gt 20 Proz.! Das ist ein tiber- 
raschend hoher Prozentsatz, der aber in Wirklichkeit eher noch zu 
niedrig als zu hoch gegriffen sein dlirfte und seine Erklarung nur in 
der unzureichenden Wirksamkeit des Verfahrens gegen- 
iiber der natiirlichen Ansteckung bei starker Tuber- 
kuloseverseuchung findet. Eine Wandlung zum Besseren diirfte 
nur durch die gleichzeitige Anwendung strenger hygieni- 
scher Mafinahmen zu erzielen sein, auf die H. im Schlusse seiner 
letzten Veroffentlichung als wichtigen Buudesgenossen im Kampfe gegen 
die Tuberkulose hinweist. 

Wenn somit anch die Erwartungen, welche auf die unmittelbare 
Wirksamkeit der Heymansschen Tuberkuloseschutz- und Heilimpfung 
auf Grand der bisher in Belgien gesammelten Erfahrungen gesetzt 
werden konnen, kaum weitergehen dtirfen als bei den iibrigen z. Z. in 
Deutschland iibliehen Tuberkuloseschutzimpfverfahren, so hat das Hey- 
manssche Verfahren doch vor den iibrigen einen grofien Vorzug: 
Es ist bei reagierenden und nicht reagierenden Tieren 
jeden Alters anwendbar und gestattet jede beliebige 
Wiederholung, ohne dafi irgend ein Risiko fiir das Wohlbefinden 
auch alterer bereits infizierter Impflinge Oder fiir die Verwertung des 
Fleisches bei beabsichtigter Schlachtung zu befiirchten ist. Dadurch 
aber ist es moglich, den wenn auch an sich geringen Impfschutz be- 
liebig oft in Anwendung zu bringen und so, namentlich im Beginn der 
Tuberkulosebekampfung, die Gefahren der natiirlichen Ansteckung fiir 
die Impflinge dauernd herabzusetzen. 

Inwiefern es ferner von Nutzen sein kbnnte, die erste Schutz- 
impfung, nach der zweifellos etwas schneller wirkenden v. Behring- 
schen Methode und die Nachimpfungen in 6—12monatigen Zwischen- 
raumen nach dem Heymansschen Verfahren vorzunehmen, mussen 
weitere Versuche ergeben. 

Sollte sich endlich noch zeigen, dafi in einer wenn auch beschrfinkten 
Zahl von Fallen frischer Tuberkuloseansteckung tatsachlich eine 
Heilung bereits vorhandener tuberkulbser Herde durch 
das Heymanssche Verfahren erreicht werden kann, so wiirde auch 
diese Hilfe in dem so schwierigen und miihevollen Eampfe gegen die 
Rindertuberkulose mit Freuden zu begriifien sein. Vor allzu hochge- 
spannten Hoffnungen gerade in dieser Beziehung mochte ich aber 
wamen. Auf jeden Fall verdient das Heymanssche Ver¬ 
fahren auch in Deutschland auf seine Wirksamkeit in der 
Praxis gepriift zu werden. 


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Syphilis. 


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Literatur. 

1. Hey mans, J. F.. Quelqaes considerations snr la tnbercnlose exp6rimentale. (Extrait 

da Bulletin de l’Academie royale de m£decine de Belgique, Stance du 25 join 1904.) 

2. —, La vaccination antitubercnleuse. (Extrait dn Bulletin de l’Academie royale de 

m£decine de Belgique, Seance du SI decembre 1904.) 

3. —. Sur la tuberculose pleurale et pdritondale du boeuf (d’apres les experiences du 

doctenr D. Maes). (Communication faite & l’Acad6mie royale de m6decine de Belgi¬ 
que, Seance du 30 septembre 1905. Arch, intemat. de Pbarmacodynamie et de 
Therapie. voL XIV. 1905.) 

4. —, Sur la genese des cellules geantes. (Communication faite & l’Academie royale de 

medecine de Belgique, Seance du 28 avril 1906. Arch, intemat. de Pharmacodynamie 
et de Th6rapie. voL AVI. 1906.) 

5. —, La vaccination antitubercnleuse chez les bovides (en collaboration avec G. Mullie). 

(Lecture faite & l’Academie royale de medecine de Belgique, Seance du 23 fevrier 

1907. Arch, intemat de Pharmacodynamie et de Therapie. vol. XVII. 1907.) 

6. —, Sur la vaccination antitubercnleuse chez les bovides (Deuxieme communication). 

(Lecture faite & 1’Academic royale de medecine de Belgique, S6ance du 29 fevrier 

1908. Arch, intemat. de Pharmacodynamie et de Therapie. voL XVIII. 1908.) 


Referate. 


Hoffmann, Erich, Atlas der atiologischen und experimen- 
tellen 8yphilisforschung. Berlin (Julius Springer) 1908. 

Das vorliegende Werk ist mit Unterstiitzung der „deutschen derma- 
tologischen Gesellscbaft“ dem zu fruh uns entrissenen Fritz Schau- 
diun als literarisches Denkmal zum Zeichen dauernder Dankbarkeit 
errichtet worden. 

Dem Bakteriologen werden Unternehmen, die das gesamte bisher 
bekannte Material sammeln, gerade in solchen Gebieten von besonderem 
Werte sein, in denen die erprobten bakteriologischen Methoden bisher 
versagt haben. Dazn gehQrt anch noch die Syphilis. Die in den letzten 
Jahren mit besonderer Energie betriebene atiologische Syphilisforschung 
hat unser Interesse auf die bisher wenig beachtete Gruppe der Spiro- 
chaten gelenkt und in iiberraschender Weise gezeigt, in welch unge- 
ahnter Verbreitung schranbenartig gewundene Mikroorganismen auch 
als parasitare und pathogene Keime eine Rolle spielen. Selbst die 
fanatischsten Gegner der atiologischen Bedentnng der Syphilisspirochate 
konnten diesen wichtigen Fortschritt in der Mikrobiologie nicht leugnen. 
Aber der Beweisring ftir ihre pathogene Natur wird immer enger ge- 
schlossen; ein Zweifel an ihrer Mikroorganismennatur ist wohl nur 
noch dnrch Unkenntnis Oder Yoreingenommenheit moglich, nnd gerade 
Werke, wie das vorliegende werden ihr Teil znr endgiiltigen Aufklarung 
der atiologischen Rolle beitragen. 

Es ist als ein gliicklicher Gedanke zn bezeichnen, die Resultate der 
experimentellen nnd der atiologischen Syphilisforschung zu vereinigen 
nnd beide Forschungsrichtungen sich durch gegenseitige Ausfiillung der 
noch vorhandenen Liicken erganzen zu lassen. Dazu war der Verf. in 
besonderem Made geeignet, da er an der weittragenden Entdeckung 
der Spirochaeta paUida lurch Schaudinn teilgenommen und auch in 
der Folgezeit wichtige Arbeiten in beiden Richtungen geliefert hat. Zu 


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Syphilis. 


dem reichen eigenen Material konnte Verf. Abbildungen infizierter Tiere 
sowie mikroskopische Praparate von den meisten Forschern bringen, 
die an dem raschen Fortschritte nnserer Kenntnisse besonders mitge- 
arbeitet haben, so besonders den historischen Affen, an dem Metsch- 
nikoff nnd Roux am 28. Juli 1908 in der Pariser Akademie der 
Wissenschaften die erste sichere Syphilisiibertragung auf Tiere demon- 
strieren konnten. 

Das Werk ist ein Atlas nnd bringt als solcher nnr kurze Notizen 
zn jeder Abbildnng seiner 34 Tafeln. Als eine Erg&nzung konnen die 
in demselben Verlage auch gesondert erschienenen Arbeiten vom 
IX. KongreB der deutschen dermatologischen Gesellschaft 1906 gelten: 
„A. Neisser, Die experimentelle Syphilisforschung" nnd „E. Hoff¬ 
mann, Die Aetiologie der Syphilis". 

Auf den ersten 7 Tafeln sind die verschiedenen Formen nnd Stadien 
der Affensyphilis sowie die Keratitis syphilitica bei Kaninchen nnd 
Schaf abgebildet. Die fibrigen Tafeln beschaftigen sich mit der Spiro- 
chaete pallida und den iibrigen Formen der parasitaren Spirochaten. 
Wir finden zuerst die Darstellung nach Giemsa im Ausstrich von den 
verschiedensten syphilitischen Affektionen, sowie in einem Gewebsschnitte 
nach Schmorl. Dann die Silberimpragnation der Spirochaten, so daB 
durch diesen Vergleich ganz besonders eindringlich die Identit&t mit 
der Giemsaspirochate vor Augen gefiihrt wird. Wir linden sie so- 
wohl in Schnitten von acquirierter Syphilis in Initialsklerosen, auch 
bei Affen, in Papeln, Lymphdriisen, bei Arteriensyphilis, wie in fast alien 
Organen bei kongenitaler Lues. Sehr lehrreich sind Vergleiche mit den 
Spirochaten bei Lungengangran, Noma, Rekurrens, nlzerierenden Karzi- 
nomen, Hiihnerspirillose usw. 

Die drei letzten Tafeln bringen Mikrophotogramme, die groBenteils 
aus dem Nachlasse von Schaudinn stammen, verschiedene Formen 
und Besonderheiten von Spirochaten zur Darstellung bringen, z. T. auch 
als Beiage fur die friiher abgebildeten Zeichnungen dienen. Letztere 
sind in kiinstlerischer Weise durch den wissenschaftlichen Zeichner 
G. H el big ausgefuhrt und soweit die mehrfache Abbildnng eigener 
Praparate dem Referenten ein Urteil erlauben, mit vollkommener Natur- 
treue. Die Reproduktionen sind ganz prachtvoll und wohl dem technisch 
Vollkommensten an die Seite zu stellen. 

So wird sich dieser Atlas unschwer Freunde erwerben und zur Er- 
weiterung nnserer Syphiliskenntnisse, zu sicherem Vergleiche und Be- 
urteilung neuer Befunde in dankenswerter Weise beitragen. 

Gierke (Karlsruhe). 

Jancke, Di e Spirochaeta pallida und der Cytorrhyktes luis. 

(Therapeut Monatshefte. Jahrg. XXII. 1908. p. 79—89.) 

Verf., ein Schuler von Siegel, sucht in langer Auseinandersetzung 
in ahnlicher Weise, wie Siegel in seinem Vortrage, gehalten auf dem 
XIV. internation. KongreB fUr Hygiene und Demographie, Berlin 1907, *) 
zu beweisen, dafi die Spirochaeta pallida Schaudinn unmSglich die Er- 
regerin der Lues sein konne. Er beschreibt einen von Siegel aufge- 
fundenen, aber noch nicht klassifizierten Mikroorganismus, wahrscheinlich 


») Vgl. diese Zeitschr. Abteil. I. Originale. Bd. XLV. 1907. S. 218. 


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Syphilis. 269 

zu den Protozoen gehfirig, den CytorrhyUes luis, und sucht darzutun, 
dafl nor dieser der Erreger der Lues sein kfinne. 

Kersten (Berlin). 

Noeggerath, Bemerknngen zu Dr. Jancke: Die Spirochaeta 
pallida und der Cytorrhyktes luis. (Therapeut. Monatshefte. 
Jahrg. XXII. 1908. p. 89.) 

Erwiderung auf die oben referierte Arbeit von Jancke. 

Vert fuhrt in klarer, fibersichtlicher und ausffihrlicher Weise zahl- 
reiche Bestfitigungen der Entdeckung Schaudinns an, denen nur 
negative Befunde emster Forscher bei der Nachprtifung der Siegel- 
schen Behauptungen gegeniiberstehen. 

Nach der jetzt wohl auch fast allgemein herrschenden Ansicht 
des Verfassers liegt demnach kein Grund vor, die Auffassung von der 
atiologischen Rolle der Spirochaeta pallida fiir die Lues zugunsten eines 
sicher nicht parasitaren, vielmehr wahrscheinlich als Zerfallsprodukt 
aus normalem Blute anzusehenden Gebildes aufzugeben. 

Kersten (Berlin). 

Bab,Hans,Nerv OderMikroorganismus? (Munch.med.Wochenschr. 
1907. S. 315.) 

B. hat bei 8 weiteren Ffiten Uebereinstimmung zwischen mikro- 
skopischem Spirochatennachweis und biologischer Luesantigenprobe ge- 
funden (Tabelle). Der Spirochfitenbefnnd ist nicht an die Mazeration 
der Eingeweide gebunden. Mit Levaditis Silberverfahren war in 
zahlreichen nicht zerfallenen Geschwiilsten (Krebsen, Sarkomen, Myomen) 
sowie in kiinstlich mazerierten Eingeweiden von nicht syphilitischen 
Fruchten nicht eine einzige Spirochate zu entdecken. 

Weitere Einwftnde Schulzes und Salings gegen die Mikro- 
organismenart der Spirochate werden eingehends bekampft. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Gronven, Ueber den Nachweis der Spirochaeta pallida bei 
kongenitaler Syphilis (Centralbl. fiir Gyn. 1908. H. 18). 

Verf. berichtet in dieser Arbeit fiber Spirochfttenuntersuchungen in 
19 Fallen kongenitaler Syphilis, llmal handelte es sich um lebend 
geborene Kinder im Alter von 10 Tagen bis 2 Jahren, die auBerlich 
wahrnehmbare luetische Symptome darboten. In 9 Fallen lieBen sich 
durch die Untersuchung von Papelausstrichen an den verschiedensten 
Kfirperstellen, in je einem Fall aus dem Ascitesausstrich und aus dem 
Ausstrich einer Rhagade des Mundwinkels Spirochaten nachweisen, die 
dann nach dem letalen Ausgang auch durch Ausstrich- und Schnitt- 
nntersuchung aus den verschiedensten Organen nachgewiesen wurden. 

Von 8 faultoten Frfichten lieB sich mit Ausnahme eines Falles 
jedesmal gleichfalls, sei es im Ausstrich oder im Schnitt, der verschie¬ 
densten Organe der Spirochatennachweis ffihren, wobei besonders ein 
Fall bemerkenswert war, indem als einzige pathologische Veranderung 
des in den ersten Lebensmonaten ohne eruierbare Krankheitsursache 
gestorbenen Kindes sich eine Verkasung der Nebennieren fand, in deren 
Rinde im Schnitt Spirochaten nachweisbar waren. 

V a s s m e r (Hannover). 


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Syphilis. — Frambosie. 


Gaston et Girauld, Frequence du treponfcme h6patique chez 
le foetus mac6re et syphilis congbnitale. (Bulletin de la 
Soci6t6 frangaise de Dermatologie et Syphiligraphie. T. 19. 1908. 
H. 2. S. 62.) 

In 31 untersuchten Foten fanden die Verff. 15mal Spirochaten in 
der Leber. Von den 16 negativen Fbten war die Mutter 13mal frei 
von syphilitischen Erscheinungen. Die Verff. schlieflen aus diesen Unter- 
suchungen, dad mindestens in der Hftlfte der Faile die fbtale Mazeration 
auf Syphilis beruht. Franz Blumenthal (Berlin). 

Vorner, Hans, Ueber wechselndes Vorkommen der Lnes- 
spirochate. (Munch, med. Wochenschr. 1907. S. 2330.) 

Von 3 einem Kranken gleichzeitig entnommenen, gleichzeitig mit 
Silberlosung durchtrankten und weiterbehandelten Genitalpapeln fanden 
sich nur bei 2 Spirochaten. Papeln, die am After eines Syphilitikers 
gleichzeitig entstanden waren, sich gleichmafiig entwickelt hatten und 
in Abstanden immer von mehreren Tagen entfernt wurden, boten auf- 
fallend wechselnden Spirochatengehalt. Die Spirochatenzahl scheint in 
keinem Verhaltnisse zum Alter einer Wncherung zu stehen, sondern auf- 
und abzuschwanken. Moglicherweise hangt damit die Ansteckungs- 
fahigkeit zusammen. Georg Schmidt (Berlin). 

Jancke, Gelungene Filtration von Syphilisvirus. (Med.Klin. 
1907. No. 17.) 

Verf. stellte im ganzen drei Versuche an, das Syphilisvirus zu 
filtrieren; zwei mit Emulsion von Primaraffekten ausgefiihrte verliefen 
ergebnislos, ein dritter mit den inneren Organen eines etwa 6 Monate 
alten anscheinend nicht mazerierten syphilitischen Fotus gelang. Ein 
mit dem Filtrat geimpfter Aflfe (Mangabe) zeigte nach 35 Tagen einen 
typischen Primaraflfekt. Als Filter wurde ein ChamberlandfLLter 
benutzt und unter hohem Druck filtriert. Meinicke (Saarbriicken). 

Ashburn, P. M. and Craig, F., Observations upon Treponema 
pertenuis Castellani of yaws and the experimental pro¬ 
duction of the disease in monkeys. (The Philippine Journal 
of Science. Vol. II. 1907. No. 5. p. 441.) 

Die Verff. haben auf den Philippinen im Laufe eines Jahres mehrere 
Falle von Frambbsie gesehen und teilweise auch untersuchen kbnnen. 
Die Krankheit scheint nach der Schilderung der Eingeborenen dort 
nicht so sehr selten zu sein. In 10 Fallen, die auf das Vor- 
handensein der Spirochaeta pertenuis (Castellani) untersucht wurden, 
konnte tiberall ein positiver Befund erhoben werden. Morphologisch liefi 
sich diese Spiroch&te in lebenden und gefUrbten Prftparaten von dem 
Erreger der Syphilis nicht unterscheiden. An der Hand einiger schema- 
tisierter Zeichnungen besprechen die Verff. dann die verschiedenen 
von ihnen beobachteten Typen von Spirochaten, unter anderem 
auch solche, die man als Stadien der Querteilung, andere, die man als 
Langsteilungen und wieder andere, die man als Konjugation deuten 
konnte. Die Annahme, dad sich die Frambosiespirochaten langs teilen, 
besitzt nach der Ansicht der Verff. die grbfiere Wahrscheinlichkeit. 


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FrambOsie. 


271 


Undolierende Membran und EndgeiBel haben die Verff. niemals be- 
obachtet. 

Im Gewebssaft, der in eingeschmolzenen Kapillaren aufbewahrt 
war, konnten noch nach 34 Tagen bewegliche Frambosiespirochaten 
beobachtet werden. In solchen Kapillaren, die 1, 2 und 3 Tage auf- 
bewahrt worden waren, schien die nrspriingliche Anzahl der Spirochaten 
eine Vermehrung erfahren zu haben, zumal sich darunter viele L&ngs- 
teilnngsbilder fanden. Die Weiterzuchtung in der Knltnr ist ihnen 
bisher nicht gelnngen. 

Die experimentelle Infektion von Affen ( Cynomolgus philippensis 
Geoff) gelang den Verff. leicht (Einreibnng in die skarifizierte Bauch- 
hant nnd Einbringen in eine Hauttasche), nnd zwar sowohl vom 
Menschen anf Affen, als anch vom letzteren anf andere Affen. Die 
Infektion scheint aber bei diesen Tieren eine rein lokale zu sein. 

Die Inkubationszeit betrug in den Versncben an Affen ungefahr 
20 Tage. Die Krankheit dauerte 10 bis 84 Tage und hinterlieB Immuni- 
tat gegen Reinokulation. 

Wahrend die Infektion mit Frambosie regelmafiig gelang, gelang 
den Verff. Uebertragung der Syphilis auf diese Affen in keinem Falle. 
Sie schliefien daraus, dafi Syphilis und Frambosie zwei verschiedene 
Krankheiten sind. Manteufel (Grofl-Lichterfelde). 

Castellan!, A., Note on the Spirochaete of Yaws (Spirochaeta 
pertenuis). (Brit. Med. Journal. 1907. S. 1511—1512.) 

Der Entdecker des Erregers der Frambbsie gibt zunachst eine 
Uebersicht seiner die Frambbsie behandelnden Arbeiten und fafit das 
bisher Bekannte kurz zusammen. 

Eine genaue Darstellung der Morphologie der Spirochaeta pertenuis 
laBt ihre Aehnlichkeit mit der Sp. pallida erkennen. In den ulzerierten 
Lasionen wurden aufier ihr noch weniger feine Spirochaten (Sp. obtusa , 
acuminata) gefunden. 

Den Beweis daftir, dafi die Sp. pertenuis in der Tat der Erreger 
der Frambosie ist, sieht Verf. in folgenden drei Griinden: 

1. In nicht ulzerierten Papeln, Milz nnd Lymphdriisen von Fram- 
bosiepatienten und geimpften Affen ist die Spirochfite der einzige 
vorkommende Organismus. 

2. Extrakt mit Sp. pertenuis ist infektibs fhr Affen. 

3. Extrakt filtriert ist nicht infektibs fur Affen. 

Aus einer Tabelle, die die Spiroch&tenbefunde aus verschiedenen 
Organen von Frambosiekranken und geimpften Affen zusammenstellt, 
geht hervor, dafi im zirkulierenden Blut und in der Cerebrospinal- 
fliissigkeit niemals Spiroch&ten gefunden wnrden. 

Schellack (Lichterfelde). 

Castellani, A.) L’etiologia della Framboesia tropicale (Jaws, 
Pian, Boubas). (Annali di Med. Nav. Vol. II. 1907. Fasc. D 

Verf. beobachtete im Februar des Jahres 1905 in den Hauteiflores- 
zenzen eines Falles von Frambbsie in Ceylon eine SuBerst diinne 
Spirochate, der er den Namen Spirochaete pertenuis beilegte. Die Lange 
des Mikroben schwankt zwischen 4—20 und mehr ju. Die Windungen 
sind im allgemeinen zahlreich, gedrangt gelegen und gleichformig. Zu- 


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272 


FrambSsie. 


weilen konnte Verf. auch beobachten, daB ein Teil des Mikroorganismus 
gewunden war, der andere Teil dagegen fast geradlinig. Wird nach 
Lbffler gefirbt, so sieht man, daB einige der Mikroben an einem 
Ende eine auBerst feine GeiBel haben. Allem Anscheine nach ist keine 
wellenformige Membran vorhanden. Der Mikroorganismus muB also 
eher fur ein Treponema als fur eine Spirochate gehalten werden. 

Einige Autoren (Mesnil, von Prowazek etc.) beschreiben 
morpbologische, zwischen der Spirochate der FrambOsie nnd der Spiro¬ 
chate der Syphilis bestehende Unterschiede. Verf. ist nun, ohne das 
Bestehen kleiner morphologischer Unterschiede in Abrede stellen zu 
wollen, der Ansicht, daB diese zwei Arten eher anf Grand ihrer bio- 
logischen als auf Grand ihrer morphologischen Eigenschaften unter- 
schieden werden miissen. Wenn man wirklich annimmt, daB es Fram- 
bosie- und Syphilis-Spirochatosen Oder Treponemosen sind, so muB man 
sich notwendigerweise zu der Ansicht bequemen, daB die Spirochate der 
Frambbsie insofern von der der Syphilis artlich verschieden ist, als 
die beiden Krankheiten klinisch und experimentell verschieden sind. 
Sowohl Neisser und seine Assistenten in Java wie Verf. in Ceylon 
haben nachgewiesen, daB die mit Frambbsie geimpften Affen fur 
Syphilis nicht immun werden und umgekehrt. AuBerdem gelingt es 
mit dem Bordet-Gengouschen Verfahren leicht nachzuweisen, daB 
das Antigen und die Antikorper der FrambSsie spezifisch verschieden 
sind von dem syphilitischen Antigen und den syphilitischen AntikSrpern. 

Nach den vom Verf. erhaltenen Resultaten zu urteilen, ist die 
Spirochaete pertenuis sozusagen bestandig in den nicht ulzerierten Efflores- 
zenzen sowohl des Menschen wie des Affen vorhanden. Die Spirochaete 
pertenuis kann zuweilen auch in den Lymphganglien und in dem Milz- 
saft vorkommen. In den nicht ulzerierten Effloreszenzen, in den Lymph¬ 
ganglien und in der Milz ist kein anderer Mikroorganismus nachweisbar. 

Einige Untersuchungen der letzten Zeit (Powell, Wellman, 
Martin etc.) haben den Ergebnissen des Verf. neue Stiitzen zugefQhrt 

Auf Grand seiner Versuche kommt Verf. daher zu nachstehenden 
SchluBfolgerungen: 

Die Frambosie ist eine Form der Spirochatose oder der Treponemose. 

Der spezifische Krankheitserreger ist aller Wahrscheinlichkeit nach 
die Spirochate oder das Treponema, das Verf. im Jahre 1905 unter dem 
Namen Spirochaete pertenuis beschrieben hat. Ceradini (Mailand). 

Castellan!, A., Comparative experimental studies on cases 
ofFramboesia contracted in various parts of the Tropics. 
(Arch. f. Schiffs- u. Tropen-Hyg. 1908. H. 10.) 

Verf. hatte Gelegenheit, 3 Falle von Puru (aus Malayen-Staaten). 
2 Falle von Coco (Fiji Inseln), 1 Fall von Pi an (Franz. Antillen), 
1 Fall von Boubas (Brasilien) und 2 Falle von afrikanischer 
Frambbsie untereinander und mit der Ceylon-Frambbsie zu ver- 
gleichen. In alien Fallen wurde Spirochaeta pertenuis gefunden. Affen 
waren fur alle Arten empfanglich und zeigten sich nach Impfung mit der 
einen immun gegen die anderen, aber nicht gegen Syphilis, ebensowenig 
umgekehrt.— Bei Anstellung der Wassermannschen Reaktion zeigte 
es sich, daB auch die Antigene und Antikorper der verschiedenen Arten 


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Frambosie. 


273 


identisch sind. Mi thin sind die Bezeichnnngen: Yaws, Pian, Bonbas, 
Puru, Coco Synonyma fftr dieselbe Krankheit, die Framboesia tropica. 

Mhhlens CWilhelmhaven). 

Levaditi , C. et Nattan-Barrier, L., Contribution a l’etude 
microbiologiqne et expbrimentale dn Pian. (Annal. de 
l’lnst. Past. XXII. 1908. No. 3. p. 260.) 

Es existieren gewisse morphologische Unterschiede zwischen Spiro- 
chaeta pertenuis und Sp. pallida, namentlich hinsichtlich der Regelmafiig- 
keit und Feinbeit der Windung, die bei ersterer nicht so ausgeprfigt 
ist, aber auch Unterschiede in der Histologie der Lasionen, von denen 
die wichtigsten sind: geringe Beteiligung der Gefafie bei den Frambosie- 
ulzerationen, starke oberflachliche und tiefe Infiltration mit Polynuklefiren. 
Da die mit Frambbsie infizierten Affen keine Im muni tat gegen Syphilis 
erworben haben, umgekehrt aber syphilitische Affen nicht mehr Fram- 
bdsie erwerben, so glaubten Yerff. dafi letztere eine geringere Aktivitat 
besitze als das Syphilisvirus. Syphilis und Frambosie wiirden sich 
nach den Verff. ungefahr so verhalten wie tropische Malaria und 
Wechselfieber. F ii r s t (Berl in). 

Robertson, Alexander, A short account of the diseases of the 
Gilbert and Ellice Islands. (The Journal of tropical medicine 
and hygiene. 15. Jan. 1908. No. 2.) 

Bei Yaws (Frambbsia) fand R. Spirochaten, ahnlich der Spirochaeta 
pallida neben zahlreichen Bakterien; Zuchtungsversuche mifilangen; 
der Primaraffekt erscheint in Gestalt einer Papel meist 2—4 Wochen 
nach einer kleinen Verletzung, die Eruption von Papeln am ganzen 
Kbrper wieder 10—14 Tage spater. Nekrosen hat R. bei Frambosia 
nie beobachtet und halt solche stets fur Mischinfektionen mit Syphilis. 
In der Behandlung sind wichtig 2malige tagliche Waschungen mit 
Karbolseife und grofie Gaben von Jodkali. Die fibrigen Krankheits- 
beschreibungen bieten nichts Besonderes. Ben sen (Berlin). 

Branch, C. W., Yaws. (Annals of Tropical Medicine and Parasitology. 
Yol. I. No. 3. p. 373—413.) 

Syphilis ist sehr haufig in Westindien, ganz besonders in St. Croix, 
St. Kitts, Nevis, Antigua, St. Lucia und St. Vincent. In St. Vincent 
leiden allein 19 Proz. der Patienten daran und beinahe 4,4 Proz. der 
Einwohner werden jahrlich an dieser Krankheit behandelt Bemerkens- 
wert ist die Anzahl der tertiaren im Gegensatz zu der sehr geringen 
Anzahl von primaren Lasionen. Auch sehr junge Individuen leiden an 
der tertiaren Form; die Anzahl und die Haufigkeit kann nicht durch 
Hereditat erkiart werden und wird sehr oft anderen Ursachen, z. B. 
Rhinopharyngitis, Lupus etc. zugeschrieben. Bemerkenswert ist, dafi 
von 17 Fallen von Tertiarsyphilis unter 15 Jahren 12 friiher an Yaws 
gelitten hatten. Die nicht venerische Syphilis ist sehr haufig und 
meistens zugezogen durch direkte Inokulation und durch die Nachlassig- 
keit der Neger. Nach der Erfahrung des Autors ist Yaws nichts 
anderes als die nicht venerische Syphilis der Tropen. Primar findet 
sich dabei sehr oft ein fungbses Geschwiir ahnlich wie bei Frambosia. 
Y r aws ist nicht eine besondere Krankheit und alle Symptome der Syphilis 

Brete Abt. Refer. Bd. XLII. No. 9/10. 18 

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274 


Frambtisie. 


werden anch bei Yaws gefunden. Charakteristisch ist der frambbsia- 
ahnliche Ausschlag. Yaws ist gewolinlicher in Dbrfern, Syphilis dagegen 
in Stadten. Die weifle Bevolkerung akquiriert die Krankheit ebenso 
leicht wie die schwarze. Die Behandlnng ist dieselbe wie fiir Syphilis. 

Breinl (Liverpool). 

Pick, Walter, Ueber einen Spirochatenbefund bei einer 
1 rambbsiformen (tuberkulosen?) Hanterkranknng. (Arch, 
f. Dermatologie nnd Syphilis. Bd. 85. 1907. S. 3.) 

Verf. konnte bei einer 68jahrigen Fran in frambosiformen, wahr- 
scheinlich tnberknlosen Herden des Gesichtes neben verschiedenen 
Bakterienarten Spiroehaten in grofier Menge nachweisen, die der Spiro - 
chaeta refringens sehr ahnelten. Dieselben Spiroehaten fand er in 
Schnittpraparaten nach der Levaditimethode. Seiner Ansicht nach 
hat in diesem Falle die Tuberkulose nnr das Terrain vorbereitet, anf 
dera die Spiroehaten einen gunstigen Nahrboden findend das merkwiirdige 
Krankheitsbild hervorriefen. Franz Blnmenthal (Berlin). 

Shennan, Theodore, The localisation of spirochaetes in the 
papules of yaws. (Journal of Pathology and Bacteriology. Vol. 
XII. 1908. p. 426.) 

Schnittuntersuchung einer 6 Monate alten Frambbsiepapel vom 
Damm nach Levaditi. Die Spiroehaten linden sich am zahlreichsten 
im Epithel dicht unter der Oberflache, z. T. fragmentierte, anscheinend 
degenerierte, altere Formen. Die tieferen Epithelschichten enthalten 
schone, olfenbar junge Individuen. In den Papillen des Corium sieht 
man nur sehr selten, im eigentlichen Corium gar keine Spiroehaten. 
Hand in Hand mit der Yerbreitung der Parasiten gehen zelluiare Verknde- 
rungen. Das Corium ist ganz normal, das Epithel hingegen schwer ge- 
schadigt und nach auBen von einem Leukocytenwall bedeckt. 

Die Spiroehaten miissen also ihren Weg von auAen in die Haut 
genommen haben. Die syphilitischen Papeln zeigen ein entgegengesetztes 
Verhalten, die Spirochaeta pallida bevorzugt das Bindegewebe. 

Arthur Israel (Berlin). 

Siebert, W., Zur Lagerung der Frambbsiespirochaten in 
der Haut. (Arch. f. Schiffs- u. Tropen-Hyg. 1908. H. 9.) 

Bei Frambbsie linden sich im Gegensatz zur Syphilis die Spiro- 
chaten im Bereich der erkrankten Haut nur in der Epidermis, wobei 
daselbst auch noch eine Leukocyteninflltration eine wesentliche Eolle 
spielt. Muhlens (Wilhelmshaven). 

Zettnow, Ueber Geiflelzbpfe, Spirochaeta polyspira und 
Planosarcina Schaudinni. (Zeitschr. f. Hyg. u. Infektionskrank- 
heiten. Bd. 58. 1908. p. 386.) 

Kiirzlich hat MaxWolff die Frage aufgeworfen, ob nicht manches, 
was bisher als GeiBelzopf gedeutet wurde, in Wirklichkeit etwas 
anderes gewesen ist und sich... schliefilich als Spirochate entpuppt 
haben wurde. 

Zettnow fiihrt nun aus, dafi man wohl bald eine Trennung der 
Spirochatenarten in solche, welche a) den Spirillen, also den Bakterien 


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Spirochaten bei spitzem Condylom and bei Krebs. 


275 


und solche b) den Protozoen nfiher stehen, voraehmen werde, dafi sich 
aber auf Grand der wohl bekannten Arten: Spirochaete buccalis, dentium, 
gattinarum, anserina, Obermeieri, Duttoni, balanitidis, refringens und pallida 
folgende Kennzeichen feststellen: 

A. Die Breite wechselt bei derselben Farbungsart nnr in mafiigen 
Grenzen. Bei Benutzung anderer F&rbemethoden kann die Breite zu- 
nehmen, nach Beizung und Versilbernng das Doppelte bis Dreifache. 
Aus diesem Verhalten schlieBt Zettnow auf das Dasein eines sehr 
starken Ektoplasmas bei den Spirochaten, wie ein solches aufierordent- 
lich starkes auch bei yielen Bakterien, z. B. Choleravibrionen, dnrch 
Beizung leicht nachweisbar ist. Die Breite der grOfiten Spirochaten be- 
tragt 0,5—0,7, der kleinsten 0,2 p. 

B. Die Lange schwankt in bedentenderem MaBe als die Breite; 
sie kann z. B. bei Sp. pallida 4—20 /«, bei Sp. Duttoni nnd refringens 
30—40 f.i betragen. 

C. Die fiuBere Gestalt derselben Art erscheint verschieden, je nach 
der Praparation. Niemals fehlen bei den Spirochaten die sich kurz 
zuspitzenden Enden, dnrch welche sie sich von den Spirillen nnter- 
scheiden. 

Es passen also anf die oben angeffihrten Spirochaten anch heute 
noch die Kennzeichen. Es sind spiralig Oder peitschenschnurforarig ge- 
wundene biegsame Faden mit Eigenbewegung. 

Zum Vergleich mit den Wolff schen Photogrammen gibt Zettnow 
eine grofle Anzahl vorziiglicher Abbildongen von GeiBelzopfen. Er ist 
der Ansicht, daB anch deijenige, welcher weiB, daB es sich nm GeiBel- 
zopfe handelt, ihre Aehnlichkeit mit Spirochaten zngeben mnB. 

Dnrch Versuche stellte Zettnow fest, daB Planosarcina Schaudinni 
als selbstandige Art fernerhin nicht anfrecht erhalten werden 
kann; sie kann nnr als Stamm Wolff der Sarcina agUis Sames gelten. 

Schill (Dresden). 

Heeht,Hugo, Untersnchnngen fiber denZnsammenhang von 
spitzem Condylom und Spirochaten. (Arch. f. Dermatologie 
und Syphilis. Bd. 90. 1908. H. 1/2. S. 67.) 

In 9 von 15 nntersnchten spitzen Condylomen konnten Spirochaten 
nachgewiesen werden. Es fanden sich Spirochaten vom Typus der 
Refringens , daneben aber anch andere Formen, die fur den Ungefibten 
schwer von der pallida zu unterscheiden waren. Die Spirochaten liegen 
oberflachlich, nnr selten im Gewebe. Da sich die Spirochaten nur in 
einem gewissen Prozentsatz der Ffille fanden und nnr an der Oberflache 
zu linden waren, glanbt Verf. ihnen keine atiologische Bedeutung ffir 
die spitzen Condylome znsprechen zu kdnnen, um so weniger als er 
auch dnrchans nicht immer die gleichen Spirochatenarten fand. 

.Franz Blnmenthal (Berlin). 

Deetjen, H., Spirochaten bei den Krebsgeschwfilsten der 
Manse. (Mfinch. med. Wochenschr. 1908. S. 1167.) 

D. fand bei alien Krebsgeschwulststammen des Heidelberger Instituts 
ffir Krebsforschnng Spirochaten von stets gleicher bezeichnender 
Form nnd LebensauBerung (praformierte spiralige Gestalt, drehrnnder 

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Hodgkinsche Krankheit 


Korper, Flexibilitat, Besitz einer GeiBel an jedem Pole, lebhafte Be- 
weglichkeit), steht aber davon ab, dieser Spirochate einen nenen Namen 
zu geben, ehe nicbt festgestellt ist, ob es die von Bor re 1, Gaylord 
und Tyzzer beschriebene Art ist. Sie ist viel kleiner, dicker and 
leichter farbbar (nach G i e m s a), wie die Spirochaete pallida (Abbildungen), 
und in dem die Geschwulst umgebenden Bindegewebe leicht und bei 
Dunkelfeldbeleuchtung auch im Blute zu finden. Spritzt man spiro- 
chatenhaltiges Bindegewebe Oder Blut unter die Haut Oder in die Bauch- 
hohle von Mausen, so sind in deren Blute 6—10 Tage spftter Spirochaten 
nachzuweisen. In frischen Praparaten gehen sie nach etwa 12 Stunden 
in eine Ruheform iiber in Gestalt von rundlichen Oder etwas ovalen 
Korperchen. Die Umbildung erfolgt im h&ngenden Tropfen, auf den 
Aetherdampfe einwirken, in wenigen Minuten. Im TierkQrper kehren 
diese Ruheformen rasch wieder zur Spirochatengestalt zuriick. 

Diese Spirochaten stehen mit der Geschwulstbildung und dem Ge- 
schwulstwachstume in keinem ursachlichen Zusammenhange, denn sie 
werden auch bei Mausen gefunden, bei denen die Geschwulsteinpflanzung 
mifilingt, und es trat trotz gelungener Spirochateniibertragung nie Ge¬ 
schwulstbildung ein. Schlieillich fand sich eine zusammenhangende 
Reihe von Geschwulstmausen, denen die Spirochaten fehlten. Wahr- 
scheinlich stammen die Spirochaten von den urspriinglichen Geschwiilsten 
und werden dann immer wieder mit iibertragen; wie sie aber in jene 
hineingekommen sind, ist nicht geklart. Vielleicht losen sie unter 
ganz besonders giinstigen Vorbedingungen Oder durch Vermittlung eines 
Zwischenwirtes den ersten Reiz aus und werden nachher his harmlose 
Schmarotzer mit iibertragen. Bei 6 geschlossenen menschlichen Krebsen 
fanden sich keine Spirochaten, auch nicht nach Ueberimpfung auf Mause; 
ebensowenig bei einem Rattensarkome. Georg Schmidt (Berlin). 

White, Spirochetes in Hodgkin’s disease. (Vorlaufige Mit- 
teilung.) (Journ. of the Americ. med. Ass. Yol. XLIX. 1907. No. 9.) 

Es sei ausdriicklich hervorgehoben, dad Verf. die Untersuchung 
der Lymphdriisen nicht etwa zufallig gemacht hat, sondem sich zu 
diesem Zwecke absichtlich entsprechendes Material von verschiedenen 
Laboratorien erbat. Zweierlei Umstande waren es, auf Grand derer 
Verf. diese Untersuchung untemommen hat: erstens die in gewissem 
Grade bestehende Affinitat der Spirochaten zu dem lymphatischen Ge- 
webe — Pallida in Lymphdriisen, Obermeieri in der Milz —, zweitens die 
Befunde von Riesenzellen in Hodgkinschen Lymphdriisen (Reed- 
Longcope) und in Lebern syphilitischer Kinder und deren (sc. Riesen¬ 
zellen) Beziehungen zu den Spirochaten (Benda). — In zwei von 
MacCallum (Baltimore) Johns Hopkins eingesandten Hodgkinschen 
Driisen (Formalin) fand nun Ver£ nach Levaditi, Giemsa, Eisen- 
hamatoxylin-Eosin zahlreiche Spirochaten. Verf. iibersandte seine Pra- 
parate PrSscher, ehemaligen Assistenten Ehrlichs, jetzt Pittsburg, 
Allegheny General Hospital; Proscher bestatigte den Befund der 
Spirochaten, erkiarte aber die Driisen fur syphilitisch, die Spirochate 
fiir Pallida , mit der Bemerkung, so viele Spirochaten nie gesehen zu 
haben. — Ueber den Widersprach: Syphilis-Hodgkin aufiert sich Verf. 
nicht naher. — Der mikroskopische Befund in den Driisen stimmte voll- 
kommen mit den Befunden Reeds-Longcopes iiberein. Verf. halt 


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Hodgkinsche Krankheit. — Syphilis. 


277 


drei Eventualitfiten fur mfiglich: 1. Entweder handle es sich um Syphilis 
bei einem pseudoleukfimischen Individuum; 2. Oder Pseudoleuk&mie sei 
eine „milde“ (?) Form der Syphilis, wie Skrofulose in bezug auf Tuber- 
kalose; 3. Oder die Spirochaten seien Erreger der Pseudoleukamie (dann 
wohl nicht Pallida?). BouCek (Prag). 

White andProscher, Spirochetes in a cute lymphatic leukemia 
and in chronic benign lymphomatosis (Hodgkins disease). 
(Journ. of the Americ. med. Ass. Vol. XLIX. 1907. No. 13.) 

1. Akute lymphatische Leukfimie: Erythrocyten 900000, Leukocyten 
32000, Hgb. 14 Proz., grofie und kleine Lymphocyten, sehr wenige poly- 
morphonukleare Zellen, wenige Poikilocyten und Normoblasten; die 
Lymphdrusen des ganzen Korpers geschwollen, am meisten die Inguinal- 
und Kruraldrttsen, weich und diskret; seit 5 Wochen profuse Blutungen 
aus dem Munde. Kein Verdacht auf Syphilis. Spirochaten in einer 
exstirpierten Druse und in aspirierter Fliissigkeit anderer Drfisen. Der 
Kranke starb, die Sektion muBte aber unterbleiben. 2. Hodgkinsche 
Krankheit: in der aspirierten Flussigkeit von drei Driisen ebenfalls 
Spirochaten. — Verff. arbeiten an 6 weiteren Fallen. In der in Aussicht 
gestellten Pnblikation sollen ihre Befunde und Schlusse ausfiihrlich dar- 
gestellt werden. BouCek (Prag). 

XfLhlens, P., Beitrag znr experimentellen Kaninchenhorn- 
hautsyphilis. (Deutsche med. Wochenschr. 1907. S. 1207.) 

Mit spirochatenhaltigem menschlichem Driisensafte wurde eine 
Kaninchenkeratitis erzeugt. Geschabe hiervon erzeugte bei einem 
Macacos einen Primaraffekt an den Augenbrauen. Yon diesem Schanker 
aus gelang wieder die Erzeugung einer Hornhautentzundung beim 
Kaninchen. In Ausstrichen ’des Homhautgeschabes fanden sich nach 
Giemsafarbung zahlreiche Spirochaten. 

Lungen-, Leber- und Nebennierensaft eines eben gestorbenen Kindes 
mit schwerer angeborener Syphilis wurde auf Kaninchenhornhaute ver- 
impft; es entstand spezifisch syphilitische Keratitis. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Tomasczewski, Egon, Uebertragnng der experimentellen 
Augensyphilis des Kan'inchens von Tier zuTier. (Munch. 
medL Wochenschr. 1907. S. 1023.) 

Es gelingt durch Impfung mit infektiOsem menschlichem Syphilis- 
stoffe (spirochatenhaltigen Primaraffekten) in der Kaninchenhornhaut 
eine pannusartige Veranderung zu erzeugen, in deren Ausstriche fast 
stets mehr oder weniger zahlreiche Spirochaten nachweisbar sind. Dieser 
Pannus lafit sich mit gleichem Ergebnisse in Generationen verimpfen. 
(Protokolle fiber seit Oktober 1906 vorgenommene Versuche.) Irisver- 
anderungen warden hfiufig, deutliche Iritis nur zweimal gesehen, Spiro¬ 
chaten dabei nie gefnnden, Weiterimpfungen ohne Erfolg versucht. 

Georg Schmidt (Berlin). 

Fontana, A., Contributo alio studio della sifilide corneale 
delconiglio. (Rivistad’lgieneesanita-pubblica. 1907. No.21. p.646.) 

Verf. faBt in ausffihrlicher Weise die bekannten Versuche fiber die 


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Syphilis. 


Uebertragung der Syphilis auf Kaninchen zusammen, und berichtet 
einige eigene Beobachtungen. Unter den yon ihm erw&hnten Tatsachen 
ist bemerkenswert, dad es ihm gelang, das syphilitische Virus auf beide 
Augen zu tibertragen, und zwar nicht nur bei gleichzeitiger beider- 
seitiger Impfung, sondern auch dann, wenn zwischen den beiden Imp- 
fungen ein Zwischenraum von 11 und sogar von 34 Tagen lag. Ein 
positiver Impferfolg wurde sogar in Fallen beobachtet, wo schon seit 
5 Tagen eine spezifische Keratitis auf einem der beiden Augen bestand. 
Dabei ist zu bemerken, dad zu den Impfversuchen sowohl menschliches 
Virus als auch Kaninchen virus erster Passage angewandt wurde, das 
nach Bertarelli, nur selten die Entwicklung einer beiderseitigen 
Keratitis bedingt. Bertarelli (Parma). 

Neisser, A., Ein Beitrag zur Lehre von der Kaninchen- 
syphilis. (Dermatologische Zeitschrift. Bd. 16. 1908. S. 73.) 

Neisser erklart, dad es ihm entgegen den Behauptnngen Siegels 
niemals gelungen sei, Kaninchen subkutan mit Syphilis allgemein zu 
infizieren. Den Untersuchnngen Siegels spricht er jede Beweiskraft 
ab, da S. keinerlei Beweise fur die syphilitische Natur der von ihm 
beobachteten Erscheinungen erbringt. Dagegen gelang es ihm Kaninchen 
allgemein zu infizieren, indem er syphilitisches Material in die Hoden 
einbrachte. 

Neisser spritzte 7 Kaninchen mit Milzknochenbrei von syphilitischen 
Affen in die Hoden. Nach 7—8 Wochen verimpfte er die Milz und das 
Knochenmark der Kaninchen auf Affen und konnte mit den Organen 
von 3 der vorbehandelten Kaninchen bei den Affen Primaraffekte er- 
zeugen. Franz Blumenthal (Berlin). 

Grouven, Ueber klinisch erkennbare Allgemeinsyphilis 
beim Kaninchen. (Dermatologische Zeitschrift. 1908. Bd. 15. 
S. 146. H. 4.)») 

Grouven berichtet fiber klinisch manifesto Allgemeinerscheinungen, 
die bei einem Kaninchen nach intraokularer Impfung mit Syphilis auf- 
traten. Das am 1. Dezember 1906 geimpfte Tier bekam Anfang Juli 1907 
seine ersten Allgemeinerscheinungen (Haarausfall, Abmagerung, daneben 
Infiltrate und Rhagaden an den Nasenfltigeln). In den Infiltraten konnten 
typische Spirochaetae pallidae nachgewiesen werden. Spfiter trat auf dem 
gesunden Auge eine Keratitis auf. Am 18. Februar 1908 fand sich an 
der Unterflache des Praputiums eine hypertrophische Papel, die ganz 
denen beim Menschen im sekundaren Stadium vorkommenden entsprach. 
Im Sekret derselben waren im Ausstrich nach der Giemsamethode 
ebenso im Schnittprfiparate nach Silberimpragnierung reichlich Spiro- 
chaetae pallidae nachweisbar. Es ist dies der erste Fall, wo klinisch 
manifeste syphilitische Allgemeinerscheinungen beim Kaninchen mit 
Sicherheit festgestellt wurden. Franz Blumenthal (Berlin). 

Finger, E., Die neuesten Errungenschaften auf dem Ge- 
biete derSyphilidologie. (Wiener klin. Wochenschr. 1908. No. 1.) 

Zusammenfassende Besprechung der neueren Untersuchungsergeb- 


*) VgL auch Medizinische Kliuik. 1908. N. 8. p. 267. 


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Syphilis. 


279 


nisse betreffend die MOglichkeit der Syphilisfibertragung auf Tiere, das 
spezifische Virus (Spirochaete pallida) und die Serumdiagnose der Syphilis. 

Hetsch (Metz). 

Schalek, Practical value of modern conceptions of syphilis. 

(Journ. of the Americ. med. Assoc. Vol. L. 1908. No. 18.) 

Verf. bespricht die bekannten Aenderungen, die die Syphilislehre 
durcb die Entdeckung der Spiroch&ten erfahren hat. 

Bou£ek (Prag). 

Bab, Bakteriologie und Biologie der kongenitalen Syphilis. 

(Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. Bd. 60. H. 2.) 

Nach einer kurzen Feststellung unserer jetzigen Erfahrungen fiber 
das morphologische und tinktorielle Verhalten der Spirochaeta pallida, 
wobei Verf. auch fiber eigene Untersuchungen betreffs der Resistenz- 
fahigkeit der Spirochatenleiber gegen die verschiedensten Chemi- 
kalien, besonders verschieden starke Sublimatldsungen berichtet (es 
scheint hiernach eine besondere Affinitfit der Spirochfiten zum Queck- 
silber, wie auch Silber zu bestehen) bespricht B. weiterhin die Ergeb- 
nisse der experimentellen Syphilis der Tiere, unter Bericht zweier 
eigener positiver Uebertragungsversuche mit Leber und Nebenniere eines 
Luesfbtus auf die Augenlider von Cynocephalus Babuin, und erortert 
dabei eingehend, wie weit aus diesen experimentellen Forschungen eine 
Klarung des Colleschen und Profetaschen Gesetzes erwartet werden 
konne. Bei Besprechung des neuesten Zweiges der modernen Syphilis- 
forschung, der auf der Methode der Komplementablenkung beruhenden 
biologisch-serologischen PrOfung, berichtet B. fiber ttberraschende Ueber- 
einstimmung, die sich in 14 Fallen von gleichzeitigen, aber unabhangig 
voneinander angestellten biologischen und mikroskopisch-bakteriologischen 
Untersuchungen der Organe von luetischen Foten ergeben hatte. Erstere 
im Institut fur Infektionskrankheiten und in der Breslauer dermatolo- 
gischen Klinik, letztere vom Verf. angestellt, ergaben nicht nur von 
spirochatenfreien Organen antigenfreie Extrakte und von spirochaten- 
haltigen Organen antigenhaltige Extrakte, sondern es entsprach aucli 
einem sehr groBen Gehalt an Spirochaten ein sehr starker Antigen- 
gehalt des Extraktes und andererseits einem sehr geringen Spirochaten- 
gehalt ein sehr geringer Antigengehalt. DaB von 17 Fallen die spiro¬ 
chaten a r me Placenta 13mal antigen positive Resultate ergab, mochte 
Verf. damit erklaren, dafi die luetische Placenta wie ein groBer Schwamm 
die gelosten syphilitischen Stoffe in sich aufspeichert, und daB die 
GranulationszeUen histogene Phagocyten darstellen, welche die gelosten 
Giftstoffe in sich aufnehmen und vielleicht durch eigene Cytase zu 
paralysieren suchen. Von dieser biologischen Forschungsmethode, die 
sich auch auf die mfitterliche Milch erstrecken muB, erwartet Verf. erst 
eine Klarlegung so mancher noch dunkler Fragen der kongenitalen 
Syphilis (Collessches und Profetasches Gesetz); nur mittels dieser 
Methode werden sich auch so manche verhfingnisvolle Falle von Lues- 
fibertragung beim Stillgeschaft, wie sie die sogenannten Ausnahmen 
vom Collesschen und Profetaschen Gesetz noch darstellen (d. h. An- 
steckung der noch nicht luetischen Mutter durch das luetische Kind 
und umgekehrt) verhfiten lassen. 


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280 


Syphilis. 


B. hat selbst die Milch von vier lnetischen und einer nicht lueti¬ 
schen Fran mittels der Methode der Komplementablenkung nntersncht 
nnd hierbei die Milch der vier lnetischen Franen stark antistoffhaltig, 
die der nicht lnetischen Fran frei von Antistoffen gefnnden. Fur die 
Praxis ergibt sich hieraus die Fordernng mehr noch als bei gesnnden 
Franen uberhaupt bei lnetischen Muttern nnd Kindern anf Selbststillen 
oder Stillen durch luetische Ammen zu dringen, da hierbei durch die 
Milch zugleich eine natiirliche passive Immunisiemng des fur aktive 
Immunisierung anscheinend wenig disponierten Nengeborenen erzielt wircL 
Die vom Verf. selbst zum Studium und zur Klarung der Spiroch&ten- 
frage angestellten raikroskopischen Untersnchungen erstrecken sich anf 
64 Luesfalle nnd 9 Kontrollfalle. W&hrend die Organe dieser KontroU- 
falle alle frei von Spirochaten waren, konnte Verf. in fast 40 Proz. 
der in 260 Blocken untersuchten Organe der luetischen Frttchte Spiro¬ 
chaten nachweisen, die er in sehr instrnktiven Photogrammen aus den 
verschiedensten Organen veranschanlicht 

Die Organe selbst zeigten sich der Haufigkeit nach in folgender 
Reihenfolge erkrankt: 


Lunge 

87.5 Proz. 

Nabelarterie 50,0 Proz. 

Pankreas 

80,0 

79 

Hoden 

60,0 „ 

Haut 

66,7 

79 

Ovarien 

46,2 „ 

Nebenniere 

64,7 

75 

Nase 

41,7 „ 

Milz 

62,9 

79 

Auge 

25,0 „ 

Leber 

59,5 

75 

Tuben 

25,0 „ 

Nabelvene 

55,6 

75 

Uterus 

12,5 „ 

Thymus 

55,6 

79 

Nabelschnur 

9,4 b 

Niere 

54,5 

79 

Placenta 

o,o „ 


Weder in 7 Untersnchungen des Spermas Lnetischer noch in 2 Unter- 
suchungen von Kolostralmilch konnte B. Spirochaten nachweisen. 

Bei der Besprechung des klinischen Teiles (ob materne, ob paterne 
Infektion nsw.) erwahnt Verf. noch, daB er bei 5 weiteren Luesgeburten 
keine Spirochaten in den fijtalen Organen gefunden habe, nnd daB in 
2 Fallen anch die biologische Untersuchung versagt habe. Ob es in 
diesen Fallen durch energische Hg-Kuren der Mutter schon zu einem 
Zerfall der Spirochaten in den kindlichen Organen gekommen sei, Oder 
ob die Kinder nnr an den Toxinen oder infolge von PlacentarverSnde- 
rungen zugrunde gegangen seien, mochte Verf. nicht entscheiden, ob 
ferner die Beobachtung, daB in 6 Fallen die Leber spirochatenfrei, 
einmal auch biologisch antigenfrei sich erwies (bei positiven Befunden 
in den iibrigen Organen), fur eine ovogene Luesiibertragung spreche 
oder ob der in diesen Fallen nachgewiesene groBere Spirochatengehalt 
des Respirationstraktus eine Infektion der Frucht durch verschlucktes 
Fmchtwasser wahrscheinlicher mache, mochte Verf. gleichfalls nicht 
entscheiden. 

Aus der Zusammenstellung des Verf. iiber die Syphilisdauer vor der 
beobachteten Luesgraviditat nnd iiber die etwaigen Erfolge der Hg- 
Therapie zeigt sich, daB nach wahrscheinlich 7jahriger Daner der 
luetischen Erkrankung vor der Luesgraviditat im Kinde noch Spiro¬ 
chaten nacliweisbar waren, nnd daB auch der therapeutische Erfolg fur 
die Nachkommenschaft oft nnr ein ganz minimaler war. Denn von 
15 derartigen Fallen waren 13mal Spirochaten im Kinde nachweisbar; 
in 8 dieser Falle wurde das Kind wenigstens lebend geboren. 


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Syphilis. 


281 


Wenn Verf. am Schlusse seiner Arbeit auch glanbt, daB durch die 
neuere biologische Untersuchungsmethode unsere Anschauungen iiber 
den Vererbungsmodus dabin werden rektifiziert werden, daB wir die 
spermatogene nnd ovogene zugunsten der placentaren Uebertragnng 
verlassen miissen, womit anch die Lehre vom Collesschen Gesetz und 
des sog. Choc en retour fallen muBte, so halt er doch die bis jetzt aus 
diesen neneren Forschungen gewonnenen Resultate nicht fur hinreichend, 
rnn schon jetzt die anf jahrzehntelangen klinischen Erfahrungen sich 
stntzenden gegenteiligen Annahmen liber den Vererbungsmodus der Lues 
fallen lassen zu konnen. VaBmer (Hannover). 

Gonder, Beobachtungen fiber die endemische Lues in Bos¬ 
nian. (Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamte. Bd. 28. 1908. 
Heft 1. S. 139.) 

Verf. hat in 10 Fallen tertiarer (tardiver) Lues die Spirochaete 
paUida nicht nachweisen kiinnen. Haendel (Gr.-Lichterfelde). 

Rothschuh, E., Die Syphilis in Zentralamerika. (Archiv f. 
Schiffs- u. Tropen-Hygiene. 1908. H. 4.) 

Auf Grand langjahriger Erfahrungen ist Verf. der Ansicht, daB die 
heutigen Beobachtungen der Schwere der Syphilis-Krankheitserschei- 
nungen in den verschiedenen Staaten von Zentralamerika fur den 
zentralamerikanischen Ursprung der Syphilis sprechen: 
je mehr Indianerblut, desto leichter die Syphilis. 

Miihlens (Berlin). 

Zechmeister, H., Die Syphilis in den Tropen, deren Verlauf 
und Behandlung. (Arch. f. Schiffs- u. Tropen-Hyg. 1908. H. 11.) 

Die Syphilis veriauft in den Tropen im allgemeinen nur bei den 
durch andere Krankheiten geschwachten Patienten schlimmer. Die Be¬ 
handlung mit Schmier- und Spritzkuren bieten manche Schwierigkeiten. 
Verf. glanbt auf Grund seiner Beobachtungen die interne Behandlung 
mit Merg&lkapseln empfehlen zu kdnnen. Miihlens (Berlin). 

Kreibig, C., Einige seltene Faile und Formen der Lues. 
(Mediz. Klinik. 1907. No. 52.) 

Verf. berichtet ttber einige seltene Faile der Lues, deren Natur bei 
der Aehnlichkeit mit anderen klinisch geiauflgeren Krankheitsbildern 
langere Zeit verkannt blieb; er stellt zunachst einen Patienten vor, der 
verschiedene Male wegen Lymphome am Halse operativ behandelt war, 
bis er wegen einer geschwiirigen Gesichtsaffektion der dermatologischen 
Station iiberwiesen wurde. Abgesehen von den charakteristischen 
luetischen Geschwfiren, sprechen in diesem Faile die Ausbreitung der 
Erkranknng anf die Nacken- und Gesichtshaut, sowie die subakute 
dusterrote Hyperamie der ganzen Halsseite fftr Lues und gegen Tuber- 
kulose. Diesem Patient reiht Verf. noch 3 ahnliche an. Bei einem 
weiteren Faile muBten wegen der knrzen Dauer der Syphilis und 
Fehlens der Symptome, die fftr einen lokalisierten Hirnherd sprachen, 
die auftretenden Krampfe als funktionelle eventnell als hysterische auf- 
gefaBt werden, bis nach 8 Monaten nach der Infektion die sich rapid 
steigernden Symptome die Diagnose auf Lues cerebri und Pseudobulbar- 


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Syphilis. 


paralyse stellen liefien, was auch durch die Sektion bestatigt wurde. 
Die Stellung der Luesdiagnose wird schwerer beim g&nzlichen Fehlen 
auBerer Zeichen. So blieb ein Fall 3 Jahre unerkannt, der lange Zeit 
wegen ernes Ikterus und voraufgegangener Albuminurie von 6—8 °/ 00 
mit Karlsbader Kuren erfolglos behandelt wurde, bis das Hg die 
Besserung brachte. Ein anderer Fall war dadnrch interessant, dad bier 
als Tertiarerscheinung eine Iridocyclitis auftrat, ebenso eine tertiare 
Roseola. Andere Krankheitsbilder tauschten hier auBerdem noch eine 
Pseudoleukamie vor, und es traten so schwere Herz- und Nierenverr 
anderungen aulj daB Patient ohne Quecksilber daran gestorben ware. 

Meyer (Saarbrficken). 

Newman, Syphilitic fever, with report of a case. (Medical 
Record. Vol. 73. 1908. No. 4.) 

Yerf. berichtet fiber einen Fall von makulo-papulosem syphilitischem 
Exanthem bei einem 20jahrigen Manne, das unter solchen Symptomen 
auftrat, daB der ganze Fall einem Typhus nicht unahnlich war. Am 
1. Tage allgemeines Unwolilsein, am 2. Tage Kopf- und Bauchschmerzen, 
am Abend Mundtemperatur 40,5 0 C, Puls 130, Milz vergroBert, heftige 
Rficken- und Nackenschmerzen, Nasenbluten, am 3. Tage noch 40 0 C, 
in den nachsten Tagen nur noch m&Biges Fieber (vielleicht infolge 
Kalomelverabreichung), das aber erst am dritten Tage der Schmierkur 
verschwand, insgesamt nach 13 Tagen. Das Exanthem trat zuerst auf 
der Bauchhaut auf. Am sechsten Tage wurde ein allgemeines transi- 
torisches Erythem beobachtet. Boufiek (Prag). 

Fordyce, The vessel changes and other histologic features 
of cutaneous syphilis. (Journ. of the Americ. medic. Ass. 
Vol. XLIX. 1907. No. 6.) 

Ausffihrliche histologische Untersuchungen des harten Geschwfires 
und der Hautsyphilide, deren kurze Wiedergabe leider unmoglich ist 

BouCek (Prag). 

Bartel, J. und Stein, R., Ueber Lymphdrtisenbefunde bei kon- 
genitaler und postfotaler Lues. (Wiener klin. Wochenschr. 
1908. No. 20.) 

Nach den mitgeteilten Befunden konnen bei Fallen kongenitaler 
Lues wie in anderen Organen, so auch in den Lymphdrfisen durch das 
spezifische Virus pathologische Prozesse hervorgerufen werden. Die 
histologischen Veranderungen sind in manchen Fallen nur sehr gering, 
in anderen aber deutlich ausgesprochen. Hier findet sich eine gelegentlich 
sehr starke Zunahme der Endothelien und Phagocytose von Lympho- 
cyten durch dieselben. Hand in Hand damit geht ein Zurficktreten 
der Lymphocyten und eine Zunahme des Bindegewebes mit Verdichtung 
desselben. Wiederholt konnten auch Veranderungen des „kasigen 
Stadiums" nach Virchow beobachtet werden. Vervollstandigt wird 
das Bild durch chronisch entzfindliche Vorgange in der Eapsel der 
Lymphdrfisen und deren Umgebung. Zustande von Odem der Lymph¬ 
drfisen kombinieren sich dabei mit mehr oder weniger allgemeinen 
hydropischen Erscheinungen auch an anderen Stellen des Organismus, 
doch sind diese letzteren Veranderungen nicht fur Lues spezihsch. 


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Syphilis. 


283 


Bei den untereuchten Fallen von „ maligner Lnes w bei Erwachsenen 
warden in den Lymphdriisen Bilder beobachtet, wie sie beim „Status 
thymico-lymphaticus" gesehen werden. Es liegt hier zunachst die 
Moglichkeit vor, daB es sich am Individaen mit a priori lympbatischer 
Konstitution handelte and aas dieser Ursache die spater akquirierte 
Lues einen besonders bdsartigen Yerlauf nahm. Andererseits konnten 
jene Verknderungen der Lymphdriisen anch als Folge einer luetischen 
Infektion bei vorher nicht lymphatischen Individaen angesehen werden. 
Wenn anch die erstere Annahme die wahrscheinlichere ist, so ist die 
letztere doch nicht ganz von der Hand zn weisen. Man konnte sich 
nach den Befunden bei kongenitaler Laes (Abbau des lymphatischen 
Gewebes mit Wucherung des Stutzgewebes) vorstellen, daB ein syphi- 
litischer ProzeB nach langerer Zeit ganz gut zu jener Destruktion des 
Lympbdriisengewebes fiihren kOnnte, wie sie bei lymphatischen Indivi¬ 
daen gefanden wird. Ob sich dann ein solcher inniger Zusammenhang 
zwischen luetischer, und zwar namentlich kongenital-luetischer, Infektion 
and dem Lymphatismus im Sinne einer „defektuosen Ueberwindung“ 
in tiberzeugender Weise ergeben wird, bleibt weiteren Studien vor- 
behalten. Hetsch (Metz). 

Fischer, Akute gelbe Leberatrophie bei Syphilis. (BerLklin. 
Wochenschr. 1908. No. 19.) 

In einem zweifellosen Falle von Syphilis kam es 6 Monate nach der 
ersten Erkranknng zar Gelbsucht und nach wenigen Tagen zam Exitus. 

Die Sektion ergab aknte gelbe Leberatrophie. Spirochaten lieBen 
sich in der Leber ebenso wie in den frtiher schon daraofhin untersuchten 
4 Fallen nicht nachweisen. Es ist also diese Leberveranderung als 
eine toxische anzusehen. 

Der Patient war von vornherein in ftrztlicher Behandlung gewesen. 

W. v. Brunn (Rostock). 

Salrini, E., Sopra an caso di terziarismo precoce con gomme 
dei corpi ciliari. (Riforma Med. 1907. No. 40.) 

Der vom Verf. berichtete Fall ist interessant, weil der kom- 
plette Infektionszyklus innerhalb weniger Monate and w&hrend einer 
aaBerst gewissenhaften and energischen Kur ablief, weil auBerdem 
eine der terti&ren Erecheinungen sich in der Gegend der Ciliarkorper 
des linken Anges lokalisierte und ganz anders verlief als dies gewohnlich 
der Fall zu sein pflegt. Nach erfolgter Ulzeration trat namlich das 
Gamma in eine regressive Phase ein, wobei dann durch eine progressive 
Resorption des toten Gewebes sich fast eine restitutio ad integrum 
.herausbildete, outer Beibehaltung der Form des Bulbas and fast voll- 
standiger Riickkehr des Sehvermdgens, wie in den Fallen Oswalds 
and Gasparinis. — Damit ist also dargetan, daB das Gamma der 
Ciliarkorper nicht immer einen unglucklichen Ausgang zu verzeichnen 
hat. Sein rasches Erscheinen, gleichzeitig mit anderen tertiaren Ver- 
letzungen tragt zur weiteren Befestigung dessen bei, was schon von 
anderen Autoren hervorgehoben worden ist, daB namlich das Gumma 
der Ciliarkorper sich hSofig den anderen gewohnlichen Manifestationen 
eines frtthzeitigen Auftretens des dritten Stadiums beigesellt. 

Ceradini (Mailand). 


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284 


Syphilis. — Frambosie. 


Mancini, A., Un caso raro di reinfezione sifilitica. (Giorn. 
Med. d. R. Esercito. 1907. Fasc. 10.) 

Verf. beschreibt einen Fall von Reinfektion mit Syphilis. Aus der 
Krankengeschichte treten nachstehende hauptsachliche Angaben hervor: 
1882 Primaraffekt, 1885 letzte Manifestationen der ersten Syphilis, von 
1886—1894 Periode ohne irgendwelche Manifestationen, Heilung. In 
diesem Zeitraum verheiratet sich der Mann, steckt seine Fran nicht an 
und erhait von ihr 4 gesunde Kinder. Im Jahre 1905 nach auderehe- 
lichem Koitns neue Infektion mit Syphilis (Primaraffekt mit naclifolgenden 
sekundaren Erscheinnngen). 

Unter den von den verschiedenen Antoren berichteten Fallen finden 
sich nur wenige, die in ihrer Krankheitsentwicklung so klar nnd voll- 
standig vorliegen, und bei denen auch der zeitliche Zwischenraum 
zwischen beiden Infektionen ein so langer ist, wie der vom Verf. be- 
schriebene. Ceradini (Mailand). 

Blnth, G., Zur Aetiologie und Genese des terti&r-luetischen 
Spatrezidives. (Mediz. Klinik. 1907. No. 44.) 

Von der Annahme ausgehend, dad irgendwo im Kfirper deponiertes 
und fixiertes, lebensfahig gebliebenes Syphilisgift durch gewisse Um- 
stande, z. B. ein Trauma freigeworden, in den Blutkreislauf gelangt sei 
und so die Neuerkrankung der betreffenden Organe veranlasse, berichtet 
Verf. iiber einen Patienten, der nach 28jahriger vSllig freier Zwischen- 
zeit an einem Rezidiv schwer erkrankte. Die beachtenswerten Begleit- 
umstande waren, dad dem Patienten kurz vor Ausbruch des Rezidivs 
auf Grand von Magendarmkatarrh geraten wurde, die in den senil zu- 
ruckgebildeten Kiefern lang hervorragenden Vorderzahne und Backen- 
zahnstiimpfe ziehen zu lassen. Weil nun gerade die Zahne mit den 
Alveolen and dem sie umgebenden Zahnfleisch besonders geeignet sind, 
Schlupfwinkel fur das syphilitische Agens abzugeben, bringt Verf. das 
gesetzte Trauma mit dem Rezidiv in Stiologischen Zusammenhang und 
glaubt die Lehre daraus ziehen zu diirfen, dad Zahnleidenden mit ge- 
heilter Lues namentlich entkrafteten Oder im vorgeriickten Alter 
stehenden, aber auch den Hg. Intoleranten von alien eingreifenden, be¬ 
sonders jedoch blutigen Zahnoperationen abzuraten seL 

Meyer (Saarbrftcken). 

Neider, A., Sind Syphilis und Frambosie verschiedene 
Krankheiten. (Arch. f. Schiffs- u. Tropen-Hyg. 1908. No. 6.) 

Klinisch sind die beiden Krankheiten sehr h&ufig nicht sicher 
zu unterscheiden. Auch serodiagnostisch ladt sich eine nahe Be- 
ziehung zwischen den beiden Krankheiten, deren Erreger nur mit Muhe 
nach v. Prowazek zu trennen sind, nachweisen. Es zeigt sich ferner 
grode Aehnlichkeit beim Verhalten im Tierexperiment und gegenuber 
den Heilmitteln Jod und Atoxyl. Halberstadter brachte eine Affen- 
frambosie mit allgemeinen Effloreszenzen bei einem Orang-Utan durch 
Atoxylbehandlung zur Heilung. — Trotzdem halt auch Neider die 
Krankheiten flir atiologisch durchaus verschieden, da das 
Bestehen der einen Krankheit bei Menschen und Affen nicht refraktar 
gegen die Infektion mit der anderen macht. Milhlens. 


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Blastomykose. 


285 


Herrick, Generalised blastomycosis. (Journ. of the Americ. med. 
Ass. Yol. XLIX. 1907. No. 4.) 

Voriaufige Mitteilung iiber einen Fall generalisierter Blastomykose 
bei einer 24jfihrigen, hysterischen Fran. Die Krankheit brach aus 
wahrend der Laktation nnd es entwickelten sich nicht weniger als 79 
verschiedene kntane, snbkntane nnd noch tiefer greifende, selbst Enochen 
zerstorende Lasionen. Nach nngefS.br zweijahriger Dauer trat Besserung 
ein. Neben kraftigenden Mitteln wurde Jodkali verabreicht, das die 
Krankbeit giinstig zu beeinflussen schien. Es wnrde anch Kupfersnlfat 
versucht, innerlich nnd fiuilerlich, die Wirknng war aber sehr zweifel- 
haft. Der Fall wird von dem bebandelnden Arzt Dr. Garry ansfiibrlich 
beschrieben werden. BonCek (Prag). 

Hektoen, Systemic blastomycosis and coccidioidal granu¬ 
loma. (Jonrn. of the Americ. med. Ass. Yol. XLIX. 1907. No. 13.) 

Yerf. fand 13 Falle generalisierter Blastomykose in der Literatnr 
(darnnter 2 von Christensen-Hektoen): 11 Manner, 2 Frauen; 
Alter 17—58 Jahre; die Manner waren alle kOrperlich arbeitende; keine 
bestimmten Angaben fiber Hereditat nnd Kontaktinfektion; 2 Falle ge- 
heilt, 11 gestorben; Dauer verschieden, aber in alien verflossen Monate 
von dem ersten evidenten generalisierten Ausbrnche bis znm Tode. 
Dreimal akuter Anfang mit Fieber nnd rascher Entwicklung kntaner, 
subkutaner nnd tieferer Lasionen; dreimal Husten nnd Brustschmerzen 
als erste Symptome; einmal begann die Krankheit mit rekurrenten An- 
fallen von Schttttelfrost nnd Fieber, Lnngensymptomen nnd subepider- 
malen Lasionen, andersmal mit nnr leicbten Allgemeinerscheinungen. 
Die Geschwure waren nicht immer schmerzhaft, manchmal nur beim Be- 
tasten, andersmal fiberhaupt sehr schmerzhaft; der Verlauf nnd die 
Symptome waren die einer mehr Oder weniger chronischen, pyogenen 
Infektion mit besonderer Tendenz zur oberflachlichen Lokalisation; der 
Nachweis der Blastomyzeten in den snbkutanen Oder kutanen Knoten, 
Geschwnren, Abszessen war nicht schwer; bei Lungenerkrankungen 
liefien sich Blastomyzeten im (manchmal blntigen) Sputum nachweisen; 
die Diagnose ist also nicht besonders schwer. Was die Invasionspforte an- 
belangt, bestand bei 3 Kranken (bei 1 nicht ganz sicher) seit einiger Zeit 
Blastomyzetendermatitis, bei einigen brach die Krankheit subepidermal 
nnd subkutan aus, bei einigen wiesen die ersten Symptome auf den 
Respirationstraktus als Eintrittspforte hin. — Bemerkenswert ist, dafi 
die Lymphknoten als mitergriffen nnr in 2 Fallen erwahnt werden, 
aus dem Blnte warden die Blastomyzeten einmal reingezuchtet, 2mal 
warden sie darin mikroskopisch nachgewiesen; Lokalisation: hauptsach- 
lich in inneren Organen in 2 Fallen, in fast alien ttbrigen hauptsfich- 
lich in der Hant; bemerkenswerte Lokalisationen: 3 Spondylitiden, 
1 Larynx- nnd Trachealgeschwure, 1 Kolonknoten, 1 Nervensystem nnd 
Lymphknoten; einmal generalisierte Blastomykose mit gleichzeitiger 
Lungentuberkulose; 2mal Amyloid. — Pathologische Anatomie: Ent- 
zfindliches Grannlationsgewebe, zahlreicheRiesenzeUen Langhansschen 
Typus, Eitemng; das Verhaitnis zwischen Proliferation nnd Eiterung 
ist verschieden; aber im lockeren Bindegewebe, z. B. der Subkutis, 
scbeint eine ansgesprochene Tendenz zur Eiterbildnng zu bestehen. 
Die knotigen, proliferierenden Bildnngen sind in gewissen Punkten 


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286 


Blastomykose. 


Tuberkeln Shnlich, Verkasung scheint aber nie vorzukommen. — Von 
„protozoischer Hautkrankheit“ (Wernicke, Rixford, Gilchrist) 
resp. r Kokzidiengranulom“ (Ophftls) fand Verf. 17 FSlle in der Literatur 
verzeicbnet. — Beide Krankheiten sind einander klinisch und anatomisch 
Shnlich, die Kokzidienknoten sind aber dem Tnberkel noch ahnlicher 
and der Lymphapparat zeigt bei dem Kokzidiengrannlom eine ausge* 
sprochene Neignng zur Beteilignng an dem Prozesse. 

BouCek (Prag). 

van de Velde, Blastomyceten und Entzfindungen der weib- 
lichen Genitalien. (Centralbl. f. Gyn. 1907. No. 38.) 

Wahrend in der gynakologischen Literatur nur fiufierst sparliche 
Angaben fiber den Befund von Blastomyceten in den weiblichen Geni¬ 
talien sich finden, glaubt Verf. nach seinen Erfahrungen, dafi diese Be- 
funde keineswegs selten sind — fand er doch bei 77 Patientinnen mit 
Entzfindungen Blastomyceten — und dafi sie auch eine direkte atio- 
logische Bedeutung lur die Pathologie der weiblichen Genitalien besitzen. 

So betrifFt die grofite Anzahl seiner Falle aknte Entzfindungen der 
Cervixschleimhaut mit Kolpitis und Vulvitis und zwar nicht nur bei 
der geschlechtsreifen Frau, sondem auch bei Kindern (z. B. 2 und 
4 Jahre alt) und jungen Madchen. 

Eine besondere Predisposition fur die Infektion mit Blastomyceten 
mochte Verf. dabei besonders in der chronischen Gonorrhoe und in der 
Graviditat erblicken. So fand er eine Blastomycetenkolpitis resp. 
-Endometritis 15mal bei Schwangeren nnd, dafi auch die Blastomyceten 
dann ffir pnerperale Erkrankungen fitiologisch in Betracht konrmen 
konnen, glaubt er aus einem dieser Falle schliefien zu konnen, welcher 
bei positivem Blastomycetenbefund im Fruchtwasser schon wahrend der 
Geburt Fieber zeigte, und aus einem weiteren an Puerperalfieber letal 
verlaufenden Fall, in welchem aus dem durch Yenenpunktion gewonnenen 
Blute neben einem zur Mesenterikusgruppe geliorigen Stabchen Blasto¬ 
myceten sich fanden, zugleich mit positivem kulturellen Befund in den 
Lochien. Von weiteren gynakologischen Erkrankungen erwfihnt Verf. 
noch das Yorhandensein von Blastomyceten in 2 cystisch entarteten 
Glandulae Bartholini bei clironischer Gonorrhoe, ferner in miliaren Abs- 
zefichen der Wandungen einer wegen „8chmerzen, lange andauernden 
Blutungen und fortwahrender Verschlimmerung des Allgemeinzustandes“ 
entfernten Gebarmutter, ferner in Tubentumoren, die abgesehen davon, 
dafi Verwachsungen der Aufienflache fehlten, vollstandig einer tuber- 
kulosen Pyosalpinx glichen, weiter in dem kasigen Eiter einer Pyelo¬ 
nephritis und Cystitis, sowie auch schliefilich in der freien Peritoneal- 
hiihle bei einer letal verlaufenden allgemeinen Peritonitis nach vaginaler 
Totalexstirpation des karzinomatosen Uterus. In dem durch Yenen¬ 
punktion gewonnenen Blute fand Verf. ferner Blastomyceten, aufier dem 
oben erwahnten puerperalen Falle, noch einmal bei einer Patientin mit 
inoperablem Cervixkarzinom im Stadium hektischen Fiebers (Bakterien 
kulturell nicht nachweisbar) sowie bei 2 Fallen „reiner Blastomyceten- 
sepsis,“ wobei einmal der Ausgangspunkt ffir die Blutinfektion oflFenbar 
in einer akuten von den Adnexen ausgehenden mit Douglasabszefl ein- 
hergehenden Pelveoperitonitis zu suchen war, wahrend es sich in dem 


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Blastomykose. 287 

anderen Falle um eine typische septische Endokarditis ohne deutliche 
Ursache bandelte. 

DaB den Blastomyeeten wirklich e